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Kurzprofil  - Zugspitze

28.07.2021


                                       Neues Thema im Menüpunkt Kurzprofile soll einmal der Zugspitze gewidmet sein

Auch in diesem Fall scheint eine schnelle Abhandlung  bezüglich Thema und Belegmaterial  vorzuliegen, aber das Problem ergibt sich vermutlich wieder einmal aus der historischen Chronologie, den Berührungspunkten im Grenzbereich  Österreich und Deutschland und der Zuordnung möglicher  Illustrationen  aus Philatelie, Literatur, Ansichtskarten und Prospekten. Schon das obige  Eingangsensemble  belegt vor 120 Jahren die Zugspitze mit dem Münchener Haus in einfachster Ausführung aus bayrischer Zeit  bis hin  zum  betonierten  Bergplateau mit Besuchern in legerer  Kleidung  nach  bequemer Anfahrt. Die Einschreibzettel dokumentieren nicht nur das höchste Postamt in Deutschland sondern auch eine Chronologie  von der Reichspost  bis hin zur 5stelligen Postleitzahl  der Bundesrepublik Deutschland.

Aber der Versuch ist es wert  einer Abhandlung zu Deutschlands höchstem Berg. Eine fehlerfreie Vorstellung  wird und kann nicht  garantiert werden und  Meldungen aus dem Kreis der Homepagebesucher zur Korrektur sind erwünscht und werden  zügig berücksichtigt.

Der Aufstieg zur Zugspitze über das Höllental war sicherlich in frühen Zeiten des beginnenden Bergtourismus sportlich ambitionierter  als  mittels Bayrischer Zugspitzbahn samt Skiausrüstung und der Fahrt zum Bahnhof Zugspitzplatt (Foto Rossberg aus Archivverlag).

Noch sportlicher war dann sicherlich  die Erstbesteigung der Zugspitze auf 2695m ohne Drahtseil und  Eisenstifte  in der Felswand durch Josef Naus am 27. August 1820.  Dem bayrischen Leutnant  Josef Naus  gelang die Bezwingung  zusammen mit seinem Burschen Maier und dem Bergführer  Johann Georg Deuschl in wohl  relativ dünner Kleidung und Stiefeln, die zumindest  wohl schon Steigeisen  hatten. Bergsteigen war  damals extrem wagemutig  und noch Ausnahme im Gegensatz zum aktuellen Gedränge  im  Himalaya  und dem Mount Everest  dem höchsten Berg auf unserem Globus  mit 8848 m.

Schon die gemeinschaftliche philatelistische Würdigung dieser Erstbezwingung durch die deutsche und österreichische Post  dokumentiert  die ewige und teils wohl auch mit Eifersucht belegte topografische Situation im engsten Grenzgebiet auf Gipfelhöhe.

Josef Naus gehörte zur bayrischen Kartographengruppe mit den Offizieren Jeetze, Aulitscheck und Naus, die im Jahr 1820 die  durch Napoleon unterbrochene Vermessung des großen topographischen Atlasses von Bayern durch das Königlich Bayrische  Topographische  Bureau  fortsetzten, aber nur Naus war dann der Gipfelsturm gelungen. Ob die Arbeit zur Generalstabskarte seiner Beförderung dienlich wurde, ist nach seiner Karriere bis zum Generalmajor und Festungskommandant von Ulm zu vermuten. Befördert wurde zumindest  eine zunehmende Begeisterung für die alpine Bergwelt und  bezüglich der Zugspitze wurde auf Initiative des  Pfarrers Christoph Ott durch eine  Kollekte und mit Unterstützung der bergbegeisterten Kronprinzessin Marie von Bayern  ein witterungsstabiles  Gipfelkreuz   im Jahr 1851 Wirklichkeit.

                                            Gipfelkreuz auf der Zugspitze aus der Kunstdruckanstalt  Lehle - München

Am 12. August 1851 wurde  das in 28 Teile zerlegte Gipfelkreuz nach  mühsamem Aufstieg auf dem Westgipfel  montiert und hatte dort 30 Jahre  sein Domizil. Im Jahr 1881 erfolgte eine Demontage zur Reparatur von Blitzschäden  und am 25. August 1882 dann die Neuaufstellung und diesmal auf dem Ostgipfel durch den  Deutsch-Österreichischen Alpenverein.  

                              Stempel der höchstgelegenen Poststelle Deutschlands 82475 Zugspitze mit Gipfelkreuz

Grund des Gipfelwechsels war vermutlich die zwischenzeitlich erbaute Schutzhütte auf dem Westgipfel des Zugspitzmassivs als provisorischer Unterschlupf für „Gipfelstürmer in wetterbedingter Notsituation oder zeitlicher Fehlkalkulation zum Abstieg“. Dazu das Bild Nummer 1 aus den AEG Mitteilungen  April 1931  zur  Bayrischen Zugspitzbahn. Der rote Pfeil markiert die kleine Gipfelschutzhütte.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Alpen touristisches Ziel, die Schweiz baute erste Bergbahnen, um Gäste anzulocken und der deutsch-österreichische Alpenverein erschloss mit  Wegzubereitungen auch  die  Bergwelt der  Zugspitze  und damit die Voraussetzungen  eine Gipfelhütte zu errichten. Die Realisierung  startete im Jahr 1894, nicht alle Mitglieder der Alpenvereine  waren begeistert, aber am 19. September 1897 wurde die Alpenvereinshütte  als Münchner Haus  auf dem Westgipfel des Zugspitzmassivs  offiziell geöffnet.





Kurzprofil  - Zugspitze
1. Fortsetzung
08.08.2021

Folgend eine frühe Lithografie (1910)   mit dem östlichen Gipfelkreuz und dem Münchner Haus auf dem Westgipfel mit dem Turmgebäude der  meteorologischen Station zur Wetterbeobachtung. Die Wetterstation reihte sich in das Netz der seit dem Jahr 1878 eingerichteten  Königlich-Bayrischen Meteorologischen Stationen ein und die ganzjährige Wetterbeobachtung auf der Zugspitze führte schon 1901 zur Überwinterung des dort ersten tätigen Meteorologen  Josef Enzensberger  allein  in einsamer Höhe und den Wetterkapriolen.

In diesem Zusammenhang ist die erste und alte Fernsprechverbindung zum Zugspitzgipfel erwähnenswert  aus dem Jahr 1896. Dazu die Streckenführung aus der unten angeführten Literaturquelle.


Die teils abenteuerliche Ausführung der Telefonverbindung zum Ende des 19. Jahrhunderts ist absolut lesenswert  mit  dem 13seitigen Bericht  im Archiv für Postgeschichte Bayern – München 1932 aus dem  8. Jahrgang Heft Nr.2.

Die Fernsprechverbindung (mit häufiger Unterbrechung durch Stein- und Blitzschlag) wurde bis zum Jahr 1931 und dem Bau der Zugspitzbahn genutzt, führte über die Anger- und Knorrhütte bis zum Münchener Haus mit Einschluss der dortigen meteorologischen Station.

                                                                                        Anger- und Knorrhütte

Der erste Erweiterungsschritt  des Münchner Hauses durch die deutsch-österreichische Alpenverein Sektion München (D.u.Oe.A.-V.Sektion München) erfolgte in östliche Richtung mit  einem Anbau  bis an die  östliche Felskante heran und mit einem flachen teilweisen Dachausbau als Schlafsaal.

Mit einem weiteren Schritt wurde schließlich der  flache Dachausbau für die Schlafsäle bis an die meteorologische Wetterstation ausgeführt und dazu folgende Ansichtskarte´.  

Folgend ein Panoramaausschnitt aus einem 24seitigem ZUGSPITZ RUNDBLICK der bayrischen Zugspitzbahn AG (BZB) ca. aus dem Jahr 1938 und mit dem Ausbau des Münchner Hauses im  Eingangsbereich

Dazu noch  eine Fotopostkarte mit dem Münchner Haus und dem Turm der meteorologischen Wetterstation  im Dunstnebel und den anfänglichen Drahtseilsicherungen

Das Münchner Haus blieb glücklicherweise in seiner einfachen frühen Gestaltung über die Jahrzehnte erhalten  und auch  die Absicht der Deutschen Bundespost im Jahr 1973 zur Erweiterung ihrer Anlagen das Münchner Haus „zu opfern“ scheiterten, wie es die Briefmarkenausgabe (Entwurf Ernst Kößlinger) zum 13. Juli 2000 mit 100 Jahre Wetterstation Zugspitze  dokumentiert

Die  7 Briefmarkenentwürfe  zur Ausgabe 100 Jahre Wetterstation Zugspitze  auf dem Künstler-Wersttagsblatt. In 5 Fällen wurde neben der Wetterstation auch das benachbarte Münchner Haus in den Markenentwurf mit einbezogen.

Die Zugspitze als höchster deutscher Berg war natürlich auch symbolträchtig „auch im Sinne höchster Qualität“ und dazu einmal ein Absenderfreistempel aus Landshut mit der  Keks- und Schokoladenfabrik AG  

                                                        Detail mit Münchner Haus im Werbeteil  8.1.1942



Kurzprofil  - Zugspitze
2. Fortsetzung
17.08.2021

Dazu folgend aus Fotoluftaufnahmen ein Ensemble der ungefähren chronologischen Entwicklung der Zugspitze. Zunächst eine frühe Luftbildaufnahme der Zugspitze vielleicht zu Zeiten von Ernst Udet und weiteren wagemutigen Flugpiloten, die zugleich auch mit Start und Landung  ab dem Jahr 1922 auf dem Schneefernerplatt  ihr Leben riskierten.

                                  Der Detailsausschnitt dokumentiert dann 6 begeisterte und teils winkende Personen

So reiht sich das Münchner Haus als historischer  Ursprung in eine Welt der architektonisch  ungebremsten Vielfalt ein unter dem Diktat des Tourismus,  anscheinend  mit  dem  angestrebtem Ziel  den  Kammgipfel der Zugspitze  endgültig zu „überbauen“.

Österreich hat zumindest mit seinem letzten Bauwerk sich aus der „Schattenseite des Zugspitzmassivs befreit und mit einem Hochbau  mit Panorama Restaurant und Aussichtsplattform einen  Sonnenplatz auf dem Westgipfel erobert“.

Nach dieser Reminiszenz  an das „widerstandsfähige“ Münchner Haus zurück  in die Anfangszeit des 20. Jahrhunderts.

Auch das Zugspitzmassiv wurde philatelistisch in zahlreichen Stempeln festgehalten und zunächst einmal dazu ein Faksimiledruck (Kontrast verstärkt) zu den Internationalen Münchner Briefmarkentagen 1998 eines nicht verausgabtem Markenentwurfs einer Bayernausgabe aus dem Jahr 1920. Auch in dieser Perspektive „aber im Fernrohrblick aus Garmisch-Partenkirchen“  eine Briefmarkenausgabe aus Österreich mit Blick auf das Schneefernerhaus und den Zugspitzgipfel.

         Auch im  Sonderpoststempel zur Winterolympiade 1936 finden sich die Bergspitzen des Wettersteingebirges

ebenso wie im Absenderfreistempel der Verwaltungspoststelle des Bürgermeisters im Ort Garmisch-Partenkirchen  eingeführt anlässlich der IV. olympischen Winterspiele 1936

                                     Absenderfreistempel Bürgermeister und altes Rathaus Garmisch-Partenkirchen

                                          und allein 5 Maschinenstempel folgen diesbezüglich noch bis zum Jahr 1945

Meine größte Sorge ist allerdings, dass  im obigen zweiten Maschinenstempelbeispiel die beiden Skispringer  eventuell in der Luft  kollidieren  könnten.

                                           Folgend noch Ganzsachen zur Alpspitze und  olympische Winterspiele 1936

Garmisch – Partenkirchen und Olympia  wären einmal eine Extraausarbeitung wert  mit  zahlreichen philatelistischen Belegen. Vielleicht findet sich einmal  die Zeit dazu.

Kurzprofil  - Zugspitze
3. Fortsetzung
28.08.2021

Zurück in die 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts. Die durch die Alpenvereine mit Hüttenbau und Wegzubereitungen ausgelöste und zunehmende  Begeisterung für die Bergwelt bezog die Ingenieure mit ein  und  Züge und Seilbahnen eröffneten auch untrainierten Besuchern die Bergwelt. Die Pilatusbahn in der Schweiz mit Dampflokomotive, Zahnradbetrieb (System Locher) und Steigung bis 48%  waren  mit der Eröffnung am 4. Juni 1889 eine Sensation.

Die Pilatusbahn mit enormem propagandistischem Effekt war zugleich Startschuss für ähnliche Überlegungen in den Alpen und auch das Zugspitzmassiv  rückte in das Blickfeld.  Mehrere Konzessionen  (s.a. Ingenieur Cathrein)  scheiterten an der schwierigen  Bergstrecke und den finanziellen Gegebenheiten und der 1. Weltkrieg erstickte viele Ambitionen. Im Jahr 1924 schockte dann Österreich mit  Planung einer Drahtseilbahn auf  der österreichischen Seite  ausgehend vom Örtchen Ehrwald zur Zugspitze die bayrische Bevölkerung und das restliche Deutschland. Die Bahneroberung der Zugspitze wurde in Deutschland zum Politikum. Aber zunächst einige Ausführungen zur erwähnten österreichischen TIROLER ZUGSPITZBAHN.

Lesenswert zur österreichischen Drahtseilbahn ist der 6seitige Artikel von Franz Langheinrich ca. aus dem Jahr  1930 zu dem ich leider nicht die Buchausgabe als Quelle  finden konnte. Im Jahr 1925 erfolgte der Baubeginn und nach 14 Monaten konnte im Juli 1926 die Tiroler Zugspitzdrahtseilbahn  ihren Betrieb aufnehmen.


                                                                                     Talstation Obermoos - Ehrwald

Schon hier einmal der Ausblick auf  fast 100 Jahre Tiroler Drahtseilbahn, denn  ebenso wie auf deutscher Seite  wurden die Seilbahnentrassen später geringfügig verlegt, die Berg- und Endstationen  erneuert und dazu einmal  nur der Blick auf 100 Jahre Kabinenentwicklung  am Beispiel der Tiroler Zugspitzbahn und Kapazitätssteigerung auf 100 Personen!

                                               Blick in die Einfahrt der Bergstation  der österreichischen Zugspitzbahn

                          Folgend ein Blick auf die erste österreichische Bergstation aus dem Artikel von Langheinrich

Wie ein Schwalbennest klebt die erste Bergstation auf der Nordseite  unterhalb des Zugspitzgipfels und der weitere Aufstieg zum Münchner Haus war dann trotz erweiterter Wegsicherung noch recht mühsam von 2805m auf 2966m Höhe s.a. Personenkette am Hang

Dieser weitere Aufstieg zum Münchner Haus ausgehend von der österreichischen Bergstation war sicherlich ein Manko, dennoch wurde das Angebot angenommen und sogar eine Erweiterung der ersten Bergstation mit einem Hotelbetrieb  angestrebt und ausgeführt und dazu noch folgendes Ensemble mit Hotelbau auf Tiroler Seite in 2805m Höhe, Nebenstempel Zugspitzbahn und Zugspitzkammhotel und Poststempel Zugspitzbahn.

Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich dennoch weiterhin und schon an dieser Stelle der Hinweis auf  die später notwendige Zusammenarbeit mit der bayrischen Zugspitzbahn.
Verständlicherweise wurde die Tiroler Drahtseilbahn zur Zugspitze nicht nur eine problematische  bayrische  Angelegenheit sondern die bequeme Eroberung der Zugspitze wurde nun endgültig  zum nationalen  deutschen  erforderlichen  Thema und Dogma hoch stilisiert. Schon im Jahr 1907 war ja bereits ein Zugspitzbahnkomitee auf Initiative des Garmischer Apothekers Max Byschl gegründet worden, zahlreiche Ideen wurden verworfen und nun war endlich Planungsendspurt angesagt für eine ZUGSPTZBAHN.

Eine  Kombination  aus Zahnradbahn mit Endstation aus geologischen Gründen in 2650m  Höhe auf dem Zugspitzplatt und von dort zum Gipfel mittels Seilschwebebahn auf 2966m Höhe wurde im Jahr 1928  zur Ausführung festgelegt.

Kurzprofil  - Zugspitze
4. Fortsetzung
08.09.2021


An dieser Stelle allzu ausführlich über den Bau der bayrischen Zugspitzbahn zu berichten, würde jeglichen Rahmen sprengen. Bei Interesse ist das Heft 4 der AEG Mitteilungen, Berlin aus dem April 1931 die effektivste Quelle und dazu gab es auch ein Sonderheft mit einem 87seitigen  Bericht  im  farbig  illustriertem Umschlag.

Die Baukonzession zum 1.April 1928 erhielt das Konsortium Allgemeine Lokalbahn- und Kraftwerk A.-G. Berlin, AEG Berlin und der  Süddeutschen Treuhandgesellschaft München. 1000 Höhenmeter mit der Zahnradbahn zu überwinden, bedeuteten ca. 4,4km Tunnelstrecke und dies würde bei ca. 5m Strecke pro Tag eine Bauzeit von über 3 Jahren bedeuten. Es bestand aber der dringliche Wunsch, diese Zeitkalkulation zu unterschreiten und  die Perspektive die Passionsspiele im nahen Oberammergau und  ihrem 10jährigen Rhythmus und damit im Jahr 1930 als Publikumsmagnet für die Zugspitzbahn zu gewinnen,  wurde zum Ansporn  höchster Ingenieurleistung.
Damit möchte ich dann an dieser Stelle kurz abschweifen zu den Oberammergauer Passionsfestspielen und dies in  einem Zusammenhang mit dem Thema dieser Homepage – nämlich POSTAUTOMATION. Im Jahr 1906 verwendete das Ausstellungspostamt  der Bayerischen Jubiläumsausstellung in Nürnberg  zur Bewältigung der  vornehmlichen Kartengrüße eine Briefstempelmaschine  Typ  Bickerdike kurzfristig mit dem Zusatz  Ausstellung im Ortsstempel.



Im Jahr 1908 fand nun in München eine Ausstellung statt und auch hier wurde  eine Bickerdike Poststempelmaschine am Ausstellungspostamt zur Bewältigung der Tagespost eingesetzt. Der Sonderwerbeeinsatz im Maschinenstempel wurde von Prof. Riemenschmied entworfen und fand allgemeinen Anklang. Dazu einmal das Ausstellungs-Hauptrestaurant und der Maschinenstempel  Ausstellung München 1908 mit Datumeinsatz  6.VII.7-8N und  Entwertungsornament.


Im Jahr 1910 standen nun die Passionsspiele in Oberammergau an und auch dort wünschte das Generalpostamt in München  einen Werbestempeleinsatz und richtete eine  entsprechende Anfrage an  die OPD in München. Der Graveur Braungardt sollte entsprechend München 1908 den Sonderwerbestempel für Oberammergau  gestalten und die Münchner Bickerdike galt es zuvor mit Maschinenteilen  aus den Deutschen  Waffen- und Munitionsfabriken  in  Karlsruhe instand zu setzen.

                                                           Kulisse für die Passionsspiele in Oberammergau 1910

                                            Bickerdike Werbeeinsatz 1910 für die Passionsspiele in Oberammergau

Da nun zeitlich parallel im Jahr 1910 zur erneuten Ausstellung in München auch ein Werbeeinsatz erwünscht war, wurde die 2. noch vorhandene Briefstempelmaschine Typ Bickerdike ebenfalls mit einem Sonderwerbestempel ausgerüstet.

Der Vollständigkeit halber folgt noch die Abbildung der letzten Umrüstung einer Briefstempelmaschine  Typ Bickerdike und dies  noch einmal für die Gewerbeschau in München im Jahr 1912

Bei weiterem  Interesse zur Postautomation und hier im Bereich der Bickerdike – Briefstempelmaschinen ist das Heft 144  der Poststempelgilde unter diesem Titel  von Inge Riese und Dr. Walter Kohlhaas  unbedingt empfehlenswert.
Nach diesem gestatteten Ausflug zurück zur Zugspitzbahn. Konnte es wirklich gelingen in unglaublich kurzer Zeit bis zu den Passionsspielen in Oberammergau  im Jahr 1930 eine Zahnradbahn  zu verwirklichen?  Rückblickend ist diese Leistung vor 90 Jahren nun absolut  bewundernswert.
Zwei Entscheidungen  waren ausschlaggebend:
1) Die neuartige Vermessungsmethode in dieser zerklüfteten Bergwelt mit photo-stereometrischen Apparaten  und damit die Möglichkeit exakter Tunnelplanung nicht nur  bezüglich Steigung sondern auch mit Kehren und Schleifen für den Tunnelbau.
2) Dadurch konnte der Tunnelbau an 4 Stellen direkt an die Gebirgsnordwand herangeführt werden und kurze Quertunnel erlaubten sog. Fenster zur „Außenwelt“ zur Errichtung  von Zwischenstationen für Hilfsseilbahnen ausgehend vom Baulager Riffelriss. Diese Fensterstationen erlaubten nun die Bauausführung des Tunnelobjektes von mehreren Stellen gleichzeitig und verkürzten die Bauzeit. Dazu ein Lageplan aus der erwähnten AEG- Schrift.

Baulager  Riffelriss wurde  ebenfalls über eine Hilfsseilbahn  vom Eibsee versorgt und war  für ca. 1000 Arbeiter ausgelegt. Ende des Jahres 1928  war Baubeginn für die Gesamtstrecke von Garmisch bis zum Schneefernerhaus über 18km, dabei war es bis zum Eibsee noch recht „gemütlich“, von dort zum Riffelriss schon sehr „anspruchsvoll“ und die 4,5km Tunnel  waren sicherlich „extrem“ schwierig zu nennen. Zur Veranschaulichung dazu einmal das Strecken – und Höhenrelief  der Zugspitzbahn aus den angeführten AEG – Mitteilungen.


Kurzprofil  - Zugspitze
5. Fortsetzung
18.09.2021

Der Tunnelvortrieb  war aus vielfacher Hinsicht technisch anspruchsvoll und sicherlich gesundheitlich durch die Höhenmeter und Temperaturverhältnisse  belastend.  Bilder der AEG aus der angeführten Schrift mit Schüttelrutsche und provisorischem Holzausbau.

Extreme Temperatureinflüsse, Staubbelastung und reduzierter Sauerstoffgehalt der Höhenluft stellten gesundheitliche Ansprüche, die ihren Tribut forderten. Zudem gab es  Sprengstoffunfälle  mit 25 Toten (Verbrauch 197800 kg Dynamit insgesamt!) und am 5.12.1929  einen verheerenden Brand am Fenster IV und Stollen. Hier hatten 45 Arbeiter  ihr Quartier im Wechselschichtbetrieb  und  hier schildert das empfehlenswerte Buch Die Zugspitze von Heinrich Schott im Süddeutschen Verlag) erschütternde Details. Bereits nach einer Woche wurde jedoch die Strecke Richtung  Schneefernerplatt  erneut  energisch voran  getrieben. Am 8.2.1929 mit der letzten Sprengung ist der Tunneldurchbruch geschafft und am 8.7.1930  und damit 2  Jahre und 3 Monate nach Baubeginn ist  die Zugspitzbahn  fertig.
Dazu nun einmal der Zugspitzbahnhof Garmisch – Partenkirchen als Einstieg zur Fahrt zum Schneefernerhaus und Sonderstempel 75 Jahre Zugspitzbahn und auch in diesem Fall hat Österreich  sogar mit einer Sondermarke mit gefeiert.

Die Bahnhöfe Rießersee, Hammersbach und Kreuzeck kann ich nicht mit philatelistischen Belegen dokumentieren und der nächste Bahnhof lag im Zugspitzdorf  Grainau und bis dort war die Zugspitzbahn technisch als sogenannte Reibungsstrecke ausgelegt.

Ab Bahnhof Grainau wurde dann die Zugspitzbahn als Zahnradbahn betrieben im Zahnstangensystem nach Riggenbach. Dazu an dieser Stelle nachfolgend nur kurz die wichtigsten Zahnradsysteme: links oben die Harzer Zahnradbahn Rübeland  mit dem Ingenieur Abt (zwei oder drei Zahnstangen parallel versetzt), rechts die Pilatusbahn  mit Technik nach Locher (Zahnstangen mit seitlichem Eingriff) und im Dreierbild Seilbahn Eibsee – Zugspitze und Zahnradsystem nach Riggenbach (Leiterzahnstangen, gut erkennbar die Trennung im Weichensystem).

Dazu ein Ensemble zum Bahnhof Eibsee. Interessant der Poststempel – hier im Jahr 1937 -  mit Hinweis   Bahnhof der Zugspitzbahn.

                        Die folgende Fotopostkarte (Poststempel 2.8.1933)  vermittelt noch einmal die Gesamtstrecke

               Der Detailausschnitt belegt dann am Riffelriß den Tunneleingang für die Strecke zum Schneefernerhaus

Die Ausarbeitung zu den Betriebsmitteln der Bayrischen Zugspitzbahn mit Datum vom 28.März 19931 von Ernst von Baschwitz  dokumentiert die Tunnelausgänge am Schneefernerhaus  vor dem Bau der Bahnhofshalle.

Die folgenden Fotopostkarten dokumentieren die Teilung der Bahnstrecke kurz vor dem Schneefernerhaus und seinen  beiden  Bahnsteigen

Dazu der Grundrissplan vom Erdgeschoss aus AEG Miteilungen Heft 4 im Jahr1931 mit beiden Bahnsteigen und der Bahnhofshalle  und Station Gipfelseilbahn

Das Schneefernerhaus wurde am 20.6.1931 eröffnet und die Poststelle Schneefernerhaus war wohl in der Bahnhofshalle und wurde Ende 1931 eingerichtet.  Ein Hinweis aus dem Kreis der Homepagebesucher zur genauen Lage der Poststelle wäre wünschenswert. Die Poststelle Schneefernerhaus war wohl zuständig bis zur Verlegung in die neue Station SonnAlpin ca. Januar 1992. Auf die eingezeichnete Seilbahnstrecke vom Schneefernerhaus zur Zugspitze  von 2650m auf 2966m wird dann noch näher eingegangen.

Fortsetzung folgt




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