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Volkswagen – Überarbeitung Schulenburg

Nachtrag I.

20.05.2020

Ich möchte an dieser Stelle etwas zur interessanten Geschichte  der Adelshäuser Nordsteimke – Schulenburg und Poschwitz – Gabelentz  nachtragen.

Zunächst einmal eine kurze Wiederholung zur Orientierung:

Im Jahr 1846 erwarb Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg zu Wolfsburg  das etwas heruntergewirtschaftete Rittergut im benachbarten NORDSTEIMKE und dazu folgend  und passend chronologisch einige Ausführungen. Die  Eheleute Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg  (1792 bis 1861) und Charlotte Ernestine von der Schulenburg  geb. von Vincke (1797 – 1888) hatten 10 Kinder, von denen 4 im Kindesalter starben. Erwähnt aus dieser  Ehe und Haupterbe auf Wolfsburg wurde  Günther Gebhard Ernst Joachim Graf von der Schulenburg (1819 – 1895), der seinerseits  eine entfernte Cousine aus dem Haus Schulenburg – Emden im Jahr 1856 ehelichte. An dieser Stelle ist nun sein 4 Jahre jüngerer Bruder Gebhard Alexander Graf von der Schulenburg vorzustellen, der die Linie Nordsteimke begründete.

Gebhard Hans Alexander heiratete am 12. Juni 1860 Fräulein Margaretha von der Gabelentz  und die Hochzeitsfeierlichkeiten wurden auf Haus Poschwitz bei Altenburg ausgerichtet.

Interessant ist nun ein Brief aus Altenburg  schon 10 Tage nach den Hochzeitsfeierlichkeiten auf Haus Poschwitz  an die jung vermählte  Gräfin  mit neuem Wohnsitz in Nordsteimke.  Aber dieser Brief ist an die Gräfin in Braunschweig gerichtet und dort ausdrücklich zu Händen des schulenburgischen  Hausverwalters Asbar  im Anwesen auf der Friedrich Wilhelmstraße Nr. 99 in Braunschweig! Es finden sich  übrigens Literaturhinweise  aus dem 18. Jahrhundert auf  den Hofbesitz in Braunschweig im Burgbereich.

Auch ohne Absenderangabe verrät das rückseitige Siegel eindeutig die Familie von der Gabelentz mit ihrem Sitz auf Haus Poschwitz bei Altenburg als Briefschreiber. Weitere 4 Briefe in dieser Schrift verraten wohl einen Schriftwechsel zwischen Mutter und Tochter.

                                                   rückseitiges Siegel (gedreht und aufgehellt) und Familienwappen


Meine damaligen Fragen zu diesem Brief waren:

Aber warum ist der obige Brief ausdrücklich  an den Hausverwalter in Braunschweig gerichtet?  Ein Vertrauensmann?  Eine gewünschte ganz private Nachricht an die frisch vermählte Tochter  ohne Kenntnissorge betreffend  den  Posthalter in Vorsfelde  und den hauseigenen Postabholer aus Nordsteimke (s. halbes Bestellgeld auf dem Brief vom 19.9.1860)? Zog das frisch vermählte Ehepaar nach der Hochzeit zunächst nach Braunschweig? Wohl unwahrscheinlich bei der beabsichtigten Briefabgabe an den Hausverwalter!

Diese Fragestellungen werden durch folgenden Brief offensichtlich in einigen Punkten geklärt, lassen aber eine weitere spekulative Überlegung offen bezüglich der angeschriebenen Gräfin von der Schulenburg                

Der Brief aus Braunschweig datiert vom 24. Juli 1860 und geht von Braunschweig  an die Gräfin von der Schulenburg auf Haus Oefte bei Kettwig an der Ruhr. Das Haus Oefte der Grafen von der Schulenburg wurde bereits ebenso vorgestellt und war das Erbe des jüngeren Bruders von Graf Gebhard Hans Alexander von der Schulenburg und zwar  Graf Ernst Wilhelm August von der Schulenburg und somit ein Schwager der jungen Ehefrau.

                                                                    folgend die Rückseite des obigen Briefes

                                                        und diese Rückseite  verrät nun den Absender des Briefes

                                  in der Mitte der folgenden Kombination das aufgehellte Siegel  des obigen Briefes
 
Das hervorragend erhaltene Siegel dokumentiert kombiniert die Adelshäuser von der Schulenburg und von der Gabelentz. Damit wird Amalie Albertine Margaretha  Walpugis von der Gabelentz  und nun jung verheiratete Gräfin von der Schulenburg eindeutig als Briefschreiberin dokumentiert, denn nur  für sie war die Kombination dieser Adelshäuser 1860 im Siegel möglich  und erlaubt und evtl. ein Hochzeitsgeschenk.

Gräfin Margaretha von der Schulenburg schrieb aus Braunschweig den Brief am 24. Juli. Sie war also dort allein oder vermutlich mit Ehemann nach der Hochzeit eingetroffen und die Eheleute zogen das städtische Braunschweig dem dörflichen Wohnsitz Nordsteimke vermutlich zunächst vor. Diese Absicht kannte wohl die Mutter in Poschwitz und hat daher den wichtigen Brief aus Altendorf gleich an den Hausverwalter in Braunschweig gesendet, da die Ankunft der Tochter dort zum Briefempfang terminlich nicht exakt sicher war. Damit ist die Briefanschrift vom 22. Juni erklärbar.

Aber die Tochter  hatte Braunschweig schließlich  erreicht und hatte nun schon kurzfristig vermutlich zwingende Post zu erledigen. Wahrscheinlich waren es die erforderlichen Dankesschreiben an Familienmitglieder zur abgelaufenen Hochzeit in Poschwitz. Denn dieser  Brief geht  vom 24.7.1860 nun an die Gräfin von der Schulenburg auf Haus Oefte. In der Anschrift wiederholt sich aber der Hinweis  geb. Gräfin v. d. Schulenburg.  Damit war sicher gestellt, dass der Brief nicht an die Hausherrin Gräfin Melanie von der Schulenburg geb. von Helldorf  auf Haus Oefte übergeben wurde, sondern evtl. an eine Ihrer drei Schwägerinnen, die  sich dort vielleicht bei ihrem Bruder und der Familie aufhielten. Leider hat  Margaretha nicht den Vornamen  geschrieben  und so bleibt trotz deutlich verbesserter Kenntnis nun wieder  eine Frage offen: welche der zahlreichen Gräfinnen geborene von der Schulenburg weilte zu diesem Zeitpunkt  auf Haus Oefte bei Kettwig an der Ruhr?

Die Briefe zu Schulenburg – Gabelentz sind ein klassisches Beispiel für  die SocialPhilately,  aber der Brief hat auch seinen ganz puristischen philatelistischen Reiz:

Verwendet wurde ein Ganzsachenumschlag der Herzoglich Braunschweigischen Landespost mit 3 Silbergroschen Postcouvert in mattrosa  im Format 147 : 84.  Der Poststempel Braunschweig  mit Außen- und Innenkreis stammt aus der Zeit 1858 bis 1867, da hier 2 Sterne im Zwischenkreis mit BRAUNSCHWEIG (grotesk) vorliegen und unten Halbstundenzeit oder nachts. Blaue oder schwarze Stempelfarbe. Innenkreis mit Tag, Monat und Jahreszahl. Der Ausgabestempel datiert bereits  vom 25.7. 1860 und damit 1 Tag nach der Auflieferung.

Philatelie bietet und liefert  auch nach 160 Jahren Entdeckungsfreude und – möglichkeiten.

Dieser Nachtrag wurde im  Menüpunkt Volkswagen – Überarbeitung Schulenburg sowohl unter  dem Wohnsitz Nordsteimke als auch  unter der Vorstellung Haus Oefte  eingefügt.




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