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Olympiaglocke 1936

Das Thema OLYMPIA war  in der Philatelie  schon frühzeitig  ein etabliertes Motivgebiet  gewesen und davon zeugen namhafte Ausstellungsobjekte auf nationaler und internationaler Bühne. Aber schon unter diesem Thema ist bei kaum überschaubarem Material eine Spezialisierung sinnvoll und hinzu kommt ein schier unendliches Literaturangebot. Dennoch soll auf der Homepage das eine oder andere Streiflicht  zum Thema Olympia mit Schwerpunkt Deutschland  gewagt werden  und als Aufhänger sollen durchaus Belege aus der Postautomation dienen.

Zunächst an dieser Stelle eine kleine  Ein- und Hinführung zur Olympiade 1936 in Berlin  und zum  ersten Streiflicht mit der Olympiaglocke, dem allgegenwärtigen Symbol dieser Spiele.

Schon einmal war Berlin als Austragungsort der Olympiade im Jahr 1916 auserkoren worden. Das Deutsche Stadion im Grunewald sollte die sportliche Hauptkampfstätte sein und der 1.Weltkrieg führte alle diesbezüglichen Pläne  ad absurdum. Dazu ein Luftbildfoto und ein passender Handwerbestempel auf einer entsprechenden privaten Sonderganzsache aus dem Jahr 1994. Die OLYMPISCHEN RINGE  - hier im  Sonderstempel - waren übrigens als Symbol der umfassenden Sportidee  aller Kontinente zur IOC – Sitzung 1914 (IOC = Internationales Olympisches Comitee) entwickelt und erstmals vorgestellt worden.


Schon für die erfolgreiche  Bewerbung 1914 waren die deutschen Sportfunktionäre  THEODOR LEWALD und CARL DIEM aktiv gewesen und sahen nach dem Ausschluss Deutschlands von den Spielen 1920 und 1924 (s.1.Weltkrieg)  auf dem Internationalen Olympischen Kongress 1930 in Berlin erneut die Chance Deutschland  als Sportnation zu präsentieren und  für die Vergabe der Olympischen Spiele 1936 in der deutschen Hauptstadt schon zu diesem Zeitpunkt  zu werben.


                                                            Dr. Carl Diem                                          Dr. Theodor Lewald       
                                                     Bilder  von A. Binder  im Cigaretten-Bilderdienst Altona-Bahrenfeld


Die hervorragend geplante Veranstaltung in Berlin im Jahr 1930 gestaltete sich  für die IOC – Mitglieder aus 50 Nationen als äußerst effektiv und  wohlwollend erinnerungsträchtig. Damit stand im Jahr 1931 auf der IOC – Tagung  zur endgültigen Vergabe der Olympischen Spiele für das Jahr 1936 in Berlin  nichts mehr im Wege. Diese Entscheidung fiel für diese Stadt im Deutschland der Weimarer Republik und dies in  Verhältnissen absoluter  politischer und wirtschaftlicher Krisenzeiten. 1933 hatten sich dann die politischen Perspektiven mit der Machtübergabe an Adolf Hitler und seine NSDAP deutlich und total verändert!


Die geschulte nationalsozialistische Propagandamaschine erkannte sofort die Möglichkeit diese Spiele auf internationaler Ebene für ihr Image zu missbrauchen und dies unter dem Alleinvertreteranspruch von Hitler und seiner Partei.




 
                                                      aus Olympia - eine nationale Aufgabe, Reichssportverlag 1935

Entsprechend war nicht nur die Presseszene auf die Spiele 1936 in Berlin fortan NS – freundlich eingestimmt,  sondern  auch der Verwirklichung einer entsprechend großzügigen Planung  und  Architektur stand nichts mehr im Wege. Das „alte Olympiastadion"  unter dem Architekten Otto March wurde eingeebnet und sein Sohn  und Architekt Werner March konnte seine phantastische Vision eines  umfassenden SPORTFELDES trotz zeitlicher Engpässe erstaunlich realisieren und verwirklichen. Das Olympiastadion Berlin wäre etwas ausführlicher sicherlich auch einmal  eine lohnende Betrachtung als "Streiflicht im Themenbereich Olympia".


             Entwurf Reichssportfeld für die Olympiade 1936 (aus Olympia-Stadtplan von Berlin, Reichssportverlag 1936)


                                                                                            Werner March
                                                   Bild von SCHIRNER im Cigaretten-Bilderdienst Altona-Bahrenfeld


Die obige Luftaufnahme des Reichssportfeldes dokumentiert im Bereich des Glockenturms übrigens noch letzte Feinarbeiten  unter der Lupenbetrachtung


Johannes Boehland – namhafter Gebrauchsgraphiker seiner Zeit und oben an seinem Arbeitsplatz sitzend -  schuf das offizielle Signet der olympischen Spiele des Jahres 1936  mit dem stilisierten  REICHSADLER und  dieser hält praktisch die OLYMPISCHEN RINGE schwebend mit seinen Klauen fest (aus Monographie zu J. Boehland von F. Hellwag).



Fortsetzung  23.04.2016
Wohl auf Anregung von Theodor Lewald  - Präsident des Olympischen deutschen Komitees -  entwarf  Johannes Boehland  dann das zugehörige Signet in Form des Reichsadlers mit gering versetzen Krallen und platzierte diesen Entwurf in die Silhouette einer Glocke mit dem Textzusatz: ICH RUFE DIE JUGEND DER WELT!

Abbildung aus Monographie von F. Hellwag zu J. Boehland und nachfolgend das zugehörige Siegel, das sich auch wieder mehrsprachig ausgeführt als Siegelmarke wiederfindet.


Die Olympiaglocke wurde zum Symbol und war dann auch Gegenstand  in zahlreichen Poststempelformen zur Olympiade 1936 in Berlin. Dazu beispielhaft ein Handsonderstempel, der Absenderfreistempel des Organisationskomitees der olympischen Spiele in Berlin und darunter noch ein Handrollenstempel ebenso wie der Handsonderstempel vom INTERNATIONALEN KANULAGER  am MÜGGELSEE.



Schon die Dokumentation aller Olympiastempelformen 1936 von den verschiedenen Veranstaltungsorten und dies evtl. noch mit allen Unterscheidungsbuchstaben ist höchst ergiebig  und auf Briefen evtl. noch mit Sondereinschreibzetteln eine echte Aufgabe.

Auch die Rückseite des Olympia – Sondertelegramms (Entwurf STANZIG) griff das Motiv Olympiaglocke auf,  während vorderseitig das Brandenburger Tor mit den olympischen Ringen und einem Athleten mit Lorbeerkranz  bildgebend war.

Damit war dann auch der Entwurf der Olympiaglocke festgelegt mit dem Reichsadler und den olympischen Ringen und auf der gegenüberliegenden Seite mit dem Brandenburger Tor.

Der Bildhauer Walter E. Lemcke modellierte dann die Olympiaglocke. Das obige Bild zeigt den Bildhauer in seinem Atelier  und stammt aus dem Buch OLYMPIA 1936 – eine nationale Aufgabe. Der Architekt Ernst Sagebiel - er war  neben Albert Speer  der zweite NS – genehme  „Groß“architekt -  hatte wohl den Grundentwurf zur Olympiaglocke  konzipiert. Dazu noch ein Bild aus dem Verlagshaus August Scherl (Nachfolger).

Der  oben  angesprochene Metallguss  der Olympiaglocke wurde dann in Bochum in der Gussstahlfabrik des BOCHUMER VEREINS in Angriff genommen.



Fortsetzung  29.04.2016
Die Gussstahlfabrik Bochumer Verein war 1842 von dem Stahlfabrikanten JACOB MAYER  und dem Kaufmann EDUARD KÜHNE  zunächst mit der Firmenbezeichnung MAYER und KÜHNE gegründet worden. Jacob Mayer war ein unermüdlicher Forscher einen Formguss auch für Stahl zu erfinden – den STAHLFORMGUSS. Selbst Alfred Krupp in Essen  sah hier die Herstellungsmöglichkeit auf Anfrage des Militärs als Verbesserung für stark belastete  Gusseisenteile für technisch  kaum machbar, das Hüttenwerk in Eberswalde enthielt sich gleich einer Stellungnahme und nur J. Mayer in Bochum arbeitete verbissen an der Realisierung und konnte 1852  auf einer Ausstellung in Düsseldorf  als Ergebnis Gussstahlglocken präsentieren. Bild aus der Schrift 100 Jahre Stahlformguss des Bochumer Vereins.


Glockenherstellung aus Stahl und damit preisgünstiger und haltbarer als die bisherigen Bronzeglocken war eine Sensation und ihre Herstellungsmöglichkeit für Krupp  gegebenenfalls ärgerlich und unerwünscht und er agierte gegen Mayer in Bochum bis hin zur Anfeindung. Zur  Pariser Weltausstellung 1855  stellte die umfirmierte „Mayer u. Kühne Fabrik“ als nunmehr Aktiengesellschaft  „Bochumer Verein für  Gussstahlfabrikation“ erneut ihre Glockenensemble vor, Krupp bezweifelt öffentlich die Verwendung von Stahl, sondern behauptet einen alleinigen Gusseiseneinsatz und missgönnt Mayer die GROßE GOLDMEDAILLE. Erst ein heraus geschlagenes Glockenstück musste den endgültigen  Beweis  für Mayer erbringen und leitete trotz weiterer anfänglicher Patentschwierigkeiten mit dem Amt in Berlin eine phantastische Stahlproduktion in Bochum  mit dem Stahlformguss ein. Der Bochumer Verein hatte dann über Jahrzehnte eine höchst wechselvolle Industriegeschichte zu verzeichnen und Namen wie Louis Baares und Hugo Stinnes sind hier nur stellvertretend in wechselhaften  und teils abhängigen Gesellschaftsstrukturen zu nennen. Mit der Umstrukturierung der Stahlindustrie  nach 1933 wurde der Bochumer Verein erneut eigenständig und ein NS – konformer Industriekomplex mit  starker Ausrichtung  zur Waffenproduktion. Aber auch die „friedliche Glockenproduktion“ wurde nachhaltig weiter durchgeführt und aufrecht  erhalten.

 
Die obige Ansichtskarte vermittelt Vorarbeiten zum Glockenguss mit der Glockenkernformung im Bochumer Verein. 1935 übernahm dann das Bochumer Werk  die Ausführung  der Olympiaglocke  als Werksspende für die olympischen Spiele 1936 in Berlin. Das nachfolgende Bild belegt diesen Einsatz mittels des Lesezeichens (hier aufgeklappte Version) im amtlichen OLYMPIAFÜHRER.

                      Schnittzeichnung  zur Glockenherstellung  aus der Schrift 100 Jahre Stahlformguss Bochumer Verein

Folgend ein Artikelausschnitt zur Herstellung der Olympiaglocke  aus dem ILLUSTRIERTEN MÄDCHEN-JAHRBUCH 1935 Wir Mädel (Union Deutsche Verlagsgemeinschaft Stuttgart, Berlin, Leipzig).


Im linken oberen Bild ist die Inschrift „die Jugend der Welt“  in der Olympiaform zu erkennen und auf dem einzufügenden Formstück sind Teile der Olympiaringe zu entdecken.  Aber der Bochumer Verein gab auch eigens eine mehrsprachige Lektüre zum Olympiaglockenguss heraus und dazu folgende Abbildung, die einmal die Glockenseite mit dem Brandenburger Tor und kopfstehend die gegenüberliegende Glockenseite mit dem  Reichsadler und den olympischen Ringen im Moment der Kranhebung – „Glockentaufe“ - aus der Gussform zeigt (Sammlung Winfried Downar, Bochum).


Auch folgende Stammkarte der Francotypgesellschaft Berlin mit der Baframaschine B 136 der Stadtverwaltung Bochum u.a. mit dem Olympiaglockenklischee vom 12.6.1936 stammt freundlicherweise aus der Sammlung Winfrid Downar, Bochum.


                            Dazu die beiden Versionen mit Wechsel im Wertrahmen von Bogenrechteck zu Reichsadler

Nachfolgend die „stolze“ Begutachtung  der gereinigten Olympiaglocke im Werk  aus der Schrift 100 Jahre Stahlformguss des Bochumer Vereins.

Fortsetzung 04.05.2016
Für den Glockenguss waren 16000kg flüssiger Stahl erforderlich gewesen, das Glockengewicht betrug  10426kg und mit dem Glockenjoch  dann 13841kg. An dieser Stelle der Hinweis, dass durchaus unterschiedliche Gewichtsangaben zur Olympiaglocke in der Literatur, Presse und auf Ansichtskarten existieren. Der Jochbogen zur Aufhängung brachte das Höhenmaß von 2,6 auf 4,3m und allein der Durchmesser am unteren Glockenrand betrug schon 2,8m. Die nachfolgende Aufnahme aus der Ausgabe der Bilder-Woche vom 1. Februar 1936 dokumentiert die Vorbereitungen für den 600km langen Straßentransport von Bochum nach Berlin.


Die fertige Olympiaglocke erhält in Bochum oben vor der Gussstahlfabrik ihre Aufhängung (Glockenjoch) vor dem Transport  nach Berlin.


Das vorstehende Pressefoto der AFA MILANO vom 16.1.1936  dokumentiert die geschmückte Olympiaglocke in Bochum fertig für den Transport mit Jochaufbau auf dem zweiteiligen Straßenroller der Firma CULEMEYER. Mit der Abfahrt am 16. Januar 1936 in Bochum  standen für die kommenden 10 Tage 600 Streckenkilometer bis Berlin bevor. Statt Straßenroller war für die Schwertransporte der Begriff „Culemeyer“ in der Bevölkerung und unter den Fachleuten synonym geworden, die Johann Culemeyer für die Deutsche Reichsbahn ab dem Jahr 1930 entwickelt hatte. Für die Olympiaglocke war dies übrigens der Typ R 40 in zweiteiliger Form (verbunden über  eine absenkbare Führungsstange) mit insgesamt 4 Achsen und 16 Rädern und wurde hergestellt in der Gothaer Waggonfabrik und war ausgelegt für 40 Tonnen bei einer maximalen Transportgeschwindigkeit von 25km.


Die vorstehenden privaten Fotoschnappschüsse zeigen den Olympiaglockentransport auf einem unbekannten Wegstück der Strecke Bochum, Bielefeld, Hannover, Braunschweig, Magdeburg und Potsdam nach Berlin. In den angeführten Städten fand der Glockentransport  aber jubelnde Zuschauermengen zum Empfang. Auf den Landstraßen waren sicherlich jedoch wohl mehr zufällig  Zeugen  mit einem griffbereiten Fotoapparat ausgestattet und hatten  die Möglichkeit der Dokumentation.


Am 27. Januar 1936 traf der Transport in Berlin ein und die Presse sprach von einem unvergesslichen Empfang und dazu oben ein großformatiges  Foto von diesem Tag  der französischen Presseagentur „FULGOR“ aus Paris mit einem Bild vom Glockentransport durch das Brandenburger Tor. Dieses Bildmotiv findet sich in ähnlichen Formen zahlreich als Schnappschuss in der olympischen Literatur. Aber auch für die Firma KAELBLE war dies Grund genug folgende Ansichtskarte zu kreieren.


Das Unternehmen KAELBLE - seit 1885 in Backnang tätig - war primär der Bevölkerung bekannt als Hersteller schwerer Zugmaschinen speziell auch für den oben vorgestellten „Culemeyer“. Dafür entwickelte Kaelble ab 1933 für die Schwertransporte auf der Straße der Deutschen Reichsbahn die Zugmaschine vom Typ “Z6R“ eine 3achsige Version, der später weitere Spezialzugmaschinen folgen sollten. Die obige Zugmaschine von Kaelble war für den Glockentransport mit der Olympiafahne und ihren Ringsymbolen über der Kühlerhaube geschmückt.


Die Übergabefeier in Berlin am 27. Januar 1936 fand (oben von links nach rechts auf einem Pressefoto der Zeitung Bilder-Woche und ihrer Ausgabe vom 29.Februar 1936)  mit Staatsekretär a.D. von Lewald, Reichssportführer von Tschammer und Osten und Generaldirektor Dr. Borbet (Vorsitzender der Vereinigten Stahlwerke AG zu der auch der Bochumer Verein gehörte)  statt. Die genannten Persönlichkeiten begrüßten die Ankunft der Glocke in Berlin als Symbol für das anstehende olympische Ereignis ab 1.August 1936. Die Festrede hielt dann  Rudolf Heß als Stellvertreter Adolf Hitlers. Das Rednerpult mit Hakenkreuzfahne  geschmückt zeigt schon hier die bevorstehende und ständig begleitende  NS – Propaganda während des Olympiafestes.


Fortsetzung  11.05.2016
Das folgende Bild belegt die letzten Meter der Glocke zum Turmgebäude über einen provisorischen Schienenweg auf ausgelegten Holzbalken. Bild aus dem amtlichen  Buch  Das Reichsportfeld  des Reichsministeriums des Innern  aus dem Jahr 1936 im Reichssportverlag. Im Hintergrund das Maifeld und das Olympiastadion in seiner letzten Bauphase und in exakter Achsenausrichtung.


                        Am 11. Mai wurde dann die Glocke in den Glockenturm des Reichssportfeldes emporgezogen


Die fertig installierte Glocke in luftiger Höhe. Ansichtskarten mit Olympiaglockenmotiv sind recht zahlreich, aber die obige Ansicht im Turm vermittelt linksseitig die Vorrichtung im Glockenjoch zur Kraftübertragung  und damit Glockenschwingung.

 Der Glockenturm lag am westlichen Rand des Maifeldes des Reichssportfeldes nahe der Dietrich-Eckart-Freilichtbühne.

Die obige Schnittzeichnung und Planung zum Olympiaglockenturm  stammt vom Architekten Werner March und wurde seinem Buch entnommen Bauwerk Reichssportfeld im Deutschen Kunstverlag 1936. Hier wird die Zeichnung als Abbildung 11 aufgeführt und verweist auf die unten im Turm gestaltete Langemarckhalle  und den Stufenwall. Die Schnittzeichnung verdeutlicht die Glockenaufhängung im 76m hohen Turm.
Folgend ein Blick in die Langemarckhalle ebenfalls als Bild aus dem  amtlichen  Buch Das Reichsportfeld  des Reichsministeriums des Innern  aus dem Jahr 1936 im Reichssportverlag.

Der Ort Langemarck in Flandern  stand und steht in der Erinnerung an  den Tod vieler junger  deutscher Soldaten aus dem 1.Weltkrieg  und dazu hier nur der Verweis auf weitere detaillierte Literatur zum Mythos Langemarck, der unterhalb des Glockenturms in einer imposanten Hallenarchitektur  zur Weihestätte geriet.


Auf dem Bild von SCHIRNER im Cigaretten-Bilderdienst Altona-Bahrenfeld  ist auf der Abbildung zur Dietrich-Eckart-Freilichtbühne auf dem Reichssportfeld im Hintergrund der beginnende Gerüstbau für den benachbarten Glockenturm zu erkennen.


Das obige Pressefoto erlaubt einen Blick aus 76m Höhe aus dem Gerüstbaugestänge auf  die Baustelle des Glockenturms, der auf dem folgenden Bild schon der Vollendung naht.

Glockenturmbau und Lagebeziehung zum Maifeld und Olympiastadion in näherer Perspektive als Ausschnitt eines Bildes  Frühjahr 1936 aus dem Buch BERLIN im Verlag Heinrich Hoffmann. Das folgende Bild illustriert dann den Glockenturmbau im Stahlgerüst aus dem amtlichen Bericht des Reichsministeriums des Inneren zum Reichssportfeld  im Reichssportverlag aus dem Jahr 1936

Die ausführende Baufirma versäumte es nicht auf der amtlichen Olympia-Postkarte mit dem Bild des Glockenturms zugunsten des Olympia-Fonds (Reichssportverlag) mit einem roten Gumminebenstempel auf ihren Beitrag zum Bauwerk hinzuweisen.

Fortsetzung 18.05.2016
Folgend der fertig gestellte Glockenturm mit seinen beidseitigen Aufgängen zum Maifeld und der Langemarckhalle unter dem Turmgebäude. Der Blick zeigt im Vordergrund die Glockenturmstrasse mit Blick zum  Turm und Eingang – West des Reichssportfeldes.

Am 1. August 1936 erfolgte die feierliche Eröffnung der olympischen Spiele in Berlin. Die folgende Ansichtskarte   dokumentiert  den Weg der  verantwortlichen  Olympiadelegation auf dem Weg in das Stadium zur Eröffnungsfeier. An der Spitze Reichskanzler  Adolf Hitler und Schirmherr der olympischen Spiele zusammen mit dem Olympischen Komitee. Der Weg  führte am 1.8.1936 vom Platz Am Glockenturm  über das Maifeld zum Olympiastadion.

Zur Eröffnungsfeier kam dann die Stunde der Olympiaglocke mit ihrem ersten Geläut und dazu ein Gefälligkeitsabschlag eines Absenderfreistempels aus Amerika mit diesem passendem Datum und der abgebildeten Olympiaglocke.  In den USA war allerdings die Olympiaglocke ohne Reichsadler (!) und nur mit den olympischen Ringen illustriert. Zumindest an dieser Stelle nur ein kurzer Hinweis auf die zeitlichen Gegebenheiten der Eröffnungsfeier. Die Olympiaglocke hatte ihre Premiere ca. gegen 16Uhr 15 und um 17Uhr30 wurden die olympischen Spiele durch den Schirmherrn und Reichskanzler Adolf Hitler eröffnet.

              Absenderfreistempel  des  Informationsbüro  der  GERMAN RAILROADS  in New York (N.Y. 665 Fifth Avenue)

Das weitere Schicksal der Olympiaglocke soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden.

Im besetzten Berlin geriet vermutlich durch russische Besatzungstruppen der Glockenturmbau in Brand  und wurde von den britischen Truppen aus Gründen der Baufälligkeit gesprengt. Der Wiederaufbau unter dem ursprünglichen Architekten Werner March erfolgte Anfang der 1960er Jahre und eine verkleinerte Glockenversion wurde erneut installiert. Dabei wurde das Brandenburger Tor als Relief erneut verwendet jedoch der Reichsadler durch den Bundesadler ersetzt. Die alte Olympiaglocke wurde bei der Turmsprengung  und ihrem Sturz aus großer Höhe teilweise zerstört und war zuvor zusätzlich durch Granatbeschuss  geschädigt worden. Nach Literaturangabe  wurde sie zunächst verschüttet und 1956 wieder freigelegt.
Die alte Olympiaglocke  wurde dann auf einem Sockel  an der Südseite des Olympiastadions erneut platziert mit dem Blick auf den restaurierten Glockenturm und die folgenden Privataufnahmen stammen aus der damaligen Zeit der Wiederaufstellung mit entsprechender Qualitätseinbuße.


Das Motiv mit der Olympiaglocke wurde auch später noch postalisch  genutzt. Zumindest dazu an dieser Stelle ein Beispiel aus der Stadt Berlin im Jahr 2000. Vergeblich hatte sich die alte Olympiastadt BERLIN von 1936 selbst um die Austragung im Jahr 2000 bemüht, aber ein olympisches Grußwort im Absenderfreistempel mit Olympiaglocke und Brandenburger Tor an die aktuelle Olympiastadt SYDNEY  waren dann doch  eine nette Geste des Verlierers.

Damit möchte ich das  Streiflicht Olympiaglocke 1936 zunächst einmal beenden. Über ein weiteres olympisches Streiflicht ist aber thematisch  noch nicht entschieden.






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