Deutsche Postautomation

Informationen zur deutschen Postautomation im Bereich Freimachung,
Briefannahme, Schalterbetrieb und Briefbearbeitung.



  • Postautomation im Bereich ...




Suche:



17.06.2017      TIETZ  WARENHÄUSER  33. Fortsetzung
Menüpunkt  Anschlusshäuser Tietz

Unter  der Überschrift DIE ANSCHLUSSHÄUSER DES HERMANN TIETZ - KONZERNS  führt die Jubiläumsschrift zum 50jährigen Hermann Tietz – Jubiläum  die Standorte Erfurt, Chemnitz, Schweinfurt, Bamberg und Guben an, die nach meinem Verständnis auch zum Menüpunkt KONZERNAUFBAU DER FAMILIE TIETZ  auf meiner Menüleiste passen und einzuordnen wären. Auch wenn Chemnitz, Schweinfurt und Bamberg dort schon vorgestellt wurden,  möchte ich aber der Festschrift unter dem Begriff und dem neuen Menüpunkt Anschlusshäuser Tietz etwas folgen mit dem Standort ERFURT, aber auch den CONITZER KONZERN  mit seinen  Aktivitäten und Beziehungen zur Hermann Tietz OHG hier einreihen. Aus der besagten Schrift dazu eine erste Bildvorstellung  mit dem KAUFHAUS RÖMISCHER KAISER in abendlicher Stunde im Schein der Lichtreklame und aus dieser Bauperiode die „obligatorische Weltkugel“ auf dem Dachgeschoss der  Warenhäuser  Tietz als Sinnbild weltumspannender Kaufhaustradition.

                                                                                  K.R.K.  DAS  HAUS  FUER  ALLE

                                        zum Bau auf dem ANGER 1 in Erfurt noch eine frühe weitere farbige  Ansicht

Der Weg zu diesem Neubau bis zur Eröffnung im März des Jahres 1908 offenbart die familiäre  jüdische Verbundenheit  in der damaligen Expansion der Kauf- und Warenhäuser. Auch wenn die Ausgangslage in Erfurt bezüglich der Familie Pinthus einige Namensunklarheiten aufweist, so  war wohl der jüdische Kaufmann  Louis Pinthus  mit einem Warenhaus  am Friedrich-Wilhelm-Platz nahe Kettenstraße  in Erfurt ansässig und sein Sohn Siegfried führte dieses Geschäft wohl unter dem Namen des Vaters weiter. Zumindest findet sich eine Lithografie gestempelt aus dem Jahr 1899  mit einem Warenhaus L. Pinthus.
                                                                            Lithografie gestempelt Erfurt 1.5.1899

                                                                        nachfolgend Detailausschnitt Warenhaus

Siegfried Pinthus war verschwägert  mit Artur  Arndtheim, der auf  dem ANGER 1 zentral gelegen den Gasthof zum „Römischen Kaiser“  betrieb. Ausgehend von einem  Häuserbrand in der benachbarten Holzhandlung BLÖDNER wurden die Häuser Anger 1 bis 3 im Dezember 1905 zerstört und die Stadt Erfurt strebte eine zusammenfassende Neugestaltung der Gebäude und angrenzenden Straßen an. Eine Schwester von Leonhard und Oscar Tietz war verheiratet mit Louis Arndtheim und so bestanden verwandtschaftliche  Beziehungen des Sohnes Arndt  zur erfolgreichen Warenhausfamilie Tietz. Siegfried Pinthus und Artur  Arndtheim erkannten die Chance eines renommierten Kaufhauses in der  Stadt Erfurt, die soeben mit 100.000 Einwohnern Großstadtstatus erreicht hatte. Im Jahr 1906 erwirbt die Grundstücksfirma der Berliner Familie Tietz unter Beteiligung von Leonhard und Oscar das Gelände Anger 1-3 zu einem damals erstaunlich hohen Quadratmeterpreis. Das Kaufhaus  wird 1908 fertig und erhält angelehnt an den ursprünglichen Gasthofnamen  den Namen KAUFHAUS RÖMISCHER KAISER und gängig wurde die Abkürzung „KRK“ und Siegfried Pinthus und Artur Arndtheim werden und wurden  erfolgreiche Geschäftsführer.

                        das nachfolgende Ansichtskartentrio  veranschaulicht wieder ein Stück deutsche Geschichte

Zum Jahr 1930 ziehen sich die anfänglichen weiteren  Geldgeber mit der Leonhard Tietz AG und der Hermann Tietz OHG aus dem Stammkapital in Erfurt  bis auf minimale Einlagen zurück und Pinthus und Arndtheim werden zu gleichen Teilen Besitzer. Im Jahr 1937 erfolgt in Erfurt  relativ spät gegenüber gleich gelagerten Fällen die Enteignung der jüdischen  Geschäftsführer Pinthus und Arndtheim.  Hans Quehl übernimmt das Kaufhaus in Erfurt  und im Verlauf des 2. Weltkrieges erleidet durch wiederholte Bombentreffer  das Gebäude schwere Schäden. Notdürftige Baumaßnahmen erlauben eine teilweise  Wiederaufnahme im Kaufhaus KRK  im Jahr 1946 und man firmiert zunächst unter KONSUM bis im Jahr 1952 die staatliche Handelsorganisation  HO das Warenhaus übernimmt. Im Jahr 1965 bilden die größten HO-Warenhäuser dann die VVW als Vereinigung Volkseigener Warenhäuser und das Kaufhaus wird zum C – CENTRUM Warenhaus und dazu auch folgender Absenderfreistempel.


Mit der Wiedervereinigung Deutschlands übernimmt  der Hertie – Konzern auch das  Centrum – Warenhaus in Erfurt, aber bekanntermaßen stand schon 1994 die Fusion mit Karstadt an, aber in Erfurt blieb der Name Hertie bis zum Jahr 2000 bestehen, bevor mit  einem Neubau zur Einkaufsgalerie unter Einbeziehung der ECE (dt. Shopping-Center-Branche)  Karstadt unter weiteren ca. 50 Geschäften nun mit einem Themenhaus vertreten ist.

Nach dem Warenhausstandort in Erfurt, der im Jubiläumsbuch von Oscar Tietz noch unter Anschlusshaus registriert wird, folgt unter diesem Begriff noch eine kurze Vorstellung zum Investment  mit dem Conitzer Konzern. Die folgende Zusammenstellung belegt doch eine recht verzweigte Kaufhauskette, die im Januar 1927 eine Einkaufsgemeinschaft mit der Hermann Tietz OHG  bildete.


Stammhaus des jüdischen Familienkonzerns lag mit der Gründung Februar 1882 in Marienwerder in Westpreußen  unter Moses Conitzer. Seine drei Söhne übernahmen später und führten erfolgreich das Unternehmen mit zunehmender Etablierung unter reinem Kaufhausaspekt. Die Neugründungen wurden stets  mit Familienmitgliedern geführt und zumindest aus Schönebeck kann eine Ansichtskarte mit einem Hinweis in der Giebelfront eine entsprechende Kaufhausniederlassung dokumentiert werden.

 
Dazu noch eine Frontansich. Bad Salzelmen ein Zusammenschluss der Ortsteile Groß Salze und Elmen im Jahr 1926 wurde übrigens im Jahr 1932  Stadtteil  von Schönebeck (Elbe).

Oben noch der Standort Conitzer in Rathenow.
Durch die Einkaufsgemeinschaft mit der Hermann Tietz Konzern OHG konnte der Conitzerkonzern vorteilhaft den Einkauf auch zukünftig über den schon vorhandenen Textilbereich ausweiten und nutzen. Zum Zeitpunkt der gebildeten gemeinsamen Einkaufsgesellschaft im Jahr 1927 hatten die Kaufhäuser  Conitzer 30 Millionen Jahresumsatz erreicht und dazu im Vergleich die Hermann Tietz OHG fast 300 Millionen. An dieser Stelle auch ein Konzernumsatz der Leonhard Tietz AG der zu diesem Zeitpunkt mit ca. 180 Millionen Reichsmark Jahresumsatz anzugeben ist.

Die nächste Fortsetzung zum Thema Tietz erfolgt unter einem neuen Menüpunkt zur Vorstellung der Aktivitäten im Bereich der sog. Einheitspreiskaufhäuser.



zum Seitenanfang  |   Seite drucken