Deutsche Postautomation

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Münzfreistempler der Fa. Hänel&Schwarz im Handkurbelbetrieb



                                                

Die Aufnahmen des  imposanten Standgerätes eines Münzfreistemplers im Handkurbelbetrieb der Fa. Hänel&Schwarz aus Berlin- Neukölln stammen freundlicherweise von Chr.Wapler, Berlin  aus dem Postmuseum und wurden 1994 angefertigt. Speziell beim Handkurbel- Münzfreistempler der Fa. Hänel&Schwarz liegt noch Forschungspotential offen.  Seit der oben angeführten Ausarbeitung vor 12 Jahren s .vorheriges Kapitel ( Giel- Info Nr.17) gibt es wohl neue Erkenntnisse , aber das vergleichbare Belegmaterial ist und  bleibt relativ selten.

Meine aktuelle Überzeugung (Juni 2008) unter Berücksichtigung der vorhandenen Unterlagen besteht in der neuen Annahme, dass es nur einen Handkurbel- Münzfreistempler der Fa. Hänel&Schwarz gab mit fünf wechselnden Einsatzorten  und drei unterschiedlichen  Freistempelklischees im Zeitraum von 1932 bis 1939. Doch zunächst einmal die erste Stempelvorstellung.

                                    

Das Handkurbelgerät als Münzfreistempler  von Hänel&Schwarz  war auf einen Portowert mit 6 Pfennigen beschränkt. Beleg vom 30.10.1932 während der „Dela“1932. Im Ortsstempel die Angabe Berlin- Charlottenburg 5. Datumzeile wieder ohne Punkte und Uhrzeit hier aber auch ohne 5strahligen Stern im Gegensatz zum Stempel Berlin W9.

                                        
Auf der Detailaufnahme  (Chr. Wapler, Berlin) ist die Bedienungsanweisung des Münzfreistemplers mit Briefkasten zum Freistempel von Postkarten zu 6Rpf sehr schön erkennbar und beschrieben. Nach Einlegen der Postkarte wurde der Benutzer zum Einwurf eines 10Pfennigstückes aufgefordert. Anschließend war die rechtsseitig angebrachte Handkurbel bis zum Glockenzeichen zu bedienen, dabei wurde die Karte eingezogen und der Kunde erhielt 4 Pfennige im Auswurfschacht links unten zurück.


                                            


Chr.Wapler gelang auch eine Innenaufnahme. Links  erkennt man die Rückgeldgabeschächte. Die Glockenschale ist ebenso abgebildet wie die Einfärbrollen für den Freistempler. Der Einführungsschlitz führte die Postkarte zu den weißlich abgebildeten Gummirollen , darunter der Schacht zum Briefkastenteil. Hier war also im Gegensatz zum elektrisch betriebenen Münzfreistempler Berlin W9 mit doppelter Rändelführung im Abstand von 8,7cm ein breiter „weicher“ Gummirollentransport und man kann auch an keinem der vorhandenen Belege des Handkurbelgerätes  Druckrinnen im Blinddruck oder mit eingefärbten  Rändelspuren finden.

Mit der Verfügung im Amtsblatt 1194 aus 1932 wurde die Einrichtung eines Ausstellungspostamtes auf dem Messegelände in Charlottenburg am Ringbahnhof Witzleben als Zweigstelle des Postamtes Berlin Charlottenburg 5 bekannt gegeben.

Als Postkartenfreimacher wurde nun der zum Postamt Charlottenburg 5 gehörige Handkurbel- Münzfreistempler  zum Kundendienst und zur Einsatzerprobung häufiger zwischen 1932 und 1939 auf Wanderschaft geschickt. Diese Einsatzepisoden und Standorte wurden damals nicht festgehalten und ein mühsames Zusammensetzen von Puzzlebausteinen  ergibt einen gewissen Eindruck aber sicherlich vorläufig kein vollständiges Bild.

Nützlich zur Auswertung ist der Schriftwechsel zwischen Reichspostdirektion Berlin- Charlottenburg 5, Herbartstr.18/20, dem Reichspostministerium Berlin W66, Leipzigerstr.15 und  dem Reichspostzentralamt in Berlin- Tempelhof bezüglich der Einsatzmöglichkeiten von angebotenen Münzfreistemplern. Grundsätzlich ist in diesen Schreiben von 1933 bis 1937 nur von 2 Münzfreistemplern der Fa. Hänel&Schwarz die Rede und zwar von einem elektrisch betriebenen Automaten und einem Handkurbelgerät!
Weiterhin wurden die Handkurbelstandorte gelegentlich von Philatelisten entdeckt oder gezielt aufgesucht und sie teilten dies grüßend glücklicherweise dem Empfänger rückseitig auf dem einen oder anderen Beleg mit.
Ferner sind auch selten philatelistische Notizen  in Fachzeitschriften  zu entdecken.

So schreibt 1940 Werner Simon im „STAMPS magazine“ USA in der Ausgabe vom 6.April unter der Überschrift „FORRUNNERS OF THE MAILOMAT“ in seinem Artikel , dass ein Handkurbel- Münzfreistempler im Postamt Berlin- Charlottenburg  5 stand, der gelegentlich zum Postamt Berlin- Wannsee 3 während der Badesaison versetzt wurde. Aber nicht nur dorthin. Ein erster Sonderstandort des Handkurbel-  Münzfreistemplers  im Messepostamt Witzleben des Postamtes Charlottenburg 5 ist wohl zur  deutschen Luftpostaustellung „Dela“ 1932  dokumentierbar.

                                                                             

Auf einer Karte hat freundlicherweise der Absender mit Datum vom 22.10.1932 vom Besuch der „Dela“1932 folgende Nachricht  hinterlassen: „Da steht ein Automat, in den man die unfrankierte Karte einsteckt, dann wird ein 10Pfennigstück eingeworfen, und der Automat druckt den Wertstempel“.
So lassen sich die Daten vom 8.10. bis 30.10.1932  bis dato dem Sonderstandort des Handkurbel- Münzfreistemplers der „Dela“1932 zuordnen. Einen weiteren Sondereinsatz kann ich im Mai 1933 einer „Landwirtschaftlichen (?) Ausstellung“ und vom 4. bis 19.11. 1933 der  Ausstellung „Die Kamera“  belegt zuordnen.  

Von dieser Ausstellung konnte H.-J.Tast, Schellerten ein Werbeblatt aus seinem Archiv zur Verfügung stellen.

                                                           
                                         
Der Beleg zeigt leider einen recht schwachen Abschlag des Münzfreistemplers Charlottenburg 5 im Sondereinsatz am Ausstellungspostamt Ringbahnhof Witzleben. Zusätzlich abgestempelt noch mit Sonderstempel zur Ausstellung „Die Kamera“. 12.11.1933

Gesicherte Einsätze am Postamt Wannsee 3 (Strandbad) während der Badesaison sind mir aus 1932 und  1933  bekannt.

                                        

                                            Handkurbel- Münzfreistempler vom 30.7.33 Berlin- Wannsee3 ( Strandbad )
                                                     (  Kontrast verstärkt zur besseren Lesbarkeit des Freistempels )

Hier ist auch der Ortsstermpel ausgewechselt worden, da hier ein eigenständiges Postamt  vorlag im Gegensatz zum Ausstellungspostamt in Witzleben, das zum Postamt Charlottenburg 5 gehörte. Datumzeile wieder ohne Punkte und Uhrzeit. Der Einwand für einen Postkartengruß aus einem öffentlichen Schwimmbad ein etwas geschäftsmäßiger Eindruck mit Schreibmaschinenschrift  ist völlig berechtigt. Der rückseitige Text bestätigt einen gezielten Auftrag zur Besorgung des „ Münzfreistempels im Strandbad Wannsee“ durch den Studenten H. Müller an den uns schon bekannten Werner Simon.
Der Einsatz in 1934 ergibt sich dokumentiert aus einer Notiz der Reichspostdirektion Charlottenburg 5 vom 19.7.1934: „Der Münzfreistempler ist am 4.7.1934 wieder im Strandbad Wannsee aufgestellt worden.“ Auch hier kein anderer Automat sondern wechselnder Einsatz.

Sogar ein Umzug in den Vorraum  des Postamtes  Berlin- Charlottenburg 9 hat noch einmal stattgefunden, auch wenn wohl der Ortsstempel nicht mehr gewechselt wurde.
PA Charlottenburg 9 (Soorstr.61/62) war damals Zweigpostamt vom PA Charlottenburg 5 (Schloßstr. 24/25) und es erübrigte sich deshalb wohl ein Stempelwechsel im Freistempler am neuen Standort.

Die Umzugsgründe sind mir noch nicht klar ( bauliche Maßnahmen im PA Charlottenburg 5 im Jahr 1935/36 ? ), aber es existieren vom 26.3.1936 Postkarten aus denen einmal der Hinweis zum Postamt Berlin- Charlottenburg 9  als neuer Standort hervorgeht und es gibt eine Frequenzanalyse zur Benutzung des Handkurbel- Münzfreistemplers aus der Reichspostdirektion Berlin vom 12.August 1937  in einem Schreiben an den Reichspostminister Berlin W 66: „Standort Chlb. 9 z.T. Schaltervorraum  z.T.Ausstellungsgelände ( wurde also dort wohl immer noch eingesetzt) mit ca. 20maliger Nutzung pro Monat“. Dies wurde als ungünstiger Standort beschrieben im Gegensatz zum Strandbad Wannsee als Standort (wo sind nur alle die Belege geblieben?)!

                                          

Hier Abschlag vom 26.3.1936 vom neuen Standort im Postamt Charlottenburg 9 (ebenfalls Kontrast verstärkt). Der „Sohn Rudolf schreibt an seinen Vater vom „einzigsten“ Automaten in Deutschland der Postkarten freistempelt“ und dies am besagten neuen Standort ohne Ortsstempelwechsel im Freistempel.

Stand das Reichspostministerium eher ablehnend den Münzfreistemplern generell gegenüber, so war die Reichspostdirektion in Charlottenburg 5 eher positiv aber nur dem Handkurbelgerät gegenüber eingestellt. Vielleicht erklärt dies noch einmal einen neuen Standorteinsatz und dies noch mit neuem Ortsstempel und neuem Wertrahmen  in der Jugendherberge „Haus der Jugend“ in Berlin Teupitzer Strasse 39-43.   Bis dato bekannter Einsatz 1938 und 1939.

                                     

Da der rückseitige Freistempelabschlag  des Münzfreistemplers durch die gewölbte Ansichtskarte nur teilweise zur Darstellung kommt, wähle ich hier die passenden Abbildungen aus dem Postmuseum und dokumentiere so gleichzeitig  den letzten Standort möglicherweise  mit einem Ersttagsabschlag  24.8.1938 in seiner Mustervorlage im Gerät.    

                                    

                                           In der schwarz-weiß Abbildung noch das Beispiel aus dem Automatenfenster

Die breite Darstellung besonders des Münzfreistemplers in seiner Handkurbelversion von Hänel&Schwarz  war notwendig, um ansatzweise auch die noch möglichen Standortzeiten  zu beleuchten. Zumindest die 5 wechselnden Standorte mit Charlottenburg 5, Strandbad Wannsee, Ausstellungsgelände Messe Witzleben, Charlottenburg 9 und Haus der Jugend sind wohl gesichert. Vielleicht bringt auch dieser Artikel weitere wünschenswerte Daten und auch hoffentlich weitere Beispiele dieser doch recht seltenen Belege ans Tageslicht.
Das anschließende Kapitel beleuchtet den Münzfreistempler der uns schon bekannten Firma Klüssendorf aus Berlin- Spandau mit seinem einzigen Einsatz auf dem Weltpostkongress in Cairo von Januar bis Mai 1934.



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