Deutsche Postautomation

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3. Fortsetzung  04.09.2016      TIETZ  WARENHÄUSER

Kaufhäuser Lage und Architektur

An dieser Stelle ein kurzer Ausflug in die Entwicklung der Kaufhausarchitektur bevor am Beispiel Hermann Tietz und seinem neuen Warenhaus an der Leipzigerstraße in Berlin etwas differenzierter ein solcher Bau aus der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert vorgestellt werden soll bzw. von seinem Bruder Leonhard Tietz in der Kölner Hohe Straße.

Die mittelalterlichen Kaufhäuser Konstanz, Lüneburg und Straßburg dokumentieren auf den Ansichtskarten die Nähe zum Transport- und damit Wasserweg, um auch zweckmäßig schwere Lastgüter mittels Kran bewältigen zu können. Im Gegensatz zu den trockenen Wüsten- und Karawanenstraßen war der Straßenbau in deutscher Region bis Anfang des 19. Jahrhunderts  eher eine Zumutung und bedurfte klimatisch und fahrtechnisch fast einer  testamentarischen Vorbereitung. 

                                                                                    Lüneburg Kaufhaus und Kran
  
                                                           Konstanz Kaufhaus, Schiffstransport und Kran (Jahr 1415)

                                                                                          Strassburg Kaufhaus

Auch wenn die folgende Ansichtskarte das mittelalterliche Kaufhaus in Mainz  „auf dem Brand“ ohne Wasserzugang darstellt, so waren Rhein und Main doch unmittelbar  auf kurzem Weg zugänglich.

Die zunehmende Mobilität durch öffentliche Verkehrsmittel oder Automobil erlaubten dann auch den innerstädtischen Warenhausbau und dies möglichst an stark frequentierten Straßenzügen spez. an Kreuzungspunkten. Folgend dazu  Warenhaus KNOPF in Strassburg.
 
Der teure Grund und Boden im Stadtbereich forderte die Mehrstöckigkeit  und Anfang des 20. Jahrhunderts war auch passend die Architektur dem Jugendstil erkennbar ausgerichtet und viele Kaufhäuser hatten Türmchen oder Globen  als markante Bauelemente.  Oben ein Haus der Knopf Warenhäuser und nachfolgend das Warenhaus von Jandorf in Berlin (beide Ansichtskarten gestempelt aus dem Jahr 1899).Wertheim, Tietz und Jandorf bildeten  an der Leipzigerstraße in Berlin eine umfassende Einkaufsmöglichkeit von einer Straßenecke zur anderen und auch die umworbenen Käuferschichten verteilten sich mit ihrer Kaufkraft  ebenso in dieser Reihenfolge  von betuchten bis zu eher  auskommenden Verhältnissen.

 
Reklamemarken und Ansichtskarten waren beliebte Sammelgebiete  Anfang des 20. Jahrhunderts und übertrafen zur damaligen Zeit auch zahlenmäßig  die Briefmarkensammler, die mit den „teils tristen staatlichen  Markenausgaben“  ihre Probleme hatten.  Es brauchte halt etwas Zeit bis die Staatsinstitutionen der offiziellen Versandstellen für  Briefmarken ihre zunehmend lukrative Chance erkannten  und aktuell weltweit nicht mehr zu überblicken sind.

                                                                  Jandorf noch im Detailausschnitt der Ansichtskarte

Die weiter fortschreitende Zeit kennzeichnet sich im Warenhausbau teilweise bis hin zum Kathedralenstil und dafür beispielhaft Althoff in Essen und Tietz in Oberhausen

Kathedralenhafter Stil der Warenhäuser oben Althoff in Essen und nachfolgend Oberhausen  von L. Tietz auf einer Aufnahme der DEUTSCHEN BAUZEITUNG aus dem Jahr 1929

Der Baustil versachlichte sich zunehmend aber in monumentalen Stahlbetonbauten nach amerikanischen Vorbildern und hier exemplarisch am Beispiel  des Berliner Warenhauses von Karstadt am Hermannplatz, wie dies die folgenden Ansichtskarten im Vergleich  aus Chicago und Berlin verdeutlichen.

1929 war hier das größte Kaufhaus Berlins entstanden mit über 70.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und dazu noch die Vorstellung mit einem Absenderfreistempelabschlag aus dem Eröffnungsjahr.

Das Konzept von Karstadt war für damalige Verhältnisse gigantisch: Tiefkelleretagen mit direktem U-Bahnzugang (damaliges Novum), Aufzug für kompletten Lastwagen bis 2 1/2Tonnen, Rolltreppen und Fahrstühle jeweils 24 Stück und 4.000 Mitarbeiter sorgten für den reibungslosen geschäftlichen Ablauf. Auch äußerlich war das Karstadthaus am Hermannplatz  mit seinen zwei jeweils knapp 60 Meter hohen Türmen recht imposant. Hier war  Vergleichbares zu Amerika geschaffen worden und noch einmal ein Beispiel mit dem weltbekannten Kaufhaus Macy in NewYork in dem sogar ein Münzfreistempler aus dem Bereich der Postautomation  von PitneyBowes zur Postaufnahme aufgestellt war und dazu die nachfolgende Collage  mit einem Originalbeleg aus dem Mailomat  im Jahr 1940.

Aber auch  richtungsweisende weitere Individualkonstruktionen namhafter Architekten waren in den 30er Jahren in Deutschland  besonders unter den Kaufhäusern des SCHOCKEN – Konzerns möglich und in der Fachwelt und unter der Bevölkerung viel beachtete Bauten.

Durchaus passend zum Schockenbau  nachfolgend noch der Umbau des Konsument -Warenhauses in Leipzig zum größten Warenhaus der DDR mit Eröffnung im Jahr 1968 und von der Bevölkerung  wurde ihr neues Stadtwahrzeichen mit  seiner  Aluminiumhülle  als „Blechbüchse“  tituliert..

Allein die Historie des Kaufhauses  am Brühl in Leipzig  über den Geburtsort von Richard Wagner, Arisierung zur Rudolf Knoop & Co, Konsumgenossenschaft Leipzig, Konsument  - Warenhaus, Horten – Konsument, Kaufhof und bis hin zu Karstadt wäre schon ein höchst interessantes Thema für sich.

Fortsetzung folgt



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