Deutsche Postautomation

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NS Widerstand – Grafen von der Schulenburg
05.12.2022

Die Widerstandsakteure im III. Reich waren durchaus zahlenmäßig vorhanden, agierten für die breite deutsche Bevölkerung praktisch aber „als nicht vorhanden“ und wurden gegebenenfalls in der Presse als VERRÄTER  erwähnt. Hier kommt  bis zum Jahr 1945 die absolute NS – Indoktrinierung zum Zuge. Propagandistisch war die Vereinahmung der deutschen Bevölkerung und  auch der Jugend  in Schule und NS – „Freizeit“ - Organisationen  gelungen und es kam zur Einschwörung und Gleichsetzung von Hitler und Deutschland

Beispielhaft dazu aus einer Auswahl von zahlreichen Belegbeispielen zur NS – Indoktrinierung  hier die nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) mit ihren 17 Millionen Mitgliedern und beispielhaft auch mit ihrer Kinderlandverschickung (s. KVL-Lager  OD./97) noch bis in das Jahr 1944  Kinder auf`s Land, stiftet Freiplätze und Aktion Mutter und Kind

Entsprechend der NS– Ideologie  zur umfassenden Volksgemeinschaft  fielen die Parolen der NSV aus. Die angestrebte Volksgemeinschaft  aus gleich geschalteten Mitgliedern  war vorrangig und dementsprechend die Werbeeinsätze in den Absenderfreistempeln:
Die NSV ist das soziale Gewissen unseres Volkes – Werde Mitglied! Gemeinnutz geht vor Eigennutz oder Kämpft für den Sozialismus der Tat!


Nicht zu steigern diesbezüglich waren aber die Aktivitäten der Deutschen  Arbeitsfront unter Robert Ley, die nicht nur die gesamte Arbeitswelt sondern auch mit ihrer Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“  bis auf die „unvermeidlichen Schlafzeiten“  den  gewünschten und geformten  deutschen  NS – Volksgenossen  möglichst 24 Stunden für sich  in Anspruch nahm. Nach Ausschaltung der Gewerkschaften wurde unter Robert Ley als Reichsorganisationsleiter ein „krakenförmig sich ausweitendes Konstrukt“ geschaffen, das  sich für  alle Lebensbereiche  der Volksgemeinschaft zuständig fühlte. Dazu eine kleine Auswahl

Gesamtverband der deutschen ArbeiterAmt für Berufserziehung, Reichserholungswerk und natürlich die Kraft durch Freude Organisation und Aufruf zur Beteiligung an den Veranstaltungen.

Die kilometerlange Seebadanlage Prora der KdF wurde nur noch ansatzweise kriegsbedingt gestartet, aber die KdF – Flotte war ein durchaus begehrtes  Reiseunternehmen.

Selbst die Auslandsdeutschen wurden  nicht vergessen und in das  NS – System integriert. Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland (V.D.A.) firmierte mit der Zentrale in Berlin im VDA – Haus  und im Absenderfreistempel meiner Meinung nach der „umwerfende  anspruchsvolle Slogan „Volkstum kennt keinen Verzicht auf Volkstum“. Die Absenderabkürzung steht selbstbewusst unter dem Wertstempel mit V.D.A. – W.U. (kannte anscheinend damals jeder), wobei WU für Wirtschaftsunternehmen steht. War auch in Berlin die Zentrale, so hatte man sich aber für Festlichkeiten und Tagungen Stuttgart zur Stadt der Auslandsdeutschen  ausgewählt bis hin zur Ehrenbezeichnung im Poststempel („NS“ – Städte gab es übrigens in dieser Hinsicht  6 mit Frankfurt, Graz, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart). Im Segel der Handelskogge durfte das Hakenkreuz in Stuttgart natürlich nicht fehlen

Die „Ehren“bezeichnung (Graz, München und Nürnberg mit NS – Bezug) der oben angeführten Städte hatte in allen möglichen Poststempelformen den jeweiligen Zusatz Stadt des Handwerks, Stadt der Volkserhebung, Reichsmessestadt, Hauptstadt der Bewegung und Stadt der Reichsparteitage.

                                    Nachfolgend aber einmal eine Auswahl aus dem Bereich der Absenderfreistempel

Zur allumfassenden Gleichschaltung gab es entsprechende Schulungsorganisationen   der Nationalsozialisten und dazu nur zwei Beispiele mit Absenderfreistempeln der sog. Ordensburgen und eine Fotoansichtskarte der NS – Frauenschaft mit einer  Führerinnenschule


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NS Widerstand – Grafen von der Schulenburg – 1. Fortsetzung
17.12.2022

Die allgemeine Presse folgte den Vorgaben des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda  Joseph Goebbels und dies voran mit  der  NS – Zeitung  Völkischer Beobachter

                                                                Beispielhaft die gleichgeschaltete lokale Presse

Verbot von SPD und KPD, Auflösung der Gewerkschaften mit Haft und KZ ihrer Funktionäre waren die rasche und unbarmherzige Folge schon frühzeitig nach der Machtübergabe an Hitler und sein Regime ab dem Jahr 1933. Ein Polizeiapparat und die Geheime Staatspolizei Gestapo  überwachten scharf  das  geschaffene „NS - Volksmodell“  bis hin zur Liquidation  unliebsamer Abweichler. Folgend einmal der Absenderfreistempel mit unverfänglich Albrecht und Rudolph unter dem Wertstempel aber im Absendereindruck auf dem Briefumschlag Geheimes Staatspolizeiamt, Berlin SW 11    also - wirklich zweckorientiert und sicherlich damit sehr geheimnisvoll!

Das kleine vorstehende Konzept sollte einmal kurz das NS – System andeutungsweise beleuchten und die Problematik  aufzeigen, in diesem Umfeld  Widerstand gegen das Regime zu leisten.  Die jüngeren Widerstandskämpfer verbunden unter dem Begriff  „Weiße Rose“ oder die Älteren im „Goerdeler - oder Kreissauer – Kreis“   oder  vergebliche Einzelkämpfer   waren schicksalhaft gemeinschaftlich  dazu verdammt im NS – Widerstand  zu scheitern und erlebten in der Regel  mit Haftstrafen, KZ-Verbannung und  durch Hinrichtung nicht mehr den apokalyptischen  Untergang des NS – Systems  mit seinem Führer  Adolf Hitler.

Mit dem endgültigen Zusammenbruch des III. Reiches und den siegreichen alliierten Armeen im April 1945  kann dieser Tag auch mit dem Sonderstempel TORGAU  dokumentiert werden,  als amerikanische und russische Invasionstruppen an der Elbe  aufeinander trafen.

Die politische Aufarbeitung der NS – Zeit nach dem 2. Weltkrieg begann und dies mit einer wahrhaft wechselhaften Entwicklung bezüglich der Sichtweise auf den deutschen Widerstand.

Widerstand in Deutschland gerichtet gegen das nationalsozialistische System und Adolf Hitler ist thematisch vielfältig bearbeitet in der Literatur, Fernsehen und auch die deutsche  Philatelie  war durchaus  früh beteiligt unter den alliierten Verhältnissen  der Nachkriegszeit

 
Schon die Beschäftigung mit der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes)  und  ihrer  zunehmenden Polarisierung  zwischen der Sowjetischen Besatzungszone, Berlin und Westdeutschland  ist ein höchst interessantes  Kapitel  im  aufkommenden  politischem Blockdenken der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Denn in der Nachkriegszeit war die Vergangenheitsbewältigung  für den größten Teil der Bevölkerung  kein Thema und das Überleben in leiblicher und wirtschaftlicher Hinsicht war absolut vordergründig.  Es gab aber schon in den ersten Nachkriegsjahren durchaus politische Zirkel, die sich mit der Widerstandsbewegung (s.o.) beschäftigten und noch durchaus in gemeinschaftlicher gesamtdeutscher Gruppierung ohne die anstehende Trennung durch „östliches und westliches Denken“. Zu dieser Zeit wurde die deutsche Widerstandsbewegung  anfangs also durchaus noch „gesamtdeutsch“  betrachtet und  spez. in Berlin „vorsichtig“ auch in der Presse artikuliert und entwickelte sich dann aber unter dem Einfluss des aufkommenden Blockdenkens  getrennt in  eine  Ost- und West- Sichtweise des deutschen Widerstandes mit vorsichtiger gemeinsamer Aufarbeitung nach der  Wiedervereinigung 1990.

Die „Frontstadt Westberlin“  gedachte dann 1954  in der Nachkriegszeit schon  allerdings relativ früh philatelistisch  dem Widerstandsgeschehen und gestaltete  eine Sonderbriefmarke  und dazu einmal der amtliche Ersttagsbrief mit zugehörigem Text und schon hier im Vordergrund das Geschehen  und Attentat auf Adolf Hitler  am  20. Juli 1944

Westberlin war auch zukünftig  mit der philatelistischen Berücksichtigung des Widerstandes gegen das NS – Regime  aktiv, wie es das folgende Ensemble bestätigt.


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NS Widerstand – Grafen von der Schulenburg – 2. Fortsetzung
28.12.2022

In der DDR wurden dann in der Folgezeit vorwiegend die Einzelkämpfer des Widerstandes aus den kommunistischen und sozialistischen  Strukturen  in den Vordergrund gestellt

                                                                            HITLER  IST  KRIEG (s. blaue Grafik)

Mit der obigen Blockausgabe der DDR zu Ehren der Widerstandsorganisation  Schulze – Boysen – Harnack  taucht allerdings die teils umstrittene Sichtweise zum Thema „Rote Kapelle“ auf  und hier ist es dem Homepagebesucher selbst überlassen, sich  durch Literaturstudium  ein Bild  zu  machen  zwischen  „Staatsverrat und Widerstand“.

Im westlichen Deutschland der Nachkriegszeit fristete die Aufarbeitung der Widerstandsbewegung  noch längerfristig ein Schattendasein bis hin zum Unverständnis  nicht nur für die NS – Opfer der Widerstandsbewegung sondern auch gegenüber ihren Angehörigen mit Ehefrauen und Kindern. Diskriminierung  oder  empathielose Oberflächlichkeit führten zur Ausblendung des Geschehens. Ähnlich den Prozessen in der Nachkriegszeit für Wiedergutmachungsansprüche z.B. jüdisch Betroffener. Ehefrauen und Angehörige der inhaftierten oder  ermordeten Widerstandskämpfer  kämpften vor einer teils als seelenlos zu bezeichnenden und noch im indoktrinierten NS - Denken befangenen Justiz um berechtigte  auch finanzielle Zugeständnisse geschweige denn um einen  juristischen und menschlich anerkennenden Blick auf die betroffenen Opfer des Widerstandes und das Leid ihrer Angehörigen.

Im Gegensatz dazu waren manche Entnazifizierungsverfahren eine Farce, „plötzlich gab es Persilscheine vom Pfarrer“ und teils schwergewichtige NS - Chargen  rutschen unerkannt  erneut in leitende Positionen. Beispielhaft ein Schreiben aus Berlin (Name verdeckt).

Die BRD - bis auf das geteilte Berlin – arbeitete also den Sachverhalt etwas zögerlich auf  mit  etwas reservierter Haltung. Ende der 1950er Jahre war dann auch im westlichen Teil Deutschlands die breitere  Beschäftigung zum Widerstand gegenüber dem NS - Regime angekommen und hier dann auch eine gewisse, wenn auch nicht ausschließliche Konzentration mit dem  Attentat auf  Hitler am 20. Juli 1944 und dazu die Blockausgabe aus dem Jahr 1964 mit den Ersttagsbriefvarianten und entsprechenden Sonderstempeln in Bonn und Berlin.

Im weiteren zeitlichen Verlauf  finden sich dann  zunehmend  Briefmarken und  Poststempel zum Widerstandsgeschehen  im  NS-Regime und auch die Literatur ist erstaunlich vielfältig in den vergangenen 75 Jahren geworden und belegt auch  einen zunehmend differenzierten Blick auf die Ereignisse  und ihre Persönlichkeiten.

Widerstand bis hin zum Attentatsversuch von überzeugten Einzelpersonen sind in den Biographien  lesenswert zu registrieren und stehen  im Kontrast zur allgemeinen  „Hitler – Hysterie“  der  gleichgeschalteten  deutschen Bevölkerung  in  der NS – Zeit.

Nach der glücklichen Wiedervereinigung wurde  also dann eine gesamtdeutsche Sichtweise  erkennbar und dies erneut mit Blick und Konzentration  auf das Ereignis vom 20.Juli 1944.

Die Deutsche Post widmete dem Thema dann auch aufwendig über 6 DIN A4 Seiten eine Extraausgabe zum Deutschen Widerstand.
   
   



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NS Widerstand – Grafen von der Schulenburg – 3. Fortsetzung
07.01.2023

Synonym für den Widerstand  wurde  demnach die  Bewegung  20. Juli 1944 mit dem Attentat auf Adolf Hitler und damit die misslungene „Operation Walküre“ im Führerhauptquartier   Wolfsschanze   im   ostpreußischem   Rastenburg.

Geprägt von teils adligen bzw. gut bürgerlichen Deutschen aus durchaus unterschiedlicher politischer Herkunft  unter Einbeziehung auch von überzeugten Widerstandkämpfern aus dem Militär ist rückblickend die Gruppe 20. Juli  als definitiv wichtige mögliche Widerstandsbewegung einzuordnen auch unter dem Aspekt mit einer Chance auf Erfolg gegen das Hitlerregime und dies auch mit einem breiteren  personellen Konzept für eine praktikable politische Ära für eine Zeit Deutschlands nach Hitler.

Bekanntermaßen gilt nun mein Interesse basierend  zum Thema Wolfsburg und Volkswagen den teils involvierten Mitgliedern zum Widerstand gegen Adolf Hitler aus dem Haus der Grafen von der Schulenburg. Ich verweise entsprechend auf die Homepage postautomation.de und dort auf  den Menüpunkt  VW – ein Deutscher Mythos. Die Untermenüs zu Schulenburg zusammen mit dem Kapitel der Kriegsproduktion im VW -Werk führen  zu den adligen Akteuren  Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg und zu Fritz-Dietloff Graf von der Schulenburg als markante Persönlichkeiten auch im Widerstandsgeschehen und hier explizit  zum 20. Juli 1944  bis hin zu ihrer Ermordung  nach missglückten Attentat von 1944 im berüchtigtem Vollzugsgefängnis  Berlin-Plötzensee.

Biografien zu den beiden durchaus unterschiedlichen Charakteren sind vorhanden, aber eine explizite philatelistische Würdigung  durch Briefmarken oder Stempel ist seltsamerweise  bis dato „untergegangen oder vergessen“ worden sowohl in der BRD als auch DDR. Philatelistische Spuren dieser Grafen und ihre Vita im Fall von Fritz-Dietloff, der als wichtiger Organisator der durchaus  unterschiedlichen Akteure  über das Militär, Konservativen bis zu den Sozialisten des 20. Juli einzuordnen ist, sind mir bis dato  praktisch nicht begegnet. Allerdings zu Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg finden sich immer wieder einmal Briefbelege auf Auktionen oder Internetplattformen bedingt durch seine Tätigkeit im konsularischen und diplomatischen  Berufsfeld. Literatur zu FWS existiert auch durch „Verlagerung“ im Jahr 1945 in die Allrussische Staatliche M.- I.- Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur  (gegründet 1922 in den Jahren des Bürgerkrieges von Frau Rudomino in Moskau). Aktuelle Aufarbeitung gilt dort auch den Bibliotheken dreier Widerstandskämpfer, die am Widerstand gegen Adolf Hitler beteiligt waren u.a. auch von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg.

Schon im Menüpunkt Volkswagen – Ein deutscher Mythos wurden  im Kapitel  Freimachung mit Freistempel  im Untermenü Postgeschichte  Region Wolfsburg Schulenburg  Belege an die  Hochgeborene Gräfin v. d. Schulenburg   Braunschweig, Adolfstraße 30  vorgestellt zu Beginn des 20. Jahrhunderts :



Braunschweig war Wohnort mehrerer Gräfinnen und Grafen aus dem Familienkreis derer von der Schulenburg  aus Wolfsburg und Hehlen zu dieser Zeit. Die Adresse Adolfstraße 30 belegt nun  den neuen Wohnsitz seit dem Jahr  1887  von Bernhard Graf von der Schulenburg  aus Hehlen und seiner Familie. Der zweitgeborene (1875) Sohn Friedrich Werner Graf von der Schulenburg besuchte hier das Wilhelm - Gymnasium Braunschweig und studierte Rechtswissenschaften zuletzt in Berlin und ging hier erfolgreich in den konsularischen Dienst und erhielt seine diplomatische Ausbildung im Auswärtigen Amt der Reichsregierung. Aus dieser Zeit stammt eine der Postkarten und hier mit Datum vom 20.6.1907  und er bittet seine Mutter in Braunschweig dringend um Zusendung seiner schwarzen Reit- und ferner Turnhose nach Berlin und bezieht sich kurz auch  auf seinen dortigen Dienst (Unterschrift F.W.)


Ausgehend von dieser nochmaligen Vorstellung möchte ich  einmal dezidierter  auf diesen Zweig der Grafen von der Schulenburg  und  hier Friedrich Werner Graf von der Schulenburg eingehen. In der Genealogie aus dem  „Weißen Stamm“ der Grafen von der Schulenburg sind die Besitzungen Tressow / Mecklenburg  und Hehlen /Weser in diesem Fall anzuführen. Bernhard Graf von der Schulenburg schlug die militärische Laufbahn ein und war Vater von FWS (zukünftig häufiger gebrauchte Abkürzung für Friedrich Werner Erdmann Matthias Johannes Bernhard Erich Graf von der Schulenburg)

                              Herrenhaus  und Schloss (gebaut 1862) aus dem Haus der Grafen von Schulenburg Tressow

                                      Schloss Hehlen und bis zum Jahr 1956 im Besitz der Grafen von der Schulenburg

Entsprechend seiner militärischen Laufbahn wurde Bernhard Graf von der Schulenburg  (1839 bis 1902) häufiger an verschiedene Standorte versetzt. Verheiratet mit Margarete Freiin von Waldenfels (1847 bis 1918)  führte der Weg beide nach Kemberg und hier wurde FWS am 20. November 1875 geboren. Weitere Stationen waren  Darmstadt und Frankfurt a/M.


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NS Widerstand – Grafen von der Schulenburg – 4. Fortsetzung
19.01.2023

Der letzte und bleibende Standort war dann Braunschweig (ab dem Jahr 1887) und  das Haus stand in  der Adolfstraße 30. Blick in die Adolfstraße (Poststempel Braunschweig 19.05.1898)

Im Haus Adolfstraße 30  wohnte auch  eine Tante von  FWS  im Haus und dazu  eine Postkarte aus  Berlin  vom 3.5.1906 (Bahnpoststempel Berlin – Hannover).  FWS kündigt nach längerer Zeit seinen Besuch an, hat viel zu erzählen und stand wohl auch kurzfristig vor der kommissarischen  Leitung des Konsulats in Lemberg

An dieser Stelle der Hinweis, dass aber die Grafen von der Schulenburg – Wolfsburg ihr Braunschweiger Domizil in der Wilhelmstraße 99 hatten (aus dem Buch  Schloss Wolfsburg, Institut für Museen und Stadtgeschichte)
 
und an diesem Standort wurde dann das Hotel DEUTSCHES  HAUS  errichtet. Mondscheinkarte und Poststempel Braunschweig vom 2.5.1901

In Braunschweig  wurde  dann  FWS im Herzoglich Neuen Gymnasium  eingeschult und absolvierte im Jahr 1894 seine Schulzeit mit dem Abitur.

Entgegen dem militärischen Berufsleben seines Vaters hatte FWS wohl die Diplomatenlaufbahn ins Auge  genommen und richtete  zielgerecht seine weitere Ausbildung  danach aus. Ein  Jurastudium war  für die Diplomaten  praktisch Bewerbungsvoraussetzung  und FWS meldet sich an der Friedrich – Wilhelm - Universität in Berlin zum Studium der Rechtswissenschaften  im Jahr 1894 an und wird im Corps Saxonia-Borussia aktiv.

Dennoch stand schon das Militär an und  FWS geht ab Oktober 1894 als  Einjährig-Freiwilliger zur 1. Garde des Feldartillerie-Regiments der Leibbatterie und  das Entlassungszeugnis   eröffnet  die Möglichkeit  zum  Reserve-Offizier-Aspiranten.

Das weitere Rechtsstudium führt ihn dann  in die Schweiz  an die Universität nach Lausanne und auch diese Wahl war wohl ausgerichtet auf seine  geplante Berufswahl, denn  Lausanne  -in der vorwiegend französisch geprägten Stadt in der Schweiz - wurde mit den dort  erworbenen Sprachkenntnissen  zum Vorteil  der Bewerbung im diplomatischen Dienst.

                                                             Universität Lausanne und zugehöriges Postwertzeichen

Lausanne war FWS sehr sympathisch, aber ein weiterer Studienort war noch München und  gegen Ende des Studiums war wohl wieder Berlin angesagt. An das 1. juristische Examen 1897 schloss sich  die Referendarzeit an und 2. juristisches  Examen im Jahr 1900.

In dieser Zeit mag sein folgendes  Bild als Carte de Visite - CDV  entstanden sein und „natürlich“ bei Oscar Roloff  (Hof – Photograph Sr. Königlichen Hoheit  und  des Grossherzogs v. Mecklenburg-Schwerin sowie Sr. Durchlaucht des Fürsten von Schwarzburg- Rudolstadt).

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte die  Photographie  einen  äußerst beliebten  Geschäftsartikel  mit der Carte de Visite (CDV) hervor, der millionenfach produziert wurde und durch raffinierte Phototechnik es erlaubte Porträt- oder Personenbilder relativ preiswert herzustellen. Die „Visitenkarten mit Bild“ hatten in der Regel das Format 6x9cm  und  jedes größere Warenhaus hatte eine Abteilung  zur  Herstellung dieser Fotos auf Kartonpapier  eingerichtet und natürlich  die speziellen Photoateliers und  verewigten sich in der Regel  rückseitig  mit Besitzer, Standort  und teils auch Illustrationen. Handschriftliche Zahlenvermerke bedeuteten die interne Archivierung zur Nachbestellmöglichkeit. Dadurch sind die CDV – Fotokarten  mit ihren Rückseiten häufig eine wunderbare Informationsquelle. 

FWS bewirbt sich im Jahr 1901 im Auswärtigen Amt in Berlin und wählt hier die konsularische Laufbahn, die bis zum Jahr 1919 noch getrennt vom diplomatischen Dienst war (s. Schüler`sche Reform im AA 1920/22). Ganz freiwillig war  dieser Weg wohl nicht, zwar war sein Bildungsweg  absolut korrekt, die adlige Abstammung vorhanden, der Militärdienst geleistet, die mögliche „Seilschaft im AA durch das Corps Saxonia-Borussia“ gegeben, aber die notwendige finanzielle erforderliche Basis und Ausstattung war nicht vorhanden für die Diplomatenlaufbahn und ihm  daher zunächst verwehrt.

Seine erste Dienstelle führte ihn im Jahr 1903 für zwei Jahre als Vizekonsul in das Kaiserliche Generalkonsulat nach Barcelona.

                                           Kaiserlicher Vizekonsul Graf  F.W. v.d. Schulenburg  in Barcelona Brief 1903)

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NS Widerstand – Grafen von der Schulenburg – 5. Fortsetzung
27.01.2023

Nach kurzer Rückkehr in den konsularischen Dienst in Berlin im Jahr 1905 übernahm  FWS im Jahr 1906   kommissarisch die Leitung des  Konsulats in Lemberg. Zu diesem Zeitpunkt wurde FWS Vater einer Tochter, Heirat mit Elisabeth von Sobbe. Die Ehe wurde früh geschieden.

Während der  konsularischen Arbeit in Lemberg  war er zusätzlich kurzfristig im Interimseinsatz  in  den Kaiserlichen  Deutschen Konsulaten von   Neapel und  Prag tätig

                                                                                                  Neapel


                                                                                                     Prag


Von November 1906 bis April  1911 erfolgte die Versetzung von  FWS als Vizekonsul nach Warschau an das Kaiserliche  Deutsche Generalkonsulat.  Zusammen mit Lemberg waren dies damit Tätigkeiten  und Erfahrungskontakte im zaristischen Russland, da das Königreich Polen auf dem Wiener Kongress  im Jahr 1815 unter russische Hoheit  gelangte. Vielleicht prädestinierten ihn seine  dortigen geschätzten Erfahrungen  später im Jahr 1934 zum Posten des Botschafters in Moskau.

                                                                                                 Warschau


                       Folgend ein Botschaftsbrief   Kaiserlich Deutsches Generalkonsulat Warschau aus dem Jahr 1912


Im Jahr 1911 übernimmt FWS das Konsulat in Tiflis der Hauptstadt Georgiens und  bleibt sozusagen  auch in diesem Fall in einer  zaristischen  Provinz aber nun in der Kaukasusregion. Zur Einstimmung in die Zeit  Ende des 19. Jahrhunderts folgend  zwei Stiche  allerdings teils in  etwas ramponierter Form aber doch  recht ausdrucksstark.

                                                Gesamteindruck Tiflis  mit Blick auf die Burg und Festung Narikala


Eine Straßenszene  in Tiflis mit einem   Gemälde von Th. Horschelt  nach einer Photographie von Franz Hansstängle in München. Hansstängle war früh fotografisch  tätig, verstarb  im Jahr 1877 und danach kann das folgende Bild   eventuell  um das Jahr 1860  eingeordnet werden.


Die wechselhafte Geschichte Georgiens in den letzten zwei Jahrhunderten ist allein schon ein spannendes Thema und empfehlenswert. Nachfolgend zwei Siegel des Kaiserlichen Konsulats in Tiflis und eine  Straßenszene   mit russischer Inschrift




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NS Widerstand – Grafen von der Schulenburg – 6. Fortsetzung
04.02.2023

Schulenburgs  konsularische Tätigkeit in Tiflis  fällt damit  in  die Zeit vor dem 1. Weltkrieg  und  dies bedarf einer kurzen  Einführung in die  politische Ausgangslage und  damit zum Verständnis seines Wirkens und  dortigen Einsatzes  gesteuert  aus  dem  AA (Auswärtiges Amt)  in der Wilhelmstraße 75 in Berlin.

                                              Bild aus dem lesenswerten  Buch von Hans Wilderotter im Jovisverlag  1998
                                                           Alltag der Macht   -  Berlin Wilhelmstrasse im Jahr  1909

Nachfolgend noch das Eingangsportal  des Auswärtigen Amtes (AA) in der Wilhelmstraße  hier aber der nördliche Anbau erbaut im Jahr 1804 als Wilhelmstr. 75 und  seit dem Jahr 1882 verbunden mit dem Haupthaus und damit Wilhelmstr.76 und  zu beiden Gebäuden kam später (im Jahr 1919?)  noch das  benachbarte Haus Wilhelmstr.74 hinzu.

Im Haus Wilhelmstr.76 hatte  übrigens der Außenminister und Ministerpräsident Otto von Bismarck seine Dienstwohnung und zog nach „seiner“  Reichsgründung 1878 in das benachbarte Haus Wilhelmstr.77. Dieses Palais ehemals  ein Haus aus einem Familienzweig der Grafen von der Schulenburg hat eine absolut wechselhafte Besitzerreihe und wurde seit  dem besagten Jahr 1878   zum Ausgangsgebäude der Reichskanzlei, die unter Adolf Hitler und seinem Architekten Albert  Speer den letzten Umbau und Erweiterung erhielt.

Zurück aber zu Otto von Bismarck.
Anmerkung:
Selbst kein studierter Historiker hoffe ich auf „eine gnädige Betrachtung“ meiner folgenden  Ausführungen  der geschichtlich relevanten Verhältnisse bis zum Jahr 1945

Nach seinen  Einigungskriegen hatte Otto von Bismarck  mit dem Krieg und Sieg gegen Frankreich - ausgelöst durch das Spektakel der sog. Emser Depesche -  und mit der  Erhebung des preußischen Königs  Wilhelm I. zum Kaiser  eines neuen deutschen Nationalstaates  im Schloss von Versailles sein Ziel erreicht. Die deutsche Bevölkerung akzeptierte den Akt als lang ersehnte Legitimierung  und als  Fortsetzung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Wilhelm I. als König von  Preußen empfand wohl für sich nun die Kaiserkrone im neuen Deutschen Reich durchaus als etwas prekär während seiner Regentschaft. Im Jahr 1888 folgte  sein Sohn Friedrich III., der als 99 Tage Kaiser  durch seinen frühzeitigen Tod  leider nur ein Intermezzo  für Deutschland gab. Sein Sohn Wilhelm II. folgte entsprechend im Jahr  1888 und wurde bis zum Jahr 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen.

Mit dem politisch souveränen Reichskanzler und Außenminister Otto von Bismarck spez. in seiner konservativen  unterschiedlichen Auffassung zur Einbeziehung der Sozialdemokraten in die deutsche politische Realität war  für Wilhelm II. der Konflikt vorgezeichnet. In seiner Person mit Charakterzügen als Narzisst mit Profilierungsneurose  war die Kollision rasch perfekt und Wilhelm verabschiedete sich von Otto von Bismarck und dazu die berühmte Karikatur „der Lotse geht von Bord“.

                                Fürst Otto von Bismarck zog sich  nach Entlassung durch Wilhelm II. 1890 auf seinen
                                                  Stammsitz in Friedrichsruh zurück und starb dort im Jahr 1898.

                                                        Nun war politisch  unter Wilhelm II.  Der  neue Kurs  angesagt 
                                                   und dazu eine durchaus passende Postkarte – gestempelt 15.7.1898

Fortsetzung folgt






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