Deutsche Postautomation

Informationen zur deutschen Postautomation im Bereich Freimachung,
Briefannahme, Schalterbetrieb und Briefbearbeitung.



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Kriegsproduktion  und Kriegszeit im Volkswagenwerk


Im August 1939 wurde die dringend benötigte  erste Kraftwerksturbine im neu errichteten Werk feierlich von Porsche in Betrieb gesetzt und Fritz Kuntze wurde Leiter im Kraftwerksbereich. Am 7.Juli – sieben Wochen vor Kriegsbeginn – besichtigt  Adolf Hitler  noch einmal das Volkswagenwerk in Begleitung von Robert Ley. Ob Umstrukturierungsmöglichkeiten auf Kriegszeiten schon gedanklich  eruiert wurden, kann nur spekuliert werden. Zumindest wurde Hitler schon die Kübelwagenversion Serie 62  vorgeführt!

Stolz werden  aber Ende 1939 auch die ersten produzierten  KdF – Wagen präsentiert und dies auf einem Werksfoto (Ausschnitt) dokumentiert mit einem interessanten Copyright-Hinweis durch den  ABWEHRBEAUFTRAGTEN  des Volkswagenwerkes auf der Rückseite.

          
                                                         
Die Nummernschilder verraten in der Reihenfolge der ersten 3 Wagen: den KdF – 1  und Reichsorganisationsleiter Dr. R. Ley, dann den Geschäftsführer Dr. Lafferentz und (nicht mehr abgebildet) Prof. Dr. Porsche.    

       
Aufgebaut auf dem Podium in einer Werkshalle wurden diese Wagen der Öffentlichkeit und für die Presse demonstrativ und natürlich  NS – typisch dekorativ präsentiert.

                        
Diese Wagen waren die ersten einer Serie von ca. 650 Stück, die in den nachfolgenden knapp 6 Kriegsjahren für verdiente NS – Größen und entsprechende Dienststellen aber auch in angepasster Version für den Afrikafeldzug produziert wurden, denn es war am 1.September  mit dem Einmarsch deutscher Streitkräfte in Polen der Kriegsfall eingetreten und Zivilfahrzeuge waren  weitestgehend überflüssig geworden.

                   
Andere Strukturen gerieten in den Vordergrund  und dazu einfach oben ein  kleines Ensemble  militärischer   Präsenz   im alltäglichen Postgeschehen und die präsente SS  übernahm später endgültig vom Abwehrbeauftragten des Werkschutzes die Oberaufsicht über die Sicherheitsaufgaben im VW – Werk und  KdF – Stadt.

                                      
In der Literatur kreisen teils unterschiedliche Versionen über die Einbeziehung des neuen Volkswagenwerkes in die Rüstungsproduktion. Sicherlich sah die Geschäftsführung und an erster Stelle hier Porsche mit seinen Erfahrungen aus dem 1.Weltkrieg schon Ende 1938 eine begleitende Flugmotorenherstellung als günstig für den weiteren Werksausbau  an, denn der Erhalt des Werkes  für den Volkswagenbau  hatte gedanklich oberste Priorität. Man hoffte allenfalls auf einen kurzen Krieg und die erneute Fortsetzungsmöglichkeit der  Kraftfahrzeugproduktion unter Friedenszeiten.  Das Flugmotorenkonzept scheiterte und die JUNKERSWERKE DESSAU interessierten sich Ende 1939 gleich für eine Gesamtübernahme  des Volkswagen - Werkes! Nachfolgend die Junkerswerke Dessau als Ausschnitt einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1932. Hugo Junkers wäre schon ein Thema für sich und ferner seine speziellen  leidvollen Erfahrungen schon bald nach der Machtübernahme durch die  Nationalsozialisten  im Jahr 1933.

                                 
                            
                                   
                                   
Das Junkers Imperium ging relativ rasch in die NS – eigene Regie unter  Reichsmarschall Hermann Göring im Luftfahrtministerium über. Göring schuf wohl nach eigener frustraner Bewerbung bei Junkers nach dem 1. Weltkrieg  in diesem Fall  durch besonders  schnelle  und radikal betriebene Enteignung vielleicht  auch persönliche und  NS – genehme Verhältnisse.

                              
Eine Auswahl von Freistempelabschlägen dokumentiert folgend einen Bereich des Junkers-Imperium. Interessant noch der Absenderfreistempel zum 30jährigen Jubiläum der Flugwerke rechts oben mit  Ortstempellöschung bis auf die Datumszeile zur Verschleierung der Produktionsstätte  in Dessau  unter den herrschenden Kriegszeiten im Jahr 1940.

           
Porsche erkannte rasch für das neue Werk die notwendige Einbeziehung in den NS – Rüstungshaushalt, behielt aber bei allen Zugeständnissen die Möglichkeit paralleler Autoproduktion des Volkswagens im Auge und  eine gänzliche Zweckentfremdung  des Werkkomplexes konnte also durch die Zuarbeitung  im Ju – 88 – Programm verhindert werden. Die Hoffung auf eine komplette Flugzeugherstellung blieb Illusion.

                        
Die Postkarte zeigt die Ju – 88 nach einer Aufnahme durch Kriegsberichter HORSTER und Freigabe durch das O.K.W. (Oberkommando der Wehrmacht) im Verlag Zabel, Dessau.

Wenn auch nur eine Teileproduktion für die Ju  - 88 eingeleitet wurde, so war doch der Einstieg in die Rüstungsindustrie erreicht, denn nur hier flossen die Kontingentzuweisungen  z.B. für  Stahl, Rohstoffe sämtlicher Art, selbst Energieträger und Arbeitskräfte hatten ihre festgelegten Verhältniszahlen. Die Mitarbeit von Porsche – übrigens erst seit 1934  im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft -  in den nun anstehenden Rüstungsfragen und  -aufgaben  brachten dann schon 1939 die zweifelhafte Ernennung zum Wehrwirtschaftsführer. Es existierten ferner schon seit 1935 seitens Porsche und seinem Konstruktionsbüro (s. Mommsen u. Grieger) durchaus Ideen, Konzepte und Kontakte zum Heereswaffenamt  den Volkswagen in einen Kübelwagen  für militärische Zwecke umrüstbar zu machen, scheiterten  aber zunächst  im militärischen Zuständigkeits – und Verwaltungsdschungel.   
Durch das geringe Eigengewicht  des KdF- Wagens waren schon im  Zivilfahrzeug  bei geringen Veränderungen z.B. im Reifenprofil und mit Höherlegung erstaunliche Geländeeigenschaften  zu beobachten, wie dies die nachfolgende Ansichtskarte belegt - herausgegeben anlässlich der Internationalen Automobilausstellung Febr.1939.

                                                              
Aber erst im Frühjahr 1940  waren neue Konstruktionsentwicklungen zur endgültigen Militärversion  mit den Typen 82 und 87  fertig gestellt.
Das folgende Bild stammt aus der Sammlung H. Engelmann und zeigt den Kübelwagen auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1941 vor der Kulisse der Stadt des KdF – Wagens im Hintergrund.

                        
Aber bis zu dieser Entwicklung und damit Auftragssituation  hatte die Geschäftsleitung des VW – Werkes  noch einige Hürden  zu meistern.

Schon die Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg zeigten, dass die zivil ausgerichteten  Automobilwerke mit der Zuarbeitung  in militärischen  Programmen der Kriegsrüstung  bemüht waren, ihre Produktionsstätten und damit auch wertvollen Mitarbeiter zu erhalten. Gerade Porsche hatte hier damals ein ausgiebiges Betätigungsfeld gefunden und erlebt nun eine Wiederholung seiner persönlichen Erfahrungen.
Auch das Vorwerk in Braunschweig gelangte so  an  Rüstungsaufträge und dies ab der 2. Hälfte 1940 auch in eigener Regie  unabhängig vom Hauptwerk  bei Fallersleben. Dort war man nun bemüht am „Planungszirkus“ der Rüstungsvorhaben teilzuhaben und war nicht wählerisch.
Teileproduktion im Ju – 88 Programm, 2cm Leuchtspurmunition bis Bombenherstellung, Tellerminen, Holzbehälter als Zusatztanks der Luftwaffe, Panzerlaufräder, Schwimmtanks für Panzerfahrzeuge, Kleinöfen  für die Ostfront, Mitarbeit im V1-Porgramm, Panzerfäuste für den Endkampf – Hauptsache waren Produktionsaufträge als Rüstungsbetrieb, damit Material- und Rohstofflieferungen und damit auch Arbeiterzuweisungen möglich blieben und dies durchaus noch unter „angedachtem“ Aspekt der Betriebserhaltung für eine spätere zivile Kraftfahrzeugproduktion. Dennoch standen  zunächst Ende 1939 sprichwörtlich die „Räder“ für den weiteren Werksausbau geschweige denn Stadtausbau still. Speer schrieb im Frühjahr 1940 unwiderruflich beim Treffen in der Porschehütte die Kontingentreduzierungen  spez. auch  im Eisenbedarf  praktisch  als Befehl  fest. Damit waren die Notunterkünfte in den Baracken zum Regelfall geworden und das Werk hatte zu diesem Zeitpunkt teils leerstehende Produktionshallen. Problematisch bei den wechselnden Aufträgen waren auch die unterschiedlich  erforderlichen Qualifikationen – einmal waren spezialisierte Techniker für den  Flugzeugreparaturbetrieb und  andererseits  Kräfte für einfachste Anlernarbeiten gesucht.
Der oben  angeführte Behälterbau von abwurfbaren Holzzusatztanks für die Luftwaffe  brachte dann ab Frühjahr 1940 einen Personalengpass, der zum ersten größeren  angeforderten Kontingent von Zwangsarbeiterinnen aus Polen führte. Damit tritt das zuvor schon einmal vorgestellte Lager des Reichsarbeitsdienstes in Rühen  wieder in Erscheinung.

                            
Dieses Reichsarbeitsdienstlager Rühen lag zwar ca. 12 Kilometer entfernt vom Standort des Volkswagenwerkes, wurde aber in der Kriegszeit 1940 bis 1945 als Barackenunterkunft von VW in unterschiedlicher Belegung genutzt  und seit  dem Frühjahr 1940 für die polnischen Zwangsarbeiterinnen. Ansichtskarte RAD – Lager Abtlg. 4 / 183 Rühen.

                                                                 Kleidungskennzeichen für polnische Zwangsarbeiter.
                                                                 
Der Bezugsschein für ein Paar Handschuhe ausgestellt von der Volkswagenwerk GmbH Verwaltung mit Datum vom 30.9.1941 für eine polnische Zwangsarbeiterin  aus dem Lager Rühen.

                     
Als Berufsbezeichnung wurde Näherin eingetragen und  ihre Beschäftigung im Werk seit 9.6.1940 festgehalten. Ob die gelernte Näherin wohl den einen Handschuh selbst ausbessern musste?

                     
Die Hereinnahme von Rüstungsaufträgen zur Teilausrüstung der Panzerwaffe mit Schwimmkörpertanks veranlasste die Werksführung Anfang 1941 die schwierige Arbeitskräfterekrutierung - erstmals in der deutschen Industrie - mit DEUTSCHEN MILITÄRSTRAFGEFANGENEN zu beheben.  Im westlichen Teil des Gemeinschaftslagers wurde mit Stacheldraht ein entsprechendes Barackenquartier abgrenzt  und mit Wachtürmen abgesichert. Dazu ein  Brief vom 27.5.1941 mit entsprechendem Briefstempel der Wehrmachtsgefangenen-Abtlg. Rothenfelde - Wolfsburg. Das Foto des Wachsoldaten stammt übrigens nicht aus der Stadt des KdF – Wagens.

           
Die Rückseite des Feldpostbriefes belegt noch einmal im Absender die WEHRMACHTSGEFANGENEN – ABTEILUNG ROTHENFELDE – WOLFSBURG  in der Stadt des KdF – Wagens.

          
Die Verhältnisse in Deutschland hatten sich dramatisch verändert. Wenn schon keine Reklame für Auslandsreisen, so war doch im Jahr 1938  noch das Reisen im „fröhlichen“ Deutschland  eine Werbung in den Absenderfreistempeln wert.

           

Aber auch in den Maschinenstempeln war der Krieg dann angekommen, vom Fröhlichsein keine Rede mehr und „man hört geradezu den Befehl von Hitler  ERST SIEGEN - DANN REISEN!“

Die Militärversion des KdF – Wagens wurde zwischenzeitlich erfolgreich getestet und eine zunächst bescheidene Produktionsauflage wurde genehmigt. Schon die fehlenden Pressen im VW – Werk für den Kübelwagen belegen die primäre und ausschließliche Planung zur Zivilwagenproduktion. Die Ambi– Budd- Werke in Berlin (ausgerechnet mit amerikanischer Beteiligung seit 1926) waren dann die Produktionsstätte der Karosserieaufbauten des Kübelwagens und auch der späteren  Schwimmwagen.

Die Ansichtskarte der Fa. AMBI – BUDD macht Reklame vorderseitig mit Bohrwerksarbeiten an einem 40000kg Formwerkzeug und rückseitig für die Spezialität Automobil-Karosserien aller Art.

         
In Ermangelung von örtlichen Gebirgsstrecken bedurfte es wohl der Zweckentfremdung der Fußgängerbrücke am Bahnhof Rothenfelde=Wolfsburg, um die Geländetauglichkeit des Kübelwagens  zu beweisen.

                               
                                       Die Kriegspropaganda lieferte dann aber auch die entsprechenden Frontbilder

                               
 

In dieser Zeit übernimmt  Porsche auch den Vorsitz der Panzerkommission  und der Panzerjäger FERDINAND trug nicht nur seinen Namen, sondern entstammte auch seiner Entwicklungsarbeit. Die zunehmenden Tätigkeitsfelder veranlassten ihn wohl seinen Schwiegersohn  Anton Piëch  1941 als Werksleiter und Geschäftsführer und damit als seine Vertrauensperson in das Volkswagenwerk zu holen. Porsches Einfluss war damit auf das Geschehen im Werk und  der Stadt des KdF – Wagens absolut gewährleistet und gesichert!
Die weitere Entwicklung der Panzerwaffe unter Porsche wird noch einmal mit dem Russlandfeldzug  und der Panzerwaffe TIGER  kurz erwähnt, nachfolgend aber an dieser Stelle schon einmal die begleitende philatelistische Vermarktung aber auch in der Presse.
          
          
Bilder aus der wehrpolitischen Schriftenreihe „Kleine Kriegshefte“ aus dem Zentralverlag der NSDAP (Nr.9) und die Parole an der Wand der heimischen Panzerindustrie lief unter dem Motto „Wir marschieren mit" !

In diese Phase fiel auch noch die Entwicklungsidee des VOLKSTRAKTORS und wurde zum persönlichen Lieblingsobjekt von Dr. Robert Ley als Reichsorganisationsleiter. Damit wurde wohl auch mit  dem Heimatort Leys Waldbröl  der  Werksstandort auserkoren und  Porsches Entwicklung des Volkstraktors  stand nichts mehr im Wege außer die  zunehmend  desolat eskalierende Kriegsituation. Das Thema Volkstraktor erledigte sich damit im Verlauf von 1941 bis 1943 von selbst, aber ähnlich der Konstruktion des Sportwagens Berlin-Rom resultierten aus diesen Plänen sicherlich erfolgreiche Nachkriegsentwicklungen
       
                           Der Porsche 356 Nr.1“Gmünd“ ausgerechnet mit Stempel Braunau dem Geburtsort Hitlers

Nachfolgend nun ein weiter interessanter Briefbeleg vom 7.8.1943 mit Postempel HALBERSTADT  an eine französische Adresse mit üblichen  Zensurstempeln.


Erst die Rückseite offenbart einen Bezug zur Stadt des KdF – Wagens und der Absender  definiert seinen Wohnort eindeutig dort und hier im Gemeinschaftslager  8/6. Ferner finden  sich weitere  Zensurmerkmale.


Französische  Arbeiter im Volkswagenwerk waren  recht zahlreich vertreten und müssen in 3 Gruppen unterschieden werden. Da waren einmal die französischen Kriegsgefangenen, die sich nicht  in allen Fällen in den angebotenen und besser gestellten Status der Zivilarbeiter  begaben, die ihrerseits die Gruppe der Zwangsverpflichteten des SERVICE DU TRAVAIL OBLIGATOIRE (STO) bildeten und  den privilegierten  Dienstverpflichteten  der JEUNESSE OUVIIERE FRANCAIS TRAVAILLANTE EN ALLEMAGNE (JOFTA) gegenüber standen. Die JOFTA  - Angehörigen waren der kollaborierenden VICHY – Regierung  zuzuordnen, arbeiteten bis in die VW-Werksverwaltung hinein  und hatten entsprechend eine Sonderstellung. Der Hinweis im Absender oben auf das Gemeinschaftslager schließt zumindest  den  Status als französischen Kriegsgefangenen aus und es war wohl ein Franzose aus der  STO - oder JOFTA -  Rekrutierung. Dr. Manfred Grieger als Leiter der HISTORISCHEN KOMMUNIKATION im Volkswagenwerk  sieht hier evtl. einen Zusammenhang  auf Sportebene mit einem Freundschaftsspiel  der französischen Fußballmannschaft aus der Stadt des KdF – Wagens gegen Halberstadt  und bezieht sich auf das Heft 4 seiner Schriftenreihe  HISTORISCHE NOTATE  aus dem Unternehmensarchiv der Volkswagen AG.

Die Tagebucherinnerungen des JOFTA – verpflichteten Franzosen JEAN BAUDET  im Volkswagenwerk  schildern sein Eintreffen abends am 24. Juli 1943. Ab September 1943 spricht Baudet von seinen Fußballspielen und das bezugnehmende Spiel in Halberstadt war  erst am 7.Mai 1944 und kann somit den vorgestellten Briefbeleg nicht betreffen! Übrigens hat die französische Mannschaft 4:0 gewonnen. Die Vorstellung, dass ein Spieler schon geschriebene Post in Halberstadt aufgegeben hat, ist eher unwahrscheinlich  und außerdem datiert der Brief  vom 7.8.1943 und damit 10 Monate früher. Es sieht eher nach einem  bevorstehenden Ortswechsel für den Absender aus und eine noch  schnell in der KdF - Stadt geschriebene Information sollte  nach daheim in Frankreich gehen und fand dann den Weg in den Briefkasten wohl in Halberstadt.
Ich vermute evtl. sogar einen Schulungsvorgang in Halberstadt im Zweigwerk bei Junkers und dazu der Ausschnitt einer  zeitgenössischen Lohntüte (glänzendes Pergamin).


 


Fotoarchiv Junkers zeigt schon 1915 die Qualitätsarbeit an Rumpf, Flügeln und Leitwerk
Seit 1940 versuchte die Werksleitung im Volkswagenwerk in der Rüstungsindustrie Fuß zu fassen, um dadurch ihre Automobilfabrik unter eigener Regie  zu erhalten. Erwähnenswert ist  daher seit 1940  die Hereinnahme von Reparaturarbeiten für die Junkerswerke. Man hatte sich von der Vorstellung einer eigenen Serienproduktion im Flugzeugbau zwar trennen müssen, aber die Zuarbeiten waren kein unwichtiger Posten in der angestrebten  Rüstungseinbeziehung.  Dazu ein ARBEITSBUCH  aus dem April 1942, das den Besitzer mit seiner Tätigkeit als Dreher im Flugzeugbau des Volkswagenwerkes  ausweist.
Erwähnenswert ist  1940 der oben schon angeführte Reparaturbetrieb für die Junkerswerke. Man hatte sich von der Vorstellung einer eigenen Serienproduktion im Flugzeugbau zwar trennen müssen, aber die Zuarbeiten waren kein unwichtiger Posten in der Rüstungseinbeziehung.  Dazu ein ARBEITSBUCH  aus dem April 1942, das den Besitzer mit seiner Tätigkeit als Dreher im Flugzeugbau des Volkswagenwerkes  ausweist.
        
Teils war man sogar gezwungen auf  Hallen  im Flugplatzbereich Braunschweig - Waggum zurückzugreifen. Nachfolgend das Zentralgebäude Flughafen Waggum auf einer Ansichtskarte gestempelt am 21.3. 1943.
                               

Dazu ein Feldpostbrief aus Braunschweig-Waggum eines dort stationierten Sanitätssoldaten.
 
                                       Absender und Nebenstempel Fliegerkommandantur Braunschweig-Waggum



Ich vermute also beim Brief aus Halberstadt einen Schulungslehrgang eines französischen STO – oder JOFTA - Arbeiters  im Zweigwerk Junkers in Halberstadt für die Aktivitäten im Flugzeugbau von Volkswagen zum Reparatureinsatz und Teilebau bei der JU 88. In Halberstadt übrigens fand spez. die Tragflächenfertigung von Junkers im 2. Weltkrieg  statt.

Das Volkswagenwerk selbst war intensiv bestrebt mit den eigenen Werkshallen im Rüstungsgeschäft zu bleiben,  während  ein Teil der deutschen Industrie  sogar Erweiterungsmöglichkeiten in den eroberten Kriegräumen sahen, wie dies  z.B. Werlin  in seiner Doppelfunktion als Geschäftsführer bei Volkswagen und Daimler  öffentlich propagierte. Nachfolgend dazu nur kurz  zwei Belegbeispiele des „Ostengagements“ bei Daimler, die schon eine eigene ausführlichere Betrachtung gestatten würden mit dem Flugmotorenwerk REICHSHOF und dem K-WERK in MINSK. 
                             
Solch dimensionierte Expansionspläne waren für das Volkswagenwerk  nicht aktuell, aber auch das Volkswagenwerk hat durch „ Firmenzukäufe“ durchaus 1941 erweitert und dies war einmal die Luckenwalder Feintuchfabrik GmbH, die evtl. als  Hersteller von  Stoffbezügen für VW vorstellbar war und das Schmiedewerk USTRON GmbH und nachfolgend eine alte Ansichtskarte zur Schmiedefabrik in Oberschlesien.
                          

Der Kauf war evtl. ein „Familiendeal“, denn der Vater von Anton Piëch hatte hier wohl Besitztum und VW ließ hier ebenfalls ab Juni 1941 für die Rüstungsindustrie arbeiten mit ca. 130.000 Schmiedestücken monatlich und steigerte  innerhalb eines Jahres die Produktion  erheblich bis auf das Doppelte.

Im Volkswagenwerk selbst wurde eine weitere militärische Variante des KdF – Wagens auch in Abstimmung mit dem Führungshauptamt  der SS in Berlin geplant und entwickelt.

Nachfolgend Briefumschlag des  „Hauptamtes I der SS für Verwaltung und Wirtschaft“ in Berlin – Lichterfelde, Unter den Eichen 127“
   
Der Schwimmwagen VW Typ 166 war nebenbei vermerkt noch geländefähiger als die Kübelwagenversion und wurde  in den Kriegsjahren in einer Stückzahl von 14.000 produziert. Nachfolgend Fotopostkarte (ex Sammlung H. Engelmann) und auf dem Seitenblech ist  zu entziffern  KfZ  K 2  und das Leergewicht wurde mit 0,03 t und die Nutzlast mit 0,45 t angegeben.
                                  
Dazu noch die Schulungsbestätigung der Kundendienst-Schule-Schwimmwagen (Kd.-Sch. Schw.) des Volkswagenwerkes für die Teilnahme eines SS – Rottenführers an dem Sonderlehrgang für Schwimmwagen  aus dem Oktober 1942.
                        
Die zugewiesene Feldpost – Nummer verrät für den Ausstellungszeitraum die Zugehörigkeit des Rottenführers zur SS – Division Totenkopf, die zu dieser Zeit  nach erheblichen Verlusten mit 7000 Toten in der Kesselschlacht von Demjansk (März 1942) in Südfrankreich neu aufgestellt wurde und daher wohl auch in der Zeit vom Oktober 1942 die Zuweisung zum Sonderlehrgang im Volkswagenwerk.

Feldpostbriefe dieser Zeit trugen tragische Vermerke ZURÜCK, EMPFÄNGER GEFALLEN FÜR GROSSDEUTSCHLAND  und Eltern verloren ihren einzigen Sohn
                
                            Der Krieg wurde nun allgegenwärtig, wie dies auch das folgende Ensemble offenbart
                                  
Die Versendungshinweise spez. auch in den Paketkarten lauteten nicht Wertpaket oder Eilboten sondern kriegswichtiges Gut, Rüstungsgut, kriegswichtig, Wehrmacht, dringender Wehrmachtsbedarf, Heeresgut und kriegswichtige Schutzkleidung  und wurden zu Zeitzeugen einer furchtbaren Entwicklung. Zentrale Überwachungsstellen regulierten praktisch das gesamte Wirtschaftsleben, um den schrecklichen Krieg und seine Rüstung zu sichern.                      
                     
Für Porsche war die Abhängigkeit spez. im Leichtmetallbereich ein vordringliches Problem gegenüber der Bevorzugung z.B. der Flugzeugindustrie. Im Februar 1940 wies beispielhaft die Firma P.F.Dick  ihre Kunden mit einer entsprechend bedruckten Postkarte darauf hin, dass auf Anordnung der Reichsregierung sämtliche bisher aus Leichtmetall hergestellte Stahlwaren durch andere Werkstoffe zu ersetzen waren (Vorderseite mit Absenderfreistempel  nicht abgebildet).
                                       
Eine eigene Leichtmetallgießerei wäre für das Volkswagenwerk die Idealversion gewesen gegen die Bevorzugung der Flugzeugindustrie  und für Porsche ergab sich eine entsprechende Gelegenheit unter Einschaltung von Himmler (Reichsführer der SS, Chef des gesamten deutschen Polizeiapparates einschließlich GESTAPO  und SD, Innenminister 1943 bis 45)  nach dem Motto „Schwimmwagen gegen Realisierung einer Leichtmetallgießerei“.

Hitler gab Himmler den Einstieg in das Volkswagenwerk mit Errichtung der Leichtmetallgießerei frei und seitens der Werksleitung ergab sich kein Einwand,  Bau und Ausführung mittels KZ – Häftlingen  zu realisieren. Dem nordöstlich vom Werk gelegenen Standort für die Leichtmetallgießerei  wurde das Konzentrationslager als Außenstelle des KZ – Neuengamme  unter dem Begriff ARBEITSDORF  angegliedert und die Unterbringung erfolgte in den dortigen schlecht belüfteten Kellerräumen.  Das  KZ - Neuengamme war als ursprüngliches Außenlager des Konzentrationslagers  Sachsenhausen ab 1940 „eigenständig“ und später mit zahlreichen Außenlagern in der Rüstungsindustrie vertreten.
                               
Mit dem Arbeitseinsatz  von KZ – Häftlingen, nach den polnischen Zwangsarbeitern und den Militärstrafgefangenen (s.o.)  hatte das Volkswagenwerk  erneut eine Vorreiterrolle in der Industrie übernommen. Brief aus dem Konzentrationslager Hamburg – Neuengamme.
                                            
Die SS – Überwachung in Wolfsburg firmierte im Briefstempel mit WAFFEN SS KONZENTRATIONSLAGER ARBEITSDORF  und hier mit Datum vom 21.4.1942.   
                             
                             
Die Unterkunftsbaracken der SS – Wachmannschaften für das KZ – Lager ARBEITSDORF  waren  im Baugelände angesiedelt und wurden später  nach Schließung der KZ – Einrichtung unter dem Namen „Gießerei – Lager bzw. -Baracken“  ebenfalls zur Unterbringung von Zwangsarbeitern genutzt und hier noch vorgestellt als Wohnortsadresse auf einer Postkarte, deren Verwendung in den ersten Nachkriegsmonaten  noch den sympathischsten Eindruck  hinterlässt.
                       
Weniger der KdF – Schwimmwagen – wie es das folgende Bild vermittelt -  sondern  das Projekt Leichtmetallgießerei war dann „Baden gegangen“. Abermals war es SPEER, der auch in diesem Fall keine Möglichkeit und daher auch keine Notwendigkeit für die Leichtmetallproduktion für das VW – Werk sah. Der fertige Industriebau wurde im Herbst 1942 stillgelegt, die Häftlinge wurden in das KZ Sachsenhausen verlegt  und  die ganze Aktion brachte Porsche zumindest „den ehrenwerten Rang“  eines SS – Oberführers  in der  Allgemeinen - SS ein.
                                
Trotz allgegenwärtiger Kriegsituation  bedarf es an dieser Stelle auch eines friedlicheren Einschubs des Geschehens  in der Stadt des KdF Wagens mit Datum vom 18.Januar 1942.
          
Die philatelistische Sammlergruppe der KdF – Stadt veranstaltete an dem besagten Sonntag eine Werbeschau im Ledigenheim und ein Sonderstempel dokumentiert das Ereignis. Werbeschau und der besagte Sonderstempel geben einige Rätsel auf, denn man findet den Stempel extrem selten und im „BOCHMANN“ – der Katalogbibel für Sonder- u. Gelegenheitsstempel –  bestand eine Lücke diesbezüglich. Die Rückseite  einer Werbekarte zur Veranstaltung  liefert im Text des Zeitzeugen eine offensichtliche Erklärung dazu.
Der Sonderstempel war erst 3 Tage vor der Werbeschau genehmigt worden, eine Anzeige im Reichsanzeiger der Philatelisten war nicht mehr möglich  und die Sonderstempelstelle in Berlin wurde wohl deshalb diesbezüglich nicht mehr involviert.
                  
                                                         
                     
Die Sonderpostkarten in einer Auflage von 1000 Stück  gab es im Farbton beige und weiß  und waren mit dem Birkenweg der Steimkerbergsiedlung illustriert nach einem Entwurf von KUMMER. Dazu noch eine passende Ansichtskarte aus der Stadt des KdF – Wagens.
                          
Der schon mehrfach erwähnte Philatelist Herbert  Engelmann hat es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Ereignis einen Satzbrief mit der Ausgabe zur IAA 1939 vorzubereiten. Die angedachte Einschreibversendung war aber an diesem Sonntag  nicht möglich oder wurde verweigert, da die Markengültigkeit mit  knapp  2 ½ Wochen überschritten war.
                         
Dies dokumentiert - meines Wissens nach - einmalig die Volkswagenmarke aus dem Jahr 1939 mit einem  passenden  Volkswagenstempel  in der Abbildung des KdF – Wagens, wenn auch  wohl in einer Gefälligkeitsstempelung. Dies war aber 1939 sicherlich nicht im folgenden Belegbeispiel unter Verwendung des IAA – Satzes mit Datum vom 28.3.1939 der Fall und die kombinierte Verwendung  als Einschreibbrief  in der Stadt des KdF – Wagens  ist sicherlich ebenfalls nicht alltäglich zu finden.
                       
März 1939 waren noch keine R-Zettel – Unterscheidungen bezüglich Postamt 1 oder 2 üblich, jedoch ist der Schriftzug Stadt des Kdf - Wagens  gegenüber aus dem Jahr 1938 vom 3-Zeiler zum 2-Zeiler mutiert (rückseitiger Ankunftsstempel Rostock 29.3.1939 um 2Uhr - nicht abgebildet).

Nach dem Ausflug in die philatelistische Werbeschau  der Stadt des KdF – Wagens im Januar 1942 geht es weiter in der kriegerischen Realität, die einer Ahnung aus dem Jahr 1938 folgend - nach 4 Jahren  Realität wurde  und apokalyptische  Dimensionen annehmen sollte.

                                                                                      „Gebt mit vier Jahre Zeit“
                            

Ein  halbwegs angestrebter chronologischer Ablauf soll weiter die Situation  im VW – Werk schildern. Ständige  Änderungen in der Einbeziehung von Rüstungsaufträgen und  Probleme mit extrem unterschiedlichen Anforderungen an die Qualifikation der beteiligten Arbeitskräfte über einfache  Hilfsarbeiten bis zu Spezialkenntnissen im Motorenbau erbrachten häufig  Planungsprobleme  bei zusätzlich „ausgekämmter deutscher Stammbelegschaft in Folge Wehrdienst und Kriegsverlusten“. Militärische Projektplanungen zerschlugen sich häufig  durch Materialengpässe aber auch in überstürzten Fertigungen, die nicht  über Jahre im Manövergelände getestet wurden, sondern unter Einsatz von Soldaten  an der Front  häufig ihr Versagen  mit  tödlicher Konsequenz offenbarten.

Die Hoffnung auf die Einbeziehung in den Flugmotorenbau Typ 801 für BMW war diesbezüglich  für das  VW – Werk  eine typische Fehlplanung und das Thema Arbeitskräfte war schon mehrfach Gegenstand der Vorstellung.
                                                              
Aber neben Zwangsarbeitern, Militärstrafgefangenen und KZ - Häftlingen  gab es auch halbwegs zivile Anwerbungsversuche in den eroberten Besetzungsgebieten speziell in den anfänglichen Kriegszeiten. Dazu zunächst ein Beispiel aus Dänemark und der Schreiber spricht  im Absender regulär vom „Dänische Lager“ im Gemeinschaftslager 7 Zimmer 64 und natürlich OKW – Zensur.
         
Bereits Ende 1940 waren über 300 dänische Arbeiter  im Volkswagenwerk beschäftigt und die Bezeichnung „Dänisches Lager“ wird  wohl die empfundene Berechtigung gehabt haben. Im Frühjahr 1940 folgten dann niederländische angeworbene Arbeiter  und auch dazu ein passender postalischer Beleg mit der ebenfalls zu erwartenden OKW – Zensur. Sogar Urlaubsfahrten in die Heimat wurden anfangs gestattet, bis die Zahl der „Nichtzurückkehrer“ spez. aus dem rekrutierten Kreis der niederländischen Studenten für die Werksverwaltung zum Problem wurde und  die Reisemöglichkeiten restriktiv beendet wurden.
        
Aber auch Angehörige vieler weiterer europäischer Nationen waren beteiligt und im VW – Werk beschäftigt. Der folgende  rumänische Arbeiter war, wie der Absender verrät, im Lager 1/38 untergebracht und  brachte seinen Brief sogar im Einschreibverfahren auf den Weg nach Bukarest. Beleg mit deutscher OKW und rumänischer Zensur.
        
Dem korrigierten Einschreibzettel mit gestrichener 2 in der Postamtszuordnung der KdF – Stadt lag vermutlich ein Engpass im Postamt 1 zu Grunde.  

Ein Architekt aus der serbischen Stadt Belgrad schrieb 1943 ebenfalls in eingeschriebener Form an Frau Alexandra Hworostin  in der Stadt des KdF – Wagens, die allerdings wohl in besseren Wohnverhältnissen im Waldpfad 2 bei Köhler untergebracht war und eine Briefzustellung ohne Zensurkontrolle war auch in diesem Fall nicht vorstellbar.
         
Französische  Arbeiter im Volkswagenwerk waren  recht zahlreich vertreten und müssen in 3 Gruppen unterschieden werden. Da waren einmal die französischen Kriegsgefangenen, die sich nicht  in allen Fällen in den angebotenen und besser gestellten Status der Zivilarbeiter  begaben, die ihrerseits die Gruppe der Zwangsverpflichteten des SERVICE DU TRAVAIL OBLIGATOIRE (STO) bildeten und  den privilegierten  Dienstverpflichteten  der JEUNESSE OUVIIERE FRANCAIS TRAVAILLANTE EN ALLEMAGNE (JOFTA) gegenüber standen. Die JOFTA  - Angehörigen waren der kollaborierenden VICHY – Regierung  zuzuordnen, arbeiteten bis in die VW-Werksverwaltung hinein  und hatten entsprechend eine Sonderstellung. Dies dokumentieren ebenfalls die mir bekannten Briefbelege, die sogar in der Regel die Nutzung des Absenderfreistempels der VOLKSWAGEN - WERK GmbH aufweisen!
         
Im Gegensatz dazu wurden die französischen Kriegsgefangenen im westlichen Teil des Gemeinschaftslagers unter Abzäunung und Bewachung von Wehrmachtsoldaten des Arbeitskommandos 1366  untergebracht und dazu folgender Feldpostbrief der Stadt des KdF – Wagens mit BRIEFSTEMPEL  Kr.-Gef.-Arb.Kdo.1366 Rothenfelde-Wolfsburg.
                                               
Aus einem sehr persönlich gehaltenen Feldpostbrief mit Absender eines Wachsoldaten des Kriegs - Gefangenen-Arbeitskommandos 1366 Rothenfelde - Wolfsburg dazu ein kleiner Briefausschnitt mit Hinweis auf seine noch leidige ausstehende „Veränderungsmeldung von 250 Franzosen“! Das weitere Schicksal dieser Franzosen bleibt im Brief unerwähnt und die "SCHREISTUBE" hatte hoffentlich keinen unbewußten ernsten Hintergrund.
     
     

Natürlich waren noch italienische Arbeiter vor Ort und dazu einige weitere Belegbeispiele. Der folgende Briefempfänger war  Bruno Langoboni im Campo 12  und  ist nicht zu „verwechseln mit der späteren  VW – Beziehung zu  Lamborghini.“
        
Gerade Briefbeispiele der italienischen Arbeiter belegen auch durchaus wechselnde Unterkünfte bedingt durch Fluktuationen mit Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern aus vielen Regionen, KZ – Häftlingen und auch Internierungssituation.  So war mittlerweile auf der Nordseite des Hafenbeckens  am Mittellandkanal das HAFENLAGER für Zwangsarbeiter  entstanden und auch dazu eine entsprechende  Belegdokumentation. Auch wenn der Absender in Lautschrift vom Afenlager spricht ist der Postkartenbeleg wohl eindeutig dem Hafenlager zuzuordnen. Dies entspricht auch der Beurteilung von Dr. M. Grieger – Leiter Zentrum Historische Kommunikation der Volkswagen AG.
                                                       
Mittlerweile benötigten fast 20.000 Arbeitskräfte eine Unterkunft und die Barackenlager breiteten sich vielfältig im Gelände der Stadt des KdF – Wagens aus  und im westlichen Teil entstand noch etwas abseits das LAAGBERG – Lager. Nachfolgend noch eine zensierte  Karte eines italienischen internierten Zwangsarbeiters im Januar 1945 aus dem Laagberg – Lager  in die Heimat.  Nach  dem September 1943  mit dem  Ende der deutsch-italienischen „Freundschaftsbeziehungen“ nach der Kapitulation Italiens  war die Situation  der Italiener  im Lager katastrophal geworden und sie litten besonders extrem unter der Situation der „zugewiesenen Verräterposition“. Sinnigerweise stellte  man wohl Hitler-Propagandakarten  als Schreibmaterial  zur Verfügung.
                                                   
Dem Laagberglager wurde 1944 noch ein KZ – Teil angelagert mit  erneuter Unterstellung als Außenstelle des KZ-NEUENGAMME und von dort kamen Widerstandskämpfer aus Frankreich, Holland, Russland und Polen unter die Lagerverwaltung von SS – Unterscharführer A.P. Callesen  mit der Folge eines weiteren düsteren Kapitels deutscher NS – Geschichte (s. Standardwerk Prof. H. Mommsen und Dr. M. Grieger:  Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich)!

Das noch recht groß angelegte östliche Lager an der Reislingerstraße soll hier zumindest noch mit einem Absendervermerk vorgestellt werden. Primär als Lager für polnische Juden konzipiert, wurde dieses Vorhaben schon im Planungsverfahren auf Hitlers Anweisung allgemein durch das Reichsarbeitsministerium  hin gestoppt und das Lager später für deutsche Arbeitnehmer und  "zivile Ausländer"  erstellt.
             

Das Lager HOHENSTEIN als Lager der Waffen SS zur Unterkunft und Schulung soll hier noch erwähnt werden und war südwestlich des Lagers für Kriegsgefangene Richtung Laagberg gelegen.  Es kann nur bei Interesse auf das Standardwerk von Prof. Dr. Hans Mommsen und Dr. Manfred Grieger – DAS VOLKSWAGENWERK UND SEINE ARBEITER IM DRITTEN REICH und auf die Buchausgaben von Dr.Klaus-Jörg Siegfried ehemaliger Leiter des des Stadtarchivs in Wolfsburg in diesem Zusammenhang verwiesen werden.
Nach Ausflug in die vielfältige aber nicht komplett vorgestellte Welt der Lager und der Nationalitäten im VW – Werk  geht es in das  Kriegsjahr 1941 und zum fatalen Einstieg Hitlers in den  Russlandfeldzug  und dies dokumentiert auf einem zeitgenössischem Bildausschnitt einer Propaganda - Ansichtskarte, die keine Gedanken an die Millionen von Toten auf allen Seiten  zulässt.
                                        
Die anfänglichen Kriegsergebnisse im Osten brachten das dringend  benötigte Arbeitskräftepotential als Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter für die deutsche Landwirtschaft und Industrie und damit auch zum Einsatz im Volkswagenwerk als Ersatz  für die eingezogenen deutschen Kriegsteilnehmer. Ende 1942 waren damit fast ca. 70 Prozent der Arbeitskräfte im Volkswagenwerk ausländischer Herkunft! Die menschenunwürdigen Rekrutierungsmethoden in den besetzten Gebieten entsprachen zunehmend gänzlich dem Begriff  ZWANGS-ARBEITER.
                                      
                                                      Krieg in Russland aus Sicht der Presse-Bild-Zentrale und dem
                           
                                              aktuellem Bilderdienst, Leipzig mit einem Bild von Kriegsberichter  TIEMANN
                                               (offiziell firmierte der Schwimmwagen Typ 166 als „Kradschützenwagen“)
  
                                               russische Kriegsgefangene dokumentiert auf privaten Photographien
                        
                                           Russische Kriegsgefangene angekommen in der Stadt des KdF - Wagens

Der im Kontrast verstärkte Detailausschnitt  der Feldpostkarte vom 21.12.1942 aus der Stadt des KdF-Wagens  dokumentiert im Kastenstempel das russische Kriegs-Gefangenen-Arbeiter-Kommando 3033 (KR.-GEF.-ARB.-KDO.3033 (RUSSEN) STADT DES KDF.-WAGENS. Kr. Gifhorn). Vermutlich wurde das anfängliche  Kommando 3033 später aufgelöst und die russischen  Kriegsgefangenen ganz oder teilweise  dem Kommando 1366 unterstellt, das seinerseits dem STALAG Fallingbostel unterstand.

                                    
Grob skizziert, waren das Militärstrafgefangenenlager und die Kriegsgefangenen westlich vom Schachtweg abgesichert mit Stacheldraht platziert, es folgte mittig das „offene“ Gemeinschaftslager  auch für deutsche Arbeitskräfte und dann nach Osten ebenfalls durch Stacheldraht abgeteilt das Ostlager für die neuen Zwangsarbeiter  aus den besetzten Gebieten getrennt nach Frauen und Männer  und dies in den Barackenunterkünften unter engsten Verhältnissen. Ferner gab es dann für die  gut 3000 Zwangsarbeiter größtenteils aus Weißrußland und der Ukraine die übliche Kennzeichnung OST, die an der Kleidung strikt zu tragen war (s. rechts oben). Zur raschen Einsatzfähigkeit gab es dann auch gleich passende Bilder-Wörterbücher und dies nachfolgend vorgestellt für die Maschinen-Industrie.
          
                                      Es gab aber auch gleich die 3 Sprachen-Ausgaben der „Kriegs“wörterbücher
                                                           
Auch vorgedruckte  Postkarten mit Antwortteil  in kyrillischer Schrift waren gleich für die neuen Lagerinsassen vorhanden.
                              
Die Feldpostnachricht vom 10.1.1944 des Wachsoldaten aus der Stadt des KdF – Wagens beinhaltet die Enttäuschung über den verpassten Kinobesuch, da der „Oberleutnant noch die RUSSEN vernehmen musste“!                          
            
            

Die Devise  des Arbeitseinsatzes  Vernichtung durch Ausbeutung  für die Kriegsgefangenen, KZ – Häftlinge und teils Zwangsarbeiter spez. aus dem Osten hatte Konsequenzen mit dem zunehmend fehlendem Nachschub bei Wende des Kriegsgeschehens im Osten und zwang durchaus zu einer leicht verbesserten Situation der ohnehin katastrophalen  und unzureichenden Ernährungslage, um die notwendige  Einsatzfähigkeit der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen halbwegs zu erhalten.
                                                      
So fordert „DIE NEUE ZEIT“  in der Stadt des KdF – Wagens in ihrer Ausgabe vom 25.1.1942 strengste Bestrafung  für heimliche Zuwendungen  von Lebensmitteln oder Bezugsmarken an die Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangenen und in diesem Fall einmal ein Zitat: DA IST MITLEID FEHL AM PLATZE! AUSLÄNDISCHE ZIVILARBEITER WERDEN IM GEMEINSCHAFTSLAGER AUSREICHEND VERSORGT! Gegenüber der desolaten Versorgungslage der russischen Kriegsgefangenen  in den STALAGS  mit den Folgen von Epidemien und Tod  durch Hunger und Flecktyphus  mag diese Aussage rückblickend bei den Verhältnissen in der Stadt des KdF – Wagens halbwegs berechtigt gewesen  sein. VW – Werksarzt Dr. Körbel berichtete PORSCHE von der desolaten Verfassung der Russen, der seinerseits mit dieser Nachricht wohl bis zu Hitler vordrang. Im Prinzip änderte dies wenig im völlig unzulänglichen  Wirken vom zuständigen und verantwortlichen OKW und  dem Reichsernährungsministerium.  Das Volkswagenwerk richtete für die erkrankten Russen eine Quarantänestation im schon vorgestellten  RAD – Lager Rühen ein und die dortigen polnischen Arbeiterinnen wurden vorübergehend auf Burg Neuhaus untergebracht, bevor sie später  mit Neuzugängen teils in das geräumte KZ – Arbeitsdorf verlegt wurden.

An der Ostfront war die Panzerwaffe der Russen unterschätzt worden und die eigene Nachentwicklung mit dem TIGER kam spät und in zu geringen Zahlen. Die PORSCHE – Version versagte deutlich  und im „Vergleichstest“ siegte die HENSCHEL-Variante, die  übrigens nicht das nachfolgende Foto belegt.
                                          
Der Feldpostbrief aus Stalingrad (ex Sammlung H. Engelmann) in die Stadt des KdF – Wagens dokumentiert dann den Ort der schicksalhaften  Kriegswende
 
und der Briefbeleg aus der Hauptstadt der Bewegung mit der Markenausgabe UND IHR HABT DOCH GESIEGT  ist  Sarkasmus pur und das Oberkommando der Wehrmacht und damit auch Wehrmachtsauskunftsstelle  für Kriegsverluste und Kriegsgefangene in Berlin hatte sicherlich zunehmend  traurige und tragische  Mehrarbeit. 
                                        
In dieser Kriegsphase 1943 plante die Geschäftsleitung mit Porsche, Piëch und Lafferentz  im besetzten Frankreich das Peugeot-Zweigwerk in Sochaux in enge Kooperationsverträge einzubinden. Dies entspricht wohl  eher einer freundlichen Formulierung für die Absicht  der zukünftigen Kontrolle und evtl. sogar geplanten Besitznahme. Notgedrungen ging Peugeot in die diktierten Verhandlungen  und die zuarbeitende Produktion für das Volkswagenwerk war gesichert. Diese mit Akribie betriebene Aktion sollte für Porsche und Piëch unter den wechselnden französischen politischen Gegebenheiten der Nachkriegszeit noch einmal persönlich existentiell höchst gefährlich werden! Folgend das Werk Peugeot auf einer zeitgenössischen Ansichtskarte.
                                                 
                      
Porsche und Piëch hatten bei PEUGEOT wohl an eine ähnliche Verfahrensweise  bezüglich der „bestimmenden Kooperation“ gedacht, wie bei der Übernahme Ende 1942 der NEUDECKER KAMMGARNSPINNEREI  mit der Verfügungsmöglichkeit über  erhebliche Produktionsflächen und damit zur Erweiterung  der Rüstungsproduktion durch VW. 
                           
Die großzügigen Hallen in Neudeck erlaubten eine recht vielfältige Einbeziehung wenn auch nicht gleich eine gewünschte Panzermotorenproduktion oder die Serienfabrikation im Flugzeugbau durch das Volkswagenwerk, wie es die folgende Ansichtskarte einmal für die Focke Wulf 189 belegt. 
                            
Während in Neudeck die Flugzeugteileproduktion mühsam anlief und in Waggum recht erfolgreich  für Junkers repariert wurde, verdiente  das VW – Werk ab Winter 1941 bis Ende 1942  besonders gut an der Hereinnahme des Produktionsauftrages  von OT – Öfen (Entwurf  von der Organisation Todt) für die Ostfront. Die Serienproduktion war gut möglich, die anfänglich geforderten  kalkulierten Preise überhöht  und standem dem Verlust in der Tellerminenproduktion gegenüber, die selbst bei einer Produktionszahl von über 500.000 Stück  im Jahr 1942 unrentabel  für das Volkswagenwerk blieben.
                                                               Tellermine T 42
Im Standardwerk MOMMSEN u. GRIEGER zum VW – Werk im III. Reich kann das Planungschaos  im Rüstungsgeschehen bei VW bestens studiert  und an dieser Stelle nur in einigen Details vorgestellt werden. Neben  den JUNKERS – Zuarbeiten im Hauptwerk, Waggum und Neudeck trat auch noch MESSERSCHMITT  mit Produktionsteilen in Erscheinung.
                             
Selbst FOCKE-WULF hatte noch  Planungskonzepte für das Volkswagenwerk und JUNKERS plante bei VW in Neudeck dann noch die neuen und dringend benötigten Strahltriebwerke  JUMO  004 B zu fertigen. Nachfolgend  der Junkershinweis auf  das Triebwerk „Jumo 205“  aus der Serie für die Junkers  - Ju  86.
                                                          
Neben allen „Rüstungsnebenprodukten“  steigerte VW die Produktion des Kübelwagens der Baureihe C und D, des Kommandeurwagentyps 82 E und des Kradschützenwagen 166 (Schwimmwagen) kontinuierlich und erreichte Ende Dezember 1943 z.B. eine monatliche Fertigstellung von zusammen ca. 3000 Stück trotz der Engpässe beim Karosseriewerk AMBI-BUDD in Berlin.
Im April 1944 geriet das bis dahin im Wesentlichen verschonte VW – Werk in das Visier alliierter Bomberverbände und am 8.und 29. April griffen britische Verbände mit 300 Flugzeugen den ersten Großangriff s. brit. Ansichtskarte.
                              
Der Glaube an die Flugabwehr, ein Tarnungsversuch des verräterischen Mittellandkanals und Werksscheinanlagen  in der  Umgebung  sollten sich mehr als trügerisch erweisen.
                        
                                        Auch die Nebelwerfer und – anlagen  brachten nicht den erwünschten Effekt
         
                                            nachfolgendes Bild belegt zerstörte Werkshallen mit Kübelwagen“resten“
                                          
Die Poststelle des Bürgermeisteramtes wurde 1944 nach Zerstörungen durch die Bombenangriffe übrigens  in das Schloss Wolfsburg verlegt!
             
An dieser Stelle wieder ein Blick in das zeitgleiche  Engagement von Volkswagen  im Peugeotwerk im besetzten Frankreich. Nachfolgend Ausschnitt Originalrechnung Peugeot Juni 1923. 
              
Für das Volkswagenwerk war vordringlich die Gießerei bei Peugeot von Interesse zur Herstellung von Kurbelwellen, Pleuelstangen und Zylinderköpfen und - kolben. Auch die Teileproduktion für die Focke Wulf Ta 154 im Werk Sochaux war von VW geplant und sogar die Mitproduktionen im geheimen Fi 103 Programm. Eine gänzlich auf  VW ausgerichtete Produktion konnte jedoch nicht erreicht werden, auch wenn Porsche, Piëch und Lafferentz mit Unterstützung von Speer die Interessen von Junkers an Peugeot abwiegeln konnten. Der Arbeitskräftemangel war auch hier im besetzen Frankreich problematisch und sogar marokkanische Kriegsgefangene kamen bei Peugeot zum Einsatz. Die „Kooperation“ mit dem Peugeotwerk wurde dann immer schwieriger, eine französische Delegation in der Stadt des KdF – Wagens gelangte sogar an Geheimunterlagen zum V1-Projekt, die somit den Weg in britische Hände fanden. Die  französische Widerstandsbewegung und Sabotage brachte  damit noch den deutschen SD in Aktion, selbst Deportationen in deutsche Konzentrationslager hochrangiger Peugeotleute waren die Folge. Alliierte Bombenangriffe auf das Peugeot - Werk in Sochaux und  die einsetzende Rückeroberung Frankreichs  nach der Landung in der Normandie beendeten dann die „Episode Volkswagen und Peugeot“  allerdings noch  nach deutscher Plünderung des dortigen Maschinenparks.
                           
                                                                           Landung der Alliierten 6.Juni 1944

Nach diesem besagten und für den Kriegsverlauf ebenfalls schicksalhaftem Ereignis an der Westfront in der Normandie  erfolgten weitere Luftangriffe  am 20. und 29.Juni   in konzentrierter Form auf das Volkswagenwerk
 
                        und waren auch  gezielt  auf die Zerstörung der mittlerweile aufgenommen Mitproduktion der
                            
                                                            Geheimwaffe  FLUGBOMBE Fi 103 (V1) gerichtet.
                         
                           das Foto belegt noch das Flakpodest auf dem Dach des Hauses in der Schlieffenstraße

Durch  teilweise Verlegung der Produktion  in die Kellergeschosse, Auslagerung von Maschinen  in die Umgebung und  glückliche und glimpfliche Verschonung des Kraftwerks  konnte  trotz teils deutlich sichtbarer  Schäden  die Werksproduktion bei VW noch relativ  funktionierend aufrecht erhalten bzw. wieder nach Aufräumarbeiten aufgenommen werden. Die Kübelwagenproduktion – mittlerweile zweitgrößter Sektor in der Werksbilanz - erreichte recht erstaunliche Stückzahlen  noch bis Anfang 1945 trotz der Luftangriffe  und die Porsche KG  in Stuttgart mit ihren Entwicklungsarbeiten  in zahlreichen Bereichen von Anlasseraggregaten für Panzermotoren, Getriebeentwicklungen, Windkraftanlagen bis Holzvergaserversionen bei  zunehmendem Kraftstoffmangel und natürlich Kübelwagen- und Kradschützenwagenkonstruktion, um nur einige Beispiele zu nennen, erreichte übrigens ebenfalls  sichere, großzügige  und wohl nur oberflächlich geprüfte Einnahmeverhältnisse.

Die oben angeführte Flugbombenherstellung im Auftrag der Luftwaffe - Projekt 1114 im Volkswagenwerk - stand in Konkurrenz zur Heeresentwicklung der sog. V2 – Rakete und der Gleitflugbombe BV 246 von Blohm & Voss  und ist ein Paradebeispiel mit zahlreichen Pannen im Planungsbereich und  behaftet mit Produktionsmängeln durch hektischen Fertigungsprozess und mangelhafte Abstimmung der beteiligten Firmen  FIESELER, ARGUS und ASKANIA. Gleichwohl avancierte VW zum Haupt- und Stammwerk der V1, die Produktionszahlen der verbesserter Ausführung erreichten März 1944 immerhin 1000 Stück und im Juni 1944 wurde genau diese Zahl erstmals auf  London  gerichtet und abgeschossen.
Zur Sicherung der V1 - Produktion wurde mit teilweiser Verlagerung in die unterirdisch geplanten Produktionsstätten unter Einsatz jüdischer KZ - Häftlinge bei TIERCELET in ein  Erzbergwerk (Minettegrube) Lothringens begonnen und  VW nutzte ebenfalls noch den Zweigbetrieb in Schönebeck bei Magdeburg. VW sah im Untertagebau Tiercelet  auch die Möglichkeit der Ausweitungsfläche für weitere Rüstungsproduktionen über den V1 – Bereich hinaus und war hier an der Sicherung gegenüber anderen deutschen Rüstungsbetrieben sehr interessiert, da ein „bombensicheres Verkriechen unter die Erde das Motto des NS – Regimes ab 1944“ wurde, um  die Waffenproduktionen zur Fortführung des „totalen Kriegs“ zu erhalten. Unter diesem Aspekt plante VW eine weitere Produktionsstätte für die V1 im Ahrtal bei Dernau in einem stillgelegten Eisenbahntunnel und dies in Kooperation mit Werner von Braun und seiner V2 – Waffe. Da Tiercelet der vorrückenden Alliierten wegen samt Maschinenausrüstung aufgegeben werden musste und auch im Ahrtal die Produktionspläne aus gleichem Grund alsbald obsolet waren, wurden die sog. Vergeltungswaffen zusammengeführt im berüchtigten KZ  Mittelbau – Dora und hier unterirdisch  im Projekt der Mittelwerk GmbH. Nachfolgend Ausschnitte aus Vor- und Rückseite Rüstungskontor Berlin. Ab 1943 war das Rüstungskontor Besitzer der Mittelwerk GmbH und mit KZ – Häftlingen  wurden die Tunnelinstallation  und der Raketenbau unter den berüchtigten Verhältnissen  betrieben.
                                                          
Die V1 Produktion wurde dort zunächst unter VW–Leitung weitergeführt und schließlich an die SS ab Mitte 1944 hauptverantwortlich übertragen und abgegeben. An dieser Stelle noch die Erwähnung einer weiteren und mehr ortsnahen Verlagerung des Volkswagenwerkes  in die Asphaltgruben bei Eschershausen.

                                                      

In Konkurrenz zu den Continental – Werken Hannover wurde hier weiterer unterirdischer Produktionsraum  auch noch zur Teilverlegung aus dem Projekt Tiercelet gesichert und dies auch in der Absicht  im Rüstungsprogramm für Focke-Wulf arbeiten zu können. Die VW – Aktivitäten in Tiercelet, Eschershausen und Dernau wurden übrigens im Konstrukt  der im Juli 1944 gegründeten Minette GmbH betrieben, im Handelsregister firmierten Ferdinand Porsche, Anton Piëch, Bodo Lafferentz und Hans Riedel  und eine Löschung der Gesellschaft erfolgte erst 1957.
In Eschershausen wurde selbst  eine Einbeziehung in die Zulieferung zur Messerschmitt ME 262  noch eingeplant und erwogen, um im „Rüstungszirkus“  in der Endphase 1944/45 des Krieges noch mitzuhalten. Auch hier waren KZ – Häftlinge  für Volkswagen im Lager „Hecht“  (Außenlager KZ Buchenwald) im Ausbau und auch in der Fabrikation  im Einsatz und wurden in den Märztagen 1945 noch  durch die SS  zunächst in das Lager Drütte verbracht, bevor der Weitertransport mittels Bahntransport „in üblicher  und menschenverachtender Form der SS“  in das  KZ Bergen – Belsen stattfand. In  Drütte war das KZ – Lager der Herman Göring Werke, Salzgitter.
         
                         
Auch  zu den oben angeführten  weiteren Untertageaktivitäten von Volkswagen offenbart das komplexe Werk von Prof. Mommsen und Dr. Grieger  lesenswerte und ausführliche Detailbeschreibungen.

Aber auch der weitere Kriegsverlauf im Süden kann mit Spuren bis in die Stadt des KdF – Wagens verfolgt werden.  Nachfolgend zunächst ein eingeschriebener Feldpostbrief von der Südfront  DEUTSCHE DIENSTPOST  RIVA (GARDASEE) nach Dresden und ein Foto mit dem  Kübelwagen aus dem Kriegs- und Einsatzgebiet im  Süden.
                
Kurt Boetticher hatte als Pfarrer von Alt – Wolfsburg und aktiver Kriegsteilnehmer mittlerweile den Dienstgrad Major und Abteilungskommandeur erreicht und erhielt von seiner Frau im August 1944 die telegrafische Nachricht, dass der Sohn Eckart und schon Leutnant der  Wehrmacht vermutlich in Italien in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten war.
                           
                                                             
Die Recherche ergibt, dass Leutnant Eckart Boetticher tapfer in Erfüllung seiner Kriegspflicht am 17.Juli 1944 ca. 2 km  westlich von Palaia (Provinz Pisa, Toskana) in aussichtsloser Kampfsituation  mit dem gesamten Bataillonsstab unverletzt in amerikanische Gefangenschaft geriet und  die PRISONER OF WAR POST CARD aus dem amerikanischen Offizierslager im Staate New York brachte im Oktober 1944 sicherlich für die Mutter die ersehnte Überlebensnachricht in die Stadt des KdF – Wagens. In späteren Briefen aus US – amerikanischer Kriegsgefangenschaft  berichtete er, es ginge ihm gut, er treibe viel Sport und versuche gegen die Langeweile etwas zu studieren!
Diese Zeilen stehen im absoluten Kontrast zu den gleichgelagerten Verhältnissen und Bedingungen der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in seiner Heimatstadt der Stadt des KdF – Wagens mit Züchtigung, Hunger und Tod!
             
Lilli Boetticher – seine Mutter -  war als Pfarrersfrau  verantwortlich geworden im ROTEN KREUZ  der Stadt des KdF – Wagens  und unterhielt übrigens  mit ihrer Familie privat und in ihrer Eigenschaft als Leiterin des Rot-Kreuz-Verbandes auch engste Beziehungen zum VW - Werksarzt  Dr. Körbel. In diesem Zusammenhang  kann ein weiteres krasses Beispiel zwischen Illusion und Wirklichkeit mit einigen Briefmarken aus dem Jahr 1944 aus der Serie „MUTTER und KIND“  vorgestellt werden und steht im Rampenlicht  der Öffentlichkeit.
               
Die dargestellten Abbildungen der Fürsorge für Mutter und Kind waren sicherlich auch für deutsche Familien im Bombenhagel und Vertreibung  schon  reines Wunschdenken und beispielhafte NS – Propaganda, für die Verhältnisse  der Zwangsarbeiterinnen mit ihren Kindern jedoch purer Sarkasmus und besonders die aufgedeckten Verhältnisse im Raum Gifhorn und im Volkswagenwerk sollten die Nachkriegspresse dazu noch international aufrütteln und beschäftigen. Die Trennung der Säuglinge von ihren Müttern, die Unterbringung der Kinder relativ fernab im ehemaligen RAD – Lager in Rühen stehen für den verantwortlichen Werksarzt Dr. Körbel synonym für seine Überforderung durch Aufgabenüberhäufung, die mangelhafte Erkenntnis und Unterstützung der VW - Werksleitung und der Konsequenz  eines Massensterbens  von über 350 Säuglingen, das auch der Leitung des Roten Kreuzes mit Frau Boetticher  bekannt war. An späterer Stelle ist auf diese Situation noch einmal einzugehen.

Die Werksproduktion ab Sommer 1944 wurde neben den oben angeführten unterirdisch geplanten  Verlagerungen auch vor Ort in die nähere Umgebung dezentralisiert mit allen Nachteilen  durch entstehende Transportprobleme.  Die Kübelwagenherstellung  im Untergeschoß des Hauptwerkes wurde nach den Luftangriffen Sommer 1944  noch erhalten und sogar wieder gesteigert, die Schwimmwagenproduktion wurde jedoch eingestellt. Sogar die Karosserieherstellung für den Kübelwagen wurde im Werk noch erreicht nach Verlagerung aus den Ambi-Budd - Werken in Berlin. Gesamtkübelwagenproduktion ca. 50.000 gegenüber ca. 13.000 Schwimmwagen bis April 1945 im Volkswagenwerk.

Die Stuttgarter Porsche KG war zwischenzeitlich nach Luftangriffen  Richtung Österreich verlagert worden und fand in der Nähe des Schüttgutes und damit dem Wohnsitz der Porschefamilie Lagerräume  aber  auch in Kärnten in einem Sägewerk in GMÜND mit Produktionshallen eine Unterkunft. Hier sollten nach dem Krieg erste Weiterentwicklungen dann auch in die Sportwagenproduktion von Porsche führen mit ihrem späteren unaufhaltsamen und  weltweitem  Erfolg  nach Rückverlegung der Produktion nach Stuttgart.
                                                           
Die Phase des desolaten Endkrieges in Deutschland war erreicht, benötigt wurden nun in großen Stückzahlen Tellerminen und Panzerfäuste für den ENDKAMPF auch unter Einbeziehung des VW – Werkes  (zeitgen. Abbildungen aus Schriften zur Panzernahbekämpfung). War die Tellerminenproduktion schon ab 1942 im Rüstungsprogramm mit monatlichen Stückzahlen über 100.000 etabliert, so kam in der Endphase die Panzerfaustproduktion in ähnliche zahlenmäßige  Dimensionen im Volkswagenwerk.

         
Ostarbeiterinnen und  jüdische spez. ungarische Frauen aus dem KZ – Auschwitz  wurden eingesetzt und letztere im Untergeschoß der VW-Werkshalle 1 untergebracht.  Die nahenden alliierten Verbände brachten  entsprechend  zunehmende  Hoffnung für die Internierten, KZ – Häftlinge und Zwangsarbeiter und Verunsicherung  bis Panik unter  dem Wachpersonals  speziell in seinen SS – Formationen.
       
                                Die Konzernverwaltung – übrigens auf dem Gut Mörse untergebracht - löste sich auf.
Die nachfolgende Aufnahme zeigt das Gutshaus v.d.Wense in Mörse  und stammt aus der Schrift  Ackerbau damals v. Karl-Wilhelm Freiherr von Wintzigerode – K. (Herausgeber Stadt Wolfsburg). Der Gutshof wurde übrigens im Sommer 1960 abgerissen.
                
Ferdinand Porsche weilte schon seit Januar 1945 in Gmünd und Anton Piëch blieb noch als Betriebsleiter und Kommandeur der Volkssturmabteilungen vor Ort im Volkswagenwerk.
                                                             
Am 10.April schloss sich der Volkssturm (wenn schon Wahnsinn, dann bis zum bitteren Ende „EIN VOLK STEHT AUF“) aus der Stadt des KdF – Wagens kämpfenden Truppen in der Nähe von Tangermünde an und Piëch selbst zog sich nach Delegierung seiner  Kommandeuraufgabe unter Mitnahme von liquiden Barmittel über das Werk Neudeck nach Österreich zurück.  Von dort trat er noch im Namen von VW  und der Porsche KG  geschäftsführend auf, bis die britische Beatzungsmacht diese Handhabung unterband.  Die rechtlichen Verhältnisse zwischen der DAF und Porsche KG  und Vorverträgen  mit Daimler-Benz im Sinne von Interessenüberschneidungen waren schon zuvor höchst widersprüchlich gewesen. Die Rechnungen der Porsche KG für ihre Konstruktions- und Erprobungsarbeiten an die DAF waren vielfach unspezifiziert und für die Stuttgarter im Sinne  eines einmal etablierten Selbstläufers stets höchst einträglich gewesen. Der Krieg endete dann  für Deutschland in  der totalen Kapitulation  mit allen  Konsequenzen: Offenbarung  für die Weltöffentlichkeit  für das willkürliche und unmenschliche Leid  vieler Betroffener auf allen Seiten und für Deutschland und die eigene Bevölkerung noch zusätzlich die Teilung des Landes und Vertreibung  aus alten Heimatgebieten.
                                   
                                 Le Collège Moderne et Technique de Reims aù  fut signèela Capitulation Allemande
                               
Aus dem Set der 10 französischen Ansichtskarten zur Unterzeichnung der Kapitulation am 7.Mai 1945 in Reims habe ich folgende 3 Ansichten ausgewählt u.a. mit  General D. EISENHOWER und Generalmajor I. SUSLAPAROFF  und unterschreibend Generaloberst  A.  Jodl.
                                   
                                 Der verlorene Krieg findet sich dann auch auf einer Suchkarte in eindrucksvoller Weise:
EIN MITGLIED DER GESCHLAGENEN WEHRMACHT SUCHT SEINEN NÄCHSTEN ANGEHÖRIGEN. Ich bin  noch am Leben und befinde mich z.Z. in Amerikanischer Hand
                                       
                        und das ehemalige KZ – Neuengamme  wurde nun zum Internierungslager für die Deutschen
                                       

Die nächsten  früher anvisierten Gliederungspunkte
-         amerikanische Besetzung, Kapitulation  und Kriegsende
-         britische Verwaltung und Werkserhaltung
sollen zweckmäßigerweise zusammengefasst werden unter dem nachfolgenden Menü- und Gliederungspunkt

-         Kriegsende, Amerikaner u. Briten in Wolfsburg

Fortsetzung s. obiger neuer Menüpunkt



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