Informationen zur deutschen Postautomation im Bereich Freimachung,
Briefannahme, Schalterbetrieb und Briefbearbeitung
Philatelistische Kurzprofile
Kurzprofil Walter Behrens
18.10.2020
Als Sammler im Bereich der Postautomation fällt der Blick natürlich auch auf die Absenderfreistempel. Gerade diese sind spez. geeignet auch Aspekte der Individualphilatelie zu ermöglichen und darzustellen. Die Einführung der Absenderfreistempel wurde in den 1930er Jahren von einem kleinen interessierten Teil der Sammler aufmerksam begleitet und die Firma Francotyp hat auf den philatelistischen Großveranstaltungen Präsenz gezeigt und dies auch unter Einsatz passender Sonderklischees in den Werbeeinsätzen.
So stolpert man auch aus dem Jahr 1931 zur MOPHILA - IMTERNATIONALE AUSSTELLUNG MODERNER PHILATELIE in Hamburg auf solch einen Einsatz der Firma Francotyp und in diesem Fall unter anderem auch auf eine Messeansichtskarte mit einem Werbetext von Walter Behrens.
Die Vorderseite der Ansichtskarte dokumentiert eindrucksvoll einen großzügigen Messestand direkt vor dem Sonderpostamt der MOPHILA
Der Detailausschnitt zeigt die Weltkugel vom Wolkenkratzer gehalten und den Slogan-
BEHRENS NEUHEITENDIENST UMSPANNT DIE WELT
Dieser Werbeanspruch auf einem großzügig gestaltetem Messestand lässt ein renommiertes Unternehmen erwarten und tatsächlich begegnet dem Philatelisten in Auktionskatalogen, Wühlkisten und Messekartons häufiger ein Beleg mit WALTER BEHRENS - NEUHEITENDIENST - BRAUNSCHWEIG. Ein Kurzprofil soll dazu etwas näher eingehen, denn der Sammler verbindet mit der Lokalität Braunschweig eher die Fa. BOREK, die dort schon seit 1892 Philatelisten betreut hatte und weiterhin auch aktuell noch dort vielfältig agiert zusätzlich mit einem Buchverlag und Münzenhandel. Dazu ein Bild aus der umfassenden Schrift - Die Geschichte des Hauses Richard Borek Braunschweig zum 75jährigen Jubiläum.
Walter Behrens hatte nun seinen Briefmarken – Neuheitendienst ca. 1908 in Cassel in der Kaiserstraße 5 gestartet und zog nach dem ersten Weltkrieg nach Braunschweig um
Dazu eine Postkarte mit Datum 10.12.1921 und Korrekturdruck in roter Farbe bezüglich alter und neuer Anschrift.
Rückseite
Recht erfolgreich expandierte das Briefmarkengeschäft Behrens mit mittlerweile 40 Angestellten trotz unmittelbarer Konkurrenz zu Borek und ein 96seitiges Buch - vermutlich aus dem Jahr 1939 – informierte vielfältig den möglich zukünftigen Sammler im Hause Behrens umfassend zum Briefmarkensammeln und zu den verschiedenen Abonnements
Walter Behrens war höchst agil und auch innovativ. Sein sprechendes Album war in der damaligen Zeit der 1930/40er Jahre für den interessierten Sammler eine höchst informative Quelle über die reine Briefmarke nach Michelnummer hinaus. Dazu einmal ein Seitenausschnitt aus seinem Werk UNGARN I für die Marken von 1871 bis zum Jahr 1930.
Philatelistische Kurzprofile
Kurzprofil Walter Behrens Fortsetzung
27.10.2020
Zu dieser Zeit war die Philatelie unangefochten ein breit aufgestelltes und beliebtes Hobby in Deutschland mit zunehmenden Abonnentenzahlen auch trotz Kriegszeiten und dazu eine Auftragsbestätigung aus dem Jahr 1941 und in diesem Fall mit dem Absenderfreistempel BND - BEHRENS NEUHEITEN DIENST BRAUNSCHWEIG
Rückseite
Folgend einmal ein Versandbriefumschlag als Einschreiben – Nachnahmebeleg vom 10.10.194
Hier stellt sich nun die Frage, ob der Versand noch in Braunschweig oder schon aus Ehmen erfolgte, denn meines Wissens nach wurde Walter Behrens beim 14. Luftangriff auf Braunschweig am 23. April 1944 ausgebombt.
Von Braunschweig liegt nördlich-östlich das Dorf Ehmen zwischen Fallersleben und der Stadt Wolfsburg entfernt gelegen und hier hatte Walter Behrens schon frühzeitig eine Dependance gefunden zur Freizeitgestaltung der Familie und später tragisch auch als Ausweichquartier für Familie und Freunde in Kriegszeiten.
Hier baute er die Liegenschaft mit Geschäftsräumen aus und nahm von Ehmen wieder seinen Briefmarkenversandhandel unter erschwerten Kriegs- und Nachkriegsgegebenheiten auf.
Dazu passend ein Einschreibbeleg Walter Behrens mit R- Notzettel und Gummistempel EHMEN. Der Poststempel datiert aus dem Jahr 1947 und dokumentiert Ehmen über Fallersleben und ein Zusatzstempel im Absender verweist auf die Neue Anschrift (20) Ehmen ü. Fallersleben.
Noch im gleichen Jahr 1947 ein weiterhin benutzter Briefumschlag mit Braunschweiger Adresse aber nun R – Zettel mit Eindruck 20a Ehmen über Fallersleben.
Die lokale Postlogistik unterlag den erforderlichen Strukturentwicklungen und ein Einschreibbrief aus dem Haus Walter Behrens dokumentiert im Absenderdruck und auch R – Zettel nun im Jahr 1959 die Zugehörigkeit von Ehmen über Wolfsburg
Gelegentlich war wohl auch bei Behrens eine Mahnung bei Zahlungsverzug notwendig und dazu ein vorgedruckter Faltbriefumschlag als Drucksache geschrieben noch unter Ehmen über Fallersleben im Absenderdruck aber schon Poststempel Wolfsburg mit Ausführung Nach 20jährigem Bestehen 50.000 Einwohner.
Meines Wissens nach verstarb Walter Behrens im Jahr 1950 und mein letzter bekannter Beleg aus dem fortgeführten Geschäftsbetrieb datiert noch mit Datum vom 1.6.1980. Vielleicht kommen hier aus dem Kreis der Homepagebesucher exaktere Daten. Das Haus in Ehmen dient mittlerweile dem Künstler Paul Kaminski als Atelier.
Damit möchte ich das Kurzprofil Walter Behrens zunächst einmal abschließen.