Deutsche Postautomation

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Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie (09.08.2017)

Mit einer übersichtlichen Ausarbeitung möchte ich einmal das Katalogwerk zu den ersten Absenderfreistempeln  beleuchten, um auch eine kleine Anleitung zur Entwicklung und zum Verständnis in dieses philatelistische Gebiet zu  geben und eventuell auch Interesse und  mögliche nähere Beschäftigung zu wecken und zu erleichtern.  Das kleine Katalogensemble von 1929 über die Jahre 1933, 1940, 1944, 1953, 1959 bis in die Gegenwart  dokumentiert die Erkenntnisse zu den Absenderfreistemplern. Erstaunlich ist anfangs die lückenhafte Vorstellung  zu den seltenen Vorläufern, die verständlicherweise aus den wenig bekannten Belegstücken resultierte.

Details zur speziellen  Maschinenentwicklungen und technische  Fakten  der  Konstrukteure und ihrer Firmen oder Zulieferern sind in diesem Zusammenhang nicht  geplant. Hier verweise ich auf die Ausarbeitungen der Forschungsgemeinschaft Post- und Absenderfreistempel e.V. und aktuell stehen gerade dazu neue erstaunliche Forschungsergebnisse durch Herrn Hans-Joachim Förster und seiner unermüdlichen Archivsuche an. Unser aktuelles Wissen ist daher nach fast 100 Jahren deutlich besser fundiert als bei den damaligen Zeitzeugen der Maschineninstallation!

Die folgende kurze Übersicht soll daher explizit auf die durchaus übersichtliche Katalogentwicklung zu den  deutschen Absenderfreistempeln  etwas eingehen  und beschränkt sich auf den  ungefähren Zeitraum von den postamtlichen Vorläufern seit dem Jahr 1923 bis zu den Standardformen  und  endet  mit den 1990er Jahren.

Die Absenderfreistempel folgten ca. 15 Jahre den Postfreistempeln  nach und weckten das Interesse einer sicherlich übersichtlichen kleineren Sammlergruppe, die dieses neue Postautomationsgebiet beobachteten und  verfolgten und schon nach 5 Jahren  den ersten  unbeachteten  Anfängen  für ihr spezielles  Sammlungsgebiet „nachtrauerten“ !

Heiner Dürst war sicherlich ein Sammler der ersten Stunde, der bereits früh weltweit sich dem Gebiet der Freistempel zuwandte, aber auch Wegbereiter  für die deutsche Katalogisierung wurde und dazu an späterer Stelle mehr. Ebenso sollten  in diesem Zusammenhang der Einführung zu den Firmen- bzw. Absenderfreistempeln auch noch die Sammler Dr. Nipko, Johannes Nawrocki, Werner Simon und Ruprecht Glasewald nicht vergessen werden. Sicherlich ist hier ferner Helmut Diers  mit an erster Stelle anzuführen und auch Ernst Ehrmann war ein begeisterter Sammler der  Anfangszeit und spezialisierte sich dabei zusätzlich noch auf den Hersteller Komusina. Das Interesse von Diers  an den deutschen Absenderfreistemplern war breit angelegt. Er versuchte möglichst viele neue Anwender zu dokumentieren und er hatte sich bedruckte Adresskärtchen  zugelegt, um nach Zuschrift  die Abschläge zu erhalten und dazu  ein folgendes Beispiel schon aus dem Februar 1927  mit der Kaffeesurrogatfabrik von Otto E. Weber  aus Radebeul und ihrem  Francotypfreistempel.

Die Möglichkeit mit den Freistempelabschlägen  Absender, Werbung und zugehörige Ortschaften zu dokumentieren, brachte neben den Briefmarken endlich eine „Individualwelt“  und konnte entsprechend persönlich differenziert gesammelt werden.
Schon früh machte sich Diers Gedanken zur möglichen Katalogisierung  dieses neuen Gebietes und veröffentlichte seine Gedanken mit einem Vorwort zum Geleit von Ernst Ehrmann im Dezember  1929 in der „Deutschen Briefmarken-Zeitung“.

Diers  beschreibt die Anfänge der Absenderfreistempel beginnend Februar 1923 mit den postamtlichen  Versuchen, die im Postnachrichtenblatt 7. März 1923 aus München  veröffentlicht wurden und dies in korrekter Form.

Hier liegt nun aus dem RPM  vom 27.  Februar 1923 eine fehlerhafte Version mit dieser Information vor mit einem kleinen aber  bedeutungsvollen Zahlenfehler.

Berlin spricht von 5 möglichen Gebühren oder ein Mehrfaches in der Stempelglocke des Freistemplers Typ A. Es war allerdings nur möglich, wie dies in München korrekt angekündigt wurde,  die Stempelglocke mit 4 verschiedenen Freistempelplatten zu bestücken. Auch der Hinweis auf ein Mehrfaches ist etwas schwierig zu verstehen. Der Anwender konnte selbstverständlich eine 2. oder 3. Stempelglocke mit seinen Wunschwertbeträgen mieten. Denn diese Freistempler A, B und C waren anfangs Eigentum der Post. Dazu sicherlich demnächst mehr von H.-J. Förster in den FG – Berichten der Arge Post- und Absenderfreistempel. Dürst und Eich kannten damals keinen Schriftverkehr und keine Abbildungen zum Furtwängler und seiner  Stempelglocke und gingen daher stets von 5facher Belegung der Stempelglocke aus. Durchaus  verständlich nach der fehlerhaften RPM - Information aus Berlin!

Der Typ A war der Firma L. Furtwängler Söhne zugeordnet, der Typ B  dem Bafra-Werk in Berlin und C dem Anker- Werk in Bielefeld. Diese postamtlichen Versuche wurden zwangsweise durch die Hochinflation  beendet und noch Ende 1923 schlossen sich die Firmen auf Druck des Reichspostministeriums  zunächst zur Postfreistempler GmbH und nach 2 weiteren Jahren zur Francotyp – Gesellschaft zusammen. Neue Freistemplerautomaten wurden entwickelt und ab Ende 1924 und Anfang 1925 erneut eingeführt.

Hier liegt nun schon ein erstes Verständnisproblem an, die alten Bezeichnungen A, B und C wurden beibehalten, aber neu zugeordnet. Der Freistempler A war nun der gewichtige Apparat A der Ankerwerke für Großkundenbetrieb vierstellig bis 99,99. 

B  war ebenso wuchtig in seinen Maßen und war für eine mittlere Gebrauchsdimension  durch die Bafrawerke geplant worden und hatte den höchsten Einstellungsbetrag dreistellig mit 9,99 Reichsmark.

A und B Freistempler wurden elektrisch betrieben (konnten aber notfalls mit Handkurbel bedient werden), hatten die Werteinstellung im Registrierkassensystem und rechneten über Wertkarten ab. C wurde der kleine Francotyp mit Handkurbelbetrieb. Er wurde anfangs  durch Bafra, Berlin allein seit dem August 1928 produziert und seit dem April 1929 erfolgte seine Herstellung auch in  den Ankerwerken Bielefeld.

Dem Typ C entsprach auch ein kurzfristiger Versuch der Bafrawerke mit einem Kleinstempler aus dem Jahresanfang 1926 als Vorläufer zum C - Freistempler unter dem Begriff  Simplex bei nur einem bekannten Anwender (Hildebrand).

Die Typen D und E wurden 1928/29 Komusina zugeordnet, waren als Handroller konzipiert und rechneten über einen eingebauten  Portosummenzähler ab. D und E unterschieden sich ebenfalls nur in den maximalen Abrechnungsbeträgen und der Typ E war angekündigt, kam aber aus Konkursgründen 1931 nicht mehr zur Produktion.

Ein neuer kleiner Freistempler aus Furtwangen unter F wurde wohl 1926 mit einer Maschine  bei einem Anwender (Berliner Bankverein AG) betrieben und ist wie die Simplex von Bafra als Vorläufer des C- Modells  anzusehen.

                          Im Jahr 1930 wird erstmals das C – Modell unter Cm mit elektrischem Betrieb angeboten

Zurück aber zu den  postamtlichen Vorläufern aus dem Jahr 1923 mit dem „Furtwängler“ aus dem Konzern G. Wohlmuth & Co. in Furtwangen. H.-J. Förster entdeckte nach der Wiedervereinigung  im Postmuseum an der Leipziger Strasse in Berlin und im Bundesarchiv Potsdam  zur Postautomation mit Freistemplern dazu  eine Betriebsanleitung zum Freistempler A ausgegeben  von der DEUTSCHEN REICHSPOST.

In der Philatelisten-Zeitung (Glasewald-Verlag) veröffentlichte Diers im Jahr 1929 seine Katalogversion  zu den Freistemplern und dazu  zunächst seine Ausführung zu diesem Freistempler A  Februar bis September 1923 gefertigt in der Uhrenfabrik Furtwängler. Die Schriftführung zum Freistempler A mit dem Reichspostministerium in Berlin und München und den geplanten Anwendern  lief jedoch über die Konzernmutter  G. Wohlmuth & Co. in Furtwangen. Die zugehörige Abbildung zum Abschlag des Furtwänglers A 16  in der Wertstufe 060  und dem Absender Rudolf Becker  wird wohl ein Belegstück aus der Sammlung Diers  gewesen sein.

Schon an dieser Auflistung ist erkennbar, dass unser heutiges Wissen  zum „Furtwängler“ nach fast 100 Jahren  inhaltsvoller ist, als es für  die damaligen Zeitzeugen anscheinend war!

Fortsetzung folgt
  



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