Deutsche Postautomation

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Philatelistische  Kurzprofile
19.09.2018

Verlag der Büttenpapierfabrik Neumühle, Kreis Salzwedel, Graf v.d. Schulenburg

mit Postkarten und vorderseitigen Ansichten  zu Schloss Wolfsburg und Rothehof

Für Ansichtskartensammler stellen sich zum folgenden Beispiel gleich mehrfach Fragen. Ein Druck auf handgeschöpftem  Büttenpapier findet sich zunächst einmal nicht allzu häufig.  Die mir nun bekannten  Versionen zu Schloss Wolfsburg und Rothehof aus der Büttenpapierfabrik Neumühle stammen abgestempelt aus den Jahren 1900 bis 1914. Zu dieser Serie gehören nach meiner bisherigen Kenntnis 6 verschiedene Motivansichten. 

Die Ansichtskarte ist ungelaufen und trägt vorderseitig die Unterschrift  GRAF VON DER SCHULENBURG, zeigt eine Innenhofansicht von Schloss Wolfsburg  und den Hinweis  auf den Verlag der Büttenpapierfabrik Neumühle, Kreis Salzwedel. Fast vermittelt  diese  Postkarte unbeschrieben den Eindruck einer illustrierten groß geratenen Visitenkarte.

Der Verdacht auf  einen Druckauftrag durch  Werner Karl Hermann Graf von der Schulenburg-Wolfsburg selbst drängt sich auf und kann nur bestätigt werden. Neumühle bei Tangeln hatte zur damaligen Zeit vor 120 Jahren ca. 10 Häuser und eine Papierfabrik. Große Waldflächen belegen die gräflichen Schulenburgischen Forsten zu Beetzendorf und Wolfsburg und der kleine Ort Neumühle liegt direkt randständig zum letztgenannten Waldstück und wurde noch einmal kurzfristig Wohnort  der Familie von der Schulenburg im neu erbauten Schloss  in den Jahren 1942 bis 1945.

dazu noch ein Detailausschnitt, der in Neumühle eine Papiermühle offenbart (Pap. M.), die hier  nah zweckmäßig   am weiteren benötigten Rohstoff  Holz  errichtet worden war.

Tatsächlich finden sich dann im Adressen - Buch aus dem Jahr 1908 zu den deutschen Papierfabriken, Holzstoff-, Zellstoff-, Strohstoff- und Pappenfabriken von H. Lohnes unter Neumühle zwei Hinweise und die 2. Mühle liefert dann nicht nur den Hinweis auf die Büttenpapierfabrik Neumühle sondern  noch die Inhaberangabe mit REICHSGRAF  v. d. SCHULENBURG – WOLFSBURG. Mit den Abkürzungen P, T, St sind  die  Produktion von Packpapier, Tapetenpapier und Strohpapier deklariert.

Die Bahnstation war Beetzendorf und  die Postzustellung lief über Rohrberg und im Jahr 1895 brachte wohl Werner (Karl Hermann) Graf von der Schulenburg einen eiligen Brief aus Wolfsburg an seinen Papiermühlendirektor  Jaiger  (?) in Neumühle auf den Weg.

                                                                           rückseitiger Ankunftsstempel Rohrberg

Im historischen Ortslexikon für die Altmark wird bereits im Jahr 1693 hier eine Wassermühle aufgeführt und im Jahr 1840 erstmals in diesem Weiler (kleine Wohnansiedlung) eine Papiermühle. Dort findet sich auch der Hinweis dann  zum Jahr 1899 einer Büttenpapierfabrik betrieben durch Wasserkraft. Dass der Graf v. d. Schulenburg damit standesgemäß vornehmes Büttenpapier als Grundlage seiner Ansichtskarten aus seiner Papiermühle gewählt hat, wird damit verständlich. Die beiden zusammen gescannten folgenden Karten wurden postalisch gestempelt im Jahr 1900 bzw. 1908 und dokumentieren schon auf den ersten Blick deutlich unterschiedliche Druckfarben der Abbildung auf der handgeschöpften Büttenpapiervorlage.

Der Druckstock wurde ebenfalls per Hand gesetzt und trifft die Büttenpapiervorlagen durchaus unterschiedlich und jede dieser Karten ist letztlich ein individuelles Einzelstück. Schon an dieser Stelle der Hinweis, dass Zudrucke bezüglich Motiv und dem Verlagshinweis farblich unterschiedlich ausfallen und auch in der Platzierung entsprechend der unterschiedlichen handgeschöpften Büttenpapiervorlagen Differenzen aufweisen. Bei handgeschöpftem Papier und nicht Industriebüttenpapier darf daher von relativ geringen Auflagen auch in möglichen Nachauflagen der verschiedenen Motive ausgegangen werden. Die Papiervorlagen sind teils schief und mit durchaus auch geringen unterschiedlichen Größenmaßen und mit den typischen unruhigen ungeschnittenen Randstrukturen des Büttenpapiers. Es folgen weitere Karten dieser Büttenpapierkarten mit Ansichten aus dem gräflichen Besitztum Wolfsburg. Eine Abgabe an Besucher auf Schloss Wolfsburg war evtl. möglich oder  konnten  vermutlich  im Gasthof  zum Wolf  gegenüber vom Schloss erworben werden. Dem Wirt Emil Clasing  unterstand zudem die Postagentur Alt – Wolfsburg von 1895 bis 1943. Der Schlagbaum  markiert den  zollpflichtigen Übergang  zur Allerfurt und die  Grenze zwischen dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Braunschweig.

                                       Der obige Ausschnitt aus der Lithographie zeigt die Nordflügelseite des Schlosses

Philatelistische  Kurzprofile
28.09.2018
Verlag der Büttenpapierfabrik Neumühle, Kreis Salzwedel
mit Postkarten und vorderseitigen Ansichten  zu Schloss Wolfsburg und Rothehof
1. Fortsetzung


Das schon vorgestellte Motiv aus der „Büttenpapierserie Neumühle“  mit Blick auf das Schloss und die Allerbrücke  hat nun im obigen Fall der Wirt Emil Clasing mit seiner Ehefrau Marie selbst unterschrieben als Geburtstagsgruß nach Fallersleben am 5.7. 1901 und entwertet wurde mit Einkreispoststempel Wolfsburg.  Das folgende Motiv dieser Serie zeigt die Südseite des Schlosses und wurde am 14.4.1902 in der Poststelle Vorsfelde  auf den Weg gebracht.

Nachfolgend mit Datum vom 21.8.1901 (Einkreispoststempel Wolfsburg) findet sich erneut das Motiv Schloss mit Allerbrücke (s.o.) und sicherlich ein Schreiben  aus dem Kreis der Schlossbewohner in englischer Schrift „Dearest Mary“  an Mary von Bülow, die zu diesem Zeitpunkt auf Schloss Militsch weilt. Auch in diesem Fall ein kurzer  Kartengruß noch mit Unterschrift GRAF SCHULENBURG auf der Anschriftenseite.

Schloss Militsch in Schlesien  in den Jahren 1591 bis 1945 über Jahrhunderte lang im Besitz der Grafen MALTZAN  und dazu folgende Ansichtskarte aus dem Verlag Geyer, Breslau

Es folgt ein Motiv auf Büttenpapier mit Blick aus Süd – West über die vorgelagerten  Weideflächen. Die Karte ist ebenfalls dicht rundherum beschriftet. Erst ab dem Jahr 1905 durfte auch die Anschriftenseite in Deutschland beschrieben werden und ab dem Jahr 1907 findet sich dann auf dieser Seite auch regelmäßig ein senkrechter Trennungsstrich zum Adressfeld hin.

In diesem Fall lohnt sich auch der Blick auf die Anschriftenseite gestempelt 8.8.1910. Hier hat sich der Schreiber die oben beschriebene Trennungslinie auf älterer Druckversion  selbst durch Bleistift auf der Adressseite markiert und so ein zusätzliches Schreibfeld eingerichtet.

Der Schreiber  - sicher erneut aus dem Schloss Wolfsburg - bedankt sich bei Fräulein von Bülow über ihre  Erkundigung  wohl zum Sturmschaden vom  22. Juli 1910 und berichtet von unglaublichen Zerstörungen 2 ½ Wochen zuvor. Beim großen Wirbelsturm am 22. Juli 1910 wurde die Region hart getroffen u.a. der Schlossgarten verwüstet und das Schieferdach der Oberförsterei wurde übrigens über das nördliche Nachbarhaus hinweg gegen die Kirche geschleudert und Dachsparren blieben dort wie Speere im Kirchturmgebäude  stecken. Nachfolgend die Schulenburg`sche Oberförsterei in Alt-Wolfsburg linksseitig auf einer Ansichtskarte abgestempelt im Jahr 1914  mit Poststempel NORDSTEIMKE im AMT VORSFELDE. Die Oberförsterei lag gegenüber vom Schloss an der Allerbrücke in  Richtung Marienkirche in Alt-Wolfsburg.  Damals gräflicher Oberförster  war Hugo Spranger.

Aus Platzmangel setzte der Graf v. d. Schulenburg – Wolfsburg wohl oben seine Unterschrift in diesem Fall mit Bleistift in das Adressfeld der Büttenpapierkarte.

Zum Aufenthalt im Sanatorium Dr. Barner in Braunlage  kann nur spekuliert werden über den Gesundheitszustand des adligen Fräuleins von Bülow 9 Jahre nach dem zuvor gezeigten Kartengruß. Zumindest war damals der Sanitätsrat Dr. med. et phil. Friedrich Barner der  Begründer einer ganzheitlich basierten Psychotherapie in Deutschland! Das Sanatorium besteht weiterhin und der  Neubau  dort im Jahr 1912 ist ein vielbeachtetes noch erhaltenes Beispiel der Jugendstilepoche mit dem Architekten Albin Müller.

Aber Graf von der Schulenburg hat auch neben dem Schloss wohl seine weiteren Besitzungen und hier am Kliebersberg  auf dieser Büttenpapierserie festgehalten und dazu ein Blick auf seine Försterei Rothehof gestempelt am 22. 5.1903 mit Einkreisstempel Wolfsburg. Spekulativ – aber wahrscheinlich  nicht abwegig -  ist die Vermutung, dass der Wirt Clasing auch dieses Motiv vorrätig hatte.


Philatelistische  Kurzprofile
06.10.2018
Verlag der Büttenpapierfabrik Neumühle, Kreis Salzwedel
mit Postkarten und vorderseitigen Ansichten  zu Schloss Wolfsburg und Rothehof

2. Fortsetzung


Der Landkartenausschnitt belegt noch einmal die topographischen Verhältnisse (Kliebersberg ältere Version zur aktuellen Bezeichnung  Klieversberg). Die Besitzverhältnisse Kliebersberg und Rothehof gehen noch auf die Eigentümer der von Bartensleben zurück, die nicht von Braunschweig  als Lehen zurückgefordert werden konnten nach dem Tod ohne männliche Erben von Gebhard Werner von Bartensleben im Jahr 1742. So gehörte Rothehof (hier vermutlich die erste Burg der von Bartensleben im Raum Wolfsburg) zum alleinigen Erbe von Anna Adelheid von Bartensleben, verheiratet  mit General Adolf Friedrich Graf  von der Schulenburg seit dem Jahr 1718 und verwitwet im Jahr 1741. An dieser Stelle aber der Hinweis, dass obige und weitere Lehnsverhältnisse zu Bartensleben – Schulenburg noch bis zum Jahr 1749 ein langfristiger Streitpunkt  mit gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Erzstift Magedeburg waren und unter der  persönlichen Einflußnahme von Herzog Carl von Braunschweig und dem König von Preußen standen. Zum Erbbesitz in unmittelbarer Nähe gehörte  noch Heßlingen, Schillermühle, Steimke, Helingen und Bisdorf, die von  der Witwe und Gräfin Anna Adelheid von der Schulenburg gegen bare Entschädigung an Braunschweig zurück erworben wurden. Vorsfelde und Vorsfelder Werder gingen aber an Braunschweig als Lehen (vorübergehend) retour. Dazu noch eine topographische Übersicht (auch hier noch Kliebersberg) zur Region mit Försterei Rothehof und den vier Teichen im Tal der Stemmelriede. Hier früher auch Steinbruch und Ziegelei derer von Bartensleben und Schulenburg.

Interessant folgende zwei Büttenkarten zum Kliebersberg. Ein Haus war zumindest im Kartennutzungsjahr 1903 ein Restaurant und wird handschriftlich auf der Karte und dem Jahr 1913 dann verändert und ebenfalls dem Forstbetrieb zugeordnet. Der Kartenerwerb im Restaurant  ist logisch anzunehmen, die Karte zum Forsthaus  war evtl. dort oder in Alt – Wolfsburg im Gasthof zum Wolf erhältlich.

Auch in den oben gleichzeitig gescannten Büttenpapierkarten sind die schon zuvor beschriebenen Unterschiede im Farbton und Druckstockplatzierung deutlich zu erkennen.

Interessant auch nachfolgend nun die Kliebersbergkarte in einer Spätverwendung als Neujahrsgruß vom 31.12.1942 mit Poststempel 1.1.1943. Der Schreiber ist die Gräfin von der Schulenburg und auch hier zeigt sich die persönliche Beziehung zu den selbst  aufgelegten Büttenpapierkarten mit Motiv Wolfsburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch in diesem Fall hat die Schreiberin auf der alten Büttenpapierkarte   auf der Adressenseite ihr Schreibfeld mit einem Strich erweitert.

Diese  spät verwendete Postkarte als Neujahrsgruß an den Sekretär im Ruhestand O.Wedde wirft einige Fragen auf. Auch in diesem Fall wurde der Eindruck Restaurant Kliebersberg eingeklammert und die Gräfin hofft mit dieser alten Karte dem Ehepaar Wedde  eine besondere Freude zu bereiten. Sie berichtet aus dem neuen Schloss Wolfsburg in Tangeln – Neumühle, dass ihr seitens der dortigen Gräfin (wohl ihre Schwiegertochter Ursula von der Schulenburg geb. Freiin von Dincklage) mitgeteilt wurde, dass der Abschied aus dem alten Wolfsburger Schloss doch noch recht schwer fällt speziell auch in der Weihnachtszeit. Als obige Kartenschreiberin kommt Gräfin Frieda von der Schulenburg geb. Freiin von der Bussche-Ippenburg genannt von Kesell wohl in Betracht, die nach dem Tod ihres Mannes  Graf Werner von der Schulenburg im Jahr 1924 selbst im Jahr 1932 von Wolfsburg nach Potsdam zog und diese alte Wolfsburger Büttenkarte vermutlich noch mitgenommen hatte. Tisa Gräfin v.d. Schulenburg, von der in jungen Jahren ein Aufenthalt in Potsdam bekannt ist, scheint weniger wahrscheinlich und ebenso die Gräfin aus dem Familienzweig von Rudolf Graf von der Schulenburg und seinem  Aufenthalt in Potsdam.

Auch die nachfolgende Büttenansichtskarte aus Wolfsburg ist ein Neujahrsgruß, aber diesmal 1900. Auch hier sicherlich eine Verwendung aus dem familiären Kreis der Schlossbewohner gerichtet an die Freifrau  Riedesel zu Eisenbach und geb. Freiin von der Bussche. Die Gräfin Frieda von der Schulenburg und Ehefrau von Werner Graf von der Schulenburg war eine geborene Freiin v. d. Bussche-Ippenburg  und verwandtschaftliche Beziehung nach Cassel ist somit sicher. Schon die exklusive Adresse am Weinberg in Cassel  verrät den befreundeten Adelskontakt und die intime Fragestellung  „ob der Marschall in Cassel auf Freiersfüssen wandert“  wirft höchst interessante Überlegungen zu weiteren Recherchen auf.
 

Vielleicht in Ermangelung weiterer Büttenkarten nutzte diese Schreiberin  im folgenden Fall eine frühe Fotopostkarte mit dem Bild des Schlosses Wolfsburg und abgestempelt in der Postagentur Wolfsburg  ging diesmal die Karte ebenfalls an die Freiin Hertha Riedesel zu Eisenbach und entsprechend der Position des Gemahls dann auch gleich ins Ständehaus Cassel.

Die Postgeschichte von Schloss Wolfsburg und der Region bedarf sicherlich einer Überarbeitung  und  steht auf meiner Liste. Zumindest an dieser Stelle noch ein Blick auf den Schlossbau in Neumühle im eigenen Forstgebiet des Grafen von der Schulenburg und dazu die politische Nachkriegssituation  in der DDR mit passendem Landpoststempel NEUMÜHLE  und Zuleitung Postamt Beetzendorf/Altmark. 

Beetzendorf in der Altmark  war übrigens zudem über Jahrhunderte Familienstammsitz der Grafen von der Schulenburg (Wappen mit den drei Raubvogelklauen)



Wenn weitere Motive aus der Büttenpapierserie  Neumühle zu  Wolfsburg auftauchen oder bekannt sind, erbitte ich freundlichst  um Information und Bildvorlage. Es finden sich übrigens keine Büttenpostkarten zu Wolfsburg, die auf der Adressenseite den neuen Bestimmungen aus den Jahren 1905/07 angepasst wurden. Die späteren Anwendungen sind also alles Weiternutzungen. Vermutlich wurde also diese Serie nur von ca. 1900 wohl bis längstens 1904 in kleinsten Auflagen individuell in Neumühle produziert. Denn schon im Jahr 1904 kann die bekannte Innenhofansicht in gering veränderter Form auf Normalpapier nachgewiesen werden. Die  praktisch unveränderte Ansicht lässt jedoch erneut auf eine Produktion des Grafen von der Schulenburg in seiner Papiermühle schließen. Die folgende rechtsseitige Vergleichsansicht auf Normalpapier trägt übrigens den Poststempel vom 2.7.1904 Postamt Vorsfelde.


Thema  eines neuen „Kurzprofils“  steht allerdings noch nicht fest.




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