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Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
30.01.2019


Siegel und Wappen führen mit den  adligen Geschlechtern von BARTENSLEBEN und von SCHULENBURG  zu einer interessanten postgeschichtlichen Betrachtung, die allerdings teils durch die Adelshäuser selber und andererseits durch ihre Verflechtungen untereinander ein historisch buntes Bild bieten. Im Wappen Bartensleben findet sich einmal der springende Wolf über die Getreidebündel und im Wappen Schulenburg sind charakteristisch allgemein für alle Familienzweige die drei Raubvogelklauen im Schild neben teils weiteren unterschiedlichen Bildern. Die beiden Geschlechter trafen sich auch im Laufe der Jahrhunderte immer wieder einmal  und das Spektrum reichte „von einer Ritterfehde über Gerichtstermine bis zum Standesamt“. Diese Entwicklung über Jahrhunderte hinweg wird ferner durch die überaus wechselhafte hoheitliche Geschichte  der Region im Ländergrenzgebiet von Braunschweig und Lüneburg, Hannover und Preußen mit unterschiedlichen Zugehörigkeiten und Lehnsverhältnissen zusätzlich  beeinflusst und macht eine postgeschichtliche Betrachtung nicht gerade einfacher. Dabei ist das Geschlecht derer von Bartensleben übersichtlicher zu erfassen als die weit verzweigten  Familienäste derer von der Schulenburg und im folgenden Wappen tauchen dort schon neben Wolfsburg auch noch Hehlen und Beetzendorf auf.

                                                                             BARTENSLEBEN - SCHULENBURG

Das Geschlecht von Bartensleben hatte wohl seinen ursprünglichen Sitz in  BARTENSLEBEN  (heute Ortsteil von Erxleben in Sachsen-Anhalt). Der Ortsname  wurde wohl  auch  zum Geschlechternamen und dies nachweislich in Urkunden und Dokumenten seit Anfang des 12. Jahrhunderts und dazu eine alte Ansicht von Groß-Bartensleben und Schloss Bartensleben auf den Grundmauern der alten Wasserburg Bartensleben und in der späteren DDR – Verwendung als Kurheim „Clara Zetkin“

Die Bartenslebener siedelten von dort zu Beginn des 13. Jahrhunderts in das Allergebiet  um in die heutige  Region Wolfsburg. Schon der folgende Kartenausschnitt aus dem Jahr 1757 gibt mit Wolfsburg, Forsfeld, Brome, Calforde, Essensrode, Giffhorn und Brunswic interessante nachbarschaftliche Beziehungen an, die auch später die hauptsächlichen Lehnsbereiche der von Bartensleben und Schulenburg darstellten. Farblich unterschiedliche  Linien weisen aber auf die überaus schwierige auch politische Situation im Ländergrenzgebiet von Braunschweig, Lüneburg, Hannover und Preußen (je nach zeitlicher Betrachtung) mit wechselnden Zugehörigkeiten und ihren Lehnsverhältnissen  hin und die entsprechende Postgeschichte hat damit gelegentlich ihre  „Lücken und Tücken“ der Einordnung.

Die später adligen Familien hatten wohl ursprünglich ihre Fähigkeiten den Landesherren  verwaltungsmäßig als Ministeriale angedient, wurden dann mit Lehen entsprechend belohnt und entwickelten  wohl zunehmend auch  eigene strategische  Überlegungen, um ihre Stellung zu festigen und ihre Macht über den Ritterstand zum Adelsgeschlecht zu vergrößern. Wohnsitze wie Bartensleben und Beetzendorf waren durchaus akzeptiert, aber die Kontrolle über Strassen- und Flussläufe  und damit Transportwege  war spez. den von Bartensleben wohl strategisch wichtiger. Sie verlagerten entsprechend  ihre Standorte an Ohre und Aller und dazu einmal die Allerregion von Kalvörde  (Schriftweise auf der Landkarte ca. im Jahr 1910) und ihr weiterer Weg über Vorsfelde, Wolfsburg, Gifhorn, Celle, Rethem, Verden bis zur  Einmündung in die Weser  bei Eissel und dann der weitere Flusslauf  bis Bremen.

Hier sind nun für die Ministeriale und späteren Adligen von Bartensleben beispielhaft Burg Calvörde und im Allerstromgebiet Burg Vorsfelde, Burg Rothehof, Burg Neuhaus und schließlich die Wolfsburg zu nennen. Dazu einmal zunächst eine Merianstichansicht aus dem Jahr 1650 mit der rechts gelegenen ursprünglichen Burganlage Calvörde von Flussarmen der Ohre umschlossen.
 
                                                    Detailstich der aktuell verfallenen  Burganlage  Calvörde

Die Burg Calvörde sicherte  den Handelsweg von Braunschweig zur südlichen Altmark und hier an der Ohrefurt war auch der Kreuzungspunkt mit dem Handelsweg Leipzig-Magdeburg-Lüneburg-Hamburg und unter den wechselhaften Besitzern werden auch die Bartenslebener  aufgeführt, die es aber wohl mehr in die Region Vorsfelde zog und mit der Burg Calvörde wohl nur ein zeitliches Intermezzo gaben.
Dazu zwei Geschäftsbriefe aus dem Jahr 1822 mit jeweils gleichem Absender I.C. & H. Ch. Glaeser, Hamburg und Empfänger Hentschel & Pickert, Leipzig (Tabak- und Colonialhandel )   und liefen sicherlich  über die oben angeführte Postroute und Handelsweg und Rechnung  noch aus dem Jahr  1930

Der folgende Geldbrief aus Uthmöden mit Postaufgabe Calvörde nach Vorsfelde aus dem Jahr 1825 führt uns dann in die dortige Region und nutzte sicherlich die im Jahr 1746 eingeführte Fahrpost von Braunschweig nach Calvörde einer örtlichen  Exclave  Braunschweigs  in Preußen.


Uthmöden gehörte seit dem Jahr 1571 zum Amt Calvörde und der Geldbrief über 2 Thaler und 12 Groschen betraf die Erstattung der  Katechumenenbeiträge (erstes Jahr im Konfirmandenunterricht) der Ortskirche an die Superintendentur in Vorsfelde (Transkription s. Linkliste A. Peukert). Drei der zu unterrichtenden  Konfirmanden kamen wohl aus benachbartem  Zobbenitz.  Dies wäre immerhin ein Fußweg von  6 Kilometern gewesen. Die Beitragsfreistellung  mit der Diagnose „blutarm“ durch den Pastor Kettwich vor 200 Jahren möchte ich versuchsweise mit „bettelarm“ interpretieren.
Der folgende Schnörkelbrief führt dann direkt in die Region Vorsfelde und von dort zu den von Bartensleben und in diesem Fall auch zur Wolfsburg im Jahr 1691 und  damit dokumentiert sich eine  Botenzustellung.


Christin Pflüger in Vorsfelde bittet  mit Schreiben vom 5. May 1691 seinen Taufpaten und Gevatter Paulo Schröttern  als Amtmann  der von Bartensleben zu Wolfsburg und Brome (pp steht für perge, perge = und so weiter, gemeint sind in diesem Fall die weiteren Besitzgüter) die  aufgelaufenen Geldrückstände der Witwe Helmicks aus dem noch schuldigen Überschuss des Schultzen zu begleichen (Transkription s. Linkliste A. Peukert) und hat die Contribution (Zwangserhebung) zunächst wohl aus eigenem Ermessen ausgesetzt. Textübersetzungen nach 330 Jahren haben spez. im Falle ihrer persönlichen Schreibweisen kleinere Tücken zu konstatieren und hier sind Spezialisten gefragt.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
1. Fortsetzung Schwerpunkt Bartensleben
09.01.2019

Zum Zeitpunkt des obigen Briefes im Jahr 1691 hatte die Wolfsburg noch durchaus ihren wehrhaften und wehrfähigen Zustand  mit einem zweifachen Wassergrabensystem gespeist durch die Flüsse Aller und Hasselbach (aus WOLFSBURG  von W. R. Krutsch 1966)

                                    Mattheus Merian  beschriftet dann seinen  Kupferstich aus dem Jahr 1654 wie folgt

Auf dem Merian Kupferstich ist teilweise um das Schlossgebäude der  äußere Verteidigungsring erkennbar, der  davor liegende Graben wurde  durch die Aller gefüllt und nach einem Vorhof kam dann noch  der  zweite und direkt am Burggebäude platzierte Wassergraben mit Speisung durch den Hasselbach.

Aber für die Bauphasen zum geschlossenen Schlossbau im Viereck (zwischen den Jahren 1595 und 1610 vollendet) waren mehrere Generationen derer von Bartensleben zuständig und zunächst noch ein Rückblick  auf weitere  Standorte in diesem Allerabschnitt. Nicht gesichert wird durchaus eine Niederlassung derer von Bartensleben in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts auf der nicht mehr vorhandenen Burganlage Vorsfelde zur Sicherung der  dortigen Allerfurt. Zur örtlichen Lagebestimmung wurde nach dem 2. Weltkrieg durch den Braunschweiger  Landesarchäologen Alfred Tode unter einfachsten Bedingungen  eine entsprechend mögliche Burganlage  gesichert und lokalisiert (s. wikipedia). Ob von dort aus die Ministerialen Bartensleben aus der hochwassergefährdeten  Region ihren Standort zum Rothehof am Rabenberg (Wolfsburg) verlegten oder gleichzeitig besetzten ist unklar. Zumindest ist zum Jahr 1304 urkundlich eine Turmhügelburg Rothehof mit  den von  Bartensleben gesichert. Die erkennbaren Bodenreste der Burganlagenstruktur am Flusslauf der Stemmelriede sind als  archäologisches Bodendenkmal   anerkannt. Die Turmanlage war wohl im Bereich der  Försterei, den Wohnungen der Holzschläger  und neben dem Steinbruch und früheren Ziegelei angesiedelt (aus WOLFSBURG  von W. R. Krutsch unter Hinweis auf G. Schmidt im Jahr 1908 Das Geschlecht der von Schulenburg).

Dazu Büttenpapieransichtskarte der Försterei Rothehof  (siehe Näheres auch Kurzprofil Neumühle – Graf von der Schulenburg auf dieser Homepage).
Johann Friedrich Danneil vermutet in seiner Schrift  DAS GESCHLECHT DER VON DER SCHULENBURG   aus dem Jahr 1847  die Gründung der  Wolfsburg ausgehend von der kleinen Burganlage Rothehof zum Ende des 13. und Beginn des 14. Jahrhunderts. Bis ca. zum Jahr 1530 war zumindest ein Familienzweig derer von Bartensleben auf der Burganlage Rothehof ansässig und da ohne Nachfolge ging anschließend dieses Besitztum auf den Wolfsburger Familienzweig  über.

Zur Geschichte  der  Wolfsburg  gibt es dann eine recht vielfältige Literatur und kann hier nur ansatzweise vorgestellt werden. Dem niedrigen Adel zugehörig gründeten die Ritter von Bartensleben  ca. 1300 zwischen zwei  Flussarmen der Aller und einer wichtigen  Furtstelle im teils sumpfigen Gelände eine Burganlage – die Wolfsburg. Von den Brüdern  Borchard, Guncellin (Günzel) und Gunter von Bartensleben selbst errichtet, war die Wolfsburg wohl lehnsfrei und nicht direkt abhängig diesbezüglich von den umgebenden  Landesherren. Die von Bartensleben taktierten in politisch unruhigen Zeiten häufig in den folgenden Jahrhunderten sehr geschickt und verbündeten sich unterschiedlich im Kräfteverhältnis zwischen den Markgrafen von Brandenburg, den Herzögen von Braunschweig und dem mächtigen Bischofssitz in Magdeburg. Belehnt mit Gütern aus und in allen drei umgebenden Machtgefügen war ihr persönliches Interesse an der Sicherung und dem Ausbau  ihres Besitzes verständlich und erfolgreich. Über mehrere Generationen wurde  die Wolfsburg  über  den anfänglichen Wehrturmbau kontinuierlich zu einem stattlichen und 4-flügligem Schloss ausgebaut  und dies sicherlich auch unter absoluter und totalitärer Ausnutzung der Arbeitskräfte ihrer abhängigen und umliegenden Bauernschaften.

Die heutige Vorstellung vom prächtigen „friedfertigen“ Renaissancebau  hatte zur damaligen Zeit durchaus wehrhaften Charakter mit einem Doppelgrabensystem und entsprechender Bewaffnung. Wechselhafte Besetzungen im Dreißigjährigen Krieg von 1619 bis 1649  blieben dennoch ohne wesentliche Zerstörung der Wolfsburg. Schweden, Dänen, Franzosen und Kaisertruppen waren  teils nach Beschuss und Eroberung „zu Gast“ und glücklich überstand  die Wolfsburg mit ihren Bewohnern im Gegensatz zu den anderen Burgen der Altmark diesen furchtbaren  Krieg mit allen vorstellbaren Gräueltaten  und zusätzlich eingeschleppter Pest. Schon hier der Hinweis zum Aussterben in männlicher Folge derer von Bartensleben und dadurch strittige Besitzverhältnisse 1742 zu Bartensleben – Schulenburg von 1741 bis zum Jahr 1749 mit gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Erzstift Magdeburg und unter der  persönlichen Einflussnahme von Herzog Carl von Braunschweig und dem König von Preußen. Zum Erbbesitz in unmittelbarer Nähe gehörte  noch Heßlingen, Schillermühle, Steimke, Helingen und Bisdorf, die von  der Witwe und Gräfin Anna Adelheid von der Schulenburg geb. von Bartensleben gegen bare Entschädigung an Braunschweig zurück erworben wurden. Vorsfelde und Vorsfelder Werder gingen aber an Braunschweig als Lehen (vorübergehend) retour.

Der obige Stich dokumentiert somit noch das Wasserschloss Wolfsburg um das Jahr 1823, denn die Wassergräben wurden endgültig erst ca. 1840 zugeschüttet und das Schloss wurde repräsentativ ausgebaut. Die Wehranlagen wurden mittlerweile auch unter dem Besitz derer von der Schulenburg rückgebaut und schafften damit Platz auch für eine umgebende Gestaltung der  Landschaftsarchitektur mit Gartenanlage.

Die Wolfsburg selbst war für die von Bartensleben über alle Generationen lehnsfrei (Sonnenlehn), sie stellten sich aber wechselnd zum eigenen Schutz unter die Lehnshoheit z.B. des Erzbischofs von Magdeburg. Da sie stets sparsam wirtschafteten, wurden sie häufig Geldgeber  für die verschiedenen benachbarten und häufig verschuldeten Landesherren und wussten so über neue abgetretene Lehen ihren Besitz zu mehren und ihr politisches Gewicht auszubauen. Da im Gegensatz  zum adligen Haus Schulenburg die Lehen  derer von Bartensleben sorgfältiger dokumentiert wurden, könnten hier nach  entsprechender Recherche  durchaus seitenlange (!)  Auflistungen erstellt werden aus der Region Wolfsburg, Heßlingen, Hehlingen, Vorsfelde mit Werder, Boldecker – Land, Salzwedel, Bisdorf, Brome, Beetzendorf,  um nur einige Dorfnamen und Regionen  zu nennen. Allein im kleinen Heft aus dem Jahr 1864  von Hilmar von Strombeck nur über Die wüsten Dörfer in dem Herzogl. Braunschweigischem Amtsgericht VORSFELDE  und in den in dasselbe einwinkelnden beiden kleinen preußischen Enclaven Wolfsburg und Hehlingen  finden sich allein 13 Dörfer mit aufgegebenen Besitzlehen derer von Bartensleben. Der nachfolgende Geldbrief kennzeichnet dazu nun mit der Anschrift die Herrschaft zu Wulfesbourg, Brome et Bistorff der Herren zu Bartensleben  vor dreihundert Jahren.

Es existieren  einige Schriftstücke zu Beginn des 17. Jahrhunderts, die auch auf eine Lehenverwaltung für die von Bartensleben  im Raum Rethem hinweisen. Über diese Lehen  konnte ich allerdings  bis dato in keiner Auflistung  und vielfachen Literaturstellen dazu keinerlei  Hinweise  finden.

Der obige Geldbrief  datiert vom 11.7.1715  und ist wohl als Nachzahlung zu verstehen für eine vorherige Abrechnung  „Sti in Malin“ für „mit Geldbeitrag“ (lat. Abk. Stipe und rot steht für unsichere Transkription und ferner noch evtl. für Abkürzung MARIENGROSCHEN). Nachfolgend Text Botenbrief und Transkription (A. Peukert ) und Rethem 11. July 1715

                                   hier stellt sich natürlich zunächst die Frage handelt es sich um Rethen oder Rethem

Der Weg nach Rethen südlich unterhalb von Hannover ist sicherlich kürzer als die Entfernung nach Rethem an der Aller unterhalb von Verden bezogen auf den Besitz mit der Wolfsburg.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
2. Fortsetzung Schwerpunkt Bartensleben
16.02.2019

Rethen war sicherlich näher zur Wolfsburg gelegen, dies aber nur über beschwerliche Landwege und für die von Bartensleben wohl auch in ihren strategischen Überlegungen  wohl unwichtig. Wenn auch weiter entfernt führte nach Rethem für sie stromabwärts der halbwegs „bequeme“ und  wichtige Wasserweg mit der Aller und Rethem war auch  Ort einer wichtigen Wasserfurt bezüglich der Kontrolle von Handelswegen (spez. Salzhandel) und Zolleinnahmen und in dieser Beziehung hatten sie ja ihre Erfahrungen  mit der Allerfurt in Wolfsburg. Zudem  berichtet R.M. Mittelhäußer in seinem Buch GESCHICHTE DER STADT RETHEM AN DER ALLER aus dem Jahr 1941, dass im Zuge des „Lüneburger Erbfolgekrieges“ unter anderem auch Ritter Busso von Bartensleben  im Zeitraum des Jahres 1383 an den Streitigkeiten des Herzogs Albrecht von Sachsen – Wittenberg gegen die Brüder von Mandesloh  beteiligt war und auf der Burg Rethem  sein Quartier hatte und somit die Örtlichkeit  bestens  kannte. Aus dem obigen Buch  nachfolgend Zeichnungen zur Allerfurt und späteren Brücke und Burg mit Burgplatz aus dem  13./14. Jahrhundert in Rethem.

Diesbezüglich fügt sich folgender Botenbrief aus Celle mit Datum vom 16. April 1714  nach Wolfsburg  passend ein. Der Schreiber Gössel berichtet  seinem Herrn zu Bartensleben, dass der Zollverwalter (vermutlich zuständig für die Allerbrücke)  auch mit den Edelherren von Schlepegrell anderweitige Interessenten für den strategisch wichtigen Burgplatz  aus dem ehemaligen Besitz derer von Mandesloh  hat, die unter allen Umständen hier  das strittige Gelände in ihren Besitz bringen wollen. Gössel erbittet in dieser Sachlage um Lösungsvorschläge seitens Bartensleben. R. M. Mittelhäußer  berichtet dazu, dass die Edelherren von Schlepegrell schon frühzeitig  zur Zeiten der Grafen von Wölpe  in Rethem dauerhaft in Erscheinung treten (um die Zeit Ende des 13 und Beginn der 14. Jahrhunderts).

War also im Zuge des „Lüneburger Erbfolgekrieges“  um 1383 Burg Rethem Quartier im Kampf gegen die von Mandesloh, so wurden sie nach Jahrzehnten gar Pfandnehmer der Burg  und führten ca. um 1580 auch noch Restaurierungen durch. Aber es scheint, dass um die Zeit 1700 der Burgplatz nahe Wasserfurt bzw. Allerbrücke nach dem Besitz derer von  Mandesloh brach lag und strittiges Gelände wurde und auch die von Bartensleben hier ihren Anspruch hatten verbunden mit dem gleichzeitigen Lehnsbesitz im Bereich der Alten Burg und Veltmer Höfe (s. später). Die Burg  an der Aller verfiel dann im weiteren Verlauf der Jahrhunderte zunächst nach Übernahme als Amtshaus durch die Stadt Rethem.
Zur Illustration zunächst eine Briefhülle als Postauslage über 14 gute Groschen aus Lüneburg mit gezähntem Rechteckstempel  10-2-1825 an die Bürgerschaft in Rethem und Absender und Siegel  mit L.D.L. die  Landdrostei  Lüneburg.

Die obige aufgeführte Vermutung betreffend des Burgplatzes Mandesloh in Rethem resultiert nun gemäß folgendem Vorphilabrief aus Celle mit Datum vom 16. April 1714  an den Monsieur de Bartensleben  Seigneur de Wolfsbourg, Brohme und Bistorff treshe (treshonore - von höchster Ehre) à Wolffsbourg


                                                                                       Transkription (A. Peukert)

Celle liegt an der Aller praktisch im gleichen Abstand  zwischen Rethem und der Wolfsburg. Eine Kontrolle der Aller sowohl in Wolfsburg und in Rethem war so sicherlich in den machthungrigen Augen der von Bartensleben höchst sinnvoll gewesen, da Celle selbst  zu mächtig war und die Stadt sogar  der Begierde von Braunschweig Paroli bieten konnte.


Im nachfolgenden Brief  sendet aus Rethem mit Datum vom 28. März 1716 Jürgen Meineck(e) als „Diener wieder an seinen hochwohlgeborenen und hochzuehrenden Herrn von Bartensleben“  zwei Abrechnungen (können nur als Lehnsabrechnungen gedeutet werden) mit der Bitte um Unterschrift und freut sich über die Genesung des adligen Herrn auf der Wolfsburg. Ferner erwartet er dessen Erscheinen in Rethem, um einige anstehende Dinge wohl zu klären. Ein MEINECKE findet sich im Buch von Mittelhäußer erwähnt und wohnhaft in Rethem 1752. Er wird mit Beruf als Färber angeführt und es geht leider nicht hervor, ob er in „Nebentätigkeit“ als Schatzrat im Dienste derer von Bartensleben stand.


                                                                           Transkription (A. Peukert s. Linkliste)


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
3. Fortsetzung Schwerpunkt Bartensleben
23.02.2019

Da in den obigen 300jährigen Briefanschriften schon mehrmals das Besitztum Bistorff  auftaucht zumindest an dieser Stelle dazu die Vorstellung des renovierten Herrenhauses in Bisdorf, das stets in der Erbfolge erhalten blieb und aktuell Wohnsitz von Graf Günther von der Schulenburg und seiner Familie ist (aus RITTERGÜTER der Lüneburger Landschaft von Ulrike Hindersmann und Dieter Brosius im Wallstein Verlag 2015).

Aber auch Burg BROME bedarf an dieser Stelle einer kurzen Vorstellung, da auch in den Briefanschreiben dieses Besitztum häufig neben Bisdorf auftaucht und genannt wird. Gerade die Burg Brome ist sinnfällig ein Beispiel der wechselhaften Beziehungen der Adelshäuser untereinander in Abhängigkeit der Lehnsbesitzer mit dem Herzog von Braunschweig, Erzbischof von Magdeburg und den Markgrafen von Brandenburg.  Schon im Jahr 1360 im Pfandbesitz der von Bartensleben, übernahmen im weiteren Verlauf auch die von der Schulenburg hier vorübergehend das Lehen bevor hier ein Besitzerwechsel im Jahr 1548 zu den von Knesebeck erfolgte und die von Bartensleben im Jahr 1583 wieder zum Zuge kamen.

                                                        Merianstich (1654) mit der rechts gelegenen Burg Brome 

                            dazu  auch ein Merianstich zum Stammhaus Knesebeck (schwarze Familienlinie) bei Wittingen

Interessanterweise kam das Lehen Brome im Jahr 1742 über die Erbschaft  mit dem Tod des Vaters von Anna von der Bartensleben und verehelicht und schon verwitwet  mit dem Grafen von der Schulenburg Brome wieder in den Besitz der von Schulenburg, verblieb im Besitz bis zum Verkauf an die Stadt Brome im Jahr 2001 und nach Sanierung dient die Restburg als städtisches Museum und dazu noch ein kleines Ensemble von 1905 bis in die Gegenwart.


Aber zurück in das spätmittelalterliche Rethem mit dem Merianstich vom Amtshaus und Stättlein Rethem an der Aller (Amtshaus frühere Burganlage) und Text


Mitte der 18. Jahrhunderts wurden Teile der Burganlage abgerissen und ein neues Amtshaus errichtet. Da im Jahr 1865 der Amtsitz Rethem entfiel, verfiel zunehmend das Burgplatzgelände, wurde aber im Jahr 2004 durch einen Kulturbau ersetzt, der auch Teile der alten Ringmauer rekonstruierte und sichtbar werden lies.

Der folgende hirbey (hiermit) versiegelte Beutell mit Geld an den Herrn (Monsieur)de Bartensleben und adliger Herr (Seigneur) de Wulfesbourg Brome et Bistorff und pres. (präsentiert) à Wulfesbourg  mit Datum vom 29. November 1715 offenbart nun  gleich 4 Lehen der von Bartensleben in Rethem und der Region.


                                                                                    Transkription (Antje  Peukert)

                                Der  topografische Ausschnitt kennzeichnet mit Pfeilen  die Orte der angeführten Lehen

                                                  zunächst  wird  die Region der Veltmerhöfe  am Fluss Wölpe angeführt

Obige topografische Zeichnung aus R.M. Mittelhäußer und seinem Buch GESCHICHTE DER STADT RETHEM AN DER ALLER aus dem Jahr 1941

Mittelhäuser  vermutet  verbleibendes Besitztum  im weiteren Verlauf auch nach Aufgabe der ALTEN BURG durch den Adel und wohl Umzug  zur NEUEN BURG an der Allerfurt. In der Zeit des obigen Schriftstücks  war wohl anscheinend beides im Lehnsbesitz von Gebhard Werner von Bartelsleben. Die Erträge durch Schweine-, Rindvieh- oder Holzmastung  waren an Pachtgeldern und Steuern  (Meyergefälle) für den adligen Herrn in Höhe von 151 Talern doch recht ansehnlich und wurden im versiegelten Beutel per Bote  nach Wolfsburg auf den Weg gebracht. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Quellenhinweis im Archivinformationssystem Hessen Arcinsys  in dem unter den Domanialprozessen  unter dem Titel Das Amt Rethem gegen den Schatzrat von Bartensleben im Namen der von Mandelslohschen Kinder wegen der Mastgerechtigkeit in Veltmerhöfen  in der Laufzeit 1719 -1770 eine Akte dokumentiert wurde. Weiter  angegeben werden im obigen Brief fehlende Abgaben aus dem Haus Friedrich Michaelis wohnhaft in Boße (wohl aktuell Bosse und mit rotem Pfeil markiert), der durch Sturmschaden zunächst sein Gebäude neu errichten muss und hat daher entsprechende Bittschriften (Supplique) beigefügt. Die sonst weiteren Abgaben (Weinkaufsgelder) waren konstant geblieben auch in 4 eingetretenen Erbfällen der Hofübergabe an die Söhne. Ein Lehen im benachbarten Otersen an der Aller ging wohl so an den Sohn über und die topografische Lage wurde entsprechend mit einem weiteren Pfeil markiert.
Zu Otersen zumindest zur Illustration ein Paketbegleitbrief aus Celle über Verden für ein versichertes Kistchen (I.G.6101) und Postvorschuss von Franz Gniselei  an den Herrn Lehrer Müffelmann wohlgeboren Otersen bei Verden. (Kursiv nicht sicher und Postvorschuss nicht geklärt. Crt. evtl. für Kreutzer und auch die Zahlenangaben mit 7 und 9  bedürfen noch einer  Zuordnung– vielleicht ist hier ein Homepagebesucher hilfreich!)

Ein weiterer roter Pfeil ist oben auf dem Landkartenausschnitt noch auf den Burgplatz Mandesloh mit der Wasserfurt an der Aller gerichtet, der nach Angabe seines Verwalters (Zoll?) in Rethem wohl zur besseren Nutzung eingezäunt werden sollte. Ferner beklagt der Schreiber die schlechte Kornernte im Jahr 1715 mit entsprechendem Preisverfall bei geringem Kaufinteresse und verabschiedet sich wieder „überschwänglich“ in zeitgenössischer Form als  Diener der Interessen  der von Bartensleben zu Wolfsburg.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
4. Fortsetzung Schwerpunkt Bartensleben
06.03.2019

Der nachfolgende Begleitbrief stammt wieder als Botenbrief aus Rethem mit dem Bevollmächtigten und Schatzrat  JHMeineck des edlen Herrn zu Bartensleben  und war mit Datum vom 24. April 1718 diesmal an den  Herrn Secretaire Stegmann à  Wulfesburg adressiert. Präsentiert wird ein versiegeltes Päckchen mit Geldinhalt und war an Herrn Mühen in Celle  zur baldigen weiteren Besorgung  recommendiret. Auch in diesem Brief wird auf neue Lehnsverhältnisse im Raum Rethem hingewiesen und zwar auf Stöcken.
 
Die Stöckmer hatten wohl auf den pachtpflichtigen Meyerhöfen beschlossen Geldzahlungen einzubehalten, der Vorgang hat vermutlich Herrn Meinecke verärgert  und dies dem Amt zugeleitet. Im Gegensatz dazu waren die weiteren Meyergefälle (Abgaben) der Zahlungspflichtigen zusammen gekommen. Deren Gelder wurden mit doppelter Abrechnung nach Wolfsburg nun abgeliefert mit der Bitte um Rücksendung einer quittierten Aufstellung. Vermutlich waren noch andere Quittierungen ausstehend.

                                       kopfstehendes Detail  zur eingeschriebenen Sendung an Herrn Mühen in Celle


                                                                                     Transkription (A. Peukert)

Der folgende kurz gehaltene Brief führt dann wohl zum Kontaktmann in Celle, der für die Weiterleitung der Pachtgelder aus Rethem  nach Wolfsburg zuständig war und in diesem Fall  diese per cito d.h. mit eiligem Versand zu Händen des Sekretärs Stegmann  des Herrn zu Bartensleben  auf den weiteren Weg gebracht hat. Hier scheint aber mit dem Namen Mühe  nicht der schon wiederholt vorgestellte Herr Meineck (e-n) beteiligt zu sein sondern evtl. eine Vertretung in Abwesenheit. Von den zugeleiteten Pachtgeldern in Höhe von 162 Thalern hat der  Vertraute in Celle seine vorgelegten Kosten in Höhe von 20 Thalern und 16 gute Groschen einbehalten und erwartet aus Wolfsburg den abholenden Boten für den Restbetrag.

                                                                                 Transkription (Antje Peukert)

                               Laut Unterschrift war es der Herr und  unterlegene und ehrfurchtsvolle Diener  J.C. Lueder

Der oben angeführte  Bote soll die Wolfsburger  Akten zu  WENSE  auf diesem Weg gleich nach Celle retournieren.  Ob es sich dabei um Unterlagen zum Adelssitz Wense handelt bleibt unklar. Zum Adelssitz Wense schreibt Merian



oder um die Nachbarn zu Wolfsburg  von  der Wense in Mörse  geht aus obigem Schreiben nicht hervor (folgende Ansicht mit Unterschrift Freiherr v. d. Wense)
 
Die  vorgestellten Briefbelege zu Rethem und Celle im Zusammenhang  Bartensleben und Wolfsburg sind leider  natürlich nicht direkt aufeinander folgend, vermitteln aber dennoch in chronologischer Reihenfolge  ein kleines Puzzle  zu diesen Lehnsverhältnissen mit ihren Abrechnungen, Geldsendungen aber auch Problemhinweisen.

Dazu nun ein Briefbeleg aus Rethem mit Datum vom 18.12.1719 und vorausbezahlter Zustellung über Braunschweig mit weitern interessanten Aspekten und die angeführten Lehnsorte mit Altenwahlingen und Bosse wurden wieder topografisch zum Standort Rethem mit roten Pfeilen markiert.

                                                               18. Dezember 1719 Rethem franco Braunschweig

                                                                dazu die 3 beschrifteten Seiten der Briefhülle

JhMeineck(e-n) als Schatzrat der von Bartensleben schreibt in der Hoffnung, dass seine letzten Briefe vom 4. November 1719 zusammen mit Pachtgeldern in Wolfsburg angekommen sind. Direkt zu Anfang ersucht er um Vorgehensweise zum Pächter in Bosse, der schon in einem früheren Brief mit  Zahlungsschwierigkeiten  erwähnt wurde. Er beklagt sich ferner über den Pachtpflichtigen in Alten Wohlingen, der seit Jahren problematisch ist, vorgestreckte Dienstgelder an ihn schuldet und als „pouves Massette“ einzustufen ist. Letzteres ist wohl frei als „armer Schlucker“ zu verstehen. Erneut wird von ihm die Mandesloher Burgstelle als ungeklärtes Problem angesprochen, die Veltmerhöfe sind für 70 Thaler erfolgreich verpachtet, aber durch die frühere Vernachlässigung  (vermutlich mit der zusammen gehörigen Burgstelle) steht nun eine gerichtliche Klärung an. Interessant in diesem Zusammenhang ist der schon erwähnte  Quellenhinweis im Archivinformationssystem Hessen Arcinsys  in dem unter den Domanialprozessen  unter dem Titel Das Amt Rethem gegen den Schatzrat von Bartensleben im Namen der von Mandelslohschen Kinder wegen der Mastgerechtigkeit in Veltmerhöfen  in der Laufzeit 1719 -1770 eine Akte dokumentiert wurde. Zugehörige Transkription zum obigen Brief 18.12.1719 ( Antje  Peukert).


Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
5. Fortsetzung Schwerpunkt Bartensleben
15.03.2019

Mit einem recht umfangreichen Schreiben über 3 Seiten und Datum vom 19. Januar 1720  in Sachen von Bartensleben und Rethem wird es spannend in der Angelegenheit der Veltmerhöfe  und dies fügt sich zur Akte im besagten Dominialprozess – Nachfahren Mandesloh gegen Bartensleben  ein. Die Schwierigkeiten beschreibt wieder der Schatzrat der Bartensleben aus seiner Sicht mit  mühsamen  Zeugenterminen zur Klärung des Lehnsbesitzes


                                                  Schon die obigen 3 Seiten lassen recht interessante Details erwarten
                                                                     (nachfolgend Transkription Antje Peukert)

JHMeinck(en) beklagt sich im Schreiben nach Wolfsburg vielfältig über seinen Ärger mit den Lehnsproblemen der Veltmerhöfe. Nach dem zuvor geschriebenem Brief mit der Vermutung einer nun gerichtlichen Klärung, war dies  im Schreiben aus dem Januar 1720  eingetreten und eingeleitet. Der Amtmann Lüdemann aus Rethem – zumal 3wöchig in Brehmen (wohl benachbartes Bremen) terminlich verhindert - war wohl mit einer gerichtlichen Vorladung zumal nur in Kopie nicht einverstanden, der Schriftverkehr zur Zeugenbefragung war trotz  citissime  d.h. Eilversand  zum anberaumten Termin nicht rechtzeitig bestellt und der Schreiber Meinck(en) befürchtet nun einen „ungnädigen Amtmann Lüdeman“, der zudem um die Erstattung seiner entstandenen Reisekosten bangte. Die befragten Zeugen wollten anscheinend ihre Aussagen nicht schriftlich bestätigen, dass die Erben derer von Mandesloh  wohl  aus der  Sicht von 30 Jahren ihre möglichen Interessen vernachlässigt haben. Meinck hofft ferner, dass sein vorheriges Geldpaket in Wolfsburg eingetroffen ist und die zuvor schon erwähnten  Lehnsländereien in  alten Wohlingen  sind auf seine Veranlassung liquidiert worden, da der dortige Pachtpflichtige schon  seit Jahren vorgestreckte Dienstgelder an ihn schuldete und wohl zahlungsunfähig war.

Ein zeitlich nachfolgender Brief vom  28.10.1720 trifft nun leider keine Aussage über den Fortgang zum obigen Gerichtsprozess, offenbart aber einige weitere interessante Details.

Einmal scheint der schon 2fach erwähnte Herr Mühe in Celle die Poststücke nicht mehr zur Beförderung annehmen will und er bittet nun um Benennung eines Nachfolgers und  ferner geht es um den schon mehrfach geschilderten Burgplatz in Rethem aus dem ehemaligen Besitz derer von Mandesloh.

                                                                            dazu die 3 Schriftseiten zum Brief 28.10.1720

In der Anschrift  zeigt sich die individuelle Handhabung. Diesmal  hat Herr Meinecke aus Rethem die Anschrift im Text etwas verändert. Er bezeichnet Herrn Stägmann nicht wie bis dato und vielfach dokumentiert als Sekretär sondern als Actuarius (Schriftführer, Gerichtsschreiber) seines Herrn von Bartensleben zu Wolfsburg. Der Brief war mit cito/ito als sehr dringlich und eilig gekennzeichnet und franco bezahlt bis Braunschweig.

                                                                  und die zugehörige Brieftranskription ( A. Peukert)

Die verknüpften Lehen mit dem Gelände Alte Burg (Veltmer Höfe) und  Burgstelle und Burgplatz an der Allerbrücke in Rethem waren evtl. im Jahr 1720 nicht mehr vordergründiges Interesse derer von Bartensleben und Herr Bilderbeck aus Celle (Amtmann?) hatte die Lokalität  unter Begleitung von Meinck(en) sichten lassen. JHMeincken schildert, dass der  Herr von Behr  den Leutnant von Schlepegrell  in dieser Angelegenheit zum leitenden Vertragsleiter  erwählt hat. Zeitlich und örtlich zutreffend kann damit der Lüneburger Landrat Johann Georg von Behr  und Erbherr von Stellichte  dokumentiert werden. Dazu einmal frühes Familienwappen und Ansichtskartenausschnitt zum Haus von Behr in Stellichte


Der Vorschlag  vom Landrat von Behr  mit einem Mitglied der Familie von Schleppegrell  lag nahe, die adligen Familien kannten sich halt seit Jahrhunderten  und hatten schon örtlichen Kontakt in früheren Zeiten in Stellichte.  Ob der oben angeführte Leutnant mit dem folgenden Briefschreiber  Rvon Schleppegrell aus Verden mit Datum vom 25.April 1767 identisch ist, ist aus dem 3seitigen Schreiben zu Familienangelegenheiten nicht ersichtlich.

Der Leutnant von Schleppegrell hat sich zumindest dieser Aufgabe entzogen und stattdessen sollte der Schatzrat derer von Hodenberg  die Vertragskommission leiten. Auch dies erschien dem Schatzrat derer von Bartensleben Herrn JHMeinecken nicht sinnvoll. Überhaupt bestehen  nahe persönliche  Verhältnisse der Adligen und er bezweifelt wohl somit und berechtigt objektive Verhandlungen. Dies ist sogar bei entsprechender Recherche zu sichern, zumal aus früheren Zeiten Ehegemeinschaft zwischen den von Hodenberg und Mandesloh bekannt sind.

Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
6. Fortsetzung Schwerpunkt Bartensleben
22.03.2019

Stattdessen empfielt  JHMeineck(en) in der Angelegenheit Burgplatz Rethem   Mitglieder von Adelshäusern eher zu vermeiden und stattdessen  einen der Amtmänner der benachbarten Orte aus WESTEN oder WÖLPE zum Vorsitz der Verhandlungskommission  in Sachen Burgplatz Rethem zu wählen.

                                                       dazu  ein Ausschnitt einer älteren Ansichtskarte mit WESTEN an der Aller

Speziell der Amtmann aus Wölpe  schien dem JHMeineck(en)  als Schatzrat in Rethem der von Bartensleben  in dieser Angelegenheit die bestmögliche Wahl zu sein. Dazu zumindest ein Brief aus Hannover von der Königlichen Großbritannischen Braunschweigischen Landdrostei an das Amt Wölpe  vom 3. März 1834 und ein Brief vom 7.12.1864 von der Caffeerösterei C.L.Vezin ebenfalls Hannover an Herrn I.L. Goldschmidt in Wölpe

Nachfolgend erneut ein Brief   aus Rethem mit Datum vom  9.1.1721   der als Botenbrief  auch besonders eilig sein Ziel Wulfesbourg erreichen sollte - cito, cito.

      Dieser Briefbeleg vom Januar 1721  ist leider nicht vollständig erhalten, enthält aber noch einige interessante  Aspekte

In diesem Briefschreiben berichtet JHMeincken, dass bei weiterer erfolgreicher Verpachtung wohl im Raum Rethem mit 200 Talern zu rechnen sei und fügt eine Zwischenabrechnung über 121 Talern, 21 Groschen und 4 Pfennigen bei.  Im schon mehrfach erwähnten Alten Wohlingen  scheint  ein  Lehnshof mit infiziertem Viehbestand zu kämpfen und er hofft demnächst auf erfolgreiche Lehnsgelder bei vorausgesetzter Gesundheit auch des Pächters.

                                                                                 Dazu Transkription (Antje Peukert)

Er schließt im Brief vom 9. Januar 1720 mit Gratulationswünschen zum Neuen Jahr! Im Nachsatz nimmt er noch einmal auf die Angelegenheit Burgplatz Rethem Bezug. Da der Herr von Behr über die Festtage (wohl Weihnachten 1719) verreist war, steht wohl nun ein  neuer Tagungstermin der eingesetzten Commission an und JHMeincken hofft dazu auf die Anwesenheit  seines Herrn von Bartensleben und fügt  das Schreiben des Landrates  von Behr zur Information bei.

Der obige Briefbeleg zu Rethem und denen von Bartensleben war nun der letzte aus meiner  diesbezüglichen Serie, aber vielleicht tauchen ja noch weitere Schriftstücke auf.

In diesem Zusammenhang ist eine Gerichtsanberaumung in Celle mit Datum vom 7. Dezember 1750 interessant zum Burglehn Rethem und Mandesloh und evtl. fand die Angelegenheit zum Termin 18. Februar 1751 einen interessanten Abschluss. Dies wäre auch im Vergleichsfall zu Wolfsburg logisch, da  mit dem Tod von Gebhard Werner von  Bartensleben  ohne männliche Erben viele Lehnsgüter wieder an die Altbesitzer und in diesem Fall wohl an die von Mandesloh zurückfielen.
dazu die amtliche Meldung  vom Montag den 7. Dezember 1750


In Gesprächen hier in Holzwickede in spätabendlicher Stunde mit leider früh verstorbenem Prof. Dr. Reinhard Krüger waren wir uns einig, dass auch die Philatelie interessante Beiträge  für die historische Forschung  liefern kann und dies teils auch aus sehr persönlicher Sicht von Briefbelegen mit Textinhalten, Anschriften und Absendern, Versendungshinweisen, evtl. Siegel  in Lack- oder Papierform und Poststempeln. Hier findet die Philatelie dann die Chance zur Aufarbeitung ihrer ganzheitlichen Betrachtungsmöglichkeit.

Nur ein kleiner Ausschnitt zu den Lehen in Rethem konnte hier etwas näher vorgestellt werden neben den zahlreichen weiteren Besitztümern der von Bartensleben. Zu diesem Adelsgeschlecht von Bartensleben findet sich eine ergiebige Literatur mit interessanten Hinweisen und da es hier um die Wolfsburg geht, ist natürlich der Hinweis interessant auch auf  ein aufschlussreiches Buch von Maria Schlelein  aus dem Jahr 2002 „Unter dem Bartenslebischem Joche“ – Zur Lage der Bevölkerung in Vorsfelde und den Werder-Dörfern in den elenden Zeiten des 17. Jahrhunderts. Man registriert in diesem Buch das über Jahrhunderte angeeignete und erworbene Selbstverständnis in diesem Fall der Adligen zu Bartensleben ihre Interessen bezüglich Macht und Geld auszuleben. Diese sinnigerweise teils von Kaiser und Markgrafen als Edle  Adelshäuser  ausgezeichneten Adelsfamilien blieben über Jahrhunderte  unter sich  auch in Feind- und Freundschaft. Dazu nur beispielhaft die Adelshäuser Veltheim  und Bartensleben.

Einerseits übergaben die von Bartensleben schon früh ihren ersten Stammsitz in Bartensleben an die adlige Familie von Veltheim, anderseits waren Günter von Bartensleben mit Ehefrau Sophie geb. von Veltheim  wesentliche Bauherrn mit der Erweiterung an ihrem Schlossbau in Wolfsburg um das Jahr 1600. Dazu zumindest ein Brief  des Landes-Oekonomie-Referendars Dr. Schwarzenbeck mit Datum vom 24.März 1853 an den Hofjägermeister von Veltheim. Hier geht es allerdings um Holzberechtigung im Solling-Forst

In der oben angeführten Bauherrenrolle war auch schon vorher Hans von Bartensleben (1512 – 1583) erfolgreich in der Gestaltung vom Burg- zum Schlossbau in Wolfsburg aufgetreten und dies fiel ihm anscheinend nicht schwer, da er entsprechend seines Vermögens Hans der Reiche  genannt wurde. Dieser von Bartensleben hatte wohl nicht nur Überblick in finanziellen Angelegenheiten, sondern war rückblickend gesehen im Toleranzvertrag aus dem Jahr 1555 zwischen katholischen und reformierten Christen und Anhängern seiner Adelsfamilie vor 460 Jahren in seiner Weltanschauung sicherlich eine bemerkenswerte Ausnahme und könnte auch aktuell noch im Umgang der Menschen  miteinander diesbezüglich ein positives Vorbild sein. Passend dazu ist auch das erfolgreiche Taktieren derer von Bartensleben im Ländergrenzgebiet von Braunschweig, Lüneburg, Hannover und Preußen (je nach zeitlicher Betrachtung) mit wechselnden Zugehörigkeiten und Landesherren anzuführen. Besitztum wurde festgehalten auch beim Aussterben männlicher Familienlinien, wie das Beispiel Rothehof zeigte, aber das Kapitel der BURG NEUHAUS südlich oberhalb der Aller (heute Ortsteil von Wolfsburg mit Neuhaus – Reislingen) belegt auch Bereitschaft zu Streitigkeiten über Jahrzehnte hinweg. Im Lüneburger Erbfolgekrieg (Folgejahre 1372) taktierten die von Bartensleben mit dem Herzog von Sachsen und Lüneburg, überwarfen sich damit mit Herzog Magnus von Braunschweig. Dieser erbaute die Burg Neuhaus als Festungsbau gegen Bartensleben - Wolfsburg  und etliche Kampfhandlungen  sind in der Nachfolgezeit zu recherchieren. Sogar die Wolfsburg selbst war in dieser Zeit als Standort durch Zerstörungen gefährdet. Nach einem Sonderfrieden waren nachweisbar im Jahr 1423 die Bartenslebener  mit dem Rothehofer  Familienzweig dann aber auf  der Burg Neuhaus ansässig geworden. Kriegshandlungen mit dem Schmalkaldischen Bund überstand zwar Burg Neuhaus im Jahr 1552, aber die Burg hatte ihre Rolle als Rittersitz verloren und wurde anschließend Amtssitz für Braunschweig, später dann landwirtschaftliche Domäne. Die Phase als Reichssportschule   des Reichsnährstandes in der NS – Zeit ab 1936  soll später noch einmal etwas ausführlicher vorgestellt werden. In den Zeiten des 2. Weltkrieges wurden auch polnische Zwangsarbeiterinnen aus dem Volkswagenwerk aus dem RAD – Lager Rühen vorübergehend auf Burg Neuhaus untergebracht, um russischen Kriegsgefangenen in Rühen dort Platz zu machen.

                                         Original Merianstich Burg Neuhaus 1654  mit zugehöriger Beschreibung

Dieses ist ein Fürstl. Braunschweigisch Ampthauß. Dieses Hauß ist uff einem Steinfelsen gar hoch uffgemauert und hat auff beyden Ecken starcke auffgemaurte Thürme.


                                                                aktueller Ansichtskartenausschnitt Burg Neuhaus


Aber nach Bartensleben und Burg Neuhaus zurück in den Januar 1742 zur Wolfsburg. Nicht nur Macht und Vermögen  konnten die von Bartensleben in Wolfsburg anhäufen, auch schicksalhafte Ereignisse sind mit dem letzten männlichen Vertreter  anzuführen. Schon in den obigen  Briefbelegen aus Rethem finden sich teils gute Genesungswünsche an Gebhard Werner von Bartensleben (1675 – 1742). Sein Gesundheitszustand war Ende der 1730er Jahre  angegriffen und der Herzog von Braunschweig und Wolfenbüttel soll  ihn durch Spione überwacht haben, um den „Zeitpunkt der Lehnsrückgaben im Todesfall nicht zu verpassen“. Dieser Todesfall trat wohl auf der Reise  nach Hannover Ende 1741 ein, um dort eigentlich  noch Ärzte seines Vertrauens  aufzusuchen. Der Erbfall beschäftigte anschließend 8 Jahre die Gerichte zwischen der Alleinerbin Anna Adelheid Catharina von der Schulenburg geb. von Bartensleben  und dem Herzogtum Braunschweig. Ohne männlichen Nachfolger fielen die braunschweigischen Lehen teils und vorübergehend  an den Herzog zurück bzw. wurden im Vergleich schon 1749 teilweise zurückgekauft. In der Literatur finden sich Hinweise auf die erstaunliche Zahlung von 14000 Talern für diesen Rückkauf der Lehen in der Region Wolfsburg. Weder Preußen als Nachfolge des Erzstiftes Magdeburg noch die Braunschweiger hatten aber wohl schließlich kein Interesse mehr daran die Streitigkeiten, die im „Wolfsburger Krieg“  nach dem 30jährigen Krieg noch 20 Jahre erhebliches Leid und Ärger für die von Bartensleben  brachten,  aufzugreifen und wieder  anzufachen.

Hier bedarf es des Hinweises, dass schon männliche Erben bestanden hatten. Die Eheleute Gebhard Werner und Anna Elisabeth hatten wohl 6 Kinder. Dazu finden sich unterschiedliche Quellen. Zwei Kinder starben wohl minderjährig und schicksalhaft sind speziell die Todesfälle der  Söhne noch während des Studiums in Halle im kurzen Abstand  an Blattern  - Pockenerkrankung zu nennen und Alleinerbin wurde dadurch Tochter Anna Adelheid Catharina.

Die  Blattern (Pockenerkrankung) als Geisel der Menschheit wurde weltweit erfolgreich durch das internationale Impfprogramm der Weltgesundheitsbehörde (WHO) besiegt und die Erde ist seit 1977 ohne Fall einer Erkrankung mit dem höchstgefährlichen Pockenvirus geblieben. Aktuell kämpft die WHO vergeblich für die endgültige Besiegung der Masernerkrankung, die ebenfalls noch im Jahr 2007 mit 6stelligen Todesfällen weltweit auftrat! Auch hier würde nur eine konsequente Impfung von 97% der Bevölkerung zur Elimination führen. Der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann vor 200 Jahren würde aktuell sicherlich die Impfung empfehlen, denn sein Wirkansatz war durch Verabreichung mit ähnlich geschwächten "Gift" die zugehörige Schwersterkrankung zu vermeiden und diesem urhomöopathischem Wirkprinzip folgt die Herstellung der Impfstoffe. Auch die Masernimpfung kann also eventuell Fieber und Krankheitsgefühl auslösen, aber Gehirnentzündung, Lungen- und schwere Ohrentzündungen  wie im Masernfall habe ich mit über 4stelligen Impfzahlen nicht erlebt - jedoch bei Masern einen Todesfall und die oben genannten Komplikationen. Vermutlich sind diejenigen Menschen, die auf die Impfung verstärkt reagieren bei einer "Wild"maserninfektion besonders gefährdet und neigen zu den angeführten Komplikationen. Diese persönliche Bemerkung sei mir an dieser Stelle erlaubt, denn jeder Todesfall durch Masern ist heutzutage eine unnötige Katastrophe. So starb innerhalb von nur 3 Tagen Gräfin Adelheid – Gattin von Graf Günther Ernst Gebhard von der Schulenburg -  am 7.7.1870 im Alter von 36 Jahren an Masern, nachdem sie zuvor noch liebevoll ihre erkrankte Kinderschar mit der Maserninfektion in der Wolfsburg gepflegt hatte. Retrospektiv sicherlich die Komplikation mit einer auch heutzutage evtl. nicht zu beherrschenden Masernencephalitis  (Gerhirnentzündung).

Aber zurück zu Anna Adelheid Catharina von Schulenburg geb. von Bartensleben  Alleinerbin  Wolfsburg, die seit dem Jahr 1717 mit Adolf Friedrich von der Schulenburg – Beetzendorf verheiratet war und die Adelshäuser kannten sich seit Jahrhunderten im Guten wie im Schlechten.  Ist das Adelshaus von Bartensleben relativ übersichtlich zu recherchieren, sind die von Schulenburg über die Jahrhunderte für Spezialisten im Zweifelsfalle eine lebenslange Beschäftigungsmöglichkeit und es soll zumindest bevor es zur Wolfsburg geht, ein kleiner Ausblick in diese Adelsfamilie mit jahrhundertelanger Tradition versucht werden. Dies kann nur in Teilaspekten erfolgen und bedarf entsprechend den unterschiedlichen Sekundärquellen kritischer Betrachtung.

Fortsetzung folgt unter
Postgeschichte  Wolfsburg – Bartensleben und Schulenburg
7. Fortsetzung Schwerpunkt Schulenburg




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