Deutsche Postautomation

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Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
03.11.2020


Im Themenbereich Olympia – Streiflichter auf der Homepage www.postautomation.de  (im 2. Menüpunkt unter Freimachung mit Freistempel eingereiht) wurden im Rahmen der Olympiade 1936 bereits Einstellungen vorgenommen zum Olympiastadion, Schwimmstadion,  Dietrich - Eckart - Bühne, KdF – Stadt, Olympiaglocke und den Olympiafilmen. Diese Teilaspekte hatten ihre örtliche Basis mit und auf  dem Reichssportfeld Berlin–Grunewald.

Nachfolgend einmal Werbekarte Reichssportfeld Berlin-Grunewald Nr.10 für die Olympischen Spiele im Reichssportverlag, ferner Topographie Reichssportfeld signiert Werner March und Absenderfreistempel noch unter Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen im Jahr 1934 aber schon mit Absendereindruck Organisations-Komitee für die XI. Olympiade Berlin 1936 e.V. Berlin-Charlottenburg 2 in der  Hardenbergstraße 43, Am Knie.

Das Reichssportfeld und seine Entwicklung zur Gesamtkonzeption für die Olympischen Spiele 1936  einmal vorzustellen, ist reizvoll und beleuchtet im Jahr 1936 ein Ergebnis mit dem Architekten Werner March, das bis dahin weltweit  keine  gleichwertige Konkurrenz hatte und Maßstab wurde und setzte. Dies  wird sicherlich auch etwas verdrängt unter dem begleitenden negativem Propagandaeffekt der Nationalsozialisten und dem Reichskanzler Adolf Hitler und erkennbar antisemitischen Begleiterscheinungen zur Olympiade Berlin 1936.

Der Weg zum Reichssportfeld und den olympischen Spielen im Jahr 1936 im Rahmen der deutschen Sportbewegung kann nur skizziert werden und wäre detailliert ein eigenes Thema und dazu gibt es bereits namhafte philatelistische  Ausarbeitungen und Sammlungen.

Ein Spaziergang über das Reichsportfeld zu den olympischen Spielen im Jahr 1936 ist gleichsam aber auch  verbunden mit historischen Namen zur deutschen Sportbewegung  und fordert einmal auf,  zumindest  eine  begleitende Betrachtung  ansatzweise zu  versuchen. Überall auf dem Reichsportfeld von 1936  finden sich  nun auf Wegen, Plätzen, Gebäuden und Toren u.a. Namen von prägenden Persönlichkeiten und Athleten auch mit geschichtsträchtigem Hintergrund im deutschen Sport und seiner Entwicklung aus ca. 150 Jahren von 1785 bis 1935  und dazu nachfolgend ein  kleiner  Auszug :

GuthsMuths Weg und -Tor, Coubertin Platz, Freiherr von Langen Tor, Friedrich Friesen Allee, Georgii Platz, Hans Braun Platz und Hans Braun Straße, August Bier Platz, Friesenhaus mit Friesenhof und Friesengarten, Jahnplatz, Emil von Schenckendorff - Platz,  Gebhard Platz, Podbielski mit einem ehrwürdigem Eichenbaum und ferner Körner Platz  (kein Anspruch auf Vollständigkeit). Carl Diem wird hier wohl seinen Sachverstand bezüglich Sporthistorie und Namensgebung eingebracht haben  und Architekt, Ministerien und Baubehörden sind ihm vermutlich widerspruchslos und gerne  gefolgt.

In einer grob chronologisch bestimmten Vorgehensweise  ist ein erster Blick auf Johann Christoph Friedrich GuthsMuths zu werfen, der schon vor Friedrich Ludwig Jahn  in der Erziehungsanstalt Schnepfenthal  Gymnastik und Leibesübungen im Jahr 1785 im Unterricht einführte und sicherlich auch Vorbild für Jahn wurde.  Dazu kann treffend ein Werbestempel  der IMOS (Internationale Motivgruppen Olympia und Sport) aus dem Jahr 2001 eingefügt werden mit den beiden ältesten „Turnvätern“  Jahn und GuthsMuths  in der deutschen Sporthistorie
 
GuthsMuths war nicht nur Sportlehrer sondern auch als Sportschriftsteller (wesentliche Werke im Jahr 1773 u.1804) tätig und seine Schriften waren wegweisend für die breite Bevölkerung spez. mit seinem Werk „Gymnastik für die Jugend“. Friedrich Jahn hörte seine Vorträge in  Schnepfenthal als junger Student und hat sicherlich auch die persönliche Entwicklung von Guthsmuths registriert  mit Übernahme von  Wehrübungen unter dem Aspekt der napoleonischen Zeit im Sinne einer wünschenswerten nationalen soldatischen Wehrertüchtigung. Dieser Aspekt der Wehrertüchtigung  ausgehend von den Befreiungskriegen zu Beginn des 19. Jahrhundert mit starker patriotischer Gesinnung war stets auch latent begleitend in der  deutschen Sportbewegung verbunden mit den Begriffen Kampfbahn und Kampfplatz und erreichte unwidersprochen ihren Höhe- und Endpunkt in der apokalyptischen  Phase unter den  Nationalsozialisten mit Adolf Hitler und der Übergang von „Gut Heil“  zu  „Sieg Heil“  erfolgte im Jahr 1933 ohne offizielles Bedenken ebenso wie der Ersatz des „Turnerkreuzes durch das Hakenkreuz“.
Auf dem Reichssportfeld zieht sich nun der GuthsMuths Weg vom Sportforum zum olympischen Platz mit dem Guthsmuthstor und vorbei am Haupteingang mit dem Olympischen  Osttor hin zur Trakehner Allee.


Im Sportforum mit der Reichsakademie für Leibesübungen befindet sich nun im Innenhof  der Jahnplatz oder  Jahnhof, wie er auf der folgenden Ansichtskarte beschriftet ist mit Blick über das Forumbecken  zum Haus des Deutschen Sports.

                                           Ansichtskarte zeigt Friedrich Ludwig Jahn (*1778 in Lanz  † 1852 in Freyburg)
                                                                      Briefmarke und Sonderstempel beispielhaft

Jahn war Begründer der deutschen Turnbewegung im Jahr 1811 mit Errichtung des  ersten Turnplatzes  in  der Hasenheide  in Berlin mit Turngeräten nach  GuthsMuths  Vorstellungen.

Folgend  Turnplatz Jahn in der Hasenheide aus Friedrich Mildner  OLYMPIA 1936  „Sport und Spiel“ Verlags – und Vertriebs – G.m.b.H. Berlin – Wilmersdorf 1934. Nach Mildner unter anderem mit Laufbahn, Sprung- und Wurfbahnen, Geräteturnplatz mit Schwebebäumen, Barren, Reck und Kletterturm und passender Sonderstempel Sindelfingen 24.10.2003 mit Friedrich Jahn und Turnern am Barren und Reck im Hintergrund

Aber  Jahn war nicht nur Begründer der deutschen Turnbewegung in den Jahren um 1810,  sondern fühlte sich ebenso leidenschaftlich als deutscher Nationalist ausgehend von der napoleonischen Besetzung nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt (1806). Die Hasenheide war auch im Jahr 1810 Treffpunkt  mit gleich gesinnten deutschen Patrioten  und die Gründung des geheimen „Deutschen Bundes“ mit der Zielvorstellung  des Beitrages zur Befreiung Deutschlands von den Franzosen war auch für Jahn und Friesen eine selbstverständliche Herzensangelegenheit.

Folgende Lithographie mit Prägedruck der Personen vermittelt aspektmäßig durchaus konspirativen Charakter und führt hier einmal Jahn, Körner und Friesen zusammen, die durchaus gemeinschaftlich  zudem auch  zum Freikorps LÜTZOW standen.

                                Die Szene kann als  ein  gemeinsamer Treueschwur interpretiert werden nach dem Motto
                                                                       „drum Brüder reichet die Hände zum Bunde“

                                        von links nach rechts – Friedrich Friesen, Ludwig Jahn und Theodor Körner

Aber auch auf dem Reichssportfeld  finden obige Patrioten sich dann gemeinschaftlich wieder im Bereich des Sportforums mit dem JAHNplatz (March, Das Sportforum auf dem Reichssportfeld), der Friedrich-FRIESEN-Allee die konsequent zum FRIESENhaus führt  und vorgelagert war der Körnerplatz. Ein kleiner Ausblick soll zumindest dazu die geschichtliche  Entwicklung  aufgreifen (die architektonische Vorstellung erfolgt später).
 

Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen

1. Fortsetzung

12.11.2020

Jahn kam ab dem Jahr 1808 in Berlin in der Plamann Erziehungsanstalt (Internat für Knaben) mit Karl Friedrich Friesen  in Kontakt – beide waren dort pädagogisch tätig - und beide entwickelten auch  die Turnkunst weiter über die Leibesübungen hinaus zum  umfassenden Sport mit Geräteturnen, Schwimmen, Wandern und Sportspielen. Darüber  hinaus  engagierte sich  Friesen mit  Gründung  einer Gemeinschaft  zur Fechtkunst. Jahn und Friesen verbanden ihre sportliche Begeisterung politisch stets mit der nationalen Idee und ein gemeinsames Werk  formulierte schon in den Jahren 1810/11 die Forderung einer akademischen  deutschen Burschenschaft. Die Befreiung von den Franzosen auch mit Waffengewalt war unwidersprochen mit idealistischer Begeisterung und Mitgliedschaft im Freikorps Lützow   fast zwangsläufig zu nennen.

                              rückblickend gehörte  auch Theodor Körner mit Jahn und Friesen  zu den  Freiheitsidolen


Theodor Körner war deutscher Dichter und Patriot und auch für ihn war das Korps der Freiheitskämpfer unter Lützow  eine innere Pflicht. Zu seinem 200.Geburtstag war dies Anlass der Dt. Post für Körner zum Gedenken eine Blockausgabe aufzulegen (12.Sept. 1991).

                                                                         Ministerkarte Christian Schwarz – Schilling

An dieser Stelle bedarf es doch eines Rückblickes auf das Freikorps Lützow, denn sowohl Körner und Friesen  kamen  mit diesem Freiwilligenverband bei Kampfhandlungen 1813 bzw. 1814 zu Tode.

Am 3.2.1813  legitimierte Preußen die Aufstellung von freiwilligen Kampfverbänden als Königlich Preußisches Freikorps  im Staatsheer und renommierte Zeitgenossen wie oben angeführt warben für die Mitgliedschaft auch unter der Idealvorstellung einer deutschen Kampftruppe endlich unabhängig von geltenden deutschen Staatsgrenzen.  Das Freikorps unter Major Lützow erreichte eine maximale Truppenstärke von ca. 3500 Mann bunt zusammen gewürfelt  mit auffälliger Kleidung im schwarzen Farbton, roten Absatznähten und goldfarbenen Messingknöpfe und daraus entwickelten sich anscheinend auch die Deutschlandfarben schwarz, rot, gold. Militärisch waren die Erfolge „im Range dieser soldatischen Selbstversorger“  eher bescheiden, aber ihr Image war entscheidend geboren und Körners Lied  „das ist Lützows wilde, verwegene Jagd“  ist über 2 Jahrhunderte ein Begriff geblieben. Auch schon vor 117 Jahren auf dem Turnfest in Nürnberg im Jahr 1903 werden  verklärt die Lützower im Festzug mitgeführt und  unter dem Bild von Turnvater Jahn auch auf einer Privatganzsache „No.5“ festgehalten, die rückseitig  noch ein Feldlager der Söldner der Lützower abbildet. Die Lithografie gab es eingedruckt mit 5Pfennig Bayern aber auch ohne Werteindruck zur Markenverwendung.

Dazu folgend die Sonderstempelausschnitte  zum X. DEUTSCHEN TURNFEST in Nürnberg. Poststempeldaten 17. und 22. Juli 1903


Zurück zu den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Jahn geriet in Kollision mit den etablierten und wenig reformfreudigen politischen Gegebenheiten auch nach der  siegreichen Völkerschlacht über Napoleon 1813 bei Leipzig. Seine propagierten nationalen Vorstellungen waren  in der verbliebenen deutschen Kleinstaaterei und Preußen unerwünscht, studentische Burschenschaft  und die Turnbewegung gerieten  politisch 1819  ins Abseits und Jahn selbst kam für 5 Jahre in Haft. Jahre der politischen und turnerischen  Isolierung standen an und erst 1840/42 erfolgte seine Rehabilitation bis hin zur Wahl in die Nationalversammlung in Frankfurt im Jahr 1848.


Die vorstehend kurz beschriebene Phase der Turnbewegung löste schon zu Beginn nun dennoch ab dem Jahr 1810 eine große  Begeisterung in der Jugend aus mit der Gründung von Turnvereinen in 150 Städten und im Jahr 1818 können schon über 10.000 organisierte Sportler registriert  werden!

Sicherlich war Theodor Georgii ein wichtiger Protagonist der deutschen Turnbewegung und findet sich als Georgiiplatz auf dem Reichssportfeld wieder unmittelbar an der Friedrich Friesen Allee unterhalb des Frauen- oder Annaheims (Anna Böß war die Ehefrau des Berliner Oberbürgermeisters Gustav Böß). Bau des Frauenheims schon 1927/28 unter Werner March (s. unten zeitgenössische Ansichtskarte) und ist aktuell Sitz  der Olympiapark – Verwaltung. An dieser Stelle  der Hinweis, dass aber die Sportlerinnen zur Olympiade 1936 in Berlin  im Friedrich-Friesen-Haus einquartiert waren.



Unterhalb des Frauenheims lag der Georgii Platz.
Schon an dieser Stelle der Hinweis, dass das östlich gelegene Amphitheater des Frauenheims im Jahr 1937 der Villa des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten - gebaut durch Werner March  - weichen musste. Die Villa (Clubhaus) ist übrigens für Veranstaltungen zu mieten, aber dies wird  in aktuellen Coronazeiten sicherlich keine gängige Option sein.

Nachfolgend  zugehörige Topografie aus Pharus  - Gutenberg - Plan Reichssportfeld und Dietrich – Eckhart – Freilichtbühne  und  Fotodetail aus Luftaufnahme mit Pfeil über den Georgii – Platz laufend und auf das Annaheim gerichtet und hier noch mit Amphitheater (auch Tanzring genannt).

          Nachfolgend noch das Amphitheater oder Tanzring  am Frauenheim und Blick auf das Sportforum im Hintergrund

Aber zurück zu Theodor Georgii als tragende Gestalt in der Etablierung der deutschen Turnfeste ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Theodor Georgii  (* 9.1.1826 † 25.9.1892) war seit seiner Jugend  begeisterter Turner und Anhänger von Jahn, wurde schriftstellerisch tätig mit Herausgabe der „Deutschen Turnzeitung“, forderte hier die gemeinsame Versammlung der Turner  und organisierte nach positiver  Resonanz   in Coburg 1860 ein erstes deutsches Turnfest mit 1000 Teilnehmern und dieser Zeitpunkt wird auch als Gründungsdatum für dt. Turnvereine in der Deutschen Turnerschaft  postuliert und daran erinnert folgende Lithographie aus dem Jahr 1910  zur 50jährigen  Jubelfeier.

Die mittleren Medaillons zeigen links Theodor Georgii  und Organisator des I. dt. Turnfestes in Coburg 1860 und rechts Ferdinand Götz als Vorsitzender der dt. Turnerschaft und Organisator des Jubelfestes 1910.  In den senkrechten Medaillons sind entsprechend den angeführten Zeitepochen die jeweiligen Herzöge von Sachsen – Coburg – Gotha  mit Ernst dem II. (*21.6.1818 † 22.8.1893)  und  Carl Eduard (*19.7.1884 † 6.3.1954) abgebildet.

Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
2. Fortsetzung
20.11.2020

Schon im Rückblick auf das Turnfest in Coburg schreibt Theodor Georgii  im Turnfestbericht vom eigener fast messianisch gefühlter Aufgabe das Turnfest zur nationalen  Vereinigung deutscher Turner und speziell der Jugend  zu gestalten und  im erlebtem Ablauf  zum Ritual zu etablieren. Damit verbunden  war  die vaterländische  Betonung und  das erhabene Gefühl einer massenhaften Gemeinsamkeit  mit begleitenden patriotischen Liedern  unter Fahnen und Bannern.  Es wurde ein  erfolgreicher Aufruf  und schon das Turnfest 1863 in Leipzig hatte 20.000 Teilnehmer.

                                                Präsident Theodor Georgii auf dem Turnfest  Leipzig im Jahr 1863

Das Jahr 1863  verbunden  mit einem  50jährigen nationalen Gedenken an  die Völkerschlacht bei Leipzig  und  einem Fest mit  20.000 Turnern wurde der erfolgreiche Kristallisationspunkt aller weiteren deutschen Turnfeste. Die Zahlen der Turner und Zuschauer stiegen gleichermaßen und Stuttgart 1933 hatte schließlich 600.000 Teilnehmer. Diese Zahlen und Hitlers Begeisterung für disziplinierte Menschenmassen unter Gleichschaltung der Turn- und SA- Bewegung  führten zur Forderung an Werner March das Maifeld (für Hitler war es das Aufmarsch – Gelände) in einer Größe auf dem Reichsportfeld  zu gestalten,  die der Architekt aber unter Berücksichtigung der Landschaft und seinem Integrationsanspruch der Naturgegebenheiten erfolgreich  zumindest etwas reduzieren konnte.

Dennoch erlaubte das Maifeld auch in dieser Größe zwischen Glockenturm und Stadion imposante Menschenmassen und dazu ein Bild von Leni Riefenstahl aus ihrem Buch SCHÖNHEIT IM OLYMPISCHEN KAMPF mit dem Bild  Die Jugend auf dem Maifeld

Weiter nun auf  dem  Weg vom Annaheim über die Friesen – Allee begegnet man auf dem Reichssportfeld  namhaften und prägenden Persönlichkeiten der deutschen Sportgeschichte.

                                    Gleich anschließend an den Georgii – Platz ist östlich der HUEPPE – Platz gelegen

Ferdinand Hueppe (*24.8.1852 † 15.9.1938)  war Mediziner unter Robert Koch in Berlin und wurde Ordinarius für Hygiene in Prag und zahlreiche Schriften stammen aus seiner Feder. Im oben vorgestelltem Buch von Hueppe  aus dem Jahr 1910 reicht das Spektrum von der damals aktuellen Olympiade in Athen im Jahr 1896 mit einem Bild  amerikanischer Sportler bis hin zu ausgiebigen  Betrachtungen des antiken  Sportwesens. Selbst begeisterter Sportler und Fußballer reichte seine Karriere vom Kampfrichter der Olympiade in Athen 1896 über  die Mitbegründung im Jahr 1898 des heutigen Deutschen – Leichathletik – Verbandes bis zur Gründung des Deutschen Fußball – Bundes im gleichen Jahr  und in diesem Fall wurde er  auch noch erster Vorsitzender des DFB.

Dem Hueppe – Platz folgt nun auf dem Weg zum Sportforum direkt anschließend der ebenfalls oben auf dem Lageplan abgebildete August – Bier – Platz in Sportfeldausführung. August Bier (*24.11.1861 † 12.3.1949) wurde auf dem 71. dt. Ärztetag mit einem Sonderstempeleinsatz am 22.5.1968 bedacht. Nach dem Studium zeichnet sein Lebensweg vielfältige Stationen unter anderem als erfolgreicher Chirurg mit Einführung der Periduralanästhesie (mit dem Amerikaner Corning auch Erstanwender), Hochschullehrer, Protagonist der Sportbewegung seiner Zeit, Marinegeneralarzt im 1. Weltkrieg.  Schreckliche Erfahrungen in den Kriegslazaretten führten unter seiner Regie zur Empfehlung und Entwicklung des Stahlhelms (M1916). Den Krieg konnte er nicht heilen, aber mit dem Stahlhelm die Zahl der schrecklichen  Kopfverletzungen reduzieren.

Ich habe einmal die Zahl der Stahlhelme auf deutschen Briefmarken (1935 – 1945) unter der Lupe ermittelt und bin auf 55 Soldaten auf 17 Briefmarken gestoßen. Obwohl meinerseits nicht mit Ausgaben aus  Russland, China und Nordkorea verglichen, liegt hier vermutlich ein weiterer  negativer deutscher Rekord vor

Zurück zu August Bier mit seinem Sportengagement. Im Jahr 1920 wurde er erster Leiter der Hochschule für Leibesübungen in Berlin und Carl Diem war zunächst sein  Stellvertreter. Hoch geehrt auch mit dem umstrittenen Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft  im Jahr 1937 hat  sein Name auch auf dem  Reichssportfeld „seinen Platz gefunden“.

Bevor ich Bezug nehme auf den Hans – Braun -  und auch Gebhardt – Platz möchte ich zunächst aus chronologischen Gründen der deutschen  Sporthistorie und ihrer Würdigung auf dem Reichssportfeld  zunächst den  Schenckendorff – Platz aufgreifen.


Emil von Schenckendorff (*21.5.1837 † 1-3-1915) war preußischer Abgeordneter, Stadtrat von Görlitz und unermüdlicher Kämpfer für die körperliche Erziehung der deutschen Jugend.
Seine nationale Einstellung  war in all seinen Schriften Basisgrundsatz  zur Verbesserung der handwerklichen  Fähigkeiten der männlichen Jugend  und mit seiner Gründung im Jahr 1891 des Zentralausschusses  zur Förderung der Jugend und Volksspiele  und Unterstützung  durch Goßler  aus dem preußischen  Kultusministerium wurde die körperliche Erziehung in allen Schulbereichen bis hin in die Hochschulen - wenn auch in kleinen Schritten - etabliert. Mit seiner umfassenden Einstellung war auch die weibliche Jugend angesprochen, aber dem Zeitgeist entsprechend war  bei guter körperlicher Ertüchtigung  der männlichen Jugend eine  Verbesserung der Wehrkraft eine „wünschenswerte Begleiterscheinung“. Durchaus differenziert und kritisch beobachtete er im Jahr 1894/95 ebenso wie die deutsche Turnerschaft die Bemühungen  von Baron de Coubertin in Paris internationale Sportspiele im Geiste des antiken Olympias zu etablieren. Schenckendorff  stand einer Beteiligung in Athen 1896 schon aus Gründen  befürchteter französisch – britischer Bevormundung  ablehnend gegenüber und lag mit Ferdinand Götz  aus dem Turnverband  auf einer Linie. Bei weiterem Interesse ist die obige Schrift von Dr. Fritz Schmidt  (aus dem Jahr 1919)  empfehlenswert.

Über den GuthMuths -Weg und  Abbiegen in die Hanns – Braun – Straße geht es noch einmal zurück zum Hanns – Braun – Platz vorbei am Gebhardt Platz (Vorstellung ebenso wie Sportforum an späterer Stelle)
Interessant auf der obigen Topografie die doppelt gestrichelte und gebogene Linie von der Süd-Ost-Ecke in der Ostlaube am August – Bierplatz  vorbei am Schwimmstadion zum Olympiastadium. Hier war eine Tunnelführung für die Sportler eingerichtet, um anfangs den Weg um die Pferderennbahn zum Stadion zu vermeiden und  zudem ein wetterfester Weg.
 
Nachdem die bisherigen Vorstellungen mit Persönlichkeiten der deutschen Sporthistorie  mehr die Etablierung der „Verbandsgeschichte und den  Funktionärsbereich“ aufzeigten, kommt mit Hanns Braun (*26.10.1886  † 9.10.1918) ein erfolgreicher deutscher Leichtathlet  zur Ehre der Namensgebung eines Sportplatzes auf dem Reichssportfeld  und in Würdigung seiner Erfolge wurde er zudem im Jahr 2008 in der  Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Zweimal kamen in München zu Ehren  von  Hanns – Braun –  Sportfesten Sonderstempel zum Einsatz im Jahr 1939 und 1971. München vermutlich nicht von ungefähr, da dies auch die Geburtsstadt von Hanns – Braun war. Der Münchner Stempel aus dem Jahr 1939 sollte besser einmal an dieser Stelle  nicht als Hauptstadt im Sinne der NS – Ideologie interpretiert werden sondern  als Hauptstadt der sportlichen Bewegung.


Die Briefmarke zu 6 Reichspfennigen mit dem Sportfeld war dem Satz zum Deutschen Turn- und  Sportfest in Breslau 1938 (24. bis 31.7.) entnommen  und dazu zumindest an dieser Stelle ein passender Beleg mit Sonderstempel Breslau.

Hanns Braun war bei den olympischen Spielen 1908 in London und 1912 in Stockholm erfolgreich und  mit zahlreichen deutschen Meistertiteln als Läufer über 400, 800 und 1500 Meter und im Staffellauf.

Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
3. Fortsetzung
27.11.2020

Zurück noch einmal allgemein zur Sporthistorie. Schon früh fanden Sportveranstaltungen und Philatelie auch  gemeinsam ihren Niederschlag und dazu beispielhaft



                                                            Poststempel Wiesbaden 13.8. 1899 zum Kreisturnfest

Die Zahl von Lithografien und Ansichtskarten zu deutschen Turnfesten und – Veranstaltungen ist erheblich und spez. aus der Zeit der Wende  vom 19. zum 20. Jahrhundert in wunderbaren Ausführungen vorhanden und zumindest an dieser Stelle eine Karte vom bayrischen Turnfest 1897 in Augsburg  erneut mit dem gemeinsamen Gedenken der Turnväter Jahn, Friesen und Körner und der Berliner Marke zum Turnfest 1968 und in beiden Fällen das deutsche Turnerkreuz  von F.Jahn mit  4xF  (frisch, fromm, fröhlich, frei)



                                     IX. Deutsches Turnfest   Hamburg 1898 mit Friedrich Jahn, Turnern, Festzug und
                                                      Dr. Ferdinand Götz als Vorsitzender der deutschen Turnerschaft 

Die olympische Idee dann aufzugreifen, war um die Jahrhundertwende 1900 in Deutschland unter teils schwärmerischen Gesichtspunkten leicht zugänglich. Stichwort:  Johann Wolfgang  von Goethe schrieb im Jahr 1786 Iphigenie auf Tauris und daraus das geflügelte Wort - Das Land der Griechen mit der Seele suchend. Nach kleineren Ausgrabungen auf dem Peloponnes war es dann Deutschland mit Ernst CURTIUS nach offiziellem Vertrag mit der Regierung in Athen, der die Grabungen mit jungen Archäologen  der Königlichen Museen aus Berlin in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgreich und im großen Stil in Angriff nahm.

Vorstehend Karten um das Jahr 1900 geschrieben mit Ansichten  der Grabungsfelder in OLYMPIA  aus griechischem Verlag mit deutscher Inschrift: Gruss aus Olympia.

Curtius erhielt Unterstützung bei den Ausgrabungen in Olympia  durch Johannes Heinrich Friedrich Adler (* 15.10.1827 † 15.09.1908) Architekt, der sich um die Organisation der Arbeitsabläufe und Dokumentation der Fundstücke kümmerte. Die Fülle der Fundstücke verlangte nach einer sachgerechten Lagerung und Aufarbeitung. Adler erreichte schließlich unter Mühen den Bau eines Museums in Olympia und dazu fand zur Würdigung eine Werbeschau im Jahr 2006 in Schleswig statt, die Friedrich Adler und „sein“ Museum in Olympia mit einem Sonderstempel der Post bedachte


Dem Franzosen Baron Pierre Coubertin gelingt die Reaktivierung der antiken olympischen Spiele  auf internationaler Basis im Jahr 1884 auf  der 1. Tagung in  der Sorbonne, Paris. Dazu der passende Sonderstempel und das Tagungsbild aus dem Cigaretten-Bilderdienst Hamburg-Bahrenfeld (folgend stets unter C-B-H-B). Meines  Wissens nach ist es ungeklärt oder strirttig, ob Deutschland überhaupt von Coubertin  in die Sorbonne eingeladen wurde. Politik und Sport haben und hatten stets auch strittige Berührungspunkte mit  Boykottaufrufen und Fernbleiben zu  den olympischen Spielen bis in die heutige Zeit.

Dieses Ereignis nach 100 Jahren mit einem erneuten Kongress in Paris zu feiern, fand sowohl in Frankreich mit Marke und Sonderstempel  und in Deutschland gleich mit 3 Sonderstempelausführungen seinen philatelistischen Niederschlag im Jahr 1994

Dazu noch ein weiteres Ensemble mit Absenderfreistempel 1994, deutsche Coubertinmarke 1968 mit SST, griechische Coubertinmarke und u.a. das Stadion 1896 auf entsprechender Briefmarke  nach glücklicher Finanzierung durch den griechischen Millionär Averof und Ehrung Coubertin auf dem Reichssportfeld mit Namensgebung des Platzes vor dem Südtor

Standen Emil von Schenkendorff als Vorsitzender des Zentralausschusses  zur Förderung der Jugend und Volksspiele   und  Ferdinand Götz als Vorsitzender der deutschen Turnerschaft  distanziert 1894 zu Baron de Coubertin und einer Beteiligung Deutschlands an den geplanten olympischen Spielen 1896 in Athen, so etablierte sich in Deutschland dennoch zögerlich  unter Willibald Gebhardt  die olympische Idee. Willibald Gebhardt wurde leidenschaftlicher Promotor für Olympia und wird rückblickend ausgehend von den Arbeiten durch Dr. Eerke Hamer ab dem Jahr 1970  auch als „deutscher Coubertin“ neu entdeckt.  Gebhardt hatte schon durchaus Vorstellungen einer internationalen Sportbewegung, die zur damaligen Zeit im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert selbst für Coubertin  zu „revolutionär“ waren. Gebhardt war informiert durch den griechischen Konsul Rangavis zu den olympischen Plänen in Athen 1896 und registrierte die Distanzierung der deutschen Sportverbände. Gebhardt erkannte daher zwingend die Notwendigkeit eines neuen Organisationsverbandes im Jahr 1895 und scheitere trotz anfänglicher  Erfolgsaussichten  gegen etablierte Kräfte und startete am 13.12.1895 einen weiteren Versuch die Teilnahme in Athen deutscher Athleten noch zu ermöglichen durch die Einladung in Berlin in das Hotel Vierjahreszeiten und Gründung eines  Komitees für die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen zu Athen. Die Gründung eines quasi 1. Nationalen  Olympischen Komitee  (NOK) gelang und erster Präsident wurde Erbprinz Philipp Ernst zu Hohenlohe-Schillingfürst. Sowohl an die Gründung als auch an den  ersten Präsidenten erinnern nach 100 Jahren entsprechende Sonderganzsachen und –Stempel und erlauben so dieses denkwürdige Ereignis philatelistisch festzuhalten.

An dieser Stelle ist einmal durchaus ein Lob und Anerkennung an die IMOS  - Internationale Motivgruppen Olympiaden und Sport (s. Linkliste) und an die Forschungsgemeinschaft „Sonderpostämter“ e.V. (jeweils im Bund Deutscher Philatelisten e.V.) zu richten, die es mit ihren Aktivitäten neben anderen Akteuren erlauben, philatelistisch historische Daten zu Olympia- und Sportereignisse zu dokumentieren. 

Die Gründung eines Komitees zur Beteiligung  Deutschlands an den Olympischen Spielen in Athen  1896 war quasi ein 1. Nationales Olympischen Komitee  (NOK)  und erster Präsident wurde Erbprinz Philipp Ernst zu Hohenlohe-Schillingfürst. An dieser Stelle kann nun dazu auch eine Lithographie  vorgestellt werden mit  der Tagungsstätte und Stempel Charlottenburg aus dem Jahr 1899.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
4. Fortsetzung
06.12.2020

Damit war eine deutsche Olympiateilnahme auch Anfang 1896 noch nicht gesichert und Gebhardt  versuchte  mit seiner Schrift Soll Deutschland sich an den Olympischen Spielen beteiligen? Ein Mahnruf an die Deutschen Turner und Sportsmänner, sein Ziel zu erreichen

Diese im Nachdruck aufgelegte Schrift (1995 im AGON SPORTVERLAG, im Auftrag des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland)  ist absolut lesenswert und belegt eine olympische Vision von Willibald Gebhardt,  die ihrer Zeit voraus war und den Deutschen Turnerbund nicht umstimmen konnte bezüglich der Ablehnung zu den olympischen Spielen.

Seitens der offiziellen Verbände  war Gebhardt also kein Erfolg vergönnt, aber seine direkte Ansprache von Sportlern und mit der Rückendeckung durch die zugehörigen  individuellen Vereine konnte er  3 ½ Wochen vor Beginn der Spiele eine Olympiamannschaft mit 20 Sportlern  an das IOC melden und war Leiter der deutschen Mannschaft und als Kampfrichter nominiert. Olympia Athen wurde für Deutschland unter 12 Nationen ein  siegreicher Einstieg! Coubertin konnte damit Deutschland nicht mehr „aus dem Weg gehen“ und Gebhardt wurde Mitglied im IOC.

                                                                                           ATHEN 1896-1996

                                      Erwähnenswert sicherlich Carl Schumann als erster deutscher Gewinner einer
                                                                                   Goldmedaille 1896

und Fritz Hoffmann war nicht nur im Turnen erfolgreich, sondern Silbermedaillengewinner über 100m-Lauf und auf der folgenden  Ansicht Dritter von rechts mit „Startstöckchen“

Hermann Weingärtner holte mit der Mannschaft in den Disziplinen Reck und Barren die Goldmedaille und passend zur Marke im Pferdsprung  auch die Bronzemedaille.

Die Vettern Gustav und Alfred Flatow waren im deutschen Mannschaftsturnen Reck und Barren ebenfalls Goldmedaillegewinner und  wurden tragisch beide als Juden im KZ – Theresienstadt  1942/45 ermordet. In Erinnerung an 100 Jahre olympische Spiele der Neuzeit wurde in der Sportmarkenserie der Cousins Flatow gedacht und auch die ehemalige Reichssportstraße, die auf den Coubertin Platz zuläuft, wurde nach ihnen umbenannt.


Ich habe die überragenden Turner in Athen teils  ausführlicher vorgestellt, um einerseits den deutschen Turnsportstandard zur damaligen Zeit zu beleuchten und um andererseits die Schwierigkeiten von Gebhardt  zu erwähnen, der trotz dieser Erfolge in der Heimat und den dortigen  offiziellen Turnverbänden keine ungeteilte Resonanz fand!

Aber in der Öffentlichkeit und auch unter den Sportlern selbst war das Thema OLYMPIA  nicht vergessen und teils unter schwärmerischer Vorstellung zur glorreichen  antiken Geschichte allgegenwärtig.

Auf dem  X. DEUTSCHEM TURNFEST  zu Nürnberg 1903 kam in der Serie der offiziellen  Postkarten der Turnfestleitung zum Festzug die „No.3 Die olympischen Spiele im Festzug“ mit entsprechender vor- und rückseitiger  Bebilderung  zur Darstellung. Auch später wurde häufig in der Sportphilatelie der Bezug zur Antike gesucht und dazu beispielhaft noch die Briefmarke aus dem Saarland zur Olympiade  Melbourne 1956 einmal im 12 Franc - Wert.

Die Interpretation zur Saarmarke gerät etwas schwierig. Der Stecher der Marke (Raoul Serres, Frankreich) mit Produktion in der französischen Postwertzeichendruckerei Paris wählte einen Jünglingskopf als Detail aus dem Fries des Triumphbogens in der italienischen Stadt Benevent zu Ehren des siegreichen Kaisers Trajan. Der Michelkatalog führt hier fälschlich  an –  Jünglingskopf: Statue eines Siegers von Benevent. Eine Statue war es meines Wissens nach nicht, aber die Marke symbolisiert eventuell die siegreiche olympische Idee, denn 1956 durfte das Saarland nach dem 2. Weltkrieg erstmals mit Sportlern an der Olympiade in Melbourne - Australien im Rahmen der neu gebildeten gesamtdeutschen Mannschaft von Ost- und Westdeutschland teilnehmen.  Nur farblich konnte man sich wohl anfangs nicht richtig festlegen und entscheiden, wie die folgende Abbildung dokumentiert

Die olympischen Spiele 1900 in Paris und 1904 in St. Louis gerieten in der Kombination mit Weltausstellungen und protrahiertem zeitlichen Verlauf  in die Kritik von Gebhardt mit Folge der Distanzierung von Coubertin. Vermutlich scheiterte damit Gebhardts Idee ein Olympia in Deutschland für 1908. Er war zudem im Interessenspiel vielseitiger Funktionäre auch in Deutschland als relativ mittelloser Bürgerlicher ohne zwingende Durchsetzungskraft. Kaiser Wilhelm der II. wollte zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Grunewald als Sportfeld für die Bevölkerung freigeben. Graf Egbert von der Asseburg wurde nun im Jahr 1905 Vorsitzender im neu gebildeten Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele und war zudem vertraut als Vorstandsmitglied im Union-Club  mit den Plänen im Grunewald  evtl. ein deutsches Stadion innerhalb einer Pferderennbahn in Berlin zu verwirklichen

                                                                                  Graf Egbert von der Asseburg

Es wird durchaus unter Historikern  diskutiert, ob das zweite deutsche Mitglied damals im IOC mit dem Grafen Wartensleben in Absprache mit Graf Egbert von der Asseburg  durch intrigenhaftes Verhalten Willibald  Gebhardt aus dem IOC drängten und Gebhartdt sich anscheinend widerstandslos aus der olympischen Szene zurückzog und Coubertin seinen Abschied mitteilte. 
Im Jahr 1909 brachte die 10. IOC – Sitzung  des Internationalen Olympischen Komitees mit der ersten Sitzung  auf deutschem Boden  im neuen Hotel Adlon am Pariser Platz die Berliner Olympiapläne  in Konkurrenz zu Stockholm  zunächst an die Spitzenposition.

Auf der 11. IOC – Sitzung zog Deutschland dann aber seine Bewerbung für die Ausrichtung der Olympiade 1912 zurück, finanzielle Unwägbarkeiten und der plötzliche Tod von Asseburg  brachten die Bewerbung zu Fall und unter seinem Nachfolger Victor von Podbielski  bekam Deutschland schließlich auf der IOC Sitzung 1912 dann den Zuschlag für das Jahr 1916. (Nebenbei bemerkt hatte  Podbielski die geplante Finanzierung des nötigen Stadions unter seinen betuchten Reiterfreunden im Union Club und Berliner Rennverein per Anleihe mobilisiert und in Finanzdingen war er übrigens auch als preußischer Landwirtschaftsminister routiniert und schon einmal nach Insidergeschäften 1906  aufgefallen und hat sogar die Regierung in Bedrängnis gebracht).

Gebhardt zog sich ins Privatleben zurück und kam durch einen Verkehrsunfall ums Leben, aber auf dem Reichssportfeld wurde  im Jahr 1936  immerhin  mit dem Gebhardt – Platz  seiner erinnert. Vermutlich war auch in diesem Fall Carl Diem Namensgeber in Erinnerung an seine Übereinstimmung  mit Gebhardt  bezüglich der olympischen Idee und ihrer  erstrebenswerten  Verwirklichung.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
5. Fortsetzung
21.12.2020

Die Deutsche Sporthilfe legte zu seinen Ehren eine Individuell – Briefmarke auf und schon im Jahr 1991  feierte Berlin Willibald Gebhardt mit einem Sonderstempel


Bei weiterem Interesse ist sicherlich die Literatur aus der Schriftenreihe des Willibald Gebhardt Instituts vordringlich empfehlenswert.

04.01.2021
Ganz aktuell können hier weitere  philatelistische Belege zu Ehren von  Willibald Gebhardt und  Erbprinz Philipp Ernst zu Hohenlohe-Schillingfürst eingefügt werden  und in diesem Fall  im Gedenken an die 125 Jahre olympische Bewegung in Deutschland  mit Individualmarken zu Willibald Gebhardt (1861 bis 1921)  als Initiator  des olympischen Komitees  und zu Philipp Ernst zu Hohenlohe-Schillingfürst (1853-1915) als erster Präsident des deutschen olympischen Komitees



Dazu  ein passender Sonderstempel und ein dankenswerter Hinweis auf die erneute Initiative der FG „Sonderpostämter“, die in diesem Fall auch damit ihr 50jähriges Jubiläum  feiert.

Nach erfolgreicher Wiederbelebung  der antiken olympischen Spiele in der Neuzeit durch Pierre de Coubertin  – durchaus auch inspiriert durch die deutschen Ausgrabungen  - war dann Deutschland,  wie oben erwähnt, für das Jahr 1916 auserwählt für  das olympische Geschehen mit dem Austragungsort  in Berlin – Grunewald  und dem Deutschen Stadion.


Mit dem Bau des Deutschen Stadions  führt nun, wie zu Beginn der Ausarbeitung angedeutet, der Weg in die Architektenfamilie mit Otto March und seinen beiden Söhnen Werner und Walter. Letzterer zog sich aus der verantwortlichen Planung nach 1928  in den Hintergrund zurück teils auch durch Tätigkeit im Ausland und überlies seinem Bruder Werner die Planungsverantwortung  zu den Bauten von 1925 bis 1938 auf dem Reichsportfeld.

Werner March erlebte schon im Alter von 15 Jahren in Berlin die erste  internationale Städtebauausstellung  in Berlin (1910) unter der Mitarbeit seines Vaters und Architekten Otto March. Er war begeistert, entdeckte hier seinen Berufswunsch ebenfalls zum Architekten  und  zwei Jahre später begleitete er sicherlich schon mit Interesse Bau und Pläne seines Vaters im Gebiet des Sportbereichs der Rennbahn im Grunewald  zum DEUTSCHEN STADION für die ersten geplanten deutschen olympischen Spiele für das Jahr 1912. Dieser Termin scheiterte an terminlichen und den besagten  finanziellen  Engpässen und verschoben  die Planung der Spiele in Berlin in das Jahr 1916, die dann allerdings in den Kriegswirren des 1. Weltkrieges untergingen.

Die Idee ein  repräsentatives Sportstadion für mögliche olympische Spiele in Berlin zu etablieren, war  den  deutschen Olympioniken  und an ihrer Spitze Graf Egbert von der Asseburg  seit ihrem Olympiaerlebnis 1906 Athen  eine erstrebenswerte Vision.


Die Verwirklichung dieser Idee eines  Deutschen Stadions scheiterte jahrelang  und erst mit der Unterstützung durch  Staatsminister  Victor  von Podbielski  gelang schließlich die oben erwähnte Realisierung. Victor v. Podbielski war nach seiner Militärkarriere übrigens Nachfolger von Heinrich von Stephan Leiter des Reichspostamtes  und damit besteht auch eine Querverbindung zu unserem Hobby der Philatelie. Er engagierte sich im deutschen Sport und wurde  1909 Präsident des Deutschen Reichsausschusses  für Olympische Spiele bis zum Jahr 1916. Als bleibende Ehrung gibt es die Podbielski – Eiche am Osttor des Reichssportfeldes  vor dem  Preußenturm, der noch auf der zeitgenössischen Ansichtskarte mit dem Hakenkreuzemblem „verziert“ ist. Ebenso findet sich die Podbielski – Eiche im PHARUS – Plan zur Olympiade 1936  eingezeichnet und ist auf der Berliner Freimarkenausgabe (29.8.1953) erkennbar. Eine „1. Podbielski – Eiche“ am Ostrand des alten Deutschen Stadion fiel übrigens dem Neubau von 1936 zum Opfer. Zu Podbielski ferner eine Privatganzsache mit Werbestempel Berlin zum 150. Geburtstag im Jahr 1994.
 
Podbielski war Führer der deutschen Olympioniken 1912 in Stockholm und  als Vorstand im UNION-CLUB für Pferderennen wurde seit 1909 die Rennbahn mit Bahnanschluss im Berliner Grunewald realisiert und im Inneren der Bahn wurde das Deutsche Stadion unter dem  Architekten Otto March in den Jahren 1912/13 mit 33.000 Plätzen und nördlich integriertem Schwimmbad  „im Erdboden  versenkt“ errichtet, um den freien Blick auf die Pferderennbahn zu erhalten. Architekt Otto March verstarb kurz vor der Fertigstellung der imposanten Sportstätte und die nachfolgende Zeichnung  aus dem Buch von Werner March  BAUWERK REICHSSPORTFELD aus dem Jahr 1936  verdeutlicht die  Anordnung des tiefer gelegten Stadions für die olympischen Spiele im Jahr 1916


Die vorstehende Luftaufnahme dokumentiert höchst interessant das spätere Reichssportfeld mit Deutschem Stadion und mit der Pferderennbahn von 1909. Im Vordergrund rechts das Wirtschaftsgebäude und Hauptrestaurant „Waldhaus“ mit seinen nördlichen Terrassen zur Rennbahn hin. Dieses Gebäude blieb übrigens mit seinem Unterbau  im späteren Olympiagelände von 1936 erhalten. Nach  Westen erkennbar der Tunnelbau unter der Rennbahn als einziger Zugang zum Stadion mit dem „Marchhof“ und diese Verbindung wurde von Werner March  ebenfalls für das Stadion 1936 erhalten und integriert.  Weiter links folgen die drei Tribünenbauten mit den südlich dahinter gelegenen Totalisatorenhäuschen für die Pferdewetten der Besucher.

                                                  Aber zunächst noch ein Blick auf die Gegebenheiten im Jahr 1909

Das obige Bild zeigt den Eröffnungstag der Rennbahn Grunewald am 23.Mai 1909 durch Kaiser Wilhelm II. und dieser Tag war gleichzeitig der erste Betriebstag für den Bahnhof Rennbahn natürlich mit Extrazügen auf 5 Bahnsteigen (für Pferdetransport war der nördlichste Gleisanschluss mit einer Rampe versehen). Für den Kaiser mit Gefolgschaft gab es extra einen Kaiserpavillon und erster Tagessieger  wurde ein krasser Außenseiter


                                  Zumindest nachfolgend eine Impression  „vor dem Rennen“ mit Blick auf die Tribünen
                                                           Das Siegerpferd kann ich allerdings nicht benennen

Bereits für die Rennbahnanlage baute Architekt Otto March das Wirtschaftsgebäude  mit dem Hauptrestaurant "Waldhaus" und den Stadionterrassen nach Norden in gestaffelter Form. Von diesem Gebäude hat der Sohn Werner March auf dem Reichssportfeld für die Olympiade 1936 nur das Sockelgeschoss  stehen lassen und darauf  neu  aufgebaut (genaue Vorstellung zu den Stadionterrassen  soll  an späterer Stelle noch erfolgen).

                                                    Foto aus der  Baugewerks – Zeitung vom 25. September 1909

Selbstverständlich wurde das Deutsche Stadion – natürlich Rennbahn ebenso - bis zum Umbau  zum Reichssportfeld 1934 für Veranstaltungen genutzt u.a. mit Fußball-, Radsport- und Schwimmveranstaltungen,  das Thema lautet Reichsportfeld und bei Interesse zu den Ereignissen ist erneut das Buch von Volker Kluge zum Olympiastadion (Ausgabe im Jahr 2009) empfehlenswert. Die Zeittafel liefert zahlreiche Anmerkungen zu den Veranstaltungen. Dazu einmal ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1915 zum ersten Sportfest  während der Kriegszeit  und hier eine Aktivität des Deutschen Schwimmverbandes.


Nachfolgend  beispielhaft noch 4 Fotopostkarten mit sportlichen Ereignissen im Deutschen Stadion
.
Die obige Kulisse zeigt die Zuschauerränge des Schwimmstadions und  die Inschrift des Postkartenvertriebs W. Sanke aus Berlin  lautet

                                                           DEUTSCHES STADION  Luber springt vom 10m Brett

Nach 100 Jahren ist  Hans Luber in der Regel nicht allgegenwärtig, aber er war zu seiner Zeit ein höchst  bekannter und gefeierter Schwimmsportler gewesen. Dazu einmal auch die Vorstellung seines Buches im Grethlein u. Co. Verlag Leipzig und mit Anführung seiner sportlichen Lorbeeren.

Auf erstaunlichen und durchaus lesenswerten 169 Seiten lässt Hans Luber kein Detail zum Schwimmsport aus, allein die Illustrationen zum Schwimmunterricht vor 100 Jahren sind  wirklich famos und es fehlen auch nicht die Bilder zum  Auerbach-Sprung, sogar in Form des Auerbach-Kopfsprungs mit Anlegen der Arme und auch die Schraube  wird bildhaft vor der Kulisse im Deutschen Stadion vorgestellt.

Hier noch einmal speziell der Schwimmbereich im Deutschen Stadion auf einer Ansichtskarte (rückseitig mit Poststempeldatum 2.5.1926 Berlin)

und die Deutsche Hochschule  für Leibesübungen trainierte die ambitionierten Boxsportler am Beckenrand des Deutschen Stadions mit Blick auf das Rennbahngelände im Hintergrund .

Welches Turnfest  auf der folgenden Ansichtskarte zur Vorstellung kommt, kann ich nicht datieren, die Karte trägt rückseitig den Poststempel Berlin vom 2.9.1926 und vielleicht war es  ein Bild vom Internationalen Arbeiter – Sportfest , das Volker Kluge mit dem 22.8.1926 anführt.

Zumindest konnte ich auch mit der Lupe keine Sportlerin oder Sportler erkennen, die im "gemeinschaftlichen  seitlichen Armstütz umgefallen wären“.

Auch zur folgenden Fotopostkarte  mit Aufmarsch  der Turnerschaften ist leider vom ausgebenden Verlag  G. Riebecke, Berlin – Charlottenburg 4  ohne  Hinweis zur Veranstaltung.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
6. Fortsetzung
30.12.2020

Die Turnbewegung fand natürlich weiterhin auch ihren Weg in den Hochschulbereich  und die  Festveranstaltungen unter dem Begriff DEUTSCH – AKADEMISCHES OLYMPIA führen an die Universitäten  u.a.  in Breslau, Danzig und auch Leipzig.

Die Veranstaltung vom 16.-19. Oktober 1913 in Leipzig verknüpft  sich  über Jahre mit dem Namen von KUHR, der seit seiner studentischen  Begeisterung aktiv für die akademische  Turngemeinschaft der Hochschule und ihrer Organisation  seine ganze Kraft einsetzte. Nach  erfolgreichem Studium als promovierter Gymnasiallehrer führte ihn seine Sportkarriere im Jahr 1908  zum  Universitäts – Turnlehrer und er gründete 1913 die „Vereinigung deutscher Hochschulturnlehrer“. Bei den olympischen Spielen 1912 in Stockholm sprang er sogar ersatzweise für den Deutschen Turnerbund  mit seiner Leipziger Studentenmannschaft ein.

An dieser Stelle ist durchaus die Erwähnung der teils vielschichtigen studentischen Sportbewegungen zu dieser Zeit angebracht und interessant in diesem Zusammenhang  der ASB – Akademische Bund für Leibesübungen von 1909 (später mit dem  Zusatz Deutscher Akademischer Bund für Leibesübungen). Dieser war aus dem Berliner Sportclub (BSC) hervorgegangen mit seinem Vorsitzenden Carl Diem. Für ein Olympia in Berlin  sind dann gemeinschaftlich die Anstrengungen  unter Asseburg, Podbielski, Lewald und Diem anzuführen und  die Stadionpläne wurden unter der Perspektive möglicher olympischer Spiele in 1912  entwickelt und schon  für den Innenbereich der Rennbahn  1909 berücksichtigt. Das Deutsche Stadion plante Otto March also versenkt und ohne Sichtbehinderung  innerhalb Pferderennbahn. Der Bau mit integriertem Schwimmbad im nördlichen Bereich konnte zwar nicht mehr für die Olympiade 1912 fertig erstellt werden, aber am 8.6.1913 war dann feierliche Eröffnung  und dazu zunächst  eine Hommage an Baron de Coubertin mit  seinem Konterfei auf einer Briefmarke mit passendem Sonderstempel  und einer Illustration mit dem  Poststempel Berlin – Grunewald vom Eröffnungstag des Stadions  am 8.6.1913.

Das folgende Ensemble  zeigt das Stadion bei der Einweihungsfeier durch Kaiser Wilhelm den II., der zudem an diesem Tag sein 25jähriges Thronjubiläum feierte und  die Internationalen Motivgruppen Olympia und Sport (IMOS) haben sowohl nach 90  und 100 Jahren mit passenden Belegen dokumentiert. Hervorzuheben sicherlich das eingedruckte Wertzeichen als PLUSBRIEF INDIVIDUELL mit Tagestempel Berlin – Grunewald 8.6.1913

Die Kriegsereignisse 1914 bis 1918 verhinderten die geplanten olympischen Spiele in Berlin für das Jahr 1916 und auch zu diesem eigentlich unerfreulichem Ereignis, hat die IMOS dennoch daran erinnert in Kombination zu ihrem eigenen 50jährigen Jubiläumskongress  in Berlin vom 19. bis 22.5.2016

Die deutsche Sportbewegung war auch trotz des 1. Weltkrieges weiterhin erfolgreich  und folgend einmal aus dem  SÜDWESTDEUTSCHEN VERBAND  eine Postkarte aus dem Jahr 1917 mit Hinweis zur LEICHTATHLETIK und nun stand nicht mehr nur das Turnen im Vordergrund  sondern explizit die Erweiterung zum umfassenden OLYMPISCHEN SPORT mit seinen vielen Disziplinen!

Theodor LEWALD  (rechts) als Präsident des Deutschen Reichausschusses für Leibesübungen und Carl DIEM (links) als Generalsekretär  (Fotos Cigaretten-Bilderdienst-Hamburg-Bahrenfeld) hatten nach dem 1. Weltkrieg unermüdlich und schließlich erfolgreich  neben dem Stadionbau auch für die Gründung eines DEUTSCHEN SPORTFORUMS als Hochschule  mit umfassender Forschung und Lehre geworben und dazu wurden erste behelfsmäßige Bauten  zunächst dem Deutschen Stadion nördlich angefügt.

Erweiterungspläne  und Vorstellung eines Gesamtkonzeptes  und entsprechende umfangreiche Gestaltung zum SPORTFORUM führten dann zum ausgeschriebenen Architektenwettbewerb.

   Dazu einmal u.a. der Architektenplan  SEIFFERT u. BIEBENDT ( aus deutscher  Bauzeitung Nr. 32/40 Jahrgang 1926)

                                             und folgend der siegreiche Entwurf der Gebrüder  WERNER u. WALTER MARCH

Carl Diem empfand  diese  Entscheidung des Preisgerichtes im Jahr 1925 übrigens als etwas zweifelhaft. Die Überarbeitung und Durchführung schließlich nur unter Werner March  erfolgte dennoch im weiteren Verlauf und  in den späteren Umbauplänen und Ausführungen  zum Olympiastadion 1936 waren Carl  Diem  und Werner March unbestritten  auf gemeinsamer positiver  und konstruktiver Linie.
Aus dem Konzept  des  geplanten Sportforums wurde dann ein erstes Gebäude mit der Deutschen Turnschule im Jahr 1926 errichtet. Hier auf einer Ansichtskarte  mit Poststempel 22.10.1928. Zu diesem Zeitpunkt lautete der zugehörige Straßenname noch Graditzer Allee (benannt nach Graditz -  Ortsteil von Torgau mit dem Gestüt Graditz) und wurde erst später zur Friedrich Friesen - Allee im Rahmen der Gestaltung des Reichssportfeldes zur Olympiade 1936.

Dazu noch die Rückseite einer Ansichtskarte zur Deutschen Turnschule Berlin-Charlottenburg, Graditzer Allee. Ein Kursteilnehmer schreibt von angenehmer Erholung während des 14tägigen Lehrgangs trotz täglich anstrengender körperlicher und geistiger Arbeit (Kontrast verstärkt).

Dieses Turnhaus wurde für die späteren Bauten des Sportforums zu den olympischen Spielen 1936  gering umgebaut, eingefügt und in seiner Fassade  angepasst und enthielt allein 4 Turnhallen ferner sieben Gymnastiksäle neben dem Umkleide- und Sanitärbereich.
Eine Teilnahme an den  olympischen Spielen 1920 und 1924 in  Antwerpen und Paris blieb Deutschland aus politischen Gründen   in Verbindung mit dem 1. Weltkrieg verwehrt, aber im Jahr 1928 war es dann wieder  soweit und  die Kölner Turn- und Sportgerätefabrik  Carl Schröder wirbt mit dem Hinweis  als Lieferant für das 14. DEUTSCHE TURNFEST und die 9. OLYMPIADE IN AMSTERDAM   auf einer illustrierten  Postkarte mit vorderseitigem Bild von Turnvater Jahn



Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
7. Fortsetzung
08.01.2021

Aber zurück nun zum weiteren Werdegang auf dem Gelände in Berlin-Grunewald. Bereits  ab den Jahren 1925/27 gab es Überlegungen im Reichsausschuss für Leibesübungen das Deutsche Stadion zu erweitern auch in Hinblick auf eine erneute Bewerbung für Olympia. Architekt Werner March wurde  beauftragt  zu einer Planerstellung und dies noch unter notwendiger Beibehaltung der Pferderennbahn. Dazu die folgende Topografie mit Rennbahn, Deutsches Stadion und geplantes Sportforum im Jahr 1926 aus dem lesenswerten Buch Werner March von Thomas Schmidt, 1992 Birkhäuser Verlag, Basel. Auf der folgenden Planskizze des Reichssportfeldes existiert nun auch schon der nördliche Verbindungstunnel  vom Stadion zum Sportforum (Bau ab Oktober 1928 durch die Fa. Philipp Holzmann AG, der Tunnel war 400m lang und 4m breit)

Auf dem Internationalen Olympischen Kongress 1930 in Berlin präsentierte sich Deutschland dann erneut  als Sportnation und  warb für die Vergabe der Olympischen Spiele 1936  in Berlin. Der hervorragend geplante Kongress in Berlin gestaltete sich  für die IOC – Mitglieder aus 50 Nationen als äußerst effektiv und  wohlwollend erinnerungsträchtig. Damit stand im Jahr 1931 auf der IOC – Tagung  zur endgültigen Vergabe der Olympischen Spiele für das Jahr 1936 in Berlin  nichts mehr im Wege. Diese Entscheidung fiel für eine Stadt in Deutschland zur Zeit der „Endphase“ der Weimarer Republik und dies in  den Verhältnissen absoluter  politischer und wirtschaftlicher Krisenzeiten.  Schon Dezember 1933 erfolgte die internationale Einladung an alle Nationalen Olympischen Komitees zur Teilnahme in Berlin durch Theodor Lewald  und der feststehende Termin 1.8.1936 mit Eröffnung der Olympiade war nun in 2 ½ Jahren zu meistern, aber es handelte sich ja nicht um einen „Großflughafen“.
Folgend Einladung Lewald aus Olympia 1936 eine nationale Aufgabe 1935 im Reichssportverlag.

Auf dem 25jährigen IMOS – Jubiläum  mit Olympia-Briefmarken-Ausstellung in Mühlheim wurde Dr. Theodor Lewald mit einem Sonderstempel geehrt, der zudem seine IOC – Mitgliedschaft von 1924 bis 1938 dokumentierte.


Nach Zuschlag für die Spiele überplante Werner March nun das Gelände erneut mit Erweiterung des alten Stadions auf  35000 Plätze durch Tieferlegung der Tribünen und durch  die Verlagerung des bis dato integrierten Schwimmbadteils aus dem Stadion heraus und Verlegung  an die östliche Flanke. Diese Version wurde  ab Mai 1933 als Konzept genehmigt.

                                                        Werner March, Foto Cigaretten-Bilderdienst-Hamburg-Bahrenfeld

Hinweis: Alben mit Sammelbildern zu den Olympischen Spielen 1936  finden sich spez. aus der oben angeführten Quelle  recht häufig. Die allgemeine Olympiabegeisterung und der damals recht hohe Raucheranteil der Bevölkerung führte diese Werke bis an die Millionenauflage heran, die ich zukünftig bei Quellenhinweis zweckmäßig nur noch unter C-B H-B anführen möchte.

Aber bereits im Januar des Jahres 1933 hatten sich dann die politischen Perspektiven mit der Machtübergabe an Adolf Hitler und seine NSDAP deutlich und total verändert!

Die geschulte nationalsozialistische Propagandamaschine erkannte sofort die Möglichkeit diese Spiele auf internationaler Ebene für ihr Image zu missbrauchen und dies für Deutschland  unter dem Alleinvertreteranspruch von Hitler und seiner Partei.
Nach dem Ableben des Reichspräsidenten Hindenburg wurde Reichskanzler Adolf Hitler auch Schirmherr der  geplanten kommenden  olympischen Spiele in Berlin 1936.

                                                        aus Olympia - eine nationale Aufgabe, Reichssportverlag 1935

Eine Ortsbesichtigung von Hitler mit Erläuterung der Pläne aus dem Frühjahr 1933 führte  zur Ablehnung  und Aufforderung an Werner March ein neues Planungskonzept zu erstellen und dabei auch durchaus „gewünschte extreme Menschenmassenzahlen von Adolf Hitler“ zu berücksichtigen. Es war die  unbestrittene  Leistung des Architekten WERNER MARCH  die olympischen Bauten  in die vorgegebene Landschaft zu integrieren. Kein Architekt kannte langjährig besser die Gegebenheiten des geplanten Sportfeldes als Werner March und aus drei Entwicklungsplänen wurde von Hitler Ende des Jahres 1933 folgendes Konzept gebilligt

                                                                                gez. Architekt Werner March

Selbst  Adolf Hitler, Ministerien und sportliche und städtische Gremien  mit ihren Wünschen und Forderungen folgten letztlich seinen überplanten Vorstellungen zur Gesamtgestaltung. March gelang es mit entsprechendem Widerstand die Fläche des Aufmarschgeländes für Hitlers gewünschte Menschenmassen zumindest etwas erträglich zu reduzieren und dennoch ein phantastisches  und unvergleichbares Gesamtkonzept zu realisieren und dies auch unter teils enormen zeitlichem Druck. Albert Speer übte  noch kosmetische  Einflussnahme spez. in der Fassadengestaltung des Stadions in Werksteinausführung, um Hitlers Geschmack nach unvergänglichem Natursteineindruck zu entsprechen.  Die Planungen der wichtigen Verkehrsanbindungen des Reichssportfeldes waren bei den beiden Fachleuten March und Speer  kein strittiger Punkt sondern kompetente  Übereinstimmung.   

Dazu  die Verkehrsplanung zum Reichssportfeld  und hier hatten sich die Berliner Verkehrs-AG, Dt. Reichsbahn, Dt. Reichspost und der öffentliche Kraftverkehr gemeinschaftlich  zur Olympiade 1936 in Berlin organisiert.


In roter Farbe Markierung der Straßenbahn auf der Stadion – Allee, in grüner Farbe der S-Bahnhof Reichssportfeld und Pichelsberg, in blauer Farbe der U-Bahnhof Olympiastadion und in violetter  Kennzeichnung der Omnibus auf dem olympischen Platz.

Speziell die Taktung der S-Bahn mit möglichen 80.000 und der U-Bahn mit 25.000 Personen addierte sich mit Straßenbahn und Kraftpost auf eine geplante Verkehrskapazität zur Bewältigung mit 120.000 Teilnehmern pro Stunde. Der Autoverkehr lief zusätzlich und teils auch über neue Straßen und Brücken aus östlicher, südlicher und westlicher Richtung über die Olympische-, die Reichssportfeld- und die Glockenturm-Straße.  

Die Vorstellung des  Reichsportfeldes soll mit der  S – Bahn – Fahrt beginnen zum Bahnhof Reichssportfeld und  hier sind schon  Überplanungen seit 1934/35 für die olympischen Spiele zu registrieren (U-Bahnhof Vorstellung später). Bei der Eröffnung im Jahr 1909 lief der Stationsname unter  RENNBAHN bis zum Jahr 1928 und lief dann bis  zur Olympiade 1936  unter dem Namen Stadion – Rennbahn Grunewald. Das südlich durchgehende Gleis der Vorortbahn führt nach Spandau und 4 Kopfbahngleise schließen sich nach Norden an zur Bewältigung der Fahrgäste bei  Veranstaltungen.  Erwähnenswert  noch die  KdF – Stadt zur Olympiade, die in unmittelbarer Nähe angelegt worden war.  Während der olympischen Spiele gab es den eigenen Sonder- S- Bahnhof KdF – Stadt unmittelbar dem regulären Bahnhof Heerstraße vorgelagert und die nächste Station war dann schon der Bahnhof Reichssportfeld. Hier noch einmal die Vorstellung aus dem Menüpunkt Olympiastadion.

Erwähnenswert ist in Erwartung des Verkehrsaufkommen zu den olympischen Spielen die Entwicklung und Bau von 34 Triebzügen der Baureihe ET 166, die während dieser Zeit ihre Fenster  mit den OLYMPISCHEN RINGEN an den Fensterscheiben der Türen geschmückt  hatten und unter dem Begriff  „Olympia – Züge“ liefen. Auf der nachfolgenden Aufnahme etwas schwierig zu erkennen. S- Bahn Kapazität  Stadion 84.000 Personen pro Stunde.


Dazu noch ein  Detail der Verkehrsanbindung S – Bahn Reichssportfeld aus dem Stadtplan von Berlin des Reichssportverlages zu den olympischen Spielen im Jahr 1936
 
Der S - Bahnhof wurde zu den olympischen Spielen ab dem Jahr 1935 umgebaut und das zweigeschossige Empfangsgebäude wurde in Form einer  offenen  Halle  gestaltet.

Blick auf den  Bahnhof Reichssportfeld. Im Hintergrund  kommt das Olympiastadion zur Abbildung und der Blick nach links – westlich  fällt auf die Treppenaufgänge zu der neu gestalteten Empfangshalle und dahinter noch erkennbar das umgebaute Gebäude der Stadionterrassen.

Der erste Blick bei Betreten des S- Bahnhofvorplatzes  fällt auf die Stadionterrassen und dazu eine Kombination zweier Fotopostkarten zum „Weitwinkelaspekt“

Die Nomenklatur „hinterer Eingang“  ist nicht treffend. Gemeint ist der südliche Eingang zum Reichssportfeld mit seinen dort errichteten 28 Kassenhäuschen.

Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
8. Fortsetzung
16.01.2021

Dazu noch einmal eine zeitgenössische  Ansichtskarte mit Blick von Norden nach Süden über das Reichsportfeld in der letzten Bauphase 1936. Das Olympiaschwimmbad dokumentiert schon an der nördlichen Seite die Grundkonstruktion der Zusatztribünen für die olympischen Spiele. Im Süden dann der S – Bahnhof Reichssportfeld und hier nun nach Osten das neue Bahnhofsgebäude an der Trakehner Allee mit der Fußgängerbrücke zu den 5  Gleisen.

                                                                     dazu Detailausschnitte mit Blick nach Süden

                                                                                  mit Blick nach Norden

S-Bahnhof Reichssportfeld (13 s.unten) Detailaufsicht aus zeitgenössischer Ansichtskarte. Das westliche und ältere Bahnhofsempfangsgebäude öffnete sich zur Reichssportfeldstraße (alter Name von 1909 bis zur Olympiade war Rennbahnstraße), direkt gegenüber das umgebaute Gebäude der Stadionterrassen (9) und nach Norden anschließend der Coubertin – Platz vor dem Südtor des Stadions. Dazu folgend noch einmal ein Ansichtskartenausschnitt mit einer direkten Aufsicht auf den neuen zweiten S – Bahnhof  an der Trakehner Allee und im Hintergrund die Stadionterrassen (9)

Angekommen auf dem Coubertin – Platz  bietet sich rückwärts gewandt der Blick auf den S – Bahnhof  Reichssportfeld  mit dem interessanten Detail  eines Verkaufskiosks

Die Fotopostkarten  mit Ansichten  vom Reichssportfeld  wurden in großer Anzahl aufgelegt  aus vielfach unterschiedlichen Perspektiven und wurden auch sicherlich im obigen Kiosk am S - Bahnhof Reichssportfeld angeboten. Die Wertzeichengeber waren hier erkennbar  in 3facher Ausführung aufgestellt und auch der Briefkasten fehlte nicht. Rückseitig finden sich dann häufig NEBENSTEMPEL mit Hinweis Reichssportfeld in unterschiedlicher Ausführung und  belegen wohl verschiedene Verkaufsstände.

                                   Eine Zuordnung ist mir nicht möglich aber hier eine Darstellung einiger Varianten
 
Folgend nun ein Blick vom Coubertin – Platz weiter in südliche Richtung  auch mit Abbildung der Straßenbahn aus der Stadionallee (seit 1984 Jesse–Owens-Allee) abbiegend in die Reichssportfeldstraße (zuvor Rennbahnstraße und nach 1997 Flatowallee). Straßenbahn-Kapazität 8000 Personen pro Stunde).

Folgende Ansichtskarte zeigt rechts den Bahnhofsvorplatz an der Reichssportfeldstraße mit Blick über den Coubertinplatz auf das Südtor (mit 28 Kassen) vor dem Olympiastadion.

Etwas vorgerückt mit einem anderen Blickwinkel fällt ebenfalls der Blick aus Süden auf das Olympiastadion mit der „Skulptur der raufenden Knaben“ (Künstler mir nicht bekannt) platziert auf dem Bürgersteig Ecke Trakehner Allee und Reichssportfeldstraße.

Von  dort  einmal   nur wenige Schritte nach Westen fällt dann der Blick südwestlich über den Coubertin – Platz   auf die Stadion – Terrassen

                          Dazu nun die Ansicht  auf die Stadionterrassen  aber zu Zeiten der Rennbahn – Grunewald

Interessanterweise  findet sich die erste Gebäudeversion von Otto March auch noch fälschlich auf einer kolorierten Karte zum Olympiagelände 1936! Dazu ein Ensemble mit dem Wirtschaftsgebäude und Restaurant in alter und umgebauter Form unter Werner March

Pächter der Gaststättenbetriebe auf dem Reichsportfeld  mit den  Stadionterrassen 1936 war C.J. Frey

Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
9. Fortsetzung

24.01.2021

Die zahlreich vorhandenen Luftbilder des Reichsportfeldes ohne Publikum wurden vor den und später auch nach den Spielen gefertigt.  Szenen mit  Besuchern zur Olympiade 1936 und geparkten Autos sind mir nur aus den Verlagen von Stengel und Klinke bekannt. Auch wenn diese evtl. zum Beispiel postalisch nicht gelaufen sind, gelingt mit Abbildung der Zusatztribüne des Schwimmbadstadions (war nur kurzfristig zur Olympiade errichtet) die zeitliche Zuordnung.

           Dazu folgend eine Luftbildaufnahme (Klinke und Co.)  während der olympischen Spiele mit „belebter Kulisse“

Im Vordergrund links der Tunnelweg zum Marchhof mit belassenem alten Zugang zum Stadiontunnel aus der Bauzeit zum Deutschen Stadion unter Otto March. Der Sohn Werner March hat diesen Stadionzugang erhalten, aber der zuvor mittig angelegte Tunnel erscheint durch die Verlagerung des Stadions nach Osten nun nach „links verlagert“. Autos stehen dicht gedrängt auf den Parkplatzflächen, das Stadion ist mit Zuschauern fast gefüllt, im Schwimmstadion leere Ränge, ebenso im Hockeystadion hinter dem Osttor, rechts der S – Bahnhof  Reichssportfeld  und Besucher auf allen Wegen  und auf den Stadionterrassen.

Dazu nun ein Blick von den Stadionterrassen auf  den Südeingang zum Reichsportfeld  und das Olympiastadion und auf den südlichen Eingang mit seinen 28 Kassen zum Reichssportfeld.

                             Diese Sicht findet sich dann in den Absenderfreistempeln von den Stadionterrassen wieder

Diese Absenderfreistempel mit dem Olympiastadion im Hintergrund (rechts mit Hinweis GEBÜHR BEZAHLT) aus den Jahren 1959 und 1960 führen über die zugehörige Francotyp – Stammkarte zu den Karl-Heinz Kunert Gaststättenbetrieben und ein kleiner Ausflug führt  damit dann erneut auch  in die Hasenheide Berlin.

In der Hasenheide Berlin  gründete 1810 Jahn  den ersten Turnplatz (s.o.),  es etablierte sich aber ebenso der  Vergnügungspark der NEUEN WELT. Dazu eine ausführliche Vorstellung an dieser Stelle würde zu weit führen, aber zumindest folgt eine Lithografie  gestempelt im Jahr 1901 und eine Nachtszene  ca. 1959 und in diesem Fall rückseitig der Hinweis auf  den Betreiber und Pächter Karl-Heinz Kuhnert. Dieser hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Stadionterrassen am Olympiastadion unter Pachtvertrag  und etwas später noch die Eichkamp-Terrassen an der Deutschlandhalle als Gaststättenbetriebe.

Zurück zum Reichssportfeld und den Stadionterrassen.  Auf der folgenden Abbildung habe ich einmal durch Aneinaderfügung zweier Fotopostkarten den Blickwinkel  von den Terrassen auf Stadion und Maifeld zum Panorama  „etwas erweitert“.

Der Blick fällt links auf Schwaben- und Frankenturm und im Hintergrund noch schemenhaft  Sachsen- und Friesenturm  als nord-östliche Begrenzung des Maifeldes. Auch der Tunneleingang ist noch erkennbar. Davon südlich sind die Skulpturen von Sepp Mages „Sportkameraden“  am südlichen Ende des Schwabenhofs leider nicht mehr getroffen.

            Der weitere Weg soll entlang des Maifeldes über den Süddamm erfolgen und in Richtung Reiterplatz führen.
 
Zunächst ein Blick vom Schwabentor auf die Gegebenheit zwischen Maifeld und Stadion. Im Vordergrund der Schwabenturm, dahinter der Frankenturm (verdeckt den Friesenturm) und angedeutet sind dazwischen die Skulpturen von  Joseph Wackerle mit den Rosseführern am Marathontor. Die internationale Beflaggung des Stadions weist auf die Olympiade hin.
 
                                  Auf dem weiteren Weg Richtung Reiterplatz  öffnet  sich die Perspektive  zum Maifeld

                                und in Höhe Eingang Reiterplatz offenbart sich dann die ganze tiefe Dimension des Maifeldes

Der Weg führt nun noch nicht nach Norden Richtung Glockenturm sondern passend zunächst folgt ein Abstecher  zum Reiterplatz


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
10. Fortsetzung
31.01.2021

Topografische  Darstellungen existieren  zum Reichssportfeld in unterschiedlichen Versionen und dazu eine weitere Ansicht der  Verhältnisse im südwestlichen Teil des Reichssportfeldes aus dem Pharus Plan, Berlin zur Olympiade.

In dieser Abbildung kommt das Reiterhaus gut zur Darstellung und hier war auch das Sonderpostamt während der olympischen Spiele untergebracht. Nach meinem Kenntnisstand war das Postamt Reiterhaus vom 27.7. bis 17.8.1936 mit Sonderstempel und Sonder – Einschreibzettel  während der olympischen Spiele  ausgestattet.

Der Tribünenbau  am Reiterplatz war  von Werner March aus der Rennbahnanlage und der dortigen Tribüne II in veränderter Form umgesetzt worden. Dazu der Hinweis, dass das oben eingezeichnete Gartenhaus Wohnhaus des Rennbahn – Verwalters war.

                                                         Blick aus der neu gestalteten Tribüne auf dem Reitplatzgelände

Der Reiterplatz wurde für die Dressurprüfungen genutzt, während die Polospiele auf dem Maifeld platziert waren, der Geländeritt fand in Döberitz statt und das Jagdspringen war abschließend im Olympiastadion am 16.8.1936.

Hinter der Reiterplatztribüne im Straßeneck Stadionstraße und Friedrich- Friesen-Allee gibt es mit dem Freiherr von Langen Tor einen weiteren  Zugang zum Reiterplatz. Dazu eine Privatganzsache  aus dem Jahr 1978 mit passendem Sonderstempel und  Sonderbriefmarke  aus dem Olympiasatz der Deutschen Bundespost aus dem  Jahr  1968

Carl-Friedrich Freiherr von Langen (*25.7.1887 † 2.8.1945) wurde trotz schwerer Verletzungen im 1. Weltkrieg nach mühsamer Genesung ein Reiteridol für Deutschland. Zweifacher Olympiasieger im Jahr 1928 in Amsterdam, zahlreiche Siege  im In- und Ausland  und  Todesfolge mit 47 Jahren  im Military- Wettkampf durch Sturz in Döberitz.
Die folgende topografische Ansicht – in einer weiteren Ausführung - verdeutlicht  etwas die nähere lokale Situation im Bereich des Reiterplatzes. Die Gaststätte Huster ist zu sehen, der Wirtschaftshof des Reichssportfeldes ist ebenso gut erkennbar wie die nordwestlich benachbarte Reithalle und Reitplatz und darüber ist die Gärtnerei lokalisiert (Topografie aus dem 64seitigen Heft  der Reichspropagandaleitung der NSDAP, Amtsleitung Film und Vorstellung der Olympiafilme Riefenstahl von Dr. Walther Günther im Rahmen  staatspolitischer Filme).

Folgend ein Blick in die angesprochene  Reitschule mit der heutigen Adresse Schirwindter Allee (Name nach Stadt im Gebiet Kaliningrad)

Aber auch eine Gaststätte ist eingezeichnet im Straßeneck Schirwindter Allee und Friedrich Friesen Allee. In einer früheren Topografie ist hier vermerkt: Waldschänke Huster und  in einem der vorstehenden Lagepläne nur als Gaststätte dokumentiert. Der Pfeil auf dem Fotopostkartenausschnitt  weist direkt auf die Außenterrasse hin und  daneben  westlich der Neubau der Waldschänke. Ebenso sind hier noch das Gartenhaus und das Reiterhaus  und die Reiterplatztribüne auf dem Fotopostkartenausschnitt getroffen

                                Schon die Absender auf Lithografie und Fotopostkarten  erzählen etwas zur Waldschänke

                        früher Blick in die Außenanlage von Huster`s Waldschänke zu Rennbahnzeiten im Jahr 1910

Dazu eine Kombination  der Lokalität aus ursprünglicher Zeit (wohl mit Carl Huster stolz vor seiner  Gaststätte)  und nach großzügigem Umbau durch die Witwe Huster und ihrem Kompagnon Moeller zu den olympischen Spielen im Jahr 1936

Der weitere Weg führt nun zurück zur  südwestlichen Begrenzung des Maifeldes und gibt den Blick frei auf das Maifeld und den  Glockenturm und das Olympiastadion im Hintergrund


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
11. Fortsetzung
08.02.2021

Auf dem Weg zum Glockenturm zur Illustration zunächst folgend eine amtliche Topografie zum Reichssportfeld aus dem Reichsamt für Landesaufnahme und durch Bearbeitung der Kartographischen Abteilung unter Otto H. Krause und O. Wand  aus dem ersten Halbjahr 1935 und hier offenbart sich noch die Zeit der teils problematischen Namensfindungen unter nationalsozialistischem Einfluss.

Der Glockenturm ist noch Führerturm, das geplante Polofeld und spätere Maifeld firmiert noch unter Aufmarschgelände, das Olympiastadion imponiert als Deutsche Kampfbahn und das Friesenhaus  dokumentiert sich noch als Kameradschaftshaus.

Es gab noch weitere neue Namengebungen spez. im Straßen- und Brückenbereich  und interessant ist auch die Gesamtentwicklung des 135 Hektar großen Sportgeländes unter der  anfänglichen  Absicht mit Benennung von   Adolf-Hitler-Feld  über Reichssportplatz  bis hin zur endgültigen Namensgebung mit Reichssportfeld.

Zunächst einmal die West – Ost – Achse  als Ausschnitt einer Hansa – Luftbildaufnahme  (freigegeben Reichs-Luftfahrt-Ministerium 7.7.36) im Verlag F. Asheilm. Danach folgen 8 weitere zeitgenössische Fotopostkarten zum Reichssportfeld

Der Glockenturm wurde bereits unter dem Menüpunkt Olympiaglocke 1936 auf der Homerpage vorgestellt dazu aber noch eine Ansicht mit dem Westeingang zum Reichssportfeld

An dieser Stelle nun  ein Blick von der Glockenturmspitze und Aussichtsplattform auf die in west-östlicher Richtung  ausgerichtete Achse des Reichssportfeldes über das Maifeld und von links nach rechts mit Friesen-, Sachsen-, Franken- und Schwabenturm und mittig das Marathontor zum Olympiastadion und  dahinter dann die Türme des Osteingangs mit Bayern- und Preußenturm.

                                                     folgende Perspektive führt dann näher zum Olympiastadion hin

und mit nachfolgender Ansicht befinden wir uns unmittelbar vor dem Olympiastadion und erkennbar sind rechts und links und dem Marathontor vorgelagert nun deutlich  imposante Skulpturen mit den  Rosseführern von Bildhauer Joseph Wackerl

und dazu gibt es wiederum amtliche Olympia-Postkarten aus dem Reichssportverlag unter Nummer 48 und 50 mit den Rosseführern am Marathontor
 
                                            noch ein Blick vom Marathontor  über das Maifeld zurück zum Glockenturm

Der Weg soll nun vom Glockenturm zur  Dietrich-Eckart-Freilichtbühne führen und  dann an der nördlichen Seite des Maifeldes vorbei am schon vorgestelltem Frauenheim über die Friedrich Friesen – Allee in Richtung  Sportforum  quasi als Fortsetzung der Umrundung des Olympiastadions auf dem Reichssportfeld (s. rote Markierung)

Zur Dietrich-Eckart-Freilichtbühne gibt es bereits einen eigenen Untermenüpunkt auf der Homepage und daraus die Werbe – Postkarte Nr. 7 vom Propagandaausschuss f. d. Olympischen  Spiele 1936 aus dem Reichssportverlag mit 3 Pfennig Reckturner aus dem Sondermarkensatz und Sonderstempel. Die Dietrich – Eckart – Freilichtbühne auf dem Reichssportfeld wurde Schauplatz  vom 10. bis 12. August 1936 für die Turnwettkämpfe der Olympischen Siele 1936 in Berlin.

Aber zur Vorstellung im aktuellen Gesamtkonzept zum Reichssportfeld sind  hier diesmal auch  die Skulpturen interessant.  Soweit  Fotopostkarten  vorhanden sind, sollen  speziell auch die Kunstwerke in dieser Ausarbeitung berücksichtigt werden, die auf dem Reichssportfeld natürlich  auch  teils unter nationalsozialistischer Sichtweise und Einfluss  ihre Spuren hinterlassen haben und als geschlossenes Ensemble  in unserer Zeit wieder auf   historisches Interesse gestoßen sind.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
12. Fortsetzung
15.02.2021

Zunächst noch einmal ein Blick auf die Dietrich Eckart Freilichtbühne  auf einer Stengel  (Kunstanstalt Dresden) Fotopostkarte. 20.000 Zuschauer haben Platz und freie Sicht auf die Bühne von den steil angeordneten ca. 90 Sitzreihen, die durch die Lage in der Murellenschlucht  für den Architekten  Werner March  vorgegeben war (weitere Angaben s. Menüpunkt Eckart  Freilichtbühne).

Den Besucher begrüßen  im Eingangsbereich  großformatige Hochreliefs  von Adolf Wamper ausgeführt auf zwei Felsquadern. Auch dazu gibt es zeitgenössische Fotopostkarten aus dem Verlag Stengel. Linksseitig abgebildet zwei Athleten mit Schwert und Fackel und auf der rechten Seite die weiblichen Musen mit Lorbeerzweig und Harfe.

Der weitere Weg soll nun über die Friedrich Friesen – Allee Richtung Sportforum führen. In diesem Fall nun auf der rechten Ansichtskarte ein Blick nach Süden über das Maifeld  und  hier imponiert  der Friesenturm im Vordergrund, dahinter der Sachsenturm und vor dem Franken- und Schwabenturm wieder die Rosseführer  vor dem Marathontor. Im Hintergrund sind noch die Stadionterrassen auszumachen. Die linksseitige Mauer vor dem Olympiastadion setzt sich dann auf der linken Ansichtskarte fort und das nördliche Ende ziert dann die Siegesgöttin eine Skulptur von Willy Meller.

Die Fotopostkarte „Siegesgöttin“ hat rückseitig einmal die Verkaufsquelle eingedruckt und der S – Bahnhof – Kiosk wurde bereits einmal vorgestellt.
 
Der weitere Weg führt nun zum August – Bier Platz. Der Namensgeber wurde bereits vorgestellt dennoch hier noch einmal  der Blick über das Schwimmstadion nach Norden und hier kommen nun  aus leicht unterschiedlichen Blickwinkeln die West – und Ostlaube zur Darstellung südlich angelegt  auf dem  August – Bier - Platz.

Links der Pfeil ist auf die Westlaube und rechts auf die Ostlaube gerichtet und hier ist auch das benachbarte Sportforum noch randständig auszumachen. Obige Karten sind die amtlichen Olympia – Postkarten 3 und 4 zugunsten des Olympia – Fonds  und aus dem Reichsportverlag, Berlin SW 68. Dazu noch zur Orientierung die Topografie um den August – Bier – Platz herum. Interessant die gestrichelte Tunnelzeichnung ausgehend von der Ostlaube  unter dem Hans – Braun – Platz zum Schwimmbadeck ziehend und von dort weiter zum Olympiastadion.  Der  Tunnel verkürzte  für die Sportler  den Weg vom Sportforum zum Stadion und Baubeginn war  Ende des Jahres 1928 durch die Firma Philipp Holzmann. 

Parallel zur Friedrich Friesen – Allee werden die Sportanlagen  nördlich vom  Prinz Friedrich Karl Weg  begrenzt (s. ebenfalls obige Topografie).  Friedrich Karl war Prinz von Preußen und ein  Sportler aus dem Haus der Hohenzollern mit Olympiateilnahme 1912 in Stockholm und dort Bronzemedaille im Springreiten, verletzt im 1. Weltkrieg  als Flieger und dadurch bereits  im Kriegsjahr 1917 verstorben. Dazu eine  deutsche Fotopostkarte  zur Olympiade 1912 Stockholm. Auf der offiziellen schwedischen Karte ist dann die gesamte deutsche Mannschaft der Military – Reiter abgebildet (Prinz Carl rechts)

Die folgende Ansicht ist vom besagten Prinz Friedrich Karl Weg auf das Sportforum gerichtet über den Hindenburg Platz hinweg (der im Jahr 1934 verstorbene Reichspräsident soll hier nicht weiter vorgestellt werden, zumindest ist aber seine Grundsteinlegung zum Sportforum am 18.10.1925 hier erwähnenswert) und im Vordergrund steht die Skulptur des Diskurswerfers von Wolfgang Schaper  und  dies war eine Stiftung der Familie Reemtsma.

Ob nach dieser Spende die Familie Reemtsma noch etwas für ihre ganzseitige Zigarettenreklame im  AMTLICHEN FÜHRER zur Feier der XI. Olympischen Spiele Berlin 1936 auf Seite 109  zahlen musste, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Dazu dann doch noch ein Kunstdruck zur Grundsteinlegung am 18.10. 1925 nach einer Zeichnung von Reinhold Koch-Zeuthen für die „Illustrirte Zeitung“ im Verlag Weber Lepzig.  Die Einbeziehung von Illustrationen (z.B. Holzschnitt) seit 1883 durch Weber in seiner Zeitungsausgabe in den bis dato üblichen  reinen Schrifttexten war bahnbrechend und damalige Novität, die heutzutage Standard geworden ist.

Text: Die feierliche Grundsteinlegung des Deutschen Sportforums, einer Erweiterungsanlage zum Deutschen Stadion in Grunewald bei Berlin, im Beisein von Vertretern der Behörden und der Sportverbände am 18. Oktober : Reichspräsident v. Hindenburg beim Vollziehen der drei Hammerschläge.

Erwähnenswert ist noch symbolträchtig  für dieses Ereignis die Wahl mit dem 18.Oktober als Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und endgültige Baupläne für das Sportforum gab es wohl zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch nicht!

Damit ist das Sportforum erreicht und es können nur einige Aspekte vorgestellt werden, da hier sicherlich aus der Fülle des Materials viel zu berichten wäre. Zunächst folgen Luftaufnahmen  Klinke &Co. (Industrie-Fotografen, Berlin)
links  oben aus südnördlicher  und rechts unten aus nordsüdlicher  Richtung aufgenommen

Die rechte untere Ansicht als Fotopostkarte ist seltener anzutreffen und ist etwas informativer mit Darstellung auch des Friesenhauses links außen. Zentral das Haus des Deutschen Sports mit Kuppelsaal und in diesem Gebäude war auch eine Postamtaußenstelle unter Charlottenburg 9 etabliert und unterstand dem Postamt Berlin-Charlottenburg 9 in der  Soorstraße (hier  war auch das Olympia – Postbüro zur Olympiade 1936 untergebracht).

Das Postamt Berlin-Charlottenburg 5 in der Schlossstraße betreute die Außenstelle  im Olympiastadionbereich und dies spez. zu den Großveranstaltungen teils unter Einsatz von Sonderstempeln auch nach der Olympiade 1936 (dazu später einige Ausführungen).

Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
13. Fortsetzung
21.02.2021

            Zunächst noch ein Blick auf das Sportforum vom Gebhardt – Platz über die Friedrich -Friesen  - Allee hinweg

Die amtliche Postkarte aus dem Verlag Stengel, Dresden beschriftet hier mit  Haus des deutschen  Sports. Diese Angabe ist nicht völlig falsch, aber nicht hilfreich in der Gebäudezuordnung. Daher nachfolgend noch einmal zur Orientierung ein Lageplan zum Sportform  aus dem  Heft  DAS SPORTFORUM AUF DEM REICHSSPORTFELD  von Architekt Werner MARCH im Verlag der Baugilde, Berlin SW 19

Grundsätzlich ist das Sportforum 3teilig zu betrachten. Die folgende Fotopostkarte hält rechts  den Turnhallenkomplex fest und links den Schwimmhallenbereich. Der Turnhallenkomplex wurde bereits einmal vorgestellt, war der erste Bauabschnitt (1926) und der Schwimmbadbau wurde spiegelbildlich zum Turnhallenbau gegenüber ab 1928 errichtet. Beide Gebäudeanteile waren also ältere erste Baumaßnahmen und sozusagen dem aktivem Sportbetrieb zugeordnet. Dazu gehörte auch im Innenbereich das Außenschwimmbad zwischen den Gebäudestrukturen und  dahinter schließlich der Jahnplatz vorgelagert dem Haus des Deutschen Sports.

Dieser Gebäudekomplex wurde dannvon Werner March an die obigen Sportgebäude angeschlossen mit einem repräsentativem Kuppelbau (Foto Leitner aus Werner March, Das Sportforum auf dem Reichssportfeld im Verlag der Baugilde).


                                               dazu noch eine Schnittzeichnung aus der Schrift von Werner March

                                             später wurde der Kuppelsaal auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt

Am Ende seines Lebens bezeichnete Werner March  die Kuppelbauausführung als seine fortschrittlichste Arbeit (aus Werner March von Thomas Schmidt im Birhäuser Verlag 1992).

Ein Hörsaal  war noch integriert und  schließlich der Verwaltungsbereich mit dem Sitz des  Reichssportführers im Haus des Deutschen Sports. Dazu ein Bild aus dem Cigaretten-Bilderdienst von  Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten und ein Brief mit  dem Verwaltungssitz des Reichsbundes für Leibesübungen in Berlin Charlottenburg, noch Hardenbergstr.43 (Am Knie) vom 29.12. 1934.

Carl Diem wurde bereits mehrfach erwähnt u.a. mit Lewald als Initiator des Sportforums, Generalsekretär im Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, Generalsekretär der olympischen Spiele 1936, Etablierung des Fackellaufes als bleibendes Ritual der Olympiaden  und Gründer der  Sporthochschule. Seine akribischen Tätigkeiten und Organisationen im deutschen Sport sind unbestritten, aber seine Anpassung  in die Gegebenheiten der nationalsozialistischen Zeit werfen einen nicht unberechtigten Schatten auf seine Person. Seine Rede am 18. März 1945 (!) im Kuppelsaal des Sportforums  zur „Einstimmung der geladenen Hitler Jugend  auf  einen sinnlosen Endkampf um Berlin“  hinterlässt einen bitteren Eindruck. Dazu ein Ensemble mit Sonderstempel Carl Diem auf entsprechender Briefmarke der Deutschen Bundespost, Gedenken an den 1. Fackellauf, Absenderfreistempel der Reichsjugendführung der NSDAP Hitler Jugend Berlin und ein eingeschriebener Bereithaltungsbefehl  auf   Postkarte  der Hitler Jugend 

Dem Haus des Deutschen Sports schließt sich östlich  dann als 3. Komplex  das Friesenhaus als Sitz der akademischen Hochschule für Leibesübungen mit Tagungsräumen, Unterkunft für Studenten und vorgelagertem Speisesaal an (geplant für 400 Studenten und Kursisten).

Der Reichssportführer von  Tschammer und Osten beschreibt in einer lesenswerten Dokumentation unter  Die Bedeutung des Reichsportfeldes für die deutschen Leibesübungen  im Buch  Das Reichssportfeld  aus dem Reichsministeriums des Inneren im Jahr 1936  den Konzentrationsweg der zersplitterten  deutschen Sportverbände  zum  Reichsbund für Leibesübungen aus nationalsozialistischer Sicht unter durchaus politischem Druck  und die Zusammenführung der umfassenden Verwaltungsstrukturen im Sportforum auf dem Reichssportfeld  als  lokalen  organisatorischen Glanzpunkt.

                                                                 Diesen Werdegang kann die Philatelie auch etwas begleiten.

Die beiden nachfolgenden großformatigen (28x18cm) Briefe im Nachnahmeverfahren weisen den Absenderfreistempel Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen auf. Im ersten Beleg besteht noch der Absendereindruck mit Kurfürstenstraße 48 und trägt den roten Gumminebenstempel mit Hinweis auf den Umzug zum 9.2.1933 in die Hardenbergstraße 42-43, Am Knie und danach neuer Absendereindruck aber noch alter Absenderfreistempel



Die Stationen bis dahin verliefen über die Gründung von Willibald Gebhardt und das „Komitee für die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen“ im Jahr 1895 über den „Reichsausschuß für Olympische Spiele“ im Jahr 1904 zur Bildung des „Reichsausschusses für Leibesübungen im Jahr 1917“.   Im Jahr 1925  versteht sich der Reichsausschuß als deutscher Sportdachverband (nicht alle Sportverbände folgten den Integrationsbemühungen) und die olympische Idee wurde in einen Deutschen Olympischen Ausschuss abgetrennt. Nach Vergabe der Olympiade 1936 in Berlin  beschließen olympischer Ausschuss und der Reichsbund für Leibesübungen im November 1932 dafür ein Organisationskomitee zu bilden und dazu folgender Brief  noch mit Absenderfreistempel in obiger Form aber schon mit Absendereindruck   Organisationskomitee der Olympiade 1936.
 
                                                                               Organisationskomitee Januar 1933
                                           
Theodor LEWALD  (rechts) als Präsident des Deutschen Reichausschusses für Leibesübungen und Carl DIEM (links) als Generalsekretär  (Fotos Cigaretten-Bilderdienst-Hamburg-Bahrenfeld) hatten nach dem 1. Weltkrieg unermüdlich und schließlich erfolgreich für den Bau eines DEUTSCHEN SPORTFORUMS als Hochschule  mit umfassender Forschung und Lehre geworben und erste behelfsmäßige Bauten wurden dem Deutschen Stadion nördlich angefügt.

                                         Generalsekretär  Dr. Carl Diem (links) und Präsident Theodor Lewald (rechts)

Schon im Mai des Jahres 1933  gab der Reichsauschuss für Leibesübungen formell seine Dachverbandsaufgabe zugunsten der  nationalsozialistischen  Vorstellungen auf und mit Bildung des Deutschen Reichsbund für Leibesübungen 1934 unter NS – Regie wurden alle Sportverbände  zentral „eingemeindet“   als  Fachämter  oder assoziierte Mitglieder.

Dem folgte natürlich die Anpassung im Absenderfreistempel  mit Deutscher Reichsbund für Leibesübungen und dazu folgend  mit Datum vom 9.6.1934  ein Brief an den Deutschen  Schiess – Sportverband in Berlin in der Droysenstraße 17

Nutzte das Organisationskomitee für die olympischen Spiele 1936 anfangs den Absenderfreistempel  des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, so wurde ein  eigener Absenderfreistempel eingeführt (Nutzung vermutlich Mitte 1935 bis Ende 1936) und  folgend Poststücke aufgelegt als Postkarten und Umschläge in verschieden großen Formaten auch mit Absendereindruck und dazu ein kleine Zusammenstellung.

Rückseiten der Briefumschläge des Organisationskomitees hatten ebenfalls einen Absendereindruck mit der Olympiaglocke im farblosen Prägedruck. Folgend im Kontrast verändert, um den Prägedruck der Olympiaglocke hervorzuheben.



Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
14. Fortsetzung
28.02.2021

Bevor es bezüglich  mit Postbelegen zum  Deutschen Reichsbund für Leibesübungen weitergeht noch einige Vorstellungen zum Sportforum und der baulichen Gestaltung. Zunächst ein Blick in die Friedrich Friesen – Allee mit Blick nach Osten. Links der Turnhallenkomplex, danach anschließend das Haus des Deutschen Sports mit seinem Südeingang  und davor sind angedeutet erkennbar Säulen platziert mit Adlerskulpturen (Künstler Waldemar Raemisch) und am Ende der Allee die Einfahrt zum  Friesenhaus

Nachfolgend nun die umgekehrte Blickrichtung nach Westen in die Friedrich Friesen – Allee  vom Eingang des Friesenhauses betrachtet und in diesen Fall sind die zwei Säulen vor dem Haus des Deutschen Sports besser zu erkennen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, das die Adlerfigur im Vordergrund auf der Ansichtskarte mit dato unbekanntem Künstler verschollen ist (diese Bemerkung nach Stephan Brandt und seinem Buch: Von der Pferderennbahn Grunewald zum Olympiastadion 1907 bis 1945 im SUTTON ARCHIV Verlag 2015). Im Vordergrund  links  erkennbarer Teil des Speisesaals des Friesenhauses.

Zwischen Friesenhaus  und Turnhallenkomplex, wie schon angeführt, wurde von March das Haus des Deuteschen Sports errichtet und dazu einmal ein Blick aus der Forumstraße Ecke Hans-Braun-Straße ein Blick direkt  auf  der zeitgenössischen Fotopostkarte aus dem Stengel Verlag, Dresden. Das Titelblatt zur Schrift von Werner March erlaubt dann einen näheren Blick auf den Südeingang  mit einer der Adlerskulpturensäulen  des Bildhauers Waldemar Raemisch, der 1937 als Jude aus Deutschland emigrierte.

Aber nun noch einmal zum Turn- und Schwimmhallenkomplex und damit zum westlichen Beginn des Sportforums und ein Blick auf den Außenschwimmbereich unter verschiedenen Blickwinkeln auf Sprungturm und Turnhallenflügel auf dem Reichssportfeld

Interessant auch einmal eine Aufnahme aus dem Innenhofbereich (Standort Jahnplatz) über das Schwimmbad und den  Schwimmhallenkomplex und bei genauer Betrachtung kann in diesem Fall auch die nördliche Stierskulptur von Adolf Strübe ausgemacht werden. Die Aufnahme datiert aus dem Jahr 1948 und zu diesem Zeitpunkt war das Reichssportfeld schon Sitz der britischen Militärverwaltung

War die obige Perspektive vom Jahnplatz westlich gerichtet ist, so zeigt folgende Fotopostkarte  den Blick über den Jahnplatz in östliche Richtung auf den westlichen Eingang zum Haus des Deutschen Sports.

                                  eindrucksvoll der Treppenaufgang  zur Eingangshalle, die  als Ehrenhalle  konzipiert war

                       Foto Leitner aus Werner March, Das Sportforum auf dem Reichssportfeld im Verlag der Baugilde

                                 dazu ein Blick in die Ehrenhalle am Kuppelsaal (rückseitiger Druck der Fotopostkarte)


Der im Jahr 1934 etablierte DEUTSCHE REICHSBUND FÜR LEIBESÜBUNGEN  (DLR) unter dem Reichssportführer v. Tschammer und Osten  vereinnahmte alle Sportverbände unter seiner Regie  und im April 1936 wurde auch das REICHSSPORTAMT  von Hitler auf den Weg gebracht und ebenfalls im Jahr 1936  im Haus des Deutschen Sports angesiedelt. Dazu folgender  Briefbelg des Reichssportamtes im Haus des Deutschen Sports aus dem Jahr 1941.

Eine Domäne des Reichssportamtes war sicherlich die Reglementierung, Überwachung und  Verleihung  zum Reichssportabzeichen.

Mit dem Umzug ebenfalls des Reichbundes für Leibesübungen in das Haus des Deutschen Sports und seinen 230 Verwaltungsräumen war natürlich eine Anpassung im Absenderfreistempel sowohl im Werbefeld als auch im Ortsstempelteil erforderlich. Einmal von Charlottenburg 2 nach 9 und im Werbefeld wurde nun der Zusatz  „Haus des Deutschen Sports“  eingefügt

dazu noch ein Adressträger im Päckchen - Nachnahmeversand und hier Deutscher Reichsbund für Leibesübungen e.V., Reichsführung

Die Sendung aus dem Haus des Deutschen Sports betraf die Reichsbundpässe des Jahres 1937 und  waren  als Pflichtabnahme deklariert.

Bevor es noch einmal zu den Postbelegen zum Reichssportfeld (zu Olympia 1936 aber evtl. später einmal) geht, soll  der Weg um das Olympiastadion weiter über das Friesenhaus zum Osteingang führen.

Die Fotopostkarte zeigt das Friesenhaus und damit die Reichsakademie für  Leibesübungen in Richtung Eingangsportal und rechts im Flachbau vorgelagert der Speisesaal und dazu ein  rückseitiger Detailausschnitt


                  Blickwinkel etwas nördlicher mit dem Turmbau am Eingang des Friesenhofes und sog. Kursistenflügel

                                                   Fotopostkarte Kleiner Hörsaal Friesenhaus auf dem Reichssportfeld

Zur Orientierung noch der Erdgeschossgrundriss aus March, Reichssportfeld im Obergeschoss fanden sich ca. 85 Schlafräume für die 400 Studenten

                            Speisesaal im Flachbau vorgelagert und separates Speisezimmer für den Reichssportführer

Das Friesenhaus  neu errichtet 1936 war zunächst Unterkunft für die Sportlerinnen der olympischen Spiele und wurde erst nachträglich wie vorgesehen als Reichsakademie für Leibesübungen genutzt mit Unterkunftsmöglichkeit bis zu 400 Studenten und Kursisten.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
15. Fortsetzung
08.03.2021

Abbiegend von der Friedrich Friesen – Allee in Höhe des Turnhallenkomplexes  auf den GuthManns – Weg gelangt man  unmittelbar zum Olympischen Platz. Die Olympische Straße  läuft dann unmittelbar  auf den östlichen Haupteingang zu und die Klinke - Luftpostkarte vermittelt erneut die zentrale Achse des Reichssportfeldes und in diesem Fall in ostwestlicher Richtung mit Osttor, Stadion, Marathontor und Glockenturm. Rechts übrigens das Hockeystadion. Amtliche Olympia – Postkarte Nr. 10 zugunsten des Olympia – Fonds.

Die nähere Perspektive (Fotopostkarte der  Hansa Luftbild G.m.b.H.) dokumentiert den Olympischen Platz zum Ende der Baumaßnahmen, aber die Eingangsskulpturen sind noch nicht aufgestellt. Die ca. 50 Eingangskassenschalter am Osttor (mit den 28 Kassen am Südtor Verkaufskapazität 80.000 pro Stunde)  schließen an den Preußen- und Bayernturm an und enden nord- und südlich  an den zweigeschossigen Verwaltungsgebäuden. Hier waren  Sanitätsstelle, Auskunftsbüro, Polizeistation und zentrales Kassenbüro untergebracht.

Die 3. Ansicht gibt dann den Blick direkt auf den 15 m breiten  Eingang frei. Im linken Turm war großformatig eine Uhr sichtbar installiert worden  und rechts „zierte“  allerdings bis 1945 nur vorübergehend  das Hakenkreuz den Preußenturm. Dazwischen spannten sich die Olympischen Ringe nach Volker Kluge allerdings nur bis zum Jahr 1943.

Die folgende Fotopostkarte (Poststempel Sept. 1936) aus dem Verlag Andres, Berlin  dokumentiert den Besucherandrang vor dem Olympiastadion während der Olympiade (s. internationale Beflaggung und mit der Olympiafahne) und zeigt in diesem Fall dann die Rückseite der Begrüßungsskulpturen  des Reichssportfeldes auf der südlichen Seite.

Die  Ansichtskarte im Verlag Stengel dokumentiert  nun die Skulptur aus dem Osttorbereich mit den STAFFETTENLÄUFERN von Karl Albiker und das Pendant dazu war gegenüber auf dem Platz  übrigens als DISKUSWERFER ausgebildet.

                                                       und nun noch ein Blick vom Stadion auf die Olympische Straße

Die umgekehrte Sichtweise einmal beim Generalappell am 30. Juli 1936 des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK)  vor Korpsführer Adolf Hühnlein, Carl Diem  und weiteren Persönlichkeiten. Das NSKK hatte unter Oberführer Nord einen Olympiade-Kraffahr-Stab aufgestellt mit vielfältigen Aufgaben während der olympischen Sommerspiele.

                                                          dazu ein Bild mit ca. 400 exakt ausgerichteten Fahrzeugen

Täglich waren ca. 5500 NSKK-Männer mit ihren Wagen und Motorrädern mit und ohne Beiwagen im Einsatz im Fahrdienst u.a. für hochrangige auch ausländische Besucher, Sportfunktionäre usw. Dazu einmal  eine NSKK – Eskorte  am  Brandenburger Tor


                                                               Bilder aus der NSKK – Schrift  August 1936 Heft 15

Zu den NSKK – Aufgaben gehörte auch die Überwachung der Zufahrtstraßen Berlins am Beginn der festgelegten 100km – Überwachungszone.  Zur Olympiade wurde hier jedes Fahrzeug kurz angehalten und kontrolliert und Ausländer  erhielten hier am „Eingang des olympischen Verkehrsvorfeldes“ einen 7sprachigen Merkzettel zu den Verkehrsregeln.  

Damit soll der Rundgang um das Olympiastadion auf dem Reichssportfeld zunächst einmal beendet sein. Verwendet wurden eigene zeitgenössische Ansichtskarten, verschiedene Lagepläne aus Fachschriften und in Ausnahmefällen Bilder aus dem Cigaretten-Bilderdienst mit entsprechendem Hinweis. Das Olympiastadion mit Schwimmbad, die KdF – Stadt, Olympiaglocke mit Glockenturm und Dietrich Eckart Freilichtbühne haben ihre eigene Ausführung  und einen Untermenüpunkt auf der Homepage. Überschneidungen lassen sich aus Gründen des jeweiligen Schwerpunktes nicht vermeiden.

Aber auch die Sportorganisationen hatten bis 1936 bereits ihre Abhandlung und folgend soll der philatelistische Aspekt auf das Reichssportfeld  noch ansatzweise weiter vorgestellt werden. Der Schwerpunkt Philatelie zu den Olympischen Spielen 1936 wäre aber ein weiteres mögliches Extrathema zur Ergänzung.  Als Einstieg folgend zunächst  die Francotyp – Stammkarte mit interessanten  Werbeeinsätzen  und  Offenbarung zu Verwendern (sind als Erstabschläge des Absenderfreistemplers  und damit als Unikate zu betrachten). Aber auch hier sind sicherlich noch Fragen offen und  vielleicht kommen hilfreiche Erkenntnisse durch Informationen  aus dem Kreis der Homepagebesucher.

Schon die folgende Stammkarte zum Francotypfreistempler Cm 20302 mit der Lieferung zum 18.1.1935 belegt mit diesem Datum beispielhaft einen Erstabschlag und dokumentiert etliche Informationen zum Reichssportverlag in Berlin.

Ausgehändigt wurde der Freistempler  an den Reichsportverlag mit dem besagten Datum  unter Berlin-Charlottenburg 2 mit Wertstempel Hakenkreuz und dem Werbeeinsatz  

                                            Lest das Reichssportblatt! Reichssportverlag G.m.b.H. Berlin Charlottenburg 2

                                                                                         zugehörige Rückseite

Die Rückseite belegt dann den vorläufigen Sitz des Reichssportverlages in Berlin – Charlottenburg aber  mit der Hardenbergstraße 43 und hier hatte auch der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen nach dem Umzug aus der Kurfürstenstraße 48  mit  dem Reichssportführer   an der Spitze sein Domizil eingerichtet. Auch das am 24. Januar 1933 gebildete Organisationskomitee für die XI. Olympiade Berlin 1936 e.V. zog im Februar 1933 in die Hardenbergstraße 42-43 Am Knie ein.

                                                                 Berlin-Charlottenburg Hardenbergstr. 43 Am Knie


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
16. Fortsetzung
15.03.2021

Der  SA – Gruppenführer von Tschammer und Osten avancierte zum Reichssportführer, übernahm 1933 gleich die Regie im Deutschen Olympia Ausschuss (DOG), schaltete die zersplitterten deutschen Sportverbände auf  disziplinierten SA – Stil um und schuf mit der Etablierung des Reichssportverlages  auch  sein nützliches  offizielles Presseorgan.  Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen  und  später das Organisationskomitee für die olympischen Spiele in Berlin verblieben mit ihren Strukturen in der Hardenbergstraße. Meine persönliche Vermutung sind  in diesem Fall kurze organisatorische  Wege entscheidend gewesen, evtl. aber auch die Kontrollabsicht des Reichssportführers zum ungeliebten und nicht aus Gründen der nationalen und internationalen Öffentlichkeit zu entfernenden Halbjuden Theodor Lewald  in seiner Funktion als Präsident des Olympiakomitees. Carl Diem war da als Generalsekretär wohl schon eher für Tschammer und Osten „erträglich“.

Die zunehmende  Fülle der Aufgaben führte zum Umzug des Reichssportverlages in die Charlottenstraße 6 in Berlin und der Absenderfreistempel wurde im Ortsstempelteil auf Berlin SW 68 entsprechend umgerüstet und die Werbung wurde mit neuem Klischee vom 7.11.1935 auf die Olympischen Spiele  zur Propaganda  eingerichtet - Denkt an die Olympischen Spiele 1936! Dazu folgernd zwei Ausschnitte mit Abenderfreistempel des Reichssportverlages  zur Olympiade 1936 in Berlin aus dem Januar und Mai 1936

Der Reichssportverlag als Presseorgan und Sprachrohr des Reichssportführer  Hans von Tschammer und Osten wurde mit zahlreichen  Buchausgaben spez. im und aus dem Sportsektor aktiv und übernahm  zu den olympischen Spielen in Berlin im Sommer 1936  vertragsmäßig in Absprache mit dem Olympischen Komitee  zusätzliche Aufgaben. Der Reichssportverlag organisierte u.a. die Verkaufsstellen, Kioske, fliegenden Händler auf dem Reichsportfeld zur Olympiade 1936 von der Warenauswahl bis zur Lieferung und Lagerung. Verkaufsrenner waren die Fotopostkarten zur Olympiade vom Reichssportfeld in unterschiedlichsten Ansichten. Die Händler forderten trockene Lagerung für 1 Millionen Exemplare (Angabe nach Karin Stöckel). Dabei gab es besonders beliebte Standardansichten  und die selteneren Motive gilt es zu entdecken.

Dazu beispielhaft ein Schreiben des Reichssportverlages am 28.7.1936 an den Kaufmann P. Krüger  - Postkartenhandlung


Nachfolgend die drei beigefügten amtlichen Ansichtskarten zugunsten des Olympia-Fonds Nr.12 Olympiastadion mit Blick auf die Führerloge, Nr.40. Führerzimmer im Olympiastadion und Flaggen der teilnehmenden Länder und Kennzeichnung Rückseite   Unverkäuflich

Die vorstehend angeführte und geforderte  Lagerungskapazität in trockenen Räumen für die Fotopostkarten der Kioske und Ansichtskartenverkäufer in der Dimension von  1 Million ist angesichts der zahlreichen täglichen Besucher  verständlich und  die Firma BYK GULDEN, BERLIN bestätigt dies mit einem  Zusatzdruckvermerk und in diesem Fall auf der amtlichen Olympia – Postkarte Nr.12 und spricht sogar von  7 Millionen Exemplaren  zur XI. Olympiade 1936 zu Berlin.

Als offizielles  Presseorgan der olympischen Spiele wurde  dann auch  die  OLYMPIA – ZEITUNG durch den Reichssportverlag  für die Zeit vom 21. Juli bis zum 18. August 1936 etabliert. Preisgünstig mit 20 Pfennigen pro Ausgabe erreichte die 4sprachige Ausgabe bis zu 400.000 Zeitungen täglich  und selbstverständlich hatte die  Berichterstattung einen deutschen Schwerpunkt. Den Vorzugspreis  für  die  Komplettausgabe  akzeptierte folgend der  Bürgermeister von Herrsching über 5 RM und 92 Rpf. und zahlte per Lastschrift und Postscheckamt München.


In der 12. Ausgabe der Olympia Zeitung krönte das Konterfei von  Werner March die Titelseite und berichtete von der Goldmedaille für die Planung des Reichsportfeldes. Diese Ehrung war nicht mit den Medaillen für die olympischen Sportler  verknüpft, sondern wurde im Rahmen des parallel laufendem „Olympischen Kunstwettbewerbs“ vergeben. Das Preisgremium für diese Preisvergabe war in Berlin damals allerdings nur geringfügig international aufgestellt, dennoch schmälert dies wohl nicht die Anerkennung  für March.


Mit Ablauf der olympischen Spiele nahm der Reichssportverlag im Absenderfreistempel  das Werbeklischee - Denkt an die Olympischen Spiele 1936! wieder heraus und setzte umgehend ein neues Klischee mit dem Slogan ein - Die große deutsche Sportzeitschrift, das  Reichssportblatt Reichssportverlag G.m.b.H. Berlin SW 68, Charlottenstr.6. Dazu ein Vergleich aus der Francotypstammkarte mit Erstabschlägen 18.1. 1935 und 17.8. 1936.


                                                             dazu ein früher Abschlag schon aus dem August 1936

                             folgend eine Postkarte des Reichssportverlages an die  Buchhandlung  Seger Sept.1936

                              die Rückseite dokumentiert das geschäftliche Abschlussverfahren zur Olympiazeitung

Aber  die Zeitungsreklame des Reichssportverlages warb auch weiterhin effektvoll für ihr Spektrum mit einer Szene aus dem Olympiastadion während der Spiele 1936 und dabei kam auch die imposante erstmals relativ breit eingesetzte Fernsehkamera zur Abbildung.  Gut erkennbar ist der von March konzipierte umlaufende „Reportergraben“, der ohne Sichtbehinderung für die Zuschauer die Mobilität von u.a. Presse, Kampfrichtern ermöglichte.

Dieses Bildmotiv wurde auch für die Briefmarkenausgabe Berlin (50 Jahre Deutscher Fernsehrundfunk) am 16. Juli 1985  auf einer Maximumkarte  festgehalten.                     

Schon im April 1935 gab es eine öffentliche Fernsehstelle  im Reichspostmuseum und zu den olympischen Spielen gab es dann an 15 Postämtern in Berlin  Fernsehstuben, die noch um 15 improvisierte Vorführräume erweitert wurden und stark frequentiert waren, so dass  Eintrittsmarken zum geordneten  Ablauf  ausgegeben wurden.

Spezialisten wissen sicherlich welche Disziplin der Fernsehzuschauer am 11. August zwischen 11 und 12 Uhr sehen konnte. Eventuell  erfolgte an diesem Tag aber auch die Übertragung eine der Siegerehrungen von Jesse Owens, den erfolgreichsten Leichtathleten der olympischen Sommerspiele 1936 und hier abgebildet  mit 3 von seinen 4 Goldmedaillen.

                                            Bild aus der  Münchner Illustrierten Presse  mit Datum vom 13. 8.1936


Dazu noch ein Rückblick auf 85 Jahre Sportgeschichte. Am Marathontor wurden die Siegernamen eingraviert und hier nach dem 100m Lauf arbeitet der Steinmetz schon am 200m Lauf und damit der weiteren Goldmedaille für Jesse Owens 1936 und der Sonderstempel hält Owens dazu in bekannter Sprinterpose fest. Die Privatpostmarke der Leipziger Volkszeitung dokumentiert den Olympiasieg im Weitsprung von Owens und der IMOS – Beleg belegt ehrenhalber den Silbermedaillengewinner im Weitsprung mit dem Deutschen „Luz Long“. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass in der Pause des Wettkampfes Long  dem Sieger Owens erst den Tipp für den richtigen Absprung  auf dem Sprungbalken  gab.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
17. Fortsetzung
24.03.2021

Aus chronologischen Gründen noch einmal zurück zum Haus des Deutschen Sports auf dem Reichssportfeld   und   schon früher vorgestellten Absenderfreistempel mit Datum 19.11.1936

Interessant ist nun, dass das ebenfalls umgezogene Fachamt Fußball im DRL (Deutschen Reichsbund für Leibesübungen) im Haus des Deutschen Sportes einen eigenen Absenderfreistempel nutzte mit Hinweis auf das Fachamt und  das  Reichssportfeld und mit Wertrahmen Hakenkreuz aber Zweikreis-Ortsstempel  Berlin – Charlottenburg 9

                                                                                  dazu der komplette Briefumschlag

Bezüglich des Reichssportfeldes  und Einsatz des nachfolgenden Absenderfreistempels bitte ich um Hilfestellung aus dem Kreis der interessierten Homepagebesucher und Olympiaphilatelisten. Berlin-Charlottenburg 9 ist eindeutig dem Haus des Deutschen Sports zugewiesen. War der folgende Absenderfreistempel ein nicht eingesetzter oder kurzfristig zurück gezogener Entwurf des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen?

Aber noch einmal zurück zum Reichssportverlag. Am 4.3. 1938 setzte der Verlag ein neues Werbeklischee in seiner Francotypmaschine ein zur Werbung  für das Deutsche Turn- und Sportfest  Breslau 1938 aber Wertstempel nun Reichsadler statt Hakenkreuz.

Allerdings kann ich keinen passenden  Freistempelabschlag auf Briefbeleg vorstellen aber zumindest einen philatelistischen Beleg zu Breslau aus dem Fachamt Schwimmen im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen, Berlin – Charlottenburg 9 Reichsportfeld „Haus des Deutschen Sports“.

Der Wechsel zu diesem  Werbeeinsatz im Absenderfreistempel Cm 20302 vom 4.3.1938 belegt aber im  Ortsstempelteil  nun  Charlottenburg 9 und dies  war nun der Postbezirk für das Haus des Deutschen Sports auf dem Reichssportfeld

Ich vermute, dass der Reichssportführer sein Presseorgan mit verantwortlichem Redakteur (Fred Krüger)  in seiner unmittelbaren Nähe haben wollte im Haus des Deutschen Sports. Auch im dortigen Absenderfreistempel im „Haus des Deutschen Sports“ und Sitz des  Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen war nun im Absenderfreistempel eine Änderung vollzogen worden und auch hier die  weitere Nutzung  nun mit dem Wertrahmen Reichsadler.
 
Ich finde es bemerkenswert, dass die Absenderfreistempel auf den Wertrahmen Reichsadler umgerüstet wurden und der Hakenkreuz  - Wertrahmen entfernt wurde und dies im deutlich nationalsozialistisch geprägten  Umfeld.  Vermutlich wollte man  Rücksicht nehmen auf  die noch wenigen und reduzierten Auslandsbeziehungen  und ihre dortigen  Sportverbände!

Erstaunlicherweise  wird  der Absenderfreistempel des Reichsportverlages nun im Haus des Deutschen Sports mit dem Francotypstempler Cm 20302 am  23.2.1939 endgültig  dem Reichsbund für Leibesübungen übergeben, aber er firmiert nun nicht mehr als Deutscher sondern Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen „Haus des Deutschen Sports“  (NSRL) und unter Zusatz von Reichsadler mit Hakenkreuz

Dazu nachfolgend ein  Packpapierausschnitt  Einschreiben – Nachnahmeversand  im Doppelbrieftarif (24+30+40) mit Einschreibzettel Berlin Charlottenburg 9 (Reichssportfeld)

Weniger bekannt  ist der Poststempel Reichssportfeld Berlin-Charlottenburg 9 (Haus des Deutschen Sports)  und hier im Vergleich  zum Poststempel Berlin-Reichssportfeld 5 (Stadion)


Damit ist das Thema Absenderfreistempel noch nicht beendet.  Mit Datum vom 31.10.1941 konnte ich noch eine Änderung im Ortstempelteil entdecken und nun mit neuem Schriftzug  Berlin–Charlottenburg 9 ohne Trennung  bezüglich oberes bzw. unteres Segment im Einkreis.

Nicht alle  Sportfachämter waren mit ihrem Verwaltungssitz im Haus des Deutschen Sports  untergebracht. Auch außerhalb wurden wohl alte  Geschäftsdomizile  aufrecht  erhalten, aber in ihren Absenderfreistempeln wurde der Hinweis auf den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen geführt aber auch hier  im Jahr 1940 Ersatz durch NS – Reichsbund zumindest im Absendereindruck des Briefumschlages.

So war die Sportgauverwaltung für den GAU III Berlin-Brandenburg wohl in der Arysallee 2 verblieben und dazu obiger Eilbrief an den NSRL – Gaudietwart in Sorau, Niederlaustiz. (NSRL = Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen). Der Begriff Dietwart stammt aus dem österreichischen  Turnverband  als  Bezeichnung eines Sportfunktionärs mit dem Aufgabenbereich der  Betreuung des Jugendverbandes oder z.B. Festveranstaltungen. Reichssportführer  von Tschammer und Osten hat dann  die Funktionsträger der Dietwarte seit dem Jahr 1934 in den Sportverbänden etabliert und hier als  Garant im Sinne von nationalsozialistischer Überwachung und mit entsprechender Propagandaarbeit). Auch der folgende   Absenderfreistempel dokumentiert  den Tausch von Deutscher Reichsbund in NS – Reichsbund und hier im AFS  für den Sportbereich III, der mit seinem Fachamt ebenfalls in der  Arysallee 2 und Berlin – Charlottenburg 9 untergebracht war.

In diesem Zusammenhang sind die Sondereinschreibzettel des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen  N.S.R.L. interessant. Die Hauptgeschäftsstelle nutzte ja im Haus des Deutschen Sports nachfolgenden  R – Zettel

Folgende beide Briefbelege dokumentieren nun den Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen  N.S.R.L. mit einem eigenen  Sondereinschreibzettel (die Zusatzbuchstaben d und a stehen vermutlich für verschiedene Verwaltungsbereiche).

Da z.B. Arysallee 2 als Verwaltungsstelle ebenso wir die Poststelle Sportforum zum Postamt Charlottenburg 9 gehörten, ist es jedoch  fraglich ob verschiedene Fachämter im Haus des Deutschen Sports mit eigenem Einschreibzettel ausgestattet waren und die N.S.R.L.  Sonder – R – Zettel im Selbstbuchungsverfahren  doch wohl eher  der ausgelagerten  Stelle (Arysallee) zuzuordnen sind. Weitere Beispiele und Hinweise sind mir jederzeit willkommen und würden auch unter Quellenhinweis gerne eingefügt.

An dieser Stelle noch der Hinweis, dass Reichssportführer von Tschammer und Osten  und Leiter des  N.S.R.L. im März des Jahres 1943 verstarb und Karl Ritter von Halt wurde kommissarischer Nachfolger bis zum Ende des 2. Weltkrieges.

Dazu noch der Hinweis, dass Dr. Karl Ritter von Halt Präsident des Organisationskomitees für die IV. Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch – Partenkirchen war. Dieser Ort und seine Sportgeschichte wären dann wieder ein eigenes Thema.

Wie schon erwähnt, habe ich  die Philatelie zu den olympischen Sommerspielen im Jahr 1936 in Berlin ausgeklammert  und dies  könnte später noch  einmal Thema einer Vorstellung sein. Ich möchte aber zum Reichssportfeld auch die Ereignisse auch nach der Olympiade 1936 noch etwas zur Ergänzung beleuchten. Die Nachnutzung von Sportstätten zu olympischen Spielen  sind  schon  in   der  primären  Planungsphase  sicherlich ein beachtenswerter Punkt, aber nicht immer gestaltet und bestätigt sich dies dann in erwartungsvoller Hoffnung. Prestigedenken  unter dem Aspekt der Olympiade und dies  mit weltweiter Beachtung sind dann Stolpersteine  der weiteren Verwendung der teils aufwendig erstellten Olympiabauten.

Berlin und das Reichssportfeld  ist hier im  Vorteil einer stadtnahen konzentrierten Gestaltung  und dies mit optimaler Verkehrsanbindung. Relativ wenig zerstört im 2. Weltkrieg für die Berliner Verhältnisse, war auch nach dem Krieg eine Weiternutzung  gewährleistet gleich ob mit Polizeifesten, Kirchentagen, Fußballspielen, Musikveranstaltungen im Stadion und auch  auf der Dietrich Eckhardt Freilichtbühne. Das unmittelbare Gelände zum Sportforum mit seinen  Gebäuden  wurde aber zunächst Sitz  der britischen Militärverwaltung. Dazu aus dem Geländeplan  aus der kleinen Schrift vom Senator für Jugend und Sport zum OLYMPIA-STADION-BERLIN mit Datum 1.10.1964 der Hinweis auf die Anlagen mit Kennzeichnung 5-20 als Sitz der englischen Militärbehörden in Berlin.


Aber erst durch die Wiedervereinigung im Jahr 1990 und endgültige Freigabe der britischen Verwaltung zusammen mit der rasch gestarteten und vermutlich etwas überstürzten Olympiabewerbung für das Jahr 2000 wurden Sanierungsmaßnahmen  endlich in Angriff genommen. Das gegründete Olympia - Büro mit Sitz im Hotel Stadt Berlin überarbeitete und plante das alte Olympiagelände aber vergeblich, denn die olympischen Spiele 2000 wurden schließlich nach Sydney vergeben.


Aber auch die Nutzung des Reichssportfeldes  nach der Olympiade 1936 bis zum Jahr 1945 ist noch interessant und – obwohl nicht spezialisiert – möchte ich noch Details anschließen und dies auch teils  mit philatelistischen  Belegen.

Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
18. Fortsetzung
31.03.2021
Reichssportfeld  und nacholympische Veranstaltungen

Zum  Reichssportfeld  und  dem  Olympiastadion  Berlin in der Zeit  1936 bis 1945  - sozusagen in der nacholympischen Nutzung - bis zum Ende des 2. Weltkrieges  und die  erfreulichere Nachkriegszeit habe ich versucht einmal Veranstaltungen mit einer kleinen Belegdokumentation zusammen zu tragen und bin dabei auf etliche Ereignisse gestoßen. Eine weitgehend komplette Auflistung findet sich bei  Volker Kluge und in seinem Buch Olympiastadion Berlin  nach akribischer Recherche. Da dies zum Thema Reichssportfeld und Sportorganisationen gehört, möchte ich die Belege  einmal vorstellen  und in Einzelfällen ist sogar eine philatelistische interessante Begleitung möglich. Lesenswert dazu mit einer größeren Anzahl von philatelistischen Belegen ist aber auch die Schrift  von Gerd Bethke, Leverkusen im Rahmen der IMOS – Literatur  wohl  aus dem Jahr 1995.

Aber zuvor noch kurz die Erwähnung der wenig beachteten „vorolympischen Ereignisse“  zur Vorbereitung der  Organisationsabläufe.

Das oben vorgestellte Foto dokumentiert sich unter:
Olympische Probe, Sportmädel, die bei den großen Vorführungen im Olympia-Stadion mitwirken, verlassen nach einer Probe die Hauptkampfbahn im Reichssportfeld.

                                                         Nachfolgend noch eine Aufnahme zur Probe für die Eröffnungsfeier

Es besteht aber auch noch die Frage nach evtl. möglichen sportlichen Vorereignissen im Olympiastadion vom 11. und 12. Juli 1936!

An diesen beiden Tagen wurden die 38. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften quasi als sportliche Premiere meines Wissens nach zumindest teilweise im neuen Olympiastadion Berlin ausgetragen. Dabei wurden die Disziplinen der Frauen den olympischen Erfordernissen angepasst und etliche Entscheidungen wurden auch teils andernorts z.B. Berlin – Mommsenstadion und in  Nürnberg, Freiburg ausgetragen. Der wesentliche Teil  fand aber in Berlin statt und war nicht nur eine letzte vorolympische  Qualifikation sondern wohl auch ein Test für das Olympiastadion selbst. So wurden die Örtlichkeiten und ihre Funktionalität  eingeübt und die aufwendige Technik  überprüft. Auch im Rahmen dieser Leichtathletik-Meisterschaft  waren antisemitische Tendenzen und Konsequenzen dennoch unübersehbar trotz der Bemühungen des NS – Staates vor der internationalen Völkergemeinschaft  hier diese Tatsachen  kurz vor der Olympiade zu verschleiern.

Immerhin waren hier sportlich schon drei Rekorde zu vermelden mit einem deutschen Rekord im Dreisprung (H. Wöllner), einem Europarekord im Weitsprung (L. Long) und einem Weltrekord im Diskurswurf der Frauen (G. Mauermayer). Aber auch der „Ausnahmeläufer“ Rudolf Harbig gewann die 800m Disziplin und qualifizierte sich für die olympischen Spiele.

Vorstehend Rudolf  Harbig  auf einer Privatpostausgabe (2013) und ein portogerechter Einschreib-Eilbrief  aus dem Jahr 1983 mit einem Sonderstempel zu Rudolf Harbig in Bad Hönnigen im vorolympischen Jahr.  Briefmarkenausgaben der Deutschen Bundespost zu den olympischen Spielen in München erlauben hier die Vorstellung von Harbig und ferner  die stilisierte Laufbahnstrecke auf der er großartige Erfolge erzielte. Sein Lebenslauf endete tragisch  im März 1944 an der Ostfront des 2. Weltkrieges.

Olympische Spiele 1. bis 16. August 1936
Diese komplexe auch philatelistisch zu begleitende Veranstaltung wäre  allerdings ein eigenes Thema und soll hier zunächst (?)  einmal ausgespart bleiben.

1936 - 15. November
Schon früh nach der Olympiade im Sommer 1936 war das Olympiastadion am 15.11.1936 Zeuge eines Fußballspieles zwischen Deutschland und Italien mit dem Endstand 2:2.

                                                      Dazu der folgende Beleg  mit Sonderstempel zum Fußballspiel

Der Briefaufgeber hat sich die Mühe eines Einschreibens gemacht, dazu reichte nicht der Einwurf in einen Briefkasten auf dem Reichssportfeld, sondern er musste dazu das Postamt im Olympiastadion aufsuchen und  damit findet sich der zugehörige R-Zettel mit Berlin - Charlottenburg 5 Reichssportfeld.

                                               Lage Postamt Stadion im Erdgeschoß schraffiert gezeichnet (Jahr 1936)

                                                  

1937 – 1. Mai

Mit dem Jahr 1937 verlegten die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler die Zentralfeier zum Tag der Nationalen Arbeit erstmals am 1. Mai in das Olympiastadion mit üblicher NS – Inszenierung  mit  u.a. den Verbänden  HJ und SA  und Hitler fuhr in  bekannter Pose stehend im Mercedes durch das Stadion  umjubelt von den Massen (folgende Aufnahme jedoch vom 1. Mai 1934 aus dem Cigaretten/Bilderdienst/Altona/Bahrenfeld 1936)


1937 – 19. bis 27. Juni

Während des Zeitraumes vom 19. bis 27.6. fand auf dem Reichssportfeld das 1. Brandenburgische Turn- und Sportfest statt und kann durch einen Sonderstempel  dokumentiert werden.

Die Organisation des Turnfestes oblag meines Wissens nach  dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen  mit der Gau – Verwaltung III (Berlin Mark Brandenburg)

und während der Turnfestzeit wurde auch im Olympiastadion die Deutsche Fußballmeisterschaft 1937 ausgetragen und zwar am 20. Juni

1937 – 20. Juni

Im Spiel um die deutsche Fußballmeisterschaft 1937 trat der zweimalige  Meister Schalke 04 (1934, 1935) gegen den mehrmaligen deutschen Meister 1.FC Nürnberg am 20. Juni 1937 vor 100.000 Zuschauern im Olympiastadion Berlin an  und gewann nach - für die Zuschauer etwas farblosem Spiel  - 2:0 und holten damit ihren 3. Titel. Dazu gab es einen Sonderstempel  im Postamt Olympiastadion Berlin – Charlottenburg 5 auf dem Reichssportfeld

Dazu noch ein Bild aus dem AGON – Sportverlag 2008 mit der siegreichen Schalker Mannschaft und im Ruhrgebiet sind Spielernamen wie Fritz Szepan und Ernst Kuzorra  unvergessen und der „Schalker Kreisel“ wurde zum feststehenden Begriff

Dazu noch aus dem gleichen Verlag die 24seitige limitierte Reprintausgabe des OFFIZIELLEN PROGRAMMS  des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen



1937 – 23. Juni

Die Sonnenwende  des Jahres 1937  fiel auf den 23. Juni mit dem höchsten Sonnenstand des Jahres mit der längsten Tages- und kürzesten Nachtzeit  und die Menschheit feiert dieses Ereignis  seit Jahrhunderten  unter vielen unterschiedlichen Religions- und Kulturaspekten und seit je häufig im Brauchtum verbunden mit einem symbolträchtigem offenem Feuer. Unter der deutschen Jugendbewegung der 1920er Jahre verbreiteten sich unter „kultisch altgermanischen Aspekt“ die Sonnenwendfeiern wieder aus und dazu eine  Primus Künstlerkarte aus dem Verlag Wohlgemuth & Lissner, Berlin.

Die  Nationalsozialisten  stilisierten  die Sonnenwendfeier speziell unter dem Einfluss von Heinrich Himmler  zur pseudoreligiösen  Veranstaltung  im Einklang  abstruser  keltischer und altgermanischen Vorstellungen und ab dem Jahr 1937 wurde in Berlin im Olympiastadion  die zentrale Hauptveranstaltung der Sonnenwendfeiern zelebriert. Pathetische Reden, Fanfaren, Totengedenken  mit Kranzverbrennungen  wechselten sich ab bis zum „SIEG HEIL  für den FÜHRER und sein VOLK“. Zu dem Fest in Berlin kann ich keinen Poststempel vorstellen, aber die Sonnenwendfeier im Jahr 1939 auf der Freilichtbühne Stedingsehre  soll  hier mit passendem Sonderstempel als Ersatz  dienen. Ausgebaut  zur NS – Kultstätte für 20.000 Besucher  fand im Jahr 1939 hier eine Sonnenwendfeier statt ausgerichtet unter  der Regie von Alfred Rosenberg.

Alfred Rosenberg als von Hitler ernannter „Chefideologe der NSDAP“ wäre schon ein Thema mit nicht steigerungsfähigem Antisemitismus, Chefredakteur des Völkischen Beobachters seit 1923, Leiter des Außenpolitischen Amtes seit 1933 und „Ausbeuter des Ostens“ unter deutscher Besetzung.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
19. Fortsetzung
10.04.2021
Reichssportfeld  und nacholympische Veranstaltungen

1937 – 15. bis 19. Juli

In der Zeit  vom 15. bis 19. Juli 1937 wurde auf dem Reichsportfeld das Große Internationale Reit- und Springturnier sowohl auf dem Reiterplatz als auch  im Olympiastadion ausgetragen.

                                      Bild des Reiterplatzes auf dem Reichssportfeld aus der obigen Werbebroschüre

                                           links im Hintergrund der Glockenturm und rechts davon das Reiterhaus

                               folgend die Preisgestaltung  zum Großen Internationalen Reit- und Springturnier 1937

                                              und am Sonntag gab es dann den Preis des Führers und Reichkanzlers


1937 – 24. u. 25. Juli

Die Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft wurde am 24. und 25. Juli 1937 im Olympiastadion ausgetragen. Zu diesem Datum kann ich keinen Beleg vorstellen, jedoch schon hier der Hinweis, dass Berlin und das Olympiastadion vor und nach dem 2. Weltkrieg häufig  Austragungsort der Deutschen Leichathletik und auch  Weltmeisterschaften waren s. folgende Briefmarke und Sonderstempel vom  9.4.2009


1937 – 1. August

Am 1. August im Jahr 1937 fand dann das 1. Reichstreffen  der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung (NSKOV) auf dem Reichssportfeld Berlin statt. Auf der nachfolgenden  Privatganzsache mit Zusatzfrankatur sendet übrigens ein Herr Dekow an den Major Wetzel in Dortmund  freundliche Grüße von dieser  Großveranstaltung.

Die Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung (NSKOV) war eine Wohlfahrtseinrichtung der NSDAP für die Kriegsopfer und Schwerverletzten des 1. Weltkrieges und dazu noch folgend 2 Absenderfreistempel  und dies im Jahr 1940 dann z.B. im häufig anzutreffendem pathetischem Wortlaut  Soldat sein dauert über Krieg und Frieden, nur zu dieser Zeit herrschte schon nicht mehr Frieden und leider waren erneut Kriegsopfer und Schwerverletzte die Folge.

Im Jahr 1937 fand im Berliner Olympiastadion auch das Internationale Stadionfest der Leichtathletik (ISTAF) statt. Hier habe ich ein Problem der zeitlichen Zuordnung. Das NSKOV Treffen am 1.8.1937 im Olympiastadion ist unbestritten, aber  vor 85.000 Zuschauern soll am gleichen Tag auch  das Internationale Stadionfest abgelaufen sein. Vielleicht findet sich  aus dem Kreis der Homepagebesucher dazu eine Erklärung. Zumindest auch dazu an dieser Stelle ein passender Berliner Beleg aus der „Neuzeit“, denn ISTAF und die Stadt Berlin mit dem ehrwürdigen und später 2fach renoviertem Olympiastadion sind eine feste Institution.


1937 – 15. August

Vom 13. bis 15. August 1937 fanden dann die Reichswettkämpfe der SA erstmals im Olympiastadion statt  mit üblicher NS – Inszenierung und dem Führerappell durch Adolf Hitler und dieser wurde  auch  im  entsprechendem  Sonderstempel  auf dem Reichssportfeld festgehalten

Zu den Wettkämpfen der SA gab es meines Wissens nach 4 Sonderpostkarten und aus der Serie nachfolgend  Vor- und Rückseite einer Reprintausgabe  der Jahre 1937 und 1938.


Nach den erfolgreichen olympischen Spielen im Jahr 1936 waren Hitlers Ambitionen bezüglich olympischer Spiele unter dem Aspekt und dem Reglement des Internationalen Olympischen Comitees  (IOC) mit möglichen weltumfassenden  sportlichen Spielen aller Völker und Rassen  bekanntermaßen „erschöpft“. Nationalsozialistische Kampfspiele unter der  Regie der SA waren seine Perspektive und das geplante Stadion in Nürnberg sollte  einmal Veranstaltungsort werden, das schon in seiner Konzeption und Dimension unter der Planung von Albert Speer  in der Ausführung  nicht IOC – tauglich  werden  würde.

Während zu den olympischen Spielen 1936 ein Kennzeichen die internationale Beflaggung z.B. olympischer Platz und Stadion war, so sind bei solchen späteren größtenteils NS – geprägten Ereignissen die zahlreichen Hakenkreuzfahnen (Reichs- und Nationalflagge seit 1935) unübersehbares Attribut gewesen z.B. zur Begrüßung der Zuschauer schon auf dem Olympischen Platz vor dem Osttor. Hakenkreuz (in gedrehter Form nach rechts) und die Farben schwarz, rot, weiß  wurden seit 1923 zum Symbol der NS – Zugehörigkeit  und schließlich zum  akzeptierten Staatslogo der deutschen Volksgemeinschaft


und schließlich hatte  ja  jeder „gute Deutsche“  seine Hakenkreuzfahne, um zum Beispiel sein Straßenfenster sichtbar bei NS – Gelegenheiten – und davon gab es viele – zu dekorieren.

12,50 Reichsmark für eine doch imponierende Größe von 0,6x2,5m sind da vor 84 Jahren sicherlich nicht zuviel von der Düsseldorfer Fahnenfabrik verlangt und der Hakenkreuzspiegel für das Wohnzimmer zu 0,55RM ist regelrecht preiswert gewesen.

Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
20. Fortsetzung
20.04.2021
Reichssportfeld  und nacholympische Veranstaltungen

Bisher vernachlässigt wurde die Vorstellung des U-Bahnhofs zum Reichsportfeld im Gegensatz zum S-Bahnhof. Dabei blickt die Haltestelle der Berliner U – Bahn  am Rosittenplatz (Rositten Stadt in Ostpreußen) seit der Inbetriebnahme am 8. Juni 1913 zur feierlichen Eröffnung des Deutschen Stadions durch Kaiser Wilhelm  II. auf  eine fast identische zeitliche Historie zurück. Allerdings war hier bis zur Station Ruhleben (Weiterführung erst 1929) der Betrieb anfänglich nur zu Großveranstaltungen im Stadion  eingerichtet und auch die Haltestelle war anfangs Endstation und führte den Namen Stadion. Entsprechend der anfänglichen Nutzungsperspektive gab es nur einen mittleren Bahnsteig zwischen den zwei Gleisen und ein kleines Bahnhofsgebäude war in  Holzbauweise  ausgeführt worden.

Aber ähnlich zur  S-Bahn  bewirkte auch hier die Vergabe der olympischen Spiele zum Jahr 1936 den Bau eines repräsentativem  neuen  Empfangsgebäudes und wurde ausgeführt als roter Klinkerbau durch den Architekten Alfred Grenander. Bildansicht aus  Das Reichssportfeld  erschienen im Reichssportverlag 1936 und der Bahnhof erhielt nun die passende  neue Bezeichnung  REICHSSPORTFELD.

Der  Vollständigkeit halber  sei erwähnt, dass  hier zum gleichen Zeitpunkt direkt benachbart ein riesiges Stellwerk  für den U-Bahnbetrieb errichtet wurde. 1950 lautet der Bahnhof dann OLYMPIA-STADION und der angeführte Bindestrich ist wichtig zur Unterscheidung zum S-Bahnhof OLYMPIASTADION. Dazu eine moderne Ansicht  mit einem Foto von Marc Dargusch auf einer Ansichtskarte  von  Berlin. Meine  Stadt.

Der Fußweg führt dann vom Rossitenplatz über die Rominterstraße (Rominten ebenfalls Stadt in Ostpreußen) durch einen kleinen Waldweg zum Olympischen Platz  und damit zum Osttor des Reichssportfeldes. Dazu noch einmal  eine Lageskizze mit U- Bahnhof – Reichssportfeld, der  enorme Stellwerkbereich und die Wegeverhältnisse zum Olympiastadion.
 

Vom 18. bis 22. August 1937 folgte dann gleich eine weitere Großveranstaltung  im Olympiastadion    zum 700jährigem Jubiläum der Stadt Berlin.

1937 – 18./21./22. August

Im Jahr 1937  feierte Berlin das 700jährige Stadtfest   in  allumfassender 8tägiger  Festfolge. Auf dem Messegelände die zugehörige Ausstellung, Festzug am 15.August mit 4500 Menschen in  Kostümen  verschiedener Zeitepochen und auch in Stralau und Treptow wurde in diesem Jahr entsprechend mitgefeiert und jeweils auch ein passender Sonderstempel dazu geführt.

Im Olympiastadion war dann das Festspiel  „Berlin in 7 Jahrhunderten deutscher Geschichte“  an drei Vorstellungstagen  ein weiterer Höhepunkt in der Festfolge


1937 -  September 28.9.

Das Staatstreffen Mussolini-Hitler  vom 25. bis 29.9.1937  führte über München nach Berlin  und wurde zur  nationalsozialistischen  Propagandatour in kaum zu steigernder Form, um dem Duce Mussolini  zu imponieren  und den Boden für die vertragliche Achse Berlin-Rom  zu bereiten. Dazu eine Briefmarke (allerdings zum 30. Jan.1941) und mit Sonderstempel München  und Datum 27.9.1937. Zu diesem Datum war Mussolini bereits aber schon von München  auf dem Weg nach Berlin. Zum Sonderstempel in München gibt es zwei kleine Besonderheiten zu vermerken, einmal fehlt der Punkt im Datum  hinter der Ziffer 8 und  der Staatsbesuch endete - wie im Berliner Sonderstempel  auch  ausgeführt - erst am 29.9.1937 und nicht am 28.9.37.

Zum Empfang war Berlin in nationalsozialistischer  Propagandaform extrem ausgeschmückt worden mit Hakenkreuzfahnen und den Farben des faschistischen Italiens. Dazu ein Blick auf  die Straße „unter den Linden“ vom Brandenburger Tor und dies war vermutlich die Fahrstrecke zum  festlichen Abendessen in der Reichskanzlei.

Höhepunkt des Staatsempfangs war sicherlich der 28. September und die Veranstaltung auf dem Reichssportfeld  mit Maifeld und Olympiastadion. Die Kinder hatten schulfrei, die Betriebe waren bis auf das Nötigste im „Lockdown“ und 650.000 Menschen huldigten ihren Idolen mit Mussolini und Hitler und ein Lichtdom  aus 78 Scheinwerfern  bildete den Abschluss  (Foto allerdings aus Leni Riefenstahl zur Olympiade 1936 entnommen).

                                                   Auch philatelistisch ist in Berlin das Staatstreffen zu dokumentieren

Rohrpostkarte mit Rohrpost-Sonderstempel und Datum vom 28.9.1937  und hier nun auch der Staatsbesuch exakt ausgeführt vom 25.bis 29. 9.1937

Der nachfolgende Beleg dokumentiert mit dem Einschreibzettel Berlin-Charlottenburg 5 Reichssportfeld auch das  zugehörige Postamt Olympiastadion für den Sonderstempel

                                                          Zwei weitere Belegstücke mit Datum vom 28. und 29.9 1937
                                                                         (rückseitig Hinweis auf die Veranstaltung)


1937 – 24. Oktober

Meines Wissens nach fand am 24.10.1937 die letzte Großveranstaltung im Jahr 1937 im Olympiastadion statt  mit dem Fußballspiel Norwegen gegen Deutschland.
Vor 100.000 Zuschauern gewann Deutschland das Spiel 3:0 und einen passenden Sonderstempel hat es wohl nicht gegeben. Aber zumindest an dieser Stelle die Abbildung des zugehörigen Programmheftes.



Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
29.04.2021
21. Fortsetzung

Reichssportfeld  und nacholympische Veranstaltungen

An dieser Stelle ist ergänzend eine kurze Erwähnung  zur  Einbeziehung des Reichssportfeldes und seiner Bauten  unter  NS - militärischem Aspekt zu erwähnen.

Ab dem Jahr 1938  wurden im Sinne der Kriegsvorbereitung entsprechende Baumaßnahmen ergriffen, um dort einige Industriestrukturen zu etablieren aber auch eine zentrale Flugüberwachung für den Großraum Berlin einzurichten. Im betonverstärkten Marchtunnel baute die Fa. Henschel  ihre Version einer Gleitbombe und  in einem Hochbunker im Bereich des nördlichen Reichssportfeldes wurde im Jahr 1940 die Zentrale  für die Luftverteidigung  eingerichtet, die schon  aus Platzgründen bald verlegt werden sollte.

Dazu noch einmal eine kurze  Vorstellung  zum „Tunnelsystem Reichssportfeld“. Die folgende  Lageskizze   illustriert die Verhältnisse. Der ursprünglich von Otto March angelegte Stadiontunnel (sog. Marchtunnel) unter der Rennbahn wurde von seinem Sohn und Architekten des Reichssportfeldes Werner March erhalten. Das Stadion wurde nach Osten verlagert neu errichtet und  der Marchtunnel führt in die westlichen „Katakomben“ des Stadions und hat damit auch die Verknüpfung  zum Tunnelgang  Richtung Sportforum am Schwimmbadbau vorbei.

Ausgehend von der damaligen Stadionallee führt der Weg zum Tunneltor (Gebäudestrukturen wurden erhalten, rechts Eingang zum Stadion und links zum Reiterplatz) und läuft weiter im Bogen zum Marchhof und senkt sich unterirdisch durch das  Marchtor  als Tunnel zum Stadion fort. Die folgende amtliche Olympia-Postkarte des Reichssportverlages  zeigt im Vordergrund den  Marchhof. Links war ein kleiner Turnsaal aus frühen Zeiten der späteren Hochschule für Leibesübungen.  Im Zentrum der Eingang zum  20m breiten Tunnelsystem und rechts waren auch anfänglich Verwaltungsräume des  Deutschen Stadions. Der Tunnel war damals der einzige Zugang zum Deutschen  Stadion  und war mittig platziert ausgehend von der Kaiserloge.

Im  westlich  unterirdischen  Stadionbereich  mündet somit der Marchtunnel von Süden, der Marathontunnel  aus dem Westen und nach Norden geht es weiter im Tunnel zum Sportforum
Zur Orientierung bezüglich Marchtunnel und altem Deutschen Stadion noch eine Klinke - Luftbildaufnahme aus  nordwestlicher in südöstliche Richtung  zu Rennbahnzeiten.

Im Detail gut erkennbar der mittig angelegte Zugangstunnel mit der oberhalb am Stadionrand  angelegten  Kaiserloge  und dann die Fortsetzung unter der Pferderennbahn nach Süden mit der schon erwähnten Turnhalle und den Verwaltungsgebäuden im nach oben offenem Marchhof.

Welche Großveranstaltung zur obigen Fotopostkarte ablief, kann ich leider nicht mitteilen, zumindest warten 6 Sonderzüge auf den Abtransport der Zuschauer am S- Bahnhof. Die Stadionterrassen „Waldhaus“  sind aber nicht bevölkert und der Pfeil weist auf das südlichere  Restaurant „Sportklause“ hin  Rennbahnstraße 17 und dem damaligen Besitzer P. Springer.

Fortsetzung in puncto  Einbeziehung des Reichssportfeldes und seiner Bauten  unter  NS - militärischem Aspekt.
Zumindest  an dieser Stelle ein „militärisches Detail“ mit einem Paketkartenabschnitt gerichtet an den Major Willi Peschel  mit Datum 28.9.1943  und postlagernd im Postamt Sportforum Berlin-Charlottenburg 9 Reichssportfeld

Bei weiterem Interesse bis zur „Endphase Schlachtfeld – Reichssportfeld“  ist auch in diesem Fall das Buch von Volker Kluge  Olympiastadion Berlin  sehr empfehlenswert.

Zurück in das Jahr 1938 und weiteren Veranstaltungen auf dem Reichssportfeld. Zum 1. Mai inszenierte die NSDAP wieder ihre Zentralveranstaltung zum Tag der Nationalen Arbeit  mit einem Großaufgebot  der Hitler – Jugend und 150.000 Besuchern auf dem Reichssportfeld und Stadion

                                       und die nachfolgende Veranstaltung nach 14 Tagen war erneut ein Fußballspiel


1938 – 14. Mai

Vor 120.000 Zuschauern fand das Fußballländerspiel England – Deutschland im Olympiastadion Berlin  statt. Dieses Freundschaftsspiel gewinnt England mit 6:3 und dieses Ereignis kann wieder mit einem Sonderstempel dokumentiert werden. Die Fußballspiele  zwischen England und Deutschland (bis dato 34 Spiele ?) sind phasenweise emotional  dramatisch besetzt und ein Stück auch beiderseitiger teils politischer Historie. Streckten  die Engländer 1938 im Olympiastadion ihren rechten Arm  zum NS – Gruß, folgte schließlich sogar eine Berlinbesetzung des Olympiageländes nach dem 2. Weltkrieg durch England und  weitere Länderspiele nun wieder sportlichen Charakters ohne politischen Beigeschmack folgten dann zumindest hoffnungsvoll und dauerhaft.


An dieser Stelle bedarf es meiner Meinung nach doch der kurzen Vorstellung von Sepp Herberger. Nicht seine Spielerzeit soll hier erwähnt werden sondern seine Aufgabe als Reichstrainer der Deutschen Fußballnationalmannschaft von 1938 bis 1942 und als Bundestrainer  von 1950 bis 1964.

Entsprechend ihrer unbeugsamen NS – Ideologie war nach dem Österreichanschluss  an das Deutsche Reich im März 1938 eine großdeutsche Fußballmannschaft zwingend und Herberger hatte nur kurzfristig Zeit auch bezüglich der Fußballweltmeisterschaft 1938 eine Mannschaft aus „5 Österreichern und 6 Reichsdeutschen“ zu formen. Hinzu kam die Konkurrenzsituation im Traineramt zu Otto Nerz und die Qualifikation  wurde dann wohl aus vielschichtigen kumulierten Problemen im Jahr 1938  verspielt.

Nach dieser kurzen  Einfügung zurück in den  Mai 1938. Schon am folgenden Tag  nach dem Spiel gegen England spielte die Deutsche Nationalmannschaft  gegen den F.C. Aston Villa im Olympiastadion Berlin.

1938 - 15. Mai

Der obige Schreiber auf der Fotopostkarte vom Reichssportfeld (Sportforum) war wohl einer von hunderttausend Zuschauern beim Fußballspiel des englischen Vereins aus dem Stadtteil Aston der Stadt Birmingham gegen eine deutsche Auswahlmannschaft   und in diesem Fall schon besetzt mit den hinzu gekommenen Spielern aus der Ostmark. Aston Villa gewann übrigens 3:2.

1938 - 23. Juni

Am 23. 06. stand die schon vorgestellte Zentralveranstaltung der „Sonnenwendfeier“ erneut im Olympiastadion  an und diesmal mit Joseph Goebbels als Redner. Folgend Goebbels auf einer Veranstaltung zum 1.Mai 1933 (aus Deutschland erwacht im Cig.- Bilderdienst  Altona)


Im Juni nähert sich das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft  mit einer Überraschung.

1938 – 26. Juni

Der Außenseiter Hannover 96  erzwingt im Olympiastadion Berlin  am 26. Juni vor 93.000 Zuschauern nach Verlängerung ein 3:3.

                                               dazu die Titelseite des Programmheftes (Reprint im AGON – Verlag)

Vor 95.000 Zuschauern wurde das Wiederholungsspiel kurzfristig im Olympiastadion angesetzt und zwar am  3.7.1938 und es ging erneut in die Verlängerung, die den Außenseiter Hannover 96 mit 4:3 zum Sieg der 31. Deutschen Fußballmeisterschaft   führte.

Dazu eine nette „live - Dokumentation“ auf einer Fotopostkarte Reichssportfeld (Ausschnitt)

Der Sonderstempel vom Spiel am 26.6. bedurfte nur einer Änderung im Datum zum 3.7.1938.
In diesem Fall kann ich auch wieder einmal  einen  zugehörigen  Rohrpost – Sonderstempel vorstellen, der ebenfalls   im Postamt Stadion an diesem Tag geführt wurde.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
22. Fortsetzung
08.05.2021

Reichssportfeld  und nacholympische Veranstaltungen

1938 – 9./10. Juli

Vier Wochen nach dem Fußballspektakel um die deutsche Meisterschaft wurde auf dem Reichssportfeld und dem Olympiastadion die erste Handball Weltmeisterschaft durchgeführt. Deutschland wurde im Endspiel gegen die Schweiz Turniersieger  und der Sonderpoststempel dokumentiert die erste Handball-Weltmeisterschaft (eine Rohrpostvariante wurde ebenfalls auch ausgeführt). Interessant dazu der Briefmarkenblock  der Deutschen Post im Jahr 2007 zugunsten 40 Jahre Stiftung Deutsche Sporthilfe und die Briefmarken sind den Weltmeisterschaften im Kanurennsport, Turnen, Modernen Fünfkampf und nun auch der Handball- Weltmeisterschaft gewidmet mit zusätzlichem  Randzudruck

Deutschland Handball-Weltmeister   1938 – 1978 - 2007

Dem obigen Ereignis folgten noch im gleichen Monat  die Reichswettkämpfe der SA.

1938 - 15./17. Juli

Erneut wurden im Jahr 1938 die Reichswettkämpfe der SA  im Olympiastadion durchgeführt und die Propagandamaschine  mit ihren Aktivitäten  lief im gewohnten NS -  Stil. Maschinenwerbestempel der Post kamen zum Einsatz, Sonderpostkarten wurden aufgelegt  und das Ziel war „Jeder Deutsche im wehrhaften Geist“, der dann auch ab September 1939  reichlich abgerufen und strapaziert wurde.

Das Atlantic – Pressefoto vom 17.7.1938 gibt einen Eindruck der Inszenierung (Viktor Lutze war 1934 nach der Ermordung von Ernst Röhm Stabschef der SA geworden)


Reichswettkampf der SA 1938 mit Sonderstempel und zugehörigem Einschreibzettel Berlin – Charlottenburg 5 Reichssportfeld

Zu diesem Sonderstempel gehörte auch wieder die Rohrpostvariante, aber die nachfolgende Ganzsache bedarf der näheren Interpretation. Vorbereitet wohl als Einschreiben  war aber die zusätzlich gewünschte Rohrpostnutzung dann unterfrankiert. Dem Schreiber genügte wohl die Rohrpoststempelung und verzichtete anscheinend  auf die Einschreibregistrierung.

Die zum Bau des Olympiastadions eingerichtete Rohrpostleitung lief meines Wissens nach über Postamt Ausstellungshallen am Funkturm (ebenfalls Berlin-Charlottenburg 5)  zum  Haupttelegraphenamt  Berlin aber zunächst über die Rohrpoststelle Berlin Charlottenburg 9.

In diesem Fall der obigen  Sonderpostkarte hat wohl dann der Postbeamte die  Einschreibbehandlung als fehlend registriert, die eigentlich Unterfrankierung übersehen und mit  dem R- Zettel Charlottenburg 9 ergänzt.
Zu den Reichswettkämpfen der SA 1938 noch ein Foto (Atlantic Photo 17.7.38) mit einer Szene  aus dem 3000m Hindernislauf
 
Bezüglich der Rohrpostleitung auch noch einmal die Nähe  des Reichssportfeldes zu den Ausstellungshallen am Funkturm  topografisch und mittels Fotopostkarte.

Hier war während der olympischen Tage in Berlin  die Ausstellung Deutschland für viele Besucher  sicherlich verbunden mit dem guten und stolzem  Gefühl  ein Deutscher zu sein.  

Die Rohrpostverbindung  Postamt Funkturm mit Ausstellungshallen einmal am Beispiel  zur Ausstellung der Deutschen Arbeitsfront 1938 Gesundes Leben - Frohes Schaffen

Rohrpostsonderstempel  Berlin – Charlottenburg 5 am 8.10.38 18Uhr10 zur Ausstellung  Gesundes Leben Frohes Schaffen  am Berliner Funkturm

1938 -  13./14. August

Zwei Jahre nach den olympischen Spielen in Berlin waren im überfüllten Olympiastadion Berlin die Zuschauer voller Erwartung  gespannt auf den Ausgang im Leichtathletik-Länderkampf  Amerika – Deutschland.

dazu von beiden Tagen nachfolgend  der eingesetzte Sonderstempel im Postamt Olympiastadion (auch ein Rohrpostsonderstempel war erneut im Einsatz)

Interessant die Fotopostkarte mit Datum 14.8. 1938  die speziell für diese Veranstaltung aufgelegt wurde und folgend die zugehörige Bildseite

Dazu noch ein  Atlantic – Photo  datiert vom 13.8.1938 mit einer Szene aus dem Hürdenlauf

Auftakt des Leichathletik Länderkampfes der Männer war  übrigens das Mittelstreckenrennen  und hier war Harbig  zumindest überlegener Sieger, wenn auch im Gesamtendstand  die Mannschaft aus den USA überlegener Gewinner war (122:92 Punkte)

Im Kurzstreckenbereich dominierten erneut die  Leichtathleten  der USA auch wenn der überragende Jesse Owens 1938 im Olympiastadion Berlin nicht dabei war. Johnson und Ellerbee  beide USA vor dem Deutschen Kersch und der  Siegerzeit 10,5 Sekunden



Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
23. Fortsetzung
20.05.2021
Reichssportfeld  und nacholympische Veranstaltungen

Anfang Januar 1939  war das Endspiel im Tschammer – Pokal zwischen Rapid Wien und FSV Frankfurt im Olympiastadion von Berlin. Im Februar folgte ein knappen Fußballsieg gegen Jugoslawien (3:2) und am 1.Mai wurde mit  NS - üblicher Inszenierung die Hitlerjugend  auf bedingungslose Opferbereitschaft eingeschworen, die leider schon bald von Hitler und dem NS – Staat eingefordert wurde.

1939 – 14. Mai

Zwei Monate nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei (s. Münchener Abkommen) und schließlich Bildung der „Rest-Tschechei“  als Protektorat Böhmen und Mähren kam es schon am 15. Mai zum Fußballspiel zwischen Deutschland und der böhmisch-mährischen Fußballnationalmannschaft  und dieses Spiel wird durchaus als offizielles Länderspiel gewertet. Das folgende Atlantic-Photo hält eine Torszene fest und der Endspielstand war ein  3:3 im Olympiastadion von Berlin.



1939 – 11. Juni 

Am 11.6.1939 folgten die deutschen Vereinsmeisterschaften der Meisterklasse im Olympiastadion Berlin und das Atlantic-Photo hält  Günther Gehmert  den Sieger im Hochsprung als deutschen Meister fest. Wie für viele  Sportler endete auch seine Karriere und leider  auch sein Leben  schon  im Kriegseinsatz und in diesem Fall  im Jahr 1940.



1939 – 4. Juni

In der Vorschlussrunde zur Deutschen Fußballmeisterschaft 1939 im Olympiastadion in Berlin  vor 100.000 Zuschauern spielte Schalke 04 gegen den Dresdner SC  3:3 in der Verlängerung und erst im Wiederholungsspiel am 11.6.  qualifizierte sich Schalke mit 2:0 für das Endspiel  erneut vor 100.000 Zuschauern gegen SK Admira Wien.

1939 – 18. Juni

Im besagten Endpiel gewann Schalke überragend gegen die sonst durchaus spielstarken Wiener spektakulär mit 9:0  ihre 4. Meisterschaft in kurzer Folge (1934,1935,1937) und erneut waren die Spielernamen Szepan, Kuzorra und Kalwitzki in aller Munde und dazu erneut eine Fotoreproduktion aus dem AGON Verlag.

Bei dem pflichtmäßig dann zu erwartendem Hitlergruß sind unter der Lupe trotz des Sieges überwiegend wenig begeisterte Gesichter zu erkennen und Kuzorra wirkt ausgesprochen  mürrisch


1939 – 8.u.9. Juli

Zu diesem Datum kann ich mit dem 9.7. eine  Fotopostkarte  als Fliegeraufnahme  der Hansa Luftbild GmbH vorstellen  mit einem Poststempel  in bis dato nicht  abgebildeter Form. Sicherlich eine Nutzung im Postamt Olympiastadion mit direktem Zudruck im unteren Kreissegment  (OLYMPIASTADION) zugehörig Charlottenburg 5. Auch in der lesenswerten  Ausarbeitung von  Gerd Bethke zum  Reichssportfeld findet sich dieser Stempel  erst ab dem Jahr 1939 und dies im Durchmesser in kleinerer und größerer Variante.

                                                                                         und noch einmal im Detail


Aus dem Text der Fotopostkarte kann nicht auf  einen aktuellen  Besuch im Stadion  geschlossen werden, aber es war vermutlich ein Besucher  am Wochenende  den 8. und 9. Juli zu den deutschen Leichtathletikmeisterschaften  im Olympiastadion. Der Texter  des Atlantic-Photo  nutzte schon den Begriff Großdeutsche Meisterschaften, da Teilnehmer aus mittlerweile  seit dem Jahr 1938 „einverleibten Reichsgebieten“ zugelassen und vertreten waren. Auf den Briefmarken des Deutschen Reiches findet sich diese Ausführung  Grossdeutsches Reich  erst ab 1943.

Das Atlantic-Phote hält eine Szene aus dem 400-Meter-Hürdenlauf fest, den Friedrich-Wilhelm Hölling  in 51,6 Sekunden gewann.

Weit entfernt von der damaligen Großmannssucht in diesem Stadion ein Blick in die Zukunft mit den deutschen Leichathletikmeisterschaften im Jahr 1964 und damit eine Veranstaltung leider noch im geteilten Deutschland


Zurück wieder in die letzten Friedenstage des Jahres 1939 wobei die anstehenden Reichswettkämpfe der SA   erwartungsgemäß von eindeutig militärischem Wesen geprägt waren.

1939 – 21.-23. Juli

Für die Reichswettkämpfe der SA wurde reichsweit mit Werbeeinsätzen im Maschinenstempel der Reichspost geworben. Beispielhaft dazu  ein Abschlag aus Augsburg.

Dazu führte das Postamt Berlin-Reichssportfeld wieder Sonderstempel an den Tagen vom 21. bis 23. Juli. Zumindest zwei Tagesstempel kann ich vorstellen und mit Datum vom 22. sogar mit einer Karte des Reichssportfeldes  und ein Gruß von den besagten Reichswettkämpfen.

Am 23. Juli und letztem Tag der SA – Wettkämpfe weilte der Stabschef SA Lutze neben dem Reichsminister Rudolf Heß als Stellvertreter Hitlers auf der Ehrentribüne. Heß überbrachte den Siegern die Grüße des Führers (Pressefoto Münchner Illustrierte Zeitung 27.7.1939).


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
24. Fortsetzung
29.05.2021
Reichssportfeld  und nacholympische Veranstaltungen

1939 – 30. Juli

Interessanterweise dokumentiert ein Atlantic-Photo mit Datum vom 30.7.1039 internationale Prüfungswettkämpfe  im Olympiastadion Berlin wohl mit Ausblick auf die geplanten Olympischen Spiele in Tokio im Jahr 1940. Olympiakämpfer werden geprüft“. In der Literatur findet man diese Wettkämpfe auch unter  der 5. ISTAF.

Ebenso bemerkenswert dabei der Weltrekordsprung von  Christel Schulz mit 6,12 Meter und bezwang damit weltweit als erste Frau auch die 6m Marke und folgend der Weltrekordsprung

Ihr „Schicksal“ war die unglückliche Kriegs- und Nachkriegszeit, die den Beweis ihrer sportlichen Fähigkeiten auf internationaler Basis verhinderte und dies geschah sicherlich auch weiteren namhaften deutschen aber sicherlich auch Athleten im internationalen Bereich, die zudem  auch noch teils kriegsbedingt an der Front ihr Leben lassen mussten.

In diesem  schicksalhaften Jahr 1939 realisierte Hitler dann ab September seinen  wahnhaft beabsichtigten Krieg. Im Olympiastadion in Berlin  wurden weiterhin parteikonforme  Veranstaltungen  fortgesetzt und angesetzte Sportveranstaltungen  dienten zur Ablenkung der Bevölkerung. Internationale Veranstaltungen reduzierten sich entsprechend der politischen Verhältnisse  bis auf  Kontakte mit Spanien, Italien und Ungarn und erstaunlich noch im Jahr 1942 ein Fußballspiel gegen Schweden. 

1939 – 26. November

Passend dazu die Reproduktion des offiziellen Programms zum Fußball-Länderkampf Deutschland - Italien  und Deutschland gewann vor 70.000 Zuschauern 5:2.


1940 -  07. April

Am 7.4.1940  fand das  Fußballländerspiel Deutschland gegen Ungarn statt. Obwohl ein Freundschaftsspiel  sprach  die zeitlich  übliche Nomenklatur wieder einmal vom Länderkampf.

                                               Vor 90.000 Zuschauern war der Endspielstand ein Unentschieden 2:2.

Auch dazu kann ein Atlantic-Photo vorgestellt werden mit dem klärenden Torwarteinsatz vom Schalker  Hans Klodt


1940 – 28. April
Im Jahr 1935  hatte Reichssportführer  Hans von Tschammer und Osten einen nationalen Pokalwettbewerb im deutschen Fußball gestiftet und am 28.4.1940 standen  die Mannschaften  vom FC Nürnberg und SV – Mannheim – Waldheim  im Endspiel  und Nürnberg gewann vor 60.000 Zuschauern 2:0 (s. Atlantic-Photo)

Zu den  folgenden Veranstaltungen  mit dem Fußball – Städtespiel Berlin-Wien und zur Vorschlussrunde der Deutschen Fußballmeisterschaften  (13.5. bzw. 1.7.1940)  besitze ich kein Belegmaterial erst wieder zur  Schwimmmeisterschaft am

1940 – 13./14. Juli

Es war auch die erste Großdeutsche Schwimm - Kriegsmeisterschaft (13.-14. Juli) im Olympiaschwimmstadion. Das Schwimmstadion hatte eigene Postamtsräume (schon zu den olympischen Spielen eingerichtet). Dazu ein Beleg des Sonderpostamtes Schwimmstadion mit entsprechendem Sonder – R – Zettel vom Letzttag  der olympischen Festspiele  in Berlin mit Datum vom 16. August 1936.  Der 4er Block der 4Rpf. Sondermarke aus dem Satz zur Olympiade 1936 in Berlin zeigt eine Sprungszene und dazu im Hintergrund den Sprungturm des Schwimmstadions.

Eine Sprungszene  vom 10m Turm des Olympiastadions existiert meines Wissens neben den oben abgebildeten Marken im  Poststempelbild  dann nur noch aus den „Großdeutschen Schwimm-Kriegsmeisterschaften“  vom 13. bis 14. Juli 1940.
Sonderstempel des Olympia-Schwimmstadions  zugehörig  Postamt Berlin–Charlottenburg 5.

Das Stempelbild ist der Briefmarke  aus dem Olympiasatz stark angelehnt und  greift das Markenbild wieder auf und selbst die OLYMPISCHEN RINGE  sind angedeutet im BRUSTEMBLEM erkennbar und dazu ein besseres Detailbild aus einem weiteren Stempelabschlag. Ähnlich "versteckte olympische Ringe" auf postalischen Belegen sind zu registrieren und bei Gelegenheit später  einmal gesondert eine kurze Vorstellung wert.


1940 – 21. Juli
Die Fußballmeisterschaft im Olympiastadion Berlin am 21.7.1940 endete vor 90.000 Zuschauern zwischen dem FC Schalke 04 und  Dresden SC  1:0.

Der Text zum Atlantic-Photo etwas lapidar und  kurz gehalten spricht vom Spiel ohne Überraschungen und der FC Schalke 04 wurde wieder einmal Deutscher Meister. Zwischen 1933 und 1942 war bis auf das Jahr 1936 der FC Schalke 04 stets im Fußballendspiel um die Deutsche Meisterschaft und war ferner in der Zeit von 1933 bis 1944  elfmal Gewinner der Westfalenmeisterschaft. Schalke war damals im deutschen Fußball so dominant wie aktuell der FC Bayern München und in der aktuellen Saison kämpft Schalke gar vergeblich  um den Erhalt in der Bundesliga. So ändern sich die Zeiten.
1940 – 10./11. August  

Die 42. Deutschen-Leichtathletik-Meisterschaften wurden am 10. und 11. August im Olympiastadion durchgeführt und dies tragisch und leider auch als erste Kriegsmeisterschaft und es sollten unter diesem Aspekt noch 3 Meisterschaft an gleicher Stelle folgen.  

1940 – 22. September

An diesem Tag veranstaltete der deutsche Fußballsport  zugunsten des Kriegs-WHW ein internationales Städtespiel. Neben Meisterschaften, Pokalspielen und Freundschaftsspielen im Fußball  gab es auch Stadtspiele  und hier gab am 22. September  1940 ein Spiel  im Olympiastadion  mit Fußballauswahlen aus verschiedenen Vereinen der Städte  Mailand und  Berlin.  Atlantic-Photo 22.9.1940 und das Spiel endete 3:2 für die Berliner Auswahl.

                                                                                   zugehöriger rückseitiger Text

Zum Winterhilfswerk zumindest ein Absenderfreistempel  der Reichsführung  und der Hauspostamtsstelle  Reichstag

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes  wäre schon einmal wert einer kurzen Vorstellung. Das WHW war der NS – Volkswohlfahrt unterstellt, sammelte  unter Einsatz freiwilliger Kräfte, HJ und SA erfolgreich Gelder im Bereich 3stelliger Millionenhöhe ein und Goebbels als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda  hatte die „Oberaufsicht“ über die Verteilung der Gelder. 30 Millionen Reichsmark gingen wohl auch an den Bau des Volkswagenwerkes  und dazu gibt es auf dieser Homepage genügend Informationen.


Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen
25. Fortsetzung
09.06.2021
Reichssportfeld  und nacholympische Veranstaltungen

1941 – 14. April

Ostermontag am 14.4.1941 fand im Olympiastadion Berlin im Fußballpokal das Gruppenspiel  Dresdner SC  gegen Tennis – Borussia statt.

                                              Das Atlantic-Photo hält  eine Spielszene fest und Dresden gewann 1:0

In diesem Fall hält der Atlantic-Pressedienst auch namentlich den Fotografen fest. Heinz Boesig war nach meiner Recherche in der Zeit von 1939 bis 1943 als Fotograf und Kriegsreporter im Einsatz. Das obige Foto verrät neben dem Sport auch die Kriegszeit, denn deutlich erkennbar ist die vorbereitete Flakplattform am oberen Stadionrand.
           

1941 – 22. Juni

Am 22.6. war erneut das Fußballendspiel im Olympiastadion und die  bis dato erfolgreichen Schalker verloren in ihrer 5. Finalrunde nun gegen Rapid Wien vor 95.000 Zuschauern 3:4 und die Wiener bügelten damit  ihre schmachvolle Niederlage aus dem Jahr 1939 aus.
1941 – 19.u.20. Juli 

In diesen Tagen war die zweite Kriegsmeisterschaft  der  deutschen Leichtathletik angesetzt, die auch geprägt war durch die Einverleibung  im Kriegsgeschehen  strittiger Grenzgebiete  als ehemalige und nun neue  Landesteile mit z.B. Danzig, Elsass, Westpreußen

Aus den Veranstaltungen des Jahres 1941 ist noch das deutsche Fußballpokalspiel als Tschammer-Pokal erwähnenswert mit Datum vom 2.11.1941 und auch diesmal verloren die Schalker und nun gegen den  Dresdener SC  vor  65.000 Zuschauern.

Aber das Jahr 1942 sollte  FC Schalke 04  doch wieder einen weiteren glanzvollen Höhepunkt bescheren im Spiel um die deutsche Meisterschaft. Wieder waren Spieler aus Wien die Finalgegner nach Admira Wien 1939 und SK Rapid Wien 1941 nun der Gegner Vienna Wien

1942 – 05. Juli
Schalke 04 gewinnt vor 95.000 Zuschauern  im Olympiastadion  2:0  gegen Vienna Wien und damit seine 6. Meisterschaft. Dazu zumindest ein Bild der erfolgreichen Schalker  mit einem Foto aus dem AGON Archiv.

Erwähnenswert ist durchaus, dass die Wiener zahlreiche Torchancen  hatten, die am  erstmals im Finale eingesetzten  Schalker Torhüter Heinz Flotho  häufig  scheiterten.

1942 –  25./26. Juli
Die dritten Kriegsmeisterschaften der Deutschen Leichathletik vor 30.000 Zuschauern im Olympiastadion  konnten trotz zunehmender Kriegssituation  mit geringen Einschränkungen durchgeführt werden. Dazu erneut ein Bild aus dem Atlantic-Photo-Verlag und  Berliner Pressebilderdienst (Fotograf Jacques) mit Datum vom 26.7.1942.

                                    Ritter von Halt gratuliert der Siegerin im  200m Lauf  Erika Biess vom SCC Berlin

Die Biografie von Dr. Karl Ritter von Halt ist sicherlich kurz erwähnenswert. Er war deutscher Leichathlet als Zehnkämpfer  bei den olympischen Spielen 1912 in Stockholm, wurde Sportfunktionär und gelangte ins IOC, 1933 SA – Mitgliedschaft, 1936 bekleidete er das Amt des  Präsidenten des Organisationskomitees der IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen und folgte als Nachfolger 1944 im Amt des Reichssportführers. Nach dem 2. Weltkrieg interniert im KZ – Buchenwald  und Freigabe im Jahr 1950  auf diplomatischem Druck über seine alten olympischen Freunde Avery Brundage und IOC – Präsident Edström. Schon 1951 wurde er Präsident des westdeutschen Olympischen Komitees und dies war die Zeit der gesamtdeutschen Mannschaft. Dazu ein kleines Ensemble Foto Dr. Karl Ritter von Halt (Zig. Bilderdienst 1936) und Autogramm von Avery Brundage  als IOC – Präsident auf  einer Menükarte   des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland zur 60. IOC – Session in Baden-Baden am 19.10.1963 und Sonderstempel vom 18.10.1963

Aber der Atlantic - Fotograf Jacques hat an diesem Tag auch noch den Sieger im Stabhochsprung festgehalten  und dazu folgende Aufnahme und im Text  wird Glätzner erwähnt aus dem TBD – Weiden. Man findet aber auch in diesem Fall den Hinweis auf  Rudolf Glötzner und der kam  angeblich vom MTV 1879 München.


1942 - 02. August

Den deutschen Leichtathletikmeisterschaften folgten rasch im Olympiastadion die  IX. ISTAF und hier listet die Pressemeldung zum Atlantic-Foto  die Leichtathletik-Elite Europas auf und  dies noch im 4. Kriegsjahr mit Sportlern aus Italien, Finnland, Schweden, Niederlanden und Deutschland 

Im Beschreibungstext wird zum Bild  festgehalten Gruß der ausländischen Sportler an die deutschen Verwundeten  und ist retrospektiv kaum verständlich bei weiteren zahlreichen  aktuellen Toten auf allen Seiten in einem unsinnigen Kriegsgeschehen.
Aber trotz dieser Kriegszeiten strömten noch 50 Tage später  sogar  90.000 Zuschauer in das Olympiastadion, um  das Fußball  - Länderspiel Schweden – Deutschland  zu sehen

1942 – 20. September

Atlantic-Fotos aus dem Länderspiel Schweden – Deutschland und Deutschland verlor dieses Spiel am 20.9.1942   mit 3:2.

Fortsetzung folgt




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