Deutsche Postautomation

Informationen zur deutschen Postautomation im Bereich Freimachung,
Briefannahme, Schalterbetrieb und Briefbearbeitung.



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VW und Wolfsburg, BRD ab 1949


(Volkswagen wieder in deutschem  Besitz und die Stadtentwicklung Wolfsburg)

Nordhoff hatte gerade die Regie in Wolfsburg übernommen, da belegt auch die erste Philatelieveranstaltung in Wolfsburg nach dem Krieg schon ein kleines Stück eingekehrter Normalität. R-Zettel mit Gummistempel (20a) Wolfsburg und Sonderpostamt.

                            
Zur Postwertzeichenschau  im Januar 1948 gab es auch eine Postkarte zum Preis von 15 Reichspfennigen, die nachfolgend auch mit den Druckphasen und  – proben vorgestellt wird.

         
Ob mit dem 18.Januar 1948 absichtlich genau nach 6 Jahren die 2. philatelistische Ausstellung  terminiert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis und ist zu bezweifeln.

Dies war aber auch die Zeit des Schwarzhandels und der Hamsterfahrten und   damit auch   im Wirtschaftsgefüge  Deutschlands und für die Menschen in der Nachkriegszeit teils chaotische Verhältnisse und dies  in allen vier Besatzungszonen. Das „ORGANISIEREN“  im Deutschland der zusammengebrochenen Verkehrssysteme führte sogar im Maschinenstempel der Post Leipzig aus dem Jahr 1947 zur Warnung vor dem TOD als TRITTBRETTFAHRER  auf  den überfüllten Zügen der Nachkriegszeit. Sicherlich  ist dieser Poststempel der heutigen Jugend ohne weitere Erläuterungen nur noch schwer vermittelbar und verständlich.

                             
Aber auch das Thema deutsche Kriegsgefangene sollte noch längere Zeit leidvoll die Familien und die Politik beschäftigen und begleiten und findet sich auch auf Briefbelegen wieder.

                                    
Aber das Jahr 1948 hatte mit der Währungsreform auch eine weitere wesentliche  Entscheidung  für die Entwicklung im westlichen Zonenbereich nach dem 2. Weltkrieg zur Folge. Die „letzte Stunde“  der Reichsmark nachfolgend philatelistisch dokumentiert.
                                                              
Die Umstellung auf die DEUTSCHE MARK hatte aber  im Postbetrieb  noch eine geduldete 2tägige Phase mit den sog. 10fach Frankaturen und davon nachfolgend 2 Belege in die Stadt Wolfsburg. Beide Briefbelege mit Datum vom 21.6.1948.

                        
Während im unteren Schreiben mit H. Engelmann ein schon mehrfach vorgestellter Philatelist  in diesem Fall vielleicht wohl „tätig war“, geht das obere Schreiben aus dem technischen Büro Faber in Augsburg an Dr. Feuereisen  und das Volkswagenwerk in reiner Bedarfsform. Dr. Feuereisen war zu diesem Zeitpunkt Leiter des VW – Kundendienstes und ist bekannt aus  der Zeit der SILBERPFEILE  als Rennleiter bei der AUTO-UNION.

VW – Kundendienst ist ein wichtiges Stichwort  zu dieser Zeit. Schon unter britischer Werksregie sah man  im Export eine  Zukunftschance für den Volkswagen  und Holland, Belgien und die Schweiz wurden bereits Ende 1947 (!) mit ersten  Autos beliefert und in Deutschland war schon ein Kundendienstnetz für die ausgelieferten Wagen an die Alliierten etabliert worden. Die eingeleitete Währungsreform brachte dann den endgültigen  Durchbruch. Schlagartig kam es zur Stabilisierung im Marktgeschehen mit Verfügbarkeit von Material, Einhaltung von Lieferfristen und kalkulierbaren Preisen. Volkswagen hatte zu diesem Zeitpunkt einen Produktionsvorsprung gegenüber Ford und Opel, deren Muttergesellschaften  allerdings die Entwicklungsmöglichkeiten des zukünftigen deutschen Marktes nach dem Krieg unterschätzten und daher  von Investitionsmöglichkeiten auch  ihrerseits  selbst (!) in das VW –Werk  absahen, das zudem in exponierter und unsicherer Lage unmittelbar  an der  Zonengrenze und somit zum sowjetischen Machtbereich lag.
Mit sichtbarem Stolz nahm das Volkswagenwerk  den zunehmenden Erfolg zum Anlass mit Post-Werbestempeln  die steigenden Produktionszahlen seit Kriegsende zu dokumentieren!

        
Ob im Jahr 1955 allerdings der folgende Absenderfreistempel im Volkswagen-Konzern nach weiteren 47 Jahren  vorstellbar war, kann sicherlich  und  ernsthaft bezweifelt werden!
            
Die oben vorgestellten Handwerbestempel wurden vom Volkswagenwerk  gesponsert und dazu  nachfolgend noch ein entsprechendes  Belegensemble.

               
                            Zurück in die Werksproduktion 1948 und  folgend vielleicht ein Transport Richtung Holland.

                                   
Im August 1947 war  Ben Pon Generalimporteur  für Volkswagen in Holland geworden,  glaubte an das Käfermodell  und startete seinerseits  auch  den Export in die USA. Damit war seine Begeisterung für Volkswagen noch nicht beendet. Schon 1947 konzipierte er in seinem Notizbuch ein Transportermodell  und ist wohl einer der Väter dieser unglaublichen weiteren Erfolgsgeschichte  des VW – Konzerns. Nachfolgend eine eigene Fotografie der Entwurfszeichnung seines Originalnotizbuches ausgestellt in einer Vitrine im Pavillon der Autostadt Wolfsburg.

                     
Folgende Aufnahme aus dem Jahr 1951 ist ein sinnfälliges Zeitdokument: „Käfer und Bulli“ gemeinsam vor dem Kino mit der Filmreklame Die DRITTE von RECHTS  (Film aus dem Jahr 1950) mit den Darstellern Vera Molnar, Peter van Eyck, Grethe Weiser, Robert Lindner u.a.! Die Männer stehen in langen  Mänteln vor dem Kino, Hände cool in den Taschen und Hüte waren natürlich  noch „Pflicht“. Die Motorradmarke kann ich leider nicht identifizieren.

                                   
Philatelistisch lassen sich die beiden für Volkswagen so wichtigen Nachkriegsmodelle ebenfalls in  kombinierter  Form finden und dokumentieren.

                             

Auch in diesem Fall mittlerweile ein Ausblick auf 50 Jahre  VW - Nutzfahrzeuge  mit einem entsprechendem philatelistischen Erinnerungsbeleg und dies auch unter Nutzung  eines diesbezüglichen Zudrucks im  Einschreiblabel aus dem Jahr 2000.

                       
Aber zurück in die Nachkriegszeit mit steigenden Produktionszahlen des „Käfers“  und Vertrieb  auch  in der isolierten Lage  der geteilten Stadt Berlin. Im Westberliner Sektorenbereich hatte der Fahrzeugbau WESTEND die Generalvertretung des Volkswagenwerkes  - Wolfsburg übernommen und warb 1949 noch ungehindert mit der Volkswagensilhouette  und dem KdF – Logo in der Seitentür des Wagens!

      
                                              Detailausschnittbeispiele  zum KdF – Schriftzug in den Wagentüren
            
In der Stadt Wolfsburg war nach dem Kriegsende permanent die Wohnungssituation  das THEMA NUMMER 1. Barackenstadt, enorme Fluktuation der Bewohner  und zudem noch rasch ansteigende Einwohnerzahlen  waren die problematische Ausgangslage. Von Ruinenstadt darf eigentlich dennoch nicht gesprochen werden, da die Luftangriffe auf das Volkswagenwerk die eigentliche Wohnbebauung  relativ verschont hatten! Somit kennzeichnet der folgende Sonderstempel aus Wolfenbüttel wohl mehr die Situation für das  VW - Werk  und nicht ganz die Verhältnisse  für die Stadt Wolfsburg.

                   
Aber der Volkswagen kann zukünftig noch häufig bildlich in Poststempeln gefunden werden und von 1952 bis 1956 auch  im Postamt der Stadt Wolfsburg  gemäß obiger rechter Abbildung  vor der Silhouette des Volkswagenwerkes. Wolfsburg bezeichnet sich hier selbst als Volkswagenstadt  und trifft damit den absoluten Sachverhalt.  Die Stadt war eine Gründung zur Autofabrik und stand demgemäß über Jahrzehnte im Schatten  der Werksentwicklung. Diese Abhängigkeit war in Zeiten des Wirtschaftswunders und ständig steigenden Produktionszahlen   sicherlich kein Problem, in Autokrisensituationen war aber  eine „Werksbronchitis“ sicherlich  für die Stadt gleich eine „Lungenentzündung“. Arbeitsplätze standen stets in Abhängigkeit des Werkes  und selbst Zulieferfirmen zog es wegen des höheren Lohnniveaus und Lohnzulagen nicht in die Werksnachbarschaft von Volkswagen. Erst in den letzten 2 – 3  Jahrzehnten hat sich diese Abhängigkeit verringert.

Der obige Stempel Wolfsburg – Volkwagenstadt war übrigens 1952 - 1956 nicht im Schalterbetrieb sondern im Stempel- und Sortierraum  eingesetzt. Machte das Werk mit steigenden Autozahlen im Poststempel Reklame, so münzte in analoger Form die Stadt dies auf  die steigenden  Einwohnerzahlen um und dies in gleich drei  Stempelformen.
                                                                                                                                        
                       
Zu dieser sprunghaft wachsenden Einwohnerzahl gehörten natürlich erhebliche Veränderungen  im Panorama von Stadt und Werk. Eine vielfältige Zahl von alten und neuen Ansichtskarten steht zur Dokumentation zur Verfügung und  soll in dieser Abhandlung nur mit  einigen charakteristischen Beispielen  die Entwicklung skizzieren. Schon die Werkskulisse (s.a. im obigen Stempel 1952 bis 1956) veränderte auffällig ihre Silhouette. Der Kraftwerksblock am Hafengelände kann die Entwicklungsschritte  besonders dokumentieren durch die wiederholten Umbauten im Schornsteinbereich. Dazu einmal zwei Ansichtskartenausschnitte als Beispiel.

               
                                            VW - Werk  am Mittellandkanal  mit und ohne Schornsteine im Kraftwerksblock
               Der Werkszugang erfuhr ebenfalls charakteristische Veränderungen über verschiedene Brückenversionen.

                           
Neben den beiden Brückenbauten zeigt übrigens der Kraftwerksblock  auf dieser Aufnahme noch die „3 Schornsteinvariante“. Nachfolgend der Werkseingang bei Schichtwecksel auf einer Ansichtskarte aus dem RNK-Ansichtskarten-Verlag,Braunschweig.

                                                             
Nach  Süden hinter Bahn und alter Brücke vermittelte der Schachtweg als ersten Eindruck noch längere Zeit den Zustand des Provisoriums und dazu eine Ansichtskarte  aus dem Verlag H. Fangmeier, Bad Homburg.

                                           
                                           Auch eine Tunnelanlage diente später zur Verbindung  von Stadt und Werk


                   Tunnelaspekte zum Volkswagenwerk aus einer Ansichtskarte, Verlag F.Lagerbauer, Hamburg  

Die spätere Hauptgeschäftstraßenentwicklung verlagerte sich aber vom oben vorgestelltem  Schachtweg Richtung Osten und der Ratsbeschluss im Dezember 1949 bedeutete Planung und Bau der Porschestraße.  Nach anfänglichem Zögern  und auch Bedenken der Geschäftswelt zu den Entwürfen von Stadtplaner REICHOW wurde nach 1953 die Entwicklung zur Hauptgeschäftsstraße rasant verwirklicht. Die Entwicklung  der Porschestraße bis zur verkehrberuhigten Einkaufsstraße spiegelt sinnfällig ein Stück Stadtgeschichte  und auch das Kaufhaus HERTIE  hat hier schon seine Historie mit der Adresse Porschestraße 2 und dazu an dieser Stelle auch ein Verweis auf den Menüpunkt Quelle- ein deutsches Versandhaus  auf dieser Homepage.

         
                                      
                                      

Nachfolgend ein kleines Kontrastprogramm  aus zwei verschiedenen  Ansichtskarten im Verlag F. Lagerbauer, Hamburg  und LUX – Verlag, Hannover zur Entwicklung der Porschestraße jeweils mit Blickrichtung zur  Wolfsburg.

                        
An dieser Stelle ist auch ein kurzer Einblick  in die  erste  Entwicklung der Nachkriegszeit bezüglich der kirchlichen Bauten in Wolfsburg interessant. Für die evangelische Kirchengemeinde standen noch die unzerstörten Gebäude der St. Marien-Kirche in Alt-Wolfsburg und der St. Annen-Kirche in Heßlingen nach Kriegsende zur Verfügung.

                   

                        St. Marien Alt-Wolfburg  ca. 1930                                                      St. Annen in Heßlingen

Während für die evang. Gemeinde  noch eine Baracke  am „schwarzen Weg“ eingerichtet wurde, bestand für die katholische Gemeinde die Notkirche seit 1940 in einem eingerichteten Saal der Gaststätte Wolter in Heßlingen. 

                              
Für die rasch wachsenden Einwohnerzahlen waren Kirchenbauten  gewünscht und gefordert, wurden seit Ende der 40er Jahre geplant  und   bereits Ende  1951 für die evangelische und die katholische  Glaubensgemeinschaft  mit ersten Gebäuden realisiert und eingeweiht.

                           
Die Christopheruskirche der katholischen Kirchengemeinde war praktisch für Peter Koller - Stadtplaner der KdF – Stadt in den Jahren 1938 bis 1942 -  offiziell wieder das erste öffentliche Bauwerk in Wolfsburg. Da die bauliche Tätigkeit der KdF - Stadt 1942 damals eingestellt wurde, meldete Koller sich zum Kriegsdienst an die Ostfront mit der Folge sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach glücklicher Rückkehr arbeitete er bis 1949 und seiner Entnazifizierung zunächst  als  Mitarbeiter  im Planungsbüro von Dr. Taeschner  seinem Stellvertreter aus den Anfangsjahren in der KdF – Stadt.

                                               
Der  Christuskirche für die evangelische Kirchengemeinde  in der Friedrich-Ebert-Straße  lag die Planung von Prof. G. Langmaaack aus Hamburg zu Grunde. Beide Ansichtskarten  der Kirchenbauten  stammen aus den Anfangsjahren der 50er Jahre.

Bereits 1948 wurde  zur Linderung der Wohnungsnot auch ein neues großes  Ledigenwohnheim durch das Volkswagenwerk  an der Kleistraße errichtet.  Am 22.10.1948  erfolgte  die Einweihung durch Generaldirektor Nordhoff, der in seiner Rede sogar von einem  „einzigartigem Bauwerk in ganz Europa“   sprach  mit  Waschräumen, Teeküchen, Besucher-, Lese-, Spiel-, Musik- und Schreibzimmer für die 185 Wohnräume mit ihren zugehörigen Sanitäreinrichtungen. Dazu sind nicht  nur entsprechende Ansichtskarten  zahlreich vertreten,  sondern  auch verschiedene  Ausgaben aus der  Bildkartenserie der Deutschen Post „Lernt Deutschland kennen!“  gestaltet und dazu nachfolgend auch ein Probeabzug in schwarz/weiß zur 1. Ausgabe.
      

Im Oktober 1948 gründet sich aber auch der „Hilfsverein ehemaliger Volkswagen-Sparer e.V. Niedermarsberg“  (HeV)  und klagt  auf Lieferung  der angesparten Volkswagen.

                                                                                                         
                   
                      
Die zeitgenössischen Zeitungsausschnitte spiegeln 12 Jahre Prozessdauer wieder, der mit einem Vergleich  endet und in dem nur  28% der ehemals 336668 VW-Sparer  ihre Ansprüche auf Abfindung mit Erfolg nachweisen. Deutsche Arbeitsfront und ihr Sparprogramm für den KdF – Wagen  und die  Volkswagenwerk GmbH standen im Prozess in ihren vertraglichen Abhängigkeiten und gegenseitigen Verpflichtungen zur rechtlichen Diskussion. Mehrfach gingen Urteile des Oberlandesgerichtes nach Revision des Senats des Bundesgerichtshofes „hin und her“. Ob der Vergleich in dieser Form ausgefallen wäre, wenn Anton Piëch als Geschäftsführer in Wolfsburg die angesparten Gelder gemäß seinem Wunsch für seine Rüstungsabsichten während der Kriegszeit  frei bekommen hätte, darf wohl  ernsthaft  bezweifelt werden!

                                    
Auch aus dem im Jahr 1938 eingegliederten Österreich meldeten sich ehemalige KdF – Wagen – Sparer, wie es aus dem folgenden Schreiben hervorgeht.
           
Ab 1949 etablierten sich zunehmend die Vertragshändler für Volkswagen und  die frühen Generalvertretungen haben ihre Positionen  gefestigt, ausgebaut und sind teils bis in die Gegenwart vertreten. Aus den  namhaften Beispielen  z.B. Glöckler, Schultz, Hülpert, Rösch nachfolgend einmal Fleischhauer für die Region Köln-Aachen  mit früher Reklame aus dem Jahr 1950 und einigen Absenderfreistempeln.

                                                            
                                                  
1948 wird aber auch schon ein Vermittlungsdienst für  Kraftfahrzeugversicherungen  als  „Volkswagen Versicherungsdienst GmbH“ (VVD)  durch die Volkswagen Werk GmbH ins Leben gerufen. Eine Kfz – Versicherungspflicht bestand übrigens  gesetzlich  und allgemein verpflichtend seit dem Jahr  1939.

                                                 
                        Dazu der frühe vorderseitige Absenderfreistempel im Wertrahmen noch mit Deutscher Post

                                                 
Die Kundenbetreuung  im Schadensfall wurde für den VVD  bald eine europaweite Angelegenheit und auch dazu eine passende Illustration   aus  dem Jahr 1960.

                                            
Der VVD wurde  aktuell einer der größten Kfz- Versicherungsvermittler  und wurde im Jahr 1995  in die   Volkswagen Financial Services AG  eingegliedert. Zum VVD nachfolgend noch eine kleine Auswahl von Briefbelegen mit unterschiedlichen Absenderfreistempeln und verschiedenen Absendereindrucken.

                       
Die dynamisch einsetzende Werksentwicklung kann dann schon ab dem Jahr 1949 in vielfältiger Weise weiterhin beobachtet werden. Schon im Juni 1949 wird  die Volkswagen-Finanzierungsgesellschaft m.b.H  in Wolfsburg gegründet.

                                                              
Dazu folgende Absenderfreistempel. 1951 weist der Wertrahmen noch die Deutsche  Post aus und im Jahr 1955  im Freistempelabschlag  dann die Deutsche Bundespost.

                   
                                                                                         
Im Juni 1949  baut dann die Fa. KARMANN  aus Osnabrück auch schon zur Käferlimousine eine Cabrioletversion. Kein anderes Auto in  Cabrioletausführung sollte anschließend bis dato jemals  wieder  diese  Produktionszahlen  von  KARMANN  erreichen.

                                          
Im Jahr 1950 liefen dann die  zuvor schon vorgestellten ersten VW – Transporter vom Band und im Januar 1951 verstirbt Ferdinand Porsche. Nachfolgend ein Ausschnitt (Ansichtskarte des Wolfsburger Kaufhauses Schwerdtfeger) mit der Porsche – Büste aufgestellt zu seinen Ehren in der Stadt Wolfsburg im Jahr 1955 am Schillerteich.

                                                              
Das Porschedenkmal wurde dann vor dem Rathausneubau von 1958 platziert und dazu der Ausschnitt aus einer  zugehörigen Bildpostkarte aus 1959 „Lernt Deutschland kennen“.

                                     
Das nachfolgende Titelbild  aus einem Sonderheft des SPIEGELS  symbolisiert  wohl eine Fortsetzung  in der VW – Werksgeschichte von Porsche zu Nordhoff.  Der Name Porsche findet sich in Wolfsburg u.a. auch  im Schulbau und Straßennamen wieder und  erst seit  ca. 25 Jahren wird nicht nur über den Autobauer Porsche sondern auch über seine Verantwortung   und  Mitgestaltung in der Zeit des NS – Regimes nachgedacht.

                                                         
1951 wurde dann auch das sehnsüchtig erwartete Schwimmbad eröffnet und war ein Geschenk des Volkswagenwerkes an die Stadt und ihre Bürger. Für rund 1 Million D-Mark konnte damals  diese  erstaunliche Dimension verwirklicht werden! Alter Stadtplan mit Ansichtskarte VW-Bad. Ferner Hinweis auf die benachbarte  Porsche-Stadionanlage aus dem Jahr 1957.
                                
Schon die großzügige Spende belegt die wirtschaftliche Dynamik des VW – Werkes und 1952 und 1953 werden schon Auslandsgesellschaften in Toronto, Canada und  bei Sao Paulo in Brasilien  gegründet. 1953 wurde dann auch eine VW – WOHNUNGSBAU GmbH gegründet und  auch im Immobiliensektor war und ist  Volkswagen präsent geblieben.

                                                             
Auch wenn Nordhoff  anfangs von „im Käfermodell mehr Fehler als ein Hund Flöhe“  sprach, waren die Volkswagenlimousinen  zur Freude  ihrer Besitzer  recht belastbar und ein Treffen  1954  der stolzen VW – Besitzer  mit über 100.000  Kilometerleistung war angesagt.

                   
                                                   Sonderstempel                                                                   Logo Veranstaltung
                                 
                                    dazu die Vorderseite der zugerhörigen Erinnerungs- und Schmuckkarte aus Stuttgart

                          
Das Jahr 1955 war der Start für eine langjährige Kooperation zwischen VOLKSWAGEN und KARMANN. Das „VW-KARMANN-GHIA-Coupé “ ergab  sozusagen als „Volksporsche“  sein Debüt  und seit  dem Jahr 2009  stieg die Volkswagen AG in das insolvente Unternehmen KARMANN ein  und  lagerte Teile des VW– und des Porsche- Programms nach Osnabrück aus und produziert dort seit 2011  als Volkswagen Osnabrück GmbH.

                                            
Bei einer erreichten  Autoproduktion  von  1Million  im Jahr 1955 startet Volkswagen auch eine direkte Verkaufsgesellschaft  in den USA  „VOLKSWAGEN  of  AMERICA  Inc“.
1956  wird die TRANSPORTERPRODUKTION in das neu errichtete Werk in Hannover ausgegliedert. Dazu aus den Jahren 1958 bis 1963 einige Absenderfreistempel  mit dem „Bulli“ im Werbeteil  aus Wolfsburg und Autohäusern bzw. Vertragshändlern aus Nienburg, Wesel, Hannover und Frankfurt.

                                
1956 ist auch das Jahr  in dem Volkswagen  in Südafrika eine Tochterfirma zur Montage gründet die „VOLKSWAGEN of  SOUTH AFRICA  Ltd.“

An dieser Stelle wieder ein Blick auf die Entwicklung  der Stadt Wolfsburg. Für die Stadtentwicklung von großer Bedeutung war im Jahr 1955 die Klärung der Grundbesitzverhältnisse. Die Deutsche Arbeitsfront hatte das Gesamtgelände  für Werk und Stadt  in der Volkswagenwerk GmbH eingebracht und ich verweise auf die Menüpunkte Realisierung und Standort VW  und ferner Planung und Bau von Werk und Stadt. Nachfolgend noch einmal  das beanspruchte  und annektierte Gesamtgelände.
                 
Nach dem Krieg gestaltete sich zwischen Werk und Stadt  ein schwieriger  Trennungsprozess, um die unabhängige städtische Verwaltungsarbeit auch finanziell auf eine gesunde Basis zu stellen. Im Jahr 1955 kam es endlich zur Erstausstattung  an  die Stadt  mit Grundbesitz  und VW  begrenzte sich  auf die  unmittelbaren Werksflächen. Damit war der Weg endgültig  für die eigenständige Stadtentwicklung  möglich. Da ferner seit 1951 Wolfsburg als kreisfreie Stadt aus dem Kreis Gifhorn entlassen worden war, ging es also kontinuierlich zunehmend eigenverantwortlich in der Entwicklung weiter und einige Beispiele sollen an dieser Stelle halbwegs chronologisch eingefügt werden. Peter Koller – schon mehrfach vorgestellt und erwähnt – wird ab  1955 Leiter der Wolfsburger Bauverwaltung und kann offiziell wieder stadtplanerisch tätig werden. Der Wohnungsbau hatte Priorität, aber auch die Geschäftstraßenplanung mit der Porschestraße wurde bereits vorgestellt ebenso wie das Ledigenheim und Schwimmbad. 1955 kam ein Altersheim hinzu und als wesentliche Verbesserung im gleichen Jahr ist auch der Neubau des Stadtkrankenhauses zu nennen. Nach 15 Jahren Barackenprovisorium wurde am Klieversberg  ein hochmoderner Komplex mit 600 Betten errichtet. Dazu nachfolgend die Francotyp-Stammkarte zum Absenderfreistempel und eine zeitgenössische Ansichtskarte  mit motivgleicher Abbildung zum Werbeteil des Stempels. 

                                 

Eine spätere Übersichtsaufnahme auf der folgenden Ansichtskarte zeigt die Lage des Stadtkrankenhauses  und belegt schon  Erweiterungen im Gebäudekomplex.

                       
                     1956  wurde auch ein neues Postgebäude  errichtet und auch dazu eine zeitgenössische Ansichtskarte.

                                 
Passend zur Post ein weiteres philatelistisches Ereignis in der jungen Stadt Wolfsburg. Am 25.und 26. Mai 1957 veranstaltet der Philatelisten-Club Wolfsburg e.V. seine 4. Postwertzeichenschau anlässlich des 10-jährigen Bestehens seit der Nachkriegsgründung.
                                                             

Zu dieser Veranstaltung am 25.und 26.Mai 1957 im Martin-Luther-Haus  an der Christus-Kirche  in Wolfsburg – Friedrich-Ebert-Straße sponserte das Volkswagenwerk eine 5teilige Bildkartenserie  mit  Zeichnungen von Victor Mundorff  in einer  Auflage von 500 Stück.
                                                                    Zunächst beispielhaft eine Rückseite zur Serie

                          
     Die folgende Sonderkarte aus der Serie weist vorderseitig den Textzusatz auf – In aller Welt fährt man Volkswagen.

                                                             
Die weiteren 4 Motive waren vorderseitig im Gegensatz zur Abbildung der obigen Karte etwas abweichend  gestaltet – ohne VW – LOGO und Textzusatz. Der Rückseitendruck mit Hinweis  auf  die Philatelistenclub-Veranstaltung war identisch bis auf die Beschriftung des Künstlers zu seinen Bildmotiven  mit dem Volkswagen.
 
                                       
Aus dem Jahr 1957  ist noch  die  Gründung der Tochterfirma in Australien zu vermerken und in Wolfsburg wurde  1957 auch verkehrstechnisch mit  Fertigstellung der Berliner Brücke eine bedeutende Verbesserung erreicht. Bundesverkehrsminister Seebohm reiste zur Einweihung an und entsprechend  der Namensgebung war auch der Senator für Verkehr aus Berlin anwesend. Westberlin in seiner isolierten Lage stand synonym für den verlorenen Krieg  und zu dieser Zeit waren in Wolfsburg  22.000 und damit 40-Prozent der Einwohner Vertriebene bzw. Flüchtlinge aus dem Osten! Nachfolgend die Berliner Brücke  im Vordergrund  auf einem Ansichtskartenausschnitt aus den 80er Jahren  der Volkswagen AG. An dieser Stelle auch der Hinweis  auf das östlich noch vom Hafen gelegene Tanklager, Werkshallen  und  die Parkplatzanlage  und dies ist aus heutiger Sicht  der  Standort der AUTOSTADT.
        
Von erwähnenswerter Bedeutung  aus dem Jahr 1957 ist noch der lang ersehnte  Neubau des Bahnhofs, um auch endlich in vernünftiger Weise den Strom der zahlreich pendelnden Werksangehörigen  zu bewältigen. Wolfsburg wurde auch für den damaligen INTERZONENVERKEHR  bahntechnisch der letzte Haltpunkt  vor  der innerdeutschen Grenze. Zur Bahnhofseinweihung am 26.8.1957  war der Bundesverkehrsminister  Seebohm nun erneut nach kurzer Zeit wieder in Wolfsburg. Nachfolgend Bahnhof Wolfsburg vor der Werkskulisse als Ansichtskartenausschnitt der 70er Jahre  aus dem Cekade – Verlag, Dortmund.

                                              
An dieser Stelle sei vermerkt,  dass  Wolfsburg  auf der  Bahnstrecke  Hannover-Berlin seit dem September 1998  planmäßige Haltstelle  für die ICE – Züge  geworden war. Das Jahr   1958 wurde dann in mancher Hinsicht  für Volkswagen und die zugehörige Stadt Wolfsburg ereignisreich. Mit dem Rathausbau  wurde ein großzügiges Verwaltungsgebäude an der Porschestraße errichtet und damit der Stadtentwicklung seit Kriegsende mit dem Bau von über 10.000 Wohnungen, 11 Schulen, Kindergärten, Kirchen und  60km Straßenbau gerecht. Zum Rathaus eine  Ansichtskarte aus dem Verlag Lagerbauer Hamburg Ende der 80er Jahre.

                                 
Das südlich vom Rathaus  anschließend  platzierte Kulturzentrum ist auf der Ansichtskarte  ebenfalls abgebildet und wurde seit 1958  vom namhaften finnischen Architekten  Alvar Aalto geplant und bis zum Jahr 1963 verwirklicht. Zum Rathaus und Kulturzentrum Ausschnitte  entsprechender  Ansichten aus den Bildpostkartenserien der Deutschen Bundespost.
                        
                         
Apropos Kulturzentrum. Wenn die notdürftigsten menschlichen Ansprüche erreicht sind und  finanzielle Engpässe halbwegs zumindest überwunden sind, ist Spielraum im privaten und öffentlichen Leben für Kunst und Kultur gegeben und dieser Umstand ist weltweit zu beobachten. Neben dem Bau des Kulturzentrums in Wolfsburg ist somit auch die Kunstausstellung im Jahr 1958  zum Gedächtnis des 100. Geburtstages von LOVIS CORINTH  sicherlich als einer der ersten kulturellen Höhepunkte  anzuführen. Corinth neben Liebermann und Slevogt führender deutscher Impressionist  wurde mit seinen Werken in der Stadthalle in Wolfsburg vom  4.Mai bis zum 15.Juni  ausgestellt. Sponsor der Veranstaltung war das Volkswagenwerk und gleich in drei Poststempelformen wurde dieses  Ereignis gewürdigt. 
                                                                     
 
Aber auch der  neu errichtete Stadthallenbau feierte mit dieser Kunstausstellung  im Mai 1958 seine Premierenveranstaltung. Dazu noch ein Ansichtskartenausschnitt aus dem Cramer-Verlag, Dortmund aus den 80er Jahren.
                                                    
                  

                             Volkswagen waren in Wolfsburg überall gegenwärtig, der VW – Minizug aber erst ab 1958
  
Wolfsburg präsentierte sich auf den Umschlägen der Stadtverwaltung   in dieser Zeit als aufstrebende Stadt im „Zentrum von Deutschland“ und die Zonengrenze wurde in der Abbildung einfach schlicht ignoriert
            
Schon Mitte der 50er Jahre prägten die Volkswagen  das Stadtbild in ganz Deutschland. Nach den obigen 3 Ansichtskartenausschnitten nachfolgend noch „ein Gruß aus Berlin“  aus dem Jahr 1957 und „Käfer bevölkerten“ den Kurfürstendamm.
                                                           
Auch 20 Jahre später noch bestimmt  Volkswagen mit seinen Automobilen das Straßenbild und dazu an dieser Stelle eine Ansichtskarte aus der Stadt Werne  (Krapohl-Verlag, Grevenbroich)

                           
Zurück ins Stadtbild nach Wolfsburg. 1958 wurde in der Saarstraße ein Hochhaus (42m) errichtet und wurde vermutlich Vorbild für die Trabantenortsteile, die hier nur kurz  vorgestellt werden sollen und deren sinnvolle Konzeption hier nicht zur Diskussion steht und in der Beurteilung Fachleuten überlassen sei. Zeitgenössische Ansichtskarte aus dem Verlag Fangmeier, Bad Harzburg mit dem Hochhausneubau an der Saarstraße.

                           
Stellvertretend für den fortschreitenden Barackenersatz Laagberg, Reislingerstraße oder den neu  geplanten Ortsteilen  u.a. mit Westhagen, Detmerode, Rabenberg wird nachfolgend ein Ansichtskartenbeispiel aus dem Verlag  Schöning & Gebr. Schmidt, Lübeck mit  einer Luftaufnahme  vom Ortsteil Westhagen mit Blick Richtung Wolfsburg und Volkswagenwerk eingefügt. Ansichtskarten,  Literatur und auch Bildbuchbände zur Stadtbildentwicklung von Wolfsburg sind in großer Zahl vorhanden und bei näherem Interesse   empfohlen und können hier nur beispielhaft angerissen werden.

                            
Der Volkswagen bewies zwischenzeitlich  der Welt seine Einsatzfähigkeit und wurde 1961 mit seinem luftgekühlten Motor mit 12 Rechtslenker  auf der  SCOTT BASIS - Station  am Südpol unter extremen Klimabedingungen  eingesetzt mit Kennzeichen ANTARTICA.
                                  
Aus dem Jahr  1958  ist noch die Aufnahme der Motorenproduktion in Hannover zu erwähnen und  1959  eröffnet Nordhoff  das Automobilwerk „Volkswagen do Brasil S.A.“ in Gegenwart des brasilianischen  Staatspräsidenten. Wolfsburg bezeichnet sich zu dieser Zeit selbst als „junge aufstrebende Volkswagenstadt“  und dokumentiert dies postalisch entsprechend. Nachfolgend zunächst am Beispiel des Absenderfreistempels der Stadtverwaltung  und in seinen Entwicklungsschritten über  PLZ 20a bis zur 3stelligen PLZ 318 und der zusätzlichen Änderung im Ortsstempelteil von der  Einkreis- zur  Zweikreisform.
 
Die  „junge aufstrebende Volkswagenstadt“ findet sich auch im Maschinenstempel der Wolfsburger Poststelle und auch hier die  Änderung im Postleitzahlbereich von 20a nach 318.

        
Die entsprechenden Veränderungen – in diesem Fall auch aptierte Form - im Handwerbestempel der Post in Wolfsburg  komplettieren das  Thema  „junge aufstrebende Volkswagenstadt“   und waren teils  von 1958 bis 1979 im Postverkehr zu finden! Die Vorstellung  der Umrüstung auf die 4stellige PLZ soll später  erfolgen.

              
                     Dazu zumindest noch eine Auswahl als Briefensemble  mit entsprechenden Stempelbeispielen

                                            
                                            Zeitgleich warb das Volkswagenwerk 1959 für das  „vernünftige Automobil“

                         
Im Wirtschaftswunderland Bundesrepublik  dominierte Volkswagen im Straßenbild und vielen Autobesitzern genügte dennoch auch die Umrüstung  ihres „Brezelkäfers“ auf die Modellversion ab dem Jahr 1956 mit dem ungeteilten Heckfenster und dies zum Montagepreis von  41,45 DM!
       
Das Jahr 1960   brachte dann  in vielfältiger Weise Veränderungen für das VW-Werk und  die Stadt. Juni 1960 beschließt der Deutsche Bundestag mehrheitlich die Privatisierung der Volkswagen GmbH in eine Aktiengesellschaft und zunächst verbleiben beim Bund und dem Land Niedersachsen  40% des Kapitals und die Zeichnungsfrist für die restlichen 60%  endete am 15.März 1961 (auch aktuell im Jahre 2013 besteht weiterhin eine 20%ige Sperrminorität  beim Land Niedersachsen). Dazu nachfolgend der Absenderfreistempel der Berliner Bank für Handel und Industrie mit Datum vom 8.3.1961 und  Aufforderung im Werbeteil zum Kaufantrag  und Zeichnung der VW-Aktien.

                                  

Zur 1. Hauptversammlung der VW – AG wurde gleichzeitig der Stadtgründung gedacht und im  Absenderfreistempel  wirbt das VW- Werk „mit dem Käfer liegt man immer richtig“.

                           
                                  

Im Jahr 1960 fällt auch der Entschluss die alten Holzbrücken über den Mittellandkanal durch Fußgängertunnel zu ersetzen und Peter Koller erhält  eine Professur in Berlin  an der TH als Nachfolger von  Prof. Scharoun  mit dem Lehrstuhl für Städtebau innerhalb der Fakultät Architektur. Das Volkswagenwerk gründet in Paris die Vertriebsgesellschaft „Volkswagen France“   und es wird die „STIFTUNG VOLKSWAGENWERK“  zur Förderung von Technik und Wissenschaft  ins Leben gerufen.
                             
Ansichtskarten bzw. Ausschnitte aus Mehrbildkarten erlauben zumindest einen kurzen Einblick auch in die Entwicklung  der Freizeitgestaltung in  der Stadt  Wolfsburg.

                                                                Schillerteich mit Paddel- und Ruderbooten 1955

                                                                     
                                 
                                                                              Kinowelten in Wolfsburg
                   Victoria                                                       Delphin                                             Imperial
         
1961 endete dann auch der schon zuvor vorgestellte VW – Sparer – Prozess  mit einem Vergleich und der VW 1500 kommt in das Werksprogramm und die Stadt Wolfsburg  kauft Schloß Wolfsburg vom Land Niedersachsen zurück.
Schloß Wolfsburg war ausdrücklich 1938 nicht Gegenstand des Verkaufs gewesen. Graf von der Schulenburg hatte seinen Wohnsitz aus den Verhandlungen mit der Arbeitsfront  zunächst ausgeklammert. Das VW – Werk besaß bis 1942  eine Kaufoption. Anton Piëch konnte sich auch durchaus die Wolfsburg als Gästehaus vorstellen, dies entsprach aber wohl nicht der Absicht von Robert Ley und nach dem Umzug nach Neumühle wurde das Schloß mit Vertrag aus dem März 1943 aus dem Besitz  der Schulenburgs  an die Stadt des KdF – Wagens für 560.000 Reichsmark veräußert. Das später erstellte Gästehaus der Volkswagen AG  „Gästehof Rothehof“  ist sicherlich nicht ganz so repräsentativ  ausgefallen wie das Schloß Wolfsburg.

                        
Die Militärbesatzung gab April 1946 das Schloß Wolfsburg wieder in die Hände der Stadtverwaltung zurück, die in den Wirren der Nachkriegszeit  keine wirtschaftliche Basis zum Erhalt sah und 1947 den Besitz an das Land Niedersachsen abgetreten hat, nachdem  Verhandlungen mit einem Privatkäufer wohl scheiterten.  Passend zum Stadtnamen  konnte nach dem Rückkauf 1961 damit auch zukünftig ein repräsentatives Bauwerk gestaltet werden und schon 1959 wurde mit dem Bild der  Wolfsburg in der Postkartenserie „Lernt Deutschland kennen!“  für die Volkswagenstadt geworben.

                       
Aus dem Jahr  1961 soll noch eine Kunstausstellung vorgestellt werden, da in diesem Fall auch wieder die postalische Dokumentation  möglich ist. Veranstalter das Volkswagenwerk.

                     

1961 wurde vom Modell KARMANN GHIA noch die Coupeform in das Programm genommen, aber der wesentliche Schritt für das Volkswagenwerk und für Nordhoff als zäher „Anhänger des Käfers“ sicherlich  eine schwierige Entscheidung  wurde der Vorstoß in die Mittelklasse mit  dem VW 1500.

                                                                Ansichtskarte  KARMANN Ghia  der Volkswagen AG
                                   
Vorgestellt wurde der VW 1500 auf der 40. IAA in Frankfurt  1961 und das Problem war wohl anscheinend weniger die Autoplanung  als die Realisierung der Autoproduktion.
Im  folgenden Absenderfreistempel der Typ 3 von Volkswagen als VW 1500 Limousine mit Stufenheck, es  wurde noch die Kombi-Version als VARIANT gebaut und die Schrägheckvariante TL.

                             
Die angesprochene Produktionsproblematik war ein Resultat des deutschen Wirtschaftswunders  mit vollen Auftragsbüchern und fehlenden Arbeitskräften! Trotz Aufnahme  der  Produktion  von Komponenten  und Ersatzteilen am Standort Kassel (Baunatal) war das VW – Werk in Wolfsburg  bezüglich der Arbeitskräfte 1961  in eine äußerst schwierige Lage geraten. Der Flüchtlingsstrom brachte keine neuen Kräfte mehr und sicherlich auch  die Position im Zonenrandgebiet trotz vergleichsweiser hoher Löhne und Zulagen bei gleichzeitig relativ hohem Krankenstand  waren zu schultern. Nordhoff bis dato auf deutsche Arbeitskräfte fixiert, hatte rasch die Entscheidung  zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte zu treffen,  wie dies in der deutschen Industrie schon seit 1955 nicht unüblich war.  Auch in der Nationalitätenfrage war Nordhoff  wohl nicht festgelegt und zog wohl gedanklich auch Spanien und Griechenland in Betracht, der Zeitdruck und persönlich guter Kontakt  zu Gerhard Gumpert in Bologna  - dem  tüchtigen Vertriebsleiter für VW in Italien mit besten Beziehungen vor Ort –  richtete dann  schnell das Augenmerk auf die konzentrierte und forcierte Durchführung  mit der Anwerbung italienischer Arbeiter.
           
Es ist fraglich, ob Nordhoff  durch obigen  Artikel in der Zeitschrift DIE WOCHE vom 1.März 1939  und den fröhlichen Gesichtern inspiriert wurde und  erneut  auf einen guten Ausgang hoffte, der den Italienern 1938 in Wolfsburg damals im weiteren Kriegsverlauf  bis hin zur Internierung und erheblichen  Diskriminierung  verwehrt blieb. Ich verweise auf den entsprechenden Menüpunkt  unter PLANUNG und BAU des Volkswagenwerkes 1938.
Als diesmaliger Wohnungsstandort für die italienischen Arbeitskräfte  wurde der nordöstliche Bereich direkt an der Berliner Brücke ausgewählt und die folgende Luftaufnahme zeigt rot markiert schon das erstellte „ITALIENER DORF“. Die zweigeschossigen Holzbauten stammten aus Österreich und  die ersten Häuser wurden in einer Rekordzeit  von 6 Wochen nach der Standortentscheidung  aufgestellt  und waren  schon ab Januar 1962 bezugsfertig.

                      

in diesem Gelände befindet sich aktuell die Volkswagen ARENA und hier mit einem Ausschnitt aus einer Ansichtskarte aus dem Schöning Verlag.

                      

                              Die Ansichtskarte aus dem Verlag Lagerbauer ergibt einen Eindruck dieser „Männersiedlung“

                      

3-Bettzimmer waren die Regel (gegen Entgeld später auch 2- bzw. 1-Bettzimmer), Kochgelegenheiten, gut ausgestattete Sanitärbereiche, Sportplatz, Kino und Bocciabahnen  und geschulte Ansprechpartner pro Wohnblock sollten die Umsiedlung in den kalten Norden Europas der vorwiegend aus Süditalien (Mezzogiorno) stammenden Arbeiter  erleichtern. Nachfolgend noch einmal ein Ausschnitt aus einer Ansichtskarte  mit den ITALIENER WOHNUNGEN an der Berliner Brücke diesmal aus dem Lederbogen Verlag in Goslar.        
               
Nicht erkennbar ist  die rasch  eingerichtete Umzäunung für die später insgesamt 58 Häuser mit 5300 Bewohnern  und  die teils rigiden Überwachungen durch den Werksschutz schufen  gettoartige Verhältnisse und erinnerten den einen oder anderen Wolfsburger an alte LAGERVERHÄLTNISSE! Spontaner und einziger Streik der Italiener im Herbst 1962 und Sorge um kommunistische Unterwanderung führten zur intensiven Beobachtung durch Werk- und Stadtverwaltung. Wohl verfälschte Pressemeldungen im Heimatland evtl. unter Einfluss  eines Turiner  Automobilkonzerns  im  Kampf um Arbeitskräfte  sind erstaunliche Imponderabilien  für die eigentlich bemühte Werksleitung  gleich im ersten Jahr der Ausländerbeschäftigung bei Volkswagen gewesen. Angebote zur Verbesserung der Integration mit Sprachkursen, zweisprachigen Schulunterricht und weiteren Fortbildungsmaßnahmen  in Wolfsburg waren nicht überall in Deutschland damals üblich.  Die Geschichte ITALIENER DORF und WOLFSBURG  kann stellvertretend für die deutsche Gastarbeitergeschichte  durchaus erstaunlich eruiert werden  und hat je nach Sichtweise für Migranten, Remigranten und Deutsche unterschiedliche  Perspektiven und Erinnerungswert und weiterführende Literatur dazu ist höchst interessant, aufschlussreich und absolut empfehlenswert (z.B. Die Gastarbeiter-Welt von H .u. R. Richter im F. Schöningh Verlag).

Der Absenderfreistempel aus dem Jahr 2012 symbolisiert wohl mit „amore-mio liebevoll“ 50 Jahre ITALIEN in WOLFSBURG,  verschönt die Getto-Unterbringung im Italienerviertel  an der Berliner Brücke bis hin zu den Problemen der Wirtschaftskrisen 1966/67, 1973/74 und Anfang der 80er Jahre mit starker Rückkehrtendenz  in die italienische Heimat.
              
Der Zug mit Abbildung  im Werbeteil des Stempels war wohl als Reisezug zurück nach Italien mit  aufgebockten Volkswagen  als Mitbringsel  gedacht, spiegelt in keiner Weise  die Probleme der angeworbenen  „Landarbeiter“ in einem  hoch technisiertem Fließbandprozess einer riesigen Automobilfabrik wieder. Eine verbesserte Wohnsituation wurde an der Oebisfelderstraße  in  Kaestorf  ab 1969 geplant und 1971 realisiert, brachte  aber weiterhin Isolationsprobleme, wobei Eigeninitiative der Italiener zur Integration auch nicht immer im Vordergrund stand, sondern der primäre Wunsch zur Rückkehr  geträumt und gepflegt wurde. Durch die Autokrise ab Ende der 60er bis Anfang der 70er Jahre zog das Italiener Dorf an der Berliner Brücke fast leer und wurde 1977 abgerissen.

Nach diesem kurzen angedeuteten Ausflug in die Gastarbeiterwelt  zurück   in das Jahr 1962.
1962 ist dann auch das Jahr in dem im Werk Hannover der 1.000.000 Transporter vom Band läuft und das Werk in Brasilien fertigt bereits den 100.000 Käfer und 1963 feiert Wolfsburg dann sein 25jähriges Stadtjubiläum. Dazu gab es auch postalische Dokumentationsmöglichkeiten. Zunächst Postkarten aus der Serie „Lernt Deutschland kennen“ mit Ansichten von der Porschestraße und dem Rathaus. Warum für letztes Motiv eine Nachtansicht gewählt wurde entzieht sich meiner Kenntnis.

                 
                                    aber auch Post-, Maschinen – und Absenderfreistempel hielten das Ereignis fest
               
                 

Während auch zukünftig bei charakteristischen Jubiläumsdaten die Stadt Wolfsburg  postalisch in Erscheinung tritt, finden sich diesbezüglich keine Möglichkeiten  das Volkswagenwerk zu feiern. Die Stadt kann wohl selbst als Anhängsel der  Gründung des VW – Werkes zur geplanten Produktion des KdF – Wagens und kriegsbedingten Waffenproduktion  unbeschwerter mit der nationalsozialistischen Vergangenheit umgehen und das Glückwunschtelegramm von Bundeskanzler Dr. Adenauer geht  damals anscheinend auch  nur an die Stadt Wolfsburg. Ebenso ist der Tenor  der Glückwunschworte vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Dr. Diederichs an die mittlerweile 70.000 (!) Einwohner zählende Stadt zum 25jährigen Jahr der Stadtgründung frei von „brauner Vergangenheit und Erinnerung“.

Aus dem Jahr 1966 ist mit der 1.Ost-Niedersächischen Briefmarken-Ausstellung  vom 5.7. November noch eine philatelistische Veranstaltung zu dokumentieren, die im Kulturzentrum ihr Domizil hatte.

        


Die sich entwickelnde  Ausweitung  im  Unterkapitel  VW und Wolfsburg, BRD ab 1949 (Volkswagen wieder in deutschem  Besitz und die Stadtentwicklung Wolfsburg) macht eine weitere Untergliederung  sinnvoll  mit Fortsetzung  unter
VW und Wolfsburg, BRD ab ca. 1960.

Fortsetzung siehe dort







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