Deutsche Postautomation

Informationen zur deutschen Postautomation im Bereich Freimachung,
Briefannahme, Schalterbetrieb und Briefbearbeitung.



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Portoermittlungs- Automaten (PIA)


mit online Münzwertzeichendrucker System Mettler- Toledo



Die dritte Firma im PIA1- Betriebsversuch der deutschen Post mit Start am 24.4.1998 war die Firma Mettler- Toledo. Eine Abhandlung erfolgte bereits in leicht veränderter Form im Themenbereich Freimachung mit Automatenmarken (s.dort).

Beim Gerätehersteller Mettler-Toledo wurde für das PIA- System  ein eigener Münzwertzeichendrucker entwickelt in Zusammenarbeit mit der Fa. Hectronic einer Firmentochter der Fa. Kienzle.

                                                          
                                                                       

                                      PIA- Automat der Fa.Mettler-Toledo in Zusammenarbeit mit Fa.Hectronic (Kienzle)
           
Die Abbildung stammt aus der Firmenwerbekarte, die an den 6. PIA-Standorten der Fa. Mettler-Toledo in Bochum 6 und 11, Köln 1, Schweinfurt 11, Trier 1 und 11  abgegeben wurde.
Auch hier sieht man auf der Konsole den Waagenbereich und darüber die Auswurfschale für Quittungen und Automatenbriefmarken angeordnet. In Sichthöhe dann wie bei den anderen Pia- Automaten war der Bildschirm platziert und rechts daneben der Geldeinwurf.

Das PIA- System ( Porto-, Informations- und Ausgabesystem) war ein Automations- und Selbstbedienungsversuch der dt.Post und dem Schalterbetrieb vorgelagert, um hier eine Entlastung zu erreichen. Die PIA- Automaten konnten direkt als Münzwertzeichendrucker für Automatenmarken benutzt werden oder  wenn gewünscht noch zur Briefportobestimmung. Bei der Portobestimmung wurde der Brief  ( bis 1000g wurden akzeptiert ) auf einer Auflage gleich gewogen  und vermessen. Über die Tastensteuerung  bei Mettler- Toledo neben dem Bildschirm ( auf jeder Seite 3 Wahlmöglichkeiten) konnten Versendungsarten abgefragt werden und zum aufgelegten Brief die errechnete passende ATM ausgedruckt werden. Auch eine Quittungsabgabe über den Betrag war möglich im 24 Nadeldruck auf Normalpapier!

Eine Bedienungsanleitung auf der Firmenwerbekarte von Mettler- Toledo zeigt die entsprechenden Wahlmöglichkeiten. Auf den symbolisch dargestellten Briefmarken sind die Handlungsabläufe am Automaten illustriert und demonstriert.


                            

Eine vereinnahmende  „Briefkastenfunktion“ hatte PIA nicht im Gegensatz zu den deutschen Automaten im Briefannahmebereich  der frühen R-Automaten (1909 bis 1931), der Münzfreistempler (1931 bis 1938 und 1954, 1955), im ABAS- System ( 1995 bis 1997) und bei den Samkyung- Automaten   ab 2002 in seinen Varianten PDL und Briefstation und aktuell der neuen Briefstation der Firma Telefrank ab Oktober 2008.                                   
Die ATM- Sammler beobachteten die Situation recht genau, da bei solchen Neuentwicklungen von Automatenmarkendruckern schnell abweichende Typen entstehen können, da trotz aller Bemühungen eine hundertprozentige Angleichung einer Programmierung für den Wertzeilendruck schwierig zu erreichen ist! Genau dies geschah!
                                                          
                                           
                                                                    
                      Ersttagsverwendung der Werbepostkarte der Firma Mettler- Toledo am 5.6.1998 Postamt Trier 11.

Der Abbildungskontrast ist verstärkt zur besseren Lesbarkeit. Der Sonderstempel zur Eröffnung der Center- Filiale "Wir rollen den gelben Teppich aus" war gleichzeitig Ersttag für die Inbetriebnahme des PIA- Automaten. Die Quittung über die Automatenbriefmarke war tatsächlich mit einer falschen Postleitzahl (54292) programmiert. Der Handwerbestempel weist für das Posamt 11 in Trier die richtige PLZ mit 54290 aus!

Eine Gegenüberstellung von Mettler- Toledo- ATM  zur Nagler- ATM zeigt den Unterschied im Wertzeilenaufdruck der Automatenmarken besser und deutlicher als auf der obigen Karte:


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                                                     Mettler- Toledo- Druck                        Nagler- Druck

Die Unterschiede sind im direkten Vergleich doch recht augenfällig. Der Mettler- Toledo- Druck wirkt insgesamt graziler und etwas in die Höhe gestreckt. Im „DBP“ wird es noch deutlicher. Das „D“ wirkt weniger plump und für mich ist ein schnelles Unterscheidungsmerkmal die stärkere Kerbung im „B“, während im Nagler – Druck das „B“ fast wie „zwei aufeinander gestellte plumpe  Kreise“ zur Darstellung kommt und eher einer gedrungenen und breiten „8“ ähnelt.


An dieser Stelle möchte ich auf Anregung von W. Rittmeier ( Redaktion DBZ)  doch einmal die Unterschiede der Nadeldruckversionen N24 vom Mettler- Toledo- zum Nagler-  Wertaufdruck in allen Ziffern vorstellen, damit für die Interessierten Vergleichsmöglichkeiten gegeben sind.
Bei den folgenden Abbildungen ist stets die Mettler- Toledo Automatenmarke über der Nagler- ATM angeordnet. Der gelegentlich geäußerte Hinweis alle Mettler- Toledo Aufdrucke liegen rechtsseitig im Stern des Sanssouci- Vordrucks, gilt nicht unbedingt durchgängig und spez. nicht für die Standorte Trier und Schweinfurt. Der Mettler- Toledo- Wertstufenaufdruck wirkt insgesamt graziler. Die Dezimalsterne sind ca. 1,3mm kleiner  im MT- Aufdruck und berühren sich fast bei Nagler. Beim DBP ist das D bei MT schlanker, gestreckter und wirkt bei Nagler dickbauchiger. Das B ist bei MT deutlich gekerbt und wirkt bei Nagler plumper als wären zwei Kreise aufeinander gestellt. Das P unterscheidet sich meiner Meinung nach nicht so signifikant.


         
Bei der Ziffer 1 ist der MT- Aufstrich gering kürzer. Die 2 wirkt bei Mettler- Toledo graziler und steiler, der obere und untere Strich zur 2 sind bei MT kürzer. Die 3 zeigt deutlich einen kürzeren unteren  Bogenstrich bei Mettler- Toledo.


          
Die 4 hat bei Mettler-Toledo einen um 1,5 mm verkürzten Querstrich. Bei Nagler ist der untere Bogenstrich in der 5 deutlich länger. Die 6 hat bei MT eher einen Kreis bei Nagler fast ein gedrungenes dickes Oval.


          
Bei Nagler ist der obere Strich der 7  länger. Die 8 wirkt bei Nagler spez. im oberen Kreis gedrungen und im unteren Kreis eher ovalförmig breit. Bei der 9 ist der Abstrich länger und steiler bei MT ausgeführt. Die  0 zeigt keine deutlichen Unterschiede in den Druckbildern.


Der Bildschirm im Mettler- Automaten bot nun abgebildet eine Auswahl von 5 ATM in den Wertstufen 100, 110, 220, 300 und 440Pfg. an , die einzeln angesteuert werden konnten, aber auch nacheinander fortlaufend abgerufen werden konnten zum sogenannten 1.Tastensatz mit der Möglichkeit der Quittungsabgabe nicht nur durch Einzelquittungsabruf für jeden Wert sondern sogar über den Gesamtwert des Tastensatzes in Höhe von DM 11,70!


                                              
                                           
                                                        Ersttags- Satz-mit Quittung Postamt Bochum 11 über DM 11,70

Auch hier findet sich in der Automatenquittung ein Programmierungsfehler und dies noch in zweifacher Hinsicht! In der Ortsbezeichnung hat man dem ehrwürdigen ehemaligen Bundeskanzler Willi Brandt den Buchstaben T im Hausnamen unterschlagen und auch noch die Postleitzahl 44866 für Wattenscheid eingegeben, obwohl für das Postamt  Bochum 11 die PLZ 44787 zugeordnet ist! Ob das die Gründe des nur 3wöchigern Betriebsversuches an diesem Standort waren, entzieht sich meiner Kenntnis!

Bisher haben wir stets einen neuen Tastensatz  kennengelernt, wenn durch Portostufenwechsel eine neue Wertstufenbelegung am Münzwertzeichendrucker im Tastenbereich durchgeführt wurde (s.a. Kapitel Freimachung mit Automatenbriefmarken).  Beim Mettler- Toledo- Automaten gab es mal wieder in der dt. ATM- Szene  eine Ausnahme in diesem atm- spezifischen Vorgang. Denn trotz der kurzen Betriebszeit - z.B. Bochum 11 über nur drei Wochen - und ohne Portostufenwechsel wurde ein 2.Tastensatz auf dem Bildschirm angeboten.                                                                  
Im ersten Bildschirmbild des PIA- Automaten bei Mettler- Toledo wurde auf die Möglichkeit der freien ATM- Wahl - möglich von 10 bis 9990Pfg.- verwiesen. Bei Öffnung der weiterführenden Bildschirmseite zur freien ATM- Wahl wurde dem Benutzer erneut eine Serie von 5 Automatenmarken  abgebildet vorgeschlagen in den Wertstufen 10, 50, 100, 200 und 500Pfg! Es konnten natürlich alle beliebigen Wertstufen zwischen 10 und 9990Pfg. eingegeben werden, an die vorgeschlagenen Wertstufen war niemand gebunden. Dies zur Erklärung zum sog. 2.Tastensatz.  Der MWZD Mettler- Toledo hat also erstmals 2 ATM- Vorschlagserien gleichzeitig  angeboten.


                                            
                                      2.Vorschlag- bzw. Tastensatz vom Standort Bochum 11 mit Quittung vom 5DM-Wert

PIA- Automaten hatten keine Münzwechslerfunktion, sondern beglichen Überzahlung in den uns schon bekannten ATM- Restwerten. Hier gab es aber bei Mettler- Toledo abermals eine Neuheit zu entdecken. Es wurde bei Wunsch eine ATM- Quittung über den ausgegebenen Gesamtbetrag ausgedruckt!


                                      

                                       Restwerte                        Gesamtquittung über DM 2.-              gewählte ATM      

Identisch mit den uns bis dato bekannten Verfahren im Restwertschema bei Klüssendorf  696 oder Nagler N101 oder N104 versuchte der MWZD stets die Restwerte in kleinster Menge abzugeben. Bei obiger Anforderung einer 10Pfg. ATM und Bezahlung durch DM 2.- gab es dann logischerweise Restwerte zu 110 und 80, denn die Restwerte waren mit 110, 100, 80, 60, 40 und 10Pfg. in fallender Priorität besetzt. Der geleistete Gesamtbetrag konnte dann in einer möglichen Gesamtquittung bestätigt werden s. o. Quittierung über DM 2.-  am Ersttag in Bochum 6!

Die Mettler- Toledo- Automaten hatten Justierprobleme im Farbband. Spez. vom Kölner Standort sind Teil- und gar Blinddrucke im Marken- aber auch im Quittungsbereich bekannt, wie die folgende Abbildung zeigt.


                                      

Nur vier Standorte ( Bochum 6, Köln 1,  Schweinfurt 11 und Trier 1) starteten  pünktlich am 24.4.1998. Bochum 11 und Trier 11 folgten erst ab 5.6.1998. Auch das Ende des Betriebsversuches mit 18.7.1998 erreichten nur 4 Standorte . Am Standort Bochum  6 war schon am 10.7. Einsatzende und in Bochum 11 bereits am 1.7.1998.

Der PIA- Automat von Mettler hat nun eindeutig eine Sonderstellung im dt. ATM-Geschehen:

1.         Eigenständiger Typendruck der Sanssouci-  ATM- Ausgabe!
2.         Kurze Betriebszeiten der PIA-Automaten allg. und in Bochum11 u.Trier11 speziell!
3.         Trotz neuer Aufdrucktype war nie ein Bezug über die Versandstellen möglich!
4.         Gleichzeitig zwei Vorschlagsätze im Bildschirmangebot!

Aus den genannten Gründen ist eine Wertfindung auch schwierig. Die Gesamtauflage aller Mettler- Automatenmarken ( gleich welcher Wertstufe und Verwendung )  wird auf 150.000 Stück geschätzt. Auch ich kann Ihnen leider keine Restwertsätze anbieten. Das obige Beispiel habe ich selbst „teuer“ nachträglich erstanden. Posthornsätze sind einfacher zu erwerben.

Im nächsten Kapitel wird aus thematischer und chronologischer Sicht zunächst die Portoermittlungshilfe  der Fa. Sielaff (PEH) von 2001 vorgestellt. Auch hier bestand die Möglichkeit  die  Automatenmarken in online Bedienung wie bei den PIA- Automaten nach der Portobestimmung zu beziehen.
Erst danach folgt die Vorstellung des PDL- Automaten der Firma Samkyung.




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