Deutsche Postautomation

Informationen zur deutschen Postautomation im Bereich Freimachung,
Briefannahme, Schalterbetrieb und Briefbearbeitung.



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Absenderfreistempel – eine   Katalogstudie (09.08.2017)

Mit einer übersichtlichen Ausarbeitung möchte ich einmal das Katalogwerk zu den ersten Absenderfreistempeln  beleuchten, um auch eine kleine Anleitung zur Entwicklung und zum Verständnis in dieses philatelistische Gebiet zu  geben und eventuell auch Interesse und  mögliche nähere Beschäftigung zu wecken und zu erleichtern.  Das kleine Katalogensemble von 1929 über die Jahre 1933, 1940, 1944, 1953, 1959 bis in die Gegenwart  dokumentiert die Erkenntnisse zu den Absenderfreistemplern. Erstaunlich ist anfangs die lückenhafte Vorstellung  zu den seltenen Vorläufern, die verständlicherweise aus den wenig bekannten Belegstücken resultierte.

Details zur speziellen  Maschinenentwicklungen und technische  Fakten  der  Konstrukteure und ihrer Firmen oder Zulieferern sind in diesem Zusammenhang nicht  geplant. Hier verweise ich auf die Ausarbeitungen der Forschungsgemeinschaft Post- und Absenderfreistempel e.V. und aktuell stehen gerade dazu neue erstaunliche Forschungsergebnisse durch Herrn Hans-Joachim Förster und seiner unermüdlichen Archivsuche an. Unser aktuelles Wissen ist daher nach fast 100 Jahren deutlich besser fundiert als bei den damaligen Zeitzeugen der Maschineninstallation!

Die folgende kurze Übersicht soll daher explizit auf die durchaus übersichtliche Katalogentwicklung zu den  deutschen Absenderfreistempeln  etwas eingehen  und beschränkt sich auf den  ungefähren Zeitraum von den postamtlichen Vorläufern seit dem Jahr 1923 bis zu den Standardformen  und  endet  mit den 1990er Jahren.

Die Absenderfreistempel folgten ca. 15 Jahre den Postfreistempeln  nach und weckten das Interesse einer sicherlich übersichtlichen kleineren Sammlergruppe, die dieses neue Postautomationsgebiet beobachteten und  verfolgten und schon nach 5 Jahren  den ersten  unbeachteten  Anfängen  für ihr spezielles  Sammlungsgebiet „nachtrauerten“ !

Heiner Dürst war sicherlich ein Sammler der ersten Stunde, der bereits früh weltweit sich dem Gebiet der Freistempel zuwandte, aber auch Wegbereiter  für die deutsche Katalogisierung wurde und dazu an späterer Stelle mehr. Ebenso sollten  in diesem Zusammenhang der Einführung zu den Firmen- bzw. Absenderfreistempeln auch noch die Sammler Dr. Nipko, Johannes Nawrocki, Werner Simon und Ruprecht Glasewald nicht vergessen werden. Sicherlich ist hier ferner Helmut Diers  mit an erster Stelle anzuführen und auch Ernst Ehrmann war ein begeisterter Sammler der  Anfangszeit und spezialisierte sich dabei zusätzlich noch auf den Hersteller Komusina. Das Interesse von Diers  an den deutschen Absenderfreistemplern war breit angelegt. Er versuchte möglichst viele neue Anwender zu dokumentieren und er hatte sich bedruckte Adresskärtchen  zugelegt, um nach Zuschrift  die Abschläge zu erhalten und dazu  ein folgendes Beispiel schon aus dem Februar 1927  mit der Kaffeesurrogatfabrik von Otto E. Weber  aus Radebeul und ihrem  Francotypfreistempel.

Die Möglichkeit mit den Freistempelabschlägen  Absender, Werbung und zugehörige Ortschaften zu dokumentieren, brachte neben den Briefmarken endlich eine „Individualwelt“  und konnte entsprechend persönlich differenziert gesammelt werden.
Schon früh machte sich Diers Gedanken zur möglichen Katalogisierung  dieses neuen Gebietes und veröffentlichte seine Gedanken mit einem Vorwort zum Geleit von Ernst Ehrmann im Dezember  1929 in der „Deutschen Briefmarken-Zeitung“.

Diers  beschreibt die Anfänge der Absenderfreistempel beginnend Februar 1923 mit den postamtlichen  Versuchen, die im Postnachrichtenblatt 7. März 1923 aus München  veröffentlicht wurden und dies in korrekter Form.

Hier liegt nun aus dem RPM  vom 27.  Februar 1923 eine fehlerhafte Version mit dieser Information vor mit einem kleinen aber  bedeutungsvollen Zahlenfehler.

Berlin spricht von 5 möglichen Gebühren oder ein Mehrfaches in der Stempelglocke des Freistemplers Typ A. Es war allerdings nur möglich, wie dies in München korrekt angekündigt wurde,  die Stempelglocke mit 4 verschiedenen Freistempelplatten zu bestücken. Auch der Hinweis auf ein Mehrfaches ist etwas schwierig zu verstehen. Der Anwender konnte selbstverständlich eine 2. oder 3. Stempelglocke mit seinen Wunschwertbeträgen mieten. Denn diese Freistempler A, B und C waren anfangs Eigentum der Post. Dazu sicherlich demnächst mehr von H.-J. Förster in den FG – Berichten der Arge Post- und Absenderfreistempel. Dürst und Eich kannten damals keinen Schriftverkehr und keine Abbildungen zum Furtwängler und seiner  Stempelglocke und gingen daher stets von 5facher Belegung der Stempelglocke aus. Durchaus  verständlich nach der fehlerhaften RPM - Information aus Berlin!

Der Typ A war der Firma L. Furtwängler Söhne zugeordnet, der Typ B  dem Bafra-Werk in Berlin und C dem Anker- Werk in Bielefeld. Diese postamtlichen Versuche wurden zwangsweise durch die Hochinflation  beendet und noch Ende 1923 schlossen sich die Firmen auf Druck des Reichspostministeriums  zunächst zur Postfreistempler GmbH und nach 2 weiteren Jahren zur Francotyp – Gesellschaft zusammen. Neue Freistemplerautomaten wurden entwickelt und ab Ende 1924 und Anfang 1925 erneut eingeführt.

Hier liegt nun schon ein erstes Verständnisproblem an, die alten Bezeichnungen A, B und C wurden beibehalten, aber neu zugeordnet. Der Freistempler A war nun der gewichtige Apparat A der Ankerwerke für Großkundenbetrieb vierstellig bis 99,99. 

B  war ebenso wuchtig in seinen Maßen und war für eine mittlere Gebrauchsdimension  durch die Bafrawerke geplant worden und hatte den höchsten Einstellungsbetrag dreistellig mit 9,99 Reichsmark.

A und B Freistempler wurden elektrisch betrieben (konnten aber notfalls mit Handkurbel bedient werden), hatten die Werteinstellung im Registrierkassensystem und rechneten über Wertkarten ab. C wurde der kleine Francotyp mit Handkurbelbetrieb. Er wurde anfangs  durch Bafra, Berlin allein seit dem August 1928 produziert und seit dem April 1929 erfolgte seine Herstellung auch in  den Ankerwerken Bielefeld.

Dem Typ C entsprach auch ein kurzfristiger Versuch der Bafrawerke mit einem Kleinstempler aus dem Jahresanfang 1926 als Vorläufer zum C - Freistempler unter dem Begriff  Simplex bei nur einem bekannten Anwender (Hildebrand).

Die Typen D und E wurden 1928/29 Komusina zugeordnet, waren als Handroller konzipiert und rechneten über einen eingebauten  Portosummenzähler ab. D und E unterschieden sich ebenfalls nur in den maximalen Abrechnungsbeträgen und der Typ E war angekündigt, kam aber aus Konkursgründen 1931 nicht mehr zur Produktion.

Ein neuer kleiner Freistempler aus Furtwangen unter F wurde wohl 1926 mit einer Maschine  bei einem Anwender (Berliner Bankverein AG) betrieben und ist wie die Simplex von Bafra als Vorläufer des C- Modells  anzusehen.

                          Im Jahr 1930 wird erstmals das C – Modell unter Cm mit elektrischem Betrieb angeboten

Zurück aber zu den  postamtlichen Vorläufern aus dem Jahr 1923 mit dem „Furtwängler“ aus dem Konzern G. Wohlmuth & Co. in Furtwangen. H.-J. Förster entdeckte nach der Wiedervereinigung  im Postmuseum an der Leipziger Strasse in Berlin und im Bundesarchiv Potsdam  zur Postautomation mit Freistemplern dazu  eine Betriebsanleitung zum Freistempler A ausgegeben  von der DEUTSCHEN REICHSPOST.

In der Philatelisten-Zeitung (Glasewald-Verlag) veröffentlichte Diers im Jahr 1929 seine Katalogversion  zu den Freistemplern und dazu  zunächst seine Ausführung zu diesem Freistempler A  Februar bis September 1923 gefertigt in der Uhrenfabrik Furtwängler. Die Schriftführung zum Freistempler A mit dem Reichspostministerium in Berlin und München und den geplanten Anwendern  lief jedoch über die Konzernmutter  G. Wohlmuth & Co. in Furtwangen. Die zugehörige Abbildung zum Abschlag des Furtwänglers A 16  in der Wertstufe 060  und dem Absender Rudolf Becker  wird wohl ein Belegstück aus der Sammlung Diers  gewesen sein.

Schon an dieser Auflistung ist erkennbar, dass unser heutiges Wissen  zum „Furtwängler“ nach fast 100 Jahren  inhaltsvoller ist, als es für  die damaligen Zeitzeugen anscheinend war!

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
1. Fortsetzung  1.9.2017


Helmut Diers listete  im Jahr 1929  die ihm bekannten Anwender des Freistemplers Typ Furtwängler  nach der fortlaufenden Nummer im  Absenderfeld beginnend von A1 bis A 26 auf und registrierte  damit  lückenhaft 13  Nutzer, die einen solchen Absenderfreistempel durch die Reichspost angemietet hatten. Man freute sich über diese schon damals  seltenen Belege  und bewundert wurde ein erstes Bildmotiv mit dem Schornsteinfeger als Schutzmarke der Firma Carl Genter aus Göppingen.

Erst 90 Jahre später wurde der Anwender A19 mit der Schuhfabrik SIGLE & Cie  in  Kornwestheim  entdeckt und damit  kann ein zweites Bildmotiv mit dem Salamander  als Schutzmarke im Furtwängler dokumentiert werden. Bei nur gut 14tägiger Anwendung vom 6. bis 26. August 1923 des A 19  war die Seltenheit vorprogrammiert.

                                           dazu noch beispielhaft alte Reklamemarken mit den jeweiligen Firmenlogos

Im Katalog von Georg Moser aus dem Jahr 1933 zur Inflationszeit  1919 bis November 1923 hatten Ernst Ehrmann und Johannes Nawrocki die Abhandlung des Kapitels zu den Barfreimachungen übernommen und damit  eine lesenswerte Katalogisierung  dokumentiert.
 
Dabei können Ehrmann und Nawrocki 1933 erstmals die geplanten und teils genutzten Wertrahmenplatten aus der RPM – Veröffentlichung vorstellen, die in der nachfolgenden Abbildung schon die Kennzeichnungen I bis III und A bis E erhalten haben, die Dürst dann im Jahr 1944 eingeführt hat.

Ehrmann und Nawrocki führen im Jahr 1933 dann schon 17 Anwender des Furtwängler Freistemplers an, beklagen den Mangel einer postamtlichen Auflistung  und gehen  von weiteren Dokumentationslücken aus und dies erst 10 Jahre nach  der  wenn auch kurzfristigen  Nutzungszeit.

Ehrmann und Nawrocki listeten damals  die bis dahin bekannten Wertstufenplatten nicht auf und an eine Zuordnung zu den Anwendern war materialmäßig schon gar nicht bei der begrenzt bekannten Zahl sinnvoll.  Auch dieser Schritt war erstmals dann bei Dürst im Jahr 1944 zu beobachten
Ruprecht Glasewald hatte im Jahr 1933 ebenfalls im G. Moser Verlag, Immenstadt einen Freistempel General – Katalog der Firmenfreistempler weltweit veröffentlicht und daraus nachfolgend die kurze Notiz zum Furtwängler aus dem Jahr 1923. Die  Beschreibung ist nicht besonders informativ, spiegelt aber mit einer ersten Preisangabe von 20 Reichsmark zur damaligen Zeit im Jahr 1933 einen recht ansehnlichen  Geldbetrag wieder.

Vor der wesentlichen Ausarbeitung von Heiner Dürst 1944 ist zunächst noch diesbezüglich eine Vorstellung aus dem Freistempelkatalog von Albert H. Harris aus dem Jahr 1940 in der 3. Ausgabe anzuführen. Harris nimmt Bezug auf die Ausführungen im Moserkatalog, gibt aber erstmals Wertstufen an, die seltsamerweise differenzierter sind als 4 Jahre später bei Dürst, der sicherlich den besten Wissensstand hatte. Eine Informationsquelle zu diesem Umstand ist mir nicht bekannt. Dazu folgend die Katalogabbildung,  ein Abschlag vom Typ Furtwängler A1 und die zugehörigen Beschreibungen.


                                        die obige Abbildung des Furtwänglers A 1 stammt aus der Mitteilung des RPM


Im lesenswerten Spezialkatalog der Absenderfreistempel des Deutschen Reiches von Heiner Dürst, Rüschlikon Schweiz aus dem Jahr 1944 und einseitig bedruckten  stattlichen 57 Seiten DIN A 4 werden nun schon folgende 20 Anwender des Furtwängler Freistempler A aufgelistet:
 

Der obigen Auflistung liegt noch nicht die Veröffentlichung des RPM zu Grunde, sondern Dürst  führt damit eigene bzw. durch Sammlerkontakte  aufgefundene Absenderfreistempel  als Quelle an. Seine  Stempelsammlung von ca. 15 Furtwänglerbelegen ging übrigens später  nach meinem Kenntnisstand an das Postmuseum in Frankfurt. Dürst listet auch erstmals  die Wertrahmenplatten mit den jeweils bekannten Wertstufenplatten auf und kann 20 verschiedene Kombinationen anführen ohne Bezug zu den Anwendern:
 
Die Bekanntgabe der Wertrahmenplatten durch das RPM hatte Dürst, wie oben schon vorgestellt,  mit I bis III und A bis E  modifiziert. DII bis EIII kamen wohl nicht mehr durch die Hochinflation zum Einsatz und das Wertstufenfeld ist 20 Jahre nach der kurzfristigen Anwendung doch recht übersichtlich gewesen. Dazu gibt es aktuell ein anderes Bild mit weiteren bekannt gewordenen Wertstufen, aber zunächst einmal die weitere Katalogvorstellung.

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
2. Fortsetzung  13.09.2017

Schon im Jahr 1953  stehen Veränderungen zum Furtwängler - Freistempel im Weltkatalog von S. D. Barfoot und Werner Simon (The METER POSTAGE STAMP CATALOUGE)  an. Die Wertziffernplatte zu 360 wird hinzugefügt, 4000 und 8000 werden belassen, obwohl diese Werte bei Dürst 1944 nicht aufgelistet wurden.


                                   als Freistempelabschlag verwenden sie die Abbildung  des RPM  aus dem Jahr 1923

Im Mai 1959 veröffentlichte Dürst dann in Zusammenarbeit mit Glasewald einen lesenswerten Katalog der deutschen Freistempel als Heft Nr. 34/35 in der NEUEN SCHRIFTENREIHE  DER  POSTSTEMPELGILDE  „RHEIN-DONAU“.

Da den Autoren wohl die Nummerierung nach Anwendern durch weitere befürchtete unbekannte Firmen zu unsicher war, listeten sie nun nach den bis damals bekannten Wertstufen von 10M bis 8000 mit 1 bis 21 auf und haben vor knapp 60 Jahren doch recht ansehnliche DM – Preise dafür angesetzt. Für „Lupenbetrachter“ bedarf es allerdings des Hinweises, dass die handgravierten Wertstufenplatten auch bei gleichen Beträgen dennoch Unterschiede aufweisen!

Aber bei diesen „geheimnisvollen Freistemplern“  tauchen auch nach über 80 Jahren noch neue Wertstufen auf und bringen dadurch jede fortlaufende Nummerierung nach Wertstufen ins Wanken. Die Wertrahmentypen nach RPM – Vorgabe wurden und werden jedoch stets seit 1944 beibehalten mit der Kennzeichnung A, B, C, D, E und I, II, III nach Dürst, wobei zu vermerken ist, dass ab DII nun seit fast 100 Jahren kein Beispiel gefunden wurde und damit vermutlich auch  im Jahr 1923 nicht mehr eingesetzt wurden.

In der Neuauflage DIE DEUTSCHEN POST- UND ABSENDERF-FREISTEMPEL als Heft Nr. 90 in der NEUEN SCHRIFTENREIHE DER POSTSTEMPELGILDE „RHEIN-DONAU“ durch die Autoren Heiner  Dürst und  Gerd Eich im Jahr 1980  findet  sich sowohl in der Wertrahmen - als  auch Wertstufenvorstellung  keine Änderung, jedoch konnte ein Vermerk  des Reichspostministeriums vom 15.1.1924   entdeckt  und vorgestellt werden mit einer Angabe  zu den Anwenderfirmen und ihren entsprechenden Einsatzzeiten. Letztere Daten machen dann die Seltenheit deutlich mit teils extrem kurzfristigen Nutzungen im Postaufkommen im Jahr 1923 und vermutlich landete auch mancher Beleg unbeachtet  im Papierkorb!

Schon in der erneuten Neuauflage DIE DEUTSCHEN POST- UND ABSENDERF-FREISTEMPEL von Heiner Dürst und Gerd Eich dann im Jahr 1996 und nun in der Schriftenreihe der Forschungsgemeinschaft Post- und Absenderfreistempel finden sich zwischenzeitlich  neu entdeckte Wertstufen und führten zu einer Neunummerierung von 1 bis 25 und die alten Listennummern wurden in Klammern dahinter gesetzt. Der  Preisansatz stammt weiterhin noch aus DM – Zeiten.

Man war sich wohl mittlerweile nicht mehr sicher, was es noch evtl. an Wertstufen zu entdecken gibt und lies die weitere Typenauflistung mit dem Bafra – Freistempler erst wieder mit der Nummer 28 beginnen („bitte  daher nicht nach Nr. 26 bis 28  im Katalog suchen“)!
Erstaunlicherweise wird tatsächlich die Liste der Wertstufenverwendungen in den Furtwängler Freistempelmaschinen auch nach 90 Jahren noch länger!



Mit dem Buchstaben M sollten die Wertstufen laut Reichspostzulassung für die postamtlichen Freistempler  A aus Furtwangen unterhalb von 100 Reichsmark zusätzlich gekennzeichnet werden. Wie aus der Auflistung erkennbar, wurde die Regel nicht konsequent befolgt. Bei zunehmend steigenden Portowerten war ja nicht nur die Wertziffer zu ersetzen, sondern dann auch noch das M zu entfernen, obwohl davon auszugehen ist, dass für eine neue Stempelglockenbesetzung  durch die rasch fortschreitende  Inflation stets neue Wertplatten graviert wurden. Ab August 1923 war mit 3 Wertzahlen schon überhaupt  kein Auskommen mehr möglich. Interessant ist dann der Versuch  einmal  die Wertstufen nach den Wertrahmen  und den Anwendern mit Anzahl der bekannten Abschläge aufzulisten.
Im Menüpunkt FURTWÄNGLER – erster deutscher Absenderfreistempel  auf der hiesigen Homepage finden sich dann weitere Ausführungen  zum Furtwängler insbesondere auch eine Aufstellung  der bis dato insgesamt bekannten Furtwängler Freistempelabschläge (mein damaliger Wissensstand aus dem Jahr 2011). Zur Auflistung wurde dort das primäre Ordnungsmerkmal ebenfalls mit der Wertstufe gewählt. Es folgt dann die mögliche Wertrahmenzuordnung  aufsteigend über A I, II, III über B I usw. bis D I. Dieser Wertrahmenzuordnung wurden zusätzlich die möglichen  Anwender aus A 1 bis A 32  hinzugefügt und in Klammern die bekannte Auflagenzahl pro Anwender! Überschlägig lassen sich dann die möglichen Mengen abschätzen. Aber auch zu dieser Auflistung gilt die Aussage des verstorbenen  langjährigern Leiters der philatelistischen Bibliothek in München und weltweit agierendem Freistempelsammler Otto Gleixner, dass praktisch jeder Furtwänglerbeleg  nach den aufgeführten Differenzierungsmöglichkeiten selten ist und häufig ein Unikat darstellt. Bei ca. nur  200 bekannten derartigen Freistempelbelegen verteilt auf 21 Anwender  gibt es Firmen mit nur einem bekannten Abschlag  und andere Anwender bis maximal  ca. 20 Belegen, die sich aber durch die oben aufgeführten Unterscheidungskriterien nach Wertrahmen und Wertstufe weiter ausdifferenzieren lassen. Gleiche Wertstufen in gleichen Wertrahmenplatten bei gleichem Anwender reduzieren sich in einigen wenigen Fällen maximal auf ca. 4 bekannte Belege. Die Maschinen liefen eben recht kurzfristig von Februar bis November 1923. Durch die ferner noch verschiedenen Wertstempel, Wertrahmen und Absenderfirmen reduziert sich entsprechend weiterhin das Spektrum, dennoch ist die Preisfindung im Vergleich zum Briefmarkensektor relativ moderat für solche Exoten. Die anstehende Inflation machte schließlich die Darstellung von Portowerten in den „Stempelglocken“  des Furtwänglers hinfällig und beendete den Einsatz. Einige weinige handschriftliche  Notlösungen  der Wertangabe finden sich bis dato nur bei dem Anwender A16  und U.G. Ulrich Gminder, Reutlingen (Abb. Sammlung C. Wapler).

Damit soll die Katalogvorstellung zum Furtwängler abgeschlossen werden. Der Typ A war, wie bereits vorgestellt, der Firma L. Furtwängler Söhne zugeordnet, der Typ B  der Bafra -Maschinenfabrik  in Berlin und C dem Anker - Werk in Bielefeld. Diese postamtlichen Versuche wurden alle zwangsweise durch die Hochinflation  beendet und noch Ende 1923 schlossen sich die Firmen auf Druck des Reichspostministeriums  zunächst zur Postfreistempler GmbH und nach 2 weiteren Jahren zur Francotyp – Gesellschaft zusammen. Neue Freistemplerautomaten wurden entwickelt und ab Ende 1924 und Anfang 1925 erneut eingeführt und  der nächste postamtliche Vorläufer war dann der Freistempler B1  der Berliner Maschinenfabrik  Bafra in Berlin. Folgender Freistempler wurde  mir im Bild (linksseitig) von Gerd Eich vor ca. 20 Jahren zur Verfügung gestellt.

Die Bezeichnung links wäre eigentlich erst ab dem Jahr  1925 mit B1 erst unter Francotyp möglich gewesen. Zunächst gab es ja nach der Hochinflation nur die oben angeführte Postfreistempler GmbH. Aspektmäßig ist hier der linke Freistempler B1 jedoch recht ähnlich der späteren C. Evtl. ist aber auch der linke Freistempler dem kurzfristigen Versuch der Bafrawerke mit einem Kleinstempler aus dem Jahresanfang 1926 als Vorläufer zum C - Freistempler unter dem Begriff  Simplex bei nur einem bekannten Anwender (Hildebrand) zuzuordnen! Vielleicht wird es sich noch klären lassen, ob der linke Maschinentyp für die postamtlichen Vorläufer unter B1 (s. nachfolgende Abbildung) laut RPM – Verfügung  Februar / März 1923 verantwortlich war.

Dieser vorstehende Freistempler B1 Typ kam dann vom 19. April 1923 bis Ende Mai 1923 beim Reichsfinanzministerium  zum Einsatz. Wie schon erwähnt, wurde bei Bafra das Registrierkassensystem zur Werteinstellung genutzt und in diesem Fall 3stellig mit vorangestelltem M.

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
3. Fortsetzung  24.09.2017

Helmut Diers stellt dann im Jahr 1929 in der Philatelisten-Zeitung die postamtlichen Vorläufer der Berliner Maschinenfabrik vor mit der Maschinenkennung BAFRA = B1  und dem Wertstempel in Rechteckform und DEUTSCHERS REICH mit Verwendung im Reichsfinanzministerium und mit einem Achteckrahmen bei den Scheringwerken in Berlin und gibt den gesamten Verwendungszeitraum  mit  Febr.-Juni – Aug.1923 an.

Ehrmann und Nawrocki im Jahr 1933 nutzen ebenfalls die Bildillustration des RPM zum B1  im Reichsfinanzministeriums Berlin W 66 mit der fortlaufenden Zählnummer 4541 und den  Scheringwerke Berlin N 39 mit der Zählnummer von Diers und schreiben lediglich in dem Katalog Moser im Jahr 1933 dazu folgenden Vierzeiler:

Albert H. Harris aus London beschreibt dann im Jahr 1940 nur den B1 – Freistempler des Reichsfinanzministeriums  und nutzt ebenfalls die RPM – Abbildung aus dem Jahr 1923 zur Stempelillustration. An der B1-Freistempelabbildung des Reichsfinanzministeriums aus dem RPM – Mitteilungen  aus dem Jahr 1923 hat sich in keiner weiteren Katalogerstellung etwas geändert, stets wurde der bekannte Abschlag unter  der fortlaufenden Zählummer 4541 vorgestellt.  An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass nur bei der Komusina die  senkrechten Zahlenangaben im Freistempelabschlag den fortlaufender Portobetrag druckten, alle anderen Freistempler nutzen nur eine stetige Abschlagzählung zur leichteren Überwachung der Anwendung. Hier ging es schlicht um die schnelle Erkennung der unredlichen Nutzung nach Feierabend. Heiner Dürst  gab dann 1944  die  bis dato bekannten Wertstufen bei Bafra B1 mit  M40, M100, M120 und M150 an und führte den Zeitraum Zeit von April bis Mai 1923 an und  vermutete dann eine Umrüstung dieses Freistemplers zur Anwendung bei Schering in der Zeit von Juni bis Juli 1923 mit neuem Achteckwertrahmen. Diese Annahme der Umrüstung des einzigen B1-Freistemplers hat sich übrigens seither weder bei Glasewald oder Eich geändert. Im Dürst / Eich – Katalog im Jahr 1996 wird diese Weiterverwendung bei den Scheringwerken nach Aktenlage des RPM bestätigt und  die Verwendungszeit bei Schering allerdings bis in den August 1923 verlängert. An dieser Stelle noch der Hinweis, dass die Freistempler aus dieser Zeit noch kein Verwendungsdatum ausdruckten und damit die postseitige Tagesstempelung zusätzlich erforderlich war, was eigentlich mit der  Einführung der Absenderfreistempel bezüglich des Rationalisierungseffektes inkonsequent war. Erst ab Herbst 1924 wurde die Ortsangabe und Datum mit dem zusätzlichen Ortstagesstempel im Freistempler zur Portoangabe mit Wertrahmen  und  der Absenderbezeichnung hinzu integriert. Schon früh erkannte man auch die firmenbezogene Werbemöglichkeit im Freistempel und ich verweise noch einmal auf die Furtwänglerabschläge der Anwender A15 und A19 aus dem Jahr 1923 mit dem Bild des Schornsteinfegers und dem Salamander bei den Firmen Gentner, Göppingen und Salamander, Kornwestheim.

Folgende Abbildung dokumentiert dann die Bafra B1 Maschine mit dem Einsatz beim Reichsfinanzministeriums  als Briefsendung und korrekt zugesetztem Posttagesstempel mit Datum vom 7.5.1923.

Der nachfolgende Briefumschlag vom Reichsfinanzministerium belegt ferner die gleiche Wertstufe, wie oben abgebildet als Brieftelegrammversion und datiert mit Datum vom 8. Mai nur 24 Stunden später, denn der Postamtstagesstempel Berlin W 66 hat ebenfalls die Einsatzuhrzeit nachmittags von 4-5 N. Die Zählwerkdifferenz von 4605 bis 4811 liefert uns mit 206 Freistempelabschlägen innerhalb eines Tages eine erhebliche Nutzungsfrequenz, dennoch gilt es diese Freistempelvorläufer  aus der knapp 6wöchigen Erprobungszeit zunächst einmal zu entdecken und zu beachten! 

Ruprecht Glasewald  listet bei Moser im Freistempel General – Katalog  für die ganze Welt im Jahr 1933 dann den Bafra B1 nach der Schering-Umrüstung unter der  fortlaufenden Nummer 4 an und nutzt auch in diesem Fall die Abbildung mit dem Absenderfreistempel und der Zählnummer 0199.

                  Diese Bildvorstellung wiederholt sich abermals 1944 bei Heiner Dürst mit folgender Textbeschreibung:

Während Harris, London diesen Freistempler nicht (!) aufführt, wird er ohne Abbildung bei Barfoot und Simon im Jahr 1953 zwar erwähnt, aber ebenfalls nicht abgebildet.
Nur bei Dürst findet sich 1944 eine Erwähnung der bis damals  bekannten Wertstufen. Spätere Autoren verzichten gänzlich auf eine entsprechende Auflistung trotz der vermutlich gering bekannten Belege zu B1 Schering, die im Dürst/Glasewald schon 1953 mit DM 120,00 als Preisansatz bewertet sind. Bei Dürst/Eich findet sich dann die fortlaufende Nummerierung unter Nummer 30 und in Klammern (Nr. 24)  gesetzt die Registrierung aus dem Jahr 1980. Der Preisansatz gilt weiterhin im DM – Bereich.

Zur Abbildung kommen nachfolgend Belegbeispiele unter der Zählnummer 5474 und Wertbetrag M200. Die Nutzung bei Schering in den 3 Monaten von Juni bis August 1923  war sicherlich erheblich. Das Zählwerk addierte bis 9999 und startete dann erneut. So findet sich z.B.  mit Datum vom 29.6.1923 die Zählziffer 9765 und am 6.8.1923 mit 4462 ein niedrigerer Wert! Zu den aufgelisteten Wertstufen bei Dürst 1944 sind mir zusätzlich noch bekannt M020, M200, M400 und 1000 (im 4stelligen Wertbereich fiel die M – Kennung weg). Zum Schering B1 entsprechende  Belegillustrationen aus Juli und August 1923.

Gemäß der Reichspostpläne zur Firmennutzung von Freistemplern waren schon Patententwicklungen (Ausschnitt) auch bei den Ankerwerken in Bielefeld im Jahr 1922 ausgereift für einen postamtlichen Absenderfreistempeleinsatz und führten damit zum postamtlichen Vorläufer C1 mit Nutzung ebenfalls im Reichsfinanzministerium in Berlin und dort in der Abteilung II.

Helmut Diers katalogisiert im Jahr 1929  mit einer  Abbildung aus dem RPM – Mitteilung aus dem Jahr 1923 den C1 Absenderfreistempel der Anker-Werke Bielefeld.

Ehrmann und Nawrocki beschreiben  den C1 Freistempler der Ankerwerke Bielefeld  mit nachfolgendem Textzusatz im Katalog Moser aus dem Jahr 1933.

Allerdings ist der Hinweis auf das Gründungsdatum der Francotyp – Gesellschaft im Jahr 1923 fehlerhaft. Ende 1923 schlossen sich die Firmen Furtwängler, Bafra und Anker auf Druck des Reichspostministeriums  zunächst zur Postfreistempler GmbH und erst nach 2 weiteren Jahren 1925 zur Francotyp – Gesellschaft zusammen.

Vorstehend die Katalogisierung von Ruprecht Glasewald 1933 bei Moser im Freistempel General – Katalog  für die ganze Welt im Jahr 1933 mit einem recht hohen Katalogwert für die damalige Zeit in Reichsmarkwährung.

Die Briefmarkensammler der damaligen Zeit registrierten teilweise schon die Postautomation mit Firmenfreistempeln und übertrugen ihre Sammlergewohnheiten  teils 1:1 auch auf die Maschinenabschläge und  schnitten den roten Stempelabschlag  gleich einer Briefmarke aus.

Die vorstehenden „traurigen“  Beispiele der Stempelausschnitte finden sich auch aktuell noch  bei modernen Abschlägen, sind hier gegebenenfalls noch zu tolerieren bei großzügigem Ausschnitt. Die postamtlichen Vorläufer jedoch aus der Zeit  1923 hatten aber keine Tagesangabe und machten den zusätzlichen Posttagesstempel erforderlich und in diesen Fällen ist also der zugehörige Posttagesstempel zumindest zusätzlich auf einem Briefausschnitt wünschenswert. Ideal ist natürlich der erhaltene Ganzbrief und hier folgend beispielhaft mit einem Absendervordruck des Reichsfinanzministeriums aus der Abtlg. II in der  Budapester Straße 14 versehen. Ferner findet sich der hinzugefügte Posttagesstempel vom Postamt W 9 mit Datum vom 25.5.1923  und rückseitiger  Ankunftsstempel  Gera vom 26.5.1923.

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
4. Fortsetzung   03.10.2017

Harris, London katalogisiert im Jahr 1940  den C1 Freistempler der Ankerwerke Bielefeld unter der Nummer 17 mit einer kurzen Beschreibung der Nutzung beim Reichsfinanzministerium (Feb. bis Aug. 1923)  und ohne Abbildung


Dürst, Rüschlikon  nutzt in seinem Spezialkatalog aus dem Jahr 1944 erneut die Abbildung aus dem Nachrichtenblatt des Reichspostministeriums mit der C1 -Maschine und der bekannten Zählnummer 1303. Als Verwendungszeit gibt er nur das Frühjahr 1923 an und kannte die Wertstufen im Registrierkassensystem zu M120 und M220.

Barfoot/Simon bieten in ihrer Auflistung im Jahr 1953 ebenfalls für den C1 - Freistempler keine Abbildung an, die kurze Beschreibung entspricht der Harris-Information und mit  RRR ordnet er die große Seltenheit der Abschläge ein. Dies entspricht auch dem Hinweis von Dürst aus dem Jahr 1944, der die Seltenheit  der Freistempelbelege des C1 - Freistemplers  von Anker deutlich höher ansetzt als die B1 - Belege von Bafra.

Dürst/Glasewald  beschrieben  den Freistempler C1 der Ankerwerke Bielefeld im Jahr 1959 mit folgendem Vierzeiler


Der Abbildungshinweis  mit Abb.144  entsprach wieder dem Abschlag aus der RPM – Mitteilung im Jahr 1923 mit der Zählnummer 1303. Interessant in diesem Fall der Hinweis auf drei Maschinen “C 1,C 2 und C 3“ für die Verwendungszeit Februar – August 1923.

Schon im  Katalog  Dürst / Eich aus dem Jahr 1980 wird diese Vision von 3 möglichen Maschinen aus diesem Zeitraum wieder verlassen und die Kennzeichnung C2  taucht erst wieder im Jahr 1924 auf mit 8eck-Wertrahmen und Anwender  COMMERZ – und PRIVAT – BANK  Berlin C2. Diese ständigen Katalogänderungen belegen die schwierige Forschungsszene  im Bereich der Absenderfreistempel aus der frühen Einführungszeit. Denn erstmals im Katalogwerk Dürst/Eich aus dem Jahr 1996 taucht dann tatsächlich ein weiterer C1 Abschlag der Ankerwerke auf aus dem Jahr 1923.


Ähnlich der Umrüstung des B1 Freistemplers von Bafra mit Einsatz bei Schering war wohl eine Umrüstung der C1 - Maschine  bei Anker für die Dresdner Bank in Berlin W8, Behrenstr. 35-39 vorgesehen, kam aber wohl nicht mehr zum Einsatz. Dürst/Eich schreiben vom einzig bekannten Musterabschlag (s. obige Abbildung) mit achteckigem Wertrahmen und ohne Zählziffer.

Neben den postamtlichen Vorläuferversionen der Absenderfreistempel  aus Furtwangen, Berlin und Bielefeld mit den Furtwängler- , Bafra- und Anker – Freistemplern ist an dieser Stelle noch Erich Komusin  anzuführen mit seinem Freistempler der  sog. „KOMUSINA“.

 
Zur  interessanten  zugehörigen ausführlichen  Schilderung dieses Freistemplers von Erich Komusin mit seiner kurzfristigen Einsatzzeit  und der „dramatischen“  Konkurrenzsituation zu Bafra und Anker bzw. später Francotyp möchte ich an dieser Stelle auf mein Buch und die Vorstellung dazu durch H.-J. Förster verweisen.


Zumindest an dieser Stelle auch einige Hinweise zur Katalogbeschreibung dieses Freistemplers. Diers greift im Jahr 1929 bei seiner Vorstellung auch auf die Essays  zur Komusina  zurück, die zu diesem Zeitpunkt in der Konkursmasse der Fa. Guhl, Hamburg auftauchten. Guhl war Hersteller der Erprobungsmaschinen von Erich Komusin.

Die postamtlichen Freistemplervorläufer mit entsprechender Abbildung beschreibt er dann  korrekt unter D1 (Reichs-Kredit-Gesellschaft Berlin) und D2 (Handelskammer Hamburg) nach der amtlichen Verfügung und nennt die Einsatzzeit von Oktober 1923 bis März 1924

Im Gegensatz zur Nutzung mittels Wertkarte bei Bafra und Anker hier der Hinweis auf den eingebauten Gebührenzähler mit senkrechtem linksseitigen Gebührensummenstempel.
Die Angabe der Einsatzzeiten der Komusina – Freistempler D1 und D2 variieren  erstaunlich  in den wenigen vorhandenen Katalogen. Gibt Diers allg. Oktober 1923 bis März 1924 an, haben Ehrmann und Nawrocki bei Moser 1930 die Essay-Ausgaben  sogar aufgelistet und eine genutzte D1 bei der Reichskreditanstalt in Berlin aus der Inflationszeit hier sogar eingereiht

                                                                           dazu mein Beleg ebenfalls vom 9.10.1923

Ehrmann und Diers berichten wohl vom Hörensagen von einer einzigen Postanwendung  in der HUNDERTAUSEND MARK - Version im Vorläufer „m“ ohne Dezimal-Punkt-Kennung im Werteindruck mit Verwendung des Komusina - Freistemplers D1 durch die Reichs-Kredit G.m.b.H.  Eichhornstr. 9 Berlin W9. DIERS berichtet von einem Originalbrief und EHRMANN spricht lediglich von einem Stempelexemplar  mit besagtem Datum vom 9.10.1923. Die Wertangabe sollte auf 8000 lauten  und die Gebührenzahl mit 087688 ausweisen - ex Sammlung Treitel (Berlin). Eine Abbildung hat  anscheinend bisher nirgends vorgelegen!  Ich möchte nun obigen Stempelabschlag ebenfalls vom 9.10.1923 im relativ großzügigen  Briefausschnitt vorstellen, der glücklicherweise  im Vordruck die Reichs-Kredit-Gesellschaft  als Absender führt und den erforderlichen Posttagesstempel vom Postamt Berlin W 9 mit Datum 9.10.1923 und mit Uhrzeit 8-9 V ausweist. Wie alle Komusina - Abschläge ist der Stempel recht schwach und im Kontrast verstärkt, aber ansonsten  relativ gut erkennbar. Der Werteindruck  mit 001.2 ist in diesem Fall mit  PUNKT  ausgestattet und wäre damit in  der Hochinflationszeit  mit 1.200.000 Papiermark z.B. für den Ortsbrief in der 2. Gewichtsklasse ab 20g logisch (19.Inflaperode im Posttarif).

                                  Glasewald beschreibt dann im Jahr 1933 bei Moser die Komusinaperiode   folgendermaßen

Dürst übernimmt  die Angaben zur Komusina im Jahr 1944 praktisch 1:1 von Ehrmann und Nawrocki  aus dem  Moserkatalog und  schreibt dazu als Kommentar nur von seltenen Belegstücken.

                                   Harris, London führt unter Komusin lediglich im Jahr 1940  Essayabschläge an

Die postamtlichen Vorläufer D1 und D2 waren wohl als Erkenntnis nicht bis London im Jahr 1940 vorgedrungen. Dies ändert sich allerdings dann bei Barfoot und Simon in ihrer Katalogausgabe im Jahr 1953 in London und dazu folgender Ausschnitt


Barfoot und Simon bezweifeln  den Einsatz in der Inflationszeit, geben allerdings dennoch für die D1 sogar den definierten Zeitraum 1.10.1923 bis 13.5.1924 an und für die D2 den 21.12.1923 bis zum 31.4.1924 an. Die Quelle für diese dezidierten Zeitangaben konnte ich nicht eruieren.

Auch unter Dürst/Glasewald im Jahr 1959 reicht ein kurzer Vierzeiler für die Vorstellung der Komusina – Freistempler D1 und D2  mit der Angabe zur Verwendungszeit vom Dezember 1923 bis zum April 1924 mit einem recht hohen Preisansatz.

Im Dürst/Eich 1980 wiederholt sich obige Angabe unter gleicher Preisvorstellung für diese seltenen Abschläge unter der Katalognummer 25. Zur Vervollständigung nachfolgend noch die entsprechende Vorstellung im Dürst/Eich aus dem Jahr 1996  und hier nun mit der geänderten Katalognummer unter 32.

Nachfolgend noch ein Belegbeispiel zur D1 mit Datum vom 31.3.1924 und korrekt  zugesetztem Tagesstempel.
 

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
5. Fortsetzung   13.10.17

Mit der RPM -  Verfügung 899 vom 2.11.1923 endete die anfängliche Serie der postamtlichen Vorläufer im Freistemplereinsatz aus der Entwicklungsperiode bis zur Inflationszeit. Neue Maschinentypen waren anschließend  in wenigen Modellen entwickelt worden und  ihr Einsatz erfolgte nach der Hochinflation  dann erstmals im Jahr 1924.

Bafra und Anker brachten 1924 jeweils einen Freistempler zum Einsatz mit kurzfristigem 2monatigen Einsatz im März und April. Kennzeichnend wurde dafür der Achteck-Wertrahmen  eingeführt mit 4stellig möglicher Wertangabe bei Bafra und bei Anker 3stellig mit vorangestelltem Stern. Die Absenderangabe war unter dem Wertrahmen angeordnet, aber ein Tagesstempelzusatz war noch nicht zu verzeichnen, hier war weiterhin also die Postnachbearbeitung erforderlich!

Diers  stellt  im Jahr 1929 diese beiden Freistempelabschläge in seiner Katalogstudie  mit obigen Abbildungen vor. Linksseitig abgebildet der Bafra – Versuchsfreistempel mit 4stelliger Ziffernfolge und Anwender COMMERZ – UND PRIVAT – BANK zugehörig Postamt Berlin C2 und rechts davon das Anker – Modell  3stellig mit vorangestelltem Stern mit Einsatz bei der Dresdner Bank in der Behrenstr. 35-39 und Postamt Berlin W 8. Die Einsatzzeit  postuliert Diers  einfach mit dem Frühjahr 1924 während bei Dürst/Eich 1996 für diesen Freistemplereinsatz  detaillierter März und April 1924 angegeben wird.

Ehrmann/ Nawrocki stellen bei Moser 1933 diese Freistempelform nicht (!) vor,  Glasewald  jedoch im gleichen Verlag 1933 und in seinem Freistempel - Weltkatalog kann mit folgenden Abbildungen und Beschreibungen aufwarten.

Das Bild des Freistempels der Commerz- und Privat-Bank lässt darauf schließen, dass sich Glasewald der Abbildungen von Diers bedient hat. Die erwähnte C-Form als dritter Freistempel war ohne Datumstempelzusatz in dieser Form nicht existent und könnte schon der Nachfolgemaschine  bei der Dresdner Bank in Berlin Behrenstr. 35-39  irrtümlich von Glasewald  zugeordnet worden sein, die allerdings dann erstmals mit Tagesstempelzusatz ausgestattet war.

Harris, London  bildet in seinem Katalog 1940 nur den Commerzbankstempel der Bafrawerke  in der Wertstufe zu 30 Pfennigen ab und kann das Ankermodell nicht vorstellen.

Auch Dürst beschreibt diese beiden seltenen Maschinen im Jahr 1944 lediglich ohne Abbildungen  und vermutet bei dem  Freistempler der Ankerwerke eine Einsatzzeit von März bis August 1924 und bezeichnet  die Stempelform als Vorläufer der späteren Francotyp A - Modelle. Für die Baframaschine  kann er auch nur das Frühjahr 1924 angeben und  sieht darin den Vorläufer der späteren Francotyp B - Modelle und dies allerdings in diesem einzigen Fall mit  einer 4stelligen Wertziffernangabe.

Barfoot und Simon, London  weisen in ihrem Weltkatalog zu den Freistemplern im Jahr 1953 diesen beiden Maschinentypen folgenden Text zu und mit RRR klassifizierten sie die Seltenheit. Als Abbildung griffen sie auf die Abbildung bei Harris zurück.


Dürst und Glasewald katalogisierten diese seltenen beiden Prototypen mit Achteckrahmen ohne Tagesstempelzusatz   im Jahr 1959 wie nachfolgend abgebildet und beschränkten die Anwendungszeit lediglich auf den März 1924.

                              die Postamtsbezeichnung Berlin  O2 ist fehlerhaft und lautet korrekt C2 für Charlottenburg

Im Dürst/Eich Katalog aus dem Jahr 1980 wird die Katalogisierung  aus dem Jahr 1959 von Dürst/Glasewald  identisch übernommen. In der Katalogüberarbeitung aus dem Jahr 1996 jedoch wurden die Preisvorstellungen  auf 300,00 DM  und 250,00 DM  erhöht und die Nummerierung unter 33 und 34  eingeführt.

Belegbeispiele sind entsprechend den obigen Ausführungen selten und Qualitätsabstriche in der Erhaltung oder Farbintensität sind zu erdulden

                                                   Bafra 11.4.1924 mit Posttagesstempel mittels Maschinenstempel

                                                                                  Anker 27.2.1924 Einschreibbeleg

Während meine Bafrabelege nur den April 1924 bestätigen, können die Ankerbelege Februar und März im Jahr 1924 dokumentieren.

In den Katalogen folgen an dieser Stelle in der Regel die Francotypstempel mit Achteckrahmen und eingeführtem Ortstagesstempel in senkrechter Anordnung unter dem Wertrahmen. Diese Stempelform ist beachtenswert aus den Jahren 1925 bis 1943  zu finden, denn die Reichspost hatte den Achteckwertrahmen ab dem Jahr 1926 eigentlich nur noch für die Postfreistempel reserviert und vorgesehen.

Formähnlicher den oben vorgestellten Freistempeln aus dem Frühjahr 1924 sind aber die folgenden frühen Freistempler bei Anker und Bafra nun aber in waagerechter Anordnung mit Datum- und Ortstagesstempel und belassenem Achteckwertrahmen und dies bei insgesamt 11 Maschinen aus dem August 1924 bis zum März 1926. Erwähnenswert ist ebenfalls, dass ab diesen Freistemplern auch wieder die Zählziffer auftaucht, die kurzfristig  in den vorherigen Achteckrahmenversionen von Bafra und Anker verschwunden waren.

Mit der Verfügung Nr. 202 im RPM – Amtsblatt Nr.32/1925  wurde die neue Freistempelform vorgestellt mit Ortstagesstempel, Zählziffer und noch Achteckwertrahmen am Beispiel der Scheringwerke als Absender.

Vorstehende Abbildung ist nun für den interessierten Sammler verwirrend. In dieser Form kann keine frühe Versuchsmaschine mit Stempelabschlag gefunden werden. Die Zählziffer in großen Ziffern steht eng zwischen Ortstagesstempel und Wertrahmen „eingequetscht“ und das frühe Datum belegt wohl eine Stempelversion als Vorlage beim RPM, die nicht zur Ausführung gelangte.

Der erste Freistempler in dieser waagerechten Konstellation der Stempelanteile ist dann aus den Ankerwerken  ab September 1924 und dies mit  SEP als Monatsangabe mit einer einzigen Maschine bekannt und  wieder bei dem Anwender  der Dresdner Bank, Behrenstr. 35-39 in Berlin.


Vorstehend wird dieser seltene  Freistempler auf einem Rückbrief an die Ankerwerke in Bielefeld und  an das dortige Organisationsbüro dokumentiert. Dürst/Eich geben dazu die Verwendungszeit August 1924 bis Juli 1925 an.

Diers  kann diesen Stempel 1929 nicht vorstellen und auch bei Ehrmann/Nawrocki konnte ich ihn 1933 im Katalog von Moser nicht finden. Jedoch Glasewald  gibt in seinem Weltkatalog der Freistempler ebenfalls im Jahr 1933 und aus dem gleichen Verlag die Nachfolgeversion bei der Dresdner Bank in Berlin (ohne Straßenbezeichnung!) an mit der Monatsangabe in Zahlen und verweist zumindest  auf die Buchstabenform im Text hin und nummeriert unter 9.

Die Preisangaben sind aus heutiger Sicht recht moderat für diese frühen Stempelversionen. Mittlerweile war auch aus der Postfreistempler GmbH im Jahr 1925 die Francotyp Gesellschaft hervorgegangen. Die Reichspost verzichtete mit der Amtsblattverfügung 202 vom 7.4.1925 auf eine initiale Geräteprüfung, trat auch nicht mehr  als Vermieter dieser Freistempelmaschinen auf und Francotyp organisierte einen gemeinsamen Vertrieb der Partner Anker, Bafra und Furtwängler. Letztgenannter Partner schied dann im Jahr 1927 aus.

Der erste Ankerfreistempel mit der Monatsangabe in Buchstaben z.B. Sep für September kann auch bei Harris, London  im Jahr 1940 in dieser Version nicht gefunden werden, jedoch kann Dürst im Jahr 1944 wieder den Hinweis von Glasewald aufgreifen und den Stempel sogar mit Abschlag vom 13 SEP 24  als Abbildung vorstellen


                                                                                         und schreibt dazu
 
Barfoot und Simon bringen  ohne Abbildung nur eine kurze Notiz  im Jahr 1953 zu dieser Ankermaschine mit der Monatsangabe in Buchstaben.

Dürst/Glasewald bringen im Katalog aus dem Jahr 1959 erneut die Abbildung zu diesem frühen Ankerfreistempler in der Version von Dürst aus dem Jahr 1944, nutzen  ebenso die Textnotiz und setzen einen Preisansatz von DM 150,00 für diesen Stempel an. Auch bei Dürst/Eich findet sich im Jahr 1980 der Stempel in gleicher Abbildung, Text und Preisangabe. In der Katalogisierung von Dürst/Eich aus dem Jahr 1996 wird erneut die 5Pfennigwerstufe abgebildet nun aber mit Datum vom 12 Sep 24 und der Zählnummer 3961 und der  neuen Katalognummer 36 (alte Katalognummer aus Dürst/Eich 1980 war 29) und zugehöriger Textbeschreibung und Preisanhebung auf DM 300,00.


Eine kleine Anmerkung gibt es noch zu diesem frühen Freistempler aus den Ankerwerken Bielefeld mit der Monatsangabe in Buchstaben. Alle mir bekannten Abschläge finden sich aus dem September und die Zählnummerdifferenz zwischen 9.9. und 13.9.1924 beträgt erstaunlich 4883 und belegt damit eine fast tägliche Nutzung mit knapp 1000 Abschlägen, wobei noch zu registrieren ist, dass der 13.September 1924 ein Samstag war. Haben die Banken früher am Samstag gearbeitet (?), wäre dann hier noch zusätzlich die Fragestellung.

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
6. Fortsetzung   24.10.17

Mittlerweile war - wie mehrfach betont - auch aus der Postfreistempler GmbH im Jahr 1925 die Francotyp Gesellschaft hervorgegangen und ein gemeinsamer Vertrieb wurde organisiert  bei weiterhin getrennten Produktionsstätten in Bielefeld und Berlin. Furtwängler war noch kurzfristig beteiligt, entwickelte noch einen kleineren Versuchsfreistempler mit einem einzigen begrenzten Einsatz und zog sich dann endgültig aus der Francotypgesellschaft im Jahr 1927 zurück.

Anker trat mit ersten Werbestempeln auf und dies ist mit folgendem Musterabschlag und Werbebrief  an die Generalvertretung für die Francotyp an  Herrn Gustav Huber in München  zu dokumentieren und in diesen Freistemplern ist die Monatsangabe dann durch eine Zahlenangabe ersetzt worden, die üblich war und wurde.

Von diesem Freistempler aus den Ankerwerken  kamen dann schon sieben Maschinen  auch schon mit ersten Klischeewechseln zum Einsatz und dies mit 9 unterschiedlichen Absenderangaben und Diers kann dazu im Jahr 1929 schon eine recht detaillierte Auflistung anführen und der Pfeil markiert die Klischeeänderung mit der Monatsangabe in Zahlen

Glasewald hat 1933 diesen Absenderfreistempel mit dem Ankerfreistempel nur in der Version vorgestellt, die schon in der vorherigen Fortsetzung mit dem Hinweis auf die Monatsangabe in Buchstaben angeführt wurde.

Harris führt im Jahr 1940 den Achteckstempel von Anker mit der Monatsangabe in Zahlen aus dem Jahr 1925 nur in einer einzigen Version an und zwar der Darmstädter und Nationalbank Filiale in Berlin

                                 Dürst  nutzt zur Vorstellung im Jahr 1944 die Abbildung von Glasewald (unter Abb. Nr.10) 

                                                    und listet den Freistempler als Vorläufer  Francotyp A mit 1 bis 9 auf

Barfoot und Simon übernehmen im Jahr 1953 dann die Abbildung und Beschreibung von Harris aus dem Jahr 1940. Hier wird wieder das geringe vorhandene Belegmaterial deutlich  im Bereich der frühen Absenderfreistempel und dies wird auch nachfolgend wieder im Katalog von Dürst/Glasewald aus dem Jahr 1959 erkennbar im Text und der Abbildung
 
 
Die Autoren greifen gegenseitig auf die bekannten Abbildungen zurück, listen unterschiedlich auf und bei Dürst/Glasewald findet sich im Jahr 1959 dann eine erste Preisvorstellung (s.o.). Auch im Dürst/Eich Katalog aus dem Jahr 1980 muss der Freistempler im Bild mit der markierten Monatszahl in arabischen Ziffern erneut herhalten, aber man führt zumindest wieder die bekannten Verwender an, die allerdings bereits bei Diers im Jahr 1929 differenzierter  aufgelistet waren
 
An dieser Vorstellung ändert sich bei Dürst/Eich im Jahr 1996  nichts  und nur die Preisvorstellung ist zu diesem Zeitpunkt jedoch auf DM 150,00 angewachsen.

Zumindest dazu noch ein Beleg aus der Berlinfiliale der Darmstädter und Nationalbank im Auslandstarif zu 25 Pfennigen  mit Datum vom 1.7.1925  und im Ortstagesstempel findet sich das Datum mit  -1 7   25. Die  Zählziffer ist in kleinen Zahlen bei Anker ausgeführt und mittig rechts zum Wertrahmen positioniert. Charakteristisch ist ferner der weite Ziffernabstand  zwischen Monats- und Jahresangabe  bei diesen frühen Ankerfreistemplern.

Aber auch Bafra in Berlin war mit der weiteren Maschinenentwicklungen auf dem Sektor der Absenderfreistempel beschäftigt und tritt ebenfalls noch  mit Achteckwertrahmen auf  in waagerechter Anordnung von Orts- und Wertstempeleindruck und dies recht früh  von Dezember 1924 bis Januar 1925 mit einem einzigen Maschinentyp unter dem Absender der Schering Werke und im Mai 1925 bis März 1926 mit den zwei weiteren Freistemplerprototypen bei den Firmen Stahlsmannsfeld und Rudolf Mosse. Die Vorstellung der Sonderform der Absenderfreistempel von Bafra in senkrechter Anordnung von Orts- und Wertstempeleindruck  erfolgt  später anschließend.

Schon  im Jahr 1929 stellte Diers den Stempel der Scheringwerke  im Absenderfreistempler der Bafra als Vorläufer für die spätere äußerst erfolgreiche Francotyp  C – Maschine vor unter dem Begriff „Simplex“ und verweist mit Pfeilmarkierung explizit auf die großen in gotischer Schrift gravierten  Zählziffern


Die Nutzungszeit wird bei Dürst/Eich 1996 von Dezember 1924 bis Januar 1925  angegeben. Die bekannten Autoren vermuten in der „Simplex den Prototyp eines kleinen handbetriebenen Freistemplers" für  mittlere Betriebsgrößen und dies auch in Konkurrenz zu der beobachteten Entwicklung von Erich Komusin und seiner kleinen handlichen Freistemplerversion.

Es findet sich durchgängig in den Katalogen der Hinweis auf die 2monatige Einsatzzeit. Es liegt mir allerdings ein Abschlag auf einem Blankoumschlag noch mit späterem Datum aus dem Mai 1925 vor.
 
In den  Katalogen aus dem Moserverlag 1933 konnte ich keinen Hinweis auf diesen seltenen Vorläufertyp finden und auch bei Harris, London fehlt die entsprechende  Vorstellung. Erst bei Dürst im Jahr 1944 wird dieser Vorläufer erneut beschrieben

                                                und Dürst nutzt wieder eine  Abbildung von Diers aus dem Jahr 1929

Bei Barfoot und Simon findet sich diese Freistemplerversion ebenfalls nicht und taucht erst wieder bei Dürst/Glasewald im Jahr 1959 und bei Dürst/Eich 1980 wieder auf in gleicher Stempelreproduktion und jeweils Preisansatz von DM 200,00. Bei Dürst/Eich 1996 kommt dann der oben vorgestellte Beleg aus dem Mai 1925 zur Abbildung aber mit dem weiteren Hinweis der Nutzung aus Dezember 1925 und Januar 1925 und  als Modellvorläufer „Simplex“ für die Francotyp – C – Generation. Der Preisansatz wird  im Jahr 1996 auf DM 350,00 erhöht.

Im Gegensatz zur „Simplexversion als Francotyp – C – Vorläufer"  wurden noch zwei weitere Freistempler in Berlin bei Bafra entwickelt als „Francotyp –B – Vorläufer“ ebenfalls mit Achteckwertrahmen und Datumstempel in waagerechter Anordnung  und der Einsatzzeit von Mai 1925 bis März 1926 und dies dann bei den schon oben erwähnten Berliner Firmen Stahlmansfeld und Rudolf Mosse.

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
7. Fortsetzung   01.11.17

Schon Diers stellte im Jahr 1929 die zwei Francotypfreistempler bei Stahlmansfeld und Mosse separat zum „Simplexabschlag“ vor, obwohl der Typenvergleich  nur minimale Unterschiede erkennen lässt und dies in der gewählten Schriftart der Zählziffern zwischen Orts- und Wertrahmenstempel. Auch die noch später vorzustellende zuverlässige Abstandsmessung zwischen Mitte Ortstagesstempel und Mitte Wertrahmenstempel zur Maschinendifferenzierung bei Francotyp weist in diesen drei Fällen der Freistemplerentwicklung bei Bafra  eine gemeinsame Gerätebasis erkennen.

                                                                                  Vorstellung Diers im Jahr 1929

                                            Geschäftsbrief der Fa. OTTO MANSFELD  & CO , Berlin vom 2.11.1925
 
                                                             Schreiben OTTO MANSFELD &CO. Berlin vom 28.12.1933
Glasewald stellt  diesen Maschinentyp von Bafra im Weltkatalog der Freistempler  aus dem Moserverlag  im Jahr 1933 nur mit dem Freistempler bei Stahlmansfeld  folgend dar

Der Hinweis auf die 3stellige Wertziffernfolge bezieht sich bei der Baframaschine  auf  den Unterschied zur 4stelligen Wertziffernfolge bei Anker. Interessant der Hinweis auf die unterschiedlich ausgeführten „Laufnummern“ im Gegensatz zur Firmenentwicklung der „Simplex“.  Das Auslaufmodell des Achteckwertrahmens wurde schon erwähnt und bedarf später noch einmal der Erwähnung mit Amtsblatthinweis.

Harris, London erwähnt im Jahr 1940 diesen Francotyp – B – Vorläufer nicht und  Dürst greift wieder im Jahr 1944 auf die Abbildung bei  Diers und Glasewald zurück mit seiner  Zählnummer 0354 unter der Abbildungsnummer 12

                                                                      und folgender Beschreibung

Den Freistempelabschlag bei Rudolf Mosse  findet man nicht in seinem Spezialkatalog und auch bei Barfoot und Simon, London im Katalog aus dem Jahr 1953  wurde ich bezüglich der Firmenfreistempler bei Stahlmansfeld und Mosse nicht fündig. Dürst/ Glasewald stellen den Stahlmansfeldabschlag im Jahr 1959 in ihrem Katalogwerk vor, greifen erneut auf das erste Beispiel von Diers  aus dem Jahr 1929 zurück  und geben folgende Beschreibung dazu

Die Abbildungsnummer 153 bezieht sich erneut auf das Stempelbild bei Diers und man findet nicht den Hinweis auf Stahlmansfeld und Mosse dafür aber einen Preisansatz von DM 100.00. Auch bei Dürst/Eich 1980 wird weiterhin  das bekannte Bild des Firmenfreistemplers bei Stahlmannfeld  genutzt und  die Preisansetzung ändert sich ebenfalls nicht. Im Katalog Dürst/Eich aus dem Jahr 1996 findet sich auch im Text nur der Hinweis auf zwei Maschinen, eine Preisanhebung auf DM 250,00 und erstmals ein Bild des Freistempelabschlag bei Rudolf Mosse  mit Datum vom 18.6.1925.  Der direkte Vergleich der fortlaufenden Zählziffern der  Bafra – Vorläufer  mit Achteckwertrahmen und waagerechter Anordnung von Ortstages- und Wertstempel  belegt den geringen aber deutlichen Unterschied in der Schrifttype zwischen  der „Simplex – Maschine“  für Schering  und dem Vorläufertyp für Stahlmansfeld und Mosse.

                                                       Absenderfreistempel  Rudolf Mosse, Berlin  18.6.1925

Verlassen wir die oben angeführten Freistempelvorläufer bei Bafra  und kommen zur Sonderform eines Freistempelvorläufers bei Bafra  im Jahr 1925 mit senkrechter Anordnung des Ortstagesstempels und des Wertrahmens ohne (!) Zählziffer mit Nutzung bis in das Jahr 1942 und im eigentlichen Widerspruch zu  einer weiteren  Postverfügung ebenfalls aus dem Jahr 1925

Im Amtsblatt Nr. 32/1925 wird der linksseitige Vorläufer von Bafra mit der senkrechten Anordnung vorgestellt und im Amtsblatt Nr. 80/1925 wurde der Wertrahmen  bereits in Form des Bogenrechtecks allerdings zur Standardform zukünftiger Absenderfreistempel erklärt. Der Achteckwertrahmen war damit  zukünftig den Postfreistemplern vorbehalten. Die wenigen Freistempler in der links vorgestellten Form, waren jedoch recht zuverlässig, behielten ihre Zulassung und waren langfristig im Einsatz auch mit wiederholten Klischeeänderungen. Dürst/Eich vermuten im Katalog aus dem Jahr 1980 vier Maschinen in 22 Variationen und damit  besteht hier ein eigenes kleines aber beachtenswertes  Spezialsammelgebiet. Die Francotyp – Gesellschaft  bildete dazu in ihrem Heft zum 50jährigen Firmenjubiläum  einen Wertrahmenabschlag mit Absenderangabe ohne Ortstagesstempel ab.

Harris, London  stellt diesen Vorläufer aus den Bafrawerken in seinem Weltkatalog  aus dem Jahr 1940  unter 4b  vor und erwähnt keine weiteren Beispiele dazu

Im Spezialkatalog von Heiner Dürst aus dem Jahr 1944 kommt dazu unter der Nummer 8 folgende Stempelversion zur Abbildung

und Dürst beschreibt bereits in diesem Jahr erstmals recht ausführlich die verschiedenen Klischeeänderungen und vermutet 3 eingesetzte Firmenfreistempler in folgenden Varianten  unter der Abbildung Nummer 8

Der erwähnte noch „kürzlich“ genutzte Gebrauch ist unter Hinweis auf die Schriftveröffentlichung im Jahr 1944 zu interpretieren und nur so verständlich. Barfoot und Simon greifen wohl die Erkenntnisse von Dürst auf, übernehmen 16 Varianten bei vermuteten  3 Maschinen und katalogisieren unter Type 3B


Im Katalog Dürst/Glasewald aus dem Jahr 1959 wird der Vorläufer in dieser Version von Bafra wie folgt vorgestellt und dies mit einer moderaten Preisangabe in DM 10,00.

Dürst/Eich  schreiben dann im Jahr 1980 erstmals von 4 Freistemplern in dieser Version. Im Jahr 1987 erschien dann eine sehr detaillierte Bearbeitung dieser Bafrafreistempel von Horst Müller sowohl im Heft der Poststempelgilde als auch im Bericht Nr. 6  der FG Deutsche Post- und Absenderfreistempel. Wenn auch ohne Preisvorstellung wird hier jedoch dezidiert auf die Stempelformen eingegangen und Müller kommt damit sogar  auf 32 Varianten.

Im Dürst/Eich Katalog im Jahr 1996 wird zwar auf unterschiedliche Stempelausführungen verwiesen, jedoch nur nach Postämtern und Absendern unter a bis w aufgelistet.

Bevor es zu den beiden Vorläufern unter Verwendung des Wertrahmens im Bogenrechteck geht nachfolgend noch eine kleine Auswahl zum zuvor vorgestellten  Bafra - Freistempler

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
8. Fortsetzung   09.11.17

Diese 90jährigen Absenderfreistempel aus der Bafraentwicklung mit Wertrahmen- und Ortstagesstempel in senkrechter Anordnung liefen erstaunlich über 17 Jahre, sind damit aus diesem Sektor die häufigsten Vertreter der postamtlichen Vorläufer und bieten somit entsprechend der größeren Belegzahl auch finanziell die Chance einer kleinen  „historischen“  Freistempelsammlung. Nach meiner Einschätzung liegt hier sogar noch Forschungspotential offen und ich möchte somit folgend einige  Besonderheiten vorstellen. Dabei gilt es das Augenmerk nicht nur den verschiedenen Absendern zu widmen, sondern beachtenswert sind auch Dokumentationen von Einsatzzeiten und unterschiedliche  Klischees z.B. in der Wertrahmenausführung bei gleichem Anwender. Die 4 nach Dürst/Eich postulierten Freistempler belegen natürlich durch ihre Nutzungszeit in der Weimarer Republik  und das 3. Reich auch ein Stück politischer Vergangenheit und stecken hier voller interessanter Details, die nachfolgend nur angedeutet werden können. Eine detaillierte Gesamtbearbeitung dazu konnte ich bis dato im Gildebrief Nr. 154 von Horst Müller entdecken und in seiner Vorstellung im Bericht Nr.6 der FG Dt. Post- und Absenderfreistempel. Ein kleiner „illustrierter Ausflug“ soll zumindest auch in meiner Ausarbeitung nun einmal versucht werden und zur näheren Betrachtung vorhandener Belege ermuntern.  Recht hilfreich sind auch Angaben  von Rolf Witt in seiner Schrift zum Verlagshaus ULLSTEIN bis AXEL SPRINGER  zu den zugehörigen Bafra – Freistemplervorläufern  und auch seine weitere Abhandlung zur Geschichte dieses Verlagshauses ist hier äußerst interessant geschildert  und lesenswert. Dazu die Vorstellung der Nr. 6 aus der Berichtreihe und die 17. Schrift jeweils aus der FG Post- und Absenderfreistempel an dieser Stelle und Empfehlung zur näheren Information.

Auf den Umschlagseiten imponiert dann gleich der Freistempel aus den Bafrawerken mit Achteckwertrahmen und dem neu eingeführten Ortstagesstempel Berlin in senkrechter Anordnung  ohne Zählziffer.

Verwendungszeitraum Beispiele

Dazu ein alter Fensterbriefumschlag des Nutzers SCHERING  in ramponierter Erhaltung aber mein frühestes Datum mit dem 29. März 1925 und Postamt Berlin N 39 in der Schulzendorferstraße 26 und damit benachbart der Chausseestraße und dem Sitz der Chemischen Fabrik auf Actien. Schon das frühe Datum wirft die Frage auf, wer eigentlich der erste Anwender war: die Firmen  Schering,  Mosse oder Ullstein?

                                                                                    Absendereindruck Rückseite

Ausgangspunkt war für E. Schering im Jahr 1851 die Übernahme und neue Namensgebung der „Grünen Apotheke“, die 1871 in chemische Fabrik auf Actien vormals E. Schering umfirmierte  und  zum pharmazeutischen Unternehmen erfolgreich expandierte auch unter der weiteren Geschäftsführung des Sohnes Richard. Zu Schering und dem Absenderfreistempel der Bafra  später  an weiterer Stelle noch ausführlichere Details.

Zunächst nun zum Verwendungszeitraum ein recht spätes Datum mit dem 2. Dezember 1942  aus der Berliner Verlagsanstalt als Absenderangabe im Bafra – Freistempler Postamt SW 68 und H. Müller führt hier sogar ein Nutzungsdatum noch aus dem April 1943 an.

                                                                                          dazu auch ein Detailbild

Die Berliner Verlagsanstalt als Druckhaus für die betroffene Börsen-Zeitung residierte  in der Schützenstraße 18 bis 25 und damit im alten Mossehaus eigentlich zugehörig Postamt SW 19. Andererseits zeigt die Nutzung des Absenderfreistempels die Anmeldung beim Postamt SW 68  und damit lief wohl die Post über das ehemalige Ullsteinhaus in der Kochstraße! Ob hier kriegsbedingte  Umstände vorlagen, ist schwierig zu beurteilen. Es können auch rein organisatorische Überlegungen gewirkt haben. Schließlich hatte der NS - zerschlagene Mossekonzern noch Restbestände ebenso wie das im Jahr 1934 arisierte Ullsteinunternehmen, das zum  Deutschen Verlag im Jahr 1937 mutierte.  Diese Presse- und Druckunternehmen standen  damit seit 1934 unter der gemeinsamen  Regie des Zentralverlages der NSDAP mit der Frz. Eher Nachf. GmbH und die Zeitungs- und Buchlandschaft wurde im Sinne der Nationalsozialisten  entsprechend umgestaltet  und indoktriniert.

Die Franz Eher Nachfolger GmbH kontrollierte übrigens unter Max Amman im Jahr 1940 ca. 80 Prozent der deutschen Presselandschaft und als Zentralverlag der NSDAP  war damit das Propagandaministerium unter Joseph Goebbels flächendeckend im Reich tonangebend.
Nach den vorgestellten Verwendungszeiten des Bafravorläufers folgen weitere Nutzungshinweise  und hier zunächst der oben erwähnte Medienkonzern Rudolf Mosse. Folgende Ansichtskarte dokumentiert das alte Mossehaus vor dem Umbau im Jahr 1921  mit Zeitungs–Setzersaal u. Rotationsmaschinensaal für die Ausgabe der Berliner Morgen Zeitung.


                                                   Detailansicht Freistempelabschlag Rudolf Mosse (Kontrast verstärkt)

                                          Rudolf Mosse in Schreibschrift, Datum 30.10. 1925, Postamt Berlin SW 19

Interessant sind nun folgende zwei entsprechende Belege mit Datum vom 7.12.1926 und dem 17.12.1926  im direkten Vergleich

                                          und dazu Detailausschnitte der Freistempelabschläge (Kontrast verstärkt)

                              der rechte Abschlag belegt 10 Tage später erstmals einen komplett neuen Freistempler

Die Schreibschrift Rudolf Mosse rutscht nach oben, der Ortstagesstempel hat geänderte Buchstaben und Ziffern, der Wertrahmen Deutsches Reich ist unterschiedlich in der Buchstabenpositionierung und leicht erkennbar sind die gänzlich verlängerten seitlichen Strichausführungen zu sehen. Damit wird der von Dürst postulierte 2. Bafrafreistempel bei Mosse dokumentiert. Die linksseitige Ausführung ist nachfolgend bei mir noch bis September 1927 bei Mosse nachweisbar. Es handelt sich in der rechts vorgestellten Version wohl um eine komplette Neuerstellung und der neue Wertrahmen findet sich auch bei Ullstein nur in der rechtsseitigen Form. Anders ist es beim Bafrastempel und Schering, bzw. Schering–Kahlbaum, hier findet sich nur die linksseitig vorgestellte ältere Form. Der Freistempler bei Schering wurde eingangs oben vorgestellt und dies mit dem frühen Datum aus dem März 1925 und bedurfte wohl nie einer Änderung bis in das Jahr 1937. An dieser Stelle noch einmal der Hinweis von  Horst Müller und Dürst/Eich  auf die zwei Bafravorläufer bei Mosse und je einen bei Ullstein und Schering bzw. Schering-Kahlbaum.

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
9. Fortsetzung   17.11.17

Zu der oben angeführten Ausführung von unterschiedlichen Wertrahmen in anfänglicher und neuerer Form und dies bereits ab  Mitte des Jahres 1925 im 2. Freistempler fügt sich der folgende Einsatz bei Mosse  ergänzend  und beweisend  ein  mit und im  geänderten Klischee unter der Nutzung  RMCode  als Reklameeinsatz.

die Detailbetrachtung dokumentiert linksseitig den anfänglichen und rechts den rasch 2. eingeführten neuen Bafrafreistempler mit geänderten Wertrahmen  seit Mitte des Jahre 1925

In der Poststelle bei Rudolf Mosse liefen also zwei Bafravorläufer und hier am Beispiel mit dem Reklamehinweis RMCode, der einer kurzen Erläuterung bedarf und dazu eine Vor- und Rückseite einer Postkarte aus dem Haus Rudolf Mosse mit Werbung auch für Codebücher.


Im Verlag Mosse erschienen u. a. nationale und internationale Adressbücher und Schriften zum RM-Code.  Martin Carbe hatte im Jahr 1922  bei Mosse eine Codierung zur telegraphischen Nachrichtenübermittlung  eingeführt, die national und international durch Komprimierung  der Informationen und angepasst an die Telegrammgebühren es erlaubte, größere Textmengen in kürzester Form preiswert zu übermitteln. Das Codebuch hatte allein über 500 Seiten, es gab Ergänzungen zur internationalen Nutzung  und das Ganze  ähnelt  in angedeuteter Form  den heute üblichen SMS – Kürzungen im Mobilfunk.

Eine der zuvor vorgestellten Briefvorderseiten geht an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Frankfurt und erinnert an den wesentlichen Geschäftsbeginn von Mosse im Jahr 1867 mit seiner Etablierung im Anzeigengeschäft als initiale Geschäftsidee seines  zukünftigen Presseimperiums. Dazu ein Bafrastempelausschnitt aus einer Francotypschrift und der Dokumentation der frühen ersten Maschine.

 
                             vorstehend Ansichtskartendetail (15.5.1899)  Rudolf Mosse Annoncen Expedition Hamburg

                                               Schreiben der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin  9. Mai 1913

Aus der Sammlung von Andreas Lehr, Dietzhölztal dazu ein Brief aus der Verlag- und Annoncen-Expedition  Mosse in Berlin im Auslandstarif nach Argentinien und Datum vom 12.5.1925. Auch hier belegt der Wertrahmen den ersten bei Mosse eingeführten Freistempler.

Mit Datum im Januar 1929 kann ich erstmals unter meinen Belegen im Ortsstempel des Bafrafreistempels bei Mosse  eine wichtige Änderung dokumentieren. Das wohl erhebliche Postaufkommen führt in Absprache mit der Deutschen Reichspost zur Etablierung eines sog. Hauspostamtes im Mossehaus  mit eigener Postamtskennzeichnung unter SW 100 und Rudolf-Mosse-Haus wird damit im unteren Kreissegment als Absender geführt. Dabei wird der ältere Wertrahmen entfernt, aber die Wertziffern werden beibehalten und erlauben im Vergleich zum 2. Bafrafreistempler dezente aber eindeutige Unterscheidungskriterien. Auch im Ortstempelanteil sind die beiden Freistempler an geringfügigen Merkmalen zu unterscheiden z.B. Größe der Datumsziffern und Stellung der Schriftzüge. Dazu zunächst zwei Belegbeispiele

Auch der direkte Vergleich in Detailausschnitten  und der Wertstufe 0005 erlaubt die Differenzierung der beiden Freistempler  nach Änderung in einem Fall des Wertrahmens und in beiden Fällen im Ortstagesstempel. Die kleineren Wertziffern rechts wurden im 2. Freistemplertyp  beibehalten und im neuen Wertrahmen des  ersten Freistemplertyps  wurde der Wertrahmen ersetzt und mit größeren Wertziffern bestückt. Die Datumsziffern im Ortstagesstempel verhalten sich genau im Größenunterschied minimal  umgekehrt.

Das folgende Ensemble dokumentiert die notwendige Rationalisierung mittels Freistempler am Beispiel von Bahnhofszeitungen für das BERLINER TAGEBLATT (allein 3 existente Ausgaben mit Abend-, Sonntags- und Morgen-Ausg.) und täglich enormem Postaufkommen. Die Freistempeleinstellung über 12 Pfennige statt 10 Pfennige ist sicherlich fehlerhaft und evtl. nach vorheriger Briefaufgabe verständlich

Im Jahr 1931 platziert  das Mossehaus für den „Moden-Spiegel“ in den Bafrafreistempler eine Werbung für die Herbstmodenwoche ein und dazu wieder ein Belegausschnitt aus der Sammlung A. Lehr, Dietzhölztal.

Interessant ist die Nutzung unter dem Absender RUDOLF – MOSSE – HAUS  noch bis zum 7. Juli 1933 zu registrieren, obwohl hier der Mossekonzern seit dem September 1932 schon im Konkursverfahren stand. Die wirtschaftliche zunehmende Schieflage des Konzerns nach dem Tod von Rudolf Mosse im Jahr 1920 unter seinem Schwiegersohn Hans Lachmann-Mosse war auch begründet im Verhältnis zum Cousin Theodor Wolff als Chefredakteur und dessen einseitigem politischen Aktionismus. Die Nationalsozialisten zerschlugen  den Konzern, prestigeträchtige Zeitungen (z.B. das Berliner Tageblatt) wurden erhalten, teils im Ullsteinverlag später Deutschen Verlag  fortgeführt und die Regie zur zunehmenden NS-Einheitspresse unter dem nationalsozialistischen Franz Eher-Verlag hatten verantwortlich Namen wie Max Winkler (Graue Eminenz im deutschen Pressewesen)  und Max Amman (Präsident der Reichspressekammer und NSDAP Reichspresseleiter) im Sinne von Joseph Gebbels (Präsident der Reichskulturkammer und Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda).  Die Gleichschaltung der Presselandschaft  nach NS - Vorgabe wäre ein Thema für sich und dazu zumindest auch einige Absenderfreistempel  zur Illustration.

Max Winkler hatte mit seiner im Jahr 1929 gegründeten CAUTIO – Treuhand GmbH die Konkursreste des Mosseverlages im Jahr 1934 übernommen und dazu die Berliner Druck- und Zeitungsbetriebe als Nachfolgegesellschaft gegründet.

So konnte die oben schon angeführte Prestigezeitung  mit dem Berliner Tageblatt - die Zeitung, die die Welt kennt!  weiterhin im Mossehaus redaktionell und drucktechnisch zunächst betreut werden und dazu die interessanten zwei Absenderfreistempel im Detail aus der Poststelle des Druckhauses unter Postamt Berlin SW 19  und im Ortstagesstempel die Aptierung mit Entfernung des Schriftzuges des Hauspostamtes RUDOLF – MOSSE – HAUS.

Stellung der Reklameschrift und Größenverhältnisse der Zahlen und Buchstaben im Ortsstempel belegen  die beiden fortgenutzten  Bafrafreistempler  im VERLAG DER BUCH-UND TIEFDRUCKGESELLSCHAFT M.B.H. Berlin SW 19 s. Absendereindruck.

Den Freistemplereinsatz BERLINER TAGEBLATT und dies noch zugehörig dem  Postamt SW 19 kann ich in den Jahren 1935 und 1936 belegen. 
Das Mosseblatt  BVZ Berliner Volkszeitung ist im Freistemplereinsatz dann geradezu ein signifikantes Beispiel der veränderten Presselandschaft. Der ehemalige „Berliner Zeitungskrieg“ um eigene Druck- und Auflagezahlen zwischen den Verlagen Scherl/Hugenberg, Mosse und Ullstein endete nun in der totalen Gleichschaltung  unter der nationalsozialistischen Diktatur  und auch bei gegebener Erhaltung des Zeitungsnamen landeten die Verlage letztlich im Besitz bzw. unter der journalistischen Regie des  NS – Verlages Franz Eher Nachfolger, München. Nachfolgend Rückseite einer Werbepostkarte der BVZ aus dem Dezember 1937 und Berlin SW 19

Die  nachfolgende Vorderseite der Werbepostkarte vom 21.12.1937  und der darunter liegende Freistempelumschlag  sind mit  Eindruck BVZ Berliner Volks Zeitung identisch aber mit Datum vom 22.4. 1938  läuft der Bafrafreistempler im Orttagesstempel nun unter Berlin Postamt SW 68 und dokumentiert somit zumindest die redaktionelle Verlegung in das ehemalige Ullsteinhaus in der Kochstraße 22 bis 26.

Zu diesem Zeitpunkt  im April 1938 war  seit einem Jahr  der Ullsteinverlag schon zum DEUTSCHEN VERLAG umfirmiert, wobei die Unterstellung unter den NS – Zentralverlag schon im Jahr 1934 erfolgte.

Der Verlag Ullstein soll die folgende Abhandlung dann der Bafrafreistempler  (Achteckrahmen und Ortstagesstempel in senkrechter Form)  fortsetzen.

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
10. Fortsetzung   24.11.17

Neben den Verlagshäusern Rudolf Mosse und August Scherl  war der Ullstein – Verlag das dritte namhafte Unternehmen im expandierenden Marktgeschehen der Presselandschaft ausgehend in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gerade aus dem Verlag Ullstein kamen richtungsweisende  Impulse  für die Medienwelt. Um das Jahr 1890 gestaltete Ullstein seine Berliner Illustrite Zeitung mit auflockernden Bildvorlagen und die Berliner Morgenpost  wurde die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung und dazu folgender Streifbandversand nach Mexiko an die dortige Deutsche  Schule mit dem Bafrafreistempel  aus dem ersten Einsatzjahr  und mit dem Datum vom 17.7.25.
 
Zwischen Achteckwertrahmen und Ortstagesstempel mit zugehörigem Postamt SW 68 für die  Verlagsanschrift mit der Kochstraße 22-26 in Berlin war die Absenderangabe als Zweizeiler  Ullsteinhaus/Postzentrale im Rechteckrahmen  eingefügt.

Ein früher Bruch im Wertrahmen (erkennbar im obigen rechten Beleg mit Datum 25.11.1925) wurde rasch ersetzt und dazu der linke obere Beleg vom 14.5.1926 mit Illustration zur Zeitung  BAUWELT. Diese Stempelversion war bis Ende des Jahres 1926 im Einsatz. In diese Zeit fiel auch der Neubau des Ullsteinhauses in Berlin-Tempelhof am Teltowkanal.

Der folgende Adressaufkleber zum Versand als Bahnhofszeitung belegt einerseits u.a. das Spektrum des Verlages mit Berliner Morgenpost, Berliner Allgemeine Zeitung, Vossische Zeitung Postausgabe und die B.Z. am Mittag  jeweils mit Gewichtsangabe für die Werktagsausgabe und andererseits den veränderten Bafrastempel mit  der Absenderangabe Ullsteinhaus/Postzentrale ohne Rechteckrahmen aus den Jahren 1927 bis 1933 und hier mit Datum 2.8.1927 an die Bahnhofsbuchhandlung Wust in Görlitz und entsprechender Versand. 

Der folgende Adressträger der Bahnhofszeitung für die erfolgreich im Jahr 1927 eingeführte Grüne Post  führt dann gleich in die schicksalhafte Zeit der Nationalsozialisten.

Ein Leitartikel unter Pseudonym mit dem Titel Herr Reichsminister – ein Wort bitte brachte den Chefredakteur Welk im Jahr 1934 in das Konzentrationslager Oranienburg und unter der NS – Gleichschaltung der Presse kam auch unter Goebbels der Ullsteinverlag arisiert unter seine  Kontrolle über den Franz Eher NS – Verlag und auch der Bafrafreistempel belegt das Ende der Ära Ullstein. Man akzeptiert noch das Ullstein - Logo mit der Eule und das U von Ullstein konziliant, aber auch dies verschwand dann im Jahr 1937 aus dem Freistempler und der Verlag wurde zum DEUTSCHEN VERLAG.

Aber der Bafrafreistempel in dieser Form wurde mit dem Absender  DEUTSCHER VERLAG und Kochstraße 22-26 und Postamt SW 68 nur bis Anfang des Jahres 1939  genutzt und dann ersetzt mit dem Absender Buch- und Tiefdruck Gesellschaft m.b.H.
Wie schon erwähnt hatte Max Winkler mit seiner im Jahr 1929 gegründeten CAUTIO – Treuhand GmbH die Konkursreste des Mosseverlages im Jahr 1934 übernommen und dazu die Berliner Druck- und Zeitungsbetriebe als Nachfolgegesellschaft gegründet.

Residierte diese Übernahmegesellschaft wohl  zu Beginn im Mossehaus zugehörig Postamt SW 19 zog sie wohl um in das Druckhaus Ullstein am Teltowkanal und damit Postamtsbezirk SW 68 und der dann entsprechende zugehörige Freistempel  ist in den Jahren 1939 bis 1941 nachweisbar.

Bemerkenswert ist der schon einmal vorgestellte späteste Bafrafreistempler in dieser postamtlichen Vorläuferform aus  den  Jahren 1942 bis 1943 bekannt.

Mit dem zugehörigen Postamt SW 68 verweist der Freistempelabschlag auf das Druckhaus Tempelhof aus dem ehemaligen Ullsteinverlag. Da ferner aus dieser Zeit keine weiteren Belege  des Deutschen Verlages und der Buch- und Tiefdruck GmbH - beide ebenfalls aus dem Verlag am Teltowerkanal -  mehr auftauchen, darf wohl noch einmal eine erstaunlich späte und letztmalige Umrüstung hier für die Poststelle und den Freistempler angenommen werden.

Die nächste Fortsetzung beleuchtet dann diesen Bafrastempel mit Wertrahmen und Ortstagestempel in senkrechter Anordnung mit dem Absender SCHERING bzw. SCHERING-KAHLBAUM aus Berlin.

Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
12. Fortsetzung   03.12..17

Schon einmal wurde  der Bafrafreistempel von Schering  kurz vorgestellt mit dem frühen Datum vom 29. März 1925 und Postamt Berlin N 39 in der Schulzendorferstraße 26 und damit benachbart der Chausseestraße. In der Schulzendorferstraße in Berlin  war der Sitz der Chemischen Fabrik auf Actien  von Ernst Schering. Schon das frühe Datum wirft die Frage auf, wer eigentlich der erste Anwender dieses postamtlichen Freistempelvorläufers  aus der Produktion  Bafra in Berlin mit Achteckwertrahmen und Ortstagesstempel in senkrechter Anordnung war: die Firmen  Schering,  Mosse oder Ullstein?

                                                                                      Absenderdruck Rückseite

Ausgangspunkt war für E. Schering im Jahr 1851 die Übernahme und neue Namensgebung der „Grünen Apotheke“, die 1871 in chemische Fabrik auf Actien vormals E. Schering umfirmierte  und  zum pharmazeutischen Unternehmen erfolgreich expandierte auch unter der weiteren Geschäftsführung des Sohnes Richard. Schering produzierte früh Produkte wie Salicylsäure und Formalin, etablierte Zweigunternehmen in Russland und Großbritannien und erreichte noch vor dem 1. Weltkrieg  einen Geschäftsumsatz in 2stelliger Millionenhöhe. Im Jahr 1922 wurde die Aktienmehrheit von den Oberschlesischen Kokswerken und Chemischen Fabriken erworben, die damit ihre Produktion auf den pharmazeutischen Bereich verlagerten.

Bafrafreistempel der Fa. Schering mit Datum vom 29.12.1926 als Postauftrag im Ortsverkehr von Berlin portogerecht mit 5 Pf. Ortsbrief und 50 Pf. Zusatzleistung  Postauftrag unter Verwendung des Einschreibverfahrens  als Selbstbucher unter der Kennzeichnung sch. Im Jahr 1927 fusionierte Schering mit Kahlbaum. Letztere Firma unter dem Chemiker v. Hofmann hatte den Firmenschwerpunkt im labortechnischen Bereich und der Firmenname wurde in SCHERING –KAHLBAUM AG  angepasst. Von der Schulzendorferstraße wurde die Verwaltung auf die Müllerstraße 170/171 verlegt und damit war dort die Postamtsbezeichnung N 65 mit der neuen Absenderangabe SCHERING-KAHLBAU AG im Freistempel erforderlich.

Im Jahr 1937 übernahmen die Oberschlesischen Kokswerke und Chemischen Fabriken den Aktienanteil  mit der kompletten Übernahme und firmierten fortan nur noch unter dem prestigeträchtigen Namen  SCHERING AG und auch in diesem Fall wurde nach 12 Jahren noch einmal der Freistempler passend umgerüstet. Eine Wertrahmenänderung hat hier im Gegensatz zu Mosse nicht stattgefunden, belegt damit die erste Version und nur der Ortstagesstempel wurde auf  Postamt N 65  verändert.

Auch wenn die vorstehenden Bafrafreistempler  „tapfer“ ihren langjährigen Dienst taten und die Deutsche Reichspost den Achteckwertrahmen in diesen Fällen weiter duldete, nutzten die  vorgestellten Firmen auch die neuen endgültig eingeführten Francotypmaschinen mit dem vorgeschriebenen Wertrahmen in Bogenrechteckformat und dies am Beispiel des Ullsteinverlages. Rolf Witt schreibt von einem täglichen Postein- und -ausgang von 49000 Stück, der tägliche Zeitungsversand überschritt die Millionengrenze und das Portoentgeld des Verlages Ullstein  lag nach seinen Angaben im Jahr 1933 bei 130000 Reichsmark! Allein diese Zahlen machen verständlich den weiteren Einsatz von Freistempelmaschinen. Dazu ein frühes Beispiel mit Datum vom 31.12.1926 aus der Ullstein Postzentrale mit einer Francotyp A  Maschine.

Bevor es zu einem kleinen Ausflug zu den endgültigen Absenderfreistemplern geht, bedarf es noch der Vorstellung von 2  amtlichen Versuchsmaschinen und dies mit dem neu eingeführten Wertrahmen Bogenrechteck  und ferner noch die postamtlichen Vorläufermodelle  der Komusina. Zwar waren schon  im Jahr 1925 die endgültigen Freistempler von Anker und Bafra im Handel und Gebrauch, dennoch sind aus dem Jahr 1926 noch zwei Prototypen vorzustellen. Der dritte Partner  aus der Postfreistempler GmbH Bielefeld aus dem Jahr 1923, die im Jahr 1925 unter Francotyp firmierte, war neben Anker und Bafra die Fa. Furtwängler. Nach ihrer Entwicklung des FRANKA A mit Einsatz kurz vor der Hochinflation trat sie noch einmal und letztmalig mit einer Absenderfreistempelmaschine auf und mit kurzfristigem Einsatz 1. Halbjahr 1926 bei der BERLINER BANKVEREIN A:G.

                             Diers  stellt diesen Typ im Jahr 1929  in seinen Ausführungen in der Philatelistenzeitung vor

Dürst nutzt die vorstehende Abbildung von Diers in seinem Katalog aus dem Jahr 1944 unter der Nummer 14 und gibt dazu  folgende Beschreibung

Weder bei Harris, London 1940 und Barfoot/Simon, London 1953 wird dieser  letzte Prototyp aus der Firma Furtwängler vorgestellt, taucht dann aber wieder  bei Dürst/Glasewald  im Katalog der deutschen Freistempel aus dem Jahr 1959 wieder auf (unter Typ E-IX, 34) und dies erneut mit obigem Bild mit der mittig stehenden Zählziffer 0774 und geben erstmals eine Preisvorstellung mit DM 200,00 an. Im Katalog Dürst/Eich 1980 wird Bild und Text aus der Katalogisierung  aus dem Jahr 1959 direkt 1:1 übernommen. Der Katalog Dürst/Eich aus dem Jahr 1996 weist  eine Anhebung der Preisvorstellung auf für diesen Vorläufer aus Furtwangen für den  Francotyp – C  - Freistempler mit DM 400,00 mit folgender Abbildung

Erstmals bei Dürst im Jahr 1944 wird ein weiterer Prototyp  auf dem Entwicklungsweg zur  erfolgreichen Francotyp C vorgestellt aus dem Haus ANKER/BAFRA  und Einsatz bei der Berliner Schokoladenfabrik  Hildebrand mit folgender Beschreibung
 
                                                                       und mit folgender Abbildung unter Nummer 13

Erneut wird weder bei Harris, London 1940 und Barfoot/Simon, London 1953  dieser  letzte Prototyp Anker/Bafra vorgestellt, taucht dann aber wieder  bei Dürst/Glasewald  im Katalog der deutschen Freistempel aus dem Jahr 1959 wieder auf und dies erneut mit obigem Bild (unter Typ E-IX, 33) und der mittig stehenden Zählziffer 6116 und sie geben erstmals eine Preisvorstellung mit DM 200,00 an. Im Katalog Dürst/Eich 1980 wird Bild und Text aus der Katalogisierung  aus dem Jahr 1959 praktisch 1:1 übernommen. Auch im Katalog Dürst/Eich aus dem Jahr 1996 erfolgt eine Anhebung der Preisvorstellung für diesen Vorläufer  der später so erfolgreichen  Francotyp – C  - Freistemplerserie  auf DM 350,00 mit folgender Abbildung

                            Werbung der Schokoladenfabrik  Hildebrand mit den prämierten Medaillen 1896 und 1897

und  dazu noch ein Rechnungsausschnitt der Kakao- und Schokoladenfabrik Hildebrand Berlin N 20 in der Pankstraße 34 - 37


Absenderfreistempel – eine  deutsche Katalogstudie
13. Fortsetzung   12.12.17

Die letzten noch vorzustellenden postamtlichen Vorläufer der Absenderfreistempel mit Einsatz  im Gebiet der Deutschen Reichspost betrifft die Weiterentwicklung der Maschinen durch Erich Komusin. Er erhielt also ebenfalls Vertriebsrecht – wenn auch etwas später als Francotyp - und gründete daraufhin die Komusina - Gesellschaft mit Sitz in Karlsruhe, um zukünftig von dieser Vertriebsmöglichkeit zu profitieren, die noch bevorzugt der Postfreistempler GmbH zu Gute kam, die auf Druck der Deutschen Reichspost am 1.7.1923 aus der Fusion seiner Konkurrenten Furtwängler, Bafra und Anker entstanden war und 1925 zur Francotyp Gesellschaft firmierte. Zur Ankündigung  nachfolgend das Amtsblatt des Reichspostministeriums mit der Ausgabe A und der Nr.77 mit Datum vom 30. August 1927 und hier unter der fortlaufenden Registrierung Nr. 351.


Schon die obige Abbildung im Amtsblatt entsprach nicht der aktuellen Stempelausführung! Der Portosummenzähler ist in der Abbildung des Amtsblattes nur 5stellig. Die mögliche Werbefläche Richtung zwischen Orts- und Datumsstempel und senkrechter  Portosummenzahl wurde in diesen Maschinen noch nicht genutzt und die Absender firmierten unterhalb des Wertrahmens in Form des Bogenrechtecks. Die allg. Einführung der integrierten Ortsstempel in den Freistempelabschlag machte nun die zusätzliche Anwendung mit Posttagestempel überflüssig. Schon an dieser Stelle der Hinweis auf den geringen Abstand zwischen Ortsstempel und Wertrahmen, der bei den Komusina – Standardmaschinen ab 1929 breiter wurde. Beispielhaft für diese Komusina postamtlichen Vorläufer die Kaffeerösterei Blancjour in Mainz die mit dem LOGO J.M.B 1797 auf ihr Gründungsdatum verweist.

Weder bei Harris, London 1940 und Barfoot/Simon, London 1953 konnte ich  diese letzten Prototypen entdecken. Bei Dürst findet sich aber im Jahr 1944  folgende Beschreibung der postamtlichen Komusina - Vorläufer, die er unter TYPE J  auflistet und mit der Abbildung Nr. 15 vorstellt


Im Dürst/Glasewald  Katalog der deutschen Freistempel aus dem, Jahr 1969 wird zwar obige Abbildung mit dem Absender Gebrüder Leichtlin  wieder genutzt, weitere Anwender werden aber nicht mehr  angeführt, sondern  nur nach 4 Unterschieden  im Wertziffernbereich differenziert und  diesmal mit einer ersten Preisvorstellung gelistet.

Im Dürst/Eich – Katalog aus dem Jahr 1980 werden die postamtlichen Komusina – Vorläufer  dann komplett wie folgt dargestellt und als Verwendungszeit wird September 1927 bis zum April 1928 angegeben.

Vermutete Dürst anfänglich 6 Maschinen, werden nur noch 5 aufgeführt (cc fällt weg). Der Komusina – Freistempler  hatte im Unterschied zu Anker und Bafra stets zwei verschiedene Klischees hintereinander auf einer Stempelwalze und natürlich lassen die handgravierten Ausführungen  Unterschiede erkennen und bei den späteren Standardmaschinen kommen auch noch teils unterschiedliche Werbeeinsätzen zur Anwendung, die also nicht auf weitere Maschinen zurückzuführen sind. Dazu schematisch eine Trommelbelegung mit dem zweifachen Stempelklischee bei der Komusina.

Die folgenden Stempelausschnitte lassen also zum Beispiel im Schriftzug Ing. H. Pauls leicht eine unterschiedliche Platzierung erkennen unterhalb der Postamtsziffer 1

Im Katalog Dürst/Eich aus dem Jahr 1996 werden dann dieselben Stempelabbildungen  aus dem Jahr 1980 gewählt und die Preisanhebung erfolgt auf DM 250,00 bis auf den häufigsten Vorläufer mit dem Anwender Ing. H. Pauls und hier dann Preisansatz von DM 200,00 und mit  neuem Stempelbild (s. anderes Datum).

Die weitere Vorstellung leitet über zu den Standardmaschinen im Freistempeleinsatz.

In den Katalogen wird in der Regel mit Francotyp fortgefahren. Aus Gründen der Kontinuität scheint mir aber Komusina sinnvoller (s.o.).  Die Komusina  Standardfreistempler  werden auf ca. 1350 bis 1450 Stück geschätzt. Dürst beschreibt in seinem Katalog aus dem Jahr 1944  nun die Veränderungen  der Komusina – Standardmaschinen zu den oben vorgestellten letzten postamtlichen Vorläufern folgendermaßen:

Dazu noch einmal eine Vergleichsabbildung  mit Vorläufer- und Standardfreistempler und Dürst lässt den wichtigen Hinweis auf die nun auch mögliche eingesetzte Werbung zwischen Ortsstempel und senkrechtem 6stelligem Portosummendruck vermissen

Barfoot und Simon stellen in ihrem Katalog  - erschienen London im Jahr 1953 – die Komusinafreistempler wie folgt vor

Unter Type 6 A werden die postamtlichen Komusina – Vorläufer dann ohne Abbildung doch kurz erwähnt  und unter Type 6B erfolgt die Stempelvorstellung und eine Abbildung  mittels der Standardmaschine.
Im Katalogwerk von Dürst/ Glasewald aus dem Jahr 1959 wird folgende Darstellung und Beschreibung des Standardfreistemplers bei Komusin  angeführt. Auch hier erfolgt noch einmal ein Hinweis auf den Unterschied zu den Vorläufern und eine erste Preisvorstellung ist zu dokumentieren.



Sowohl im Katalog Dürst/Eich 1980 und 1996 werden obige Kriterien übernommen, aber es erfolgt zusätzlich ein vergleichender Hinweis  zu einer weiteren Komusina – Standversion mit leicht verändertem Wertrahmen bei ca. 50 Anwendern.
                                                                                                           alte Version

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Schnell erkennbarer Unterschied ist der größere Schriftzug DEUTSCHES REICH und mit neuem nach rechts verschobenen  Platzierungsbeginn zwischen erster und zweiter Bogenlinie. Ursächlich verantwortlich war der Konkurs  der Komusina  - Gesellschaft und die Weiterbetreuung  dieses Kundenkreises durch die Francotyp – GmbH gemäß folgendem Schreiben:

Aber die Betreuung der Komusina – Freistempler - Kunden nach dem Konkurs aus dem Jahr 1931 erfolgte  also durch die Firma Francotyp und hier nach Angabe von Dürst aus dem Jahr 1944 durch das Ankerwerk in Bielefeld, die die restlichen Produktionsteile und Werkzeuge von der Fa. Junghans erhalten hatte.

Der Vollständigkeithalber sei erwähnt, dass die Versuchsmodelle der Komusina anfangs bei Guhl in Hamburg gefertigt wurden, die Standardmaschinen wurden allerdings im Zweigwerk der Uhrenfabrik  Junghans produziert. Kleinere Firmen trennten sich in den Folgejahren nach Konkurs der  Komusina - Gesellschaft  teils wohl ungern (die Maschinen der Francotypgesellschaft waren zudem teurer) von ihrem Freistempler mit „Bügeleisenbedienung“ und dies führte auch noch zu einigen  weiteren erstaunlichen Umrüstungen der Freistemplerklischees bis in die 1960er Jahre und sollen zumindest mit einigen Varianten vorgestellt werden.

Fortsetzung folgt




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