AFS – dies und das
AFS – dies und das (3.)
01.12.2019
Aus der schon vorgestellten Abhandlung zu den Absenderfreistempeln bis zum Jahre 1945 kann unter
AFS – dies und das eine dritte kleine Reihe vorgestellt und nachträglich auch eingefügt werden mit seltenen Versendungsformen und entsprechenden Portostufen, die nicht allzu häufig anzutreffen sind.
Zunächst ein Beleg aus der Krankenanstalt Bethel bei Bielefeld mit Datum vom 24.11.1934. Paserin grenzt an Uckro im Spreewaldbereich von Brandenburg und war dem Landpostbereich zugeordnet. Der eilige Brief aus Bethel lief an den dortigen Pfarrer und das Briefporto mit 12 Reichspfennigen bedurfte der Aufstockung um 80 Rpf. für den entsprechenden Eilbotenzuschlag im Landzustellbereich. In diesem Zusammenhang verweise ich auch auf den Beleg zu 122 Reichspfennigen bei noch zusätzlichem Einschreibverfahren im Landpostbereich.
Der folgende großformatige Briefbeleg sollte ausgehend von Hamburg und der dortigen
Tankschiff Rhederei WARIED schnellsten den Ziel den Zielort Liverpool in England und die dortige
Anglo-American Oil Company Ltd. Im Angloco- Building erreichen. Dazu bedurfte es der Freimachung für die europäische Auslandssendung mit 56g und damit in der 3. Gewichtsstufe über 50Reichspfennige. Hizu addierte sich die Einschreibgebühr mit 30 Rpf., der Eilbotenzuschlag mit 50 Rpf. und die Luftpostgebühr mit 3x20 Rpf. zum Gesamtportobetrag von 195 Rpf.
Das folgende Wertpaket ging von Guben im brandenburgischen Niederlausitz gelegen mit Datum vom 28.1. 1928 in die südfinnische Stadt Karjaa (heute der Stadt Raseborg zugehörig). Das Wertpaket lief über Stettin, wog 2,95 kg und erreichte Helsinki mit Poststempel am 4.2.1928. Der Absenderfreistempel in der Portostufe zu 315 Reichspfennigen dokumentiert die berühmte Hutfabrik C.G. Wilke. Carl Gottlob Wilke geb. 1796 kam nach Guben und gründete dort eine Hutfabrik, erhielt das Patent zu seiner Erfindung des Dekatieren von Wollhüten und expandierte damit zum Weltunternehmen. Beim Dekatieren schrumpft unter Wasserdampf und Druck die Wolle in einen stabilen und anhaltenden Formzustand, der natürlich bei den Hüten – ausgesetzt Hitze, Wind und Wasser - sehr erwünscht ist.
Es folgt eine Paketkarte mit Absenderfreistempel der Firma W. Goebel aus Oeslau im Landkreis Coburg mit Datum vom 17.9. 1938 in der Werstufe zu 500 Reichspfennigen. Das 14,7kg schwere Paket ging in die Stadt Zagreb in dem damaligen Jugoslawien. Der Empfänger war die Firma STAKLANA R. Pasaric und existiert unter diesem Namen evtl. noch als dortiges Kaufhaus auch mit Porzellan- und Glasware. Die Goebel Porzellanfabrik in Oeslau war dort von 1871 bis zum Konkurs im Jahr 2006 durchgängig aktiv und hatte noch im Jahr 1997 noch insgesamt 1300 Mitarbeiter beschäftigt auch mit der Herstellung der weltbekannten HUMMELFIGUREN. Teils wechselhafte anschließende Besitzverhältnisse halten die Traditionsfirma in reduzierter Belegschaft meines Wissens nach noch aufrecht.
Die vorstehenden Belege wurden auch in die Belegserie AFS bis 1945 nach ihren Portowertstufen eingefügt.
AFS – dies und das
AFS – dies und das (2.)
Aus der schon vorgestellten Abhandlung zu den Absenderfreistempeln bis zum Jahre 1945 kann unter
AFS – dies und das eine zweite kleine Reihe vorgestellt und nachträglich auch eingefügt werden mit Wertbriefbelegen der DAIMLER-BENZ AG Stuttgart mit der Fa. ELEKTRISCHE KRAFTÜBERTRAGUNG GmbH in Herrenberg. Der als Genossenschaft 1906 gegründete Stromerzeuger war in Württemberg vorbildhaft in der Frühzeit der allgemeinen Elektrizitätsversorgung des Landes gewesen. Die hohen Wertbrief-versicherungen der Daimler-Benz Briefbelege lassen auf eine Barzahlung ihrer Stromrechnungen schließen!
Das Postentgeld zum oben vorgestellten großformatigen Wertbrief mit Datum vom 27.7.1939 errechnet sich aus der Briefgebühr zu 0,24RM in der 2. Gewichtsklasse (42g) und der Versicherungsgebühr. Hier war die Grundversicherung mit 0,60 RM bis 500 RM anzusetzen und für jeweils weitere 500 RM war eine Briefversicherungsgebühr zu RM 0,10 fällig. Damit summiert sich der portogerechte Einzelbetrag über 3,24 RM aus der 0,24 Briefgebühr + 0,60 Wertbriefgrundgebühr und 24 x 0,10 = RM 2,40 bei einer Gesamtversicherung über 12400 Reichsmark.
Entsprechend der oben angeführten Postentgeldberechnung ergibt sich für den vorstehenden Beleg die Berechnung mit 0,24 (Briefgebühr) + 0,60 (Wertbrief-Grundgebühr bis 500RM) und mit 23 x 0,10 (s. Zusatzversicherung über weitere RM 11300 RM) zum Endbetrag von RM 3,14 bei der Versicherung über 11800 Reichsmark. Der V-Zettel weist mit dem
Kennbuchstaben D auf das Selbstbucherverfahren hin.
Ebenso zu den oben angeführten Postentgeldberechnungen ergibt sich für den vorstehenden Beleg die Berechnung mit 0,24 (Briefgebühr) + 0,60 (Wertbrief-Grundgebühr bis 500RM) und 20 x 0,10 (s. Zusatzversicherung über RM 9900 RM) zum Endbetrag von RM 2,84 bei der Versicherungsgebühr über 10400 Reichsmark. Der V-Zettel weist mit dem
Kennbuchstaben D erneut auf das Selbstbucherverfahren hin.
In dem obigen Fall war eine deutlich geringere Versicherungssumme zu berücksichtigen (Nachforderung?) und erforderte somit zur Briefgebühr von 0,24 und Wertbriefgrundgebühr zu 0,60 nur noch 4x0,10 für die höhere Versicherung und damit summiert sich das Postentgeld in diesem Fall portogerecht auf 1,24 Reichsmark.
Weitere Wertbriefe in diesen Portostufen wurden bei gleichen Postentgeldbeträgen der
Daimler-Benz AG nicht mehr vorgestellt, lassen aber auf ca.
25000 RM Stromkosten monatlich im Jahr 1939 im Werksbereich Stuttgart schließen.
AFS – dies und das (1.)
Unter dem Begriff
AFS – dies und das erfolgt eine 1. Fortsetzung und Ergänzung zur Vorstellung der Absenderfreistempel (AFS) bis zum Jahr 1945. Sie finden den Menüpunkt unter
Freimachung mit Freistempel und gelangen unterhalb des Punktes
Belegdokumentation Absenderfreistempel zu
AFS – dies und das am Ende der Menüleiste
. In die schon vorliegende Belegdokumentation Absenderfreistempel werden auch die 6 vorgestellten AFS – Belege rückwirkend mit den Wertstufen 100, 270, 380 und 840
zusätzlich eingereiht.
Zunächst werden erst einmal 3 Belege im Freistempelwert zu 100 vorgestellt. In dieser an sich schon nicht so häufigen Wertstufe können 3 weitere Belegbeispiele eingefügt werden und erhöhen die Gesamtzahl erstaunlicherweise auf 13 Stück!
Briefbeleg von Berlin nach St. Louis (USA) mit Luftpost Nachbringerpost zum Dampfer COLUMBUS in CHERBOURG mit Datum vom 29.7.1930. Der Dampfer COLUMBUS auf der Nordatlantikroute hatte
keine Katapultflugeinrichtung. Der vorteilhafte Zeitgewinn lag im Nachbringerdienst ab Köln per Luftpost zum Schiff. Portoentgeld betrug für den Brief 40 Pfennige (25 Pfennig Grundgebühr bis 20g und weitere 15 Pfennige für die Gewichtsklasse von 20 bis 40g). Die Nachbringergebühr betrug 30 Pfennige pro 20g und somit in diesem Fall in der 2. Gewichtsklasse 60 Pfennige und summierte sich mit dem Auslandsbriefporto zum Endbetrag von 100 Pfennigen. Francotyp C Freistempler der
Associated Merchandising Corparation, Berlin (Berliner Niederlassung des US - Konzerns) mit einer Nachricht an
Stix, Baer & Fuller Comp. (bekannte Warenhauskette in den USA) und Wertrahmen Bogenrechteck und roter Zubringernebenstempel zum Dampfer „Columbus“.
Der vorstehende Komusina Freistempelabschlag datiert vom 15.8.1938 und dokumentiert eine Briefsendung von München nach Amsterdam. Das Gesamtporto von 100 Pfennigen lässt auf ein Sendungsgewicht von 100 bis 120g im Auslandsposttarif vom 1.1.1935 schließen. Linksseitig 6stelliger Portosummenzählerstand mit recht hoher Summenzahl und erreichten 9810 Reichsmark (Komusina Typ D).
Es folgt ein großformatiger Papierausschnitt von Hamburg nach Kolumbien
Der vergrößerte Detailausschnitt des Absenderfreistempels (Kontrast verstärkt) belegt die Wertstufe 100 und das Handelsunternehmen SCHLUBACH als Besitzer. Bereits dieses Handelshaus hat eine sehr bewegte und schillernde Geschichte und an dieser Stelle nur der Hinweis auf frühzeitige und vielfältige Handelsbeziehungen nach Südamerika. Die Absenderfreistempel aus der Tarifzeit bis zum 1.8.1927 sind in besonderen Versendungsformen aus der Frühphase in dieser Freistempelform nicht allzu häufig anzutreffen und hier mit Post nach Kolumbien und der Stadt Medellin und Datum vom 4.12.1926 schon eine bemerkenswerte Ausnahme.
Die Wertstufe zu 100 Pfennigen gilt im Auslandstarif vom 1.10.1925 für ein Briefgewicht von 100 bis 120g. Francotyp C Freistempler und Wertrahmen Bogenrechteck. Grüner Zettel
Par Avion, Barranquilla-Neiva. Hinzu kommt die Versendung mit der SCADTA (
Sociedad Colombo-Alemana de Transportes Aeros gegr. 1919 ) und Freimachung mit den SCADTA – Ausgaben für Kolumbien (10 C grün, 2x 20 C grau und 1x 1 P grau, alle mit Länderaufdruck A) für die innerkolumbianische Zustellung. Nachfolgend Ausschnitt einer Briefvorderseite mit Werbung in Berlin für die SCADTA – Luftpostlinien in Kolumbien und Ecuador.
Der folgende kartonförmige Adressträger mit Datum vom 19.April 1940 wurde bereits einmal vorgestellt und dokumentiert postgeschichtlich den Stand des 2. Kriegsjahres 1940. Die Sendung aus dem Verlag Scherl in Berlin sollte die Hauptgeschäftsstelle der Western Maryland Railway Company in Baltimore erreichen. Der Verlag nutze den Postweg Via Sibirien und Japan, denn noch waren im April 1940 Russland, Japan und USA nicht in diesen weltumspannenden und entsetzlichen 2. Weltkrieg eingetreten und involviert. Vorderseitig noch U.S. Zollstempel aus Baltimore abgeschlagen.
Dieser noch mögliche Postweg kann auch durch Nebenstempel auf folgendem Auslandsbeleg nach Whippany einer Stadt im US – Staat New Jersey noch einmal
zur Ergänzung vorgestellt werden. Via Sibirien-Japan. California Dienst. Nicht über Canada.
Es folgen 3 weitere Wertstufen, die ebenfalls unter AFS bis 1945 eingereiht werden
Der folgende Brief wurde freigestempelt mit dem Freistempler der HAMBURG-AMERIKA-Linie am 24.11.1933 Hamburg. Die Zuleitung erfolgte von Hamburg per ZUG D 192 zur Leitpostanstalt mit dem Bahnpostamt 19 in Frankfurt und erreichte die France-Amèrique du Sud. über die französische Luftpoststelle LYON MARSEILLE. Durchgangsstempel LYON datiert vom 26.11.33 und der Ankunftsstempel in Buenos Aires mit dem 3. Dezember 1933 dokumentiert eine 9-tägige Transportdauer. Freistempler Francotyp C und Wertrahmen Bogenrechteck. Das Portoentgeld für den 25g schweren Brief errechnet sich aus der Briefgrundgebühr im Auslandstarif mit 0,40 RM und 5x 1,60 RM (franz. Luftpost für Argentinien) zum Gesamtbetrag von RM 8,40.
Rückseite
Nachfolgend eine Auslandspaketkarte freigestempelt mit Absenderfreistempel der Fa. Zirnité & Kolbig in Greiz mit Datum vom 3.2.1930. Die renommierte Kammgarnweberei hatte ein Paket nach Budapest an die Fa. Bela auf den Weg gebracht.
Die folgende Abbildung dokumentiert eine Paket-Nachnahmesendung der Flöther-Werke in Gassen (heute polnisch) nach Nordheim im damaligen Elsass. In Gassen war der Landmaschinenbau der Firma etabliert, die sich nach dem Konkurs von 1933 „neue Flöther Landmaschinen Aktiengesellschaft“ umfirmierte.
Im Paketposttarif vom 15.1.1932 galt für die Entfernungszone 4 die Paketgebühr für 10,5kg Reichsmark 2,35 und addierte sich mit der Nachnahmegebühr zu 20 Pfennigen und der Zustellgebühr mit 15 Pfennigen zum ausgewiesenen Gesamtbetrag von 2,70 Reichsmark. Francotyp C Freistempler und Wertrahmen Reichsadler.
