Deutsche Postautomation

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4. Fortsetzung  12.11.2016      TIETZ  WARENHÄUSER
Erste Warenhäuser  der  Brüder Leonhard und Oscar in den deutschen Städten

Die Expansion der  Warenhäuser  der  Brüder Leonhard und Oscar in den deutschen Städten vollzog sich  gleichermaßen durch teilweise vergrößernde Um-, An- oder  Neubauten. Frühe Gründungshäuser wurden häufig entsprechend dem gesteigerten Warenumsatz umgebaut auch teils in mehreren Schritten und hier einmal von Leonhard Tietz beispielhaft der Standort Aachen. Folgend das Gründungshaus in Aachen im Jahr 1892 aus „50 Jahre Leonhard Tietz“  Selbstverlag Köln und Druck A. Bagel AG, Düsseldorf 1929.


Über eine bauliche Veränderung aus dem Jahr 1896 entstand folgender Neubau im Jahr 1902 in rascher Abfolge angepasst der Marktplatzsilhouette in Aachen (gest. Feldpost 14.8.1916)


                           Geschäftsbrief der Leonhard Tietz AG der Zweigniederlassung Aachen mit Datum 15.5.1913

Oben Komusina – Absenderfreistempel der Leonhard Tietz AG mit Datum vom 23.4.1931. Neben dem Firmen – Logo im Werbeteil die Aufforderung bei Tietz zu kaufen, denn Tietz hat alles!

Beispielhaft soll auch die dynamische Konzernentwicklung mit  HERMANN TIETZ später auch einmal bis zum  Standort  in Berlin  an der Leipzigerstraße vorgestellt werden.

                                  oben Rückseite aus dem Photoatelier aus dem Hermann Tietz Standort Leipziger Straße

Folgend noch einmal in Birnbaum das Wohnhaus  Jakob und Johanna Tietz  und  Geburtshaus  von Leonhard (1849) und Oscar (1858) aus „50 Jahre Leonhard Tietz“  Selbstverlag Köln und Druck A. Bagel AG, Düsseldorf 1929. Im Jahr 1871 trat Oscar seine Lehrstelle in Prenzlau wohl bei „Onkel Chaskel“ an.

                             in Gera am 1.März 1882 das kleine Ladengeschäft und erste Selbstständigkeit mit 24 Jahren

16 Jahre später im Alter von 40 Jahren sollte dann Oscar Tietz in Berlin ein Grundstück allein  schon für 8 Millionen Reichsmark erwerben und 2 Jahre später seinen Glaspalast als Warenhaus an der Leipzigerstraße in Berlin eröffnen! Einen zeitlich vergleichbaren Konzernaufbau  sehe ich nur in der Schwerindustrie bei Hugo Stinnes.
 
Aus dem obigen Ablauf der Geschäftsentwicklung  kann evtl. auf die Person  von Oscar Tietz ansatzweise ein Rückschluss gewagt werden. Bekannt war seine Eigenständigkeit, sein Literaturhunger auch unter knapper Zeitressource selbst in den Lehrjahren und seine Aufgeschlossenheit zu modernen Entwicklungen mit mehrfacher Kollision zum Kreis der „Onkelbrüder“. Ein unbändiger Wille zur Größe war wohl vorhanden und ließ ihn sicherlich  den Kauf- und Glashauspalast auch in Selbstdarstellung an der Leipzigerstraße konzipieren und dies in Konkurrenz zum Neubau von Wertheim in gleicher Straße  zwei Jahre zuvor.


16 Jahre nach den ersten Schritten im reinen Textilkaufhaus in Gera entstand nun  in Berlin ein „Konsumtempel“ mit umfassenden Angebot zum Warenhaus mutiert und diese Entwicklung ist durch die  „Münchener Phase“  geprägt, ermöglicht und zu verstehen. Nach Eheschließung Oscars mit der  Cousine Betty  im Jahr 1886 wurde Sohn Georg 1888 geboren und die Eltern zogen nach München und eröffneten am Stachus ein weiteres Familienunternehmen, nachdem in Weimar schon erfolgreich die 1. Filiale entstanden war. Der Standort am Stachus wurde extrem erfolgreich, ständig wurde im Haus erweitert, die Eheleute Tietz bewiesen ferner soziales Engagement und das Personal durfte außerhalb der Inhaberfamilie Quartier beziehen und  Sonntags war Ruhetag. Die letztgenannten Fakten schufen große Feindseligkeiten zur etablierten Münchener Geschäftswelt  und dies auch schon im antisemitischen  Tonfall! Oscar Tietz gewann alle Prozesse und kaufte schließlich das Imperialgebäude (damals Bayer- und Schützenstraße) mit schmalen aber tiefen Grundstück  eher für die Familie gedacht als Investment und ohne zunächst  als eigenes  Ladenlokal vorgesehen. Folgendes Bild aus der illustrierten Zeitschrift der Deutschen Wirtschaft im Jahr 1928 im 31. Band mit einem ausführlichen Bericht zu den  Warenhäusern und hier explizit am Beispiel des größten  europäischen Konzerns im Eigenbesitz  HERMANN TIETZ .

                               das Imperialhaus und  unten das Cafe  „Bügeleisen“  (wohl der Hausform geschuldet)

Die Mieter kündigten aber sämtlich dem neuen jüdischen Besitzer und die wirtschaftliche Lösung in dieser Notsituation wurde der  umfassende und großzügige Hausumbau zum Geschäftshaus mit Einbeziehung aller Etagen, Lichthof, Aufzüge und erstmals elektrische Ausstattung. Nachfolgend mittig Warenhaus Tietz nach Umbau des Imperialhauses auf einer Ansichtskarte gestempelt im Jahr 1897.

                                        dazu ein Detailausschnitt einer AK mit Blick in das Treppenhaus und Lichthof

Das Sortiment wurde über den Textilbereich erfolgreich erweitert u.a. mit Konfektionsware für Frauen und Männer, Papierartikeln, Teppiche, Gardinen, Porzellan- und Glaswaren, Geschenkartikel und  mit  Spielwaren,  kurz gesagt, der Schritt vom einfachen Kaufhaus mit beschränktem Angebot aus dem Textilbereich zum umfassenden Warensortiment war vollzogen. Dazu ein Ansichtskartenausschnitt aus einer weiteren Lithografie gestempelt im Jahr 1898  zum umgebauten Imperialgebäude mit dem ausgebreitetem Warenangebot.

Der Umsatz steigerte sich bis hin zu ganzen Waggonladungen mit „Porzellan und Orangen“ die innerhalb  eines Tages  verkauft und umgeschlagen  werden konnten. Die Anfeindungen der Konkurrenz und Neider waren damit programmiert und nahmen eindeutig zu. Die mittelständische Konkurrenz wurde politisch aktiv und Extrawarenhaussteuern, Sortimentsbeschränkungen, Bauauflagen und sogar Limitierungen der täglichen Besucherfrequenz sollten die Warenhausexpansion einengen. Objektiv betrachtet, sollten allerdings die Warenhausumsätze am Gesamthandelsumsatz reichsweit nur maximal 5 Prozent erreichen, dies änderte aber nicht das Feindbild, das zunehmend auch antisemitisch besetzt war und später unter den Nationalsozialisten erschreckende Formen annehmen sollte. Trotz aller Erschwernisse war aber die Kundschaft  begeistert, die Geschäfte florierten großartig  und  Hermann Tietz war auch in München wieder persönlich mit im Familien- und Geschäftseinsatzeinsatz bei Betty und Oscar Tietz. Dazu eine Geschäftspostkarte vom 3. Februar 1904 von München nach Höhscheid mit Vor- und Rückseite (letztere vergrößert) und persönlicher Unterschrift HERMANN TIETZ vom 2. Februar 1904.



Fortsetzung folgt






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