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Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg

7. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
29.03.2019

Zumindest ein kleiner Streifzug zu den von Schulenburg soll an dieser Stelle nicht fehlen und hinführen zu den von Schulenburg in Wolfsburg, Nordsteimke, Brome und Bisdorf und meine Ausführungen bedürfen sicherlich der kritischen Betrachtung auf diesem vielfältigem  Gebiet.

Die sekundäre Quellenlage zu den von Schulenburg ist zahlreich und reicht beispielhaft von 1847 bis 2014 und letztgenannte Version in Englisch geschrieben von einem Familienmitglied

Kommt  Fritz Schulenburg – Beetzendorf in Washington DC recht unterhaltsam mit 66 Seiten aus im Jahr 2014 aus, benötigt Danneil  nach jahrelanger Dokumentensichtung bis zum Jahr 1847 allein im ersten Band schon 740 Seiten zur Abhandlung der Familiengeschichte. Seine Hauptquelle ist das Archiv des Landrates von der Schulenburg auf Propstei Salzwedel aber auch die Dokumentensammlungen der Schulenburg auf  Beetzendorf, Wolfsburg und Angern neben den Informationen der angeschriebenen weiteren Familienzweige. Er zog auch Archivquellen aus verschwägerten Familien wie z.B. von Alvensleben hinzu.

Die Stadt Salzwedel hat die ehemalige Propstei dann später  zum Danneil – Museum  gestaltet. Danneil – Pädagoge und Geschichtsforscher  - handelte mit seiner Chronik im Auftrag der Familienzweige von der Schulenburg, die auch die Druckkosten übernahmen. Angaben zu den  von Schulenburg bis zurück zu Karl dem Großen sind  in den Quellen etwas vage, aber zum 12. Jahrhundert sind dann schon gesicherte Informationen vorhanden.

Albrecht I. Markgraf zu Brandenburg und Herzog von Sachsen (Albrecht der Bär) hat vermutlich die Vorfahren von der Schulenburg in Stappenbeck bei Salzwedel zum Schutz und Bastion gegen die Wenden  ca. um das Jahr 1150  in der Altmark  angesiedelt.

Interessanterweise hat obige Karte mit Datum 4.6.1915 einen notizartigen Bezug und gehört  zu einem Versammlungstreffen im Schwarzen Adler mit dem Landrat Graf v. d. Schulenburg

Von der Turmhügelburg  Schulenburg ist nur noch ein Erdhügel in Stappenbeck an der Jeetze von der ursprünglichen Ansiedlung in geringer Entfernung von Salzwedel erkennbar.

Ein Wernerus de Sculenburch  aus der Altmark dokumentiert sich dann in einer Vertragsurkunde im Jahr 1237  in einer Steuerangelegenheit zwischen dem Markgraf und dem Bischof  von Brandenburg. Männliche Familienmitglieder dienten auf der Burg Salzwedel und ca. um das Jahr 1350 zog es die mittlerweile schon  Begüterten von Schulenburg aus  der evtl. kleinen und wohl ungemütlich gewordenen Burg Stappenbeck nach Beetzendorf ca. 12 Kilometer entfernt. Der folgende Ausschnitt aus Reymann´s Topographie ca. aus dem Jahr 1850 gibt die örtlichen Verhältnisse an und Stappenbeck, Salzwedel, Beetzendorf und Gr. Apenburg sind gekennzeichnet, da in diesen Orten  die von Schulenburg ihre weiteren Standorte in der Region der Altmark eingenommen haben. Auf Rohrberg direkt nordwestlich von Beetzendorf ist noch hinzuweisen, da die Postzustellung für Beetzendorf zunächst über die Postlinie mit Brome, Rohrberg, Salzwedel  lief.

                                                         Familienstammsitz wurde aber zunächst die Burg Beetzendorf

                   Siegelmarken der Grafen von Schulenburg Beetzendorf (Rittergut I)  mit den  3 Adlerfängen und Klauen

An dieser Stelle obiger Briefbeleg, der später noch einmal vorgestellt wird. Das Lacksiegel offenbart unter der Lupe das  Schulenburg – Wolfsburger Wappen und der Brief ging zunächst von Wolfsburg nach Braunschweig als Mitnahmepost mit Federstrichentwertung der Freimachung  mit EF Braunschweig 1 Sgr.  Dann gestempelt in Braunschweig wurde der Brief  an den hochgelehrten Herrn  Grafen von der Schulenburg  - Nimptsch auf und zu Beetzendorf  bei Rohrberg  ca. 1853/54 auf den Weg gebracht. Rückseitig findet sich Rechteckstempel Rohrberg und rotes Lacksiegel. Erst ab dem Jahr 1855 hatte dann Beetzendorf eine eigene Postexpedition in der Alten Dorfstraße. Nachfolgend der Empfänger.

Werner Friedrich Ernst Graf von der Schulenburg –Nimptsch (1829 – 1911) aus GRÄFLICHEM TASCHENBUCH  Justus Perthes 1888, Gotha

Hier fügt sich die Briefhülle für den umgekehrten Postweg Rohrberg – Wolfsburg passend ein. Der austaxierte Geldbrief ging an das wohllöbliche Gerichts Amt zu Wolfsburg  und das war das dortige Patrimonialgericht derer von Schulenburg – Wolfsburg. Leider fehlt ein inliegendes Schreiben und auch die rückseitig wohl mehrfachen Siegel sind ausgeschnitten um  somit ist  eine evtl.  Zuleitung aus Beetzendorf nicht zu belegen.


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
8. Fortsetzung  und Schwerpunkt  Schulenburg
07.04.2019

Aber zunächst wieder zurück  zur Burg  Beetzendorf  und den Grafen von der Schulenburg. Anfang des 13. Jahrhunderts kommt die Burganlage Beetzendorf zunächst wohl pfandweise  aus dem Besitz der Herrn von Kröcher zu den von Schulenburg. Urkundlich erwähnt ist das Adelshaus Kröcher seit dem Jahr 1184, erwarben im Jahr 1296 Burg Beetzendorf, waren in frühen Zeiten recht vermögend und  ein Familienast hat sich bis in die Gegenwart erhalten. Dazu  eine  Briefhülle An den Königlichen Landrath Herrn von Kröcher , Ritter p.p (perge, perge = und so weiter) Hochwürden zu Gardelegen in einer h(errschaftlichen) Polizei-Sache!

                                      und Paketbegleitbrief  aus Salzwedel ebenfalls in h(errschaftlicher) Polizei-Sache

Es handelt sich um Friedrich Wilhelm von Kröcher, der seinem Vater Friedrich Wilhelm Karl in  diesem  neu geschaffenem Amt Gardelegen als Landrat folgte. In diesem Familienzweig bestanden ehelich enge Beziehungen zur adligen Familie von Alvensleben, die auch schon im Zusammenhang mit von der Schulenburg erwähnt wurde.
Mitte des 14. Jahrhunderts wird durch Markgraf Otto Herzog von Braunschweig die Burg Beetzendorf für die Familie von Schulenburg zum Erblehen und zum Familienhauptsitz gewählt und sie konnten sich nun schlossgesessen  zum Hochadel der Altmark zählen. Nach der  Fehde zwischen den Braunschweigern (Welfen) und den Brandenburgern  ca. 1345 kommt  zwar die Altmark nach Brandenburg und wird später preußisch, aber auch hier gelingt es den von Schulenburg durch erneute Belehnung ihren Stammplatz zu behalten. Die Feldsteinkirche in Audorf (Jahr 1140) war die Mutterkirche von Beetzendorf und daher wohl auch anfangs Begräbnisstätte der von Schulenburg. Foto der Kirche mit freundlicher Genehmigung des Pfarramtes Beetzendorf - Jeeben.

Die nachfolgende Topografie  verdeutlicht noch  einmal die Lage von Beetzendorf  und auch die näheren Örtlichkeiten mit Audorf, Rohrberg und Tangeln. Die angeführten  Orte lassen sich dann postalisch sogar durch Bezirkshandstempel aus dem Jahr 1948 dokumentieren und dazu einmal

                                                       20 Rohrberg Beetzendorf und 20 Tangeln Beetzendorf



Nachfolgend eine Ansicht der verfallenen ehemaligen alten Wasserburg im gräflichen Park von der Schulenburg in Beetzendorf als Ausschnitt eine Lithographie mit Poststempel aus dem Jahr 1899.


                             Verbunden war damit als Erblehen auch das benachbarte Apenburg  mit dem Dorf Rittleben


Die Grafen von der Schulenburg bestimmten und prägten Ort und Leben Beetzendorf  und dafür finden sich noch Spuren im Notgeld und Stempeln von Behörden und Schulen mit Silhouette der Burg und den 3 Adlerfängen und Klauen bis  in das 20. Jahrhundert.

Mitte des 14. Jahrhunderts teilten sich erste Familienstammzweige der von Schulenburg auf und sind  beschrieben als schwarze und weiße Linie und entsprechend wurden auch Teilungen der Burganlage vorgenommen. Die  durchaus wehrhafte Burganlage im Sumpfgebiet war über den 30jährigen Krieg hinaus Wohnanlage verschiedener Familienlinien, wurde dann ca. 1670 zugunsten neuer Bauten von den Bewohnern endgültig verlassen und verfiel zur Ruine. Dazu folgend auf einer Ansichtskarte die Burgruine Beetzendorf gestempelt mit Zweikreisgitterstempel Beetzendorf  Kr. Salzwedel und Datum vom 2.9.1908 (nicht abgebildet).

Die Ruine dient heute als malerische Kulisse einer  Freilichtbühne umgeben von einer schon stets bewunderten und wunderschön angelegten gräflichen Parkanlage und dazu ein Ansichtskartenausschnitt noch zu DDR – Zeiten mit Poststempel Beetzendorf 4.11.1977

Die in Beetzendorf ansässig verbleibenden Familienzweige errichteten ihre Herrenhäuser außerhalb der alten Burg, die sicherlich  nur noch beengte Wohnverhältnisse zuließ und dies auch durch den Verwaltungsbereich zahlreich erworbener Lehen. Dietrich Hermann von der Schulenburg aus der schwarzen Linie baute wohl zunächst den neuen Rittersitz mit dem Apenburger Hof.  Diese Namensgebung erfolgte wohl entsprechend dem  zugehörigen Besitz  mit  dem Stammgut Apenburg und die weiße Linie baute ihr gräfliches Schloss danach mit dem Rittergut I.

Dazu Ausschnitte mit den neuen Herrenhäusern aus einer Lithografie Beetzendorf und postalisch gestempelt im Jahr 1906. Der Apenburger Hof wurde entsprechend den späteren  Mitgliedern der schwarzen Linie und ihrer Tätigkeit als Landräte in Salzwedel von der Bevölkerung  in Beetzendorf  Landrätliches Schloss genannt mit zugehörigem Rittergut II und die Beetzendorfer selbst trennten wohl die Familienzweige  nach Grafen und Baronen.

An dieser Stelle gleich ein Ausblick auf die krasse Entwicklung mit Ende des 2. Weltkrieges und Enteignung der Besitztümer und weitere Verwendungshinweise. Letztere wechselten jedoch noch öfters und auch der Apenburger Hof ist wohl schon Geschichte. Dazu der Ansichtskartenausschnitt  Poststempel DDR Salzwedel 16.1.1961. Interessanterweise hat man trotz Enteignung im Stadtwappen die Alte Burg mit dem Wappen Schulenburg belassen.

                                 Aber zurück zu den Anfängen Schulenburg und Beetzendorf  Beginn 14. Jahrhundert

Ansehen und Vermögen zu sichern und zu vergrößern war in damaliger Zeit für zum Adelsstand  strebende Familien  verknüpft  mit dem Lehnswesen durch Erwerb für geleistete Dienste vom Landesherrn  oder durch eigenen Zukauf  von Lehen.  Ein frühes Lehen und vermutlich steuerfreies Lehen durch den Markgrafen im 13./14. Jahrhundert war wohl der Rittersitz in Salzwedel benachbart dem Franziskaner Kloster. Von diesem Burglehen verblieb noch das Gelände der Propstei bis zum Jahr 1928 (Verkauf an die Stadt) und eine Ansichtskarte gestempelt Salzwedel  im Jahr 1935 erinnert an die Vergangenheit noch mit dem Schulenburg-Park und mit alter  Stadtmauer.

Bis Mitte des 15. Jahrhunderts werden schon Einkünfte aus Lehen in 138 Orten der Altmark für die von Schulenburg gezählt und erforderten in Beetzendorf einen gemeinsamen entsprechenden Verwaltungsapparat und der Gerichtsbarkeit mit Patronatsrechten, denn die Lehen gingen familiär vereinbart stets zur „gesamten Hand“. Mittelalterliches Lehenrecht war schon für Spezialisten in damaliger Zeit schwierig und unterlag noch unterschiedlicher Handhabung nach sächsischer und langobardischer Form. In Beetzendorf als Stammsitz mit dem Senior des Familienverbandes erfolgte die Einigung im Jahr 1399 auf gemeinschaftliche Beschlüsse und Lehen und Anspruch hatten Erben, die „ehelich im Mannesstamme folgten“  und Besitzanteile in Beetzendorf  nachweisen konnten (Burgfrieden). Aber so eindeutig war die Verwaltung der Lehen wohl doch nicht trotz Einrichtung einer sanktionierten Superintendentur. Daneill berichtet ausführlich von substantiellen Problemen im Jahr 1680 mit drohenden tiefgreifenden und gegebenenfalls existentiellen Verlustproblemen durch unvollständige Dokumentation in den  Lehnsbriefen und deren „laxe“ Verwaltung bzw. fehlende  Erneuerung. Levin Joachim von der Schulenburg und Dompropst aus Salzwedel übernahm für die Familie die schwierigen Verhandlungen der Aufarbeitung und die Schulenburg akzeptierten  den kurfürstlichen Vergleich mit einer Strafzahlung im Jahr 1684. Das Gesamtlehen war als Basis zwar angesagt, aber nicht in allen Familienzweigen  einzuhalten im Laufe der Zeit. Daher an dieser Stelle zumindest noch ein kleiner Ausblick auf die rasche Familienentwicklung.

                                       Schon das nachfolgende Wappen offenbart unterschiedlichste Familienäste

Mit dem anerkannten Grafentitel werden die Familienlinien zu HEHLEN, BETZENDORF, WOLFFSBURG, HORNHAUSEN und KLOSTERRODE auf dem obigen Wappen angeführt

Ohne spezielle heraldische Kenntnisse meinerseits hier zumindest eine kurze Wappenbeschreibung. Eigentliches Wappen mit 4geteiltem Schild und Herzschild mit dem typischen Signum der 3 Raubvogelklauen der von Schulenburg. Sich gegenüberliegend jeweils zweimal der geschmückte Ochse als Hinweis auf das Erbamt des Erbküchenmeisters von Brandenburg (wohl eher ein dekoratives Amt) und zweimal doppelköpfiger gekrönter Adler. Zwei wilde Männer links und rechts als Schildhalter und auf dem Schild die Grafenkrone. Darüber finden sich 3 Turnierhelme. Der rechte Helm mit Ochsenhörnern und der linke Helm mit Adlerfedern geschmückt. Aus dem mittleren Helm wächst ein wilder Mann hervor mit Vogelklauen in den Händen und den Kopf mit Papageienfedern geschmückt. Diese Wappen haben aber durchaus familienbezogene Differenzen bis auf den Stamm- und Baisanteil des Herzschildes.

Zu den angeführten Familienästen  der von Schulenburg sollen an dieser Stelle nur einige kleine Ensembles folgen, um gegebenenfalls  das Interesse zu wecken und eigene Recherchen  zu betreiben.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg - Überarbeitung

9. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg

25.04.2019

Aus Beetzendorf in der Altmark strebten Familienzweige speziell aus der weißen Linie auch teils durch Eheschließungen weit in deutsche Regionen aus, gründeten Herrenhäuser und Schlösser je nach wirtschaftlicher Lage.

Auf dem Wappenschild ist oben u.a. zunächst der Standort HEHLEN vermerkt und dazu eine Karte mit Ansicht des Kupferstiches von Merian aus dem Jahr 1650 mit Blick auf Ort Hehlen an der Weser mit dem Schlossbau. Fritz  von der Schulenburg im Jahr 1558 wurde belehnt mit Hehlen von Herzog Heinrich dem Jüngeren zu Braunschweig Lüneburg  für seine Erfolge als Söldnerführer und damit war auch das Recht zur Befestigung mit dem Schlossbau (1579 -1584) verbunden, der linksseitig zur Ansicht kommt.

                                         dazu noch eine Ansicht im CeKaDe – Verlag Dortmund aus dem Jahr 1913

Es soll hier nur beispielhaft zu den von Schulenburg  der eine oder andere Beleg vorgestellt werden, bevor es  über Beetzendorf dann nach Wolfsburg überleitet. Gerade aber auch Hehlen zeigt mit seinen  nachfolgenden Besitzern ein buntes Bild  der Adelsbeziehungen. Über Achaz dem III. kommt verehelicht mit Dorothea Elisabeth ein Mitglied der Familie von Bülow in das Haus  Hehlen und im 19. Jahrhundert  tritt Bertha geb. Freiin von Hodenberg  dort in Erscheinung.
 
Das Adelshaus Hodenberg war auch schon erwähnt worden in der Angelegenheit Bartensleben und  Rethem und dem dortigen Burgplatz und  aus diesem Haus stammt auch Marie Louise von Hodenberg, die meiner Kenntnis nach Anfang des 20. Jahrhunderts zum Fotografieren Zugang zum Adelsbereich hatte und aktiv war. Die nachfolgende Karte weist vorderseitig ein aufgeklebtes Foto (von Marie L. v. Hodenberg?) auf, durch einen Sprung in der Negativglasplatte kommt ein Strich zur Abbildung, dennoch wurde die Aufnahme entwickelt  und bildet zwei mit Wappen bestickte Kissen ab. Da linksseitig das Wappen Herzogtum Braunschweig – Lüneburg auftaucht mit dem Schriftzug NEC ASPERA TERENT – auch Widerwärtigkeiten schrecken nicht – und rechts das Wappen Preußen sich findet und dies mit Poststempel  im Jahr 1913 sind es sicherlich  die Hochzeitskissen zur Vermählung am 24. Mai von Prinzessin Viktoria Luise und einzige Tochter des Deutschen Kaisers Wilhelm den II. mit Ernst August Herzog zu Braunschweig Lüneburg.

                                folgende Vermählungskarte bestätigt die Vermutung auch mit den zugehörigen Wappen

Zur Hochzeitsfeier trafen sich übrigens ein Großteil der Herrscherhäuser Europas – teils untereinander verschwägert und verwandt – letztmalig in großer Runde bevor 15 Monate später  ein  unerbittlicher 1. Weltkrieg ausbrach und man sich wieder nun aber feindlich gegenüber stand!

Die unten abgebildete Anschriftenseite an den Herrn Graf von der Schulenburg hochwohlgeboren Hehlen a. d. Weser mit der obigen  „Hochzeitskissenkarte“ bietet mit dem Empfänger eine Überraschung, die sich im Begleittext erklärt. Absender und persönlicher Schreiber ist nun Friedrich Buwitt, renommierter Textilkaufmann aus Helmstedt, der diese Karte am 29.8. 1913 in Helmstedt auf den Weg nach Hehlen brachte. Mit dem Foto der  wörtlich – Prachtkissen - löst er ein Versprechen ein und bestätigt seinen Versand der Hochzeitskissen an die Königl. Hoheiten EA und VL (sicherlich Ernst August u. Victoria Luise betreffend) tags zuvor nach Rathenow. Ausgehend von dem aktuell sicherlich beschäftigtem Hochzeitspaar nahm er Abstand von der persönlichen Zustellung. Die Kissen sind damit als Hochzeitsgeschenk aus dem Haus Schulenburg in Hehlen zu dokumentieren.

Zu dieser Zeit war Hausherr Ernst-August Werner Achaz Alexander Graf von der Schulenburg (1886–1945) verheiratet mit Freda Katharina von Schenck (1890–1946). Der letzte von Schulenburg auf Haus Hehlen war  ihr Sohn Johann-Heinrich Graf von der Schulenburg, von dem Gräfin Charlotte von der Schulenburg als enfant terrible der Schulenburgdynastie spricht. Gerade dieser Schulenburg aber gab der unglücklichen Charlotte mit ihren 6 Kindern nach dem 2. Weltkrieg  und in extremer Zeit der Nachkriegswirren mit Flucht aus Trebbow über Schloss Tressow (s. Tisa von der Schulenburg) Unterkunft auf Schloss Hehlen. Seit dem 10. August 1944 und Ermordung ihres Mannes Fritz in Plötzensee durch den Strang als Widerstandskämpfer nach dem misslungenen Attentatsversuch auf Adolf Hitler schaffte diese bemerkenswerte Frau ihre Kinderschar groß zu ziehen und ihr Buch zur Erinnerung für ihre Kinder  ist lesenswert und gibt interessante Einblicke auch zur Familie von der Schulenburg.

Nachfolgend noch ein Brief zwischen  den gräflichen Häusern von der Schulenburg in Hehlen und Wolfsburg mit Datum vom 22. Februar 1862

                       Briefhülle mit blauem Ra 2 Vorsfelde  und Michel Nr. 7  mit Nummernstempel Vorsfelde 45

Empfänger war der gräflich von der schulenburgsche  Geschäftsführer  Herr Stapel Wohlgeboren zu Hehlen bei Bodenwerder.

Der Absender offenbart sich  im intaktem Lacksiegel schwarzer Farbe  mit  dem zugehörigen Wappen   Schulenburg – Wolfsburg und dazu folgende Kombination

Da ohne Briefinhalt kann über die vermutliche Verwaltungsangelegenheit der gräflichen Häuser von der Schulenburg in  Hehlen und Wolfsburg  keine Aussage getroffen werden.

Auf dem  schon zuvor vorgestelltem Wappen Schulenburg  folgt gemäß Inschrift nach Hehlen, Betzendorf - wurden schon teils vorgestellt und Wolfsburg folgt später - noch Hornhausen auf. Wenn auch im Sinne der von Schulenburg wohl unbedeutend und nur vorübergehend im Besitz soll nach der Wappenerwähnung doch eine kurze Notiz folgen.

Achaz Wilhelm Graf von der Schulenburg und in Wolfsburg am 28. Mai 1738 geboren erwarb als dritter Sohn nach der Erbteilung mit seinen Brüdern unter anderem Gut Detzel und Ramstedt und konnte mit weiterem Geld dann in den Jahren 1765 und 1767 Rittergüter in Hornhausen erwerben, die er zu einem Herrensitz zusammen legte. Die folgende Ansichtskarte weist wunderschöne und interessante aufgelegte Silberfäden auf, die Hauskonturen, Wassergraben und Baumsilhouette begrenzen, aber im Bild  leider nicht zur Abbildung kommen

Achaz Wilhelm hinterließ Hornhausen 1818 an seinen Sohn Achaz Werner, der aber schon umgehend die Güter an den Grafen von Asseburg und Neindorf verkaufte.
Aber auf dem obigen Wappen Schulenburg folgen nach Hehlen, Betzendorf  - wurde schon teils vorgestellt und Wolfsburg folgt später - Hornhausen zuletzt noch KLOSTERRODE. Die folgende Ansichtskarte vermittelt einen Eindruck vom dortigen alten und neuen Schlossbau.

Schloss Klosterode führt wieder in den Wolfsburger Familienzweig der von Schulenburg.  Schon Ende des 9. Jahrhunderts wird Klosterode lehnspflichtig  zum Kloster Hersfeld erwähnt und ca. im Jahr 1540 wurde das Kloster zum Rittergut säkularisiert. Hier wird Eigentum der von Alvensleben  dokumentiert, bevor  es in den Besitz der von Schulenburg aus Wolfsburg  im Jahr 1739 kam. Es müssen wohl die Eheleute Adolph Friedrich Graf von der Schulenburg  und seine Ehefrau Anna Adelheit Catharina geb. von Bartensleben  als Erwerber angeführt werden. Adolph Friedrich Graf von der Schulenburg  fiel kurzfristig danach in der Schlacht bei Mollwitz und  Besitzer in Klosterode wird  Albrecht Ludwig Graf von der Schulenburg – Klosterroda  genannt, dessen  Sohn Friedrich Albrecht  im Erbe folgte. Dieser war königlich – sächsischer Diplomat und Minister, war 1819 bevollmächtigt an den Karlsbader Konferenzen, lebte nach Heirat und Rückzug aus dem Staatsdienst im Winter in Wien, hielt hier einen beachteten Salon und die Sommeraufenthalte waren in Klosterrode angesagt, wo er im Jahr 1853 verstarb. Das Gut wurde daraufhin ohne direkten Erbnachfolger verpachtet.

Nach „Abarbeitung der angeführten Grafen mit ihren Standorten im zuvor vorgestelltem Schulenburgwappen“  ist wieder der Blick auf den Stammsitz Beetzendorf zu lenken, denn hier war weiterhin der Ausgangspunkt der Familienäste und es gilt doch noch einige wesentliche Persönlichkeiten der Familie anzuführen, bevor es zur Wolfsburg geht.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
10. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
05.05.2019

Die Wohnverhältnisse durch Familienzuwachs mit örtlichen Teilungsproblemen auf der Burg in Beetzendorf Mitte des 15. Jahrhunderts richtete sicherlich den Blick  mit ererbtem Geld  auf auswärtige Lehen, diese zu erwerben, Herrenhäuser zu errichten und  so die Verbreitung der  Familie von Schulenburg dauerhaft zu verfolgen und zu fördern. Im 16. Jahrhundert hatten die neuen Familienstandorte recht erhebliche Dimensionen angenommen und trotz der teils beschwerlichen Entfernungen zum Stammsitz Beetzendorf, wurde die Verbindung gehalten, die Lehen wurden zumindest die ersten 2-3 Jahrhunderte relativ strikt als „Gesamtlehen Schulenburg im Burgfrieden gemanagt“ und ein Familienverband handelte und traf sich entsprechend unter einem nach Danneil Geschlechts - Lehnsträger (Senior) zu gemeinsamen Entscheidungen! Die Vorstellung aller Dependancen ist unmöglich, einige sollen jedoch beispielhaft in besonders interessanten Fällen erfolgen, um evtl. auch bei Interesse  hier  sich selbst kundig zu machen und die Reihenfolge im Besitztum derer  von der Schulenburg ist folgend in etwa chronologisch und „gemischt“ ohne Rücksicht auf  Trennung nach weißer oder schwarzer Linie.

Dazu zunächst eine Übersichtskarte zu den wichtigsten Gütern aus dem lesenswerten Buch die GESCHICHTE  DES  GESCHLECHTS VON DER SCHULENBURG 1237 BIS 1983 von Dietrich Werner von der Schulenburg und Hans Wätjen aus dem Jahr 1984 und erschienen im Niedersachsen - Druck und Verlag Günter Hempel, Wolfsburg

Der Standort ANGERN  soll hier zunächst einmal folgen, der schon früh im Jahr 1424 mit dem Haus Schulenburg  erwähnt wird aus der weißen Linie.

Das abgebildete Schloss (Ansichtskarte Poststempel 1932) war sicherlich nicht die Burg zu Anfang des 14. Jahrhunderts auf der auch zuvor ein von Alvensleben eher als Raubritter in Erscheinung aufgetreten ist. Häufig wechselten die Lehnsträger bis im besagten Jahr 1424 Bernhard der VI. und sein Bruder Werner der VIII. aus der weißen Linie der von Schulenburg zum Zuge kamen und 1448 Angern zur „gesamten Hand“ erhielten. Größtenteils im 30jährigen Krieg zerstört, folgten anhaltende Erbstreitigkeiten, die in dieser Zeit der allgemeinen Verwirrungen vielfach und nicht nur in diesem Fall Kriegsfolge waren und erst im Jahr 1738 trat um Angern innerhalb der Familie Schulenburg  Prozessruhe ein.  1736  erfolgte ein Schlossneubau. Durch Adelsbrief  bzw. -diplom vom  20. Juli 1753  wurden die Schulenburg auf Haus Angern in den Grafenstand erhoben. Dazu das zugehörige Wappen.

Im Jahr 1848 wurde das Schloss noch einmal umgebaut und die obige Ansichtskarte vermittelt dazu im Detail  das zugehörige Bild. Der Familienzweig der  von Schulenburg – Angern stellte nicht nur  zahlreiche hochrangige Militärs, auch Bischöfe lassen sich darunter finden und die adligen Querverbindungen sind vielfältig und bunt. Gräfin Luise Eleneore von der Schulenburg  (1743 -1803)  verehelicht mit Alexander Friedrich Christoph Graf von der Schulenburg (1720-1801) war eine geborene von Bismarck und die 7. Kinder haben bemerkenswerte Positionen erreicht, aber auch aus dem Haus Bismarck soll zumindest der „Reichsgründer“  mit einem Brief nach Friedrichsruh aus Prag vorgestellt werden aus dem Jahr 1894, wo er auf seinem Altersitz 4 Jahre später verstarb.

Ferner noch eine Postkarte aus dem Jahr 1879 aus Barr an Frau Gräfin von der Schulenburg geborene von Schöning in Angern bei Mahlwinkel per Magdeburg. Evtl. war dies Charlotte Auguste Pauline Elisabeth Hildegard Gräfin von der Schulenburg geb. von Schöning (1818 bis 1897).

Barr (Elsass) im Jahr 1879 war seit 8 Jahren (1871) und dem deutsch-französischem Krieg bis zum 1. Weltkrieg zugehörig dem deutschen Reichsland Elsaß - Lothringen.

Der Standort ALTENHAUSEN  soll hier nun einmal folgen, der ebenfalls  schon früh im Jahr 1475 mit dem Haus Schulenburg im Zusammenhang steht und dies ebenfalls verbunden mit der weißen Linie. Danneil listet ab dem Jahr 1163 eine bunte Reihe von Lehnsträgern für die Burg Altenausen  auf und u.a. tauchen auch Namen auf, die schon öfters in Beziehung zu Schulenburg standen mit Veltheim, Bartensleben, Alvensleben und Mahrenholz. Die Lehen wanderten im „ewigen Streit“ zwischen den Erzbischöfen von Magdeburg und den Herzögen von Braunschweig hin und her. 1417 findet sich erstmals meines Wissens nach in diesem Fall ein gemeinsames Lehen mit Bartensleben und Schulenburg und ab 1475/85 sind die von Schulenburg ununterbrochen auf Altenhausen allein Schlossbesitzer, dies allerdings ebenfalls in bunter Reihe unterschiedlichster Namensträger von Söhnen, Brüdern und Vettern. Zerstörungen nach dem 30jährigen Krieg durch Großbrand und Plünderungen gab es vielerorts und dies auch in diesem Fall. Unter Alexander von der Schulenburg erfolgte  im Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert ein Wiederaufbau an gleicher Stelle und Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine Renovierung. Die nachfolgende Lithographie zeigt das Schloss Altenhausen in dieser Zeit vor dem nächsten Umbau und scheint einer seltenen unkolorierten Druckvorlage zu entsprechen, dessen farbige Version sich in der berühmten Sammlung von Alexander Duncker findet mit dem Titel  Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den Königlichen Familien-, Haus-Fideicommiss- und Schatull-Gütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text von 1857 bis 1883.

Die folgende Ansichtskarte belegt den erneuten Umbau im Historismusstil um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert (Poststempel Altenhausen 18.5.1909)

                                            dazu noch eine Innenhofansicht mit einer Karte Altenhausen 28.10.1898

Die Familie von der Schulenburg - Altenhausen wurde mit Ende des 2. Weltkrieges  enteignet und in DDR – Zeiten wurde das Schloss zum Hilfsrankenhaus umgerüstet und dann als Rehabilitationsklinik genutzt.

Nach 1996 wurde aufwendig renoviert  und ein Hotelbetrieb und ein Reiterhof etabliert mit einer lesenswerten ausführlichen Homepage bei entsprechender Neugier.

Benachbart zu Altenhausen liegt nun in der Altmark ein weiterer Herrensitz der von Schulenburg mit EMDEN. Bernhard XI. von der Schulenburg erhielt im Jahr 1485 neben Altenhausen auch den Rittersitz Emden aus dem Besitz des Klosters Alt-Haldensleben. Nachfolgend Herrenhaus von der Schulenburg Emden auf einer (leider geknickten)  Fotopostkarte mit Datum 28. Juni 1915.

                                                                 Herrenhaus Emden nach dem Umbau von 1665


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
11. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
11.05.2019

Anfangs war der Rittersitz Emden mit Altenhausen noch im gemeinschaftlichen Besitz derer von Schulenburg. Nach der 4. Erbfolge erfolgte dann die Abtrennung von Altenhausen und teils in Ermangelung an direkten männlichen Nachkommen im Herrensitz Emden kam auch ein Bruder zum dortigen Erbe. Mit den Folgen des 30jährigen Krieges geriet der besitzende Gustav Adolf von der Schulenburg in Finanznot und erst sein Sohn Matthias konnte Emden wieder aus dem Konkurs im Jahr 1665 zurückkaufen. Durch ihn erfolgte auch eine erste Umbauphase des  Herrenhauses und  Erbe wurde Johann Matthias Graf von der Schulenburg und ist sicherlich einer der berühmtesten aus dieser Familiendynastie. Nachfolgend ein Bild  von einem Gemälde von Antonie Pesne aus dem Büchlein Grafen und Herren v. der Schulenburg von Hans Friedrich v. Ehrenkrook 1962 im C.A. Starke Verlag Limburg  als Sonderdruck aus dem Genealogischen Handbuch des Adels Band 28 (Gräfliche Häuser A, Band IV). Noch einmal an dieser Stelle der Hinweis, dass mit Johann Matthias und  Anerkennung durch Kaiser Karl den VI. der erbliche Reichsgrafentitel in die Familie kam. Nach seinem Studium in Frankreich begann eine bemerkenswerte militärische Laufbahn, die ihn erfolgreich über die Dienste im Herzogtum Braunschweig und als Freiwilliger der kaiserlichen Truppen in den Jahren 1687 bis 1688 gegen die Türken schon über den Dienstgrad Oberstleutnant und Oberst zum Generalmajor im Dienste des Herzogs von Savoyen führte. Eine Pause nach Verletzung war nur von kurzer Dauer und im Jahr 1702 war er schon Generalleutnant in der polnischen Armee gegen Schweden und im spanischen Erbfolgekrieg war er Befehlshaber im kursächsischem Einsatz am Rhein und in der Pfalz bevor es wieder gegen König Karl dem XII. aus Schweden ging. Danach zog es ihn anscheinend erneut in den fortgesetzten spanischen Erbfolgekrieg zurück und Prinz Eugen von Savoyen war „teils Partner und andererseits sein  stetiger persönlicher Konkurrent“.

Mittlerweile General wurde er 1715 Feldmarschall der Republik Venedig, die ihn dringend  mit seinen militärischen Erfahrungen  zur Verteidigung gegen die Türken auf ihrer wichtigen Bastion der Insel Korfu benötigten. Dies gelang ihm mit Bravour und sein Denkmal auf Korfu für diesen militärischen Erfolg  stammt vom Bildhauer Antonio Corradini.

Es folgte Anerkennung seiner Verdienste allen Ortes und durch König Friedrich Wilhelm I. die höchste preußische Auszeichnung mit dem Schwarzen Adlerorden. Für abendliche Musestunden ist das Buch  DER KÖNIG VON KORFU von  WERNER VON DER SCHULENBURG aus dem Jahr 1950 im Westermann Verlag  unbedingt ans Herz zu legen. Dazu ein Papiersiegel  (rechts in Kontrastumkehr zur besseren Sichtbarkeit) von Werner von der Schulenburg und  vermutlich ohne Chance der korrekten Zuordnung. Im Internet habe ich allein mit 1. bis 4. Position und dem  Vornamen   WERNER  86  verschiedene von der Schulenburg registrieren können.

Johann Matthias zog sich  nach dem Erfolg auf Korfu von Militäreinsätzen zurück, blieb aber danach erfolgreich für Venedig in diplomatischen Diensten und residierte  angemessen im Palazzo Loredan. Er lebte noch  ca. 30 Jahre und verstarb hoch geehrt und betagt in Verona.

                                                                                      Palazzo Loredan Venedig

Neben seiner militärischen Laufbahn galt sein Interesse zudem durchaus der Kunst und in seiner Zeit trug er wohl eine der größten Privatsammlungen der damaligen Zeit zusammen, die auch im Palais in Berlin zur beachteten Präsentation  kam. Das Palais in der Berliner Wilhelmstraße 77 war durch die huldvolle Baugenehmigung durch den „Soldatenkönig von Preußen“  an den persönlichen Vertrauten Generalmajor Adolf Friedrich Graf von der Schulenburg im Jahr 1737 quasi damals also ein Ort der Verwandtschaft und zur Kunstpräsentation geeignet. Übrigens ging die weitere Entwicklung dieses Stadtpalais in diesem Fall über den Besitz des Fürsten Radziwill bis hin zum Sitz der deutschen Reichskanzlei. Empfehlenswert dazu von Christoph Neubauer DIE REICHSKANZLEI 1733 bis 1875 zu den Anfangsjahren dieser Stadtarchitektur.        


Hier baute später dann Albert Speer ebenfalls leider für einen weiteren Adolf noch einmal großzügig um, wodurch nach meiner Ansicht die Straßensilhouette sich nicht verbessert hatte

Aber Johann Matthias war nicht nur militärisch ein General sondern auch ein Generalsammler der oben beschriebenen Gemälde aber auch noch erwähnenswerter Bücher, die er auch in Fortführung seiner Vorfahren in seine umfangreiche Bibliothek einreihte. Hier ist lesenswert die Schrift der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel  DIE BIBILOTHEK DER GRAFEN VON DER SCHULENBURG aus dem Jahr 1994, die anlässlich der Erwerbung dieser Adelsbibliothek erschienen ist. Neben der Sammlung Schulenburg – Emden ist dabei auch noch die damit erworbene Bibliothek Schulenburg – Hehlen zu erwähnen. Nicht zu vergessen ist aber auch nach dem Tod von Johann Matthias eine langjährige Erbauseinandersetzung im Hause Emden, wie dies im Adelsgeschlecht der von Schulenburg in solchen Fällen nicht unüblich war und öfters zu registrieren ist und im Hause Emden bei Danneil allein eine 3seitige Abhandlung erhält. Nach teils Bemühen von Gerichten oder andererseits Auszahlung von Brüdern ist Philipp Ernst Alexander Graf von der Schulenburg auf  Haus Emden Hausherr, als auch Napoleon in Erscheinung trat und im kurzfristigen Intermezzo des Königreiches Westfalen ist dieser Graf von der Schulenburg - Emden  auch als Le Präfect des Elb- Departements zu dokumentieren mit seinem Amtssitz in Magdeburg.

                                      dazu das inliegende Schreiben aus dem Jahre 1808 (Transkription A. Peukert)
 
Das Schreiben ging an das HERZOGL. – BRAUNSCHWEIG. – LÜNEB. CONSISTORIUM, das in Napoleons Zeiten als KÖNIGL. PREUSS. CONSIST. D.  PROVINZ WESTFALEN  jeweils auf den zugehörigen Siegelmarken zu dokumentieren ist.

Das Konsistorium ist als evangelische kirchliche Verwaltung bis zum Jahr 1918 als staatliche Behörde anzusehen mit entsprechender Befugnis. Besetzt zu gleichen Teilen mit Theologen und Juristen hatte das Konsistorium Befugnis in kirchlichen Leitungsbereichen. Im obigen Brief erklärt sich damit die Stellungnahme des Präfekten zu kirchlichen Bauangelegenheiten.

Aber auch Verteilung von Stiftungsgeldern war ein Aufgabenbereich und dazu nachfolgendes Schreiben vom Konsistorium Wolfenbüttel an den Herrn Pastor Schumann in Vorsfelde  mit Datum vom 4. Februar 1846

Folgend  eine Briefhülle aus Halberstadt (ohne Inhalt) an den Königl. Präfecten des Elb – Departements Herrn Grafen von der Schulenburg Emden zu Magdeburg ca. Jahr 1810.

                                                                           zugehörige Rückseite (verkleinert)
 
Nach der kurzen Vorstellung zum Herrensitz Emden soll es zurück nach Beetzendorf gehen  und chronologisch zu weiteren „Auswanderungen“ der von Schulenburg, aber zunächst ein Hinweis passend zur obigen Aktivität in Kirchenverwaltung und Patronaten, die ebenso bunt und vielfältig ausfallen wie die weltlichen Aktivitäten. Paul  Werner von der Schulenburg – Beetzendorf - Apenburg hat dazu in einem Vortrag auf der Frühjahrstagung des Altmärkischen Vereins  für Vaterländische Geschichte im April 2016 in Beetzendorf  eine nette Formulierung für seinen Familienclan gefunden:  Auch war uns bekannt, dass wir Bischöfe und Herrenmeister des Johanniterordens, Raubritter und Polizeipräsidenten, Generale und Rittmeister, Kreuzritter und Pröbste, Hauptleute der Altmark, Landräte in großer Fülle, Beamte und Diplomaten gestellt haben.


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
12. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
18.05.2019

In einvernehmlicher Gesinnung zwischen Adel und Kirche zeigt die Katharinenkirche Brandenburg gleich zweimal eindrucksvolle Kunstdenkmäler zur Familie von der Schulenburg.  Folgend auf einer Postkarte das Grabmal des Ritters Bernd von der Schulenburg (verst. 1601) und seiner Gemahlin geb. von Quitzow. Letztere Familie hatte damit zu diesem Zeitpunkt  ihr Raubrittertum der männlichen Vorfahren  wohl schon abgelegt

und ebenso das Epitaph (nicht abgebildet) des Ritters Jürgen Georg von der Schulenburg und dessen Ehefrau Lucia geb. von Veltheim ca. um das Jahr 1620 von Jürgen Röttger geschaffen und gehört zu den  wichtigsten und bedeutendsten in den Kirchen Norddeutschlands. Eine weitere zu bewundernde Totengedenktafel (Epitaph) im Dom zu Braunschweig  war ebenfalls ein Werk des Bildhauers Jürgen Röttger  geschaffen ca. im Jahr 1604 und zeigt Joachim von der Schulenburg neben seiner Gemahlin Elisabeth

Sicher bin ich mir nicht  ob der oben angeführte Joachim von der Schulenburg seinerseits  verantwortlicher Stifter für das Epitaph seines Schwiegervaters Matthias von Veltheim im Dom zu Halberstadt  war.

Andererseits war man im Hause Schulenburg nicht wählerisch  weltliche  Interessen auch im Streit mit Bischöfen und Kirche konsequent und anhaltend zu verfolgen und hier beispielhaft  zurück nach Beetzendorf.

Das Adelshaus Schulenburg in Beetzendorf beanspruchte  schon Mitte des 16. Jahrhunderts mit Matthias von der Schulenburg die eigenständige Entscheidung über die Investitur vakanter Pfarrstellen ihrer Patronatskirchen und der Konflikt ging über den Superintendanten sogar an die  Kirchenbehörde  in Cölln ( Spree) bis zum Generalsuperintendanten in Stendal. Im Jahr 1670  erlaubte zur Konfliktlösung dann der Kurfürst nach langjährigem Streit die eigenständige Beetzendorf – Apenburger – Inspektion und die von Schulenburg hatten neben richterlicher  nun auch die kirchliche Verfügungsgewalt endlich erreicht.

                                        dazu vergrößert noch das Papiersiegel Beetzendorf Apenburgsche Inspection

Nach dieser kurzen Vorstellungen zu Kirche und Adel und Schulenburg geht es weiter in Beetzendorf und zu den von dort „Auswandernden von der Schulenburg“ mit dem chronologisch fortgesetzten Herrensitz OSTERWOHLE  im Jahr 1489.  Auch in diesem Fall hat die Familie  von der Schulenburg mit der Dorfkirche im Landkreis Salzwedel eine Besonderheit hinterlassen.

Im Örtchen Osterwohle recht nahe von Salzwedel und Beetzendorf finden sich dann schon mehrfach genannte Adelshäuser zu verschiedenen Zeiten mit Besitztümern, so auch die von Bartensleben und Knesebeck und im Jahr 1489 pachtet sich dann Fritz von der Schulenburg aus der weißen Linie hier ein und versucht  erfolgreich eine Zusammenführung der Lehen zur “gesamten Hand mit Beetzendorf“. Im Jahr 1564 werden auch die Güter der von Bartensleben hier übernommen und  zu Beginn des 17. Jahrhunderts konnten Albrecht von der Schulenburg und seine Ehefrau Oleke geb. von der Saldern die alte Feldsteinkirche umbauen. Nach Albrechts Tod im Jahr 1607 stiftete die Witwe die Inneneinrichtung in beispiellosem und sehenswertem Holzschnitzwerk, das 14 Jahre bis zur Vollendung benötigte. Die besitzenden Nachfolger der von Schulenburg von Osterwohle gerieten nach dem 30jährigen Krieg in Konkurs und erst im Jahr 1689 konnte der Besitz wieder zurück erworben werden. Das Gut Osterwohle war bis 1945 im Besitz der von Schulenburg. Letzter Besitzer war Werner Graf von der Schulenburg - Beetzendorf (1908 – 1979). Nach 1945 erfolgte die Enteignung in der sowjetischen Besatzungszone und an dieser Stelle schon einmal der Hinweis, dass das Ende des 2. Weltkrieges für die Familienzweige der von der Schulenburg durch die östliche  Lage ihrer Güter ein Gesamtverlust von 85%  ihres Besitztums bedeutete!

Aber nach mehrfacher Vorstellung von Ablegern der weißen Linie folgt einmal chronologisch mit dem Jahr 1519 die schwarze Linie mit der Standesherrschaft LIEBEROSE.

Ende des 17. Jahrhunderts verließen die letzten von der Schulenburg in Beetzendorf  die alte Burganlage, die danach verfiel und heute als Freilichtkulisse dient. Eine Quelle nennt dazu Levin Joachim von der Schulenburg im Jahr 1670 und sein erbautes Herrenhaus in Beetzendorf  benannte er  Lieberoser  Hof, da er auch in der Niederlausitz  die Herrschaft in der Stadt Lieberose hatte – in anderen Quellen wird dazu Achaz von der Schulenburg angeführt. Das Besitztum Lieberose  stand zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1670 schon in 7. Generation seit dem Jahr 1519 nach Übernahme aus dem Geschlecht von Köckritz und die nachfolgende Erbfolge in der schwarzen Linie der von Schulenburg – Lieberose ist erneut ein anschauliches Beispiel für  „die Beschäftigung von Anwälten und langwierigen gerichtlichen Klärungen mit Erbfolgeprozessen“. Näheres ist dazu ausführlich bei Danneil zu lesen. Dazu  nachfolgend eine Ansichtskarte des gräflichen Schlosses  gestempelt Bahnpost   Frankfurt – Priestewitz  (Landkreis Meißen in Sachsen) 21.6.1909.

Lieberose blieb langfristig mit Erbstreitigkeiten verbunden, die erst im Jahr 1787 diesbezüglich mit Johann Heinrich von der Schulenburg, der zugleich dänischer Generalleutnant war, beigelegt wurden. Nachfolgend sein Wappen.

Dazu gibt es auch eine kleine interessante Episode, die ebenfalls auf die Prozessfreudigkeit der von Schulenburg in Lieberose schließen lässt und auch einen philatelistischen Hintergrund hat. August der Starke (1670 – 1733) Kurfürst von Sachsen und König von Polen hatte in seiner Regierungszeit beschlossen, dass Postwegenetz zu organisieren und verfügte die  Aufstellung von Säulen in seinen Städten mit eingravierten Wege- und Entfernungshinweisen. Die Ausführung unterstand dem Land- und Grenzkommissarius Adam Friedrich Zürner, der sich dieser Aufgabe mit Akribie über Jahrzehnte widmete. Dazu erschien im Heft 1/1972 im Archiv für deutsche Postgeschichte ein wunderbarer und empfehlenswerter Artikel  Die Postsäule in Lieberose  von Helmut Weigelt. Im Jahr 1735 war es dann wohl soweit, die Postsäule war vom Bildhauer Richter mit 12 Richtungsangaben für  die Wege aus Lieberose durch das dortige Große Tor und das Mühlentor und mit 65 Orts- und Zeitabständen graviert. Fünf Pferde führten den Transport von Dresden  nach Lieberose aus und der Postmeister Lorenz in Lieberose blieb auf seinen ausgelegten Kosten sitzen, die nach Regierungsanweisung größtenteils die Stadt zu tragen hatte. Dazu die Abbildung aus einer Ansichtskarte noch aus DDR – Zeiten und mit 0,20 M Preisangabe mit der Postsäule.

Der Rat der Stadt war absolut nicht begeistert, stritt mit Postmeister und Bildhauer und waren ferner der Meinung, dass der ansässige Reichsgraf Georg Anton und Herr von der Schulenburg  als Gerichtsobrigkeit  von Lieberose für die Kosten zuständig wäre. Dazu ein Brief aus Osterwieck an das Gräflich von der Schulenburgische Gericht zu Lieberose mit Beamtenstempel Barnststorff.  Rückseitig Lacksiegel Königl. Stadtgericht Osterwieck.

Vermutlich kam es nach 2 Jahren Streitigkeiten zum Vergleich, die Postsäule wurde endlich auf dem Marktplatz errichtet und wanderte dann  60 Jahre später  in die benachbarte Mühlenstraße wohl vor die dortige Poststation des  Königlich - Sächsischen Kammer-Kommissars und Verwalter der Post  Karl Trierenberg. Erst im Jahr 1937 wurde die Postsäule wieder auf dem Marktplatz aufgestellt, nach dem 2. Weltkrieg zerstört und als Replik im Jahr 1952 erneut etabliert.

Die weitere Erbfolge in Lieberose  der von Schulenburg war nach dem Jahr 1787 gesichert, aber die Situation eskalierte dann bekanntermaßen im III. Reich mit Enteignung für die Einrichtung eines Truppenübungsplatzes. Zu DDR – Zeiten gab es dann wechselhafte Verwendungen für den Schlossbau, der meines Wissens  nach nur gesichert, aber nicht renoviert wurde nach der Wende 1990 und der Wiedervereinigung Deutschlands. Wohl hat aber Dr. Werner Graf von der Schulenburg  zugehörige Waldgebiete seitdem zurückgekauft und betreibt hier umfangreich Forstwirtschaft.
Mit der zuvor kurz geschilderten Familiengeschichte Lieberose ist auch noch Löcknitz  im damaligen Regierungsbezirk Stettin erwähnenswert.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
13. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
24.05.2019
  
Im Jahr 1472/79 erhielt Werner von der Schulenburg  für seine Verdienste als Hauptmann von Garz das Lehen Löcknitz in der Provinz Pommern vom  Kurfürst Albrecht. Auch dieses Lehen ging wieder „zur gesamten Hand“  und geriet nach Danneil in die schlechte Verwaltung des Lehens in Beetzendorf bezüglich der Archivierung und Erneuerung des Lehnbriefes. In der Erbfolge trat dann unter dem Urenkel eine Überschuldung ein, die den Rückkauf 1621 durch Levin von der Schulenburg erforderlich machte. Aber auch dessen Sohn konnte im 30jährigen Krieg das Lehen finanziell nicht halten, die Schweden konfiszierten zudem Löcknitz, aber ein Erbanspruch konnte anschließend gegen den Kurfürsten von Brandenburg nicht durchgesetzt werden und der Familie Schulenburg ging  dieser Besitz im Jahr 1688 verloren und nur eine Burgruine erinnert an diesen Herrensitz. Folgend Ausschnitt einer Ansichtskarte.


Das Spektrum der Adelsfamilie  von der Schulenburg  ist wie schon mehrfach angeführt erstaunlich weitläufig und auch geographisch großflächig in Mitteldeutschland  vertreten, dies führte zum Verlust mit ca. 85% der noch existierenden  Liegenschaften  mit dem Ende des 2. Weltkrieges. Dazu noch einmal die Übersichtskarte zu den wichtigsten Gütern aus dem lesenswerten Buch die GESCHICHTE  DES  GESCHLECHTS VON DER SCHULENBURG 1237 BIS 1983 von Dietrich Werner von der Schulenburg und Hans Wätjen aus dem Jahr 1984 und erschienen im Niedersachsen-Druck und Verlag Günter Hempel, Wolfsburg

In der  beabsichtigten  kleinen Einführung  zu Schulenburg  nun der Sprung  von Löcknitz in Pommern nahe Stettin in das Tal der Unstrut  nach Burgscheidungen und heute Sachsen – Anhalt.  Die dortige Burg und Herrschaftshaus hatte schon in frühesten Zeiten um das Jahr 550 strategische Bedeutung, die aber nur von vorübergehender Natur  war. Als kaiserliches Lehen ging Burgscheidungen im 11. Jahrhundert an das Bistum Bamberg und verschiedenste Lehnsinhaber folgten bis zum Erwerb im Jahr 1722 durch Levin Friedrich von der Schulenburg. Zu dieser Zeit war er sardinischer Feldzeugmeister (Oberbefehlshaber  der Artillerie und damit in der Heeresrangfolge das dritthöchste Amt). Er verfügte nach mittelalterlichem Erbrecht Burgscheidungen zu einem Majoratsgut und der auch flächenmäßig große Besitz blieb bis  1945 und der Enteignung unter sowjetischer Besatzung  in den Händen der von Schulenburg – Burgscheidungen. Dazu zumindest ein kleines Ensemble mit Blick über die Unstrut zur Burg hoch und  ein  Landpoststempel mit Datum vom 3.8.1935.

Herrensitz Burgscheidungen hatte dann nach 1945 unterschiedlichste durchaus  „bescheidene“  Verhältnisse zu überstehen. Unter der BODENREFORM 145/46 stand die entschädigungslose Enteignung an  und ohne Flucht in den Westen  warteten gegebenenfalls Internierungen  unter KZ – Bedingungen auf die Großgrundbesitzer. Von 1946 bis 1950 war  Burgscheidungen Erholungsheim für den FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund in der SBZ und DDR), der Nachfolger war die FDJ ( Freie Deutsche Jugend und kommunistischer Jugendverband der DDR) und ab 1955 war die OST – CDU bis 1990 hier mit ihrer zentralen Schulungsstätte benannt nach dem Mitbegründer der Ost - CDU  Otto Nuschke. Aktuell nach der Wende und in Privatbesitz ist das ehemalige Schulenburgschloss erfolgreich renoviert ein Hotelbetrieb mit der Möglichkeit erlebnisreicher Eventveranstaltungen.

Der Weg zurück ins Stammhaus Beetzendorf und nachfolgend Wolfsburg soll noch kurz über den Besitz Priemern führen.

Herrenhaus und Gut Priemern kam vermutlich durch August Ferdinand von der Schulenburg aus der schwarzen Linie Beetzendorf  in den Besitz und  begründete damit einen weiteren Familienzweig. Bei Danneil finden sich als Vorbesitzer die Adelshäuser von Einbeck zu Bretsch und  von Barsewisch zu Distorf. Das Herrenhaus wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. Die folgende Postkarte zeigt das Herrenhaus als Mondschein – Ansichtskarte   mit dem Datum vom 9. Juli 1904 und zugehörige Poststelle SEEHAUSEN, Altmark im Landkreis Stendal. Mondschein – Ansichtskarten wurden auf bläulich eingefärbter Papiervorlage gedruckt, hatten ihre Blütezeit zwischen 1895 bis 1910 und vermittelten in dieser Zeit eine beliebte romantische  Stimmungslage. Auch aktuell gibt es auch für dieses Genre eine spezialisierte Sammlerriege.
 
Der eng beschriebene vorderseitige Text ist in französisch  verfasst und die Schreiberin Marguerite  kündigt wohl Frau Jarre (verwitwet Maurice Jarre) in Chapelles – Chevriére bei Bourg – Saint – Maurice im französischem Departement Savoie  ihre Reiseabsicht mit, die sie über Albertville führen wird. Sie hofft, dass ein Victor, wie versprochen und geschrieben, am Bahnhof abholen wird. In der Anschrift wird noch Madame Mathias notiert und ob nun Freundinnen oder Familie angesprochen sind, kann ich nicht erkennen. Zumindest hofft die Schreiberin auf gute Besserung des Keuchhustens  im Ort Chapelles – Chevriére!  Interessant ist der Hinweis Ich schicke Dir eine Ansichtskarte des Hauses. Marguerite ist damit vermutlich Gouvernante auf Haus Priemern gewesen und freut sich auf den Besuch in der französischen  Heimat.

Auch die von Schulenburg auf Priemern stellten gemäß ihrer Familientradition ebenfalls erfolgreiche Militärs zum Beispiel mit Leopold Wilhelm (1772 bis 1838), der nicht nur preußischer Landrat war, sondern  für seine Tapferkeit im 3. Schlesischen Krieg verlieh König Friedrich der II. ihm  den Orden Pour le Mèrite im Jahr 1778. Sein Erbanteil umfasste mehrfach schon angeführte Güter mit u.a. Bretsch, Propstei Salzwedel, Apenburg. Im Jahr 1913 wurde das Gut Priemern verkauft.  Wie schon mehrfach erwähnt wurde nach 1945 enteignet ohne Entschädigung (Großbetriebe über 100ha), und im Volkseigentum wurde ein Tierhauptzuchtgut (VEG Tierzucht) daraus. Über einige Zwischenstationen hat der zuständige Landkreis Stendal, das Gut 1997 an den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband übergeben, der hier erfolgreich seit Jahren suchtkranke Menschen rehabilitiert und durch Schulung die Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht.

Bis hierher soll der Einblick in die Familie von der Schulenburg mit ihren „Ablegern“  genügen. Das Adelshaus Schulenburg hat sicherlich bei Beschäftigung mit der Historie einen sicherlich  „größeren Unterhaltungswert als das englische Königshaus“  und reicht über Brudermord bis zum angeblichen Kindestausch und für  Militärbegeisterte  findet sich eine schier unendliche Fülle an interessanten  Karrieren und Kriegsereignissen, Landräte und Diplomaten  existierten „ohne Ende“ und auch kirchliche Würdenträger sind zu dokumentieren.

Mit dem  Stammhaus Beetzendorf wurde anfangs die Familiengeschichte eingeleitet und dazu noch einmal der folgende Briefumschlag, der die postalische Verbindung Beetzendorf – Wolfsburg dokumentiert.

Das rückseitige Lacksiegel offenbart unter der Lupe das  Schulenburg – Wolfsburger Wappen und der Brief ging zunächst von Wolfsburg nach Braunschweig als Mitnahmepost mit Federstrichentwertung der Freimachung  mit EF Braunschweig 1 Sgr.  Dann gestempelt in Braunschweig wurde der Brief  an den hochgelehrten Herrn  Grafen von der Schulenburg  - Nimptsch auf und zu Beetzendorf  bei Rohrberg  ca. 1853/54 auf den Weg gebracht. Rückseitig findet sich Rechteckstempel Rohrberg und rotes Lacksiegel. Erst ab dem Jahr 1855 hatte dann Beetzendorf eine eigene Postexpedition in der Alten Dorfstraße.

Bei weiterem Interesse zu Beetzendorf gibt es hervorragende Literatur durch den Verein HEIMATFREUNDE in BEETZENDORF. Grafen und Landräte von der Schulenburg prägten Beetzendorf  im Laufe der Jahrhunderte. Im Jahr 1938 fand der Familientag  in Betzendorf  noch einmal vor dem 2. Weltkrieg statt und eine familiäre  Gedenktafel wurde an der Burgruine angebracht. Die Vorstellung  zu den von Schulenburg ist selbstverständlich  eher eine fast willkürliche Auswahl und kann nur streiflichtartig Beispiele anführen.

Es gibt durchaus weitere interessante Briefbelege, die  aber eine Zuordnung zu einem der zahlreichen Familienzweige nicht klar offenbart und dazu einmal zwei Umschläge und vielleicht sind hier sogar erklärende Hinweise der Homepagebesucher  einmal hilfreich.
Einmal ein Briefbeleg ca. 1821 bis 1822 mit einem Innenkreisstempel Braunschweig (Type 2 nach Henri Bade) an den Oberhauptamt Grafen von der Schulenburg zu Seesen. Eine genaue Personenzugehörigkeit kann ich in diesem Fall leider (noch?) nicht bieten.

Der folgende Briefbeleg ging von Potsdam an den Herrn Land Rath Grafen von der Schulenburg zu Freyenwalde und ist ebenso in die Zeit von ca. 1820 bis 1825 einzuordnen. Auch in diesem Fall kann ich  Titel und Schreiben nicht näher zuordnen.

Die Briefinnenseite ist nur  in Fragmenten vorhanden und die zugehörige Transkription (A. Peukert) erlaubt eventuell Homepagebesuchern hier mit Hinweisen dienen zu können.

Belege zur  Hochgeborenen Gräfin v. d. Schulenburg   Braunschweig, Adolfstraße 30 finden sich u. a. aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts und lassen sich in diesen Fällen auch nach 110 Jahren eindeutig zuordnen.

Braunschweig war Wohnort mehrerer Gräfinnen und Grafen aus dem Familienkreis derer von der Schulenburg  aus Wolfsburg und Hehlen zu dieser Zeit. Die Adresse Adolfstraße 30 belegt nun  den neuen Wohnsitz seit dem Jahr  1878  von Bernhard Graf von der Schulenburg  aus Hehlen und seiner Familie. Der zweitgeborene (1875) Sohn Friedrich Werner Graf von der Schulenburg besuchte hier das Wilhelm - Gymnasium Braunschweig und studierte Rechtswissenschaften zuletzt in Berlin und ging hier erfolgreich in den konsularischen Dienst und erhielt seine diplomatische Ausbildung im Auswärtigen Amt der Reichsregierung. Aus dieser Zeit stammt eine der Postkarten und hier mit Datum vom 20.6.1907  und er bittet

seine Mutter in Braunschweig dringend um Zusendung seiner schwarzen Reit- und ferner Turnhose nach Berlin und bezieht sich kurz auch  auf seinen dortigen Dienst

Er wurde erfolgreicher Diplomat  und seine Laufbahn führte ihn in der Weimarer Republik über  Teheran, Bukarest und Rumänien. Seine letzte und brisanteste  Station war ab dem Jahr 1934 unter Hitler  die Vertretung Deutschlands in Moskau bis hin zum Stalin – Hitler – Pakt und endete  mit dem  Angriff  und Einfall Deutschlands in Russland 1941. Seine Gedankenwelt in dieser Zeit  unter seinen Prinzipien und Moralvorstellungen ist kaum vorstellbar, brachte seine logische Zuwendung zum Widerstand gegen Hitler und mit dem  gescheiterten Attentat auf Hitler 1944 wurde er in Plötzensee  November 1944 hingerichtet. S. auch Fritz - Dietlof Graf von der Schulenburg.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
14. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
02.06.2019

Geradezu beispielhaft für das menschliche Spektrum  auch in ein und derselben Familie zur oben kurz vorgestellten Vita von  Friedrich Werner Graf von der Schulenburg ist an dieser Stelle  Friedrich Bernhard Karl Gustav Ulrich Graf von der Schulenburg (1865 – 1939) anzuführen. Als Erbe auf Gut und Haus Tressow (ehemals erworben von dem schon vorgestellten Feldmarschall der Republik Venedig mit Matthias Johann von der Schulenburg) schlug er  erfolgreich die militärische Laufbahn ein und wurde schließlich im 1. Weltkrieg im Jahr 1916 Generalstabschef  der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

                                       Als Verehrer der Monarchie war für ihn das Ende des Weltkrieges deprimierend

                                              Titelseite des sozialdemokratischen „Vorwärts“ vom 9. November 1918

Friedrich Bernhard Karl Gustav Ulrich Graf von der Schulenburg engagierte sich gegen Ende der 1920er Jahre politisch „deutschnational“ bis in den Reichstag, trat der NSDAP bei, wurde SA – Mitglied,  wechselte im Jahr 1936 zur SS und erreichte dort den höchsten Generalsrang  als SS – Obergruppenführer und verstarb im Jahr 1939.

Hitler kondolierte beim Staatsakt in Potsdam der Familie Schulenburg und reichte vermutlich auch dem Sohn Fritz Dietlof die Hand, der einmal als Widerstandskämpfer gegen das NS – Regime nach misslungenem Attentat auf ihn in Plötzensee 1944  ebenfalls hingerichtet wurde.

1941 ist das Jahr in dem die Gräfin von der Schulenburg  in Potsdam im April eine Feldpostkarte an den Herrn Hauptmann Boetticher  richtet. Dies führt zeitlich dann in den 2. Weltkrieg, aber der Text  (s.u.) hatte dann rein persönlichen und friedvollen Charakter.

Gräfin Frieda von der Schulenburg geb. Freiin von der Bussche - Ippenburg genannt von Kesell zog  nach dem Tod ihres Mannes  Graf Werner von der Schulenburg im Jahr 1924 im Jahr 1932 von Wolfsburg nach Potsdam.

Sie schrieb an den Hauptmann Boetticher und redet ihn aber mit lieber Herr Pastor an und mit dem sie in Wolfsburg noch zu ihrer Zeit  bis 1932 durchaus dortigen freundschaftlichen Kontakt pflegte, als er  Pastor  der St. Marienkirche in Alt – Wolfsburg  im Jahr 1928 wurde  und teils mit Kriegsunterbrechung bis zum Jahr 1959 dort tätig war. Die Gräfin bedankt sich auf der Feldpostkarte mit Datum vom 9.4.1941 für Grüße von Boetticher aus Bulgarien und kündigt mit gleichem Tag ihre Fahrt nach Wolfsburg an. Auf Schloss Wolfsburg ist eine Familienfeier geplant, die gleich 4 Geburtstage  von Familienmitgliedern  berücksichtigen soll. Ihr Sohn Günter Werner Busso wird am 15.4.1941 50 Jahre alt, ihre Tochter Gisela hatte schon am 14.3. ihren 40jährigen Geburtstag und ihr Schwiegersohn Conrad von Sydow war am 8.3. mit dem 60. Geburtstag dabei gewesen und sie selbst hatte am 21.3. ihren 70ten Geburtstag nun  im Familienkreis nachzufeiern. Dieser Festtag  wird dann wohl  für den 15.4. 1941 geplant gewesen sein und sie hofft, dass durch die Zusammenlegung  der Geburtstage  aus diesen 5 Wochen möglichst alle Enkel anwesend sein können  und freut sich auf interessante aber sicher auch anstrengende Tage auf Schloss Wolfsburg und dazu noch  einmal  ein Merianstich diesmal in kolorierter Ausführung.
                                                                   
Adolph Friedrich von der Schulenburg – Beetzendorf  ehelicht Anna Adelheit  Catharina von Bartensleben im Jahr 1718 und dies führt nun zur Wolfsburg.

Abgebildet ist die Wolfsburg und ihre Lage an der Aller in einer Zeichnung von August Plinke (1855 – 1910)  ca. aus dem  Jahr 1880 als  Holzstich  in der Illustrierten Zeitung aus dem Verlagshaus Johann Jacob Weber in Leipzig 1884.

Zur couragierten Anna von Bartensleben wurde schon einiges berichtet und ihr Ehemann seit dem Jahr 1718 war Freiherr Adolph Friedrich von der Schulenburg – Beetzendorf, den erblichen Grafentitel für seinen Familienzweig erhielt er Dezember 1728 durch Kaiser Karl den VI.  Nachfolgend die Eheleute und  dies vor ca. 300 Jahren.

Adolph Friedrich wurde im Jahr 1685 geboren, sein Vater war hoher Beamter am Herzoghof in Braunschweig, seine Mutter die Schwester des schon vorgestellten venezianischen Feldmarschalls Graf Matthias Johann von der Schulenburg. Gleich seinem Onkel schlug er die Militärlaufbahn ein, wurde erfolgreich bis zum Generalleutnant im preußischen Heer befördert und im Jahr 1728 erhielt er den erblichen Adelstitel eines Reichsgrafen durch Kaiser Karl des VI. Er wurde Vertrauter seines Königs Friedrich Wilhelm des I. von Preußen und  mit dessen Sohn und Nachfolger Friedrich dem II. traten unüberwindbare Differenzen auf, die zum Abschiedsgesuch führten. Abgelehnt  und dennoch befördert mit dem Schwarzen Adlerorden beorderte ihn Friedrich der II. in den beginnenden Ersten Schlesischen Krieg und hier fiel er in der Schlacht von Mollwitz 1741. Aber 15 gemeinsame Kinder mit Ehefrau Anna wurden  und waren eine „stabile Ausgangslage“ zum Fortbestehen des Familienzweiges von der Schulenburg – Wolfsburg und philatelistisch erkennbar dazu im krassen Zeitensprung ein Frankitabsenderfreistempel aus dem Jahr 2018

Aber schnell 250 Jahre zurück  findet sich als Haupterbe  auf der Wolfsburg ein berühmter Sohn aus dieser „Kinderschar“   mit Gebhard Werner von der Schulenburg  (1722 – 1788) und  dazu seine Unterschrift  vom 7. Oktober 1766 auf einem diktierten Botenbrief an den Erzbischof zu Magdeburg

                                                und dazu das gesamte Schreiben mit Steuerstempel im Briefkopfbereich

Die Transkription (A. Peukert) offenbart die Empfehlung mit dem Theologen J. H. Schultzen die Kantorstelle des verstorbenen J. A. Leysers zu besetzen

Ähnlich seinem Vater erwarb Gebhard Werner von der Schulenburg  in jungen Jahren das Vertrauen zu seinem König in diesem Fall aber  im Generationenwechsel von Friedrich dem I. (Soldatenkönig) zu seinem Zeitgenossen mit Friedrich dem II. (dem Großen) und ein umfangreicher Schriftwechsel ist aus  dieser Beziehung erhalten geblieben. Erneut zeigt sich auch in diesem Fall die enge Beziehung der Adelshäuser, denn Gebhard Werner war verheiratet mit Sophie Charlotte von Veltheim

und dieses adlige Geschlecht  wurde schon früher öfters in Beziehungen zu Bartensleben und Schulenburg angeführt. Schon in relativ jungen Jahren bekleidete Gebhard Werner das Amt des Hofmarschalls am preußischen Hof unter Friedrich dem Großen ab dem Jahr 1750 und  war hier bis zum Tod seines Königs in dieser Stellung bis zum Jahr 1786. Friedrich der Große setze ihn als Gesandten in diplomatischen Missionen ein, die erfolgreiche Tätigkeit führte konsequent zur höchsten Beamtenstelle im preußischen Staat als „Wirklich Geheimer Staats- und Kriegsminister“ und damit einer vermutlich eher repräsentativen Position.
Nach seinem Tode wurde sein ältester Sohn  Graf Carl Friedrich Gebhard von der Schulenburg  Erbe auf Wolfsburg (1763 bis 1818). Eine in diesen adligen Kreisen vortreffliche Schulbildung ist auch in diesem Fall zu recherchieren mit anfangs theologischem Schwerpunkt, schließlich auch Interesse an dem Studium der Naturwissenschaften und weiter zum juristischen Abschluss. Eine  freundschaftlich zu benennende Beziehung bestand zum Erbprinzen von Braunschweig und Schulenburg war hier auch langjährig Oberhofmeister.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
15. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
08.06.2019

Mit dem Jahr 1806 kommt das Intermezzo des Königreiches Westfalen als französisches Regime. Napoleon hatte das reformunfähige Preußen in der Schlacht bei Jena und  Auerstedt  besiegt  und  durchgreifende territoriale Veränderungen waren die Folge. Wolfsburg gehörte zum neu etablierten Departement Oker und postgeschichtlich werden nach französischem Vorbild Poststempel eingeführt und dies in Braunschweig ab dem Jahr 1808.  In napoleonischer Zeit widerstand Graf Carl Friedrich Gebhard von der Schulenburg dem  Staatsdienst unter Jèrome Bonaparte, nahm aber den Vorsitz im Wahlkollegium des gebildeten Oker Departements an. Dazu ein Brief des Präfekten in Braunschweig des Oker – Departements  an das Versammlungskabinett zu Wolfenbüttel. Rückseitig  der Siegelstempel des Departements.

Dazu noch ein Brief zum Elb-Departement An den Herrn Maire (Bürgermeister) von Boch  Hochgeboren zu Osterburg Elb – Departement District Stendal aus Braunschweig und mit Datum 1.März 1813 aus den letzten Tagen des Königreichs Westphalen

Das Briefpapier ist recht dünn und der doppelseitig beschriebene Briefinhalt hinterlässt seine sichtbaren Spuren  auch im Original bis auf die Anschriftenseite.
Die Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 beendete die französische Episode und die Gebietsstrukturen wurden ebenso wie die Verwaltungsstrukturen einer preußischen Reform unterzogen, die teils angepasst sinnvolle französische Strukturen aufnahm und integrierte, aber die Deutsche Vielstaaterei noch nicht beseitigte. Wolfsburg bleibt also preußische Exclave und kommt zum  Kreis Gardelegen.  

Aber auch Privates bedarf an dieser Stelle der Vorstellung. September 1789 heiratete Graf Carl Friedrich Gebhard von der Schulenburg Anna Christine Wilhelmine von Münchhausen   und zu diesem durchaus auch gegenwärtig noch bekanntem Adelsgeschlecht zumindest ein  austaxierter Geldbrief Bahrdorf – Göttingen mit Umleitung zu Händen des Barons von Münchhausen.

Übrigens schon einmal im Jahr 1755 gab es eine Ehebeziehung von Gerlach Adolph von Münchhausen und dem Haus Schulenburg  mit Christine Lucie von der Schulenburg, sie war die Tochter von dem Generalleutnant Achaz von der Schulenburg auf Beetzendorf und Apenburg.
Graf Carl Friedrich Gebhard von der Schulenburg  legte in Braunschweig später seine Ämter nieder und  widmete sich der Verwaltung seine Güter und hier sind an erster Stelle Wolfsburg, Brome und Bisdorf anzuführen. Da teilweise weitere Besitzungen auf dem Gebiet des Königreichs Hannover lagen, nahm er auch dortige Ämter an z.B. Mitglied der Ständeversammlung in Hannover. Aus seiner Ehe mit Anna Christine Wilhelmine von Münchhausen  ist als Haupterbe auf Wolfsburg  Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg  (1792 bis 1861) zu benennen. Seine ältere Schwester Wilhelmine Auguste Sidonie Charlotte von der Schulenburg heiratet in das Adelshaus von Bülow und der jüngere Bruder  vermählte sich wiederum mit  Friederike Marie Emilie Adelheid in das  Haus von Münchhausen. Dies vermittelt wieder einmal die  engen Beziehungen der schon mehrfach angeführten Adelshäuser.
Haupterbe also auf Wolfsburg wurde Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg  (1792 bis 1861), er studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und war Freiwilliger in den Befreiungskriegen 1813 -1815. Anschließend ging er zunächst noch in den Verwaltungsdienst des Königreichs Westphalen und anschließend bis zum Jahr 1823 in entsprechende Tätigkeit in das Königreich Hannover.
Am 12. September 1818 hatte dann seine Vermählung mit Charlotte Ernestine von Vincke (1797 – 1888) stattgefunden

Aus dieser Zeit ca. um 1820 stammt der folgende sehr  eilige (citissime) Briefbeleg vom königlich preußischen Steueramt zu Magdeburg An den Herrn Reichs Minister Grafen von der Schulenburg Wolfsburg  Excellenz zu Wolfsburg

Im Jahr 1807 war die Stadt  Magdeburg vorübergehend dem Königreich Westphalen zugeordnet und wurde Sitz des Elbdepartements und ich verweise  auf zurückliegenden entsprechenden Briefbeleg vom Präfekten des Elbdepartements mit dem Grafen von der Schulenburg – Emden. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig Oktober 1813 und Sieg über Napoleon kam Magdeburg 1814 wieder an Preußen und wurde 1816 Hauptstadt der Provinz Sachsen und des Regierungsbezirks und der Stadt Magdeburg.

Dazu noch ein Schreiben mit Papiersiegel der königlich preußischen Regierung zu Magdeburg an den Herrn Grafen von Schulenburg Hochgeboren zu Wolfsburg.


Friedrich Gebhard Werner  Graf von der Schulenburg widmete sich als Fideikommissherr ab dem Jahr 1823 seinen Landgütern und Besitzungen u. a. mit Wolfsburg, Brome und Bisdorf. Entsprechend war er Mitglied königlich - hannoverscher Geheimrat im Staatsrat von Braunschweig und zudem noch Abgeordneter auch im Provinziallandtag von Brandenburg.
Dazu eine Briefhülle aus einer kleinen Serie mit Fingerhutstempel Magdeburg ca. aus dem Jahr 1835 an den Königl. Hannoverschen Geheimen Rath Herrn Graf v. d. Schulenburg Wolffsburg Hochgeboren zu Wolffsburg

Die nachfolgende Briefhülle datiert dann etwas später 1858 und stammt aus einer kleinen Serie mit Magdeburg Zweikreisstempeln mit Uhrzeitangabe und im Kreis mit Tag- und Monatsangabe An den königlich Hanöverschen Wirklichen Geheimen Raths Herrn Grafen von der Schulenburg Wolfsburg Exzellenz in Wolfsburg bei Vorsfelde. Zwanzig Silbergroschen Postvorschuß! In Rot: Mit Auslagen 18 gute Groschen 8 Pfennige Aslag.


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
16. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
14.06.2019

Im obigen Zusammenhang ist folgende Briefhülle interessant. Auch in diesem Fall Zweikreisstempel Gardelegen aber ohne Uhrzeit im Zwischenkreisfeld und nur Tagesangabe ohne Monats- oder Jahreshinweis und damit  ca. 1850er Jahre. Der Brief ging An den Pastor Herrn D. Lochte zu Wolfsburg p. Oebisfelde, betraf wohl das Schulwesen (siehe H.S.S.) als herrschaftliche Schul Sache.  Für die Postzuleitung für die preußische Exclave Wolfsburg aus dem ostelbischen Bereich war auch hier Oebisfelde zuständig. Gardelegen war Kreisstadt  seit 1816 in der preußischen Provinz Sachsen.

Die zeitliche Zuordnung wird aber auch erleichtert durch  den Empfänger. Friedrich David Eduard Lochte (1800 – 1877) war von 1826 bis 1862 Pfarrer in St. Marien Wolfsburg aber auch in der altehrwürdigen romanischen Kirche  St. Annen in Heßlingen und  stand im Patronat der Grafen von der Schulenburg. Dies allerdings im guten und langjährigen Einverständnis mit  Friedrich Gebhard Graf von der Schulenburg, der ihn in das Amt berufen hatte. Lochte war religiös - liberal und republikanisch geprägt und in Freundschaft zu Hoffmann von Fallersleben verbunden. Haupterbe auf Wolfsburg wurde im Jahr 1862 nach dem Tod des Vaters  der  Sohn Günter Ernst Gebhard Karl Graf von der Schulenburg, der streng gläubig in pietistischer Prägung daher mit Lochte in Konflikt geriet und als Nachfolger wurde Pastor Karl Vorhauer von der Grafenfamilie berufen. Unter dem Einfluss der „evangelischen Erweckungsbewegung  und Berliner Mission“  wurde erfolgreich jedes Jahr in Wolfsburg  das Missionsfest eingeführt und über 100 Jahre gefeiert und dabei konnten großzügige Spenden z.B. für die Goßner Mission gesammelt werden. Nebenbei bemerkt hatte Pfarrer Johannes Goßner (1773 – 1858) auch großen Einfluss auf Friedrich Stehfen während seiner Berliner Militärzeit und  Stehfen war Gründer des Hellweger Erziehungshauses und der evangelischen Präparandenanstalt in meinem Wohnort Holzwickede. Bezüglich der oben vorgestellten Postzustellung folgt noch eine Briefhülle aus dem preußischen Salze in die preußische Exclave Wolfsburg und auch in diesem Fall Zuleitung über das preußische Oebisfelde. Siegel des Directoriums der Zwangsarbeiteranstalt Groß Salze. An die königliche Superintendentur zu Wolfsburg p(per = über) Oebisfelde und Hinweis auf Kollecten.

Inhalt nur fragmentarisch über  Kollecten u. Gelder im Betrage von 5 Silbergroschen mit der Bitte, um Quittung, ergebenst Wolfsburg, den 21. Decbr. 1855, WW.

Neben einer Superintendentur unter den Grafen von der  Schulenburg  bestand  ebenfalls die Patrimonialgerichtsbarkeit und dazu ein Brief aus Wittingen An das Gräflich v. d. Schulenburgische Gericht zu Wolfsburg aus dem Jahr 1839

Passend dazu aus einer umfangreichen gesiegelten Gerichtsakte dokumentarisch die Schlussseite mit Wolfsburg den 1. April 1847 Gräflich von dem Schulenburgischen Gerichtsamt

Aber man erhielt nicht nur Post auf Schloss Wolfsburg, sondern ein Brief  nach Merseburg belegt auch die verwandtschaftlichen Verhältnisse nach außerhalb. Der folgende Beleg  sicherlich ausgehend vom Schloss  Wolfsburg ging an den Herrn Forst Rath Grafen von der Schulenburg Hochgeboren zu Merseburg  und stammt wohl ursprünglich aus der R. Boker jr. Sammlung (Braunschweig  1852  MiNr. 2,  Rechteckstempel Vorsfelde vom 28. Februar und Uhrzeit 9 – 10).

Vermutlich  war dieses Schreiben aus Wolfsburg aus der Familie Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg an seinen jüngeren Bruder Carl Hans Otto Graf von der Schulenburg gerichtet. Dieser studierte in Halle und Berlin Forstwirtschaft, war Referendar bei der Regierung in Merseburg und Forstinspektor in Wendelstein. Nach der Reform der Kreisgliederung im Jahr 1816 in Preußen wurde der Kreis Querfurt auch unter Einbeziehung  des altsächsischem Amtes Wendelstein gebildet und dies im Regierungsbezirk Merseburg und dort war wohl seine familiäre Wohnadresse. Die Recherche zur verwandtschaftlichen Beziehung dieses Briefes war erheblich mit Zeitaufwand verbunden und erst im II. Band von Danneil wurde ich fündig (Band I und II zusammen 1500 Seiten) und hoffe damit auch richtig zu liegen und dazu noch ein Brief aus Gardelegen  an den Herrn  Professor Danneil in Salzwedel aus dem Jahr 1839.


Zum abgebildeten Briefbeleg an Danneil bedarf es durchaus doch einer näheren Betrachtung. Der Schreiber des Briefes ist der Amtmann Wagenknecht auf  dem Gut Kloster-Neuendorf mit Datum vom 6.6.1839 s. folgendes Schreiben und Transkription A. Peukert.

Mit dem Nonnenkloster Neuendorf lassen sich schon mehrfach erwähnte Adelsfamilien  verbinden u.a. Berta von Bartensleben  und vermählte von Alvensleben  zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Nach der Auflösung des Klosters Neuendorf im Jahr 1579 sind verschiedenste Besitzer  zu recherchieren, bevor das Gut ca. 1833 der Amtmann Wagenknecht erwarb und ab 1872 bis 1945 die Familie von Veltheim  in Erscheinung tritt.

Zu Kloster Neuendorf noch ein Ansichtskartenausschnitt von Dorfstrasse und Klosterkirche, ein Landpoststempel und Amtssiegel  der Gemeinde im Kreis Gardelegen

Im oben vorgestelltem Brief  beklagt sich Wagenknecht bei Danneil über die terminlich unzuverlässige Postzustellung (kommt mir aktuell auch bekannt vor), so dass er die Einladung zum 5.6.1839 zur Directorial Sitzung zu spät erhalten hat. Dies betraf die Quartalssitzung des „Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie“ mit Gründung im Jahr 1836. Aus Salzwedel hatten Johann Friedrich Danneil in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister Emil von Bennigsen-Förder

und dem Landrat Otto Ludwig Ferdinand von der Schulenburg die Vereinsgründung betrieben.

Die landrätliche Seite der von Schulenburg aus Beetzendorf residierten im dortigen Apenburger Hof  und  in der Propstei in Salzwedel. Schon im Jahr 1550/ 1565 waren Levin II. von der Schulenburg  Dompropst zu Havelberg und kurfürstlicher Rat aus der weißen Linie und Levin I.  Landeshauptmann der Altmark aus der schwarzen Linie  mit der Propstei an der Marienkirche Salzwedel von Kurfürst Joachim II. belehnt worden. Das folgend mehrfach geteilte Lehen wurde unter Levin III. zusammen  gelegt, hatte wechselhafte Nachbesitzer aus dem Hause Schulenburg u.a. auch aus dem Haus Priemern und gehörte zum Zeitpunkt des folgenden Farbdrucks  dem königlichem Landrat a. D. und Reichsfreiherr Otto Ludwig Wilhelm Ferdinand von der Schulenburg.

Dazu ein recommandierter Brief aus Clausthal ca.1856/57 an seine Exellenz den Herrn LandrathvSchulenburg in Salzwedel und zu diesem Zeitpunkt bereits a.D. Viermal Hannover Michel Nr. 11 im Postverein mit 3. Gewichts-  und 2. Entfernungszone nach Salzwedel - Braunschweig

Sammlerfreund Wolf Zabel aus der Arbeitsgemeinschaft Bergbau und Geowissenschaften e.V. vermutet das Siegel  von einem Institut der Bergakademie stammend und hier nach der Symbolik eher aus dem Bereich  der Hüttenleute Eisen und Stahl und in C  wie Clausthal.

Ihre Residenz  hatten die Landräte von der Schulenburg  auf ihrem Stammsitz in Beetzendorf und dort im Apenburger Hof. Dietrich Hermann von der Schulenburg (1638 - 1693) hatte aus „Platzmangel“ als Erster die alte Burganlage Beetzendorf verlassen und den Rittersitz Apenburger Hof errichtet, da er zugleich  Apenburg  im Besitz hatte. Auch hier kam es zu wechselhaften Nachfolgern und Erbteilungen. Unter  Reichsfreiherr Leopold Wilhelm  von der Schulenburg wurden verstreute Anteile wieder zusammen geführt und auch in diesem Fall war zum  folgenden Zeitpunkt der Lithografie der Apenburger Hof in Beetzendorf zusammen mit der Propstei Salzwedel im Besitz des königlichen Landrates a. D. und Reichsfreiherr Otto Ludwig Wilhelm Ferdinand von der Schulenburg. 

Beide obigen Lithografien der Herrenhäuser aus dem Kreis derer von der Schulenburg stammen aus der berühmten Sammlung von Alexander Duncker mit dem Titel  Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den Königlichen Familien-, Haus-Fideicommiss- und Schatull-Gütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text von 1857 bis 1883.

                                           Eingang Apenburger Hof als Ausschnitt auf einer Ansichtskarte Beetzendorf


Aber weiter zu den baulichen Aktivitäten  in Wolfsburg. Gegenüber von Heßlingen erbaute Friedrich Gebhard Werner  Graf von der Schulenburg für seine Landarbeiter zwischen den Jahren 1813 bis 1835 die Kolonie Rothenfelde. Der Ortsgrundriss aus dem Jahr 1854 vermittelt neben der Rothefelder Kolonie auch das Dorf Heßlingen  und die verzwickten Grenzverhältnisse Hannover und Preußen (aus WOLFSBURG  von W. R. Krutsch 1966).

Die eingetragene Schäferei mit den V = Vorbürgern ist aber schon Alt – Wolfsburg zugehörig
Dazu eine frühe Lithografie mit Einkreispoststempel Wolfsburg vom 10.2.1898 und Ankunftsstempel Fallersleben (Zweikreisgitterstempel) vom 11.2.1898. Interessanterweise wurde die Gastwirtschaft W. Dieckmann noch Posthilfsstelle und die Eisenbahnlokomotive dampft  vor der Wolfsburg im Hintergrund der bereits um 1872 eröffneten Eisenbahnstrecke

Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg  ersetzte auch den maroden Westflügel der Wolfsburg in den 1850er Jahren und  im Jahr 1846 erwarb er von Oberstleutnant von Henniges das Rittergut im benachbarten Nordsteimke – dazu später mehr. Die nachfolgende Ansichtskarte Alt – Wolfsburg markiert einmal den neu erbauten Westflügel des Schlosses und die beiden weiteren Pfeile kennzeichnen die Schlossvorwerke und Betriebshöfe des  Rittergutes Wolfsburg (nur noch ein Teilstrukturen erhalten), die schon zurückzuführen sind auf Achaz Günther  und Gebhard Werner von Bartensleben. Nordöstlich schiebt sich der „Neue Teich“ noch in das Bild.

Das folgende Ensemble zweier Ansichtskarten dokumentiert die enormen städtebaulichen Veränderungen in Wolfsburg in den 1970er Jahren auch im Tier- und Teichgartenbereich  und ihren Neubaugebieten und im Vordergrund jeweils Alt – Wolfsburg und das Schloss



Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
17. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg
22.06.2019

Die  Eheleute Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg  (1792 bis 1861) und Charlotte Ernestine von der Schulenburg  geb. von Vincke (1797 – 1888) hatten 10 Kinder, von denen 4 im Kindesalter starben. Erstgeborener Sohn und Haupterbe auf Wolfsburg war Günther Gebhard Ernst Joachim Graf von der Schulenburg (1819 – 1895), der seinerseits  eine entfernte Cousine aus dem Haus Schulenburg – Emden im Jahr 1856 ehelichte. Erwähnenswert an dieser Stelle ist schon an dieser Stelle sein 4 Jahre jüngerer Bruder Gebhard Alexander Graf von der Schulenburg, der die Linie Nordsteimke begründete und noch einmal ausführlich vorgestellt wird. Aber auch eine Schwester ist mit Anna Luise Charlotte  Gräfin von der Schulenburg (1826 – 1902) erwähnenswert. Sie war stimmberechtigtes Mitglied im Kloster Marienberg  bei Helmstedt  und der dortigen Leiterin Charlotte von Veltheim. Die beiden adligen Damen gründeten 1861 den Niedersächsischen Paramentenverein. Die Vereinszielsetzung bestand darin evangelische Kirchen mit kunstvollen Handarbeiten auszustatten. Durch erfolgreiche Arbeit entstanden weitere Paramentwerkstätten und auch nach Auflösung des Vereins wird  die Arbeit in der  Von – Veltheim - Stiftung bis in die aktuelle Zeit fortgesetzt. Interessant dazu ein Schreiben von Gräfin Anna von der Schulenburg, die zeitnah zur Vereinsgründung im Jahr 1861 an Fräulein Pauline Bessert - Nettelbeck in Berlin eilig eine solche Arbeit z.B. Altardecke oder Wandbehang  anmahnt und sie bittet darin, die Arbeit aus Zeitgründen gleich an Frau Domina (Leiterin) v. Veltheim zu senden und die Mustervorlagen zurück wohl nach Braunschweig zu ihren Händen zu senden.


                                                                           Briefinhalt und Transkription (A. Peukert)

Im Jahr 1846 erwarb Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg zu Wolfsburg  das etwas heruntergewirtschaftete Rittergut im benachbarten NORDSTEIMKE und dazu folgend  und passend chronologisch einige Ausführungen. Die  Eheleute Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg  (1792 bis 1861) und Charlotte Ernestine von der Schulenburg  geb. von Vincke (1797 – 1888) hatten 10 Kinder, von denen 4 im Kindesalter starben. Erwähnt aus dieser  Ehe und Haupterbe auf Wolfsburg wurde oben Günther Gebhard Ernst Joachim Graf von der Schulenburg (1819 – 1895), der seinerseits  eine entfernte Cousine aus dem Haus Schulenburg – Emden im Jahr 1856 ehelichte. An dieser Stelle ist nun sein 4 Jahre jüngerer Bruder Gebhard Alexander Graf von der Schulenburg vorzustellen, der die Linie Nordsteimke begründete.

Die Merian – Kupferstiche dokumentieren die Ansichten aus dem Jahr 1664. Einmal den Blick auf die   Wolfesburg  Adelicher Sitz  An dem Drömling  zur Zeit der von Bartensleben in  Richtung   Nort Steimke   im südöstlichen Hintergrund.
 
Die  folgende Meriansicht auf Nordsteimke dokumentiert dann aus dem Jahr 1654  den adligen Sitz zum Zeitpunkt  noch aus dem Lehen der von Marenholz. Dazu einmal folgender Brief aus dem Jahr 1835 über eine  versiegelte Geldrolle über 500 Taler Louis d´or  von Hannover nach Braunschweig  und Text mit Transkription (A. Peukert)



Vermutlich handelt es sich um den Oberhofmeister Karl Graf von Hardenberg in hannoverschen Diensten, der in diesem Fall verschuldet war an den Oberhofmarschall Freiherr von Marenholz in  Braunschweig und eine erste Teilschuld wurde mittels Geldrolle über 500 Taler Louis d´or wohl  auf den Weg gebracht.  Der Absender mit vermutlichem Namen  Wrösler   z.B. als Advokat  des Freiherrn Marenholz bat um entsprechende Quittierung. Oberhofmarschall Freiherr von Marenholz war vermutlich Sohn von Wilhelm Albrecht von Mahrenholz (-tz) Kammerherr zu Braunschweig (1752 – 1808)  und anfänglich Maire von Braunschweigs zu Napoleons Zeiten. Dieser war aber mit Georgine Charlotte  von Hardenberg  (1769 – 1865) verheiratet gewesen. Ursache der Schulden ist ungeklärt und auch trotz weitläufiger Verwandtschaft waren  diese wohl auch  nicht strittig. Ein Sohn  Gebhard heiratete wiederum eine Margarete Adelheid Klementine von der Schulenburg (Haus Nordsteimke). Aus früheren Zeiten finden sich noch etliche weitere eheliche Beziehungen zwischen u.a.  Marenholz, Hardenberg, Schulenburg, Alvensleben und Bülow  und belegen  erneut die engen Verbindungen der  Adelshäuser.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch folgender Beleg, der Walter Freiherr von Marenholtz noch im Dorf Diekhorst am Zusammenfluss von Aller und Oker bei Müden Meinersen im Jahr 1948  und damit den dortigen  alten Rittersitz der von Marenholtz  im Reichsfreiherrenstand dokumentiert

                                                        Merianstich zum Zeitpunkt  der Freiherrn von Marenholz

Aber schon ca. 3 Jahrzehnte vor der Merianansicht war bereits das Lehen  Nordsteimke von Heinrich Julius  Herzog zu Braunschweig - Lüneburg nach seinem  Tod für die von Marenholz erloschen und der Nachfolger Herzog Friedrich Ulrich belehnte Kammerrath Franz Julius von der Knesebeck im Vertrag vom 17. Februar 1637 nun mit dem Rittergut Nordsteimke.

                                           dazu der Text zum Merian – Kupferstich aus „Merian Topographia Germaniae“ 1654

Das oben sichtbare große Fachwerkhaus mit Turm in Nordsteimke wohl Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet, wurde im Jahr 1716 abgerissen und mit einem kleineren Gebäude ersetzt, das aber im Jahr 1770 bereits abbrannte. Daraufhin erfolgte in Stein ein massiver Neubau ebenfalls in verkleinerter Form durch Martin Johann Ernst von der Knesebeck, der sich wohl finanziell dabei übernahm. Der Amtmann auf Neuhaus wurde daraufhin Besitzer, bevor der Rittersitz 1834 an den Oberstleutnant August von Henniges verkauft wurde, der sich aber bereits 12 Jahre später  im Jahr 1846 davon trennte und das Gut an   Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg zu Wolfsburg  (1792- 1861) verkaufte und übertrug.

Im Jahr 1861 erbte das Gut Nordsteimke dann der 2. Sohn Gebhard Hans Alexander von der Schulenburg (1823-1897). Dies wurde damit praktisch zeitgleich eine Mitgift und Wohnort für die Ehe mit Margarethe von der Gabelentz. Sie stammte  vom Adelssitz Poschwitz bei Altenburg in Thüringen und war das 5. Kind  der Ehe von Hans Conon von der Gabelentz  und seiner Ehefrau Adolfine von Linsingen.  Dazu eine Luftaufnahme von Ernst Wandersleb vom 3.9.1910 vom Rittersitz Poschwitz. Wandersleb hatte für seine Zeit eine bemerkenswerte Vita als Physiker bei Carl Zeiss Jena, Bezwinger des  Mont Blanc im Jahr 1911 und  Ballonfahrer seit dem Jahr 1905!

Mit seiner Luftfotografie war er sicherlich Pionier  und die Ballonfahrt führte dann einmal auch über Poschwitz mit dem adligen Wohnsitz derer von Gabelentz.

Amalie Albertine Margaretha Walpugis von der Gabelentz  wurde auf dem Rittergut  von der GABELENTZ  im  Haus Poschwitz  am 12.  Januar 1842 geboren. Aus diesem Geburtsjahr 1842  folgend eine Stichzeichnung  mit Schloß  Poschwitz noch vor dem Umbau und sie stammt aus dem Buch  geschrieben vom Familienmitglied Th. Dobrucky und dem Jahr  1938 mit dem Titel: Über ein halbes Jahrtausend auf angestammter Scholle, Geschichte der Herren von der Gabelentz auf Poschwitz (Bibliographisches Institut Leipzig).


 
Haus Poschwitz  und das Rittergut von der GABELENTZ lagen im östlichen Teil der thüringischen Residenzstadt ALTENBURG im Herzogtum Sachsen–Altenburg.

Vorstehend einmal ein Postschein der Fürstl. Thurn = und Taxissche Post = Amts = Expedition im Herzogtum Sachsen = Altenburg mit Datum vom 7.8.1845 über einen Wertbrief  wohl innerhalb der Familie v. d. Gabelentz.
Dazu noch das Papiersiegel: Sächsisches Staatsministerium Herzogtum  Altenburg


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
18. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg - Nordsteimke
01.07.2019

Es finden sich nun  Briefbelege der adligen Wohnsitze von  Nordsteimke bei Vorsfelde nach Poschwitz bei Altenburg und ebenso auf dem umgekehrten Postweg.

Die wohl  rege und vermutliche  Mutter-Tochter-Korrespondenz  aus Poschwitz kann in gleichem Schriftzug 4fach belegt werden, aber auch 2 Briefdokumente fanden  den umgekehrten Postweg und belegen vermutlich den Ehemann Graf Gebhard Hans Alexander von der Schulenburg noch vor der Hochzeit mit Amalie Albertine Margaretha  Walpugis von der Gabelentz  im Jahr 1860  und noch einmal später nachweisbar im Jahr 1867 ebenfalls in gleichem Schriftzug und hier mit Unterschrift Dein Gebhard. Auch wenn der nachfolgende Briefbeleg ohne Absender firmiert, stammt er mit Sicherheit aus dem Haus der Grafen von der Schulenburg und ging über Vorsfelde  am 22. April  an Fräulein Margarethe von der Gabelentz  hochwohlgeboren zu Poschwitz  bei Altenburg.

Vielleicht hat der Bräutigam Gebhard Hans Alexander von der Schulenburg den Brief selbst  an seine Braut und zukünftige Ehefrau  Fräulein Margarthe von der Gabelentz geschrieben, um letzte Vorbereitungen abzustimmen, denn am  12. Juni 1860 also gut 7 Wochen später war die Hochzeit auf Haus Poschwitz angesagt. Nachfolgend Rückseite mit Stempel Braunschweig 23.4., Bahnpost Minden-Berlin 23.4. und Ankunft 24.4.1860. Durch Brieföffnung teilzerstörtes Siegel.


Eventuell lagen in diesem Brief schon Braunschweiger Freimarken bei als zukünftiges Bestellgeld der Post nach Nordsteimke, denn dies wurde der Wohnsitz des gräflichen Ehepaares.

Interessant ist nun ein Brief aus Altenburg  schon 10 Tage nach den Hochzeitsfeierlichkeiten auf Haus Poschwitz  an die jung vermählte  Gräfin  mit neuem Wohnsitz in Nordsteimke.  Aber dieser Brief ist an die Gräfin in Braunschweig gerichtet und dort ausdrücklich zu Händen des schulenburgischen  Hausverwalters Asbar  im Anwesen auf der Friedrich Wilhelmstraße Nr. 99 in Braunschweig! Es finden sich  übrigens Literaturhinweise  aus dem 18. Jahrhundert auf einen Hofbesitz in Braunschweig im Burgbereich.

Auch ohne Absenderangabe verrät das rückseitige Siegel eindeutig die Familie von der Gabelentz mit ihrem Sitz auf Haus Poschwitz bei Altenburg als Briefschreiber.


                                                         obiges Siegel (gedreht und aufgehellt) und Familienwappen

Aber warum ist der obige Brief ausdrücklich  an den Hausverwalter in Braunschweig gerichtet?  Ein Vertrauensmann?  Eine gewünschte ganz private Nachricht an die frisch vermählte Tochter  ohne Kenntnissorge betreffend  den  Posthalter in Vorsfelde  und den hauseigenen Postabholer aus Nordsteimke (s. halbes Bestellgeld auf dem Brief vom 19.9.1860)? Zog das frisch vermählte Ehepaar nach der Hochzeit zunächst nach Braunschweig? Wohl unwahrscheinlich bei der beabsichtigten Briefabgabe an den Hausverwalter!
Diese Fragestellungen werden durch folgenden Brief offensichtlich in einigen Punkten geklärt, lassen aber eine weitere spekulative Überlegung offen bezüglich der angeschriebenen Gräfin von der Schulenburg                

Der Brief aus Braunschweig datiert vom 24. Juli 1860 und geht von Braunschweig  an die Gräfin von der Schulenburg auf Haus Oefte bei Kettwig an der Ruhr. Das Haus Oefte der Grafen von der Schulenburg wurde bereits ebenso vorgestellt und war das Erbe des jüngeren Bruders von Graf Gebhard Hans Alexander von der Schulenburg und zwar  Graf Ernst Wilhelm August von der Schulenburg und somit ein Schwager der jungen Ehefrau.

                                                                    folgend die Rückseite des obigen Briefes

                                                        und diese Rückseite  verrät nun den Absender des Briefes

                                  in der Mitte der folgenden Kombination das aufgehellte Siegel  des obigen Briefes
 
Das hervorragend erhaltene Siegel dokumentiert kombiniert die Adelshäuser von der Schulenburg und von der Gabelentz. Damit wird Amalie Albertine Margaretha  Walpugis von der Gabelentz  und nun jung verheiratete Gräfin von der Schulenburg eindeutig als Briefschreiberin dokumentiert, denn nur  für sie war die Kombination dieser Adelshäuser 1860 im Siegel möglich  und erlaubt und evtl. ein Hochzeitsgeschenk.

Gräfin Margaretha von der Schulenburg schrieb aus Braunschweig den Brief am 24. Juli. Sie war also dort allein oder vermutlich mit Ehemann nach der Hochzeit eingetroffen und die Eheleute zogen das städtische Braunschweig dem dörflichen Wohnsitz Nordsteimke vermutlich zunächst vor. Diese Absicht kannte wohl die Mutter in Poschwitz und hat daher den wichtigen Brief aus Altendorf gleich an den Hausverwalter in Braunschweig gesendet, da die Ankunft der Tochter dort zum Briefempfang terminlich nicht exakt sicher war. Damit ist die Briefanschrift vom 22. Juni erklärbar.

Aber die Tochter  hatte Braunschweig schließlich  erreicht und hatte nun schon kurzfristig vermutlich zwingende Post zu erledigen. Wahrscheinlich waren es die erforderlichen Dankesschreiben an Familienmitglieder zur abgelaufenen Hochzeit in Poschwitz. Denn dieser  Brief geht  vom 24.7.1860 nun an die Gräfin von der Schulenburg auf Haus Oefte. In der Anschrift wiederholt sich aber der Hinweis  geb. Gräfin v. d. Schulenburg.  Damit war sicher gestellt, dass der Brief nicht an die Hausherrin Gräfin Melanie von der Schulenburg geb. von Helldorf  auf Haus Oefte übergeben wurde, sondern evtl. an eine Ihrer drei Schwägerinnen, die  sich dort vielleicht bei ihrem Bruder und der Familie aufhielten. Leider hat  Margaretha nicht den Vornamen  geschrieben  und so bleibt trotz deutlich verbesserter Kenntnis nun wieder  eine Frage offen: welche der zahlreichen Gräfinnen geborene von der Schulenburg weilte zu diesem Zeitpunkt  auf Haus Oefte bei Kettwig an der Ruhr?

Die Briefe zu Schulenburg – Gabelentz sind ein klassisches Beispiel für  die SocialPhilately,  aber der Brief hat auch seinen ganz puristischen philatelistischen Reiz:

Verwendet wurde ein Ganzsachenumschlag der Herzoglich Braunschweigischen Landespost mit 3 Silbergroschen Postcouvert in mattrosa  im Format 147 : 84.  Der Poststempel Braunschweig  mit Außen- und Innenkreis stammt aus der Zeit 1858 bis 1867, da hier 2 Sterne im Zwischenkreis mit BRAUNSCHWEIG (grotesk) vorliegen und unten Halbstundenzeit oder nachts. Blaue oder schwarze Stempelfarbe. Innenkreis mit Tag, Monat und Jahreszahl. Der Ausgabestempel datiert bereits  vom 25.7. 1860 und damit 1 Tag nach der Auflieferung.

Philatelie bietet und liefert  auch nach 160 Jahren Entdeckungsfreude und – möglichkeiten.

Es existiert nun der folgende Beleg vom 19.9.1860 und damit 3 Monate später nach der Vermählung gerichtet an die Gräfin Margarete v. d. Schulenburg mit der einmaligen vorderseitigen 2 - Länderfrankatur altdeutscher Staaten und diesmal nach Nordsteimke gerichtet.
                     
Neben der sächsischen Frankatur (Mi Nr. 11) weist der Briefbeleg vom Absender vorderseitig  noch das Bestellgeld in Form einer Braunschweig - Frankatur (Mi Nr. 9a) auf und wurde in Vorsfelde abgestempelt (ex Sammlung Gaston Nehrlich, Gotha). „Die Verwandtschaft sollte und wollte wohl nicht gleich 3 Monate nach  der Hochzeit  mit Bestellgeld für ihre Post auffallen und unangenehm in Erscheinung treten“. In Kenntnis, dass die Selbstabholung der Post in Vorsfelde  für die Schulenburgs aus Nordsteimke wohl die Regel war, wurde nur das halbe Bestellgeld vorfrankiert.

                                                                              Rückseite zur obigen Briefvorderseite
                     
Die  wohl  rege und vermutliche  Mutter-Tochter-Korrespondenz  kann in gleichem Schriftzug  9 Monate später noch einmal - aber ohne Zusatzfrankatur aus Braunschweig - belegt werden (Damenbriefformat im aufgeklapptem Zustand). Bahnpoststempel LEIZIG – MAGEDEBURG und Durchgangsstempel Jerxheim auf der Briefrückseite.
                                                     
Mittlerweile war auch das 1. Kind (16.8.1861 - Werner Matthias von der Schulenburg) im gräflichen Haus Nordsteimke geboren worden und dies war sicherlich  ein weiterer Grund zur Korrespondenz Altenburg – Nordsteimke im November 1861.
                       
Auch dazu die passende Briefrückseite und hier mit 6 Pfennig Landbestellgeld (Siegel ausgeschnitten). Bahnpoststempel Leipzig - Magdeburg und Stempel Jerxheim, Helmstedt und Vorsfelde.
                       
Der folgende  Brief aus dieser Korrespondenz  ging dann im September 1867  von  Vorsfelde  an die Gräfin von der Schulenburg, die sich sicherlich im elterlichen Haus Poschwitz aufhielt. Vielleicht machte sie dort Sommerurlaub  mit ihren mittlerweile 2 Töchtern  Anna und Margarete und  den 2 Söhnen Matthias und Albrecht, die zu dieser Zeit 1 bis 6 Jahre alt waren und erhielt Nachricht von Ihrem Gemahl aus Nordsteimke

Wenn auch etwas „angegriffen“  sind die Namen Schulenburg und Gabelentz  ebenso wie der Wohnsitz Poschwitz bei Altenburg  problemlos zu erkennen und in Klammern wurde noch  hinzugefügt die Lage im  Herzogtum Sachsen – Altenburg.

Briefhülle innen nur Teilfragment erhalten und siehe oben beschriftet  mit der Unterschrift des Ehemannes - DEIN GEBHARD - (Gebhard Hans Alexander von der Schulenburg (1823-1897). Folgend die Rückseite des Briefes

Mittlerweile war Haus Poschwitz auch nach Plänen der Familie umgebaut worden und dazu ein Holzstich aus dem Jahr 1871 von C. Heyn.

Die vorgestellten 6 Briefbelege aus der Korrespondenz Poschwitz - Nordsteimke  sind vorder- und rückseitig sicherlich teils etwas „ramponiert“  aber höchst interessant  und verführen sogar  nach 150 Jahren  zu spekulativen Überlegungen, die aus einem Einzelbrief nicht zu ersehen sind. Andererseits bedarf es  jahrelanger Aufmerksamkeit, um die Briefbelege zu entdecken. Weitere Informationen  aus dem Kreis der Homepagebesucher dazu sind höchst willkommen.


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
19. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg - Nordsteimke
6.7.2019

Die Verbundenheit der Häuser Schulenburg und Gabelentz kommt auch wohl dadurch zum Ausdruck, dass das 3. Kind und Sohn Albrecht  Graf von der Schulenburg  geb. 1865 der  oben vorgestellten Ehe  noch den zusätzlichen Vornamen  Conon  von  Onkel und Großvater mütterlicherseits erhielt. Diese Familienmitglieder verbindet übrigens eine höchst interessante Historie  ihrer weltweit anerkannten sprachwissenschaftlichen  Arbeiten! Albrecht Conon Graf von der Schulenburg  führte als Exlibris sein Wappen unter A.C.v.d. Schulenburg und griff wohl auf das ursprüngliche Wappen  ca. aus dem Jahr 1760 von Albrecht Ludwig Graf von der Schulenburg zurück. Die veränderten „Wilden“  sind eventuell seinen sprachwissenschaftlichen Studien  zu den Zimshian - Indianern  in Nordwestamerika geschuldet.

Aber noch einmal zunächst  nach Poschwitz mit einem Landpoststempel aus dem Jahr 1931, dann eine Winterimpression auf einer Ansichtskarte nach einem Holzstich 1947 von Conrad Felixmüller und schließlich  aus dem Jahr 2009 eine moderne Ansichtskartenfront


Übrigens nicht von ungefähr findet sich unter den Poschwitz – Ansichten  auch ein Holzschnitt aus dem Jahr 1947 von CONRAD FELIXMÜLLER . Hanns-Conon von der Gabelentz  auf Haus Poschwitz war begeisterter Anhänger und Sammler von Werken des Malers und reihte die Sammlung in seiner Tätigkeit als Direktor des Lindenau – Museums Altenburg (von 1945 bis 1969)  im Jahr 1950 von Poschwitz nach Altenburg ins Museum ein. Die Sammlung umfasste im Jahr 1945 insgesamt 75 Bilder von Felixmüller darunter auch Bilder von Poschwitz aus den Jahren 1935 und 1943. Aus der Sammlung erwähnenswert ist noch das Werk  Burghauptmann Dr. Hans v.d. Gabelentz  aus dem Jahr 1943. Er war u.a. Direktor der Kunstsammlungen in Weimar, leitete das Dt. Kunsthistorische Institut in Florenz und wurde im Jahr 1930 Burghauptmann auf der Wartburg bis zu seinem Tode 1946. Aber auch ein Brustbild  Felixmüllers von dem Sammler  Hanns-Conon von der Gabelentz  findet sich hier.

Zurück nach Nordsteimke. Durch Flächenzukauf des Gutes in Reislingen wurde das Rittergut Nordsteimke ein Familienstammgut. Das Ehepaar Gebhard Hans Alexander von der Schulenburg und Ehefrau  Margarthe geb. von der Gabelentz  bekamen hier am 16.8.1861 auf Nordsteimke den Stammhalter Matthias Graf von der Schulenburg (1861-1929).  Er wurde später herzoglich Braunschweigischer  Regierungs – Assessor und übernahm nach dem Tod seines Vaters Graf Gebhard im Jahr 1897 den Adelsitz Nordsteimke. Aus der Literatur zu Nordsteimke ist sicherlich das Buch aus dem Jahr 1899 von Dr. Graf von der Schulenburg hervorzuheben  Nordsteimke und die von Steimker

                                      Auch die folgende Ansicht vom Rittergut Nordsteimke stammt aus dieser Schrift

Das Rittergut Nordsteimke dann 10 Jahre später folgend auf einer Ansichtskarte aus dem Verlag Oskar Raspe, Braunschweig abgestempelt mit Datum vom 15.6.1908

Die Eheleute Gebhard Hans Alexander Graf von der Schulenburg hatten mittlerweile 5 Kinder und  Stammhalter war nun wie erwähnt auf Nordsteimke Matthias Graf von der Schulenburg (1861-1929) geworden.  Erwähnenswert ist aber auch seine Schwester  Margarete Adelheid  Klementine Gräfin von der Schulenburg (1866 – 1943). Sie heiratete Gerhard Freiherr von  Marenholtz  und die ursprüngliche Beziehung dieses Adelsgeschlecht zu Nordsteimke wurde schon einmal vorgestellt. Aus der erwähnten Ehe heiratete wiederum eine der beiden Töchter Margarete Freiin von Marenholtz  (geb. 1897) im Jahr 1921 Oskar von Hindenburg den Sohn von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg.

Paul von Hindenburg verband eine enge freundschaftliche Beziehung zu seiner Schwiegertochter und damit auch zu ihrem  Haus und ihrer Familie  in Wolfsburg mit der gräflichen Familie von der Schulenburg und erklärt seine dortigen Besuche zu Familienangelegenheiten. Die Ehefrau von Paul von Hindenburg verstarb im Hochzeitsjahr seines Sohnes und nach der Wahl des 78jährigen  zum Reichstagspräsidenten übernahm seine Schwiegertochter die Aufgaben „der ersten Dame“  in der Weimarer Republik.

Aber zurück zu ihrer Familie in Nordsteimke.
Nachfolgend noch die Rückseite einer Postkarte Nord – Steimke 21.4.1923 mit mehrfachem Stempel Vorsfelde (nicht abgebildet) an das Möbel- u. Dekorationsgeschäft LÖHR in Braunschweig im Auftrag der Gräfin v. d. Schulenburg. Ob die Gräfin „Sessel gegen Kirchenstühle“ tauschen musste, ist trotz  der Inflationszeit doch recht fraglich!
 
Das Gut  Nordsteimke wurde dann  verpachtetet  an den Inspektor Cordemann bis zum Jahr 1926 mit  bestem Erfolg und dessen Nachfolger mit seinem Schwiegersohn Patschke war bis 1930 anscheinend nicht so erfolgreich. Dadurch übergab die Witwe Margarethe von Matthias Graf von der Schulenburg nach dem Tod ihres Mannes 1929 die Bewirtschaftung des Gutes Nordsteimke an Günther Graf von der Schulenburg - Wolfsburg (1891-1985) zum gemeinschaftlichen Betrieb mit dem Gut Wolfsburg. Durch Erbfolge und Hochzeit in der 1930er Jahren kam dann das Rittergut Nordsteimke in den Besitz  des Schwiegersohnes Baron Digeon von Monteton, der dieses  selbst  nicht bewirtschaften wollte und der Rückkauf zur Wolfsburg dann durch Graf Günther von der Schulenburg  im Jahre 1938 sollte sich 7 Jahre später als sehr weitsichtig  und als glücklicher Umstand erweisen. Denn der Schlossneubau Neumühle wurde schon nach kurzfristiger 3jähriger Nutzung im Jahr 1945 und der  Besetzung mit amerikanischen und britischen Truppen überstürzt vor der Übernahme der territorial vereinbarten sowjetischen Besatzungsmacht aufgegeben. Die nachfolgende Ansichtskarte dokumentiert schon den Schlossneubau zu DDR – Zeiten in der Weiternutzung als Heilstätte Neumühle, Tangeln und Post Beetzendorf /Altmark und Kreis Klötze (Ausschnitt)

Die Empfänger waren die Kollegen der Tagesschicht der ehemaligen Werke Buna in Schopkau und auch dies wäre übrigens einmal ein interessantes Thema

Hier noch einmal Poststempel Nordsteimke mit eigener Poststelle und  Zweikreisstempel 1914 und noch Postkarte mit Landpoststempel 1954 vor der Eingemeindung  zu Wolfsburg.

Das zonengrenznahe benachbarte Nordsteimke wurde damals 1945 neuer Wohnsitz der Grafenfamilie von der Schulenburg – Wolfsburg und im Jahr 1985 verstarb  hier der letzte Schlossherr von Burg Wolfsburg. Bei seinem Tod hatte er noch  das Patronat in 26 Kirchen der Umgebung inne. Sein Sohn Dr. Günzel Graf von der Schulenburg - Wolfsburg, der noch 1934 auf Schloss Wolfsburg geboren wurde, leitete und übernahm das Gut ab dem Jahr 1962 nach dem Unfalltod seines älteren Bruders. So wurden Land- und Forstwirtschaft  anstatt einer geplanten Diplomatenlaufbahn seine zukünftige Aufgabe. Pferde- und Fahrsport waren aber durchaus sein Metier und konnten so ausgiebig gepflegt werden. Im Jahr 2018 verstarb er im Haus Nordsteimke 84jährig. Sein ältester Sohn Dipl.-Kfm. Dr. Günther Graf von der Schulenburg (geb. 1965) übernahm die Verwaltung und Besitz auf Nordsteimke und Bisdorf und nach der glücklichen Wiedervereinigung Deutschlands durch Rückerwerbung auch die alten Forstflächen um Brome. Bisdorf wurde übrigens dann zum neuen Wohnsitz der Familie Günther Graf von der Schulenburg hergerichtet.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
20. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg
16.07.2019

Nach den obigen Anmerkungen zu Nordsteimke wieder zurück in das Schloss Wolfsburg und die folgenden Ausführungen finden wieder  Anschluss mit dem schon angeführten Haupterben Günther Gebhard Ernst Karl Graf von der Schulenburg (1857 – 1924).
Er studierte Forstwirtschaft und Jura, wurde vorübergehend Abgeordneter im preußischen Abgeordnetenhaus im Wahlkreis Magdeburg (daher vermutlich die zuvor schon angeführten Briefhüllen) und im preußischen Herrenhaus verblieb er zeitlebens und widmete sich aber gleich seinem Vater schwerpunktmäßig ab dem Jahr 1860 der Liegenschaft Wolfsburg (neben den weiteren Gütern u.a. mit Steimke, Rothehof, Brome, Bisdorf). Unter seiner Regie wurde die seit dem 16. Jahrhundert zugehörige bestehende Wassermühle am Schillerteich im Jahr 1863 mit einem Sägewerk erweitert. Die Mühle war langjährig in Betrieb und wurde erst im Jahr  1970 verkauft und das Gelände wurde saniert zum Bau des Schillerteich-Centers. Dazu alte Topografie zu den Ortsteilen Rothenfelde und Hesslingen im Detail (WIKIPEDIA)

Zur SCHILLERMÜHLE  kurz  folgend eine Empfangsbestätigung für eine Postanweisung an die Gräfliche Mühlenverwaltung in Schillermühle b/ Wolfsburg aus dem Jahr 1906 mit Poststempel Gliesmarode (östlicher Stadtteil von Braunschweig Richtung Lehre) und Quittierung. Herr Förster war zu dieser Zeit Verwalter der gräflichen Mühle.

Dazu noch einmal ein Detailausschnitt einer Ansichtskarte aus Wolfsburg mit der Mühle am Schillerteich  im Hintergrund und mit den  umgebenden Bauten vor dem späteren Abriss und Neubebauung


Ansichtskartenausschnitt (Verlag M. W. Veith, Helmstedt) mit der Stadtbebauung und im Hintergrund noch die alte  Mühle am Schillerteich.

Der schon gelegentlich erwähnte Rückzug aus Staatsdiensten der Grafen von der Schulenburg auf den Familienstammsitz war  kein Entschluss für eine beschauliche Lebensphase sondern anspruchsvolle Verantwortung im Sinne des Familienfideikommisses wirtschaftlich erfolgreich zu agieren. Land- und forstwirtschaftliche Probleme waren zu bewältigen, Jagd- und Fischereibetriebe zu organisieren, die Patrimonialgerichtsbarkeit  erforderte juristisches  Verständnis und  das Kirchenpatronat über teils zahlreiche Gemeinden  war  keine nebenbei zu erledigende Arbeit. Dazu einmal die Oberförsterei des Grafen von Schulenburg in Alt – Wolfsburg an der Allerbrücke. Eine Glückwunschkarte (Zweikreispoststempel Wolfsburg 9.7.1908) von Oberförster Hugo Spranger und Ehefrau an den Forstassistenten von Götz zur Verlobung

Man trifft bei erfolgreichen Gütern der von Schulenburg häufig auf ein vorangehendes Jura- oder Agrarstudium der Besitzer. Beispielhaft einmal dazu aus dem Institut für Agrarwissenschaft in Freiburg und aus dem Institut für Agrarpolitik und Marktforschung in Bonn die Dissertationsarbeit der Landwirtschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn von Dr. Günzel Graf von der Schulenburg – Wolfsburg im Jahr 1964 mit dem Titel  Die Wirtschafts- und Sozialstruktur ländlicher Gemeinden in der Umgebung des Volkswagenwerkes.

Nicht immer ging es bei diesen vielfältigen Verwaltungsaufgaben auf dem Herrensitz Wolfsburg dabei problemlos zu, wie die folgenden zwei Postbelege zur Wolfsburg belegen. Das Gemeindevorstandswahlergebnis in Hehlingen entsprach wohl nicht der Vorstellung von  Günther Gebhard Graf von der Schulenburg, ein juristischer Streit war wohl die Folge und  Beschlüsse des Verwaltungsgerichtes Magdeburg  im Jahr 1875 liefen über den Landrat in Gardelegen  nach Wolfsburg. Dazu ein Brief aus Helmstedt aus dem Jahr 1864 an den königlichen Landrath Herrn von Gerlach hochgeboren zu Gardelegen (Nachfolger von Landrat Kröcher s. frühere Erwähnung)

Zwei Jahre später ab dem Jahr 1866 gestalteten sich dann die Posthoheiten in rascher Abfolge. Hannover wurde preußisch und ging dann zusammen mit Preußen und Braunschweig im Norddeutschen Bund auf und ab 1871 kam die Deutsche Reichspost zustande.

Dazu folgendes Briefdokument aus Gardelegen nach Wolfsburg. Der Schriftwechsel mit Wolfsburg lief über den Postboten Meyer aus Vorsfelde den 28. April 1875 und am gleichen Tag zur persönlichen Zustellung gegen persönliche Unterschrift des angetroffenen Grafen Schulenburg.  Mittels Post=Behändigungs=Schein wurde die Empfangsbestätigung noch am gleichen Tag nach Gardelegen an den Landrat versendet und dort mit Posteingansstempel am 29.4.1875 festgehalten. Ein postalischer Vorgang der aktuell mittels Rückschein entsprechend dokumentiert wird.

Der nachfolgende Post-Behändigungs-Schein aus dem September des gleichen Jahres  zur Auseinandersetzung mit der Gemeinde Hehlingen bestätigt dann noch  eine Aktenrückgabe  und ebenfalls eigenhändige Unterschrift  Graf Schulenburg.

Ob der folgende gesiegelte Paketbegleitbrief ( rot 803 Paketaufkleber ) aus Magdeburg mit rotem Francofreistempel ( F. Magdeburg N 2 mit Datum 19.8.1870) und Röteltaxe 3 An den Reichsgrafen von der Schulenburg auf Wolfsburg  bei Vorsfelde  die besagten Akten zu Beginn der Streitigkeiten  begleitete,  kann natürlich nicht mehr geklärt werden. Aber jahre- bis jahrzehntelange  Gerichtsstreitigkeiten können bei Danneil häufig eruiert werden und vererbten sich teils sogar auf nachfolgende  Generationen. VELPKE Durchgangsstempel. Vorsfelde Ankunftsstempel 21. Aug. 1870 und Rechteckstempel mit Auslieferung vom 22 / 8.

Das kaiserliche Postamt in Braunschweig notierte dann am 1.6.1887 folgende  HALTESTATIONEN  für die Post  nach  Vorsfelde:

Braunschweig – Hauptpost, Gliesmarode (heute nordöstlicher Stadtteil von Braunschweig), Flechtorf, Mörse, Fallersleben wurde nun einbezogen, Heßlingen, Wolfsburg, Vorsfelde. Die Posthilfsstelle Wolfsburg wurde  in der Gaststätte „Zum Wolf“ eingerichtet.

Der Gasthof zum Wolf an der Dorfstrasse in Wolfsburg  war zudem mittig die Grenze zwischen  dem königlich – preußischem und dem herzoglich – braunschweigschem Territorium und ein Schlagbaum   markierte ferner die Zollstation.
Die Posthilfsstelle erhielt als ersten Stempel  in dem Jahr 1887 einen Einkreisstempel und der Wirt Lerbs wurde erster Posthalter bis zum Jahr 1895.
Nachfolgend eine frühe Dokumentation zur Poststelle Wolfsburg in Form einer Briefhülle. Da der Brief aus Magdeburg am 31.12.1890 an den Herrn Reichsgrafen von der Schulenburg Hochgeboren auf Wolfsburg bei Vorsfelde gerichtet war und ihm am 2.1.1891 ausgehändigt wurde, wäre die Vermutung eines Neujahrgrußes zumindest nicht abwegig.
 
Nach dem Wirt und Poststellenhalter Lerbs in Wolfsburg folgte  Emil Clasing in beiden Funktionen langjährig bis zum Jahr 1938 im Gasthof  Zum Wolf   

Ansichtskarte Schloss Wolfsburg  aus der Büttenpapierfabrik NEUMÜHLE im Kreis Salzwedel geschrieben im Juli 1901 von Marie und  Emil Clasing nach Fallersleben.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
21. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg
26.07.2019

Der folgende  Gruß aus WOLFSBURG  dokumentiert rückseitig mit dem Einkreispoststempel WOLFSBURG und Datum vom 23. 8.1897 auf recht früher Lithographie  die seit 1887 eingerichtete Postagentur im Gasthof  Zum Wolf - linksseitig zwischen den Bäumen.                              

                                     
Der oben abgebildete  LETZTE WOLF  im Raum Ehra-Lessin wurde übrigens im Jahr 1823 auf der Höhe 125 vom Revierförster Schrader erlegt und war als  Sehenswürdigkeit  auf einem Sockel unter einer Akazie im Schlosspark Wolfsburg zu bewundern. Bei dem Wegzug im Jahr 1942 nach Neumühle (Krs. Salzwedel) nahm der Graf von der Schulenburg die Trophäe mit, wo sie unter der russischen Besetzung verloren ging.

Folgend noch einmal ein Blick in die Dorfstraße von Alt – Wolfsburg in Richtung Marienkirche und rechtsseitig gelegen der Gasthof  Zum Wolf  

                 und einmal ein Blick auf Alt – Wolfsburg mit Teilansichten auf Schloss, Kirche, Dorfstrasse und  Rittergut

Werner (Karl Hermann) Graf von der Schulenburg gab in der Poststelle Wolfsburg im Jahr 1895 einen eiligen Brief aus Wolfsburg an seinen Papiermühlendirektor  Jaiger  (?) in Neumühle auf den Weg. Die Bahnstation war Beetzendorf und  die Postzustellung lief über Rohrberg


                                                                          rückseitiger Ankunftsstempel Rohrberg

Unter Menüpunkt Philatelistische  Kurzprofile erfolgte eine ausführliche Vorstellung  zum Verlag der Büttenpapierfabrik Neumühle, Kreis Salzwedel, Graf v.d. Schulenburg mit Postkarten und vorderseitigen Ansichten  zu Schloss Wolfsburg und Rothehof.

Im laufenden Menüpunkt Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg habe ich unter chronologischen Gesichtspunkten  dieses Kurzprofil zu Schulenburg und Neumühle noch einmal im Untermenüpunkt zur chronologischen Information eingereiht – damit nicht eine völlige Überfüllung zur Postgeschichte Schulenburg  die Folge ist.

Interessant nun ein früher Postkartenbeleg  vom 9. April 1897 aus Bisdorf an den Verwalter  der schulenburgischen  Schillermühle  Herrn Förster bei Vorsfelde.

Poststelle für Bisdorf war das benachbarte Neindorf  und oben mit Poststempel 9.4.1897 und Eingangsstempel nicht Vorsfelde sondern Einkreisstempel Wolfsburg für den eigenen Zustellbereich.  Als Entwertungstempel war die in Wolfsburg aufgelieferte Post nur für Empfänger im Ort, nach Rothenfelde – Hesslingen – Sandkamp und Fallersleben im Einsatz.
Der Gutshof Bisdorf kam schon aus den Zeiten der von Bartensleben in den Familienbesitz  der von Schulenburg  und der Schreiber der Postkarte kündigt seinen Sohn  zur Vorstellung dem Mühlenverwalter  in Wolfsburg am kommenden Sonntag an.

Der erste Poststempel WOLFSBURG war anfänglich wohl nur als Eingangsstempel für den eigenen Zustellbereich der zugeleiteten Post aus Vorsfelde  im Einsatz. Als  Entwertungs- und Abgangsstempel galt daher die lokale Beschränkung  auf Wolfsburg, Rothenfelde, Hesslingen, Sandkamp und Fallersleben.

Ferner zur Schillermühle an dieser Stelle noch einmal die Empfangsbestätigung für eine Postanweisung an die Gräfliche Mühlenverwaltung in Schillermühle b/ Wolfsburg aus dem Jahr 1906 mit Poststempel Gliesmarode ( heute östlicher Stadtteil von Braunschweig) und Quittierung. Herr Förster war zu dieser Zeit Mühlenverwalter, wie schon mehrfach erwähnt.


Die durchaus schon damals breit gefächerte Aufstellung der Grafen von der Schulenburg aus Wolfsburg über das land- und forstwirtschaftliche  Engagement hinaus betraf auch industrielle Wirtschaftsunternehmen und dazu war oben die Papiermühle in Neumühle im Kurzprofil ausführlich vorgestellt worden und ebenso die Schillermühle, die auch zum florierenden Sägewerk erweitert wurde.

Es gab auch eine gräfliche Beteiligung an der Zuckerfabrik in Fallersleben auch unter dem Vorsitz seines Nachbarn und Rittergutsbesitzer Hermann von der Wense aus Mörse. Dazu folgend ein Lithographieausschnitt aus dem Jahr 1901 der Zuckerfabrik Fallersleben.  Näheres dazu findet sich  in einem Artikel von Manfred Grieger Die Süße der Industriegesellschaft: Die Fallerslebener Zuckerfrabrik 1879 bis 1995.

Aber auch im Gelände  der Gemarkung Rothenfelde gab es eine Episode der industriellen Aktivität in der sonst  landwirtschaftlich geprägten  Region. Einen „leeren Raum“ mit großen Feldern und einer zentralen Eisenbahnlinie zeigt schon die folgende Aufnahme ca. aus dem Jahr 1915/20.  Die Telegraphenmasten entlang der Eisenbahnlinie BERLIN - RUHRGEBIET sind erkennbar und im Hintergrund links schimmert die WOLFSBURG zwischen den Bäumen hervor. Die Eisenbahnstrecke wurde übrigens im Jahr 1872 eröffnet. Im Jahr 1928 wurde übrigens der Bahnhof Rothenfelde – Wolfsburg eingeweiht und war bis zum Neubauersatz im Jahr 1956 in Betrieb und wurde dann abgerissen.
                           
Gleich zu Begin des 20. Jahrhunderts wurden Probebohrungen nach Kalisalz durchgeführt und im Jahr 1911 wurde ein Abbauvertrag von Werner Karl Hermann Graf von der Schulenburg mit der Wintershall AG abgeschlossen.
                                       
Im Jahr 1911 wurde sofort mit dem Bau der Schachtanlage Gewerkschaft Rothenfelde begonnen, 1913 schon gefördert und zu dem obigen frühen Ansichtskartenausschnitt hier noch die Rückseite  mit Poststempel im Jahr 1915 Vorsfelde in einer Teilansicht.

Ein Eisenbahnanschluss wurde zur Strecke Fallersleben – Vorsfelde angelegt und die Produktion mit 300 Mitarbeitern der Marke Rothenfelder Edelsalz  wurde wegen Unwirtschaftlichkeit allerdings schon 1926 wieder beendet und die Zechengebäude demontiert. Nur eine Straßenbezeichnung  Schachtweg erinnert an diese Periode. Dazu ein Blick in den Schachtweg der Nachkriegszeit von der Holzbrücke für die Fußgänger zum Volkswagenwerk. Rechts die Fahrkartenstelle  mit dem Warteraum, angeschlagen noch der Hinweis auf die Wechselstube und im Hintergrund  der Wolfsburger Hof  mit Pilsstube an der Ecke Fallerslebener Straße. Fußgänger und Zweiräder bestimmen bis auf wenige Autos noch das Bild (Bildkarten-Verlag, H.Fangmeier aus Bad Harzburg).


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
22. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg - Nordsteimke
04.08.2019

Aber zurück von den wirtschaftlichen Ambitionen der von Schulenburg auch zu den kirchlichen Patronatsverpflichtungen. Dazu ein Brief aus dem Jahr 1903 vom KÖNIGLICHEN CONSISTORIUM  DER PROVINZSACHSEN in Magdeburg auf einer Dienstbriefhülle An den Herrn Reichsgrafen von der Schulenburg Hochgeboren auf Wolfsburg p. Vorsfelde.

Im Jahr 1907 erhielt die Posthilfsstelle Wolfsburg im Gasthof Zum Wolf dann einen Zweikreisstempel mit durchgehendem Steg  und Gittersegment oben und unten. Stand in der  oberen Hälfte des Zweikreises WOLFSBURG, so war in der unteren Hälfte die Inschrift (Kr. GARDELEGEN) zwischen Sternchen gesetzt.

Die nachfolgende Postkarte aus Wernigerode  belegt nicht nur noch einmal Herrn FÖRSTER gemäß Anschrift als Mühlenverwalter der gräflichen  Schillermühle b/ Wolfsburg Station Vorsfelde, sondern der Ankunftsstempel in Wolfsburg mit Datum vom 10.9.1907  belegt auch mit diesem Jahr  den  eingeführten 2. Poststempel  für Wolfsburg in seiner Zweikreisform  und der ausgewiesenen Zugehörigkeit zum Kreis Gardelegen.

Der Mühleninspektor feierte  übrigens im Jahr 1929 sein 50jähriges Dienstjubiläum und dazu lud Graf von der Schulenburg zur Feier am 22.Mai  im Gasthof „Zum Wolf“ in Alt-Wolfsburg unter anderem auch   Pastor Boetticher und Frau ein.

                             Die folgende Ansichtskarte aus Wolfsburg wirft einen Blick auf die Südseite des Schlosses.
 
Nachfolgend ein Neujahrsgruß der Familie Clasing  und damit der Wirt des Gasthofs Zum Wolf und gleichzeitig Posthalter der dortigen Agentur mit dieser Südansicht aus Wolfsburg. Der Kartengruß nach Fallersleben dokumentiert den Eintritt in das folgenschwere Jahr 1914 und  damit den   Beginn des 1.Weltkrieges im August des Jahres.
  
Der folgende Belegabschnitt führt schon in die Zeit der Weimarer Republik und dokumentiert eine Nachnahmesendung der Gerichtskasse Oebisfelde – Kaltendorf vom 31. März 1921 an den Herrn Pfarrer von Loewenfeld  in Wolfsburg in einer Kirchenangelegenheit Hehlingen. Nachfolgend die zugehörige Faltbriefhülle. Auch in diesem Fall  der Zweikreisstempel Wolfsburg mit Datum vom 13.April 1921 und zugehöriger Kostenrechnung.


Pfarrer v. Loewenfeld  ist auch bekannt durch seine 2-bändige Kirchen- und Kulturgeschichte zu Wolfsburg „aus einem halben Jahrtausend “.  Die Pfarrstelle in Wolfsburg  -  damals eine von 26 unter dem Patronat des Grafen von der Schulenburg - hatte sicherlich schon durch die direkte Verbundenheit zum Schloss  eine besondere Beziehung und Bedeutung. Zumindest an dieser Stelle die Vorstellung einer weiteren Kirche im Patronat der von Schulenburg mit Heiligendorf

In diesem Zusammenhang sind folgende Einladungen  von Interesse, die am 11. und 21.September 1926 von Pfarrer von Loewenfeld  aus Wolfsburg an seinen Amtsbruder Kurt Boetticher  in Niederndodeleben in der Nähe von Magdeburg gingen.

                
Das Schreiben  ging sozusagen vom Vorgänger zum Nachfolger, denn Boetticher wurde 1926 in die Pfarrstelle nach Wolfsburg berufen. Boetticher „liefert postgeschichtlich nach seinem Umzug nach Wolfsburg noch den einen oder anderen Beleg“ und soll aus Übersichtsgründen noch detaillierter  vorgestellt werden.

Wie schon angeführt hatte Günter Ernst Gebhard Karl Graf von der Schulenburg  (1819  - 1895) die Güter in Wolfsburg  an seinen Sohn Werner Karl Hermann Graf von der Schulenburg (1857 – 1924) übergeben und dieser vermählte sich  mit Frieda Freiin von dem Bussche – Ippenburg  gen. von Kessell (1871 – 1949)


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
23. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg

13.08.2019

Werner Karl Hermann  Graf von der Schulenburg stand vor dem Problem der Besitzerhaltung seiner Besitztümer unter der drohenden Gesetzgebung zur Auflösung der Fideikommisse in der Weimarer Republik.  Es gelang  die Güter in ein Waldgut nach preußischem Recht zu firmieren und so konnte damit der Sohn und Haupterbe Günter Werner Busso Graf von der Schulenburg (1891 – 1985)  den wirtschaftlich stabil geführten Besitz ohne Einschränkung übernehmen. Der Erbe auf Wolfsburg heiratete Ursula Agnes Ella Frieda Adelheid Freiin von Dincklage und sie firmierten gemeinschaftlich im Briefkopf  mit einem verbundenem Siegelwappen und dazu nebenstehend auch die Einzelsiegel Schulenburg und Dincklage auf rot gefärbten Untergrund.

Dazu  das gemeinsame Prägesiegel der Eheleute von der Schulenburg einmal auf einer kulinarischen Spezialität  zu  einem Festessen  in  der  Wolfsburg. Die detaillierte Betrachtung offenbart eine „bescheidene Auswahl in der Speisenfolge“.

Mit dem Datum 10. März 1933 verrät sich dann aber auch der Anlass des Geschehens.  Johann Adolf Graf von Kielmansegg (1906-2006) heiratete an diesem Tag in Wolfsburg Mechtild Freiin von Dincklage und damit die Schwägerin von Günter Werner Busso Graf von der Schulenburg und hat wohl selbst noch die Menüfolge mit Freifrau von Dincklage unterschrieben.

In diesem Zusammenhang ist ein Schreiben vom 3.3.33  des Grafen von der Schulenburg an Boetticher höchst interessant. Er unterrichtet ihn, dass in Anbetracht möglicher kommunistischer Verstöße auch auf dem Lande die Trauung in Wolfsburg stattfindet, um einer Provokation bezüglich der Kommunisten aus Fallersleben oder Helmstedt aus dem Wege zu gehen, auch wenn er Attentate oder Sprengungen für wenig wahrscheinlich erachtet. Er lädt dann Boetticher noch in die Antoniestube (am Südende des „Langen Gebäudes im 1. Stock) auf Schloss Wolfsburg ein zur Besprechung der letzten Trauungseinzelheiten. Von den vier Briefseiten dazu nachfolgend zumindest die 1. Seite.

Auch  Graf Johann Adolf von  Kielmansegg hat eine äußerst  interessante Lebensgeschichte. Er startet seine erfolgreiche Militärlaufbahn noch in einem  Reiterregiment der Reichswehr, im  3. Reich  Karriere bis in den  Generalsstab der Wehrmacht und wurde als verdächtigter Mitwisser des geplanten Attentats  Hitler  dort entlassen. Graf und Gräfin von der Schulenburg - Wolfsburg scheuten nicht die riskante Fahrt nach Berlin, um Fürbitte für Ihre Verwandten bei der Reichsleitung SS und dem Volksgerichtshof   zu halten. Für Graf Friedrich Werner und Graf Fritz - Dietlof vergeblich konnte für Kielmansegg zumindest in den letzten Kriegsmonaten  noch eine "Strafversetzung" erreicht werden. Für Kielmansegg folgte dann die Kriegsgefangenschaft und führte in die schwierigsten Nachkriegsverhältnisse bis hin zu einer kurzfristigen Überbrückungstätigkeit als Kraftfahrer seines Schwagers in Nordsteimke.  Schließlich war er maßgeblich verantwortlich beim Aufbau  der  Bundeswehr  unter Adenauer  und  folgend damit ein eindrucksvoller  Werdegang  bis zum Rang eines Generalleutnants der Bundeswehr und schließlich zum  NATO - Oberbefehlshaber Europa - Mitte.

Schon mehrmals wurde nun im Patronat des Grafen von der Schulenburg – Wolfsburg Pastor Boetticher  angeführt und hier existieren doch einige erwähnenswerte und vorstellbare   Details.

In der Person von Boetticher spiegelt sich meines Erachtens die Problematik seiner Generation wider, die retrospektiv so schwierig zu verstehen ist.  Boetticher meldet sich am 3. Mobilmachungstag im August 1914 und dies im 5. Semester der THEOLOGIE als Kriegsfreiwilliger, erhält nach der Mackensen-Offensive 1915 das E.K. 2, dann in Flandern 1917 das E.K.1, war stolz auf seine ungarische Kriegsmedaille mit Helm und Schwertern und wird Leutnant der Artillerie nach überlebtem linksseitigen Lungendurchschuss. Boetticher schreibt als Schriftleiter die Geschichte seines Bataillons, ist 10 Jahre im STAHLHELM organisiert, durch Wehrübungen wird er Oberleutnant der Reserve und  bezeichnete sich damals selbst als Nationalsozialist.

Schriftleiter Kurt Boetticher firmiert noch auf der Kameradschaftszeitung seines Bataillons mit seiner Tätigkeit als Pastor in Niederdodeleben  bei Magdeburg, einer Industriegemeinde die er selbst als stark „rot“  kennzeichnet und der zugesetzte Absenderstempel führt nun nach Wolfsburg und hier mit Datum 25.1.1927.

In Wolfsburg predigte seit dem Jahr 1910 Julius - Ruprecht Höffer von Loewenfeld, der zum Jahresende 1926 ein neues Wirkungsfeld in der St. Mariengemeinde in Osnabrück  antrat. Er kannte Boetticher (evtl. aus seiner Zeit als Feldprediger),  die Ehepaare hatten Kontakt und vielleicht machte von Loewenfeld  Graf Günther von der Schulenburg  aufmerksam auf Boetticher als seinen möglichen Nachfolger in der St. Marienkirche Alt – Wolfsburg und St. Annen in Hesslingen.

Folgend ein Brief von Loewenfeld im Januar 1926 an seinen Amtsbruder Boetticher in Niederdodeleben  mit besten Grüßen an die Gattin.

Im  folgendem Schriftwechsel schreibt die Gräfin von der Schulenburg geb. Freiin vd. Bussche Kessell  am 19.10.1926 im Auftrag ihres Sohnes Graf Günther an Boetticher und spricht schon über ein Treffen in Wolfsburg. Aus dem Schreiben kann auf einen stattgefundenen Besuch bei Boetticher geschlossen werden, evtl. ein Predigtbesuch in Niederdodeleben. Auf der Rückfahrt hat sie  zumindest froh in Erxleben Rast bei Ihrer jüngsten Tochter Gräfin Gisela (verh. seit 1921 mit  Graf Werner von Alvensleben) und ihren Enkeln gemacht

Schon 8 Tage später vereinbart  Günther Graf von der Schulenburg  eine Gastpredigt in St. Marien Wolfsburg für Boetticher  für den 14. November 1926 mit anschließender christlicher Botschaft für die anwesenden Kinder (Katechese).

                                          oben seine charakteristische Unterschrift für Günther mit GGrafvdSchulenburg

Nachdem der Oberkirchenrat die Neubesetzung der Pfarrstelle in Wolfsburg genehmigt hat, bestellt Graf Günther mit Schreiben vom 29. November 1926 (nicht abgebildet) die Berufungsurkunde.  Aus den vorliegenden Umzugsformalitäten habe ich beispielhaft nur das Anschreiben von Steinhof  (Generaldirektor des Grafen v.d. Schulenburg-Wolfsburg) und  einen Kostenvoranschlag einer Spedition in Magdeburg abgebildet (jeweils nur Ausschnitte).
 
In einem 4seitigen Schreiben legt Boetticher  dem Grafen von der Schulenburg  mit Datum vom 10.12.1926  die Kostenvoranschläge der Speditionsfirmen zur Beurteilung vor und dazu nur  ein kurzes Detail der ersten Seite.
 
Kurz darauf später  kommt seitens des Grafen von Schulenburg  mit Schreiben vom 30. Dezember 1926 ein definitiver Termin zur Einführung Boettichers in sein zukünftiges Amt in Wolfsburg mit 16.1.1927 zur Sprache.



Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
24. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg
27.08.2019

Die Entscheidung war gefallen. Boetticher meldet sich mit seinem Hausstand in Niederdodeleben  mit Datum vom 17. Januar 1927 nach Wolfsburg ab.

Mit Schreiben vom 25./26. Januar 1927 schreibt Boetticher seinen Eltern einen ausführlichen Brief  vom  Dienstantritt in Wolfsburg.

Begeistert schildert Boetticher  seinen Eltern  von der wunderschönen Landschaft  im Schnee des Januars 1927. Die Parkanlagen und Schloss Wolfsburg übertrifft  nach seiner Meinung, das ihm und seinen Eltern bekannte Herrenkrug bei Magdeburg. Er berichtet von der erhebenden Einführung in das Pastorenamt in Wolfsburg  in der überfüllten Marienkirche mit der gräflichen Familie, Superintendent und zahlreichen Gästen. Er erzählt von anschließenden Antrittsbesuchen u.a. bei Gräfin Marie (Schwester von Günter Ernst Gebhard Karl Graf von der Schulenburg), beim Verwaltungsdirektor, Reitmeister und Brauhofleiter.

Boetticher richtete sich in Wolfsburg ein und dazu gehörte natürlich auch der Antrag zum Betrieb einer Empfangsanlage für den Unterhaltungsrundfunk  und nachfolgend die Genehmigung mit Poststempel Vorsfelde vom 6.1.1928

Pastor Boetticher hatte natürlich  als Vertreter seines Amtes sicherlich auch „Vorbild“funktion in den Predigten an seine Gemeinde in der Kirche St. Marien in Alt-Wolfsburg (links als Ausschnitt einer Ansichtskarte ca. aus dem Jahr 1950) und St. Annen in Hesslingen und seine persönliche politische Heimat  wurde bereits mehrfach angedeutet.

 
Seine Ehefrau übernahm die Leitung im örtlichen Roten Kreuz und die Gemeindearbeit wurde gestaltet mit einigen Neuerungen in dieser äußerst schwierigen Zeit. Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit waren auch in der landwirtschaftlich geprägten Region spürbar. Das Kaliwerk hatte geschlossen und bis auf eine Konservenfabrik in Vorsfelde gab es unmittelbar wenige industrielle Arbeitsplätze.

Boetticher ließ weder in seinen Reden von der Kanzel noch in den Texten des Wolfsburger Kirchenblattes  Zweifel  an seiner Sympathie für Deutschland unter Adolf Hitler aufkommen.

                              Ausschnitt der Ganzsachenkarte  Deutsches Reich zur Machtübergabe  am 30. Januar 1933

Nach 9jähriger Amtszeit als Reichspräsident verstarb am 2. August 1934 Paul von Hindenburg und zufälligerweise hatte Adolf Hitler für diesen Tag Feldgottesdienste der Wehrmacht  angeordnet zum Gedenken an den Beginn des 1.Weltkrieges 20 Jahre zuvor. Tief verwurzelt war wohl in ihm die Erinnerung an diesen schmachvollen Krieg und  das Vertragsende und Hitler wurde nun  Staatsoberhaupt und die Reichswehr auf ihn vereidigt.
 
                                                        Adolf Hitler ist Deutschland  //  Das Deutschland Adolf Hitlers


Spätestens die waffenstarrende Ausstellung „Gebt mir vier Jahre Zeit“ im April/Juni 1937 offenbarte dann eigentlich vordergründig den Trend „Rache für Versailles“ während Hitler darüber hinaus seine wahnsinnige und rassistisch geprägte Ideologie einer  angestrebten Weltherrschaft  vor Augen hatte

Allerdings waren für die Bevölkerung auch die wirtschaftlichen Erfolge der NS – Regierung  im Wolfsburger Raum mit Bau des Mittellandlkanals und der Reichsautobahnen  direkt am Rückgang der Arbeitlosen zu messen.

Dazu eine Postkarte der Streckenbauleitung Fallersleben (Mittellandkanal) im Jahr 1935 und ein Einschreibbrief zum Reichsautobahnatlas vom Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen aus Dresden an die Heeresplankammer in Berlin und dem Jahr 1942.

Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die ausführliche Abhandlung  Realisierung und Standort VW  auf der Menüleiste.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
25. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg
09.09.2019

Nun folgte im Jahr 1937/38  zusätzlich  der Plan in der Region Wolfsburg das größte deutsche Automobilwerk zu errichten. Dazu war die GEZUVOR gegründet worden als Gesellschaft zur Vorbereitung des deutschen Volkswagens Ende Mai 1937 und wurde bereits im September 1938 zur Volkswagenwerk GmbH mit Sitz in Berlin umfirmiert. Dazu ein Schreiben  der  Reichsleitung  der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei München nach Berlin – Grunewald, Taubertstrasse 4. Abgestempelt wurde im nicht öffentlich zugänglichen Hauspostamt  im „Braunen Haus“  (siehe Gebäude mit Hakenkreuzflagge) und mit relativ selten zu findendem Maschinenstempel und der Absenderangabe im Stempelkopf linksseitig platziert mit  - Anschrift der Reichsleitung der NSDAP München 33.

Zumindest war Hitlers Vorgabe einer Automobilfabrik in der Mitte des Reiches  und abseits der Ballungsräume  maßgeblich. Die Versorgungsnotwendigkeit für Massengutanlieferung z.B. der Kohlelieferung für ein zu erstellendes Kraftwerk  benötigte möglichst einen nahen Schifffahrtskanal und eine nahe Kanaleinbindung zum Stahlproduzenten  der  neuen HERMANN GÖRING WERKE (Salzgitter) wäre ein weiterer positiver Planungsfaktor. Für den rascheren Lastverkehr war ebenso ein Schienenanschluss zusätzlich sinnvoll und damit erforderlich. Auch die Reichsautobahn sollte möglichst in der Nähe verlaufen für eine ortsnahe Integration u.a. auch für den Abtransport der produzierten Volkswagen. Allein diese Voraussetzungen führten in den Raum zwischen Braunschweig, Stendal und Magdeburg. Das Gelände um Fallersleben schien den oben geschilderten Voraussetzungen für die geplante Riesenfabrik allen Anforderungen zu entsprechen. Erste  Nachforschungen und Sondierungen der GESELLSCHAFT ZUR VORBEREITUNG DES VOLKSWAGENS ergaben im betreffenden Bereich günstigerweise eigentlich nur 2 Großgrundbesitzer, die allein zu 75 % den geschätzten und benötigten Geländebedarf stellen würden. Dies betraf im Raum Wolfsburg den Grafen von der Schulenburg zu 50%  und aus dem Ort Mörse  den Gutshof Baron von der Wense, der ein Viertel des Geländes abzutreten hätte. Die noch betroffenen ca. 20 „Klein“bauern aus Heßlingen, Sandkamp und Mörse im Besitz der gewünschten restlichen 25 Prozent des Geländes für das VW – Werk und die zugehörige Stadt kannten wohl die rigorose Vorgehensweise und Möglichkeiten unter der Regie der Reichsumsiedlungs-gesellschaft und akzeptierten den Verkauf entsprechend den zustimmenden „Vorbildern“ von der Wense und von der Schulenburg zu. Die  politische Tendenz der angeführten lokalen Bauernschaft war durchaus pro nationalsozialistisch aber in diesem Fall dann doch zwiespältig in Anbetracht der persönlichen Betroffenheit und Verlust ihrer Ländereien. Die Arroganz der NS – Gesellschaft  war offensichtlich, denn bei der späteren pompös inszenierten Grundsteinlegung wurden die „Grundstücksspender“  nicht einmal erwähnt.

Hans KERRL  - Leiter seit 1935 der Reichsstelle  für Raumordnung -  und damit letztlich zuständig für die Standortentscheidung hatte in dieser Frage sicherlich keinen leichten Stand bezüglich   persönlichen  bzw. öffentlichen Auftretens in dieser Entscheidungsangelegenheit. Als gebürtiger Fallerslebener - unterrichtet vom nicht begeisterten Schulkameraden Güntzel Graf von der Schulenburg ob der Werksplanung auf seinem Gelände – hatte er auch im eigenen Amt widersprüchliche Gutachten vorliegen, die die hochpolitische Entscheidung nicht erleichterten. Mittlerweile waren unter Speer und seinem Zögling Koller schon Stadtplanungen für die geplante „AUTOSTADT“ bis zu Hitler vorgedrungen und auf der entscheidenden Sitzung schon im Januar 1938 argumentierte Robert Ley unterschwellig mit einer unbelegten Hitlerentscheidung  für den Standort Fallersleben  und wischte sämtliche Einwände  - u.a. seitens Reichsnährstandes, der Landesforstbehörde Hannover,  Bedenken Paul Pleigers von den benachbarten Hermann-Göring-Werken bezüglich des Arbeitskräftemangels in der Region  - teils polemisch vom Tisch. Die Nationalsozialisten hatten eben größtes Interesse am Bau des VW – Werkes, entschädigten  für das Gebiet in Wolfsburg und ermöglichten für den Grafen von der Schulenburg einen  Schlossneubau  ab 1938, der trotz der Kriegszeit bis 1942 in 4jähriger Bauzeit durchgezogen werden konnte und in diesem Zusammenhang verweise ich auf weitere Erläuterungen  unter anderem im Untermenüpunkt Kurzprofile Neumühle – Graf v.d. Schulenburg. Durch den erzwungenen Verkauf von ca. 2000ha Wolfsburger Gelände konnte v.d. Schulenburg einmal den Schossneubau in Tangeln – Neumühle  und zum anderen noch einen Gutshof in Golzow (Oderbruch)  und ebenso in Remplin (Mecklenburg – Vorpommern) finanzieren. Schon im April 1945 erfolgte in Neumühle die Besetzung durch amerikanische Truppen, die alsbald durch britische Einheiten ersetzt wurden, bevor  im Juni 1945 die endgültig alliierten Grenzziehungen Deutschlands vollzogen wurden und die gräfliche Familie vor der sowjetischen Übernahme  35 km zurück auf den Herrensitz nach Nordsteimke zogen auf den hier noch erhaltenen Restbesitz in der Region Wolfsburg. Der Familienbesitz Nordsteimke war seit 1848 zwischenzeitlich durch Erbfolge und Hochzeit in der 1930er Jahren in den Besitz von Baron Digeon von Monteton gekommen, der dieses Gut nicht betreiben wollte. Der Rückkauf des Rittergutes durch Graf Günther von der Schulenburg  im Jahre 1938 sollte sich also 7 Jahre später also als sehr weitsichtig  erweisen.

Die folgende Karte der NVA (Nationale – Volks – Armee der DDR) aus dem Jahr 1984 belegt allerdings die Nähe zur Bundesrepublik mit Entfernungsangabe 5 Km bis zur  Staatsgrenze.                

Aber durch die  Entscheidung für das war nicht nur v.d. Schulenburg betroffen, sondern wie oben erwähnt auch das Rittergut in Mörse in der Nachbarschaft zu Wolfsburg und auch dazu eine kurze Vorstellung. Folgend das Gutshaus von der Wense in Mörse  aus dem Jahr 1917 als Ausschnitt einer Ansichtskarte mit Unterschrift von der Wense.
                         
Die nachfolgende Aufnahme zeigt das Gutshaus v.d. Wense in Mörse in einer späteren Ansicht und stammt aus der Schrift  Ackerbau damals v. Karl-Wilhelm Freiherr von Wintzigerode – K. (Herausgeber Stadt Wolfsburg). Der Gutshof wurde übrigens im Sommer 1960 abgerissen.

                             
Während v.d. Schulenburg auf eigenem Gelände in Tangeln ein neues Schloß als Familiensitz errichten konnte, kaufte der Baron Gebhard von der Wense - Mörse mit der Entschädigung ein beschlagnahmtes Schloss mit zugehörigem Gut aus dem Eigentum von Adam Stadnicky in Frain im Protektorat Böhmen und Mähren. Entsprechend dem Verlauf des 2. Weltkrieges war  für beide adligen Häuser der Verlust ihrer neuen  Besitzungen  nach kürzester Zeit vorprogrammiert. Das Schloss Wolfsburg behielt übrigens der Graf noch bis zum Umzug nach Neumühle als Eigentum und verkaufte dann aber März 1943  an die Stadt des Kdf – Wagens (nicht an das Volkswagenwerk) umfirmiert ab 1945 zur Stadt Wolfsburg, die in der Nachkriegszeit nur kurzfristig Besitzer blieb bis zum Jahr 1947. Zu diesem Zeitpunkt übernahm das Land Niedersachsen Schloss Wolfsburg, da die zugehörige Stadt mit Flüchtlingsproblemen der Nachkriegszeit und fortlaufender Wohnungsnot  andere Sorgen hatte als Besitztumsfreude an einer schon renovierungsbedürftigen Schlossanlage. Der letztgenannte Bauzustand verbesserte sich nicht überzeugend, aber die Stadt Wolfsburg als Standort des mittlerweile florierenden Volkswagenwerkes sah sich finanziell im Jahr 1961  in der Lage  Schloss Wolfsburg wieder in eigene Regie zu übernehmen und zum Kulturzentrum auszubauen.

Ansichtskarten zum Schloss Wolfsburg gibt es „ohne Ende“, aber mit dem kurzfristig möglichen Zudruck Stadt des Kdf – Wagens sind es eindeutig Exoten und schwierig zu finden!

Zur Lageorientierung noch einmal die Topographie auch mit Rothehof und seinem Forstgebiet, Schillerteich mit Mühle, Rothenfelde und Heßlingen, Fallersleben, Alt-Wolfsburg und noch südöstlich Nordsteimke. Rot gezeichnet sind die Grenzen der geplanten Stadt des KdF – Wagens  einschließlich des Volkswagenwerkes. Meine Zeichnung dazu erhebt nicht den Anspruch auf eine absolut exakte und maßstabsgetreue Übertragung

Die Geschichte des vorgezeigten örtlichen Strukturwandels kann und soll noch am Beispiel der Briefköpfe des Grafen von der Schulenburg zur Ergänzung vorgestellt werden. Die Briefköpfe verraten aus den Jahren 1926 bis zum Jahr 1943 demonstrativ die schwerwiegenden Veränderungen für den Grafen von der Schulenburg mit der Gebietsreform und Umzug nach Neumühle, aber auch die Änderungen der Gebietszugehörigkeit vom Kreis Gardelegen zum Kreis Gifhorn und ferner dann die neu gegründete  Stadt des KdF – Wagens. Aber auch Poststation, Bahnstation und Fernruf unterlagen den kurzfristigen aber bestimmenden Veränderungen. Schließlich dann der Absendergummistempel mit Graf Schulenburg – Wolfsburg, Neumühle Post Tangeln über Beetzendorf Kreis Salzwedel nach Umzug in den Schlossneubau
  

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
26. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg
17.09.2019

Die oben beschriebenen Verhältnisse betrafen natürlich auch die Pastorenfamilie Boetticher. Im Rahmen des Umzugs des Grafen von der Schulenburg nach Neumühle, sieht Boetticher  sein Pastorenamt  in Wolfsburg als obsolet an und er bewirbt sich mit Schreiben im Jahr 1938 an das Landeskirchenamt in Hannover um eine Pfarrstelle der Frankenberger Kirchengemeinde in Goslar. Aber bevor hier wohl eine Entscheidung fällt, kommt der 2. Weltkrieg  schicksalhaft  auch für Boetticher  zum Tragen. Schon mit Feldpostkarte vom 4.9.1939 teilt Oberleutnant Kurt Boetticher  seiner Frau Lilli in der Stadt des KdF – Wagens seine Feldpostnummer für den zukünftigen Schriftverkehr mit. Schon an dieser Stelle der Hinweis, dass ihn der 2. Weltkrieg über den Balkan und Griechenland auch bis nach Paris führte und er die Kriegszeit überlebte und als Major beendete.

Dazu ein Sonderausweis für den Hauptmann Boetticher zur Fahrt nach Paris zum Oberbefehlshaber Frankreich und 1944 eine Postkarte an den Major Boetticher  und für die  gegenwärtige Generation ein seltsamer Zudruck mit: Faßt Kohlenklau! Er klaut Gas und stiehlt das Licht, raubt Strom und Kohle Duldet`s nicht!

Aber auch der Sohn Eckhardt der Pastoreneheleute Lilli und Kurt Boetticher war wehrpflichtig im Kriegsjahr 1944 und geriet  am 17. Juli 44 als Leutnant  im Artillerie Regiment  362  (9. Batterie) in der Toskana in der Nähe von Villa (benachbart Palaia in der Provinz Pisa) in amerikanische Gefangenschaft. Ende Juli 44 wurde Frau Boetticher durch Oberst u. Regts.Kdr. über die vermutete Gefangenschaft des Sohnes informiert, die daraufhin unverzüglich  mittels Telegramm aus der Stadt des KdF – Wagens  ihren Mann benachrichtigte


Major Boetticher  informierte sich über Kriegskameraden seines Sohnes über den Sachverhalt am  17. Juli 1944 und mit Schreiben vom 23. Oktober 1944 kam das ersehnte Lebenszeichen aus dem Gefangenenlager Concordia für Offiziere aus New York (wohl nicht NYC mit C für City sondern im Bundesstaat New York NY) in die Stadt des KdF – Wagens.


Im teils zensierten Schreiben an die Eltern berichtet der Sohn wohl von seiner Kriegsgefangenschaft ohne Not bezüglich Unterkunft und Ernährung und erbittet um Zusendung medizinischer Bücher, um sein angestrebtes Studium hier in den USA  fortsetzen zu können. Erstaunlich der Hinweis auf 4wöchentliches Zusammentreffen ehemaliger „Napolaner“   aus der NS – Kaderschule ( Napola – nationalpolitische Lehranstalt)!

Im Antwortschreiben freut sich die Familie über  das Lebenszeichen aus den USA, Vater Boetticher  berichtet seinem Sohn von seinen schweren Rückzugskämpfen in Frankreich,  seiner Ruhrerkrankung und nachfolgendem Gelenkrheuma mit 11wöchiger Erkrankung.

Es folgt noch eine Karte  des Sohnes Eckhardt aus der Kriegsgefangenschaft  noch einmal an die Mutter in der Stadt des KdF – Wagens mit Datum vom 13 Januar 1945


                                     Eine erste Karte  mit Datum vom 3.Oktober 1944 war das erste Lebenszeichen


und es ist wohl noch ein letzter Brief aus den USA zu dokumentieren mit Datum vom 17. April 1945. Eventuell vorausahnend den Kriegereignissen hat Eckhard Boetticher schon neben der Stadt des KdF – Wagens bei Fallersleben auch wiederholt schon Wolfsburg im Adressfeld zusätzlich   angegeben.

Ein Ankunftsdatum ist nicht zu erkennen.  Da in den Morgenstunden des 11. Aprils 1945 die amerikanischen Truppenspitzen das Volkswagenwerk erreicht hatten und die Postorganisation zusammen gebrochen war, wird eine Zustellung sicherlich erst mit einer Verzögerung im Monatsbereich erfolgt sein.  Das Postamt 1 neben der Cianetti-Halle war übrigens ebenso wie die Halle zerstört.  Dazu die Lage des Postamtes 1  auf dem Stadtplan aus dem Jahr 1943 unmittelbar neben der Cianetti – Halle.

Im Postamt 2 Steimkerberg wurde – obwohl unzerstört - erst  ab 15. Juni 1945 ein provisorischer Postbetrieb wieder eingerichtet.  Ehemalige polnische Zwangsarbeiter brachten vorübergehend die Post  mit einem Holzgas - LKW  nach Hannover und zurück! Am 1. September 1945 konnte  dann  übrigens das Postamt 1 wieder in Betrieb gehen.

Während der Sohn trotz Gefangenschaft an einer Fortsetzung  seines Studiums interessiert ist und diesbezügliche Möglichkeiten sieht,  hatte sicherlich seine Mutter als Leiterin im Roten Kreuz Einblick in die unsägliche Situation der von ihren zwangsarbeitenden Müttern getrennten Neugeborenen und Säuglinge und ihrer Isolation mit Todesfolge im RAD – Lager Rühen des Volkswagenwerkes 1944/45.

                                                                             RAD – Lager Rühen, Braunschweig

Auf der oben linksseitig abgebildeten Ansichtskarte teilt der Sohn seinen Eltern seine Ankunft  und seine Adresse mit  in der Abteilung 4/183 (später RAD.-Abt.3/344)  des Reichsarbeitsdienstes in Rühen mit. Poststempel Rühen  Vorsfelde 5.3.1936


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
27. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg
26.09.2019

Aber zurück zur Situation für  den Grafen von der Schulenburg und seine Familie im neuen Schloss in Neumühle / Tangeln in den Jahren 1942 bis 1945. Architekt des Schlossneubaus wurde Paul Bonatz,  berühmt durch zahlreiche Bauten und sein Werk STUTTGARTER BAHNHOF (Fertigstellung 1928)  hat aktuell eine besondere Note in der Presselandschaft erreicht. Der Schlossbau in Tangeln stellte sicherlich eine besondere Herausforderung dar, war aber wohl für Bonatz - zugehörig dem architektonischem Traditionalismus - sicherlich eine interessante und wünschenswertere Arbeit als Bauten im Gigantismusstil der NS – Zeit. Als Architekt  der Villa PORSCHE in Stuttgart (1923), wo später die ersten Prototypen des Volkswagens im angebauten Garagenteil „zusammen geschraubt“ wurden,  offenbart sich interessanterweise eine Wolfsburger thematische Beziehung. Evtl. hatte Porsche dem Grafen von der Schulenburg im beiläufigen Gespräch seinen Stuttgarter Architekten auch empfohlen. Der Umzug erfolgte im November 1942  und war vom Umfang her gesehen  zu diesem Kriegszeitpunkt ebenso wie der Schlossbau eine logistisch erstaunliche Leistung.

                                              Schloss Schulenburg Tangeln bei Neumühle DDR Ansichtskarte 1953

Die Schwester des Schlossverwalters Gaal fand übrigens  diesen imposanten Bau für ihren Geschmack als etwas befremdlich, freute sich aber über das neue Wohnhaus ihres Bruders  am Standort Neumühle. Schlossverwalter Gaal wurde nach der sowjetischen Besetzung im Jahr 1945 in das KZ – Buchenwald deportiert und verstarb dort.

„Großartig“ aber fand Gräfin Marie von der Schulenburg nach dem Umzug von Schloss Wolfsburg den neuen Schlossbau ihres Neffen Günther Graf von der Schulenburg -Wolfsburg  in Neumühle und dies im fortgeschrittenen Alter von  84 Jahren. Sie freute sich über die neue „geordnete“ Großzügigkeit, ungewohnte aber sicherlich willkommene Personenaufzüge, die vielen Bäder und Sanitärbereiche und die angenehme Wärme in den Treppenhäusern und teilte  dies Pastor Boetticher mit eigenhändigem Schreiben in klassischer Kurrentschrift vom 3.4. 1943 mit.

Die rüstige Gräfin war auf Haus Oefte in Essen – Kettwig im Jahr 1858 geboren worden und dieser Familienzweig offenbart wieder einmal die  Verknüpfung der adligen Häuser.  Wie schon zuvor erwähnt, vermählte sich Friedrich Gebhard Werner von der Schulenburg  - Wolfsburg (1792 bis 1861) im September 1818 mit Charlotte Ernestine Louise Freiin von Vincke (1797 – 1888). Sie war durch familiäre Todesfälle als Enkeltochter von  Ernst Friedrich August  von  Vincke auf Ostenwalde  Erbin auf Haus Oefte geworden.

Aus dieser Ehe erhielt der älteste Sohn Graf Günther Wolfsburg, sein Bruder Graf Gebhard Nordsteimke und  der jüngste Sohn Graf Ernst Wilhelm August von der Schulenburg (1832–1878) das Erbe auf Schloss Oefte. Graf Ernst und Graf Gebhard  erhielten auch Klosterrroda und dies wurde bereits einmal vorgestellt. Aus der Ehe von Graf Ernst mit Melanie von Helldorf stammt nun  die oben angeführte Gräfin Marie von der Schulenburg, die ihrerseits Adolf von Bülow ehelichte. Dies war die zweite Ehe von Adolf von Bülow, seine erste Frau  überlebte nicht die Geburt des zweiten Kindes.  Adolf von Bülow selbst verstarb ebenfalls recht früh im Alter von 47 Jahren im Jahr 1897. Anscheinend verzog es danach Marie von der Schulenburg mit ihren beiden Töchtern zurück in die Familie nach Wolfsburg. Hier fügt sich dann die bereits im Kurzprofil  NEUMÜHLE -Graf v. d. Schulenburg  vorgestellte Büttenansichtskarte  ein, die im Jahr 1901 an Mary von Bülow gerichtet war, die zu diesem Zeitpunkt auf Schloss Militsch weilt. Zudem auf dem  Kartengruß noch die Unterschrift GRAF SCHULENBURG auf der Anschriftenseite.

Schloss Militsch in Schlesien  in den Jahren 1591 bis 1945 war über Jahrhunderte lang im Besitz der Grafen MALTZAN  und dazu folgende Ansichtskarte aus dem Verlag Geyer, Breslau. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Schwester von Marie von der Schulenburg nämlich Elisabeth Berta Melanie Gräfin von der Schulenburg  ihrerseits mit dem  Reichsgrafen von  Maltzan verheiratet war und somit lag ein Besuch innerhalb der Verwandtschaft vor. 

Noch ein Hinweis zum „adligen  Reigen“  mit  Günzel Graf von der Schulenburg – Wolfsburg und  somit dem Großneffen von Marie von der Schulenburg – Oefte, der seinerseits im Jahr 1964  Alixandrine geb. Gräfin von Maltzan Freifrau zu Wartenberg und Penzlin im Jahr 1964 heiratete.

                                       zurück zum Haus Oefte an der Ruhr in Kettwig heute zugehörig zur Stadt Essen

Die Lithografie des Herrenhauses Oefte stammt ebenso aus der berühmten Sammlung von Alexander Duncker mit dem Titel  Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den Königlichen Familien-, Haus-Fideicommiss- und Schatull-Gütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text von 1857 bis 1883.

Aus der Ehe von Graf Ernst mit Melanie von Helldorf erbte nun der Sohn Günther Graf von der Schulenburg im Jahr 1878 Oefte  und lies das Herrenhaus im neugotischen Stil erheblich umbauen. Diese Ansicht vermittelt die folgende Ansichtskarte  aus dem Verlag F. Flothmann, Kettwig mit Poststempel vom 28.5.1906.
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Der Kunstverlag P. Reintges aus Essen produzierte noch eine farbige Ansichtskarte mit Blick über das Ruhrtal  in Höhe des Herrenhauses Schloss Oefte und diese Karte hat den  Poststempel ebenfalls mit  Kettwig  und  Datum vom 21.5. 1928

Auch an dieser Stelle  der schon einmal vorne vorgestellte Brief  aus familiärer Korrespondenz von Braunschweig nach Oefte.

Der Brief aus Braunschweig datiert vom 24. Juli 1860 und geht von Braunschweig  an die Gräfin von der Schulenburg auf Haus Oefte bei Kettwig an der Ruhr. Das Haus Oefte der Grafen von der Schulenburg war das Erbe des jüngeren Bruders von Graf Gebhard Hans Alexander von der Schulenburg und zwar  Graf Ernst Wilhelm August von der Schulenburg und somit ein Schwager der Schreiberin dieses Briefes mit Gräfin Margaretha von der Schulenburg  geb. Gabelentz.

                                                                    folgend die Rückseite des obigen Briefes

                                                        und diese Rückseite  verrät nun den Absender des Briefes

                                  in der Mitte der folgenden Kombination das aufgehellte Siegel  des obigen Briefes
 
Das hervorragend erhaltene Siegel dokumentiert kombiniert die Adelshäuser von der Schulenburg und von der Gabelentz. Damit wird Amalie Albertine Margaretha  Walpugis von der Gabelentz  und nun jung verheiratete Gräfin von der Schulenburg eindeutig als Briefschreiberin dokumentiert, denn nur  für sie war die Kombination dieser Adelshäuser 1860 im Siegel möglich  und erlaubt und evtl. ein Hochzeitsgeschenk.

Gräfin Margaretha von der Schulenburg schrieb aus Braunschweig den Brief am 24. Juli. Sie war also dort allein oder vermutlich mit Ehemann nach der Hochzeit eingetroffen und die Eheleute zogen das städtische Braunschweig dem dörflichen Wohnsitz Nordsteimke vermutlich zunächst vor. Diese Absicht kannte wohl die Mutter in Poschwitz und hat daher den wichtigen Brief aus Altendorf gleich an den Hausverwalter in Braunschweig gesendet, da die Ankunft der Tochter dort zum Briefempfang terminlich nicht exakt sicher war. Damit ist die Briefanschrift vom 22. Juni erklärbar.

Aber die Tochter  hatte Braunschweig schließlich  erreicht und hatte nun schon kurzfristig vermutlich zwingende Post zu erledigen. Wahrscheinlich waren es die erforderlichen Dankesschreiben an Familienmitglieder zur abgelaufenen Hochzeit in Poschwitz. Denn dieser  Brief geht  vom 24.7.1860 nun an die Gräfin von der Schulenburg auf Haus Oefte. In der Anschrift wiederholt sich aber der Hinweis  geb. Gräfin v. d. Schulenburg.  Damit war sicher gestellt, dass der Brief nicht an die Hausherrin Gräfin Melanie von der Schulenburg geb. von Helldorf  auf Haus Oefte übergeben wurde, sondern evtl. an eine Ihrer drei Schwägerinnen, die  sich dort vielleicht bei ihrem Bruder und der Familie aufhielten. Leider hat  Margaretha nicht den Vornamen  geschrieben  und so bleibt trotz deutlich verbesserter Kenntnis nun wieder  eine Frage offen: welche der zahlreichen Gräfinnen geborene von der Schulenburg weilte zu diesem Zeitpunkt  auf Haus Oefte bei Kettwig an der Ruhr?

Die Briefe zu Schulenburg – Gabelentz sind ein klassisches Beispiel für  die SocialPhilately,  aber der Brief hat auch seinen ganz puristischen philatelistischen Reiz:

Verwendet wurde ein Ganzsachenumschlag der Herzoglich Braunschweigischen Landespost mit 3 Silbergroschen Postcouvert in mattrosa  im Format 147 : 84.  Der Poststempel Braunschweig  mit Außen- und Innenkreis stammt aus der Zeit 1858 bis 1867, da hier 2 Sterne im Zwischenkreis mit BRAUNSCHWEIG (grotesk) vorliegen und unten Halbstundenzeit oder nachts. Blaue oder schwarze Stempelfarbe. Innenkreis mit Tag, Monat und Jahreszahl. Der Ausgabestempel datiert bereits  vom 25.7. 1860 und damit 1 Tag nach der Auflieferung.

Philatelie bietet und liefert  auch nach 160 Jahren Entdeckungsfreude und – möglichkeiten.

Der Hinweis auf eine mögliche weitere Recherche zu obigem Grafen Günther von der Schulenburg auf Haus Oefte  ist durchaus empfehlenswert  und an dieser Stelle gestattet.  Er war eine schillernde Figur und zum Zeitpunkt der Wende vom 19. zum  20. Jahrhundert  bekennend homosexuell, was ihm viel Ärger einbrachte und worüber in gegenwärtiger  Zeit allenfalls in den  Gazetten nebenbei berichtet würde. Der Versuch einer Ehe scheiterte übrigens unter  interessanten und durchaus folgenschweren Umständen. Wie schon erwähnt, ist das Geschlecht derer von Schulenburg  über Jahrhunderte hinweg angefüllt mit schillernden Episoden und Persönlichkeiten und „übertrifft sicherlich  an Unterhaltungswert das aktuelle englische Königshaus“.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass dann der Sohn Günther Maria Ludger von der Schulenburg (1889 – 1971) aus dem gescheiterten Eheversuch  sein Erbe im Jahr 1939 „zügig“ veräußerte und über einige weitere Besitzer residiert aktuell hier als Inhaber der Essener Golfclub Haus Oefte e.V.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
28. Fortsetzung und Schwerpunkt  Schulenburg – Wolfsburg
10.10.2019

Zurück nach Schloss Neumühle dem neuen Wohnsitz der Familie von der Schulenburg – Wolfsburg.  Graf Günther von der Schulenburg informierte brieflich Pastor Boetticher im März 1943 von den nervlichen Strapazen der schwierigen Umzugstage. In den letzten Monaten des Jahres 1942 war unbedingt  aus Gründen des absehbaren kriegsbedingten Benzinmangels der Transport zu meistern, selbst wenn die Strecke nur 35km betrug. Die Kriegssituation wird im 4. Jahr bedrückend wahrgenommen und eine Fahrt nach Berlin  am 1.3.1943 vermittelte dem Grafen beim Großangriff der Flieger auf Berlin hautnah die entsetzliche Problematik  für die deutschen Städte. Er nimmt noch kurz Bezug auf den Pastorenersatz  für Boetticher und die Probleme in der Pfarrgemeinde Wolfsburg – Hesslingen  nun Stadt des KdF – Wagens.

Aber auch Schlossverwalter Gaal selbst unterrichtete Pastor Boetticher in zwei mir vorliegenden Briefbelegen vom 10. März 1943 und 4. Mai 1944 über die neue Situation  Wolfsburg – Neumühle. Handwerker für den weiteren Schlossausbau waren im März 1943 nur noch schwierig zu bekommen, die Akten im Rentamt noch wenig geordnet und im vermutlich neuen Besitz in Remplin (Mecklenburg – Vorpommern) waren Pachtangelegenheiten  zusätzlich zu bewältigen.
Dazu einmal eine Quittung vom gräflichen Rentamt in Wolfsburg mit Datum vom 12.2.1942

                                                               Schreiben Schlossverwalter Gaal vom 10. März 1943

Auch im zweiten vorliegenden Brief im Mai des Jahre 1944 des Schlossverwalters Gaal wird die Kriegssituation sorgenvoll betrachtet, Rechnungsabschlüsse zum Schlossbau Neumühle sind noch zu bewältigen und  ansonsten sind familiäre Informationen im Vordergrund neben dem ursächlichen Anlass des Schreibens – den nachträglichen Glückwünschen zum 50. Geburtstag  am 8. April von Boetticher. Im Briefpapier greift Gaal auf Vorlagen der Stadt des KdF – Wagens zurück und setzt handschriftlich  Neumühle ein.

Auch mit 85 Jahren schreibt Gräfin Marie von der Schulenburg noch einen 4seitigen handgeschriebenen Brief in Kurrentschrift an Pastor Boetticher und berichte aus privaten Gegebenheiten  aus  dem neuen Schloss in Neumühle bei Tangeln. Sie verstarb  wohl im November 1945  in Neumühle. Zumindest geben Dietrich Werner Graf von der Schulenburg und Hans Wätjen in ihrem Buch zur Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg diese Information. Sie wäre  demnach in ihrem hohen Alter nicht mehr  mit nach Nordsteimke umgezogen.

                                                dazu zumindest die erste und vierte Seite des Briefes an dieser Stelle

In einem Brief von Boetticher an seine Frau aus dem Lazarett aus dem Oktober 1944  hofft er auf ein Lebenszeichen des Sohnes aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft (wurde bereits oben vorgestellt) und tröstet seine Frau  durch den vermutlich langen Postweg.

Boetticher  kehrte nach  Ende des 2. Weltkrieges  wieder  nach Wolfsburg zurück und seine Stammkirche war erneut die Marienkirche in Alt – Wolfsburg (s. nachfolgende Ansichtskarte) und sein Seelsorgebezirk umfasste Alt – Wolfsburg, Laux – Siedlung, Heßlingen, Teichgarten – Viertel, Berliner Ring, Ostsiedlung und Steimkerberg.

Nur knapp 7 Jahre  umfasste  der Zeitraum der neu gegründeten NS - Stadt des KdF – Wagens mit einer schicksalhaften und vielfältig beispiellosen  Epoche.  Sicherlich ist die Literatur zur Stadt Wolfsburg sehr umfangreich, aber auch in der Regel mit einer etwas oberflächlichen Schilderung der ersten Nachkriegssituation behaftet. Meines  Wissens nach ist erst 50 Jahre  nach Kriegsende  eine ausführlichere  Befragung der letzten  Zeitzeugen  zu dieser Phase erfolgt und belegt das unbarmherzige Erbe und Ende einer  von vielen  Deutschen sicherlich nicht gewollten NS- Zeit (Kriegsende und Umbruchzeit in der „Stadt des KdF –Wagens“ von Dr. M. Knop, Dr. B. Zaddach und F.H. Zaddach  erschienen im Stadtarchiv Wolfsburg). Die Familie des Grafen Günther Busso Werner von der Schulenburg flüchtete aus ihrem neuen Schloss in Neumühle rechtzeitig vor der sowjetischen Besetzung auf  ihren verbliebenen restlichen  Besitz in Nordsteimke zurück.  Der Sohn Günzel Graf von der Schulenburg führte das Gut in Nordsteimke ab dem Jahr 1969, da sein älterer Bruder durch einen tödlichen Verkehrsunfall sein Erbe nicht antreten konnte. Sein Nachfolger wurde Günther Graf von der Schulenburg, der mit seiner Familie den Wohnsitz von Nordsteimke  dann auf den alten familiären Besitz schon aus der Zeit der von Bartensleben  nach Bisdorf verlegte.
Nachfolgender Brief  aus Dezember 1715 belegt entsprechend die Besitztümer derer von Bartensleben  mit Wulfesbourg, Brome und besagtem Bistorff.

Dazu die Vorstellung des renovierten Herrenhauses in Bisdorf, das stets in der Erbfolge erhalten blieb und aktuell Wohnsitz von Graf Günther von der Schulenburg und seiner Familie ist (aus RITTERGÜTER der Lüneburger Landschaft von Ulrike Hindersmann und Dieter Brosius im Wallstein Verlag 2015).

Bei Interesse an den vielfältigen aktuellen Gegebenheiten zu von der Schulenburg – Wolfsburg  ist die sehr interessante Vorstellung im Internet dringend zur Information empfohlen unter www.graf-schulenburg.de

Damit möchte ich zunächst einmal die Überarbeitung der Postgeschichte zur gräflichen Familie von der  Schulenburg beenden. Es werden sicherlich noch weitere Belege zu finden sein, die in einem Nachtrag zur Vorstellung kommen könnten.

Als weitere Überarbeitung war noch die Postgeschichte im Zusammenhang mit dem Postweg Braunschweig – Calvörde angedacht und soll mit einigen Belegen auch hier eine  Vertiefung  gestatten.
Bis demnächst wieder einmal, Ihr E.-M. Eden, Holzwickede





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