Deutsche Postautomation

Informationen zur deutschen Postautomation im Bereich Freimachung,
Briefannahme, Schalterbetrieb und Briefbearbeitung.



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Komusina - Absenderfreistempel


Komusina – Absenderfreistempel war schon der Titel einer Bearbeitung von  E. und H. Bayartz zu diesem Thema aus dem Gebiet der Postautomation mit Freistempelmaschinen. Aber auch andere Namen sind in diesem Zusammenhang zu nennen mit G. Manhardt, G. Eich und H.-J. Förster u. a. und auch der Hinweis auf den Link zur sehr rührigen und kompetenten Forschungsgemeinschaft Post- und Absenderfreistempel  ist an dieser Stelle sicherlich wieder einmal angebracht.
Auch unter den Freistempelsammlern  hat Erich Komusin mit seinen Freistempelmaschinen einen besonderen Nimbus, sicherlich begründet in seinen ab 1920 vorgestellten und schon damals überaus kompakten Versuchs- und späteren Standardmaschinen, aber auch durch die begrenzte Stückzahl  seiner  Freistempelmaschinen in Standardausführung mit ca. 1500. Ähnlich der üblichen Philatelieanschauung liegt in diesem Fall damit  ein abgeschlossenes, übersichtliches und überaus reizvolles Teilgebiet  innerhalb der Absenderfreistempel-Automaten vor, das auch  aus diesem Grunde auf dieser Webseite zur deutschen Postautomation  hier seinen Platz findet. Abb. Komusina - Freistempler.

   
Der folgende Werbefreistempel für den Komusinafreistempler  der General- Vertretung Kurt Schmitz- Büromaschinen  aus Hannover  lässt die handlichen Proportionen des oben abgebildeten  Komusina - Freistemplers erkennen.

                          

Ausschnittvergrößerung  zur Verdeutlichung der Größenverhältnisse zwischen Bedienerhand und Freistempler im Abrollmoment der Brieffreimachung.

                                 
  
Dementsprechend warb die Herstellerfirma Guhl & Co. aus Hamburg in ihrem Firmenabsenderfreistempel mit dem gleichen Komusinawerbemotiv für den handlichsten und kleinsten Freistempler der Welt. 

  
Aber die Entwicklung des Standardautomaten mit  dem vorgestellten Stempelabschlag vom -5.11.1929 aus Hamburg verlief über  mehrere höchst interessante Entwicklungsstufen.

Die thematische Abhandlung Komusina erfolgt nun nach folgender Einteilung:

1.         Private und postamtliche Versuchsapparate mit Stempelvorstellungen bis ca.1928

2.         Standardfreistempel Komusina  in  3facher Gliederung           
           
            2.1       Klischeeabschläge und ihre Varianten
            2.2       Komusina - Konkurs und Übernahme der Automatenwartung durch die Francotyp Gesellschaft
            2.3       Wertrahmenentwicklung  geprägt von deutscher Geschichte
           
3.      Belegspektrum verschiedener Versendungsformen



1.         Private und postamtliche Versuchsapparate mit Stempelabschlägen bis ca. 1928

Erste private Versuchsmaschine  1920

Vermutlich schon ab 1914 beschäftigte sich der Berliner Ingenieur Erich Komusin mit der Entwicklungsidee einer Stempelmaschine zur Brieffreimachung, die besonders Großversendern  die Postversendung erleichtern würde. Eventuell angeregt durch die schon existierenden erfolgreichen Postfreistempler  in Bayern und Württemberg  und der zunehmenden Bereitschaft der Post  die Freimachung beim Postkunden zu ermöglichen, entwickelte E. Komusin mehrere Automatenversionen, die chronologisch die Entwicklungsfortschritte erkennen lassen.  Der folgende Abschlag dokumentiert  das erste Freistemplermodell.

                  

E. Komusin kennzeichnete den Apparat mit der Nummer 7100. Der Stempelabschlag zeigt schon zwei Charakteristika all seiner späteren Entwicklungsmodelle: Die senkrechte Zählnummer (noch nicht als Portosummenzähler ausgelegt und 4stellig!) und der Einsatz  zweier  Werbeklischees platziert auf einer Drucktrommel. Wir sehen einmal rechts den Abschlag "Finanz-Amt" Berlin W 16 zugehörig zum Wertstempel "Dienstsache" und zum anderen die Werbung "Salem"  zum Wertstempel "Deutsche Republik".

                                              

Da meine Bildvorlage mit den kombinierten  Klischees relativ farbschwach ist, habe ich das  „Salem-Gold-Klischee“ noch einmal  solo abgebildet. Daneben kommt "Dienstsache" zur Abbildung , die wieder zum "Finanzamt Berlin W 16" gehört, die linkseitig am Bildrand in Erscheinung tritt.


Zweite private Versuchsmaschine 1921

Komusin entwickelte 1921  eine neue Maschinenversion mit verändertem Wertrahmen und der reine Abrollzähler wurde in einen Portosummenzähler (5stellig) umkonstruiert, dabei blieb die senkrechte Ausrichtung des Zahlenausdrucks bestehen. Die bis dato bekannten Wertziffern waren mit den Stufen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9,10,12,14,16,18 und 20M belegt. 

                   
Der Texteinsatz lautete:
„Diese Fläche steht für die auswechselbare Reklame des Gebrauchers zur Verfügung. Es ist anhängig, ebenfalls auf der anderen Seite des Markenbildes noch eine zweite Fläche einzurichten“. Es gab noch zwei weitere Textbausteine s. folgende Abbildung mit denen in dieser zweiten Versuchsmaschine Erich Komusin  für seinen Freistempler und die Herstellerfirma Guhl & Co. aus Hamburg geworben haben.

  
Im obigen Ausschnitt aus einer 5er Serie erkennt man den fortlaufenden Abschlag in der Portosummenzählung (ab jetzt 5stellig) mit  60614, 60615 und 60616 bei Wertstellung 1M. Interessant ferner  das Klischee zur Eigenwerbung des Komusina Frankierapparates mit Hinweis auf den alleinigen Hersteller der Fa. Guhl & Co. Hamburg. Im zweiten Klischee des Freistemplers betrieb die Firma Werbung für ihre weitere Produktion  in diesem Fall von  Gaskochherden. 
                  
In Erinnerung an diese Entwicklungsphase der Komusinafreistempler führte die FG Post- u. Absenderfreistempel  in 2008 das Werbeklischee in ihrem eigenen Frankitfreistempel.


Dritte private Versuchsmaschine 1923

Statt fester Wertstufen  konnten in diesem Entwicklungsmodell Entgeldstufen erstmals vierstellig zwischen 0 und 9999  variiert eingestellt werden in einem neu konzipierten 8eckigem Wertrahmen DEUTSCHES REICH und der Portosummenzähler war 6stellig geworden.

                      

Neben der obigen Klischeeabbildung mit Wellenlinien in der Apparateversion Nr. 257 gab es  vermutlich 12 weitere Varianten von denen drei beispielhaft vorgestellt werden sollen.                                                                

Die „Komusina 75“ - Version  warb für den Feuerlöscher Minimax im Haus!

                      
   
Trotz 4stelliger Wertziffer brachte die zunehmende Inflationszeit sämtliche Entwicklungskonzepte der Freistemplerfirmen in Bedrängnis. Neben den Firmen Furtwängler, Bafra und Anker zeigte sich E. Komusin auch hier recht innovativ und schlug sich vergleichsweise besser in seinen Freistemplerentwürfen, wie auch das folgende Beispiel im "Tausend Mark-Bereich" zeigt.
        
                      

Schon die Absenderverwendung Reichskredit GmbH und die Typenzuordnung D1 in der obigen Abbildung bestätigen den Bezug zu den nachfolgenden postamtlichen Vorläufern. Diese Entwicklungsschritte unterlagen schon den Vorgaben der Deutschen Reichspost. Leider steigerte sich die Geldentwertung schon bald in den Hundertausend - Mark- Bereich hinein, wie die Musterabschläge der Handelskammer Hamburg mit der D2 - Maschine nachfolgend zeigen. Hier hatte der Portosummenzähler schon richtig viel zu rechnen und summiert korrekt die 5250 zur Ausgangslage von 528261 hinzu auf 533511. Erschreckend für die nachträgliche Betrachtung wirkt die Erkenntnis, dass natürlich der zugehörige Basiswert in Hundertausend Mark gerechnet wurde!

                      
    
Während bei Furtwängler sich die Anwender in der zunehmenden Inflationszeit teils mit handschriftlichen Korrekturen behalfen oder in der überwiegenden Zahl der Fälle gleich die Nutzung der Freistempler einstellten, versuchte Erich Komusin auch im Millionenbereich der Hochinflation mit seinen Entwicklungen  Schritt zu halten! 
       
                      

Zwei Entwicklungskonzepte sollten dazu auch im Bereich der Millionen hilfreich sein, wie die obigen Abbildungen zeigen. Zum einen teilte Komusin den Wertrahmen in zwei Hälften „unten und oben“. Unter Beibehaltung oben mit der Inschrift Deutsches Reich konnte nur die untere Hälfte mit der Währungsangabe ausgewechselt werden. Fixiert wurde der geteilte Rahmen mit Stift oder Schraube und man sieht deutlich auf der Arbeitsvorlage vom 25.10.1923 linksseitig vermutlich noch eine Korrekturanweisung der Platzierung dieser Befestigung. Auch seine Ehefrau nahm wohl teil an seinem Entwicklungsdrang, denn sie selbst erhielt ein Patent, um auch die Wertziffern mit Trennpunkten versehen zu können. Modern würde man heute in vergleichbarer Weise  an seiner Rechenmaschine von der Einrichtung und Anwendung eines  „Fließkommas“ sprechen.S. folgende Abbildung mit Dezimalpunkt.

                
An dieser Stelle nun einmal eine Diskussionsvorlage zum Komusinavorläufer  D.1. und  zum  möglichen Posteinsatz im Oktober 1923.
            
Nach 90 Jahren besteht Klärungsbedarf in der Vorläuferanwendung des Komusinafreistemplers in der Version „m“ nach  Katalog Dürst/ Eich. Es wird im besagten Katalog eine postalische Verwendung am 9.10.1923 erwähnt unter Bezugnahme von Veröffentlichungen von Ernst Ehrmann und Helmut Diers aus dem Jahr 1932 - also 10 Jahre nach  dem möglichen und außergewöhnlichen  Posteinsatz. Die Schriften der genannten Autoren wurden  damals in der Zeitschrift Der Deutsche Inflationsmarken-Sammler  abgedruckt. Sowohl Ehrmann als auch Diers  berichten wohl vom Hörensagen von einer einzigen Postanwendung  in der HUNDERTAUSEND MARK - Version im Vorläufer „m“ ohne Dezimal-Punkt-Kennung im Werteindruck mit Verwendung des Freistemplers durch die Reichs-Kredit G.m.b.H.  Eichhornstr. 9 Berlin W 9 als Komusina D.1 Maschine. DIERS berichtet von einem Originalbrief und EHRMANN spricht lediglich von einem Stempelexemplar  mit besagtem Datum vom 9.10.1923. Die Wertangabe sollte auf 80000 lauten  und die Gebührenzahl mit 087688 ausweisen - ex Sammlung Treitel (Berlin). Eine Abbildung hat  anscheinend bisher nirgends vorgelegen!  Ich möchte nun obigen Stempelabschlag ebenfalls vom 9.10.1923 im relativ großzügigen  Briefausschnitt vorstellen, der glücklicherweise  im Vordruck die Reichs-Kredit-Gesellschaft  als Absender führt und den erforderlichen Posttagesstempel vom Postamt Berlin W 9 mit Datum 9.10.1923 und mit Uhrzeit 8-9 V ausweist. Wie alle Komusinaabschläge ist der Stempel recht schwach und im Kontrast verstärkt, aber ansonsten  relativ gut erkennbar. Der Werteindruck  mit 001.2 ist in diesem Fall mit  PUNKT  ausgestattet und wäre damit in  der Hochinflationszeit  mit 1.200.000 Papiermark z.B. für den Ortsbrief in der 2. Gewichtsklasse ab 20g logisch (19.Inflaperode im Posttarif). Die Vorstellung, dass der TREITEL – Beleg  mit gleichem Datum ohne PUNKT vorliegt, ist nicht vorstellbar und wurde wohl durch schwachen Abdruck nicht erkannt und zugeordnet. Wenn der TREITEL – Beleg existiert, wären somit zumindest 2 gelaufene Abschläge des Komusinavorläufers  und dies  glücklicherweise und vergleichbar beide vom ausgewiesenen Datum 9.10.1923 belegbar! Vielleicht locken diese Ausführungen doch noch weitere Belege hervor.

Noch Ende 1923 konnte Erich Komusin seinen Freistempler  unter der Kennzeichnung D  postamtlich mit zwei Maschinen einsetzen. Die Zeit der „Währungsnullen“ war beendet. Am 1.12.1923 wurde der Rentenpfennig eingeführt im Verhältnis 10 Milliarden Mark = 1 Rentenpfennig und ab Oktober 1924 wird von der Reichsmark als Währung gesprochen im Gegensatz zur vorherigen Rentenmark.
Die D 1 Maschine von E. Komusin  war bei der Reichskredit GmbH in Berlin im Einsatz vom Dez.1923 bis zum April 1924.
          
          

Auf der Postkarte vom 31.3.1924 kündigt die Reichs-Kredit GmbH eine Zahlung über 2.660,00 Rtm (Rentenmark) an die Niederlausitzer Telefon GmbH in Cottbus an. Da noch kein Ortsstempel mit Datumzeile in den postamtlichen Vorläufermodellen integriert war, erfolgte stets noch die zusätzliche Anwendung des Tagesstempels hier vom Postamt Berlin W9. Der Kontrast ist ebenso wie in der nachfolgenden Abbildung erhöht zur besseren Scanabbildung. Die D2 Maschine hatte im ähnlichen Zeitraum ihren Einsatz bei der Handelskammer in Hamburg, Börsengebäude und datiert vom 26.2.1924 mit entsprechendem Tagesstempel.
                 
        
Interessanterweise liegt hier ein Brief an den Hersteller des Freistemplers der Firma Richard Guhl in Hamburg vor.

Ab April 1925 verzichtete die Deutsche Reichspost auf die postamtliche Prüfung und den eigenen Verleihmodus der Freistempelmaschinen an interessierte Kunden. Die Anwenderfirmen konnten nun direkt beim Hersteller den Absenderfreistempler erwerben und damit endet eigentlich die Versuchsphase in dieser Form der Postfreimachung.

Erich Komusin gründete daraufhin die Komusina Gesellschaft mit Sitz in Karlsruhe, um ebenfalls zukünftig von dieser Möglichkeit zu profitieren, die noch bevorzugt der Postfreistempler GmbH zu Gute kam, die auf Druck der Deutschen Reichspost aus der Fusion  seiner Konkurrenten Furtwängler, Bafra und Anker entstanden war. Die Produktion seiner Freistempler  hatte E. Komusin  weiterhin an die schon mehrfach vorgestellte Firma Guhl & Co. in Hamburg vergeben.


                           
Vorstellung der Komusina GmbH mit Verwaltungssitz in Karlsruhe auf einer Firmenpostkarte mit den üblichen Komusina - Werbeeinsätzen, die wohl von allen Vertriebshändlern in ihrem Absenderfreistempel geführt wurden. Auch hier taucht Werner Simon als Adressat und Interessent in Erscheinung. Ich erinnere an die mehrfache Vorstellung von Werner Simon bei den Münzfreistemplern  und verweise auf die entsprechend abgehandelten Kapitel im Menüpunkt Postautomation im Briefannahmebereich dieser Webseite.

Während Erich Komusin in der Inflationszeit kurzfristig veränderte Versuchsmaschinen vorstellen konnte, sind aus der Zeit von 1924 bis 1927  keine weiteren Entwicklungen bekannt.

Möglichweise waren auch Konstruktionsprobleme aufgetreten, um in seinen kleinen kompakten Geräten  auch die nun erforderlichen  Ortsstempel zu integrieren. Jedenfalls mit Amtsblattverfügung Nr.77 vom 31. August 1927 wurden dann doch 5 neu konzipierte Komusina - Freistempler zugelassen, die von September 1927 bis zum April 1928 im Einsatz waren.


Zweite postamtlichen  Vorläufermaschinen mit Einsatz 1927

Vorgestellt wird ein Abschlag vom 9.9.1927 vom Einsatz bei der Firma Georg Schepeler  in Frankfurt.


                                    
Bei den handgravierten Vorläufern sind an den vorhandenen Klischees, die weiterhin in doppelter Ausführung vorliegen, durchaus leichte Unterschiede erkennbar. Im Gegensatz zur späteren Standardmaschine war der Abstand zwischen Wertrahmen und Ortsstempel sehr eng, Wertangabe 3stellig und in allen 5 postamtlichen Vorläufern finden  sich unterschiedlich gravierte „Sternchen“ in der hunderter Wertreihenposition. Ein weiteres Komusina- Vorläufermodell aus 1927 wurde ja schon im Einführungskapitel mit dem Absenderfreistempel der Firma Ing. H. Pauls vorgestellt, den ich an dieser Stelle noch einmal einfüge.

                           


2) Komusina Standardmaschinen

Mit großem Aufwand bewarb die Komusina Gesellschaft ihren Absenderfreistempler und hatte mit der Handlichkeit des Gerätes und sicherlich auch mit der Preisofferte recht gute Argumente, die rasch zum Verkauf von ca. 1500 Maschinen bis Anfang der 30er Jahre führten. Die Herstellung erfolgte als Auftragsleistung bei der wiederholt schon vorgestellten Firma Guhl & Co. in Hamburg.
Im vorgestelltem Musterstempel fällt nun gleich der verbreiterte Abstand zwischen Ortstempel und Wertrahmen in der Standardmaschinenversion auf.

            
           

Der folgende Beleg demonstriert den Verkaufsauftrag (Nr. 674) der Komusinagesellschaft  für einen Mineralwasserhersteller in Bad Neuenahr. Die Vorlage erinnert etwas an die bekannten Francotyp- Stammkarten  hier mit Darstellung  des  ausgeführten Stempelmusters und Datum vom 17.10.1928.

             
                                   



2.         Das Kapitel Standardmaschinen wird nun in folgenden Themenbereichen abgehandelt:
           
            2.1       Klischeeabschläge und ihre Varianten
            2.2       Konkurs und Übernahme der Automatenwartung durch die  Francotyp Gesellschaft
            2.3       Wertrahmenentwicklung  geprägt von deutscher Geschichte
           


2.1              Die Klischeeabschläge der  Komusinafreistempler  und ihre Varianten

Im Gegensatz zu den anderen Konkurrenzfirmen war die Entwicklungsidee  von Erich Komusin stets die mögliche Verwendung zweier Druckstöcke auf einer Trommel. Auch hier war er seiner Zeit weit voraus. Heute ist im Computerzeitalter die Verwendung unterschiedlicher Klischeevarianten in einer Maschine absolut gängiges Verfahren. Per Mikrochip den „Ostergruß zum Weihnachtsgruß“ zu verändern und abzurufen, ist ein Tastendruck, vor 100 Jahren sicherlich eine „feinmechanische Herausforderung“!


                                                     

Der obige stilisierte Trommelquerschnitt (Komusina – Werksskizze) demonstriert den   doppelten  Stempeleinsatz in fortlaufender Form. Nach dem unteren Klischee mit Abschluss durch die senkrecht angeordnete Zahlenreihe des Portosummenzählers  folgt wieder das zweite Klischee mit Beginn des Wertrahmenabschlags. Dazwischen sind Datumstempel und Reklame bzw. Werbelogo platziert.
(Wert = Wertrahmen, Dat.= Datum, Rekl.= Werbelogo, Dr.Z.= Druck Zahlenreihe=Portosummenzähler)

Es kamen durchaus gleichsinnige aber auch unterschiedliche Klischees zur Ausführung in einer Maschine vor!

Das Spektrum der zu entdeckenden Möglichkeiten ist relativ groß und erfordert zum Teil konzentrierte Beobachtung der vorhandenen Abschläge. Dies sei an folgenden Beispielen demonstriert.

Die folgende Paarvorstellung scheint ohne Unterschied und dennoch sind beide Druckvorlagen aus einer Komusinamaschine nacheinander schlüssig belegbar. Der Freistempler gehörte ferner der Komusina -  Generalvertretung für die Bezirke Hannover und Minden.

                                        
                                                                                 Portosummenzählerstand 965330
                                       
                                          
                                                               Portosummenzählerstand  plus 25 Pfennig  965355


Beide Abschläge stammen vom 4.9.1929. Der Portosummenzähler bestätigt uns den fortlaufenden zweiten Klischeeabschlag im gleichen Muster der Maschine durch Addition von 25 Reichspfennigen von 965330 auf  965355!

Auch im folgenden Fall sind die beiden Klischees auf den ersten Blick identisch. In diesem Fall hilft uns der Portosummenzählstand des Freistemplers nicht weiter, weil keine direkte Abfolge im Stempelabschlag vorliegt, obwohl der Tagestempel das gleiche Datum aufweist. Aber die unterschiedlichen „Sternchen im Unterrand des Datumstempels“  verraten die zweite und differente Stempelvorlage in der Komusinamaschine und dies ausgerechnet beim Hersteller der Firma Guhl & Co. in Hamburg.
                                                          
                                        
                                                          Sternchen zentral ohne Druckabschlag und damit heller Fleck                                    
         
                                       
                                                                             Sternchen  ohne zentrale Aufhellung

Die Sternchen im Datumstempel zeigen bei Komusina überhaupt recht unterschiedliche Formen und sind diesbezüglich durchaus  beachtenswert.
Im nächsten Kombinationsbeispiel beider Einsatzklischees kommen zum Beispiel die Sternchen  in einer Rosettenform zur Darstellung.
Außerdem sind hier unterschiedlich gestaltete Klischees eingesetzt zur Werbung für den Komusinafreistempler beim Generalvertreter  MAX FRIELING im Bereich der  Oberpostdirektion Düsseldorf.
Es handelt sich um Musterabschläge mit Datum vom 26.Juli 1929 in direkter Abfolge der Druckklischees. Der Portosummenzähler addiert in diesem Fall 783 Reichspfennige korrekt  dem Ausgangszählerstand 242508 hinzu zum neuen  Endstand von 243291.

                                      
                                                                                        Portosummenstand  242508  

               
                                       
                                                                         Portosummenstand plus 783 gleich 243291


Im Übrigen zeigen die gleichen Jahreszahlen mit 1929 aller bisher vorgestellten Komusina – Generalvertretungen, dass die Komusina - Gesellschaft mit Sitz in Karlsruhe ein flächendeckendes Vertriebsnetz aufgebaut hatte. Die oben gezeigten Klischeebeispiele waren in der Regel Freistempelabschläge der hauseigenen  Poststellen.
Es gab auch Vorführmaschinen mit Klischees in beispielhafter Ausführung unter Anführung  von Ortsname und Postbezirk  im Datumstempel und mit Musterbeispielen für mögliche Werbeeinsätze.

                                             
Die obige Darstellung zeigt drei aufeinander folgende Stempelabschläge mit den zwei verschiedenen Klischeeseinsätzen. Der Portosummenzählerstand ist bei Wertstellung Null natürlich unverändert geblieben. Interessant ist ein handschriftlicher seitlicher Vermerk mit dem Hinweis  Reiseapparat v. Herrn Guhl jun. Wie schon berichtet, oblag der  Fa. Guhl die Herstellung der Komusinamaschinen. Ferner hatte Guhl mit Sitz in Hamburg die Vertretungsrechte für den nördlichen Bezirk und wurde später noch Teilhaber in der Komusina-Gesellschaft. Letzteres führte übrigens bei ungünstigem Prozessausgang gegen die Freistempler GmbH  1931 zum Nachfolgekonkurs bei Guhl unter Verlust sämtlicher Beteiligungen!
Interessant ist sicherlich ferner die verschiedenen Klischees im Routinebetrieb beim Endbenutzer zu entdecken. Meines Wissens lassen sich bis zu 4 verschiedene Einsatzklischees einzelnen Komusinamaschinen zuordnen. Dies ist für Komusina in Anbetracht der geringen Anzahl der Freistempler und ihrer teils kurzen Laufzeiten beachtenswert. Bei Francotypmaschinen werden diese Klischeewechsel eher häufiger registriert  auch über Besitzerwechsel hinaus, obwohl  nur jeweils ein Klischee pro Freistemplertrommel im Einsatz war.
Die folgende Serie zeigt 3 von 4 bekannten verschiedenen Abschlägen des Komusinafreistemplers beim Tiergesundheitsamt bzw. Tierseuchen – Institut in Hannover.
                
                                          


Doppelabschläge der Absenderfreistempel auf einem Briefumschlag zur direkten Vergleichsmöglichkeit der verschiedenen Klischees und  Portorechnung im ausgedruckten Zählerwerk sind sicherlich selten aber darstellbar speziell in solchen Fällen, die durch Auffrankierung  notwendig wurden z.B. durch Gewichtsüberschreitung  der Portostufe bzw. Veränderung der Versendungsart.

Im folgenden Beispiel der Fa. PYRO-WERK in Hannover mit Datum vom 5.8.1930 hatte der „Briefinhalt wohl an Gewicht über 20g hinzu gewonnen“   und bedurfte der Auffrankierung um 15 Pfennige zum Gesamtentgeld von 30 Pfennigen. Der zweifache Abschlag demonstriert ferner die beiden unterschiedlichen Klischeeeinsätze im Komusinafreistempler eindrucksvoll auf einem Briefbeleg in der folgenden Abbildung.


                               


Im nachfolgenden Beispiel mit korrekt errechnetem und summiertem  Portoentgeld von  90 Pfennigen ist die Handhabung zum Doppelabschlag etwas schwierig nachvollziehbar. Zumindest war für den Brief mit 24g Dezember 1930 die Grundgebühr mit 30 Pfennigen anzusetzen und der Wertbriefversand ab 100 Reichsmark mit 60 Pfennigen zu veranschlagen. Vielleicht war der Brief  der Fa. Carl Büchting unbeabsichtigt in der letzten Einstellung abgerollt worden und erforderte die entsprechende Auffrankierung mit 75 Pfennigen sowohl für die zweite Gewichtsstufe als auch für den Wertbriefversand.

          
                           


Die Klischees sind identisch. Der Portosummenzähler verrät im 75 Pfennigabschlag mit dem Zählerstand von 583424 die korrekte Aufrechnung zum  Ausgangswert 583349 im 15 Pfennigfreistempeldruck und belegt damit die direkte nachfolgende Klischeenutzung.


2.2               Übernahme durch die Francotyp Gesellschaft

Patentstreitigkeiten  mit  der Francotypgesellschaft  führten 1931 zum Konkurs der Komusina – Gesellschaft mit Sitz in Karlsruhe. Aber schon 1930 hatte Erich Komusin  Verhandlungen mit der Firma Telefonbau und Normalzeit in Frankfurt aufgenommen mit der Zielsetzung  zur Entwicklung eines Freimarkenstemplers. Das Produkt kann  schon vom Aspekt her nicht die die Handschrift des Ingenieurs Erich Komusin leugnen.

                 
                               
  
Ich danke Heinz Kaußen, Aachen aus der Arbeitsgemeinschaft Vorausentwertungen E.V. herzlich für die obige Bildvorlage. Zum Unterschied zum Absenderfreistempler wird automatisch eine Freimarke aufgeklebt und gleichzeitig  voraus freigestempelt. Als Beispiel hier einmal eine Mustervorlage der besagten Firma Telefonbau und Normalzeit. Auch die Vorstellung der Freimarkenstempler  in einem eigenen Kapitel zur Postautomation  ist angedacht.

                                             

Aus dieser Zusammenarbeit gründete sich dann 1938  in Frankfurt die Fa. FREISTEMPLER GmbH und auch das Freistemplerprodukt POSTALIA verrät mit E. Komusin seinen technischen Entwickler! In dieser Firma fungierte Erich Komusin auch als Geschäftsführer zusammen mit Karl Ludwig Lehner.


                               
                                         Deutlich ist das Firmenlogo T&N  und Postalia erkennbar  auf dem  Freistempler

Nach diesem Ausflug zu den Weiterentwicklungen von Erich Komusin nun zurück zur Ausgangslage mit Konkurs der Komusina – Gesellschaft 1931.

Die Francotyp - Gesellschaft  erklärte sich zur Wartung der Konusinafreistempler bereit und übertrug diese Aufgabe ihren Bafra -Werken in  Berlin. Nicht nur Ortstempel wurden ausgewechselt, sondern auch später neue Wertrahmen eingebaut. Bei den Wertrahmen „Rechteck, Hakenkreuz, Deutsche Post usw.“ ist dies offensichtlich, aber auch im kleinen Bogenrechteck der Komusinaautomaten  war gelegentlich Ersatz erforderlich. Dies führte durchaus zu  unterschiedlich erkennbaren Ausführungen, belegt durch folgendes Beispiel:


                                         
                                                                                                  Alter Wertrahmen 

                                         
                                                                                               Neuer Wertrahmen


Man sieht im unteren neuen Wertrahmen  in der Francotypausführung  deutlich größere Buchstaben im Druck DEUTSCHES REICH  und das „Bogenrechteck“ ist tatsächlich nach oben und unten stärker ausge“bogen“. Letztere neue Varianten sind nicht so häufig und damit besonders gesucht.

2.3              Wertrahmenunterschiede geprägt von deutscher Geschichte

Dabei sind  nicht nur  Veränderungen im Komusina- Absenderfreistempel der Deutschen Reichspost zu dokumentieren, sondern  auch die Entwicklungen bedingt durch die Nachkriegszeit und Teilung Deutschlands finden in den Belegen zur  Deutschen Post, Deutschen Bundespost und Deutschen Bundespost Berlin ihren Niederschlag. Unter deutschem Blickwinkel sind ferner auch die Entwicklungen im Saarland zu berücksichtigen.

Orts- und Wertrahmenwechsel  am Beispiel der Defag AG, Berlin 1929 bis 1951

                                    
Der Absenderfreistempel der Defag aus Berlin-Halensee mit Datum 12.4.1929  mit Wertrahmen Bogenrechteck Deutsches Reich.

                                              
                       Ortsstempelumrüstung 1935 (Musterabschlag) durch Umzug der Defag nach Charlottenburg 5   
         
                              
1951 Beibehaltung des Ortsstempels und weiterhin auch das gleiche Firmenlogo aber natürlich Umrüstung in der  Wertrahmenausführung  auf die veränderte Nachkriegssituation mit  Inschrift DEUTSCHE POST.



Die unterschiedlichen Wertrahmenvarianten im Einzelnen 

Wertrahmen - Rechteck

Während des Zeitraums von 1925 bis 1930 nutzten die beteiligten Firmen Francotyp und Komusina  im Wertrahmen das eingeführte „Bogenrechteck“ als üblichen Wertrahmen. Ab 1930 war der Wertrahmen in Rechteckform die Standardform.

In einem einzigen Fall wurde das zuvor von  der Komusinagesellschaft eingesetzte Bogenrechteck  eines Freistemplers  auf  den Wertrahmen in der Rechteckform umgerüstet. Es handelt sich um die Firma Fattinger – Werke in Berlin– Charlottenburg. Von den genutzten drei Werbeklischees kann ich Ihnen zwei  mit den neuen Wertrahmen vorstellen, die schon aus Platzgründen im  verwendeten Komusina - Freistempler kleiner ausfallen als in den Francotypversionen.

Das  zunächst vorgestellte Klischee wirbt für die Zahnpasta Solvolith.

                                        
             
Im zweiten Werbeklischee kommt ein  Haarwuchsmittel HUMAGSOLAN  mit Werbelogo zum Einsatz. Die Fattinger - Werke waren also recht vielseitig in der Körperpflege tätig.
Eine Verwechslung in der Anwendung der Präparate ist  vermutlich weitestgehend auszuschließen, aber vielleicht findet hier  der Slogan „Haare auf den Zähnen“ doch seine „wissenschaftliche  Begründung“.

                        

Wertrahmen – Hakenkreuz

Diese Wertrahmenform kommt ebenfalls nur in einer Firmenversion vor. Die oben vorgestellte Firma Telefonbau und Normalzeit  nutzte ebenfalls ab 1935  verständlicherweise einen Komusinaabsenderfreistempler. Eine Umrüstung  einer schon gelaufenen Komusinamaschine aus älteren Wartungsbeständen  der Firma Francotyp ist in diesem Fall nicht so richtig vorstellbar. Genauso wenig kann man sich die Bestellung eines Freistemplers bei Francotyp vorstellen, der Firma die 1931 patentrechtlich im Rechtsstreit die Konkursfolge der Komusinagesellschaft bedingte. E. Komusin hatte vermutlich noch einen Freistempler  zur Anwendung in seiner neuen Firma  aus seinen alten eigenen Beständen  zur Verfügung und hier sind drei verschiedene Werbeklischees bekannt, von denen ich ein Exemplar vorstellen kann.

                         
                                         Absenderfreistempel der TELEFONBAU und NORMALZEIT AG Frankfurt 1935



Wertrahmen  Deutsche Post

Auch nach den Kriegswirren liefen wohl immer noch einige Komusinafreistempler zur Zufriedenheit ihrer Besitzer, so dass auch Wertrahmenumrüstungen weiterhin vorgenommen wurden.
  
Wertrahmen Deutsche Post - Typ Posthorn

Das große stilisierte Posthorn gab es im Wertrahmen Deutsche Post  in der Nachkriegszeit nur in der französischen Besatzungszone. 

                                        
Die obige Abbildung zeigt den Komusina - Absenderfreistempel der Buchdruckerei Gg. Douser aus Metzingen/ Württemberg .

Wertrahmen Deutsche Post - Typ Mehrfachlinienrahmen

Die Verwendung des Mehrfachlinienrahmens in ehemaligen Komusinafreistemplern ist mir aus Berlin und der sowjetischen Besatzungszone bekannt.
Die nachfolgende Abbildung zeigt die Umrüstung im Absenderfreistempel der Thüringer Export- Bierbrauerei A.-G. aus Neustadt. Wenn auch nur ein großzügiger Ausschnitt einer Briefvorderseite vorliegt, kommt dennoch die Einschreibversion in der zweiten Gewichtsstufe mit Portoentgeld  über 108 Pfennige gut zur Darstellung.          

                                        


Wertrahmenumrüstung Deutsches Reich – Deutsche Post
  
                                            
Erstaunlich ist noch die Nutzung des Komusina - Absenderfreistempels der Fa. BENGEN & Co. noch 1947 mit dem Wertrahmen im Bogenrechteck mit Inschrift DEUTSCHES REICH. Die Geschäftspost ist gemäß den Auflagen der britischen Besatzungszone mit Deutsch – German und Geschäftlich – Commercial deklariert. Wie lange der Wertrahmen noch genutzt wurde ist nicht bekannt, der nachfolgende Geschäftsbeleg der Firma zeigt zumindest 1949 die Umrüstung auf den Rechteckwertrahmen kleines Posthorn mit Inschrift Deutsche Post.

                                             

Die Qualität ist sicherlich auch durch Aktenlochung beeinträchtigt aber zumindest echter Bedarf  und ein solches Vergleichspaar bei Komusina aus der Nachkriegszeit ist selten zu finden.


Wertrahmenumrüstung Deutsche Post – Deutsche Bundespost Berlin

Die folgende Vergleichskombination aus Berlin mit der Firma Siemens zeigt doch eine erstaunliche Treue zum alten Komusina – Freistempler, denn die Variante Deutsche Bundespost Berlin demonstriert nach Umrüstung mit Verwendung am 6.10.1960 ein doch sehr spätes Einsatzdatum (in der Abb.vergrößert).

                                         

Nachfolgend der Vorgängerstempel von Siemens in der Version Mehrfachlinienrahmen DEUTSCHE POST  und Datum vom 4.12.1946.

                                  


Wertrahmenumrüstung Deutsche Post – Deutsche Bundespost


                                    
Die obige Abbildung zeigt uns die Umstellung  im Wertrahmen ( kleines Posthorn ) und Inschrift Deutsche Post  zur Deutschen Bundespost in den Jahren 1951 /1952 bei der Schifffahrt A.-G. BAYERISCHER LLOYD in Regensburg.                                     

Wertrahmen Saarland

Die Komusinafreistempel des Saarlandes stehen sicherlich in wechselhafter deutscher Historie und dürfen daher in dieser Abhandlung nicht fehlen. Nach dem verlorenen ersten Weltkrieg wurde das Saarland in das französische Wirtschaftsystem eingebunden und unterstand rechtlich der Verwaltung des Völkerbundes von 1920 bis 1935. Die Koumusinafreistempel zeigten den Wertrahmen Saargebiet, wie die folgende Abbildung demonstriert.

                                      
Nach der Volksabstimmung wurde das Saarland Februar 1935 wieder Teil des Deutschen Reiches und  damit wurde die Umrüstung im Wertrahmen des Freistemplers erforderlich.

                                     
Während die meisten Absenderfreistempeln des Saarlandes auf den Wertrahmen 1935 in der Type Hakenkreuz umgerüstet wurden, kann in einigen wenigen Fällen die Saartype mit neuer Inschrift nachgewiesen werden mit geänderter Inschrift Deutsches Reich, wie das obige Paar der Gesellschaft für Förderanlagen der Fa. Ernst Heckel in Saarbrücken 3 (St. Johann) zeigt. Diese umgerüstete Saarform kann bis ca. 1940 gefunden werden. Auch der zweite Weltkrieg wurde wieder für das Saarland schicksalhaft in seinem politischen Status. Aus der französischen Besatzungszone heraus wurde 1946 ein eigenes Verfassungsgebiet unter französischem Einfluss konstruiert  und erst die Volksabstimmung 1955 erbrachte wieder die Eingliederung in die Bundesrepublik Deutschland. Aus der Phase bis 1955 ist mir nur eine Weiterverwendung eines Komusinafreistemplers bekannt. Die Abbildung zeigt eine Werksstammkarte der Maschine D 1777 mit Datum 6.12.1949 (Unikat). Dem Besitzer Rechtsanwalt Erwin J. Müller stand der Freistempler zur ersten Benutzung ab 7.12.1949 zur Verfügung. Die Maschine war auf 10.000 Franc eingestellt. Eine Verwendung ist mir bis 1951 bekannt. Spätere Daten?

                                       
                                                 Werksabschlag und Portosummenzähler mit Stand 000000
  

3. Belegspektrum verschiedener Versendungsformen

Ich möchte in der Komusinaausarbeitung noch ein kleines Belegspektrum anschließen, bevor eine Schlussbetrachtung folgt.
Sicherlich stolpert man nicht jeden Tag über Komusinafreistempel, aber hier und da wird man fündig und dann sind ausgefallene Versendungsformen besonders reizvoll.

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Bei der Verwendung der gelben Postscheckumschläge wurde zwischen 1927 und 1941 eine vergünstigte Zusendung an die Postscheckämter einheitlich mit 5 Pfennigen ermöglicht. Hier demonstriert auf einer Briefvorderseite mit Absenderfreistempel der Firma Telefon- und Normalzeit mit seltenem Wertrahmen Hakenkreuz und Datum vom 26.5.1935.

                                          
Das obige Beispiel zeigt einen Adressaufkleber der Firma Rothfos Hamburg-Freihafen als Versendungsform „Muster ohne Wert“ in der Gewichtsstufe bis 250g und Portoentgeld 15 Pfennige und mit Datum vom 2.1.1933 (Kontrast verstärkt).Die nachfolgende Nachnahmeversendung zeigt einen Ortsbrief mit Entgeld im Tarif vom 1.12.1933 und 8 Pfennigen zuzüglich der Vorzeigegebühr von 20 Pfennigen  im Posttarif vom 1.8.1927.  
          
                                     
                      Komusinaabsenderfreistempel der Kreisverwaltung Rinteln mit Datum vom 3.11.1940

                                          
Eingeschriebene Drucksache gestempelt mit Datum vom 16.4.1934 Postamt Celle 2. Zur Einschreibgebühr von 30 Pfennigen addiert sich das Drucksachenentgeld in der Gewichtsklasse von 20-50g mit 4 Pfennigen hinzu.
          
                                    
Die Abbildung zeigt eine eingeschriebene Warenprobe mit Datum vom 8.5. 1930 der Firma KAWECO aus Wiesloch mit der Werbung im Komusinafreistempel für ihre Qualitätsfüllfederhalter. Das Entgeld errechnet sich aus der Einschreibgebühr mit 30 Pfennigen und der Gebühr für die Warenprobe bis 250g und damit 15 Pfennigen zu insgesamt RM 0,45 ( Kontrast verstärkt). 

                                            
Standardbrief (12Rpf) vom 17.3.1933 mit Eilbotenzuschlag (40Rpf) als Fernbrief von Pforzheim nach Berlin. Die Versendungsform war vorschriftsmäßig mit der Deklaration „Eilboten“  und dem liegenden roten Kreuz (seit 1.4.1926) gekennzeichnet.
         
                                   
Drucksache (30Rpf) in der höchsten Gewichtsklasse 250-500g  als Einschreibversendung (30Rpfg)  des Wagner-Verlages in Neustadt  nach Berlin mit Datum vom 5.3.1933 und Gesamtentgeld 0,60RM.

                                    
Die vorstehende Abbildung zeigt einen Luftpost- Eilbrief von München nach Berlin mit Datum vom 20.9.1935. Die Entgeldgebühr errechnet sich aus der Briefgebühr in der 2. Gewichtsklsse mit 24 Pfennigen, der Zustellgebühr für Eilboten mit 40 Pfennigen und dem Luftpostzuschlag in Höhe von 20 Pfennigen für die Gewichtsklsse bis 50g zu insgesamt 0,84 RM.

                                         
Briefausschnitt einer Wertbriefversendung über 1500,00 Reichsmark vom Kreisauschuss in Preuss. Eylau an die Dt. Zentralgenossenschaftsskasse in Berlin. Das Portoentgeld errechnet sich für den Brief bis 250g mit 25 Pfennigen. Für die Versendungsform Wertbrief  war der Entgeldbetrag bis 500,00 RM Versicherungsgebühr 0,60 RM und für jede weitere 500 RM Versicherung wurden 0,10 RM angerechnet zum Gesamtbetrag von 1,05 RM. 

Diese kleine Beispielserie von Komusinafreistempeln  gibt gleichzeitig auch einen reizvollen  Einblick aus der Portovielfalt bis 1945.

Schlussbetrachtung

Die damaligen Philatelisten nahmen die Postautomation mit der  neuen  Freimachung durch Maschinenstempel wohl teilweise so begeistert auf, wie 70 Jahre später auch besonders jüngere Sammler die deutschen Automatenmarken spezialisiert aufgegriffen haben. Es gründete sich damals sogar ein Verband der Maschinenstempel-Sammler und die Ortsgruppe DRESDEN würdigte das Jubiläum  „10 Jahre Barfrankierung“ 1930 mit einem passenden Komusinafreistempel. 


                                          
               Auch von den Orstverbänden sollen einmal Gummistempel an dieser Stelle vorgestellt werden.
                                         
                                    

Es liegt mir noch ein Stempel aus Lübeck vor, dessen Grünton leider schlecht darstellbar ist. Auch spezialisierte Händler  traten damals auf. Dazu liefert der letzte Infla-Bericht  235 vom September 2009 mit seiner Abhandlung zu Reinhold Götz  ein eindrucksvolles  und lesenswertes Beispiel. Besonders die abgebildeten Zeitungsinserate von R.Götz werben gezielt für Freistempel in Form von Auswahlsendungen und Preislisten. Auch Postwertzeichen-Ausstellungen integrierten die Freistempelsammler entsprechend. Als Beispiel dient die Freistempelwerbung gezielt im Komusinafreistempler zur NIEDERSÄCHSISCHEN POSTWERTZEICHEN-AUSSTELLUNG in MUSEUM  ALTONA (Elbe) im Jahr 1930. Die folgende Abbildung zeigt die beiden Werbeklischees des eingesetzten Komusinafreistemplers.


                                           

Der Werbezusatz: DER FREISTEMPEL IST DIE BRIEFMARKE DER ZUKUNFT hat sich bewahrheitet. Mindestens 85% des aktuellen Versendungsaufkommens der deutschen Post wird nicht mit einer Briefmarke freigemacht. Sollte dies dennoch der Fall sein, dann geschieht dies mittlerweile meistens in selbstklebenden Standardvarianten. Nicht umsonst wirbt also die entsprechende Forschungsgemeinschaft mit dieser alten Werbung und Vision in ihrem Absenderfreistempel  für ihr Sammelgebiet.

             
                 

Im krassen Gegensatz  zum oben aufgeführten Verteilungsmodus im Aufkommen der Post steht aber dennoch der Freistempelabschlag  im Schatten der Philatelisten bezüglich Beachtung und Bewertung. Werden für sicherlich herausragende Briefmarken und ihre Belegdokumentationen „horrende“ Preisansätze bewilligt, so können die Freistempelsammler auch für absolute Seltenheiten aus ihrem Gebiet nur mit „bescheideneren“  Bewertungen rechnen. Hier liegt aber auch eine Chance mit einem kleineren Geldbeutel eine Sammlung mit „kleinen Raritäten“ zusammen zu tragen.
  



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