Deutsche Postautomation

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Kurzprofil – Bertelsmann, Gütersloh

01.12.2018

KURZPROFILE  sollen weiterhin im Sinne der SOCIAL PHILATELY  Persönlichkeiten, Firmen oder Projekte  beleuchten und  dabei stehen individuelle Belege wie z.B. Freistempel natürlich wieder im Vordergrund. Bertelsmann, Gütersloh soll ein weiteres Kurzprofil werden und dazu folgend beispielhaft ein  philatelistisches Ensemble über den Zeitraum von 1944 bis 2008. Wie schon zu erkennen, ist auch das Thema unter dem Aspekt Postautomation durchaus interessant.

Aber der Paketkartenabschnitt aus dem Jahr 1944 hat schon mit der Adolf Hitler Str. eine politische Dimension und die bestand durchaus auch zum Verlag. Über 180 Jahre Bertelsmann – Verlag sind als Kurzprofil eigentlich kaum darstellbar und evtl. nur ein möglicher Hinweis zu einer weiteren Spezialisierung. Ausgehend von einem vor ca. 180 Jahren von Carl Bertelsmann in Gütersloh gegründeten Buchverlag hat sich einer der weltweit größten Medienkonzerne entwickelt mit durchaus politischem Gewicht und vielfältiger Historie in verschiedensten Geschäftsbereichen der gesamten Medienwelt unter Einschluss von Büchern, Zeitschriften, Tonträgern und Fernsehen. Schon die drei obigen Adressträger notieren über Verlagsbuchhandlung und Verlagsgemeinschaft bis hin zum Club Bertelsmann und dies nur am Standort Gütersloh bzw. im benachbarten Rheda und dort taucht auch der Besitzername Reinhard Mohn auf. Dabei waren wichtige Konzernentscheidungen stets familiär geprägt und für die Öffentlichkeit nicht immer  erkennbar begründet. Schon zum vorgestellten Thema QUELLE auf dieser Homepage gibt es durchaus auch zu Bertelsmann eine „schillernde“ Beziehung über den deutschen „Topmanager“ Thomas Middelhoff. Während sich die Familie Mohn  als Eigentümer Bertelsmann sich kurzfristig und etwas überraschend von ihrem Vorstandsvorsitzenden im Juli 2002  trennt, erhielt  Middelhoff  bei Karstadt – Quelle dann die „Chance einen ganzen Konzern und die Besitzerin Madeleine Schickedanz unter dem Begriff  Arcandor  in den Absturz  zu fahren“.

Vielleicht hatte die Familie Mohn ein besseres Feeling und Kenntnislage zu Middelhoff durch die nicht sicher für die Öffentlichkeit geklärte Escapade  AOL und TIME WARNER unter seiner Regie und dazu zumindest die Türme von TIME WARNER in Hintergrund des Central Park in NewYork und die American Online – Arena AOL in Hamburg. So firmierte das Volksparkstadion in den Jahren 2001 bis 2007.

Aber zurück zu den Anfängen in Gütersloh im Jahr 1835 und Gründung einer Buchdruckerei durch den gelernten Lithographen Carl Bertelmann (1791-1850). Als Anhänger der evangelischen Erweckungsbewegung  richtet er den Verlag neben Schulbüchern auf entsprechend religiöse Literatur aus. Sein Sohn Heinrich (1827-1887) erweitert dann das Verlagsprogramm im Bereich Historie und mit Literatur für die Jugend. Dessen Schwiegersohn Johannes Mohn (1856-1930) setzt wieder das Schwergewicht auf den religiösen Themenkreis und entsprechend missionsgeprägte Literatur. Dazu durchaus passend eine wohl vom Verlag selbst gebastelte Streifbandhülle mit vermutlich Makulaturware aus Druckprozessen für eine Drucksachenversendung (Freimarkenwert 5 Mark) am 12. Januar 1923 an den Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Horbruch bei Büchenbeuren.

In den 1930er Jahren stellte sich der Verlag unter der Leitung nun von Heinrich Mohn zunehmend auch im Schulbuch- und Unterhaltungsliteraturbereich erfolgreich auf. Ein passender Beleg folgend an die Mittelschule in Osnabrück

Der Poststempel vom 24. August 1930 weist Gütersloh als älteste und größte westfälische Stadt der Wurst- und Schinken – Industrie aus (aktuell lassen dazu Schalke 04 und Tönnies grüßen). Erfolgreich  expandiert in den 1930er Jahren der Verlag mit allgemeiner Unterhaltungsliteratur  bekannt unter „Bertelsmann Volksausgaben“ und ebenfalls erfolgreich mit Berichten zu Kriegserlebnissen aus dem 1. Weltkrieg und unter anderem dann auch mit seinen Serien in der NS – Zeit.  Beispielhaft dazu die sog. Feldposthefte und Bertelsmann wurde noch vor dem NS – Verlag  vormals Franz Eher, München der Hauptlieferant der  deutschen Wehrmacht.

Das folgende Feldpostheft  „Der Arzt“ von Martin Raschke wurde übrigens  im Jahr 1943  in den besetzten Niederlanden in der holländischen Druckerei  „De Vondelstad“ in einer Auflage  von 56Tsd. in Amsterdam aufgelegt. Die Zeichnung vorderseitig durch Günter Büsemeyer.

Die Verlagsbuchhandlung in Gütersloh wurde dann ab dem Jahr 1944 durch die Reichsschrifttumkammer stillgelegt zur Konzentration und Mobilisation der letzten Kräfte in Deutschland für kriegsnotwendigere  Industrien. Inwieweit noch „Papierschiebereien des Verlages“  zum Ende des Weltkrieges diese Entscheidung  beeinflussten, kann ich nicht beurteilen. Zumindest wurde die Geschäftsführung teils noch inhaftiert und nur das Kriegsende  verhinderte  wohl die abschließende Prozessführung.
Folgend zwei Absenderfreistempel und den Jahren 1940 und 1941 der Verlagsbuchhandlung,


Kurzprofil – Bertelsmann, Gütersloh

11.12.2018

Die Druckereien waren durch Bombenangriffe teils zerstört, eine Wiederaufnahme der Verlagstätigkeit unterlag der Kontrolle der Alliierten und  erst 1947  wurde die Verlagslizenz  endlich wieder freigegeben. Heinrich Mohn geprägt durch die Erlebnisse und Gegebenheiten der letzten zwei Jahrzehnte übergab im Jahr 1948 die Geschäftsleitung an seinen Sohn Reinhard, der zurückgekehrt aus amerikanischer Gefangenschaft 26jährig wohl eigentlich andere Pläne hatte. Aber der ältere Bruder Sigbert stand  durch russische Sibirienhaft  nicht zur Verfügung und Reinhard Mohn übernahm die Verlagsführung durchaus mit dynamischen  teils risikobehafteten Ideen und kalkulierte  allgegenwärtig mit seinem Rechenschieber. Zu dieser Phase der Nachkriegszeit und  dem Verlagsaufbau ist die folgende Spiegelzeitschrift aus dem Jahr 1957 mit ihrer damaligen  Recherche unbedingt  zu empfehlen.

Gerade die Gegebenheiten der Buchclubszene mit dem Bertelsmann Lesering und seinem durchschlagenden wirtschaftlichen  Erfolg für den Verlag sind auch mit den „grenzwertigen  Abonnentenrekrutierungen“ lesenswerte Details zu dieser Geschäftsphase zu Beginn des einsetzenden sog. Wirtschaftswunders in der Bundesrepublik Deutschland. Die folgenden Absenderfreistempel symbolisieren dagegen unbeeindruckt von 1941 bis 1958 das Bild  einer  unbeschwerten Kontinuität

Die beigefügten Bestellkarten im vierteljährlichen Leseringjournal verraten zusätzlich ein ausgeklügeltes System zum Erwerb von Treuepunkten für die Abonnenten gestaffelt nach der jahrelangen Mitgliedschaft. Dadurch war der Bucherwerb mit Kostenersparnissen je nach zeitlicher Mitgliedschaft  gekoppelt.

Aber der durchschlagende Erfolg  in der Bundesrepublik  nach dem 2. Weltkrieg und in  den Jahren ab 1952 gelang erst mit einer ausgeklügelten Finanzgestaltung auch unter Einbeziehung des Buchhandels und der Verlage in den Gütersloher Lesering. In den vierteljährlichen Offerten des Bertelsmann Leserings  wurde der Hauptvorschlagstitel  günstig herausgestellt und automatisch  den  Abonnenten auch ohne Rückmeldung  zugestellt. In den ersten 10 Jahren des Bestehens sammelte der Lesering aus Gütersloh  3 Millionen  (!) Abonnenten und die Betreuung erfolgte schon aus  logistischen Grund in der gegründeten Verlagsgemeinschaft  (Inhaber Reinhard Mohn)  im benachbarten Rheda.

Dazu beispielhaft ein Absenderfreistempel Bertelsmann in Rheda und rückseitig die Postkartenkorrespondenz bei „verspäteter Abonnentenmeldung“

Bertelsmann hatte somit fest kalkulierbare Umsätze  und erreichte schon zu dieser Zeit mit dem Hauptvorschlagstitel  Auflagen von 250.000Tsd und höher. Auch die Verlage – anfangs skeptisch in der Verfügungsstellung von Autoren und Titeln – profitierten durchaus überraschend zu eigenem Erstaunen und waren zu einer weiteren Zusammenarbeit zunehmend bereit. Neben allem Finanzgewinn und Verlagserfolg hatten solche Auflagenzahlen mit relativ fester Zeitplanung der Zustellung  auch ein enormes logistisches Problem zu Folge sowohl für Bertelsmann als auch die Deutsche Bundespost. Die tägliche Versandkapazität war im Jahr 1964 mit 35.000 Paketen ausgereizt bezüglich Postzonenfeststellung, Feststellung  des Versandgewichtes, Portoberechnung und Auflistung.  Nur mit dem Hauptvorschlagtitel war dann der Verlag schon allein 14 Tage beschäftigt und die Deutsche Bundespost hatte eine  entsprechend ähnliche Belastung mit der weiteren Bearbeitung. Dies führte zur Kontaktaufnahme der beteiligten Partner auf Initiative  der Bertelsmänner in Rheda und zur Überlegung die elektronische Datenverarbeitung in diesen Prozess zu beteiligen unter Einsatz  mit dem Rechner IBM 7010. Das war unter heutigen Vorstellungen höchst kompliziertes Neuland und Skepsis daher auch bei der Post mit entsprechenden Auflagen. Zunächst wurden im Zeitraum 4.Quartal 1964 und 1.Quartal 1965  mit der EDV nur die Postleitgebiete erfasst und dies brachte schon eine erhebliche Arbeitserleichterung. Im Jahr 1965 wurde auch in Absprache mit dem PTZ (Posttechnischen Zentralamt) in Darmstadt erweitert auf  die elektronische Portoberechnung und außer Päckchen wurden  auch weitere  Versendungsformen mit einbezogen.  Der Betriebsversuch umfasste schließlich die Sendungsformen Päckchen, Brief in den ersten beiden Gewichtsstufen, Warensendung und Büchersendung. Die Einbeziehung der Zusatzleistung  Nachnahme   für Päckchen und Brief war versuchsweise dann schon mit von der Partie. Schließlich wurde  die elektronische Freimachung auf dem Adressträger  in der Ausführung  der Form eines Absenderfreistempels angepasst.

Auch wenn solche großen Versandmengen unterwegs waren, die Philatelisten bemerkten die neue Form der Postautomation nicht und diese Vorläufer aus den Jahren 1966 bis 1970 sind relativ selten und werden von Spezialisten aufmerksam gesucht.

Fortsetzung folgt



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