Deutsche Postautomation

Informationen zur deutschen Postautomation im Bereich Freimachung,
Briefannahme, Schalterbetrieb und Briefbearbeitung.



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Briefstation der Firma Samkyung



Wie schon im letzten Kapitel erwähnt, wurde auf der POST EXPO 2004 die Briefstation der Firma Samkyung vorgestellt. Schon auf der Post-Expo 2004 in Bukarest wurde das Planungskonzept und der Leistungsumfang der automatischen Briefnannahme vorgestellt  und dazu nachfolgend einmal die Übersetzung aus dem Englischen zu dieser Ankündigung.

                                  
Der Prototyp war offen gestaltet und für einen Straßeneinsatz in dieser Form nicht geeignet. Das Konzept sollte dem Großkunden ermöglichen, sozusagen noch nach Schalterschluss der Postfiliale und dies gegen Rechnung (!) die Geschäftspost auf den Weg zu bringen. Das endgültige Konzept wurde die Briefstation, die an 3 Standorten in Köln ab 2005  in einem Betriebsversuch getestet wurde.

                                       

                                     Prototyp der Briefstation beta- PASS ( Postal Automatic Service System) Fa. Samkyung


                     
                

Die Abbildung zeigt die verwirklichte Straßenkonzeption der Briefstation. Die Aufnahme stammt dankenswerter Weise wieder von C. Baumeister.
Der recht eindrucksvolle  Briefannahmeautomat der Fa. Samkyung wurde nur in Köln erprobt und war für den Postautomationssammler aber auch für den ATM- Sammler interessant durch den integrierten Sielaff- Münzwertzeichendrucker, dessen Positionierung im Automaten wieder auf einer Aufnahme von C.Baumeister gut zu erkennen ist.


                                       
                                                 Oben der (rötliche) doppelte ATM- Münzwertzeichendrucker erkennbar



                                            
                                         
                                                  Umschlag der Stadtplanwerbung der Deutschen Post zur Briefstation

Sogar ein Stadtplan wurde an den entsprechenden Kundenkreis ausgegeben mit Standorteintrag der Briefstationen, Automatenabbildung mit seinen möglichen Versendungsformen. Aber auch auf die zwingende Nutzung der Postcard wurde verwiesen.

                   

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus der Kölner Stadtplanwerbung mit  Positionen der Briefstationen und Hinweis für die bargeldlose Nutzungsmöglichkeit mit Postcard   durch den Briefannahmeautomaten  der Firma Samkyung.
Neben der Postausgabe mit dem Stadtplan Köln mit den Lokalisationen der Briefstationen warb die Deutsche Post auch mit einer PortoCard, die rückseitig allerdings auch den Hinweis beinhaltete, dass die Nutzung des Automaten nur mit einer POSTCARD möglich ist.

                              
                                                      

Die 3 Standorte waren über die Stadt verteilt. Der Start war am 1.August 2005 nachts um 0Uhr mit dem Gerät 001 an der Eupenerstr. 80. Dieser Standort ist  oben auf dem Stadtplanausschnitt markiert. Die weiteren Standorte folgten mit Freischaltung noch in derselben Nacht mit Standort 002 an der Amsterdamer Str.228 und mit 003 an der Goltsteinstr. 91.


Die Briefstationen verfügten über die Möglichkeit der automatischen und manuellen Briefaufgabe und waren wie ihre Vorläufer mit integrierter Waage ebenso Portoberrechnungsautomaten. Die Freimachung erfolgte im Automatikbetrieb mit Freistempelverfahren  der Firma Postalia im Frankitsystem ( 2-D-Barcode mit Angabe Briefstation) oder manuell und Abgabe der passend errechneten Automatenbriefmarke. Die ATM hatte wie schon im vorherigen Kapitel erwähnt, die eindeutige Unterscheidung zu den  Sielaff  Ortsgeräten im breiten Wertstempelaufdruck.

Die Briefstation wurde über den Bildschirm im „Touchscreen- Verfahren“ gesteuert. Nach Identifizierung der POSTCARD und Akzeptierung der allgemeinen Geschäftsbeziehungen – auch darüber wurde  eine persönliche Vertragsquittung erstellt-  konnte der Postkunde zwischen dem „automatischen“ Einzug oder der „manuellen“ Bearbeitung wählen. Das Zugangsfach für die beiden unterschiedlichen Briefeinzugsverfahren war ganz linksseitig in der Briefstation integriert  Das Fach wurde nach der POSTCARD- Akzeptierung und Wahl des Einzugvorgangs automatisch geöffnet.


        
                              


Der Ersttagsbrief zeigt die zusätzliche Briefdienstleistung mit Einschreibcodierung der Briefstation  im Automatikbetrieb. Der Postfreistempel wurde im Tintenstrahldruck erstellt und damit für Sammler in erfreulicher Haltbarkeit.  Bezahlung erfolgte im erwähnten Postcard – Verfahren bargeldlos mit  „PIN-Abfrage“  und der Postkunde erhielt  im gezeigten Beispiel neben dem Einlieferungsschein noch eine reguläre Rechnung, die nach einigen Tagen zur Kontolastschrift führte.


                                

Die Quittungsbelege sind schon Reproduktionen von Kopien und im  Kontrast leicht verstärkt. Auch hier lohnt es sich zur Erhaltung der Dokumentation  Kopien zu fertigen.
Es war schon als Zeitpunkt der Inbetriebnahme der ersten Briefstation in Köln das Datum mit 1.8.2005 in der Eupener Straße angeführt worden. Die Post scheute sich nicht bei den damaligen Betriebsversuchen  mitternächtlich um 0 Uhr  zu starten. Dies war z.B. auch später bei den Telefrank-Automaten in Frankfurt so.  Neben den Technikern, Postoffiziellen waren dann höchstens noch eine Handvoll informierte und interessierte Philatelisten vor Ort, um dieses Ereignis zu belegen.  So waren die ersten Briefaufgaben gegen 0 Uhr 35 möglich und dazu dann nachfolgend ein wirklicher Frühbeleg aus der Sammlung von Rolf Weise und quittungsmäßig wurde die Uhrzeit 0 Uhr 36 dokumentiert!

                                     
Die Briefstation ermöglichte  Firmenkunden im Automatikbetrieb bis zu 50 Postversendungen  in gleicher Versendungsform aufzugeben. Dies war ein Novum gegenüber den bis dato vorgestellten Postdienstleistungsautomaten.

                  Nachfolgend ein sicherlich extrem seltener Nachnahmebeleg über die Briefstation(ex Sammlung Weise)

                                      

Im folgenden Beispiel sehen wir eine eingeschriebene Versendung mit Rückschein im manuellen Automatenbetrieb vom 2.8.2005 mit 4,40 Euro ATM- Einzelfrankatur  mit  breitem Wertaufdruck .


                                         

           
  
Während im automatischen Einzug stets der R- Identcode  „RL“  im Einschreibverfahren genutzt wurde, erfolgte im manuellen Einzug anfangs die „RA“- Codierung im Labeldruck, die von einem kurzen Intermezzo über eine „RT“– in eine ebenfalls endgültige „RF“- Version  überging.


                       

Hier einmal die „RA- und RF“- Identcodevarianten  in den Nachweislabel  der Briefstationen  einmal in deutscher und internationaler  Version und in unterschiedlichen Anwendungen  vorgestellt.


                      

Die Label wurden in der manuellen Briefaufgabe entsprechend den Versendungsformen ausgedruckt und mit der passenden Automatenbriefmarke  (auch bei Teilfrankatur) abgegeben.
Die schon geschilderte Frankit-Kennung wurde an der Briefstation 01 Eupener Straße am 10.9.2005 geändert  und dazu noch einmal  ausführlich die Angaben von R. Weise , die auch  im  RSV-Rundbrief  2/2006 detailliert vorgestellt wurden.

                         

Auch Testdrucke bezüglich der eingelegten Automatenmarken sind noch festzuhalten und ebenso eine Testdruckquittung  in Rechnungsform (Sammlung R. Weise, Siegburg).

                                        
Im Gegensatz zu den neuen Briefstationen ab Oktober 2008, die den direkten Bezug der Automatenbriefmarken in der Menüsteuerung erlauben, gab die Samkyungversion der Briefstationen die ATM nur über die Ansteuerung  im manuellen Briefeinzug ab!
Im Gegensatz zum PDL- Automaten von Samkyung gab es bei der Briefstation keine ATM- Vorschlagswerte und damit Tastensätze.
Es konnten jedoch auch Automatenmarken in aktueller angelehnter „Satz"form  gezogen werden und dazu ebenfalls 2 Belegbeispiele mit zugehörigem Quittungsdruck aus der Sammlung von R. Weise.

                

Definitionsgemäß sind auch alle bisher besprochenen Automaten seit 1931 im ABAS- und PDL- System  Münzfreistempler gewesen. Spitzfindig gesehen, entspricht das bargeldlose  Verfahren der Samkyung- Briefstationen eigentlich nicht dem Begriff  Münzfreistempler.  POSTCARDfreistempler  wäre hier und bei der Telefrank- Briefstation ab Oktober 2008 eigentlich exakter.


Das folgende Beispiel dokumentiert mit Datum vom 30.8.2005 den Bezug über 5 Automatenbriefmarken in der Wertstufe zu 10 Cent am Standort der Briefstation „ 001-Eupenerstrasse“  mit der Rechnungsquittung über 0,50 Euro. Wie schon mehrfach erwähnt, erfolgte der Wertstufendruck  in den Briefannahmeautomaten PDL und Briefstationen von Samkyung  ausschließlich in der breiten 32mm Version.


       
                           


An dieser Stelle wieder ein Ausflug zurück zum automatischen Briefeinzug. Nicht immer arbeitete die Freistempelung mit Tintenstrahldruck im Frankitsystem der Firma  Postalia korrekt.  Ein bekanntes Phänomen  auch  aus anderen Freistempelungen in dieser Form ist die Verschiebung  innerhalb des Aufdrucks.

                  
                                     

Das gezeigte Beispiel zeigt eine Verschiebung im 2D-Barcode recht deutlich bei einer Maschine  im FRANKIERSERVICE  der deutschen Post. Noch extremer waren im Januar 2006 Druckverschiebungen im Stempelverfahren der Briefstation zu beobachten, wie das folgende Beispiel demonstriert.



                                      


Die Erklärung begründet sich  technisch durch die Verwendung zweier Druckköpfe im Freistempelverfahren. Da mit einem Druckkopf die Höhe des Gesamtstempelbildes  nicht darstellbar ist, werden grundsätzlich zwei benutzt. Die beiden Druckköpfe arbeiten mit Zeitversetzung zueinander, die aber bei exakter Abstimmung trotzdem ein einheitliches Druckbild gewährleisten. Bei schlechter Justierung kommt es zur Druckverschiebung des oberen oder unteren Stempelbildes nach rechts oder links.


Die Samkyung- Briefstationen waren wie alle bisher besprochenen  Briefannahmeautomaten seit der ABAS- Serie Dezember 1985  auch Portoermittlungsautomaten, ausgerüstet mit automatischer Messung von Gewicht und Format  der Briefe ( PDL auch Paket). Hier liegt sicherlich eine technische Hürde der Briefannahmeautomaten. Speziell  im Waagenbereich sind Eichvorschriften zu beachten und alle diesbezüglichen Betriebsversuche waren vom zuständigen Eichamt Braunschweig nur mit befristeten Zulassungen  ausgestattet.
Die zeitlich begrenzte Zulassung endete bei den Samkyung Briefstationen- meines Wissens nach-  September 2007. Im Oktober 2007 wurden die automatischen Briefeinzüge gesperrt und nur noch manuelle Briefeingaben waren möglich. Die Briefstation auf der Amsterdamerstrasse hatte allerdings gar nicht die Chance bis Ende September 2007 ihre Postdienstleistung anzubieten. Durch irreparablen Defekt wurde die Station Mitte Juni 2007 schon stillgelegt und abgebaut, da waren es nur noch zwei. Im manuellen Bereich arbeitete bis Ende Januar 2008 noch der Automat auf der Eupener Strasse, dann gab es nur eine Briefstation auf der Goltsteinstrasse  ebenfalls nur noch mit manuellen Briefeinzug.


Die Ära der Firma Samkyung und ihren Briefstationen endete zum 19.5.2008 endgültig mit dem letzten Standort.


                                   

                             Dokumentation letzter Betriebstag der Samkyung Briefstation Köln,Goltsteinstrasse19.5.2008



Für die Nachfolgegeneration im Automatenbereich der Briefannahme konnte sich die Firma Samkyung nicht qualifizieren. Hier erhielt die deutsche Firma Telefrank den Ausführungszuschlag und startete mit ihren ersten 4 Automaten am 1.10. 2008 in Frankfurt  in den Betriebsversuch mit allerlei Überraschungen. S. nachfolgendes Kapitel.


Dennoch gilt es an dieser Stelle abschließend noch einen besonderen Beleg vorzustellen.
Am 13.April 2006 gab es  einen Sonderstempel in Deutschland gewidmet der Samkyung Briefstation. Idee und  ausführende Initiative stammen aus einer Zusammenarbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft RSV und der Gemeinschaft für Gegenwartsphilatelie E.V.



                             

Köln 13.4.2006 Stempel zum Philatelistentreffen „Neues von der Briefstation“
Motiv zeigt stilisiert einen Postkunden bei der Briefaufgabe




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