Deutsche Postautomation

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Automatisches Briefannahmesystem (ABAS ) der DEUTSCHEN POST


der Firma Siemens- Nixdorf



Im Mitteilungsblatt Nr. 72/1995 vom 30.11.1995 kündigte die Deutsche Post AG recht kurzfristig die Inbetriebnahme des ersten automatischen Briefannahmesystems an mit Beginn des Betriebsversuches  zum 5.12.1995  und seinem ersten Standort beim Postamt Bonn 1 am Münsterplatz 17 durch ein Gerät der Fa. Siemens- Nixdorf. Die DBZ war damals in der Ausgabe 24/95 vom 24.11.1995 bereits die erste Fachzeitschrift, die ganzseitig  (S.85) auf den bevorstehenden Betriebsversuch hinweisen konnte.

An diese Stelle gehört  ein allgemeiner Rückblick zum damaligen Geschehen auch zum Verständnis vielleicht Neuinteressierter, denn ABAS war damals in jeder Hinsicht erlebnisreich!

Die 4 verschiedenen Gerätetypen der Firmen Siemens- Nixdorf, Olivetti, IBM und Nagler waren unterschiedlich konzipiert. Während des Installationsverlaufs der Automaten konnte man feststellen, dass die Firmen selbst in der Entwicklung unter Zeitdruck standen. Nicht technisch ausgereifte und jahrelang vom posttechnischen Zentralamt geprüfte Automaten wurden vorgestellt, sondern der Betriebsversuch selbst war wohl rückblickend betrachtet die Testung. Die Erprobung der Automaten erfolgte durch die philatelistisch interessierte Sammlerschaft, denn über mangelnde Resonanz auch in der Presse litt der ABAS- Betriebsversuch sicherlich nicht!  Im Gegenteil!
Angesprochen waren ja einerseits die Automatenmarkensammler durch die in 3 Gerätetypen integrierten ATM- Münzwertzeichendrucker, ferner die Postautomationssammler, die Freistempelspezialisten, die Sammler von Einschreibverfahren und nicht zuletzt die Heimatsammler. Dieser recht hohen Zahl von Interessierten  standen dann  an den bekannten  Inbetriebnahmetagen an den insgesamt 16 Standorten ( 2 davon durch Umsetzung) Automaten mit trägen Softwareprogrammen gegenüber, die in einigen Fällen im wahrsten Sinne nur durch die anwesenden Firmentechniker  mühsam über den  Ersttag gerettet wurden und auch das klappte nicht in allen Bereichen. Die angebotenen Versendungsformen der Automaten brauchten ablaufmäßig gelegentlich 4 bis 5 Minuten für eine Belegaufgabe zum Beispiel im Einschreibverfahren. Bei entsprechendem Andrang wurde daher seitens der Post in der Regel die Zahl der Briefvorgänge oder ATM- Bezüge auf  2malige Bedienung pro Benutzer begrenzt. Für  auswärtig angereiste Besucher bedeutete dies gelegentlich nur ein Bedienungsvorgang am Inbetriebnahmetag! Dafür war von der Jahreszeit her auch noch stundenlanges Anstehen bei teils frostigen Temperaturen angesagt. In mancher Hinsicht sicherlich damals ernüchternd. Was ferner auch noch nicht erkennbar war, dass noch eine weitere Frustration anstehen sollte durch die Selbstzerstörung  der benutzten 2farbigen Thermolabel der Firma Siemens- Nixdorf im Freistempelverfahren. Dennoch sind davon im gesamten ABAS- Systembereich bei 16 Standorten nur 20% der Belegdokumentationen betroffen ( 2 Geräte hatten ja noch einen Standortwechsel ) bei Berücksichtigung von Freistempelvorgang und Automatenmarkenbezug.

80% des ABAS- Belegmaterials ist verteilungsstatistisch gesehen ohne diese Labelvernichtung. Relativ spät- leider auch aus Zeitgründen- habe ich persönlich  noch zur Sicherung zumindest das Quittungsmaterial der ABAS- Automaten fotokopiert. Dies ist kein vollwertiger Ersatz, aber die Thermoquittungen sind wohl auf Dauer gesehen eventuell auch noch gefährdet.
Bei der Abbildung von Siemens- Nixdorf Belegen im Freistempelverfahren werde ich schon auf alte Bilder aus Veröffentlichungen  zurückgreifen müssen, da ich selbst hier nicht alles rechtzeitig kopieren konnte. Aber es handelte sich um einen Betriebsversuch und dieser Versuch verlief nun einmal in einem Teilbereich ärgerlicherweise selbstzerstörend. Hier sollte man den Sachverhalt zähneknirschend akzeptieren. Leider waren diese Belege durch die Seltenheit an Inbetriebnahmetagen auch obendrein noch finanziell recht hoch angesiedelt. Aber es gibt ja aktuell in der Philatelie diesbezüglich allgemein eine lebhafte Diskussion zur Sicherung und Aufbewahrung  des geliebten Materials. Die Postautomationssammler haben hier mit dem Siemens- Nixdorf- Automat mit seinem ABAS- Label- System schon ihre negative Erfahrung im Schnellverfahren erledigt. Nach dieser Einführung in das heikle Thema werfen wir einen Blick auf den Automaten selbst im Kleiderschrankformat, der von allen ABAS- Automaten sicherlich damit für die Sammlerschaft zur schlechtesten Variante wurde. Die Bildvorlage stammt mit bestem Dank von C. Baumeister, Unna.


                                                          


Das Detailbild ( Pressefoto der deutschen Post ) zeigt deutlicher das linke Briefannahmefach, den mittleren Bedienungsteil mit Touchscreen- Bildschirm und Quittungsausgabe und den rechten „Geld“-  Bereich.
Definitionsgemäß ist der Automat ebenfalls ein Münzfreistempler!


                               
                 
Die Bedienung über den Bildschirm war bei Siemens- Nixdorf bis zu einer späteren Softwareumstellung anfangs recht mühsam spez. durch häufige Bestätigungsanforderungen. War das Programm bei Punkt „Briefaufgabe“ angelangt, öffnete sich das linke Briefeinlegfach. Der Brief wurde gewogen, die Größe optisch vermessen - wenn ein „Eselsohr“ hoch stand – landete man schon unbegründet im nächsten Posttarif und beim Einschreibverfahren wurde der Brief noch gescannt  zur Nachweissicherung. Hatte man diesen Punkt erreicht, konnte im Gerät rechts gelegen der Zahlungsvorgang mit Münzen und Scheinen angeschlossen werden. Nach Zahlung wurde der Brief vereinnahmt, automatisch mit dem Label passend beklebt, dabei  gab es immer Büge, die aber letztlich besser gewesen wären als die Aufdruckzerstörung. Der Vorgang wurde mit der Ausgabe der Quittung beendet, die auch neben Entgelt evtl. noch den Einlieferungsschein beinhaltete.


                                                        
                                                   

Ersttag ABAS- Siemens- Nixdorf Bonn 1 am 5.12.1995. Oben die Schwarz-Weiß- Kopie aus der Schrift von P.R.Huber (1996) und unten aktuelle „Rest“-darstellung (August 2008). Bei Siemens- Nixdorf wurde der Thermolabel durch unterschiedliche Erwärmung entweder  rot für R – Ziffer und Rahmen bzw. Eilboten und der Restdruck erfolgte schwarz für Gebühr und Postamtsbezeichnung mit Datumsangabe und Posthornabbildung. Die dazugehörigen ABAS- Quittungen  zeigen den Einlieferungsnachweis und die Gebührenquittung für Postwertzeichen aus Automaten. Diese Entgeldquittungen unterschieden sich nicht im Druck für Freistempelung oder bei der Abgabe von Automatenpostwertzeichen. Dies galt ferner ebenso für die weiteren ABAS- Geräte von Olivetti und IBM.

                                                     

Für die Automatenbriefmarkenabgabe baute Siemens- Nixdorf einen 24Nadeldrucker mit Typenbezeichnung N 109 der Firma Nagler ein. Ein Unterschied zur Markenabgabe im N 104 war nicht erkennbar, aber es konnte erstmals für Nagler- Automatenbriefmarken eine Quittung abgerufen werden. Der Bezug der ATM erfolgte ebenfalls über die Menuesteuerung und Touchscreen (Bildschirmeingabe).

                                                                   

                             Sanssouci ATM 10Pfennigwert im Nagler N24Druck und ABAS- Quittung Wiesbaden 1996

Siemens- Nixdorf schaffte es damals durch Verbesserung der Technik gerade noch rechtzeitig, seine weiteren Automaten an den Standorten der Postämter in Bremen 1, Bottrop 1, Köln 1 und Wiesbaden 1 mit ABAS- Geräten  zu installieren. Zur spez. Information für Interessierte: Bonn 1 lief gerade einmal 3 Tage in den ersten 4 Wochen seit 5.12.1995! Dem eigenen technischen Produkt wohl misstrauend, stattete Siemens- Nixdorf  anscheinend seine Automaten mit  zwei Möglichkeiten zur Fehlermeldung aus unter Stichwort „Geld oder Brief“ im Quittungsdruck zu Reklamationszwecken.

Die Abgabe des integrierten Münzwertzeichendruckers für Automatenbriefmarken erfolgte in freier Wahlmöglichkeit der Wertstufen von 10 bis 9990 Pfennigen. ATM- Vorschlagswerte oder  ATM- Satzangebote wie bei den ABAS- Automaten von Olivetti und IBM  gab es nicht! Das Gerät vom Postamt Köln 1 wurde dann noch umgesetzt zum Postamt Dortmund 1. Hier hatte auch Siemens- Nixdorf seinen letzten Betriebsversuchstag  im ABAS- System am 26.03.1997.

In diesem Zusammenhang kann festgehalten werden, dass die Bonner  vom Mundwerk auch nicht  weniger schlagfertig waren als die Berliner. Gaben die dort dem Münzfreistempler 1954 am Postamt W 15 den Namen „Beamtentod“, so hatten die Bonner nach der Inbetriebnahme am 5.12.1995 schon ein Firmen- Synonym für den Ablauf parat mit „Siemens- Nix geht“!

Die Schwerfälligkeit und Störanfälligkeit im Siemens- Nixdorf- System verwundert schon etwas. Denn ganz unvorbereitet  auf das automatische Briefannahmesystem war die Firma nicht. Schon 1993 hatte Siemens- Nixdorf auf der Cebit- Ausstellung in Hannover drei Selbstbedienungsautomaten für Postkunden vorgestellt. Neben einem Finanzterminal war auch ein Postautomat  mit der Kombination von Münzwertzeichendrucker  (Klüssendorfdrucker) und Faxgerät  als Prototyp aufgebaut. Als dritter  Entwicklungsvorschlag wurde damals ein Paketannahmeautomat gezeigt. Eine detaillierte Vorstellung zu diesen Prototypen ist an dieser Stelle gelegentlich eingeplant.

An dieser Stelle möchte ich noch Art und Umfang des Annahmespektrums  im ABAS- System vorstellen , wie es in der Originalanlage des Mitteilungsblattes der deutschen Post Nr.72/1995 vorgestellt wurde.

                       

Der nächste Gerätetyp mit der Firma Olivetti startete  am 8.12.1995 beim Postamt Leipzig 1.
Der Freistempel wurde im Tintenstrahldruck vollzogen und hier zeigen sich löblicherweise bis heute keine Auflösungserscheinungen!
S. nachfolgendes Kapitel.





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