Deutsche Postautomation

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Quelle und Karstadt


QUELLE      - Fusion mit dem Karstadt- Unternehmen
                     - Konkurs, Zerschlagung und Perspektive

Die Abhandlung zum Thema Postautomation und Quelle – Konzern geht mit den oben angeführten Kapitelüberschriften in die Endphase seiner Betrachtung.
Beide Warenhauskonzerne Quelle und Karstadt sahen sich Ende des 20.Jahrhunderts gezwungen ihre absinkenden Marktanteile zu sichern. Überlegungen zu den Einkaufsgewohnheiten ihrer Kundschaft und damit zu neuen Marktchancen führten bei Karstadt z.B. zur Bündelung des Reisegeschäfts mit der Lufthansa und zur Gründung von C & N Touristik, die hervorging aus der NUR (s. Neckermann Erwerb durch Karstadt 1977) und der Fluggesellschaft Condor. Nachfolgend wurde C & N Touristik in die Thomas Cook AG  eingegliedert und im Jahr 2006 ging Thomas Cook in den Alleinbesitz von Karstadt über und fusionierte später mit der My Travel Gesellschaft.
Stellvertretend hier einmal die Vorstellung der Thomas Cook Reisegesellschaft mit ihrem Absenderfreistempel aus dem Jahr 1991 mit Sitz in Berlin.

                         
Der Quelle – Konzern seinerseits suchte über  zahlreiche Spezialkataloge spez. für jugendliche Trendmode z.B „world of jeans“, mit dem Einstieg in den Tierfutterhandel und Profikleidung für die Berufswelt neue Käuferschichten zu gewinnen.
Angeregt durch frühere Geschäftsbeziehungen spez. aus dem Reisegeschäft und unter dem Druck der wirtschaftlichen Lage  kamen Fusionsgespräche ab 1998 zwischen den Konzernen Karstadt und Quelle zur Auslotung von gemeinschaftlichen Synergien und ihren Gestaltungsmöglichkeiten  in Gang.
Im Geschäftsjahr 1998/99  kommt es dann zur Verschmelzung mit Bildung der  KarstadtQuelle AG und ihrem Hauptgeschäftssitz in Essen. Vorstellung der Hauptverwaltung in Essen mit ihrem Absenderfreistempel aus dem Jahr 2006.

                       
Sofort versuchte die Konzernleitung nach dem Jahr 2000 auf zahlreichen Sektoren gemeinschaftliche Vorteilseffekte zu erzielen, um ihre Geschäftsgrundlagen zu verbessern.

So eröffnet Quelle 1999 sein größtes Technikzentrum im umgebauten Warenhaus auf der Fürther Freiheit und im gleichen Jahr fusionieren die technischen Kundendienste von Karstadt und Quelle und werden im Jahr 2000 neu unter der Firmenbezeichnung Profectis  geführt.  Noch im Jahr 2010, nachdem der Quellekonzern schon in Liquidation stand, finden sich noch Absenderfreistempel aus gemeinschaftlichen Firmenkonstrukten und hier ein Beispiel mit Bezeichnung KarstadtQuelle  und in diesem Fall aus dem Maklergeschäft für Versicherungen.
  
                      
Der Konzern KarstadtQuelle wird also ab dem Jahr 2000 in mannigfachen Aktionen umstrukturiert. Karstadt bildet die Kaufhaus-Premium-Group mit Alsterhaus, KaDeWe und Oberpollinger. Dies wurde bereits thematisch vorgestellt. Die Karstadt Sporthäuser werden ausgebaut und das Online-Warenhaus-Karstadt.de  etabliert. Quelle konzentriert seine Spezialversender teils unter einem neuen Dach. So firmieren die Tochterfirmen Madeleine, Peter Hahn und Atelier Goldener Schnitt  zukünftig als TriStyle Holding GmbH. Auch diese Firmenteile wurden bereits chronologisch mit ihrem Erwerb früher vorgestellt.  1999 ist auch das Jahr in dem ein Versandunternehmen in Shanghai/China aufgebaut wird und auch Estland und Kroatien werden neu in den Versandbereich einbezogen. 2001 erwirbt der Konzern eine 75% Beteiligung am französischen Spezialversender Afibel.


Im Gesamtfirmenkonglumerat tauchen aber durch die Fusion auch Namen auf, die bis dato in der Abhandlung zu kurz gekommen sind und in das KarstadtQuelle-Konstrukt integriert werden mussten. So kaufte 1988 die Karstadttochter Neckermann das Versandhaus Walz mit seinen bekannten Firmenzweigen baby-walz, die moderne Hausfrau, walz Kidzz, sunnywalz und creawalz.
            
                                  
                         
                                               Absenderfreistempel der Versandhäuser Neckermann und  Walz

     Zwei weitere Vorstellungsbeispiele  in Form von EDV- Frankaturen zum Versandhaus Walz sollen dazu genügen.

                                    

Versandhaus Walz mit einer EDV-Label-Freimachung im Päckchenversand aus dem Jahr  1986  und nachfolgend eine Massendrucksache mit EDV- Frankatur im Fensterbrief aus dem Januar  2000  und Entgeld  DM 1,36 im Prospektversand: Die moderne Hausfrau.

                             

Schon früher wurde erwähnt, dass bei Fusionen und  Übernahmen von Firmenstrukturen häufig die althergebrachten und gewohnten Namen für den Verbraucher beibehalten wurden und die eigentlichen Eigentümerverhältnisse  der Kundschaft zumindest nicht offensichtlich erscheinen. Interessant aktuell dazu eine Aussage aus einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.April 2010 mit Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe. Angesprochen auf allein 123 Unternehmen in dem Konzern ….. „wir  müssen den Kunden von Baur, SportScheck oder Manufactum ja nicht erzählen, dass die OttoGroup  dahinter steht“.

Schon aus den bisherigen Ausführungen  spürt der unbeteiligte Zuschauer und Wirtschaftslaie einen gewissen bedrohlichen Aktionismus und tatsächlich entwickelt sich die Geschäftslage  der KarstadtQuelle ab 2002 dramatisch leider aber im Sinne und in Richtung von finanziellen Schwierigkeiten.

Seit 2002 erhalten die Versandabteilungen mit den wichtigsten Teilen Quelle/Neckermann und weiteren 18 (!) Spezialversendern eine Bündelung und einen gemeinsamen Vorstandsvorsitzenden. zur Straffung von Einkauf und Logistik Der Umsatz bricht 2004 dennoch mit 9,4% fast zweistellig ein.

Im Juni 2004 wird Thomas Middelhoff Aufsichtsratschef im Gesamtkonzern und wechselt im Mai 2005 ins Amt des Vorstandchefs. Die Hauptaktionäre sind die Geschäftsbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz.
Im Jahr 2005 bleibt Karstadt im Warenhaussektor dem Gesamtwarenangebot unverständlicherweise treu, lagert aber die Feinkostabteilung im Joint Venture mit der Rewe Gruppe aus und auch hier sind die Restrukturierungen mühselig trotz neuer Namensgebung Perfetto  und einer neuen Angebotspalette.
Im gleichen Jahr 2005 trennt sich der Konzern von 74 (!) kleineren  Warenhäusern, die in der Karstadt Kompakt GmbH  zusammengefasst waren - darunter zahlreiche alte Hertiefilialen  - durch Verkauf an den britischen Finanzinvestor  Dawney, Day und Hilco Ltd.
50 SinnLeffers (s. frühere Vorstellung) Filialen  und Runners Point werden im gleichen Jahr verkauft. Speziell die drei letztgenannten Beispiele erinnern  vordringlich an das Sanierungskonzept  der Karstadt AG aus den Jahren 1929/1934.
2006 werden die verbliebenen Immobilien der Karstadt-Warenhäuser mit ihren innerstädtischen Bestlagen an Investoren veräußert, die mit bekannten Namen wie Goldmann Sachs, Deutsche Bank, Pirelli, Generali  besetzt sind. Die Immobilien werden von der Gesellschaft Highstreet innerhalb des Whitehall Fonds  zurückgemietet zu Bedingungen und Preisvorstellungen, die teils auf Unverständnis in der Öffentlichkeit stießen und Grundlage weiterer Klärungsversuche sind.
Das Jahr 2006 bezieht auch die Importstruktur zur Preisreduzierung ein und überträgt wichtige Geschäftsimporte direkt an das chinesische Firmenimperium  Li & Fung (Hongkong).
2007 gibt sich der Konzern den neuen Kunstnamen Arcandor.
Aber die Gleichsetzung neuer Name = neuer Gewinn sollte sich nicht bewahrheiten.
Auch Kapitalerhöhungen in Millionenhöhe, die durch das Bankhaus Sal. Oppenheim 2008 im Wesentlichen finanziert wurden, sollten Arcandor nicht mehr retten. 2008 wird Neckermann zu 51% an den Investor "Sun Capital" veräußert. Thomas Middelhoff tritt Februar 2009 als Vorstandschef zurück und am 9. Juni 2009 wird beim Amtsgericht in Essen der Insolvenzantrag für Arcandor gestellt. Der Antrag betrifft nicht Thomas Cook, die KarstadtQuelle Bank und einen Teil der Spezialversender. Auch weitere Konzernteile  konnten vom Insolvenzverwalter  Klaus Hubert Görg aus der Konkursmasse durch Verkauf abgetrennt werden.
So ging der Versicherungszweig  gänzlich mittlerweile an die ERGO-Gruppe, KüchenQuelle und FotoQuelle u.a .Teilbereiche erhielten neue Besitzer.

Markenrechte und Namensrechte zu QUELLE konnten  an die Otto Gruppe, Hamburg verkauft werden. Es wird zu beobachten sein, ob und wie der NAME QUELLE von dort einmal wiederbelebt wird oder in Erscheinung tritt.

                                
Das Insolvenzverfahren ist (Stand Mai 2010) noch nicht für die Karstadt AG abgeschlossen und QUELLE wurde noch im Jahr 2009 mangels Interesse, bis auf die obigen Beispiele „abgewickelt“!

Abschlussbetrachtung
Das Thema QUELLE hat sich auch für mich erstaunlicherweise erheblich ausgeweitet!
Der gebotene Überblick erhebt keinen Anspruch auf vollständige Abhandlung! Weitere Firmen im Karstadt-Quelle-Konstrukt wie Bogner Homeshopping, mirabeau, BON A`Parte, Hess Natur, Planet Sports.com  und andere wurden nicht oder nur ansatzweise vorgestellt.

Sicherlich erlaubt aber der größte deutsche Postkunde mit  über 1 Milliarde Postversendungen seit seiner Gründung eine ideale Möglichkeit auf Entwicklungen zur deutschen Postautomation einzugehen. 

                                    
Ständig zur Rationalisierung im Versand gezwungen, gab es praktisch alle Varianten der Postautomation speziell auch durch den Computereinsatz zu beobachten. Dabei ist eine Trennung der Freimachung durch Absenderfreistempel oder sog. EDV- Frankatur  meines Erachtens nicht mehr sinnvoll. Beides hat seinen Einsatz beim Versender und die neuen Freistempelmaschinen sind ebenfalls mit Elektronik ausgerüstet und werden auch schon mittels Mikroprozessoren  gesteuert.

Komplett kann man bei einem solchen Massenversender nicht werden, aber häufig sehr günstig in Krabbelkisten auf philatelistischen Veranstaltungen und im Freundeskreis fündig werden. Viele dieser Belege haben als Geschäftsbedarf ihre mehr oder weniger großen Qualitätsabstriche zu verzeichnen. Es ist eben reiner Postbedarf und kein Produkt wurde gezielt aus finanziellen Erwägungen heraus  für die Philatelie produziert. Glücklicherweise bedarf auch keiner dieser Belege einer „neuesten Prüfung mit einem Fotoattest“! Selbstverständlich kann und soll diese Abhandlung auch als Anregung und mögliches Konzept dazu dienen und verstanden werden, eventuell seinen eigenen ausgesuchten Versender, sein  persönliches Thema oder Motiv philatelistisch zu beleuchten und zu bearbeiten.
QUELLE war der größte deutsche Postkunde und damit einer näheren Betrachtung wert! Aber vielleicht geht es ja über die Otto-Gruppe Hamburg mit dem Namen QUELLE noch eine kleine Fortsetzung! Ich bedanke mich für Ihr Interesse an diesem etwas langatmigen und wirtschaftlich sehr komplexen Thema.



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