VW und Wolfsburg, BRD ab 1949
(Volkswagen wieder in deutschem Besitz und die Stadtentwicklung Wolfsburg)
Nordhoff hatte gerade die Regie in Wolfsburg übernommen, da belegt auch die erste Philatelieveranstaltung in Wolfsburg nach dem Krieg schon ein kleines Stück eingekehrter Normalität. R-Zettel mit Gummistempel (20a) Wolfsburg und Sonderpostamt.
Zur Postwertzeichenschau im Januar 1948 gab es auch eine Postkarte zum Preis von 15 Reichspfennigen, die nachfolgend auch mit den Druckphasen und – proben vorgestellt wird.
Ob mit dem 18.Januar 1948 absichtlich genau nach 6 Jahren die 2. philatelistische Ausstellung terminiert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis und ist zu bezweifeln.
Dies war aber auch die
Zeit des Schwarzhandels und der Hamsterfahrten und damit auch im Wirtschaftsgefüge Deutschlands und für die Menschen in der Nachkriegszeit teils chaotische Verhältnisse und dies in allen vier Besatzungszonen. Das „ORGANISIEREN“ im Deutschland der zusammengebrochenen Verkehrssysteme führte sogar im Maschinenstempel der Post Leipzig aus dem Jahr 1947 zur Warnung vor dem
TOD als TRITTBRETTFAHRER auf den überfüllten Zügen der Nachkriegszeit. Sicherlich ist dieser Poststempel der heutigen Jugend ohne weitere Erläuterungen nur noch schwer vermittelbar und verständlich.
Aber auch das Thema deutsche Kriegsgefangene sollte noch längere Zeit leidvoll die Familien und die Politik beschäftigen und begleiten und findet sich auch auf Briefbelegen wieder.
Aber das Jahr 1948 hatte mit der Währungsreform auch eine weitere wesentliche Entscheidung für die Entwicklung im westlichen Zonenbereich nach dem 2. Weltkrieg zur Folge. Die „letzte Stunde“ der Reichsmark nachfolgend philatelistisch dokumentiert.
Die Umstellung auf die DEUTSCHE MARK hatte aber im Postbetrieb noch eine geduldete 2tägige Phase mit den sog. 10fach Frankaturen und davon nachfolgend 2 Belege in die Stadt Wolfsburg. Beide Briefbelege mit Datum vom 21.6.1948.
Während im unteren Schreiben mit H. Engelmann ein schon mehrfach vorgestellter Philatelist in diesem Fall vielleicht wohl „tätig war“, geht das obere Schreiben aus dem technischen Büro Faber in Augsburg an Dr. Feuereisen und das Volkswagenwerk in reiner Bedarfsform. Dr. Feuereisen war zu diesem Zeitpunkt Leiter des
VW – Kundendienstes und ist bekannt aus der Zeit der SILBERPFEILE als Rennleiter bei der AUTO-UNION.
VW – Kundendienst ist ein wichtiges Stichwort zu dieser Zeit. Schon unter britischer Werksregie sah man im Export eine Zukunftschance für den Volkswagen und Holland, Belgien und die Schweiz wurden bereits Ende 1947 (!) mit ersten Autos beliefert und in Deutschland war schon ein Kundendienstnetz für die ausgelieferten Wagen an die Alliierten etabliert worden. Die eingeleitete Währungsreform brachte dann den endgültigen Durchbruch. Schlagartig kam es zur Stabilisierung im Marktgeschehen mit Verfügbarkeit von Material, Einhaltung von Lieferfristen und kalkulierbaren Preisen. Volkswagen hatte zu diesem Zeitpunkt einen Produktionsvorsprung gegenüber Ford und Opel, deren Muttergesellschaften allerdings die Entwicklungsmöglichkeiten des zukünftigen deutschen Marktes nach dem Krieg unterschätzten und daher von Investitionsmöglichkeiten auch ihrerseits selbst (!) in das VW –Werk absahen, das zudem in exponierter und unsicherer Lage unmittelbar an der Zonengrenze und somit zum sowjetischen Machtbereich lag.
Mit sichtbarem Stolz nahm das Volkswagenwerk den zunehmenden Erfolg zum Anlass mit Post-Werbestempeln die steigenden Produktionszahlen seit Kriegsende zu dokumentieren!
Ob im Jahr 1955 allerdings der folgende Absenderfreistempel im Volkswagen-Konzern nach weiteren 47 Jahren vorstellbar war, kann sicherlich und ernsthaft bezweifelt werden!
Die oben vorgestellten Handwerbestempel wurden vom Volkswagenwerk gesponsert und dazu nachfolgend noch ein entsprechendes Belegensemble.
Zurück in die Werksproduktion 1948 und folgend vielleicht ein Transport Richtung Holland.
Im August 1947 war
Ben Pon Generalimporteur für Volkswagen in Holland geworden, glaubte an das Käfermodell und startete seinerseits auch den Export in die USA. Damit war seine Begeisterung für Volkswagen noch nicht beendet. Schon 1947 konzipierte er in seinem Notizbuch ein Transportermodell und ist wohl einer der Väter dieser unglaublichen weiteren Erfolgsgeschichte des VW – Konzerns. Nachfolgend eine eigene Fotografie der Entwurfszeichnung seines Originalnotizbuches ausgestellt in einer Vitrine im Pavillon der Autostadt Wolfsburg.
Folgende Aufnahme aus dem Jahr 1951 ist ein sinnfälliges Zeitdokument: „Käfer und Bulli“ gemeinsam vor dem Kino mit der Filmreklame
Die DRITTE von RECHTS (Film aus dem Jahr 1950) mit den Darstellern Vera Molnar, Peter van Eyck, Grethe Weiser, Robert Lindner u.a.! Die Männer stehen in langen Mänteln vor dem Kino, Hände cool in den Taschen und Hüte waren natürlich noch „Pflicht“. Die Motorradmarke kann ich leider nicht identifizieren.
Philatelistisch lassen sich die beiden für Volkswagen so wichtigen Nachkriegsmodelle ebenfalls in kombinierter Form finden und dokumentieren.
Auch in diesem Fall mittlerweile ein Ausblick auf 50 Jahre VW - Nutzfahrzeuge mit einem entsprechendem philatelistischen Erinnerungsbeleg und dies auch unter Nutzung eines diesbezüglichen Zudrucks im Einschreiblabel aus dem Jahr 2000.
Aber zurück in die Nachkriegszeit mit steigenden Produktionszahlen des „Käfers“ und Vertrieb auch in der isolierten Lage der geteilten Stadt Berlin.
Im Westberliner Sektorenbereich hatte der Fahrzeugbau WESTEND die Generalvertretung des Volkswagenwerkes - Wolfsburg übernommen und warb 1949 noch ungehindert mit der Volkswagensilhouette und dem KdF – Logo in der Seitentür des Wagens!
Detailausschnittbeispiele zum
KdF – Schriftzug in den Wagentüren
An dieser Stelle noch der Hinweis auf die Schillermühle in Wolgfsburg
Gräfl. v. d. Schulenburg`sche Mühlenwerke „Schillermühle“ (20a) Wolfsburg mit Datum vom 2. Dezember 1948
In der Stadt Wolfsburg war nach dem Kriegsende permanent die Wohnungssituation das THEMA NUMMER 1. Barackenstadt, enorme Fluktuation der Bewohner und zudem noch rasch ansteigende Einwohnerzahlen waren die problematische Ausgangslage. Von Ruinenstadt darf eigentlich dennoch nicht gesprochen werden, da die Luftangriffe auf das Volkswagenwerk die eigentliche Wohnbebauung relativ verschont hatten! Somit kennzeichnet der folgende Sonderstempel aus Wolfenbüttel wohl mehr die Situation für das VW - Werk und nicht ganz die Verhältnisse für die Stadt Wolfsburg.
Aber der Volkswagen kann zukünftig noch häufig bildlich in Poststempeln gefunden werden und von 1952 bis 1956 auch im Postamt der Stadt Wolfsburg gemäß obiger rechter Abbildung vor der Silhouette des Volkswagenwerkes. Wolfsburg bezeichnet sich hier selbst als Volkswagenstadt und trifft damit den absoluten Sachverhalt. Die Stadt war eine Gründung zur Autofabrik und stand demgemäß über Jahrzehnte im Schatten der Werksentwicklung. Diese Abhängigkeit war in Zeiten des Wirtschaftswunders und ständig steigenden Produktionszahlen sicherlich kein Problem, in Autokrisensituationen war aber eine „Werksbronchitis“ sicherlich für die Stadt gleich eine „Lungenentzündung“. Arbeitsplätze standen stets in Abhängigkeit des Werkes und selbst Zulieferfirmen zog es wegen des höheren Lohnniveaus und Lohnzulagen nicht in die Werksnachbarschaft von Volkswagen. Erst in den letzten 2 – 3 Jahrzehnten hat sich diese Abhängigkeit verringert.
Der obige Stempel Wolfsburg – Volkwagenstadt war übrigens 1952 - 1956 nicht im Schalterbetrieb sondern im Stempel- und Sortierraum eingesetzt. Machte das Werk mit steigenden Autozahlen im Poststempel Reklame, so münzte in analoger Form die Stadt dies auf die steigenden Einwohnerzahlen um und dies in gleich drei Stempelformen.
Zu dieser sprunghaft wachsenden Einwohnerzahl gehörten natürlich erhebliche Veränderungen im Panorama von Stadt und Werk. Eine vielfältige Zahl von alten und neuen Ansichtskarten steht zur Dokumentation zur Verfügung und soll in dieser Abhandlung nur mit einigen charakteristischen Beispielen die Entwicklung skizzieren. Schon die Werkskulisse (s.a. im obigen Stempel 1952 bis 1956) veränderte auffällig ihre Silhouette. Der Kraftwerksblock am Hafengelände kann die Entwicklungsschritte besonders dokumentieren durch die wiederholten Umbauten im Schornsteinbereich. Dazu einmal zwei Ansichtskartenausschnitte als Beispiel.
VW - Werk am Mittellandkanal mit und ohne Schornsteine im Kraftwerksblock
Der Werkszugang erfuhr ebenfalls charakteristische Veränderungen über verschiedene Brückenversionen.
Neben den beiden Brückenbauten zeigt übrigens der Kraftwerksblock auf dieser Aufnahme noch die „3 Schornsteinvariante“. Nachfolgend der Werkseingang bei Schichtwecksel auf einer Ansichtskarte aus dem RNK-Ansichtskarten-Verlag,Braunschweig.
Nach Süden hinter Bahn und alter Brücke vermittelte der Schachtweg als ersten Eindruck noch längere Zeit den Zustand des Provisoriums und dazu eine Ansichtskarte aus dem Verlag H. Fangmeier, Bad Homburg.
Auch eine Tunnelanlage diente später zur Verbindung von Stadt und Werk
Tunnelaspekte zum Volkswagenwerk aus einer Ansichtskarte, Verlag F.Lagerbauer, Hamburg
Die spätere Hauptgeschäftstraßenentwicklung verlagerte sich aber vom oben vorgestelltem Schachtweg Richtung Osten und der Ratsbeschluss im Dezember 1949 bedeutete Planung und Bau der
Porschestraße. Nach anfänglichem Zögern und auch Bedenken der Geschäftswelt zu den Entwürfen von Stadtplaner REICHOW wurde nach 1953 die Entwicklung zur Hauptgeschäftsstraße rasant verwirklicht. Die Entwicklung der Porschestraße bis zur verkehrberuhigten Einkaufsstraße spiegelt sinnfällig ein Stück Stadtgeschichte und auch das Kaufhaus HERTIE hat hier schon seine Historie mit der Adresse
Porschestraße 2 und dazu an dieser Stelle auch ein Verweis auf den Menüpunkt
Quelle- ein deutsches Versandhaus auf dieser Homepage.
Nachfolgend ein kleines Kontrastprogramm aus zwei verschiedenen Ansichtskarten im Verlag F. Lagerbauer, Hamburg und LUX – Verlag, Hannover zur Entwicklung der Porschestraße jeweils mit Blickrichtung zur Wolfsburg.
An dieser Stelle ist auch ein kurzer Einblick in die erste Entwicklung der Nachkriegszeit bezüglich der kirchlichen Bauten in Wolfsburg interessant. Für die evangelische Kirchengemeinde standen noch die unzerstörten Gebäude der St. Marien-Kirche in Alt-Wolfsburg und der St. Annen-Kirche in Heßlingen nach Kriegsende zur Verfügung.

St. Marien Alt-Wolfburg ca. 1930 St. Annen in Heßlingen
Während für die evang. Gemeinde noch eine Baracke am „schwarzen Weg“ eingerichtet wurde, bestand für die katholische Gemeinde die Notkirche seit 1940 in einem eingerichteten Saal der Gaststätte Wolter in Heßlingen.
Für die rasch wachsenden Einwohnerzahlen waren Kirchenbauten gewünscht und gefordert, wurden seit Ende der 40er Jahre geplant und bereits Ende
1951 für die evangelische und die katholische Glaubensgemeinschaft mit ersten Gebäuden realisiert und eingeweiht.
Die Christopheruskirche der katholischen Kirchengemeinde war praktisch für Peter Koller - Stadtplaner der KdF – Stadt in den Jahren 1938 bis 1942 - offiziell wieder das erste öffentliche Bauwerk in Wolfsburg. Da die bauliche Tätigkeit der KdF - Stadt 1942 damals eingestellt wurde, meldete Koller sich zum Kriegsdienst an die Ostfront mit der Folge sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach glücklicher Rückkehr arbeitete er bis 1949 und seiner Entnazifizierung zunächst als Mitarbeiter im Planungsbüro von Dr. Taeschner seinem Stellvertreter aus den Anfangsjahren in der KdF – Stadt.
Der Christuskirche für die evangelische Kirchengemeinde in der Friedrich-Ebert-Straße lag die Planung von Prof. G. Langmaaack aus Hamburg zu Grunde. Beide Ansichtskarten der Kirchenbauten stammen aus den Anfangsjahren der 50er Jahre.
Bereits
1948 wurde zur Linderung der Wohnungsnot auch ein neues großes Ledigenwohnheim durch das Volkswagenwerk an der Kleistraße errichtet. Am 22.10.1948 erfolgte die Einweihung durch Generaldirektor Nordhoff, der in seiner Rede sogar von einem „einzigartigem Bauwerk in ganz Europa“ sprach mit Waschräumen, Teeküchen, Besucher-, Lese-, Spiel-, Musik- und Schreibzimmer für die 185 Wohnräume mit ihren zugehörigen Sanitäreinrichtungen. Dazu sind nicht nur entsprechende Ansichtskarten zahlreich vertreten, sondern auch verschiedene Ausgaben aus der Bildkartenserie der Deutschen Post „Lernt Deutschland kennen!“ gestaltet und dazu nachfolgend auch ein Probeabzug in schwarz/weiß zur 1. Ausgabe.
Im Oktober
1948 gründet sich aber auch der „Hilfsverein ehemaliger Volkswagen-Sparer e.V. Niedermarsberg“ (HeV) und klagt auf Lieferung der angesparten Volkswagen.
Die zeitgenössischen Zeitungsausschnitte spiegeln 12 Jahre Prozessdauer wieder, der mit einem Vergleich endet und in dem nur 28% der ehemals 336668 VW-Sparer ihre Ansprüche auf Abfindung mit Erfolg nachweisen. Deutsche Arbeitsfront und ihr Sparprogramm für den KdF – Wagen und die Volkswagenwerk GmbH standen im Prozess in ihren vertraglichen Abhängigkeiten und gegenseitigen Verpflichtungen zur rechtlichen Diskussion. Mehrfach gingen Urteile des Oberlandesgerichtes nach Revision des Senats des Bundesgerichtshofes „hin und her“. Ob der Vergleich in dieser Form ausgefallen wäre, wenn Anton Piëch als Geschäftsführer in Wolfsburg die angesparten Gelder gemäß seinem Wunsch für seine Rüstungsabsichten während der Kriegszeit frei bekommen hätte, darf wohl ernsthaft bezweifelt werden!
Auch aus dem im Jahr 1938 eingegliederten Österreich meldeten sich ehemalige KdF – Wagen – Sparer, wie es aus dem folgenden Schreiben hervorgeht.
Ab
1949 etablierten sich zunehmend die Vertragshändler für Volkswagen und die frühen Generalvertretungen haben ihre Positionen gefestigt, ausgebaut und sind teils bis in die Gegenwart vertreten. Aus den namhaften Beispielen z.B. Glöckler, Schultz, Hülpert, Rösch nachfolgend einmal Fleischhauer für die Region Köln-Aachen mit früher Reklame aus dem Jahr 1950 und einigen Absenderfreistempeln.
1948 wird aber auch schon ein Vermittlungsdienst für Kraftfahrzeugversicherungen als „
Volkswagen Versicherungsdienst GmbH“ (
VVD) durch die Volkswagen Werk GmbH ins Leben gerufen. Eine Kfz – Versicherungspflicht bestand übrigens gesetzlich und allgemein verpflichtend seit dem Jahr 1939.
Dazu der frühe vorderseitige Absenderfreistempel im Wertrahmen noch mit Deutscher Post
Die Kundenbetreuung im Schadensfall wurde für den VVD bald eine europaweite Angelegenheit und auch dazu eine passende Illustration aus dem Jahr 1960.
Der VVD wurde aktuell einer der größten Kfz- Versicherungsvermittler und wurde im Jahr 1995 in die
Volkswagen Financial Services AG eingegliedert. Zum VVD nachfolgend noch eine kleine Auswahl von Briefbelegen mit unterschiedlichen Absenderfreistempeln und verschiedenen Absendereindrucken.
Die dynamisch einsetzende Werksentwicklung kann dann schon ab dem Jahr
1949 in vielfältiger Weise weiterhin beobachtet werden. Schon im Juni 1949 wird die
Volkswagen-Finanzierungsgesellschaft m.b.H in Wolfsburg gegründet.
Dazu folgende Absenderfreistempel. 1951 weist der Wertrahmen noch die Deutsche Post aus und im Jahr 1955 im Freistempelabschlag dann die Deutsche Bundespost.
Im Juni
1949 baut dann die Fa. KARMANN aus Osnabrück auch schon zur Käferlimousine eine Cabrioletversion. Kein anderes Auto in Cabrioletausführung sollte anschließend bis dato jemals wieder diese Produktionszahlen von KARMANN erreichen.
Im Jahr 1950 liefen dann die zuvor schon vorgestellten ersten VW – Transporter vom Band und im Januar
1951 verstirbt Ferdinand Porsche. Nachfolgend ein Ausschnitt (Ansichtskarte des Wolfsburger Kaufhauses Schwerdtfeger) mit der Porsche – Büste aufgestellt zu seinen Ehren in der Stadt Wolfsburg im Jahr
1955 am Schillerteich.
Das Porschedenkmal wurde dann vor dem
Rathausneubau von 1958 platziert und dazu der Ausschnitt aus einer zugehörigen Bildpostkarte aus 1959 „Lernt Deutschland kennen“.
Das nachfolgende Titelbild aus einem Sonderheft des SPIEGELS symbolisiert wohl eine Fortsetzung in der VW – Werksgeschichte von Porsche zu Nordhoff. Der Name Porsche findet sich in Wolfsburg u.a. auch im Schulbau und Straßennamen wieder und erst seit ca. 25 Jahren wird nicht nur über den Autobauer Porsche sondern auch über seine Verantwortung und Mitgestaltung in der Zeit des NS – Regimes nachgedacht.
1951 wurde dann auch das sehnsüchtig erwartete Schwimmbad eröffnet und war ein Geschenk des Volkswagenwerkes an die Stadt und ihre Bürger. Für rund 1 Million D-Mark konnte damals diese erstaunliche Dimension verwirklicht werden! Alter Stadtplan mit Ansichtskarte VW-Bad. Ferner Hinweis auf die benachbarte Porsche-Stadionanlage aus dem Jahr 1957.
Schon die großzügige Spende belegt die wirtschaftliche Dynamik des VW – Werkes und
1952 und 1953 werden schon Auslandsgesellschaften in Toronto, Canada und bei Sao Paulo in Brasilien gegründet.
1953 wurde dann auch eine VW – WOHNUNGSBAU GmbH gegründet und auch im Immobiliensektor war und ist Volkswagen präsent geblieben.
Auch wenn Nordhoff anfangs von „im Käfermodell mehr Fehler als ein Hund Flöhe“ sprach, waren die Volkswagenlimousinen zur Freude ihrer Besitzer recht belastbar und ein Treffen
1954 der stolzen VW – Besitzer mit über 100.000 Kilometerleistung war angesagt.
Sonderstempel Logo Veranstaltung
dazu die Vorderseite der zugerhörigen Erinnerungs- und Schmuckkarte aus Stuttgart
Das Jahr
1955 war der Start für eine langjährige Kooperation zwischen VOLKSWAGEN und KARMANN. Das „VW-KARMANN-GHIA-Coupé “ ergab sozusagen als „Volksporsche“ sein Debüt und seit dem Jahr 2009 stieg die Volkswagen AG in das insolvente Unternehmen KARMANN ein und lagerte Teile des VW– und des Porsche- Programms nach Osnabrück aus und produziert dort seit
2011 als Volkswagen Osnabrück GmbH.
Bei einer erreichten Autoproduktion von 1Million im Jahr
1955 startet Volkswagen auch eine direkte Verkaufsgesellschaft in den USA „VOLKSWAGEN of AMERICA Inc“.
1956 wird die TRANSPORTERPRODUKTION in das neu errichtete Werk in Hannover ausgegliedert. Dazu aus den Jahren 1958 bis 1963 einige Absenderfreistempel mit dem „Bulli“ im Werbeteil aus Wolfsburg und Autohäusern bzw. Vertragshändlern aus Nienburg, Wesel, Hannover und Frankfurt.
1956 ist auch das Jahr in dem Volkswagen in Südafrika eine Tochterfirma zur Montage gründet die „VOLKSWAGEN of SOUTH AFRICA Ltd.“
An dieser Stelle wieder ein Blick auf die Entwicklung der Stadt Wolfsburg. Für die Stadtentwicklung von großer Bedeutung war im Jahr
1955 die Klärung der Grundbesitzverhältnisse. Die Deutsche Arbeitsfront hatte das Gesamtgelände für Werk und Stadt in der Volkswagenwerk GmbH eingebracht und ich verweise auf die
Menüpunkte Realisierung und Standort VW und ferner Planung und Bau von Werk und Stadt. Nachfolgend noch einmal das beanspruchte und annektierte Gesamtgelände.
Nach dem Krieg gestaltete sich zwischen Werk und Stadt ein schwieriger Trennungsprozess, um die unabhängige städtische Verwaltungsarbeit auch finanziell auf eine gesunde Basis zu stellen. Im Jahr 1955 kam es endlich zur Erstausstattung an die Stadt mit Grundbesitz und VW begrenzte sich auf die unmittelbaren Werksflächen. Damit war der Weg endgültig für die eigenständige Stadtentwicklung möglich. Da ferner seit 1951 Wolfsburg als kreisfreie Stadt aus dem Kreis Gifhorn entlassen worden war, ging es also kontinuierlich zunehmend eigenverantwortlich in der Entwicklung weiter und einige Beispiele sollen an dieser Stelle halbwegs chronologisch eingefügt werden. Peter Koller – schon mehrfach vorgestellt und erwähnt – wird ab 1955 Leiter der Wolfsburger Bauverwaltung und kann offiziell wieder stadtplanerisch tätig werden. Der Wohnungsbau hatte Priorität, aber auch die Geschäftstraßenplanung mit der Porschestraße wurde bereits vorgestellt ebenso wie das Ledigenheim und Schwimmbad.
1955 kam ein Altersheim hinzu und als wesentliche Verbesserung im gleichen Jahr ist auch der Neubau des Stadtkrankenhauses zu nennen. Nach 15 Jahren Barackenprovisorium wurde am Klieversberg ein hochmoderner Komplex mit 600 Betten errichtet
. Dazu nachfolgend die Francotyp-Stammkarte zum Absenderfreistempel und eine zeitgenössische Ansichtskarte mit motivgleicher Abbildung zum Werbeteil des Stempels.

Eine spätere Übersichtsaufnahme auf der folgenden Ansichtskarte zeigt die Lage des Stadtkrankenhauses und belegt schon Erweiterungen im Gebäudekomplex.
1956 wurde auch ein neues Postgebäude errichtet und auch dazu eine zeitgenössische Ansichtskarte.
Passend zur Post ein weiteres philatelistisches Ereignis in der jungen Stadt Wolfsburg. Am 25.und 26. Mai 1957 veranstaltet der Philatelisten-Club Wolfsburg e.V. seine 4. Postwertzeichenschau anlässlich des 10-jährigen Bestehens seit der Nachkriegsgründung.

Zu dieser Veranstaltung am 25.und 26.Mai 1957 im Martin-Luther-Haus an der Christus-Kirche in Wolfsburg – Friedrich-Ebert-Straße sponserte das Volkswagenwerk eine 5teilige Bildkartenserie mit Zeichnungen von
Victor Mundorff in einer Auflage von 500 Stück.
Zunächst beispielhaft eine Rückseite zur Serie
Die folgende Sonderkarte aus der Serie weist vorderseitig den Textzusatz auf – In aller Welt fährt man Volkswagen.
Die weiteren 4 Motive waren vorderseitig im Gegensatz zur Abbildung der obigen Karte etwas abweichend gestaltet – ohne VW – LOGO und Textzusatz. Der Rückseitendruck mit Hinweis auf die Philatelistenclub-Veranstaltung war identisch bis auf die Beschriftung des Künstlers zu seinen Bildmotiven mit dem Volkswagen.
Aus dem Jahr 1957 ist noch die Gründung der Tochterfirma in Australien zu vermerken und in Wolfsburg wurde
1957 auch verkehrstechnisch mit Fertigstellung der Berliner Brücke eine bedeutende Verbesserung erreicht. Bundesverkehrsminister Seebohm reiste zur Einweihung an und entsprechend der Namensgebung war auch der Senator für Verkehr aus Berlin anwesend. Westberlin in seiner isolierten Lage stand synonym für den verlorenen Krieg und zu dieser Zeit waren in Wolfsburg 22.000 und damit 40-Prozent der Einwohner Vertriebene bzw. Flüchtlinge aus dem Osten! Nachfolgend die Berliner Brücke im Vordergrund auf einem Ansichtskartenausschnitt aus den 80er Jahren der Volkswagen AG. An dieser Stelle auch der Hinweis auf das östlich noch vom Hafen gelegene Tanklager, Werkshallen und die Parkplatzanlage und dies ist aus heutiger Sicht der Standort der AUTOSTADT.
Von erwähnenswerter Bedeutung aus dem Jahr 1957 ist noch der lang ersehnte Neubau des Bahnhofs, um auch endlich in vernünftiger Weise den Strom der zahlreich pendelnden Werksangehörigen zu bewältigen. Wolfsburg wurde auch für den damaligen INTERZONENVERKEHR bahntechnisch der letzte Haltpunkt vor der innerdeutschen Grenze. Zur Bahnhofseinweihung am 26.8.1957 war der Bundesverkehrsminister Seebohm nun erneut nach kurzer Zeit wieder in Wolfsburg. Nachfolgend Bahnhof Wolfsburg vor der Werkskulisse als Ansichtskartenausschnitt der 70er Jahre aus dem Cekade – Verlag, Dortmund.
An dieser Stelle sei vermerkt, dass Wolfsburg auf der Bahnstrecke Hannover-Berlin seit dem September 1998 planmäßige Haltstelle für die ICE – Züge geworden war. Das Jahr
1958 wurde dann in mancher Hinsicht für Volkswagen und die zugehörige Stadt Wolfsburg ereignisreich. Mit dem Rathausbau wurde ein großzügiges Verwaltungsgebäude an der Porschestraße errichtet und damit der Stadtentwicklung seit Kriegsende mit dem Bau von über 10.000 Wohnungen, 11 Schulen, Kindergärten, Kirchen und 60km Straßenbau gerecht. Zum Rathaus eine Ansichtskarte aus dem Verlag Lagerbauer Hamburg Ende der 80er Jahre.
Das südlich vom Rathaus anschließend platzierte Kulturzentrum ist auf der Ansichtskarte ebenfalls abgebildet und wurde seit 1958 vom namhaften finnischen Architekten
Alvar Aalto geplant und bis zum Jahr 1963 verwirklicht. Zum Rathaus und Kulturzentrum Ausschnitte entsprechender Ansichten aus den Bildpostkartenserien der Deutschen Bundespost.
Apropos Kulturzentrum. Wenn die notdürftigsten menschlichen Ansprüche erreicht sind und finanzielle Engpässe halbwegs zumindest überwunden sind, ist Spielraum im privaten und öffentlichen Leben für Kunst und Kultur gegeben und dieser Umstand ist weltweit zu beobachten. Neben dem Bau des Kulturzentrums in Wolfsburg ist somit auch die Kunstausstellung im Jahr 1958 zum Gedächtnis des 100. Geburtstages von LOVIS CORINTH sicherlich als einer der ersten kulturellen Höhepunkte anzuführen. Corinth neben Liebermann und Slevogt führender deutscher Impressionist wurde mit seinen Werken in der Stadthalle in Wolfsburg vom 4.Mai bis zum 15.Juni ausgestellt. Sponsor der Veranstaltung war das Volkswagenwerk und gleich in drei Poststempelformen wurde dieses Ereignis gewürdigt.
Aber auch der neu errichtete Stadthallenbau feierte mit dieser Kunstausstellung im Mai 1958 seine Premierenveranstaltung. Dazu noch ein Ansichtskartenausschnitt aus dem Cramer-Verlag, Dortmund aus den 80er Jahren.
Volkswagen waren in Wolfsburg überall gegenwärtig, der VW – Minizug aber erst ab 1958


Wolfsburg präsentierte sich auf den Umschlägen der Stadtverwaltung in dieser Zeit als aufstrebende Stadt im „Zentrum von Deutschland“ und die Zonengrenze wurde in der Abbildung einfach schlicht ignoriert
Schon Mitte der 50er Jahre prägten die Volkswagen das Stadtbild in ganz Deutschland. Nach den obigen 3 Ansichtskartenausschnitten nachfolgend noch „ein Gruß aus Berlin“ aus dem Jahr 1957 und „Käfer bevölkerten“ den Kurfürstendamm.
Auch 20 Jahre später noch bestimmt Volkswagen mit seinen Automobilen das Straßenbild und dazu an dieser Stelle eine Ansichtskarte aus der Stadt Werne (Krapohl-Verlag, Grevenbroich)
Zurück ins Stadtbild nach Wolfsburg. 1958 wurde in der Saarstraße ein Hochhaus (42m) errichtet und wurde vermutlich Vorbild für die Trabantenortsteile, die hier nur kurz vorgestellt werden sollen und deren sinnvolle Konzeption hier nicht zur Diskussion steht und in der Beurteilung Fachleuten überlassen sei. Zeitgenössische Ansichtskarte aus dem Verlag Fangmeier, Bad Harzburg mit dem Hochhausneubau an der Saarstraße.
Stellvertretend für den fortschreitenden Barackenersatz Laagberg, Reislingerstraße oder den neu geplanten Ortsteilen u.a. mit Westhagen, Detmerode, Rabenberg wird nachfolgend ein Ansichtskartenbeispiel aus dem Verlag Schöning & Gebr. Schmidt, Lübeck mit einer Luftaufnahme vom
Ortsteil Westhagen mit Blick Richtung Wolfsburg und Volkswagenwerk eingefügt. Ansichtskarten, Literatur und auch Bildbuchbände zur Stadtbildentwicklung von Wolfsburg sind in großer Zahl vorhanden und bei näherem Interesse empfohlen und können hier nur beispielhaft angerissen werden.
Der Volkswagen bewies zwischenzeitlich der Welt seine Einsatzfähigkeit und wurde 1961 mit seinem luftgekühlten Motor mit 12 Rechtslenker auf der SCOTT BASIS - Station am Südpol unter extremen Klimabedingungen eingesetzt mit Kennzeichen ANTARTICA.
Aus dem Jahr
1958 ist noch die Aufnahme der Motorenproduktion in Hannover zu erwähnen und
1959 eröffnet Nordhoff das Automobilwerk „Volkswagen do Brasil S.A.“ in Gegenwart des brasilianischen Staatspräsidenten. Wolfsburg bezeichnet sich zu dieser Zeit selbst als „
junge aufstrebende Volkswagenstadt“ und dokumentiert dies postalisch entsprechend. Nachfolgend zunächst am Beispiel des Absenderfreistempels der Stadtverwaltung und in seinen Entwicklungsschritten über PLZ 20a bis zur 3stelligen PLZ 318 und der zusätzlichen Änderung im Ortsstempelteil von der Einkreis- zur Zweikreisform.
Die „
junge aufstrebende Volkswagenstadt“ findet sich auch im Maschinenstempel der Wolfsburger Poststelle und auch hier die Änderung im Postleitzahlbereich von 20a nach 318.
Die entsprechenden Veränderungen – in diesem Fall auch aptierte Form - im Handwerbestempel der Post in Wolfsburg komplettieren das Thema „
junge aufstrebende Volkswagenstadt“ und waren teils von 1958 bis 1979 im Postverkehr zu finden! Die Vorstellung der Umrüstung auf die 4stellige PLZ soll später erfolgen.
Dazu zumindest noch eine Auswahl als Briefensemble mit entsprechenden Stempelbeispielen
Zeitgleich warb das Volkswagenwerk 1959 für das „vernünftige Automobil“
Im Wirtschaftswunderland Bundesrepublik dominierte Volkswagen im Straßenbild und vielen Autobesitzern genügte dennoch auch die Umrüstung ihres „Brezelkäfers“ auf die Modellversion ab dem Jahr 1956 mit dem ungeteilten Heckfenster und dies zum Montagepreis von 41,45 DM!
Das Jahr 1960 brachte dann in vielfältiger Weise Veränderungen für das VW-Werk und die Stadt. Juni
1960 beschließt der Deutsche Bundestag mehrheitlich die Privatisierung der Volkswagen GmbH in eine Aktiengesellschaft und zunächst verbleiben beim Bund und dem Land Niedersachsen 40% des Kapitals und die Zeichnungsfrist für die restlichen 60% endete am 15.März 1961 (auch aktuell im Jahre 2013 besteht weiterhin eine 20%ige Sperrminorität beim Land Niedersachsen). Dazu nachfolgend der Absenderfreistempel der Berliner Bank für Handel und Industrie mit Datum vom 8.3.1961 und Aufforderung im Werbeteil zum Kaufantrag und Zeichnung der VW-Aktien.

Zur 1. Hauptversammlung der VW – AG wurde gleichzeitig der Stadtgründung gedacht und im Absenderfreistempel wirbt das VW- Werk „mit dem Käfer liegt man immer richtig“.

Im Jahr
1960 fällt auch der Entschluss die alten Holzbrücken über den Mittellandkanal durch Fußgängertunnel zu ersetzen und Peter Koller erhält eine Professur in Berlin an der TH als Nachfolger von Prof. Scharoun mit dem Lehrstuhl für Städtebau innerhalb der Fakultät Architektur. Das Volkswagenwerk gründet in Paris die Vertriebsgesellschaft „Volkswagen France“ und es wird die „STIFTUNG VOLKSWAGENWERK“ zur Förderung von Technik und Wissenschaft ins Leben gerufen.
Ansichtskarten bzw. Ausschnitte aus Mehrbildkarten erlauben zumindest einen kurzen Einblick auch in die Entwicklung der Freizeitgestaltung in der Stadt Wolfsburg.
Schillerteich mit Paddel- und Ruderbooten 1955
Kinowelten in Wolfsburg
Victoria Delphin Imperial
1961 endete dann auch der schon zuvor vorgestellte VW – Sparer – Prozess mit einem Vergleich und der VW 1500 kommt in das Werksprogramm und die Stadt Wolfsburg kauft Schloß Wolfsburg vom Land Niedersachsen zurück.
Schloß Wolfsburg war ausdrücklich 1938 nicht Gegenstand des Verkaufs gewesen. Graf von der Schulenburg hatte seinen Wohnsitz aus den Verhandlungen mit der Arbeitsfront zunächst ausgeklammert. Das VW – Werk besaß bis 1942 eine Kaufoption. Anton Piëch konnte sich auch durchaus die Wolfsburg als Gästehaus vorstellen, dies entsprach aber wohl nicht der Absicht von Robert Ley und nach dem Umzug nach Neumühle wurde das Schloß mit Vertrag aus dem März 1943 aus dem Besitz der Schulenburgs an die Stadt des KdF – Wagens für 560.000 Reichsmark veräußert. Das später erstellte Gästehaus der Volkswagen AG „Gästehof Rothehof“ ist sicherlich nicht ganz so repräsentativ ausgefallen wie das Schloß Wolfsburg.
Die Militärbesatzung gab April 1946 das Schloß Wolfsburg wieder in die Hände der Stadtverwaltung zurück, die in den Wirren der Nachkriegszeit keine wirtschaftliche Basis zum Erhalt sah und 1947 den Besitz an das Land Niedersachsen abgetreten hat, nachdem Verhandlungen mit einem Privatkäufer wohl scheiterten. Passend zum Stadtnamen konnte nach dem Rückkauf 1961 damit auch zukünftig ein repräsentatives Bauwerk gestaltet werden und schon 1959 wurde mit dem Bild der Wolfsburg in der Postkartenserie „Lernt Deutschland kennen!“ für die Volkswagenstadt geworben.
Aus dem Jahr 1961 soll noch eine Kunstausstellung vorgestellt werden, da in diesem Fall auch wieder die postalische Dokumentation möglich ist. Veranstalter das Volkswagenwerk.
1961 wurde vom Modell KARMANN GHIA noch die Coupeform in das Programm genommen, aber der wesentliche Schritt für das Volkswagenwerk und für Nordhoff als zäher „Anhänger des Käfers“ sicherlich eine schwierige Entscheidung wurde der Vorstoß in die Mittelklasse mit dem VW 1500.
Ansichtskarte KARMANN
Ghia der Volkswagen AG
Vorgestellt wurde der VW 1500 auf der 40. IAA in Frankfurt 1961 und das Problem war wohl anscheinend weniger die Autoplanung als die Realisierung der Autoproduktion.
Im folgenden Absenderfreistempel der Typ 3 von Volkswagen als VW 1500 Limousine mit Stufenheck, es wurde noch die Kombi-Version als VARIANT gebaut und die Schrägheckvariante TL.
Die angesprochene Produktionsproblematik war ein Resultat des deutschen Wirtschaftswunders mit vollen Auftragsbüchern und fehlenden Arbeitskräften! Trotz Aufnahme der Produktion von Komponenten und Ersatzteilen am Standort Kassel (Baunatal) war das VW – Werk in Wolfsburg bezüglich der Arbeitskräfte 1961 in eine äußerst schwierige Lage geraten. Der Flüchtlingsstrom brachte keine neuen Kräfte mehr und sicherlich auch die Position im Zonenrandgebiet trotz vergleichsweiser hoher Löhne und Zulagen bei gleichzeitig relativ hohem Krankenstand waren zu schultern. Nordhoff bis dato auf deutsche Arbeitskräfte fixiert, hatte rasch die Entscheidung zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte zu treffen, wie dies in der deutschen Industrie schon seit 1955 nicht unüblich war. Auch in der Nationalitätenfrage war Nordhoff wohl nicht festgelegt und zog wohl gedanklich auch Spanien und Griechenland in Betracht, der Zeitdruck und persönlich guter Kontakt zu Gerhard Gumpert in Bologna - dem tüchtigen Vertriebsleiter für VW in Italien mit besten Beziehungen vor Ort – richtete dann schnell das Augenmerk auf die konzentrierte und forcierte Durchführung mit der Anwerbung italienischer Arbeiter.
Es ist fraglich, ob Nordhoff durch obigen Artikel in der Zeitschrift DIE WOCHE vom 1.März 1939 und den fröhlichen Gesichtern inspiriert wurde und erneut auf einen guten Ausgang hoffte, der den Italienern 1938 in Wolfsburg damals im weiteren Kriegsverlauf bis hin zur Internierung und erheblichen Diskriminierung verwehrt blieb. Ich verweise auf den entsprechenden Menüpunkt unter PLANUNG und BAU des Volkswagenwerkes 1938.
Als diesmaliger Wohnungsstandort für die italienischen Arbeitskräfte wurde der nordöstliche Bereich direkt an der Berliner Brücke ausgewählt und die folgende Luftaufnahme zeigt rot markiert schon das erstellte „ITALIENER DORF“. Die zweigeschossigen Holzbauten stammten aus Österreich und die ersten Häuser wurden in einer Rekordzeit von 6 Wochen nach der Standortentscheidung aufgestellt und waren schon ab Januar 1962 bezugsfertig.

in diesem Gelände befindet sich aktuell die Volkswagen ARENA und hier mit einem Ausschnitt aus einer Ansichtskarte aus dem Schöning Verlag.

Die Ansichtskarte aus dem Verlag Lagerbauer ergibt einen Eindruck dieser „Männersiedlung“

3-Bettzimmer waren die Regel (gegen Entgeld später auch 2- bzw. 1-Bettzimmer), Kochgelegenheiten, gut ausgestattete Sanitärbereiche, Sportplatz, Kino und Bocciabahnen und geschulte Ansprechpartner pro Wohnblock sollten die Umsiedlung in den kalten Norden Europas der vorwiegend aus Süditalien (Mezzogiorno) stammenden Arbeiter erleichtern. Nachfolgend noch einmal ein Ausschnitt aus einer Ansichtskarte mit den ITALIENER WOHNUNGEN an der Berliner Brücke diesmal aus dem Lederbogen Verlag in Goslar.
Nicht erkennbar ist die rasch eingerichtete
Umzäunung für die später insgesamt 58 Häuser mit 5300 Bewohnern und die teils rigiden Überwachungen durch den Werksschutz schufen gettoartige Verhältnisse und erinnerten den einen oder anderen Wolfsburger an alte LAGERVERHÄLTNISSE! Spontaner und einziger Streik der Italiener im Herbst 1962 und Sorge um kommunistische Unterwanderung führten zur intensiven Beobachtung durch Werk- und Stadtverwaltung. Wohl verfälschte Pressemeldungen im Heimatland evtl. unter Einfluss eines Turiner Automobilkonzerns im Kampf um Arbeitskräfte sind erstaunliche Imponderabilien für die eigentlich bemühte Werksleitung gleich im ersten Jahr der Ausländerbeschäftigung bei Volkswagen gewesen. Angebote zur Verbesserung der Integration mit Sprachkursen, zweisprachigen Schulunterricht und weiteren Fortbildungsmaßnahmen in Wolfsburg waren nicht überall in Deutschland damals üblich. Die Geschichte ITALIENER DORF und WOLFSBURG kann stellvertretend für die deutsche Gastarbeitergeschichte durchaus erstaunlich eruiert werden und hat je nach Sichtweise für Migranten, Remigranten und Deutsche unterschiedliche Perspektiven und Erinnerungswert und weiterführende Literatur dazu ist höchst interessant, aufschlussreich und absolut empfehlenswert (z.B. Die Gastarbeiter-Welt von H .u. R. Richter im F. Schöningh Verlag).
Der Absenderfreistempel aus dem Jahr 2012 symbolisiert wohl mit „amore-mio liebevoll“ 50 Jahre ITALIEN in WOLFSBURG, verschönt die Getto-Unterbringung im Italienerviertel an der Berliner Brücke bis hin zu den Problemen der Wirtschaftskrisen 1966/67, 1973/74 und Anfang der 80er Jahre mit starker Rückkehrtendenz in die italienische Heimat.
Der Zug mit Abbildung im Werbeteil des Stempels war wohl als Reisezug zurück nach Italien mit aufgebockten Volkswagen als Mitbringsel gedacht, spiegelt in keiner Weise die Probleme der angeworbenen „Landarbeiter“ in einem hoch technisiertem Fließbandprozess einer riesigen Automobilfabrik wieder. Eine verbesserte Wohnsituation wurde an der Oebisfelderstraße in Kaestorf ab 1969 geplant und 1971 realisiert, brachte aber weiterhin Isolationsprobleme, wobei Eigeninitiative der Italiener zur Integration auch nicht immer im Vordergrund stand, sondern der primäre Wunsch zur Rückkehr geträumt und gepflegt wurde. Durch die Autokrise ab Ende der 60er bis Anfang der 70er Jahre zog das Italiener Dorf an der Berliner Brücke fast leer und wurde 1977 abgerissen.
Nach diesem kurzen angedeuteten Ausflug in die Gastarbeiterwelt zurück in das Jahr 1962.
1962 ist dann auch das Jahr in dem im Werk Hannover der 1.000.000 Transporter vom Band läuft und das Werk in Brasilien fertigt bereits den 100.000 Käfer und
1963 feiert Wolfsburg dann sein 25jähriges Stadtjubiläum. Dazu gab es auch postalische Dokumentationsmöglichkeiten. Zunächst Postkarten aus der Serie „Lernt Deutschland kennen“ mit Ansichten von der Porschestraße und dem Rathaus. Warum für letztes Motiv eine Nachtansicht gewählt wurde entzieht sich meiner Kenntnis.
aber auch Post-, Maschinen – und Absenderfreistempel hielten das Ereignis fest
Während auch zukünftig bei charakteristischen Jubiläumsdaten die Stadt Wolfsburg postalisch in Erscheinung tritt, finden sich diesbezüglich keine Möglichkeiten das Volkswagenwerk zu feiern. Die Stadt kann wohl selbst als Anhängsel der Gründung des VW – Werkes zur geplanten Produktion des KdF – Wagens und kriegsbedingten Waffenproduktion unbeschwerter mit der nationalsozialistischen Vergangenheit umgehen und das Glückwunschtelegramm von Bundeskanzler Dr. Adenauer geht damals anscheinend auch nur an die Stadt Wolfsburg. Ebenso ist der Tenor der Glückwunschworte vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Dr. Diederichs an die mittlerweile 70.000 (!) Einwohner zählende Stadt zum 25jährigen Jahr der Stadtgründung frei von „brauner Vergangenheit und Erinnerung“.
Aus dem Jahr 1966 ist mit der 1.Ost-Niedersächischen Briefmarken-Ausstellung vom 5.7. November noch eine philatelistische Veranstaltung zu dokumentieren, die im Kulturzentrum ihr Domizil hatte.
Die sich entwickelnde Ausweitung im Unterkapitel VW und Wolfsburg, BRD ab 1949 (Volkswagen wieder in deutschem Besitz und die Stadtentwicklung Wolfsburg) macht eine weitere Untergliederung sinnvoll mit Fortsetzung unter
VW und Wolfsburg, BRD ab ca. 1960.
Fortsetzung siehe dort