Deutsche Postautomation

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Quelle – ein deutsches Versandhaus 


1927 bis 2009  


82 Jahre Firmengeschichte postgeschichtlich zu betrachten, ist sicherlich reizvoll und eine Domäne der Freistempelphilatelie, andererseits aber über einen solchen Zeitraum schwierig zu strukturieren und vorzustellen. Der ehemals größte deutsche Postkunde war mit Schwerpunkt im Versandgeschäft gezwungen, vielfältig und innovativ auf modernste Logistikmöglichkeiten  zu reagieren und Automation war stets das Prinzip der Stunde. Dabei war natürlich die elektronische Datenverarbeitung ein zunehmend beschleunigender Faktor mit Beginn der 70er Jahre unter Kombination von Rechnungserstellung, Adressierung und Freimachung und wenn möglich dies alles in einem Schritt  und Arbeitsgang.
Andererseits gilt es das Versandhaus QUELLE in seinen historischen Kontext zu stellen auch bezüglich der jeweiligen konkurrierenden Warenhausgesellschaften  mit teils auch politisch bedingten Veränderungen. Schon die Quelle- Konzernstruktur über acht Jahrzehnte ist extrem komplex, ferner kommen zum Beispiel Standortverlagerungen von Auslieferungswerken und Verwaltungen, Fusionen und Auslagerungen, Verkauf von Firmenteilen u. a. hinzu. Dennoch ist es ein Versuch wert, das QUELLE- Versandhaus einmal vorzustellen.
Eine Gliederung ist angedacht, allerdings sind durch neue Sachlagen oder Erkenntnisse  Änderungen möglich. Die Basis der Vorstellung soll dabei möglichst eine gewisse Chronologie im Auge  behalten.


QUELLE - Das historische Umfeld der europäischen Waren- und Kaufhäuser seit 1850, spez. Entwicklungen während des Nationalsozialismus und  in der Nachkriegszeit  

QUELLE - Gründung und  Entwicklung zum Versandhaus, Kriegsende und  Neubeginn, erneute Expansion im deutschen Wirtschaftswunder
           
QUELLE - Start in die elektronische Datenverarbeitung und Kombinationen mit entsprechender Freimachung im Brief- und Paketversand
- a) Versuchsphase
- b) das dreigeteilte Rechteck
- c) Labelphase

- Aspekte der deutschen Wiedervereinigung

- Infopost, Werbung, Portomarken

QUELLE - Tochterfirmen mit Banken, Versicherungen, Fachgeschäften, Fertighausfirma, Auslieferungslagern u. a.

QUELLE - Fusion mit dem Karstadt- Unternehmen

QUELLE - Konkurs und Zerschlagung, Perspektive



Quelle - Das historische Umfeld der europäischen Waren- und Kaufhäuser seit 1850,  Entwicklungen während des Nationalsozialismus und  der Nachkriegszeit 

Gustav Schickedanz geboren am 1.Januaur 1895 in Fürth, Bayern machte zunächst eine  kaufmännische Lehre bevor er 1922 einen Groß- und Einzelhandel für sog. Weiß-, Kurz- und Wollwaren in seiner Geburtsstadt in der Moststrasse 35 eröffnete und 1927 zusätzlich das  „Versandhaus Quelle, GmbH, Sitz Fürth“ in der Königswarter Str. 10.
                                 
                    
Gustav Schickedanz vorgestellt auf einem Absenderfreistempel der Quelle International AG mit dem bekannten Logo der offenen rechten Handinnenfläche im Buchstaben Q und Datum vom 13.11.1990.

Bezogen auf die Gründerzeit im Warenhausbereich kann Gustav Schickedanz  schon allg. als  2.oder gar 3. Generation eingeordnet werden. Eine nun nachfolgende Vorstellung  deutscher Warenhauskonzerne aus dieser Anfangszeit ist schon vom Verständnis her notwendig, da  später auch teils Fusionen bis in die QUELLE AG stattfanden und die kaufmännischen Entscheidungen  von G. Schickedanz sicherlich auch in Abwägung  zum konkurrierenden Warenhaussektor gesehen werden müssen.

1850 starteten die ersten Kaufhäuser und Warenhäuser in Europa. Hier ist sicherlich Peter Jelmoli aus der Schweiz als einer der Ersten zu nennen. Die Illustration stammt als Ausschnitt aus einer Ansichtskarte  von Zürich aus dem Jahr 1900.

                                                      
Es folgte der Franzose Aristide Boucicaut mit seinem weltberühmten Kaufhaus „Bon Marche“ in Paris nachfolgend vorgestellt auf einer Illustration zur Weltausstellung in Paris 1900.

                                      
                     
Die ersten Kaufhaushändler führten feste Preise im Warenhaus und Versand und die Barzahlung ein. Das war damals absolut unüblich. Der Kaufmann im Einzelhandel hatte seinen Stammkunden, verhandelte die Preise individuell, kreditierte die Außenstände bis zum Monatsende  und hatte daher häufig permanent Liquiditätssorgen für den Nachkauf seines Warenlagers. Feste Preise und Barzahlung  waren ein typisches Novum im neuen Kaufhausstil. Der Trend ging dadurch weg von wenigen und bekannten Kunden hin zu anonymen aber vielen Kunden. Durch entsprechenden Geldfluss und größere Umsätze konnten die Preise günstig gehalten werden, durch Filialenbildung steigerte sich dann wiederum der mögliche Einkaufsbonus! Es gibt vielleicht Wirtschaftsjournalisten, die vielleicht eine Erklärung wissen, aber in  Deutschland in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts  kamen ein Großteil der Warenhausgründer aus der preußischen Provinz Posen und hier spez. aus  dem Städtchen Birnbaum und waren ferner jüdischen Glaubens.
Da ist einmal die Warenhauskette Hermann Tietz  mit den Gründern Hermann und seinem Neffen Oskar Tietz zu nennen mit den späteren Hertie Kaufhäusern. Hier vorgestellt auf einem Absenderfreistempel  aus Berlin  und SW 19 war zuständig für das Flagschiff dem  Warenhaus Hermann Tietz  auf der Leipziger Strasse gegründet im Jahr 1900.


                                         
                                              Ein Jahr später feierte Hermann Tietz noch 50 jähriges Jubiläum
                        
                                     

Der nachfolgende Freistempelausschnitt demonstriert schon die Arisierung  am 24.7.1933 zur Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH.

                                        

Wir sehen das Kaufhaus Hermann Tietz am Alexanderplatz nach 1933  in arisierter „Hertieform“ mit Hertiefahnen und Leuchtreklame.

                      
Auf Einladung der Banken (!) 1933 in Abstimmung mit dem Reichswirtschaftsministerium  wurden den Tietz- Geschäftsführern zur „Vereinfachung der weiteren Verhandlung“ im Hotel Adlon, Berlin gleich die Pässe abgenommen, was wahrscheinlich  den nötigen Nachdruck der Akzeptanz zum Ausstieg aus der Geschäftsführung erzeugte.  Erstaunlicherweise durfte der Name Hermann Tietz in Hertie weitergeführt werden. Die jüdischen Eigentümer emigrierten rasch ins Ausland. Nachfolgend das Hotel Adlon auf einer Ansichtskarte aus den 1920er Jahren.

                                    
Von den durch Kreditvergabe beteiligten und dominierenden Banken wurde Georg Karg als Geschäftsführer etabliert. 1939/40 kaufte Karg die Bankanteile und Hertie ging in den Besitz der Familie über. Ein großer Teil der Filialen war durch die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg verloren, aber im Wirtschaftswunder Westdeutschlands wurden die  größtenteils auch zerstörten Warenhäuser wieder aufgebaut, neue Standorte eröffnet und 1952 sogar die Wertheim AG eingegliedert, bevor 1994 Hertie selbst im Karstadt-Konzern aufging.  
               
                                       
  
Schon an dieser Stelle  ist noch einmal zu vermerken, dass nach Fusionen oder Eingliederungen häufig die alten Kaufhausnamen präsent blieben und für die Kunden dadurch die neue oder veränderte Konzernzugehörigkeit nicht immer bewusst sein konnte oder wurde.
             
Die Familie Tietz war in jeder Hinsicht groß. Viele Familienmitglieder, viele Kaufhäuser, vermutlich zentraler oder abgesprochener Einkauf und zahlreiche Filialen können registriert werden.  Mit Leonhard Tietz und seiner Warenhauskette ist ein weiterer großer Konzern  aus der Familie Tietz vorzustellen.
Vorgestellt auf der Ansichtskarte ist das imposante Kaufhaus Leonhard Tietz als Neunbau in Elberfeld aus dem Jahr  1912 und auch neuer Sitz der Hauptverwaltung der L.Tietz-Warenhäuser hier in der „Doppelstadt Wuppertal- Elberfeld“.

                        

                                 
Die vorm. Leonhard Tietz A.-G. ist noch dezent im Absenderfreistempel von 1933 und auf dem Briefumschlag festgehalten, ansonsten sehen wir die arisierte Form der Gesellschaft mit Westdeutscher Kaufhof AG später nur noch Kaufhof AG. 1996 Fusion mit Metro Cash & Carry  aus der Metro Group. Oktober 2008 Umwandlung in Galeria Kaufhof GmbH.

                                          

Man kann nicht behaupten, dass die Nationalsozialisten den „Krieg“ nur gegen die jüdischen Warenhäuser führten, sie trieben nur den allg. Trend vom mittelständischen Einzelhandel schon seit der Jahrhundertwende 1900  initiiert  gegen die Kauf- und Warenhäuser unter ihrem Nazimachtregime handfest ( bei jüdischen Geschäften kann der Begriff auch wörtlich genommen werden) auf die Spitze.  Obwohl die Warenhäuser in Deutschland praktisch nie mehr als ca. 6% vom Gesamtumsatz im Einzelhandel rekrutierten, wurden sie stets für den Strukturwandel  im Einkaufsverhalten  verantwortlich gemacht.  Diese Diskussionslage ist aktuell weiterhin gültig.  Am 17.12.2009 entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, dass ein Schutzanspruch alteingesessener  Geschäfte gegen Discounteransiedlungen besteht bei zu erwartender starker Konkurrenz im Nahversorgungsbereich der Bevölkerung.


Ein weiteres stets und gut  bekanntes Warenhaus mit  Gründung 1907 in Berlin  war das Kaufhaus des Westens  im Besitz von Adolf Jandorf. Hier sei vermerkt, dass auch damals schon  Investoren auftauchten. So war bei Jandorf auch die Firma Emden aus Hamburg mit investiert und wird uns später noch einmal begegnen. Das KaDeWe liegt in Berlin- Schöneberg in der Tauentzienstrasse am Wittenbergplatz und war und ist eines der renommiertesten deutschen Warenhäuser. Vorstellen möchte ich das Kaufhaus mit einem Absenderfreistempel auf einer sog. Francotypstammkarte, die den Einsatz einer frühen Baframaschine in dieser Form mit Datum vom 28.1. 1926 als Unikat ausweist.

                        

1926 ist aber auch schon das Jahr in dem  Jandorf seine Kaufhäuser  zum Januar 1927 an den Konzern von Hermann Tietz verkauft! Das KaDeWe behielt den Namen und die Werbung im Absenderfreistempel von 1937  versprach sämtliche Wünsche erfüllen zu können. Man hat eben  alles für den Kunden im Angebot und  wirbt   ohne falsche Bescheidenheit, wie der folgende Briefumschlag belegt.

                                      
Auf der Ansichtskarte aus den 1930er Jahren sehen wir an der Tauentzienstrasse links das KaDeWe und die Leuchtreklame verspricht ebenfalls ALLES AUS DEM KaDeWe.


                             
                                  Folgend der Freistempel des KaDeWe aus 1956  und  Deutsche Post im Wertstempel    
        
                                         

Gemäß den obigen Ausführungen ging das Warenhaus KaDeWe über den Hertiebesitz 1994 an die Karstadt AG, die  1999 mit der Quelle Schickedanz AG & Co fusionierte zur Karstadt/Quelle AG und sich 2007 unter dem neuen Konzernbegriff Acandor firmierte und dort wurde und wird das KaDeWe in der sog. Premium Group geführt.

Das  Wertheim  Warenhaus wurde oben schon  kurz angedeutet und bedarf an dieser Stelle einer näheren Ausführung.
Der  Warenhauskonzern der Familie Wertheim hatte seine Wurzeln in Stralsund. Nach Filialbildung in  Rostock expandierte der Familienkonzern weiter nach Berlin und baute ab 1897 an der Leipziger Strasse sein größtes und bekanntestes Warenhaus bis 1927  in mehreren Stufen aus bis hin  zu einer gigantischen Straßenfront von über 300 Metern.

                                              
Vorgestellt das Wertheim-Warenhaus an der Leipzigerstrasse mit Firmenumschlag und Absenderfreistempel. Der Brief ist  adressiert an die Porzellanfabrik Hutschenreuther in Hohenberg / Bayern.
Wertheim, Leipzigerstrasse  wirkte wie eine gotische Kathedrale (Berliner Architekt Alfred Messel) und imponierte etwas gediegener gegenüber den anderen Flagschiffen Tietz am Alex, KaDeWe und Karstadt am Hermannsplatz.

                              
                               Kaufhaus Abraham Wertheim aus den 1920er Jahren in Berlin an der Leipziger Strasse
Ausgestattet mit Palmengarten und Cafe gingen die Berliner  ins Wertheim wie zum Sonntagsausflug oder kauften z.B. Weihnachtsgeschenke, für die schon gezielt der Absenderfreistempel  aus dem Jahr 1935 wirbt.  

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Schon A. Wertheim  für Abraham W. lässt uns mittlerweile nach den oben aufgeführten Ausführungen  das Schicksal des Konzerns unter den Nationalsozialisten erahnen. Auch eine Schenkung an seine nicht jüdische Ehefrau bewahrte den Konzern nicht vor der Enteignung. Aus Wertheim wurde die AWAG (allg. Warenhaus Gesellschaft AG). Bombenangriffe  während des 2. Weltkriegs zerstörten viele Standorte, nach der Teilung Deutschlands gingen ostzonale Standorte in das Volkseigentum über und ein Neubeginn nach dem Krieg erfolgte ab 1952 mit Warenhäusern am Kurfürstendamm, Schloss- und  Wilmersdorferstrasse im Westen der Stadt Berlin. In den 1980er Jahren übernahm Hertie den Wertheimkonzern, ging seinerseits 1994 aber im Karstadtkonzern auf, der ja 1999 mit Quelle- Schickedanz fusionierte  s. auch obige Ausführungen. Interessant in diesem Zusammenhang ist zu vermerken, dass nach einem langjährigen Rechtsstreit über alte Wertheimgrundstücke in Berlin eine außergerichtliche Einigung mit der Wertheimfamilie in den USA mit Zahlung von 88 Millionen Euro durch den Karstadt-Quelle Konzern erzielt wurde.

Nach Vorstellung von Hertie, Kaufhof, Wertheim steht zum Verständnis der späteren Konzernentwicklungen noch  der Karstadtkonzern an und hier zuvor der Fusionspartner Theodor Althoff. Nach Übernahme des elterlichen Geschäfts im westfälischen Dülmen 1885  eröffnete Althoff 1904 in Dortmund am Westenhellweg das größte Kaufhaus  Westfalens, das nach der Erweiterung 1911  sein Konzernflagschiff wurde.

                                            
Seine Warenhauskette beschränkte er auf  den geographischen  Raum mit Münster, Recklinghausen, Duisburg und Dortmund. Im Absenderfreistempel von 1937 noch der Hinweis auf Althoff und seine Präsenz in Recklinghausen seit 1893.

                                                            
Ein wichtiger Standort seit 1911 war für Althoff auch in Essen an der Limbeckerstrasse mit zahlreichen Fachabteilungen auf 28.000 Quadratmeter Warenhausfläche. Althoff erkannte nach dem ersten Weltkrieg seine zunehmenden Schwierigkeiten speziell im Bereich Warenbeschaffung und Liquidität. Da der Karstadtkonzern in diesen Althoffstandorten eine günstige Filialerweiterung  sah, kam es 1920 zur Fusion unter der Rudolph Karstadt AG, wie dies auch die folgende Postkarte dokumentiert mit Theodor Althoff und Inhaber Rudolph Karstadt AG.

                                    
Auch hier liefen die Althoff- Warenhäuser unter angestammten Namen zunächst weiter. Mit der Rudolph Karstadt AG  ist der noch  letzte wesentliche Warenhauskonzern vorzustellen, zum weiteren Verständnis des historischen Umfelds für  Gustav Schickedanz und seinen Versandhaus- und Warenhauskonzern QUELLE ab 1922/ 1927.

Rudolph Karstadt wurde am 16.2.1856 in Grevesmühlen in Mecklenburg geboren. Der Vater hatte in Schwerin eine Färberei und kleinen Manufakturladen, den Rudolphs Bruder übernahm. Rudolph Karstadt selbst eröffnete 1881 in Wismar  sein erstes „Warenhaus“. Das Angebot war eigentlich noch zu beschränkt, um vom Kaufhaus zu reden, aber die Warenhausprinzipien mit Barzahlung  und festen Preisen führten zum guten Erfolg und zur ersten Filialbildung in  Lübeck. Rudolph Karstadt übernimmt 1884 auch die Familienanteile seiner Schwestern und 1900 darauf auch die 13 Filialen seines Bruders Ernst, der wohl finanziell in „ernst“haften Problemen steckte. Obwohl schon 24 Geschäftsfilialen in kleineren Städten Norddeutschlands  bis zum Jahr 1905  existieren, baut Rudolph Karstadt erst 1912 mit dem Bau des Karstadt - Warenhauses in Hamburg an der Mönckebergstrasse  sein erstes Großstadtkaufhaus  und verlegt auch hierher den Firmensitz, der zuvor in Kiel und Wismar war. Vorgestellt wird  die neue  Hauptverwaltung Hamburg  auf einem Absenderfreistempel von 1928.
                
                                                
Aber auch heute ist Karstadt in der Mönckebergstrasse  in Hamburg noch vertreten, wie die nachfolgende Ansichtskarte aus den 1960er Jahren und der  der nachfolgende Ausschnitt  aus dem Absenderfreistempel 1990  demonstriert.

                                  

                                            
Durch die oben schon erwähnte Fusion mit Theodor Althoff unter Gründung einer Aktiengesellschaft als Rudolp Karstadt AG im Jahr 1920  erhöhte sich die Zahl der Geschäftsfilialen bereits auf 44 Kaufhäuser. Die Althoff- Warenhäuser behielten in üblicher Handhabung  vorläufig ihren Namen. Obwohl R. Karstadt den dominierenden finanziellen Anteil trug, übernahm in der Geschäftsleitung die Althoff- Führungsriege mit Schwiegersohn Dr.  Friedrich Schmitz und spez. Kommerzienrat Hermann Schöndorff  das Sagen in der Karstadt AG! Besonders Schöndorffs  Wille zur unbedingten Expansion ließ die Zahl der Kaufhäuser im Konzern gegen Ende der 1930er Jahre auf fast 90 Filialen ansteigen! So verkauft die oben schon erwähnte Fa. M.  J. Emden (s. Investitionspartner bei Jandorf und KaDeWe) eine Reihe ihrer Kaufhäuser 1926 an die Karstadt AG darunter das Kaufhaus Oberpollinger in München. Vorgestellt auf der Ansichtskarte von 1906 das imposante 3gieblige Kaufhaus am Karlstor in München. Hier stand zuvor das Hotel Oberpollinger und der eingebürgerte Name wurde auf das Kaufhaus übertragen.
    
                             
Das Kaufhaus Oberpollinger München ferner mit seinem Freistempel auf einer Postkarte von 1939 und hier einmal im Ortsstempel die „ehrenvolle nationalsozialistische  Auszeichnung für München als Hauptstadt der Bewegung.

                                 
Nachfolgend das Kaufhaus Oberpollinger  aus der Nachkriegszeit  mit seiner verbliebenen Zugehörigkeit zum Karstadtkonzern  demonstriert auf einer Francotyp-Stammkarte aus 1957.

                         
Nach dem Vorgriff auf die Nachkriegszeit noch einmal zurück zur Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft Berlin wie sie uns auf der obigen Postkarten- Anschriftenklappe aus dem Jahr 1939 vermittelt wird.

                                                                          
Die Detaildarstellung lässt uns auf der Karte im  aufgeführten Aufsichtsrat von 1939  H. Schöndorff vermissen.  Der Grund lag sicherlich einmal in der mitverantworteten schweren  unkontrollierten Expansion, speziell bei der Übernahme der Lindemann-Kaufhausgruppe 1928 mit einem in der ausbrechenden Weltwirtschaftskrise von 1929 denkbar ungünstigen Vertrag. Die nachfolgende Abbildung zeigt das Warenhaus Lindemann in Hannover zum Ende der 1920er Jahre. Die Lindemann-Gruppe war spez. im ostwestfälischen Raum etabliert.

                                         
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 traf den Karstadtkonzern  in einer fortgesetzten  Expansionsphase.  Exemplarisch und stellvertretend  ist dies auch am neuen Warenhauskomplex am Hermannplatz in Berlin erkennbar. 1929 war hier das größte Kaufhaus Berlins  entstanden mit über 70.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.

                          Vorgestellt mit einem Absenderfreistempelabschlag aus dem Eröffnungsjahr 1929  

                                                                           
Das Konzept war für damalige Verhältnisse gigantisch: Tiefkelleretagen mit direktem U-Bahnzugang (damaliges Novum), Aufzug für kompletten Lastwagen bis 2 1/2Tonnen, Rolltreppen und Fahrstühle jeweils 24 Stück und 4.000 Mitarbeiter sorgten für den reibungslosen geschäftlichen Ablauf. Auch äußerlich war das Karstadthaus am Hermannplatz  mit seinen zwei jeweils knapp 60 Meter hohen Türmen recht imposant.                
                    
                 
Dieser Anblick war später Adolf Hitler stets nach seiner Ankunft vom Flughafen Tempelhof und der Fahrt über Neukölln zur Reichskanzlei  ein ungeliebter Anblick  im Stil amerikanisch- jüdischer Kaufhausgigantomanie. Andererseits gibt es zu seinem eigenen Faible  an Kolossal- und Monumentalbauten von Staats- und Parteipalästen  mit  seinem Architekten Albert Speer genügend passende Literatur.
In der Weltwirtschaftskrise wurden alle Wirtschaftszweige umbarmherzig getroffen! Karstadt am Hermannplatz lief übrigens noch schlechter als die anderen Standorte, da hier auch die Kaufkraft aus dem Einwohnerumfeld besonders betroffen war, daher mussten 2 der 6 Etagen geschlossen werden. 1931 kann Rudolph Karstadt die Aktiengarantie an die Lindemanngruppe auch aus eigenem Vermögen nicht mehr finanzieren, ein belastender Amerikakredit  und der Konkurs am 31.7.1931 der Danatbank (Hausbank der Karstadt AG) und damals zweitgrößten Geschäftsbank in Deutschland  steigern sich zum finanziellen Fiasko. Vorstellung der Danatbank mit einem frühen Absenderfreistempel und Datum vom 27.8.1925.     

                                     
Ein Sanierungsplan für die Rudolph Karstadt AG  wurde unter Bankenkuratel entwickelt. Die zuvor  1926 gegründete Billigkette „EPA-Einheitspreis AG“ wurde an die Banken unter  Rückkaufsrecht  verkauft, 23 unrentable Filialen wurden bis 1933 geschlossen. Die letzten Zeilen vermitteln erstaunliche Parallelen zum eröffneten Insolvenzverfahren der Karstadt-Nachfolgegesellschaft Arcandor vom 9.6.2009 beim Amtsgericht in Essen. 1933 wurde der Vorstand im Sanierungsfall Karstadt  arisiert, dies war sicherlich ein weiterer Grund des Ausscheidens von Schöndorff als jüdischer Anteilseigner. Rudolph Karstadt zieht sich aus dem Vorstand  und nach finanziellem  Desaster in seine Heimatstadt Schwerin zurück. Theodor Althoff stirbt  in diesem folgenreichen Jahr 1931 und sein Sohn Heinrich Althoff  tritt in den Vorstand ein. Eigene Fabrikationsfirmen werden abgestoßen, Trennung von Beteiligungen und  Filialen im Ausland und die Verlegung der  Hauptverwaltung  Anfang 1932 aus Hamburg nach Berlin- Mitte (Postbezirk NO 43)  in der Neuen Königstrasse mit zentralem Einkauf und Organisation sollen die Rudolph Karstadt AG retten.

                   Absenderfreistempel der neuen Hauptverwaltung in Berlin, Neue Königstrasse von 1932 bis 1935.

                                                          
Ironischerweise verkauft man den neuen Verwaltungssitz in Berlin-Mitte schon 1936 an das Reichsfinanzministerium für 15 Millionen Reichsmark und setzt sich in Berlin-Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz kleiner.

                             
Die Arisierung  nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Karstadtkonzern war durchgängig mit Entlassung von über 800 jüdischen Mitarbeitern von der Verkäuferin bis zum Vorstandsmitglied.
Die Konsolidierung der Rudolph Karstadt AG vor dem Krieg gelingt, auch wenn weitere Erschwernisse  seitens der nationalsozialistischen Regierung gegen die Kauf- und Warenhäuser seltsame Einschränkungen  durchsetzten. So durften die Kauf- und Warenhäuser ab 1935 keine Erfrischungsräume mehr mit Restaurants und Cafes  für die Kunden vorhalten. Die verbliebenen 67 Karstadt- Kaufhäuser vor Kriegende arbeiteten wieder rentabel, die Banken verdienten gute Renditen an ihren hinterlegten Aktienpaketen für die gewährten Kredite. Der zweite Weltkrieg bedeutete für Karstadt dann den Verlust der 22 ostzonalen Standorte durch Enteignung und die verbliebenen westzonalen Warenhäuser waren durch die Innenstadtlagen und den allumfassenden Bombenangriff (allein nur in 1944 über 1,2 Millionen Tonnen Fliegerbomben auf deutsche Städte) zu zwei Dritteln zerstört.

                                                  
Die Fotopostkarte des Studios Schmidt-Fuchs in Hamburg zeigt das ausgebrannte Karstadthaus an der Mönckebergstrasse nach dem Luftangriff mit Datum vom 18.6.1944.
Gegen Kriegsende bildete die Karstadt AG unter Zeitdruck dezentrale Verwaltungsstützpunkte in Berlin, Hamburg und Recklinghausen, um der Immobilität durch die angekündigte alliierte Zonenbildung zu entgehen. Es gelingt dadurch die westzonalen Karstadtstandorte - zerstört oder unzerstört - „im Griff zu halten“ und einigermaßen handlungsfähig zu bleiben. Warenbeschaffung und besonders die brachliegenden Transportmöglichkeiten sind in der Nachkriegszeit das größte Problem. Örtlich versuchen die Geschäftsleiter auch in eigener Regie die Probleme zu meistern und dies teilweise sogar durch Warentauschgeschäfte! Die Häuser wurden mit geringsten Mitteln wieder verkaufsfähig gemacht, von Renovierung kann nicht gesprochen werden. Die Karstadtmitarbeiter sind die Stützte in dieser Zeit des Restunternehmens. Langsam verbessert sich die Lage durch die Einrichtung der Bi-Zone (die Franzosen bleiben noch außen vor) und wesentlich durch die am 21.6.1948 stattgefundene Währungsreform.

       
Hier einmal das Jubiläum 60 Jahre Währungsreform auf einer modernen Infopost-Illustration  als Service der deutschen Post aus 2008 vorgestellt mit neugierigen Menschen vor den Kaufhausfenstern wohl der Fa. Wohlwert (Achtung entspricht nicht der Fa. Woolworth) mit den Slogans neue Währung - neue Preise.
Durch Umzug von Recklinghausen nach Essen 1950 an den Limbecker Platz werden die  Wege der Karstadtverwaltung zunehmend zentral Richtung Ruhrgebiet  verlegt.

                       
                             In der Abbildung imponiert im Absenderfreistempel das Li  von Limbeckerplatz wie ein U.

                                              
Hier im alten Althoffhaus (Ansichtskarte aus den 1920er Jahren) in Essen am Limbecker Platz fand die Verwaltung der Karstadthäuser nach dem 2. Weltkrieg  ihren vorläufigen neuen Hauptsitz. Das deutsche Wirtschaftswunder nach 1950 erlaubt wieder Umbau und Renovierung der Filialen aber auch neue Standorte  werden erschlossen und im Nachhinein erweisen sich noch die unter der Schöndorff- Ära erworbenen „Vorratsimmobilien“ in den Innenstadtlagen als wertvoll.  1963 wird die Rudolph Karstadt AG zur Karstadt AG.

                                         
                   Freistempel der Karstadt AG 1964, Verwaltung Essen, Limbecker Platz , zweistellige Postleitzahl
Mitte der 1960 Jahre werden schon wieder Konzernanteile (Grimme, Schleswig-Holstein) eingekauft    und  Ende 1969 war der neue Verwaltungssitz der Karstadt AG in Essen- Bredeney an der A52 vollzogen, dargestellt auf dem folgenden Firmenfreistempel.

                                       
 Vermutlich in Erinnerung an den alten Fusionspartner aus 1920 liegt die neue Karstadt- Verwaltung an der Theodor- Althoff- Strasse  wie der Freistempel aus 1979 belegt (noch 2stellige PLZ!).
Aus 1971 ist eine erste nähere Geschäftsbeziehung Karstadt- Quelle zu vermelden. Gustav Schickedanz, seit 1962 im Reisegeschäft etabliert, fusioniert  auf dem Reisesektor mit Karstadt  und beide Gesellschaften gründen die Tochtergesellschaft Transeuropa, die allerdings schon 1972 im TUI- Reisekonzern  untergebracht wurde, dabei blieben Investitionsanteile erhalten und Karstadt und Schickedanz  wurden dadurch bei TUI  mitbeteiligt.
Ende 1977 erreicht Karstadt die Mehrheitsbeteiligung bei NECKERMANN und sucht damit den Einstieg in den Versandhandel und den Ausbau im Reisegeschäft.
            
                                 
Vorstellung der Neckermann- Versand AG, 6000 Frankfurt auf einem Postgut- Nachnahme Adressaufkleber im EDV-Verfahren aus 1978, Detailerläuterungen zu dieser Form der postalischen Freimachung werden im späteren Quelleabschnitt ausführlich folgen. 1984 wird Neckermann komplett von Karstadt übernommen und  damit hatte Karstadt im Reisegeschäft die von Neckermann  erst 1964 gegründete und erfolgreiche Reisetochter N-U-R  im Konzern integriert.
1981 zum 100jährigen Jubiläum besitzt die Karstadt AG 155 Warenhäuser und zählt rund 75.000 Mitarbeiter. 1986 Aufbau eines Zentrallagers in Unna/ Westfalen (nebenbei bemerkt, ist Unna meine Kreisstadt und in Holzwickede war nach Übernahme eines DHL-Lagers  die zentrale Verteilung und Logistik für den Medienbereich von Karstadt/Quelle untergebracht. Dieser Teil wurde in 2009 bereits abgewickelt und stillgelegt!).
1989/1990 Grenzöffnung und Wiedervereinigung  führen zum Kaufboom in den Westberliner- und DDR- nahen Warenhäusern. Nachfolgend werden die DDR- Kauf- und Warenhäuser unter den westdeutschen Kaufhauskonzernen „aufgeteilt“. Dabei wurden westdeutsche Wirtschaftsprinzipien auch  mit entsprechender Mitarbeiterführung ohne „wenn und aber“ übergestülpt.  Stellvertretend werden nachfolgend für die DDR- Ketten Magnet, Centrum  und Konsument zwei Absenderfreistempel  aus Karl-Marx-Stadt vorgestellt.

                                                      
Die Konsument-  Kauf- und Versandhäuser der Konsumgenossenschaften waren eher in Mittelzentren der DDR zu finden, während die  Centrum- Warenhäuser vorwiegend in den Großstädten angesiedelt waren und privilegiert  als geplante Unternehmen der Handelsorganisation der DDR (HO)  ausgestattet und beliefert wurden.

                                      
Das vorgestellte Beispiel aus Karl-Marx-Stadt  (heute wieder Chemnitz)  ging übrigens nicht im Karstadtkonzern auf, der sich die Standorte Magdeburg, Dresden, Görlitz,  Halle und natürlich Wismar sicherte,  schließlich war Wismar der  erste Kaufhausstandort  von Rudolph Karstadt 1881 gewesen.

                                  
                          Stellvertretend hier einmal das Centrum Warenhaus in Suhl/Thüringen aus der DDR- Zeit
Die Übernahme der Hertie Waren – und Kaufhaus GmbH 1994 war schon weiter oben einmal vorgestellt worden. Damit kann im Karstadtkonzern nun auch noch  neben KaDeWe und Oberpollinger noch das dritte Kaufhaus aus der Karstadt- Premium- Group vorgestellt werden, das aus dem ehemaligen  Hermann Tietz-  Besitz stammende Alsterhaus in Hamburg.
                               
Vorgestellt das Alsterhaus in Hamburg  auf einer Postkarte aus dem Jahr 1940 und auf einem Absenderfreistempel aus dem Jahr 1995.
                                              
Das Jahr 1999 bringt die Fusion des Karstadtkonzerns mit der  Quelle Schickedanz AG  zur Karstadt/Quelle AG, deren gemeinschaftlicher Weg  später in einem weiteren Punkt der Gliederung  abgehandelt wird.
An dieser Stelle folgt nun der zweite Abschnitt zum Thema Quelle mit Gründung und Entwicklung zu Europas größtem Versandhauskonzern und damit auch zum größten Kunden der Deutschen Post.

QUELLE        - Gründung und  Entwicklung zum Versandhaus, Kriegsende mit
Neubeginn, erneute Expansion im deutschen Wirtschaftswunder

         
Gustav Schickedanz (G.S.) geboren am 1.Januaur 1895 in Fürth/ Bayern und verstorben 83jährig im Jahr 1977, ist sicherlich  ein  herausragender  Unternehmer in Deutschland gewesen. Schon im Vorgriff sei an dieser Stelle vermerkt, dass  viele seiner später  eingesetzten Verfahren in der Versandlogistik unter Einsatz und Einbeziehung frühestmöglicher elektronischer Datenverarbeitung erfolgten und teils weltweit Innovationscharakter hatten. 1977 -sein Todesjahr- war auch das 50jährige Jubiläum seines Lebenswerks, der QUELLE – Firma in Fürth/Bayern, hier einmal vorgestellt auf  einem Paketaufkleber und Freimachung als Postgut im EDV- Verfahren und mit Jubiläumshinweis „50 Quelle Jahre“. Weitere Details zur demonstrierten Freimachung folgen an späterer Stelle im weiteren  chronologischen Ablauf  der Abhandlung.

    
Die Vorfahren von Gustav Schickedanz  kamen aus Hessen nach Fürth in Bayern. Nach kaufmännischer Lehre in einer Spielwarenfabrik wurde G.S. im ersten Weltkrieg verwundet und arbeitet nach dem Krieg in einem Kurzwarengeschäft. Er heiratet 1919, wird vom Angestellten zum Teilhaber, bevor er 1922 den Schritt in die Selbstständigkeit als Kurzwarengroßhändler in Fürth  mit einer Niederlassung in der Moststrasse 35 wagt. Es wird ein Familienbetrieb unter Einschluss von Ehefrau, Schwester und Vater. Für eine Niederlassung als selbstständiger Kaufmann herrscht eine denkbar ungünstige Zeit. 1923 drückende Reparationsleistungen, Ruhrbesetzung mit ausbleibender Kohleversorgung im Deutschen Reich und zusätzlich strengstem Winter, Ausbruch der Inflation, politisch instabile Verhältnisse in ungeübtem Demokratieverständnis der deutschen Bevölkerung  sind nur einige passende Stichworte  für diese Zeit.  Die folgende Abbildung demonstriert  die Hochinflation mit  einem Notgeldschein über 100 Millionen Mark herausgegeben von der Stadt Fürth in Bayern am 1.10.1923. 

                                           
Dennoch etablierte G.S. seinen Kurzwarengroßhandel recht erfolgreich durch enormen Einsatz trotz dieser genannten Umstände. Nicht nur die Kundenbefragung in der Niederlassung nach Wünschen und Bedürfnissen war wohl selbstverständlich, sondern er bereiste den Frankenwald, Oberpfalz und Bayrischen Wald und besuchte persönlich  Kunden und auch spez. seine Lieferanten, denn abrufbare Lagerhaltung  war und ist im Versandhandel ein Gütezeichen erster Klasse.
Der Waren- und Kaufhaussektor war nach den obigen Ausführungen s. Tietz, Wertheim u.a. schon vielfach besetzt, nur der Versandhandel mit Zugriff auf die ländlichen Regionen versprach Gustav Schickedanz die logische Expansionsmöglichkeit. Deutscher Versandhandel war bis dato nur mit August Stukenbrock namhaft vorhanden (1931 Konkurs) und die weiteren erforderlichen Voraussetzungen mit  geordneten Post- und Bahnstrukturen waren  in Deutschland gegeben. G.S. startet 1927 in Fürth in der Königswarter Strasse 10 sein VERSANDHAUS QUELLE, GmbH, Sitz Fürth. Feste Preise, gute Qualität und besonders die garantierte Rücknahme werden zum Gütezeichen seines Versandhandels.

                     
                                                     Die Königswarterstrasse in Fürth aus dem Jahre 1905

Die mittlerweile angewachsene Betriebsmannschaft pendelte zwischen Moststrasse und neuem Quelleversand. Ein 5. Lehrmädchen - Grete Lachner - wurde 1927 eingestellt, sie wird 1942 seine 2. Ehefrau. Seine Idee, die Kunden fernab teils in verarmten Gebieten  (Ruhrgebiet, Ost- u. Westpreußen, Mecklenburg, Pommern u. a.) per Versand zu versorgen, erwies sich als Erfolgsmodell. Der Wolle- und Tuchversand wurde ausgebaut mit teils mühselig selbst hergestellten Musterkarten und – büchern. 1929 wurde der Erwerb und die zukünftige Eigenfabrikation unter dem Namen  „Dukatenwolle“  ein jahrzehntelanger Selbstläufer  seines Versandgeschäftes. Dennoch wurde dieses Jahr 1929 zum ersten Schicksalsschlag. Durch einen Autounfall verliert Gustav Schickedanz seine Frau, seinen Sohn und seinen Vater, liegt selbst langfristig im  Krankenhaus, seine Tochter Louise bleibt unverletzt und seine Schwester Liesl  verh. Kießling führt die Firma in Fürth zunächst weiter. 1929 ist auch das Jahr der beginnenden Weltwirtschaftskrise. Nach psychischer und physischer Belastung durch den tragischen Verkehrsunfall scheint die ausbrechende Wirtschaftskrise G.S. eher herausgefordert zu haben. Er stellt sich dem Problem und durch preiswerte Belieferung der verarmten Bevölkerung mit dringend benötigten Gebrauchswaren wird die QUELLE  sogar zum Gewinner dieser Zeit.  

                     

Auf dem Absenderfreistempel von 1936 wirbt das Versandhaus „Quelle“ als größtes Wolleversandhaus Deutschlands mit imposantem Geschäftssitz und eigener Postabfertigung.
G.S. erweitert die Standortpalette in Fürth mit Zukauf weiterer Immobilien u.a. an der Nürnbergerstrasse  und insbesondere gelingt ihm der Erwerb endlich eines größeren Geländes einer ehemaligen Schuhfabrik  aus einer Konkursmasse an der Artilleriestrasse.
       
                                                 
So erwirbt 1931 G.S. an der Nürnberger Strasse 91 – 95 das „Borgfeldthaus“, hier vorgestellt auf einer Ansichtskarte  von 1915 mit seinen imposanten Erkern. Hier wurde zunächst die Quelle- Wäschefabrik eingerichtet. Als Vorgriff auf die Nachkriegszeit  kann  schon vermerkt werden, dass nach Ende der alliierten Gebäudebesetzung  hier 1952 wieder die Quelle- Verwaltung vorübergehend einzog. Bis 1933 stieg die Zahl der Kataloge von anfangs 1927 mit 20.000 auf 150.00 Stück. Der Personalstand kann auf 100 Mitarbeitern aufgestockt werden, Grete Lachner entwickelt sich zur  wesentlichen Stütze in der Buchhaltung und wurde durch ihr enormes Verhandlungsgeschick zunehmend die rechte Hand von G.S. in Kaufverhandlungen.
Nachfolgend ein Rechnungsausschnitt  der Kurz- und Wollwarenhandlung en gros  - GUSTAV SCHICKEDANZ -  aus dem Jahr 1932.
                                
Nach Gründung des Groß-Versandhauses „Quelle“ firmierte Gustav Schickedanz vornehmlich unter diesem Begriff und verschickte monatlich die „NEUESTEN QUELLE=NACHRICHTEN“ per Streifbandversand  an seine Kunden. Auch dazu  ein Ausschnitt aus dem Januar 1933.

                    
Der oben getrennte Abschlag des Postfreistempels FÜRTH mit Datum vom 18.1.1933 resultiert aus der  Faltung der Nachrichtenzeitung  unter Versandbedingungen!
1933 ist aber auch das Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland. Die folgende Illustration erfolgt als Ausschnitt aus der Ganzsache Deutsches Reich (Michel P 250).

                                                               
Wie schon oben geschildert, wurde die wirtschaftliche Gestaltung der Kauf-, Waren- und Versandhäuser unter den Nationalsozialisten  kritisch begleitet und eingeengt, abgesehen davon, dass jüdische Besitzer aus ihren Geschäften verdrängt wurden. G.S. konnte dennoch seinen Versandhandel ausweiten. 1935  wird die Möglichkeit des Ratenkaufs eingerichtet. Im gleichen Jahr werden die Vereinigten Papierwerke, Nürnberg  vom jüdischen Vorbesitzer erworben. Die dort bereits 1929 eingeführte Marke „Tempo“  entwickelte sich weltweit zum Synonym des Papiertaschentuches und D. Kießling, Schwager von G.S. übernimmt hier die Geschäftsführung. Nachfolgend vorgestellt die VEREINGTEN PAPIERWERKE  mit einem Briefausschnitt  vom 25.3.1938.

                
Der Freistempelabschlag aus dem Jahr 1940 dokumentiert die Vereinigten Papierwerke  im Besitz von Gustav Schickedanz. Im Werbeeinsatz wird eine Krankenschwester abgebildet, die wohl die Werbung  für einen  bekannten  Hygieneartikel  in solider und fachlicher Form verstärken sollte. Im Ortsstempel firmiert Nürnberg  zu dieser Zeit als STADT DER REICHSPARTEITAGE  und  erinnert daran, dass auch die Vereinigten Papierwerke ehemals  im jüdischen Vorbesitz waren!
                                       

Aus der vielfältigen Produktreihe  - vorgestellt mit den charakteristischen Markenzeichen auf blauem Grund  im obigen Firmenbrief – kann mit Datum vom 29.12.1950  ein Artikel der Vereinigten Papierwerke auch aus der Nachkriegszeit aus der Frauenhygiene „Camelia +“  durch Absenderfreistempel belegt und vorgestellt werden.

                                            
Nachfolgend noch die Werbung für die Papiertaschentücher "Tempo" im Absenderfreistempel der Vereinigten Papierwerke Nürnberg aus dem Jahr 1956.

                                  

1936 wird das erste Quelle Jahrbuch an die Kunden zum Jahreswechsel herausgegeben. Es wird zum Symbol der „Quelle-Familie“ mit Kalender, Lebensgeschichten und natürlich Berichte von und aus dem Versandhandel.

                

Die folgenden Illustrationen stammen aus dem Jahrbuch 1938 und zeigen den Paketversand schon über Förderbänder im Versandhauskomplex der Artilleriestrasse und die schon angesprochene Quellegarantie der Rücknahme. 


        

Schon die weiteren Jahrbuchinhalte mit Trächtigkeits-Kalender von Kühen, Schafen, Pferden, Schweinen und Kaninchen und der Gemüsebau-Kalender  mit Buschbohnen, Sellerie u. a. zeigt aus diesen Jahren das Zielpublikum der ländlichen Bevölkerung, die ohne direkten Zugang zum breiten Wareneinkauf vor Ort waren. 1938 hat die QUELLE 600 Mitarbeiter, betreut 2 Millionen Kunden und erwirtschaftet 40 Millionen Reichsmark Geschäftsumsatz  und profitiert vom Kundenzuwachs auch durch die Eingliederung von Österreich und Sudetenland zum größten Versandhaus in Deutschland. Durch eine unglaubliche Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten wurde das Volk gleichgeschaltet unter dem Führerprinzip.

                            
Absenderfreistempel der Gauleitung Thüringen in Weimar, der keines Kommentares bedarf  und das zu Fürth benachbarte Nürnberg  hat sich auf dem Brief des Oberbürgermeisters gleich dreimal als „Stadt der Reichsparteitage“ verewigt. 
           
                  
Die geheime Staatspolizei (Gestapo) überwachte die Indoktrinierung, hier vorgestellt mit ihrem Absenderfreistempel  unter dem  Decknamen   Albrecht  &   Rudolph  und der berüchtigten Adresse des Polizeiamtes an der Prinz- Albrecht- Strasse in Berlin.

                          

Schon vor Kriegsbeginn 1939 wird  der Wareneinkauf  für den  Versandhandel von  G.S. als Lieferant  von Produkten aus dem zivilen Bereich  immer schwieriger. Kriegswichtige Warenproduktion hatte Vorrang, es wurden zentrale Überwachungsstellen eingeführt und  die für Schickedanz leider lästige aber wichtige Reichskleiderkarte.

          
                                                     Freistempel der Überwachungsstelle für Lederwaren in Berlin

          
                                             Freistempel der Überwachungsstelle für die Papierindustrie in Berlin
       
        
Zumindest konnte G.S. erreichen, dass nicht immer die komplette Berechtigungskarte hin- und hergeschickt werden musste, sondern auch ausgeschnittene Bezugsnachweise bzw. Bezugspunkte reichten schließlich aus. Dazu die Hinweise aus den Quelle- Nachrichten Nr.2 aus 1941. 
       
 Die  Anwendungshinweise  zur Nutzung der zweiten Reichskleiderkarte werden  in den Quelle- Nachrichten detailliert aufgeführt.
       
 Passend dazu folgende Postkarte aus dem ersten Kriegsjahr 1940 des Quelleversandes.

          Wertrahmenwechsel von Hakenkreuz auf Reichsadler

       
Unterschrift von Liesl Kießling, Schwester von Gustav Schickedanz und mittlerweile Leiterin des Quelle Lagers und der Versandabteilung. Der Eingang des Bezugschein-Auftrages wird bestätigt und auf Schwierigkeiten zur Auslieferung hingewiesen. Dennoch nachfolgend einmal eine Paketversendung als  Selbstbucher aus dem Jahr 1943.

                                                         
Paketkarte der Kurz-, Weiß-, Woll– und Webwaren- Großhandlung Gustav Schickedanz Fürth (Bay) 2 mit einem Registrierkassenstempel Fürth(Bay) über 1,05 Reichsmark am 8. Oktober 1943 und Selbstbucherpaketaufkleber Gustav Schickedanz. 
Die Industrieregion Nürnberg war häufig Ziel der Luftangriffe der Alliierten. Im August 1943 wird Fürth bombardiert und das Unternehmen Gustav Schickedanz wird  zu 90 Prozent eliminiert! Ein zweiter schwerer Schicksalsschlag diesmal geschäftlich nach den schon familiären Todesfällen im Jahr 1929.
Verheiratet seit August 1942  in 2.Ehe mit Grete Lachner zieht sich die  Familie Schickedanz 1943  und der  Zerstörung des Unternehmens nach  Hersbruck auf den Landsitz der Familie 50km von Fürth entfernt zurück. Ansichtskarte mit Blick über Hersbruck aus den 1920er Jahren.  
                  
                             
Mit Tochter Madeleine - Ende 1943 geboren – erwartet die Familie das Kriegsende 1945 in Hersbruck. Als Großunternehmer mit „Parteibuch“  ereilt Gustav Schickedanz  das übliche Verfahren nach Kriegsende (s.a. Krupp, Porsche usw.) mit Beschlagnahme sämtlichen Eigentums, treuhändischer Verwaltung durch den alliierten Kontrollrat und  schicksalhaftes Warten auf die Entscheidung der Alliierten und des Entnazifizierungsverfahren. Seine Ehefrau Grete hält in beengten Wohnverhältnissen  die Stimmung aufrecht, gründet einen kleinen Textilladen in Hersbruck, der die Familie wirtschaftlich überleben lässt. 1949, die Währungsreform war schon  ein Jahr vorbei,  erhält Gustav Schickedanz seine Unternehmensrechte mit den größtenteils zerstörten Liegenschaften zurück und stürzt sich mit 55 Jahren noch einmal in den Wiederaufbau seines Unternehmens.

                       
                  Rechnungsbeleg der VEREINIGTEN PAPIERWERKE SCHICKEDANZ & CO. Nürnberg vom 13.12.1948

                           
Die Francotyp-Stammkarte zeigt den ersten Nachkriegsfreistempel  von Gustav Schickedanz in Fürth/Bay. mit Werksabschlag vom 24.4.1950 und Auslieferung am 29.April 1950. Der Änderungshinweis  Frauenaurach  erkennbar am Ortstempel links oben mit Datum vom 15.3.1966 und PLZ resultiert aus der Verlagerung des Freistemplers mit neuem Klischee zur Quelle- Fertighaus- GmbH im Jahre 1966 und wird  bei der entsprechenden Themenabhandlung dort noch einmal vorgestellt. Nach zahlreichen schriftlichen Anfragen vieler alter Kunden nach ihrem QUELLE- Versandhaus  und bei entsprechendem Bedarf der Bevölkerung in der Nachkriegszeit wird der Wiederaufbau retrospektiv gesehen ein durchschlagender Erfolg. Auch ohne die Ostgebiete kann G.S. mit bewährten  Mitarbeitern und teils noch existierenden Lieferkontakten  schon Ende 1950 mit 250.000 Kundenadressen den Vorkriegsumsatz  von 40 Millionen und diesmal in DM statt Reichsmark erreichen! G.S. startete 1949 praktisch zeitgleich mit seinen späteren Konkurrenten Werner Otto, Hamburg und Josef Neckermann, Frankfurt.

                                          
           
                                
Es gründeten sich noch viele Spezialversender teils nach dem Kriegsende wieder wie  Peter Hahn, Photo-Porst, Witt, Walz, Schöpflin und andere bekannte Namen, aber  OTTO- und Neckermann- Versand wurden ebenfalls wie Quelle Generalanbieter und standen in direktem Wettbewerb  und 1950 konnte sicherlich keiner ahnen, dass OTTO- Hamburg  zumindest die Namensrechte der insolventen Quelle AG im Jahr 2009 übernehmen wird und Neckermann steht aktuell (Februar 2010) - untergeschlüpft im Karstadtkonzern - noch  im Insolvenzverfahren.  Aber in den Jahren des Wiederaufbaus und auch in der Zeit bis 1990 war Quelle sicherlich das führende deutsche wohl auch europäische Versandhausunternehmen und konnte mit grandiosen Entwicklungen aufwarten.
Dazu passend das zum Jubiläumsjahr 1953 hergerichtete  „Borgfeldthaus“ an der Nürnberger Strasse  mit entsprechender Leuchtreklame in einer Abbildung aus dem Quelle-Jahrbuch 1954. Hier war nach dem Krieg der vorläufige Verwaltungssitz  der Quelle eingerichtet worden.

      
Im Jahr 1953 erfolgte auch die  Gründung des Quelle- Institutes für Warenprüfung. Im gleichen Jahr 25jähriges Jubiläum (s.o.)   und im Firmenlogo wird dazu  symbolträchtig die offene rechte Handinnenfläche im Namenszug eingeführt im Sinne einer fairen und freundschaftlichen  Unternehmenskultur.

      
                                                                                                                                                                
Aber nichts ist perfekt im Leben Es tauchte  später einmal die seitenverkehrte Variante in einem EDV- Vordruck als kurze Episode auf, wie das obige Beispiel  demonstriert. „Ob es  nach der linken Hand im Logo seitdem mit Quelle bergab ging, entzieht sich meiner Kenntnis“. Ab 1954 erscheint zweimal jährlich der umfassende Hauptkatalog. Im gleichen Jahr wird die Noris- Kaufhilfe als diskreter Ratenkaufservice eingeführt und damit ist der Ursprung der späteren Noris- Verbraucherbank und des Quelle- Bankinstituts gelegt. Das Versandhaus braucht schon Anfang der 1950er Jahre dringend einen neuen Gebäudekomplex. Bereits ab 1953 konzipiert daher G.S. mit der SEL ( Standard Elektrik Lorenz, Stuttgart)  eine elektronische automatische Steuerung im Versand, die 1955 im neuen Gebäude an der Fürther Strasse als weltweit beachtete Innovation die Versandkapazität bis maximal 100.000 Sendungen pro Tag ermöglichten sollte. Hier können nur stichwortartige Sätze die Schwierigkeiten beleuchten, deren Bewältigung dazu anstanden. Bei damals 2 Millionen Kundenaufträgen im Jahr war ein System mit Lochkarten nicht mehr möglich. Datenverarbeitung mit Röhrentechnik bei dieser Datenmenge nicht darstellbar, Transistoren noch kaum erprobt. Trommelspeicher von Datenplatten  mussten erst entwickelt werden. Aber 1957 startet  das  elektronische  Wunderwerk der Datenverarbeitung erfolgreich und weltweit beachtet.
Die folgende Francotyp- Stammkarte zeigt uns als Werbeeinsatz das neue Versandhauszentrum  mit  dem  passendem  Klischee und Einsatz ab 15.1.1957.  Das größte Versandgebäude Europas im Freistempeleinsatz wird im Detail noch einmal herausgestellt.

                                      
Die Stammkarte verrät auch noch den späteren Wechsel des Freistemplers zum Kaufhaus Schickedanz mit dortigem Einsatz ab 10. Mai 1960. Allerdings gilt es hier zu vermerken, dass G.S. durch die guten Erfahrungen  mit lokaler Verkaufspräsenz in Hersbruck schon 1949 das  Kaufhaus Schickedanz in Fürth  eingerichtet hatte!

                                                          
                               Ausschnittvergrößerung mit Werbeklischee als  größtes Versandgebäude Europas

Auch mit Abbildungen des Konzerns auf den Werbeschriften demonstriert QUELLE wieder seine herausragende Position im Versandgeschäft (Abb.aus dem Gardinen ABC von Quelle ca.1958 passend zum obigen Bild im Absenderfreistempel).

                            
Die Quellepreislisten und - kataloge hatten gerade in jener Nachkriegszeit mit einsetzendem Wirtschaftsaufschwung  und  Inflationstendenzen  - verstärkt noch  durch die damalige Koreakrise -  durchaus durch ihren längerfristigen günstigen Preisansatz  eine dämpfende Wirkung auf den beginnenden inflationären Trend und fungierten damit als Preisregulativ in Deutschland! 1955 werden Elektronikartikel erstmals katalogmäßig angeboten  und in vielen nachfolgenden Angeboten war die Quelle häufig Schrittmacher. 1956 erster Kühlschrank mit Gefrierfach, Fernsehgeräte ab 1957 und vieles andere konnte so auch durch Ratenkauf auch für höherwertige Artikel breiteren Bevölkerungsschichten offeriert werden und wurde dankbar angenommen.

                                                
Abgebildet ein Verkaufsangebot aus dem Quelle- Jahrbuch 1957. Neben den Katalogen waren auch die Jahrbücher für die Quelle- Familie wieder ein Identifikationsmerkmal geworden.

1957 erreicht das Volumen im Versandgeschäft der QUELLE mit 5 Millionen Sendungen ein neues Jahreshoch. Ein wesentlicher Erfolg wird die Aufnahme im Katalog „die preiswerte Fotographie für jedermann“. Hier verschließt sich die heimische  Fotoindustrie den Vorstellungen von Schickedanz  mit der Folge des endgültigen Durchbruchs der japanischen Fotokonkurrenz auf  dem deutschen Markt durch den Quelleversand.
Man kann nun folgend nur einige Meilensteine aufzählen. 1960 Gründung des Quellemarktes in Nürnberg, im gleichen Jahr bereits 50 Verkaufsagenturen und 4 Millionen Kunden. Die Abteilung Foto-Quelle wird mit 30 Millionen DM Umsatz  ein Erfolg und der endgültige Durchbruch der japanischen Fotoindustrie in Deutschland.
1961 erstmals 1 Milliarde Jahresumsatz, 15 Millionen Paketsendungen und damit 50 Millionen DM Post- und Bahngebühren! (Wo sind nur eigentlich die ganzen Belege geblieben?) 1962 erfolgt der Einstieg in das Fertighausangebot – wieder eine Innovation aus einem Versandhauskatalog.

                 
                          Der obige Teil der Francotypstammkarte wurde bereits einmal vorgestellt.  Im unteren Teil  

                
                       sehen wir die Vergabe des Freistemplers in die Fertighausfirma nach Frauenaurach 1966.
                                                  
                                                                     vergrößerter Detailausschnitt
                 
Es darf aber absolut bezweifelt werden, dass der Quelleversand die Fertighäuser im Paket im Montageendzustand verschickt hat, wie es uns der Werbegag zum 75. Jubiläum  vormacht. Die Aufnahme stammt aus dem Quellebuch 2002 herausgegeben für die Mitarbeiter.

                                  

Anfang der 1960er Jahre war eine weitere deutliche Geschäftsausweitung angesagt. Die Foto-Quelle GmbH wird ausgegliedert und erhält ein eigenes Versandhaus an der Fichtenstrasse in Fürth. Hier einmal die Vorstellung der Foto-Quelle auf einer EDV- Labelfreimachung einer Warensendung  aus dem Jahr 1992.

                                                           
Die ausführliche Vorstellung und Besprechung zur Form der Labelfreimachung folgt an späterer Stelle. 1962 war auch das Jahr der ersten Katalogreisen. Das Schlagerangebot war 14 Tage Mallorca inklusive Vollpension für 350,- DM. Dies war abermals wieder ein Innovationsschritt von Gustav Schickedanz. Seine Frau Grete nahm in diesem Jahr auch erste Geschäftskontakte in Hongkong auf und etabliert ein Einkaufsbüro, um über dortige Produktionsstätten noch preiswerter anbieten zu können! Es war auch ferner das Jahr der Gründung der zweiten Auslandsniederlassung und in diesem Fall in Luxemburg  nach 1959 in Österreich. 1963 Gründung der eigenständigen Schmuckabteilung „Euroval“ hier auf einer EDV- Labelfreimachung vorgestellt ebenfalls als Warensendung aus dem Jahr 1994.

                                                       
                                     
1964 wird die Mehrheitsbeteiligung mit 75% am Versandhaus Schöpflin/ Haagen  (Lörrach) erreicht.
Ausschnitt des Werbeprospektes des „volkstümlichen Großversandhauses“ aus den 1960er Jahren mit Hinweis auf eigene Weberei, Kleider- und Wäschefabrik.
                   
                      

Ferner Vorstellung des Großversandhauses Schöpflin auf einer Nachnahmepostkarte in EDV-Frankatur aus dem Jahr 1978 s. spätere Ausführungen.

                                                   

Trotz mittlerweile erfolgter gänzlicher Übernahme von Schöpflin/Lörrach zeigt die obige  Nachnahmepaketkarte den alten Firmennamen. Beibehaltung von alten Firmennamen trotz Geschäftsübernahme findet sich eigentlich als Standard auch in der heutigen Wirtschaft und  bestätigt die Gewohnheiten, wie sie schon bei Althoff, Hertie u.a. aus früheren Zeiten vorgestellt wurden. Die Synergieeffekte wurden vordringlich im Einkaufssegment gesehen und der Kunde in dem bekannten Namensumfeld belassen. Mit der Übernahme von Schöpflin avancierte Quelle zum größten Versandhaus in Europa, hatte nun insgesamt 6 Millionen Kunden und einen Jahresumsatz von 1,28 Milliarden DM erreicht.
1966 hatte QUELLE mittlerweile 20.000 Mitarbeiter und in diesem Jahr erscheint letztmalig das Quelle- Jahrbuch.  Ende der 1960er Jahre stößt die  Datenverarbeitung trotz Erweiterung im SEL- und UNIVAC- Computersystem endgültig bei Quelle an ihre Grenzen. Es war ein kaum bis dahin vorstellbarer Datenfluss zu bewältigen mit bis zu 150.000 Kundenaufträgen pro Tag.
Die EDV- Anlage bedurfte einer Umstellung und sollte zentral die Verwaltung in allen Bereichen erfassen mit Auftragseingang und- buchung, Rechnungserstellung, gleichzeitig automatische Postgebührenerrechnung und Ausdruck der entsprechenden Adressträger, zentrale Warensteuerung im Versand bis zur Verpackung,  Lagerhaltung, darüber hinaus Kreditorenbuchhaltung, Lohnbuchhaltung  und die externen Quelleagenturen und Geschäfte sollten ebenfalls noch eingebunden werden können! Zum Einsatz kamen IBM Rechner des Typs 360-65. Es war eine Investition über 100 Millionen DM und führt uns zum Schwerpunkt der Abhandlung im Quellethema und damit zum nächsten Gliederungspunkt:


Quelle             - Start in die elektronische Datenverarbeitung und Kombinationen mit  
                           entsprechender Freimachung im Brief- und Paketversand

a)      Versuchsphase
b)      das dreigeteilte Rechteck
c)      Labelphase


a) Versuchsphase

Korrekterweise bedarf es hier des Hinweises, dass die Freimachung unter Einsatz der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV)  mit dem Bertelsmann- Verlag in Gütersloh ab 1965/66 bereits einen ersten Anwender hatte, der hier in Zusammenarbeit  mit dem Posttechnischen Zentralamt (PTZ) in Darmstadt  Pionierarbeit geleistet hatte. Quelle war sozusagen der zweite Entwicklungspionier und hatte auch ein etwas anderes und weiteres Spektrum zu erarbeiten, da als Großversender schon allein die Artikelbreite  unterschiedlich zum reinen Buchversender und deutlich breiter aufgestellt war.

Die Vorgaben der Deutschen Post durch das PTZ an die Freistempelung im EDV- Verfahren waren zunächst  noch deutlich an die Absenderfreistempelung angelehnt. So hatte der EDV- Eindruck ein Musterfeld zu füllen, das exakt einen vergleichbaren Wertrahmen und einen runden  Ortsstempel vorgab ähnlich dem Druck im Freistemplerabschlag. Ferner wurde anfangs aus Sicherheitsgründen ein senkrecht platziertes POSTHORN  vor der Werteingabe durch den EDV- Druck gefordert. Der Ausdruck war in schwarzer Farbe vorgeschrieben. An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass der Wertzeilendruck nur bei Bertelsmann in der EDV- Versuchsphase im ersten Halbjahr 1966 im Blauton erfolgte s. Einführungskapitel zum Menüpunkt Freimachung mit Freistempel!
Für das Quelleversandhaus wurde in der Versuchsphase im Vordruck  Nürnberg mit 2stelliger Postleitzahl und mit dem  Postamt 3 ausgewiesen. Das EDV- System druckte in einem Durchgang  den Aufschriftzettel oder auch die Paketkarte passend aus und  ferner den Rechnungsausdruck sogar mit kontrollierbarem und ausgewiesenen Portodoppel  im Durchschlag. Die ersten EDV- Quellebeleg sind aus dem Jahr 1969 bekannt.

Vordruck für Adressaufkleber

                         

Ausgedruckter Aufschriftzettel als Nachnahme- Päckchen über DM 1,80 und  mit Datum vom 25.09.1970
                                        
                                                   

Rechnungsdurchschlag  und sichtbarer Portodruck mit Datum 20.04.1971 und Posthörnchen und Betrag DM 3,20 platziert unterhalb SAMMELBESTELLER RECHNUNG ! 

              
In dieser Versuchsphase zur EDV- Portoerrechnung gab es noch keine Systeme mit integrierter Waage, die wir später kennenlernen werden u.a. mit den beteiligten Firmen Bizerba und Toledo, sondern im IBM- Zentral- Computer der QUELLE waren zu jedem (!) Artikel mit seinen Daten neben Bestellnummer, Einzelpreis, Artikelbeschreibung, evtl. Farbnummer usw. auch noch das Einzelgewicht einprogrammiert. Bei der Rechnungslegung wurde für die Portoberechnung automatisch das Nettogewicht der Einzelartikel addiert und das Verpackungsgewicht war prozentual noch zusätzlich nach Zahl und Gewicht der Artikel  in einem Schlüsselcode nach Erfahrungswerten festgelegt. Nettogewicht der Artikel und zugeordnetes Verpackungsgewicht ergaben das Bruttogewicht der Sendung. Auch für die Einordnung der Sendungsart z.B. Päckchen, Paket, Postgut  wurde in der Datenverarbeitung das errechnete Bruttogewicht berücksichtigt und die günstigste Versendungsform bestimmt. Die Postleitzahl des Empfängers definierte automatisch die Berechnungsgrundlage für die relevanten Entfernungen der Paketzonen mit dem zugehörigem Entgeld. Damit konnte der entsprechende Adressaufkleber z.B. Päckchen, Paket, Nachnahmeversand usw. angefordert werden  und der Portoentgeldbetrag  wurde fertig ausgedruckt mit Posthorn, Datum, Versendungsart, Gewicht und Adresse. Außerdem  konnten evtl. noch weitere gewünschte interne Firmendaten wie Rechnungsnummer, Lieferschein oder ähnliche Angaben auf dem Adressaufkleber oder Paketkarte zusätzlich vermerkt werden.

                                                 
Der vorstehende Beleg demonstriert die Nachnahmeversendung als Postgut mit Datum vom 29.05.1970  aus der Versuchsphase der EDV- Freimachung.  Der Vordruck der Paketkarte als postinternes Dokument  war in diesen Fällen aus der Versuchsphase nicht mit Wertrahmen versehen. Die EDV druckte in diesem Fall Versendungsart, Datum, senkrechtes Posthorn und Entgeldbetrag in einer Zeile aus. Neben Gewicht, Nachnahmebetrag und Adresse  sind noch Kennziffern ausgedruckt, die sich wohl betriebsinternen Daten zuordnen lassen, wie oben angeführt. Der Aufklebezettel im Braunton gedruckt, weist das Großversandhausquelle als Selbstbucher  im Paketversand aus mit entsprechender fortlaufender Registriernummer.
Mit der Verfügung Nr.350/1970 aus dem Amtsblatt Nr. 65 vom 20.5.1970  wird die Freimachung von Briefsendungen mit EDV- Anlagen  offiziell zum 1.7.1970 freigegeben. Anträge dazu sind an das Posttechnische Zentralamt in Darmstadt zu richten. Das oben vorgestellte Vordruckmuster aus der Versuchsphase wurde verbraucht, ab September 1970 wurde der runde Ortsstempel verlassen, und in den Paketkarten das zweigeteilte Rechteck eingeführt. Der im Rotton  ausgeführte Druck hatte in der ersten Zeile des zweigeteilten Rechtecks die bekannten Angaben aus dem Ortsstempel  übernommen mit  85 Nürnberg 3

                                               
In der unteren zweiten Zeile des Rechtecks wurde der unveränderte Computerausdruck mit Datum, Posthorn und Wertangabe platziert.

                                              
Auf der NN-Paketkarte ab dem Jahr 1973  wurde auch die zugehörige Postamtskennung mit dem Computerausdruck   85 Nürnberg 3 ausgeführt. Ab 1974 wurde  der Druck auf die 4stellige  Postleitzahl umgestellt und nun das Postamt Nürnberg  2 angeführt.

                                            
Der Paketaufkleber im Selbstbucherverfahren war hier zunächst noch mit 2stelliger PLZ unverändert und mit dem Hinweis  auf QUELLE als einlieferndes Großversandhaus versehen.

Die vorherigen Beispiele wurden über den Zeitraum von 4 Jahren zur besseren Übersicht zusammen dargestellt. Aber seit 1970 war ja die EDV- Freimachung amtlich geworden und außerhalb der Paketkarten wurde mittlerweile das 3geteilte Rechteck die neue Standardversion bei den Adressaufklebern.

b) das dreigeteilte Rechteck

                                 
Im Prinzip ist der Aufbau ähnlich den vorgestellten Paketkarten. Markant neben den schon oben erwähnten 2 Zeilen im Rechteck kommt in dieser allgemein vorläufig beibehaltenen Form der rot ausgedruckte Hinweis auf die DEUTSCHE BUNDESPOST  mit  Posthornlogo in der dritten Zeile hinzu. Ferner ist auf dem Nachnahmeadressaufkleber für den Päckchenversand  mit Datum vom 27.6.1972  die Postleitzahl auf Wunsch der Post und Vorschrift des PTZ im Computergroßausdruck noch einmal deutlich hervorgehoben. Hier im Beispiel mit PLZ 6831.

Auch im EDV- Adressaufkleber des 3geteilten Rechtecks wurde ab 1973  mit Einführung der 4stelligen PLZ der Vordruck 85 Nürnberg 3 abgeändert  und neben Datum, Posthorn und Portoentgeld auch die entsprechende Zugehörigkeit mit 8500 Nürnberg 3 ausgedruckt..

                        

Da im obigen Beispiel die EDV Postgutversendung ohne Nachnahmeeinzug errechnet wurde, konnte im Computerdruck der Adressaufkleber  das Nachnahmefeld entsprechend durch Blockzeichen verdecken. Da keine Paketkartenversendung anfiel wurde am Paketnummerzettel der dementsprechende perforierte Streifen belassen. Entsprechend dem Hinweis zur Paketkarte kam ab 1974 auch im 3geteilten Rechteck Nürnberg 2 zum Ausdruck, wie es der folgende Beleg demonstriert.

                                                  
Hier nun auch im Päckchenversand einmal der EDV- Nachnahmeausdruck. Ferner  finden wir noch u.a. neben PLZ, Adresse, Gewichtsangabe firmeninterne Ziffern vermutlich mit Kunden- und Rechnungsnummer.
Interessant ist links oben der ausgehandelte QUELLE- POSTRABATT zu erkennen mit 15 Pfennigen auf DM 3,25 statt der offiziell im 3geteilten Rechteck ausgewiesenen DM 3,40. Ab Ende 1974 findet sich auf den Paketnummernzetteln  nicht mehr der Hinweis  zum Großversandhaus Quelle. Auch hier zeigt der EDV- Ausdruck  den ausgehandelten Quelle- Rabatt auf DM 3,65 statt DM 4,10 im Nachnahme- Postgut- Versand!

                                                      
An dieser Stelle soll wieder einmal die Entwicklung des Quellekonzerns mit einer wesentlichen Geschäftsausweitung vorgestellt werden. 1970 wird mit der Garten- Quelle ein Spezialversand etabliert, wie das folgende Bild aus dem Quelle- Katalog verdeutlicht.
      
     
Schon 1971 hat der Spezialkatalog für die Quelle – Gartenfreunde eine Auflage von 1,6 Millionen erreicht. Folgend die Vorstellung eines EDV- Postgut- Ausdrucks der Garten- Quelle mit dem Auslieferungslager in Elmshorn.                                   
                                                                      
Im Rahmen der halbwegs chronologischen Vorstellung zur Postautomation der QUELLE bedarf es an dieser Stelle auch wieder einmal der Vorstellung einer neuen Variante im Freistempelverfahren der Firma.  Die Verwaltung für den Sammelbesteller- Versand  mit Postfachadresse 8500 Nürnberg 500 hatte in der Herderstrasse 7 einen eigenen Absenderfreistempel mit dem  Ortsstempel 85 Nürnberg 113 im Einsatz. Hier abgebildet als Einschreibselbstbucher aus dem Jahr1973 mit eingedrucktem R-Zettel 85 Nürnberg 13.

                                     
1973 war aber auch das Jahr der ersten  Wirtschaftkrise in Deutschland mit Ölpreisschock, autolosen Sonntagen, Rationalisierungen in der Industrie mit Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit. Auch der Versandhandel hatte erstmals keine Steigerungsraten. 1975 gibt sich die QUELLE eine neue Unternehmensstruktur, Grete Schickedanz wird persönlich haftende Gesellschafterin in der gegründeten Gustav und Grete Schickedanz Holding KG.

1977 -  im 50. Jubiläumsjahr seiner Firma -  stirbt Gustav Schickedanz und seine Frau Grete übernimmt die Firmenleitung. An dieser Stelle füge ich noch einmal  den EDV- Beleg mit dem  Sonderlogo 50 Jahre Quelle  mit einer Ausschnittvergrößerung ein.

                                           
Die Wirtschaft in Deutschland hat sich zwischenzeitlich wieder stabilisiert, hinterlässt aber eine zukünftig gewöhnungsbedürftige Sockelarbeitslosigkeit mit steigender Tendenz. Die Zeiten des Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit sind wohl unwiderruflich beendet.
Der Quelle- Jubiläumskatalog 1977 hatte eine Auflage von 8 Millionen, der Umsatz im Versandhandel stieg auf 4,5 Milliarden, der Gesamtumsatz kletterte zuzüglich durch 25 Warenhäuser und 129 Quelle- Verkaufsstellen  und weitere Konzerntöchter  auf 6 Milliarden, bis zu 200.000 Pakete täglich summieren sich zum Jahresende auf 32 Millionen Versandstücke, 40.000 Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf und die Deutsche Bundespost profitiert mit 207 Millionen DM Porto (trotz Rabatt).

                                                       

1977 ist auch das Jahr einer erneuten Innovation im Quelle- Versandhandel:
Quelle führt mit der Post den „knitterfreien“ Hängeversand- Service ein, der auch seinen Niederschlag in der firmeneigenen Postautomation findet.


       

Das linke Bild stammt aus der Firmendokumentation zum 50jährigen Quelle- Jubiläum und die rechte Abbildung aus dem Buch „Die Quelle Story“ im Bucher- Verlag, München. Einmal sehen wir die werksmäßige Verpackung der Oberkleidung in den Zustellsäcken  und ferner die Ablieferung durch die Post mit der „erfreuten Hausfrau“ über die unzerknautscht eintreffende Kleiderbestellung. Folgend die Abbildung eines entsprechenden Lieferscheins.

                                                 
Auch andere Versandhäuser bedienten sich durchaus nach QUELLE dieser Versendungsform, aber nur das Schickedanzunternehmen nutzte auch hier die EDV- Freimachung konsequent zur Postautomation. Dabei sind einige Besonderheiten zu vermerken. Der Adressaufkleber ähnelt schon der vorgestellten bekannten Form, weist aber zusätzlich ein groß ausgedrucktes H für Hängeversand auf. Ferner ist das rot umrahmte Freimachungsfeld reduziert zum einfachen Rechteck. Die nötige Postamtskennung erfolgt im darüber platzierten Paketnummernfeld mit fest zugewiesener 002 und hier noch 2stellige PLZ 85 Nürnberg 2. Datum vom 7.4.1977.

Bei allen vorkommenden EDV- Frankaturen im Hängeversand ist zusätzlich eine absolute Besonderheit noch zu registrieren mit der Verfüllung der sonst bestehenden Leerfelder zwischen Posthörnchen und Entgeldbetrag  im Sternchen- Druck! Auch der Postrabatt  ist in dieser Form der EDV- Freimachung wieder ausgewiesen mit der Differenz von DM 5.60 zu den sonst regulär üblichen DM 6,30.

                                                 
                             Der nachfolgende Adressaufkleber aus 1981 zeigt einige beachtenswerte Unterschiede.

                                                
Auch wenn auf den ersten Blick beide EDV- Belege ähnlich wirken, zeigt der EDV beschriftete Adressträger aus 1981 bei aufmerksamer Betrachtung einige wesentliche differente Merkmale auf. Auffällig ist das auf Monats- und Jahresangabe verkürzte Datum. Diese Druckweise findet sich ab 1978 üblicherweise im Paket- und Postgutversand  in den EDV- Freimachungen, vermutlich um längerfristige Zustellzeiten zu „verschleiern“ und Reklamationen aus Lieferfristen zu vermeiden. Ferner war nun die fest zugewiesene Paketnummer auf 681 geändert und im Paketnummernfeld ist außerdem die 4stellige PLZ von Nürnberg 2  eingeführt.
Die Nachnahmepaketkarten zum Hängeversand sind ohne zusätzliche H – Kennung ausgedruckt, wie die folgende Abbildung zeigt. Auch hier finden sich beide im Hängeversand zugewiesenen Paketnummern mit 002 und 681 und ferner das schon im Januar 1978 auf Monat und Jahreszahl  reduzierte Datum.

                               
Schnelles und wichtiges Kennzeichen ist außerdem auch hier für den Hängeversand die Sternchen - Auffüllung zwischen Posthorn und Entgeldbetrag. Die Zustellung im Hängeversand wurde übrigens im Jahr 1982 bereits wieder beendet.

1978 findet sich bei QUELLE schon ein recht breites Feld von Varianten in der EDV- Freimachung  in unterschiedlichen Ausführungen und  Versendungsformen.

                                                            
Vorstehend ein EDV- Postgutversand mit Datum vom 18.8.1978  ebenfalls einzeilig wie oben im Hängeversand  beschrieben, aber  hier natürlich ohne die Sternchen- Auffüllung und im  geänderten Adressaufkleber. Ansonsten gleiches Ausdruckspektrum mit Rabatt- Vermerk, Gewichtsangabe, Adresse, PLZ im zusätzlichen Großdruck und vermutlich Kunden- oder Rechnungsnummer. Zustellgebührzettel der Deutschen Bundespost. Erstmalig ist ebenfalls ab dem Jahr 1978 bei Quelle  die EDV- Freimachung neben dem gewohnten Absenderfreistempel auch in der normalen Briefpost zu finden!

                                    
Das obige Belegbeispiel zeigt eine EDV- Freimachung mit 3geteiltem Rechteck als Postkartenversendung vom 22.3.1978 mit Entgeld DM 0,40. Auch die mittlerweile standardmäßige Fensterbriefvariante der EDV- Frankatur findet sich bei Quelle erstmals  in diesem Zeitraum. Demonstriert wird eine Drucksachenversendung im Großformat (etwas verkleinert) aus dem Jahr 1980. Das einzeilige Wertrahmenfeld ist im EDV – Anschreiben und – Vordruck  rot umrahmt  und hier findet sich die Freimachung mit DM 0,80 für die Drucksachenversendung in 3. Gewichtsstufe. Erstverwender der EDV- Fensterbriefe war übrigens die GEZ (Gebühreneinzugszentrale Köln für Rundfunk- und Fernsehgebühren) im Dezember 1975.


                                  

Im 3geteilten Rechteck findet sich anstatt Datum und  Portobetrag der übliche Hinweis auf „Freimachung (EDV) im Fenster“. Beachtenswert ist der Wegfall des Posthörnchens in der Datum – Wert - Zeile. Seit 1977 werden neue EDV - Anwender im Freimachungsverfahren nicht mehr mit dem Sicherheitsposthorn ausgerüstet und auch in der Software der alten Nutzer verschwindet es kontinuierlich!


Auch die anfangs demonstrierten Adressaufkleber waren weiterhin vorhanden, wie das nachfolgende Beispiel im Nachnahme -  Päckchenversand aus dem September 1978 belegt. Das Quelle - Logo  ab 1977 in  blauer „Quelle- Farbe“  fällt als auffälliges Signet dem Betrachter  auf dem Adressaufkleber direkt ins Blickfeld.

                                         

Aber  im Jahr 1978 wurden auch  von der Geschäftsleitung der  QUELLE  neue Vertriebswege angedacht. Zunehmend durch  Spezialkataloge sollten auch höherwertige Produkte den Käufern offeriert werden können. Die „Basisausstattung“ des deutschen Haushalts war erreicht, das Kundeninteresse wurde differenzierter und anspruchsvoller. Ein erster  wesentlicher Test und Schritt dazu war das Angebot exklusiver Mode.
So wurde 1978 die  Modelinie „Madeleine“ mit eigenem  Katalog und Versandaufkleber etabliert. Hier vorgestellt mit Katalogansicht und zugehörigem EDV- Adressaufkleber MADELEINE der Quelle Schickedanz AG & Co. aus dem Jahr 1993 bzw. 1994.

                   

                       
Der oben abgebildete Adressaufkleber mit EDV – Frankatur aus 1993 hatte im Format seine Entwicklungsgeschichte ab dem Jahr 1980 und zeigt im obigen Beispiel im Vorgriff auf die spätere Entwicklung einen zusätzlichen Barcode im Postgutversand und 5stellige PLZ.  Aber zunächst einmal  zurück  zu den  Entwicklungen  im Anschluss an die Sparteneinrichtung  Madeleine von 1978 im Quellekonzern.

Eine Vereinheitlichung  der Anschriftformulare war sicherlich wünschenswert geworden aber ein schwieriges Unterfangen durch die verschiedenen Anforderungen in den Versendungsformen. Erst Anfang der 1980er Jahre kam es bei Quelle zu einer gewissen Rationalisierung durch einen Kombinationsvordruck, nachdem zunächst eine Vorläuferversion neuer Adressaufkleber  1981/82 erprobt worden war.             

                  
Im Gegensatz zum oben abgebildeten Adressaufkleber im Madeleine – Versand der Quelle war das 3geteilte Rechteck in dieser Vorläuferversion noch rechts oben positioniert. Form und Format  sollten aber ab  1981 zum neuen Standard werden. Postleitzahl natürlich noch 4stellig. Auch hier noch der Quelle – Rabatt ausgedruckt mit DM 2,13 im Päckchenversand gegenüber DM 2,30 im Wertfeldausdruck.

                 
Letztmalig übrigens sind im Jahr 1982 die Rabattvermerke ausgedruckt und ersichtlich.
Bemerkenswert ist im obigen neuen Adressaufkleber  - hier im Postgutversand von 1982 mit Paketnummernzettel und Selbstbucherauflieferung – als weitere wesentliche Neuerung im 3geteilten Rechteck die Veränderung zum stilisierten Posthorn zu registrieren der zukünftigen Standardversion in allen Vordrucken mit Logo der Deutschen Post.

                      
In der Abbildung wurde die Logoveränderung der Deutschen Bundespost ab 1982 zum stilisierten Posthorn  am Beispiel des 3geteilten Rechtecks der EDV – Frankatur noch einmal detailliert  herausgestellt.  

Der Adressaufkleber erhält ab Ende 1982 eine  leicht veränderte Form, die langfristig Standardversion und  vereinheitlichtes Grundmuster für den Ausdruck der  verschiedenen Versendungsformen wurde. Dies war einfach  durch entsprechende Anforderung in der EDV  abrufbar. Die folgende Darstellung zeigt nun das neu entworfene Kombinationsgrundmuster  des Adressaufklebers. Der Balkendruck im Feld der Deutschen Bundespost entfiel im Verwendungsfall  natürlich.

           
Das   3geteilte Rechteck war nach links verschoben worden und machte Platz einem blau eingefärbtem „Dachrahmen“ als Zudruckfeld für die verschiedenen abrufbaren Versendungsformen.
Zeitgleich geschah dies im Quellekonzern  mit der Inbetriebnahme der modernsten Paket-Verteilanlage der Welt  „PAKUM“. 
Diese Paketumschlagstelle wurde in Nürnberg – Doos 1983 von Quelle auf der Industriebrache des Stückgut- Bahnhofs für 20 Millionen DM  gebaut und eingerichtet. Es konnten stündlich ca. 15.000 Sendungen nach 110 Postleitgebieten verteilt werden, dabei wurden an Spitzentagen  80 Eisenbahnwaggons gefüllt!

            
Wir sehen eine Nachnahme als Päckchensendung. Unter dem blauen „Dachrahmen“ ist die Versendungsart ausgedruckt. Weitere Beispiele könnten hier mit Ausdruck Brief oder Warensendung/Geb.Gepr. angefügt werden. Aber ich habe aus den vielfältigen Möglichkeiten schwerpunktmäßig die markantesten  Beispiele herausgesucht  und chronologisch zur Übersicht in ihrer weiteren Entwicklung zusammen belassen.

            
In der vorstehenden Abbildung ist  im Adressaufkleber durch die EDV unterhalb des blauen „Dachrahmens für die Versendungsformen“  der Paketnummerzettel  in schwarz ergänzt  ausgedruckt worden! Der Bestellversand war bei Quelle ab 1979 mit der Möglichkeit zur Zahlung gegen Rechnung eingerichtet worden. Die  Nachnahmesendungen reduzierten sich daraufhin deutlich, können aber dennoch  weiterhin unter den EDV – Belegen entdeckt werden und beinhalten einen recht eindrucksvollen  3Farbendruck.

            
In der demonstrierten Nachnahmeversendung  ist der EDV- Ausdruck im Paketnummernzettel mit Postamt und Stammnummer in braun ausgeführt, die fortlaufende Paketnummer ist im üblichen schwarzen Farbton gehalten ebenso die restlichen Angaben mit Adresse, Wertziffernfeld im 3geteilten Rechteck, Nachnahmedaten und firmeninterne Kennziffern. Das vorgeschriebene Nachnahmelogo mit rotem Dreieck ist in unterschiedlich kräftigen Rottönen zu finden. In der Abbildung kommt ein recht seltener kräftiger Rotdruck zur Vorstellung.
Ab 1987 wird der Adressaufkleber leicht aber auffällig verändert mit Wegfall des Hinweises als  Großversandhaus und die Fläche für die Postleitzahl wird gelb hinterlegt.

            

1989 taucht im Adressfeld erstmals ein eindimensionaler Barcode unterhalb der Quelle -  Absenderangabe auf  und dient der betriebsinternen Codierung. In diesem Fall noch die Markierung der bezahlten Zustellgebühr auf gelben Grund.

            

                     1989 wurde im wahrsten Sinne auch ein gesamtdeutsches Jahr mit dem Mauerfall in Berlin

                         


Findet 1986 noch die martialische Feier der DDR zum 25jährigen Jubiläum des antifaschistischen Schutzwalls statt, hier festgehalten auf der Sondermarke mit Kampfgruppen der Arbeiterklasse und Mitgliedern der Freien Deutschen Jugend, so öffnet sich 1989 überraschend die unselige Mauer wie ein „Schweizer Käse“ in der optimistischen Arbeit der „Mauerspechte“ (Dt. Maximumkarte Edition Maxiphil).

Das Versandhaus Quelle hatte  schon 1981 mit den sog. DDR- Sonderbestellscheinen einen kleinen Weg der Belieferungsmöglichkeit für die ostdeutschen Mitbürger gefunden. Mit dem Mauerfall brachen nun alle Beschränkungen weg. Entgegen der damaligen Weltwirtschaftsstagnation gab es in Deutschland dank der Wiedervereinigung  die Auslösung einer  Sonderkonjunkturphase.

Auf den bekannten Adressfeldern finden sich zügig im Quelleversand die

-         Aspekte der Wiedervereinigung

           

Die Problematik der west- und ostdeutschen teils identischen Postleitzahlen wurde durch die innerdeutsche Kennung mit Voransetzung  der Buchstaben  W und  O bis zur Einführung der 5stelligen PLZ gelöst. Firmiert der Quelle Absender  unter W-8510 Fürth 500, so druckt die EDV  im Adressblock der Empfängeradresse für die neuen Bundesländer 0 vor die  PLZ  und wiederholt dies  linksseitig im schon bekannten Großdruck. Dies galt natürlich auch umgekehrt für Empfänger in den alten Bundesländern  mit W.


           

Seit 1993 wird, wie im obigen Beleg aus dem Mai 1993 erkennbar, auch im rechten unteren Adressfeld erstmals  die Frachtpostcodierung  im Barcode groß ausgedruckt


           

Am 1.7.1993 wurde die 5stellige Postleitzahl eingeführt und kann auf dem Adressaufkleber schon aus dem gleichen Monat demonstriert werden. Gleichzeitig neu ist ebenfalls die rechtseitige zweifache Barcodeplatzierung im Postgutversand. Die folgende EDV- Frankatur aus Oktober 1995 hat noch das seit 1982 eingeführte bekannte Format als Grundlage,  weist aber schon ein Reihe wesentlicher Änderungen auf, die von der Nachfolgegeneration übernommen wurden.

Im Jahr 1995 ändert sich auch das Quellelogo. Die 1953 eingeführte Handfläche verschwindet wieder aus dem Q und macht einem „schnöden“ Balken Platz („na, wenn das mal gut geht“). Interessanterweise finden sich aber auf dem nachfolgend vorgestellten Adressvordruck noch beide Logovarianten. Die im Endlosdruck ausgeführten Adressaufkleber sind beachtenswert seit dem Jahr 1992 ohne den bisher bekannten blauen „Dachrahmen“ im Versendungsfeld! Die Postprivatisierung findet ihren Niederschlag als Deutsche Post AG.


         
                                    
Der Detailausschnitt zeigt noch einmal die gemeinsame Verwendung von altem und neuem Quellelogo. Zusätzlich taucht hier auch bei Quelle die offiziell schon 1976 eingeführte Postabrechnungsnummer auf. Quelle führte bis dato mit der Post abgestimmte und täglich zu verrechnende Portolisten, die nun wohl mit der offiziellen Handhabung  in Einklang gebracht wurden.

Die bisherige Abhandlung der Adressaufkleber wurde über dem Zeitraum von 1982 bis 1995  aus Gründen der vergleichbaren Übersicht  zusammenhängend  belassen. Wir treffen das Adressfeldformat aber später noch einmal als „Klebefläche“ bei der EDV- Label- Einführung und  entsprechender Nutzung.
Aber auch der Quellekonzern ist aus dem obigen Zeitraum mit Veränderungen und Entwicklungen näher zu betrachten und zu beleuchten. Denn in dieser Zeit finden wesentliche Strukturveränderungen bei QUELLE statt, anfangs teils bedingt durch die stagnierende Wirtschaftphase später auch im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung.

Im  Beginn der 1980er Jahre war es gesamtwirtschaftlich in Deutschland schwierig geworden. Die Arbeitslosenzahlen stiegen in Richtung zweistellige Prozentzahlen, der Versandhandel war gezwungen flexibel zu reagieren und zahlreiche Geschäftsbeziehungen wurden umstrukturiert und neue Geschäftsfelder etabliert.

1983  wird so die Fertighaussparte mit einem Partner – Firma Zenker -  verstärkt. Schon an dieser Stelle der Hinweis auf die Fertighausfirma Bien, die 1996 ihrerseits  zu Bien - Zenker fusionierte.

1984 übernimmt die Grete und Gustav Schickedanz KG die alteingeführte Firma für Textil- und Gummibänder die Gold-Zack-Werke in Wuppertal, nachfolgend vorgestellt mit dem Absenderfreistempel aus dem Jahr 1936 auf einer Firmenpostkarte.
                    
                                           
                                  Bereits 1996 beendete der Quellekonzern sein Gold-Zack Investment durch Verkauf.

1984 wird ferner der Einstieg in das Versicherungsgeschäft gewagt mit der Gründung  Quelle + Partner Versicherungen  der späteren Quelle Versicherung, hier dargestellt mit  einem Absenderfreistempel aus dem Jahr 1999.


              

Quelle expandiert außerdem Richtung Osten und erschließt   neue Kundenbereiche. 1985 wird in Budapest ein deutsch-ungarischer Versandbetrieb vertraglich vereinbart und unterzeichnet.
Ihrem Prinzip offen zu sein für technische Innovationen, werden ebenso im Jahr 1985  bei Quelle Telefonbestellung und Bildschirmtext (btx)  im Bestellsystem  eingeführt. Es werden so schon die Gleise Richtung modernem Call - Center  angelegt bis hin zur späteren Gründung der Quelle Online GmbH 1995. Im gleichen Jahr  1995 wird die Kaufmöglichkeit am Fernsehbildschirm mit der ProSieben Fernsehgesellschaft ins Leben gerufen und firmiert  erfolgreich dann unter HSE24 als Homeshoppingsender in der Primondogruppe der KarstadtQuelle AG bzw. unter späterem Namen Arcandor.


               
 

                           Bildschirmtext bis Online-Markt in rascher technischer und zeitlicher Entwicklungsfolge

                        

HSE24 warb übrigens mit „guter neudeutscher“ Sprachbildung unter dem Slogan:  ICH SEH SHOPPEN

1986 gibt sich die Quelle eine neue Holdingstruktur und ab nachfolgendem Jahr zieht sich Grete Schickedanz aus der Führung der Quelle in Teilschritten zurück. Im Jahr 1987 wird der Spezialversender für Bekleidung in Naturfasern Peter Hahn, Winterbach in den Quellekonzern eingegliedert.  Hier Vorstellung mit einer EDV- Postgut- Versendung aus dem Jahr 1994.

                                          

1987 war auch das Jahr des Einstiegs von Quelle bei dem Textilkaufhaus Sinn AG, Köln und in 1988 bei dem Modehaus Leffers AG, Bielefeld. Später fusionierten beide zu Sinn Leffers. Die spätere KarstadtQuelle AG  übernahm dann die Aktienmehrheit von SinnLeffers, um sich 2005 wieder aus dieser Beteiligung zu verabschieden.


                          

Absenderfreistempel der SinnLeffers AG vom Standort Münster aus dem Jahr 1998. Die Hauptverwaltung hatte ihren Sitz in Hagen/ Westfalen.
1989  suchte Quelle ein weiteres Standbein neben ihrer 1978 im Versandbereich (Vorstellung s. vorne) etablierten Exklusivmarke Madeleine. Im Bereich der städtisch renommierten Boutiquegeschäfte sah die Quellegeschäftsleitung Entwicklungspotential und übernahm Elegance, Aachen  als Anbieter hochwertiger Textilien, der teils mit Geschäftslokalen aufgestellt  war und auch noch  zusätzlich  den Versandbereich abdeckte. Die Vorstellung der Aachener Firma  erfolgt mit einem Absenderfreistempel aus dem Jahr 1977 und mittels einer  EDV- Postkarte und damit einer seltenen Versendungsform aus dem Jahr 1984.

                                       

                                       

1989 ist auch das Jahr in dem QUELLE das Modehaus  Atelier Goldner Schnitt, Münchberg zu 51 Prozentanteilen von der Unternehmerfamilie Wirth übernimmt. Hier vorgestellt auf einem EDV – Fensterbrief - Beleg aus dem Jahr 1994.

                                  
Die Massendrucksache zeichnet sich durch eine interessante Wertstufe aus,  die in dieser Form als Einzelfrankatur  mit DM 1,09 nur durch EDV – Freimachung oder  Absenderfreistempel  darstellbar ist.

An dieser Stelle ist ein auch einmal  ein kurzer Ausflug  zum Bankgeschäft der QUELLE  angebracht.
Wie schon oben erwähnt, wurde 1954 für die Quellekunden eine Finanzierungshilfe über die NORIS KAUFHILFE angeboten. Aus dieser Organisation entstand 1965 die Noriskreditbank GmbH mit Sitz in Nürnberg. Die Geschäftsbasis war weiterhin zunächst  die Konzentration auf  Finanzierungsangebote  für  Kunden der Quelle  mit all ihren zugehörigen Tochterfirmen. 1969 firmierte die Bank als Noris Bank GmbH und fusionierte 1984 mit der Hamburger Verbraucherbank  zur Noris Verbraucherbank, hier vorgestellt auf einer EDV- Frankatur im Fensterbrief aus dem Jahr 1997 und Portostufe DM 0,47  ebenfalls einer Massendrucksache.

                          

1997 ist auch das Jahr in dem die Quelle ihre Beteiligung und Bankanteile an der Norisbank der Bayrischen Vereinsbank verkauft  und die eigene Quelle Bank gründet. Dazu hatte Quelle bereits 1970  neben der vorgenannten Bankbeziehung schon als weitere Maßnahme und Basis das Bankhaus C.A.Steinhäusser in Wien erworben. Nachfolgend wird die Quelle-Bank vorgestellt mit ihrem Absenderfreistempel aus dem Jahr 1998 versehen mit einer interessanten Adressweiterleitung der DPAG. In diesem Fall wurde die EDV – Nachsendung im INA - Verfahren über das Nachsendezentrum MA für Magdeburg (zuständig für die Leitzone 0,1,2) abgewickelt.

                           

1990 wurde das Bankgeschäft zur klassischen Direktbank  bundesweit ausgerichtet und dies bedurfte entsprechend den Bankbestimmungen zur Kundenidentifizierung des Postident - Verfahrens unter Vorlage des Personalausweises in der Regel am Heimatort des Kunden. Hier dokumentiert auf vorfrankiertem  Bankumschlag mit Absenderfreistempel zu DM 12,50 der Quellebank mit eingedruckten Versendungsmerkmalen zu Rückschein, eigenhändig und Einschreiben. Letzteres weist mit den Kennbuchstaben „qb für Quellebank“ das Selbstbucherverfahren  aus.


                         

Der  Fusion mit Karstadt im Jahr 1999 folgte die Entwicklung zur KarstadtQuelle Bank, die nachfolgend auf einem Infopostausschnitt der Deutschen Post vorgestellt wird.


               

Bereits kurz darauf im Jahr 2005/2007 erfolgte  die Teilausgliederung der Bank aus dem KarstadtQuelle Konzern zur Hypothekenbank VALOVIS mit Sitz in Essen. Die endgültige Trennung wurde Anfang 2009 vollzogen. Damit wurde die ehemalige KarstadtQuelle  Bank und insbesondere auch der zugehörige Quelle – Mitarbeiter – Pensionsfond aus dem Konkursverfahren bei Arcandor rechtzeitig herausgelöst.
Nach diesem Ausflug zum Bankengeschäft von Quelle und Karstadt zurück in die 1990er Jahre und damit noch zu einem weiteren erwähnenswerten Schritt in der komplexen Konzerngeschichte.

1994 verkauft Quelle die Papierhandtücherfabrik Tempo an den US – Konzern Procter & Gamble. 1994 ist auch das Jahr in dem Grete Schickedanz verstirbt. Sie war  Zeitzeugin gewesen dieses ersten  großen Betriebszukaufes ihres späteren  Ehemanns Gustav Schickedanz mit Erwerb der Vereinigten Papierwerke im Jahr 1935. Auf 400 Millionen Tempotaschentücher pro Jahr war die Produktion gesteigert worden. Interessanterweise hat sich Procter & Gamble 2007 durch Verkauf  von „Tempo“  für 500 Millionen in bar an die schwedische Firma Svenska Cellulosa wieder von dieser Investition  getrennt.

Nach dieser Vorstellung der QUELLE – Konzerngeschichte aus den Jahren 1980 bis 1995, die nur die wichtigsten  Entwicklungen beleuchten und berücksichtigen konnte, steht  ein wesentlicher Punkt in der Postautomation  bei Quelle an mit der Abhandlung der 

-         Labelphase

Wie wir gesehen haben, war die EDV – Freimachung mit vielfältigen Vorgaben im Zentralcomputer unter anderem mit Artikelnummer, Farbkennzeichnung, Einzelgewicht, Postleitzahl des Kunden mit Errechnung von Paketleitzonen und Rechnungserstellung  verbunden.

Aber nicht immer war die Sendung primär komplett  zu erstellen. Kurzfristige Ergänzungen, Änderungen oder spez. Nachlieferungen waren möglich und eine flexible, rationelle Freimachung in solchen Fällen - unabhängig von der ersten Rechnungserstellung durch den Zentralcomputer -  war in solchen Fällen dringend wünschenswert.

Die Firma BIZERBA, Balingen  konnte im Jahr 1976 mit ihrer entwickelten POSTGEBÜHRENERMITTLUNGSANLAGE „PGA“  unter Einbeziehung  einer geeichten Gewichtsermittlung  dem Wunsch des Handels entsprechen.


                       

Auch wenn oben die spätere MCI-P3 Anlage zur microcomputergesteuerten Portoerechnung  von Bizerba vorgestellt wird, sind mit PC, Waage, Steuergerät und Drucker alle nötigen Komponenten auch aus früheren Anlagen abgebildet.  Die Detailaufnahme demonstriert die Vorgaben am Steuer- und Auswertegerät für die verschiedenen Eingabemöglichkeiten mit Brief, Drucksache, Warensendung usw., die Versendungsformen mit Nachnahme, Eilzustellung, Einschreiben, Schnellsendung usw. und die Paketzonendifferenzierung.



                     


Die ausgedruckten Label zur Freimachung  haben im Thermodruck leider nach fast 20 Jahren auch ihre Alterungsprobleme, wenn auch nicht so ausgeprägt wie schon  im  vorgestellten ABAS – System der Firma Nixdorf.

                                 
Wir sehen einen Luftpostbrief der Siemenswerke nach Saudi Arabien freigemacht mit einer Labelfreimachung aus dem Jahr 1982 durch  die Postgebührenermittlungsanlage (PGA) der Firma Bizerba und in der  seltenen Portostufe zu DM 4,90.

                                         
Der Detailausschnitt zeigt im dreigeteilten Rechteck des Labels in der Wertzeilenreihe neben der seltenen Portostufe das schon früher vorgestellte Posthörnchen und das Datum vom 30.03.1982. Der Wertzeilendruck im Label war im Gegensatz zur Freimachung der bisher vorgestellten EDV – Freimachungen in den Farben schwarz, blau und rot möglich! 

QUELLE  forderte spez. die rationelle Freimachung im Paketversand und konnte sich zur Einführung der oben beispielhaft gezeigten und seit 1976 eingeführten Standardversion  im Labelformat durch die PGA von Bizerba nicht entschließen!
Bizerba entwickelte daher für Quelle ein speziell nach rechts erweitertes Breitlabel mit Blankofeld und der zusätzlichen Möglichkeit zum Zudruck der Paketnummer. Eine Perforation zur Abtrennung des Zusatzfeldes war  zunächst in dieser nur von QUELLE genutzten Labelversion nicht vorgesehen.

                          
Vorgestellt  wird in der obigen Abbildung das „Quelle – Breitlabel“ eingeführt seit  1982. Kontrast deutlich verstärkt, um das spezielle Labelformat  zu verdeutlichen. Die Absenderkennzeichnung erfolgt im Label links mit dem Vordruck – Großversandhaus Quelle 8510 Fürth 500. Die Versendungsform zeigt im Wertzeilendruck außerhalb des dreigeteilten Rechtecks in diesem Fall den Zudruck Postgut, dann folgt im Rechteck die ausgewiesene Gewichtsangabe mit 3.36 kg, es schließt die Postzone mit Ziffer 3 an, das Posthörnchen weicht einem Schrägstrich vor dem Freimachungsvermerk mit DM 3,90. Im Paket- und Postgutversand erfolgte kein Ausdruck der Datumangabe im Label. Das rechtsseitige Blankolabelfeld ist mit 4 Nullen quasi als „Leerdruck“ versehen, da der beklebte Adressträger sämtliche weiteren erforderlichen Angaben handschriftlich  enthielt. Der Paketnummernzettel wurde mit einem Gummistempel ausgeführt.

                            
Zur besseren Vorstellung kommt noch einmal das spez. „Quelle – Breitlabel“ in seiner außergewöhnlichen Art in abgelöster Form zur Darstellung. Das rechte erweiterte Blankofeld zeigt hier im Päckchenversand wieder eine Nullstellung, der Buchstabe L steht für Leitgebiet.

Im folgenden Beispiel  treffen wir wieder auf den schon bekannten Adressaufkleber  mit ausgedrucktem Empfänger und Codierung. Das „Quelle – Breitlabel“ zeigt hier im Blankofeld rechts die zugewiesene Paketnummer  856 aus.
Im Bild kommt leider durch den weißen Untergrund des Adressfeldes das rechtseitig erweiterte Label  nicht deutlich zur Abbildung.  
                        
Das Quellebeispiel machte wohl Schule und die Entwicklung ging damals im Paket- und Postgutversand zum Breitlabel mit kompletter Vordruckversion im Label, wie das folgende Beispiel wieder aus den Siemenswerken zeigt.

                                   
In dieser zukünftigen Standardversion war die Abtrennung des rechten Paketlabelteils mit einer  Perforationslinie vorgesehen z.B. bei alleiniger Anwendung der Freimachung im Briefversand. Aber Widererwarten entschloss sich QUELLE mit dem Hochlabelformat die zweite mögliche Standardversion einzuführen. Auch in dieser Version, demonstriert in der nachfolgenden Abbildung,  konnte an vorperforierter Linie der obere Labelteil bei Wunsch abgetrennt werden.

                       
Häufig finden sich linksseitig neben den üblichen  Zudruckmöglichkeiten wie Brief, Warensendung, Päckchen, Paket oder Postgut noch einzelne Buchstaben wie hier mit Z oder oben mit den vorgestellten Quellebeispielen L und P. Dies waren Kennzeichnungen für Kooperationsverträge zwischen dem Absender und der Deutschen Post, um für im Voraus geleistete  Sortierleistungen Pauschalermäßigungen  zu definieren.  So findet man:

O für Orts-Container
L für Leitgebiet
Z für Zone, Leitzone
P für Pakum – Paketumschlag
V für Kooperationsvertrag
R für Richtziel und Vorverteilung in Waggons nach Leitzonen

Ab 1989 werden bei Bizerba die Labelvordrucke vergrößert und erlauben deutliche Versendungszudrucke unterhalb des dreigeteilten Rechtecks mit zusätzlich möglicher interner Nummerierung durch den Absender. Dies kann  folgend dargestellt werden mit einer Postgutversendung aus dem Jahr 1989 auf dem bekannten Adressträger und mit der Paketnummer 975, die in dieser Form nicht auf dem Label sondern primär durch die EDV auf dem  Adressaufkleber ausgedruckt  wurde.

                    

P steht für Pakum und der Hinweis als Großversandhaus ist im Label verschwunden. Nachfolgend das Beispiel als Warensendung mit Zusatz Geb.gepr.

                   

Sehr selten findet man im Hochlabel  bei Quelle ab 1993 eine Paketcodierung anstatt der altbekannten Paketkennung mit 99 und der dreistelligen Einzelnummerierung.

                                                          
Bei Nutzung des vorcodierten und schon bekannten Adressträgers entfiel der Barcode im Hochlabel, wie das folgende Beispiel demonstriert. Aus Gründen der Wiedergabe wurde bei stark verblasstem Thermodruck hier ebenfalls der Kontrast  deutlich verstärkt

                      
Die oben gezeigten letzten beiden Beispiele verweisen ferner auf einen zwischenzeitlich erneut veränderten Labelvordruck. Die Vergrößerung im Labelformat erlaubte nicht nur den Zudruck weiterer  Versendungsmerkmale wie z.B. Postgut  oder Warensendung mit Gebühr geprüft sondern ähnlich wie bei den Absenderfreistemplern erfolgte auch im Labeldruck eine Maschinenkennung.

                 

Auf dem Detailbild einer Warensendung mit Datum vom 23.08.95  ist die Maschinenkennung mit  BI/40505 (BI für Bizerba) auch im Thermodruck auf dem Label noch  ersichtlich.

                                             

Im Beispiel oben aus 1995 mit Entg. gepr. Warensendung  zu DM 3,00  findet sich zusätzlich natürlich die 5stellig eingeführte Postleitzahl  und auch im Labelvordruck das stilisierte Q. Also auch im Label verschwand  die bekannte rechte Handinnenfläche aus dem Quellelogo.
Ein auffälliger Unterschied ist noch  die Umfirmierung zur  Deutschen Post AG und das stilisierte Posthorn  ist nicht mehr „leer“  sondern mit roter Farbe „voll“  und damit markant abgebildet, wobei noch eine Verschiebung von „links“ nach „rechts“ stattgefunden hat.
Mit dem folgenden Labelbeispiel im Rahmen der Postautomation bei Quelle kommt ein ungewöhnliches Format zur Darstellung, das eigentlich nur aus der Nutzung als Wertbrieflabel der Bundesdruckerei bekannt wurde und in dieser Form auch in der philatelistischen Presse an verschiedenen Stellen wiederholt in Erscheinung trat..


             

                                                                           Detailausschnitt  Einschreiblabel Quelle

                                 

                                                                          Wertbrieflabel der Bundesdruckerei Berlin

                                 

Seit Januar 1987  war die EDV – Frankatur in Form des Wertlabel durch die Bundesdruckerei  mit einem Bizerba MCI-P1-Automaten bekannt. Diese Version lief dort über 10 Jahre in verschiedenen Aufdruckformen (s. Wiedervereinigung, Postprivatisierung) und über mehrere Portophasen aber stets im gleichen Labelformat und als Wertbriefversand im Selbstbucherverfahren (Kennbuchstabe bd). Dabei stand im Wesentlichen  der Versand von Personalausweisen und Pässen in gesicherter und kontrollierter  Form  an die Einwohnermeldeämter in der Bundesrepublik im Vordergrund.
Eine Anwendung als Selbstbucher (eingedruckter Kennbuchstabe qu) im Einschreibversand bei Quelle, wie oben demonstriert, findet sich sehr selten, kann aber später noch einmal bei der Tochtergesellschaft EUROVAL  vorgestellt werden. EUROVAL als  Schmuck & Uhren-Versand der Quelle hatte natürlich einen entsprechenden höheren Versicherungsbedarf auch für seine kleingewichtigen Aussendungen.

Das nachfolgende EDV- Frankaturbeispiel wirkt wie ein Zwitter zwischen Label und Adressfelddruck allerdings Letzteres nur mit Postleitzahl und ohne Adresse!

                                 

Man könnte auch von einem Großlabel sprechen. Es findet sich im EDV – Ausdruck  das gewohnte dreigeteilte Rechteck. In der Wertzeile sind Datum und Portowert  ausgewiesen. Zusätzlich findet sich die Bruttogewichtsangabe mit Paketzonenvermerk Es hat also eine Endwiegung stattgefunden ohne Vorgabe des Zentralcomputers. Ferner erfolgte die Deklarierung als Paket mittels Nutzung der Pakumanlage  = P. Ebenfalls vorschriftsmäßig ist der Absender im Vordruck festgehalten. Außergewöhnlich ist aber die Empfänger bezogene Postleitzahl in diesem Fall 7867, wie wir sie sonst nur vom Adressträgerdruck her durch den Zentralcomputer kennen und auch dort seit 1987 in gelber Farbe hinterlegt. Ich vermute, das Bizerba hier abermals einer Vorgabe von QUELLE individuell nachgekommen ist, um eine weitere Rationalisierung  im Postversand  zu erreichen. Man findet  dieses Großlabel häufig daher auf handschriftlichen Adressträgern, aber im Gegensatz zum diesbezüglich schon vorgestellten Label im Kleinformat bestand hier die Möglichkeit der Zusatzprogrammierung mit Eingabe und Ausdruck der maschinenlesbaren Postleitzahl s. folgendes Belegbeispiel.

                                  
Auch wenn später noch einmal Label vorgestellt werden, bei der vorgesehenen Abhandlung  der beiden Quelletochterfirmen  EUROVAL und FOTOQUELLE, ist diese Freimachungsform mit obigem Beispiel zunächst in seinen Hauptformen abgehandelt.

Bei der weiteren Vorstellung zur Postautomation und Quelle steht als chronologischer Aufhänger die Wiedervereinigung Deutschlands im Mittelpunkt der Konzernentwicklung an.
Quelle verzeichnete eine absolute Sonderkonjunktur. Die Umsatzzahlen durch die Einbeziehung der Neuen Bundesländer stiegen in den Jahren 1990/91 und 1991/92 zweistellig um 24% bzw. 17%!  Das Versandzentrum Nürnberg stieß damit logistisch an seine absoluten Grenzen.
Die Konzernleitung von Quelle beschließt 1991 den Bau eines zweiten Großversandzentrums auf dem ehemaligen Flughafengelände  in Leipzig - Mockau. Die Investitionssumme beläuft sich über 1 Milliarde DM (!), man beansprucht 72 Hektar Grundfläche  für das größte Versandzentrum der Welt, das 1993/94 in Betrieb geht.


                                  
                      Vorgestellt wird das Versandzentrum Leipzig mit einem Absenderfreistempel aus dem Jahr 2003

Im Rahmen der logistischen  Neukonzeption ab 1994 wurden neue Adressträger für die EDV – Freimachung bei Quelle entwickelt, die identisch waren für die Anwendung in Nürnberg und Leipzig und ab dem Jahr 1995 zur Anwendung kamen. Bis zum Konkurs 2009 sind dann nur noch geringfügige Varianten in dieser neuen Grundform der Postautomation bei Quelle festzustellen.

                              
Wir sehen eine frühe Verwendung des neuen EDV – Adressträgers aus dem Versandzentrum Nürnberg aus dem Februar 1995 als Entg.gepr. Warensendung. Das nachfolgende Beispiel stammt vom  Versandzentrum in Leipzig in gleicher Versendungsform aus dem April1995.

                                        

Schon jetzt sei vermerkt, dass die Absenderangabe mit Quelle  und  Standort Fürth auch  in Leipzig bis zum Schluss auf den Adressträgern beibehalten wurde. Auffällig gegenüber allen bisherigen demonstrierten EDV – Freimachungen ist die zukünftige Ausführung des 3geteilten Rechtecks in schwarzer Farbe. Die unterschiedlichen Postabrechnungsnummern sind in Höhe des Wertzeilendrucks linksseitig neben dem EDV-Rechteck platziert. Ansonsten finden sich die bekannten Barcodes  für die Frachtpostkennung und die Steuerung im Frachtpostzentrum.  Die Deutsche Post firmiert als Aktiengesellschaft, das Posthorn ist stilisiert ausgeführt und ebenfalls ausgefüllt in schwarzer Farbe.

Eine auffällige Sonderform im Adressträger ist aus den Jahren 1995 und 1996 zu vermelden, die  meines  Wissens nach nur  in Nürnberg   auftrat.

                              

Wir sehen vorstehend den neuen Adressträger mit grün vorbedrucktem Farbfeld im  Bereich des 3geteilten EDV – Rechtecks und der Postabrechnungsnummer. Während die farblich gelb hinterlegte Postleitzahl langjährig  bei den Adressträgern zwischen 1987 bis 1996 üblich war, ist diese vorgestellte grüne Variante aus Nürnberg nur recht kurzfristig  gewesen. Mit diesen Farbfeldern sollte vermutlich eine bessere Maschinenlesbarkeit der Daten erreicht werden. Die Erprobung galt in diesem Fall wohl der EDV – Freimachung im 3geteilten Rechteck einschließlich der Postabrechnungsnummer.

                               
Meines Wissens nach gab es auch aus internen Codierungsgründen bei Quelle nur im Nürnberger Adressträger  einen  dritten Barcode, wie es das obige Beispiel zeigt  und wie dies schon vom vorherigen Adressträger her bekannt war s. auch frühere Abbildungen.
Während in Nürnberg der Standort mit Postleitzahl  90471 und Postamt  2  unverändert blieb, kam es in Leipzig zur Änderung im Zeitraum zwischen 1996 und 1997. War zunächst im 3geteilten Rechteck  die Postleitzahl Leipzig 04347 und Postamt 18 vorgedruckt, kam es zur Änderung der PLZ  in 04358 Leipzig ohne weitere Postamtskennung, wie die beiden folgenden Ausschnitte belegen.

                                  
                                                           Wechsel der Postleitzahl Leipzig im EDV-Adressträger

Der Entgeldbetrag ist durch X-Zeichen ab Ende 1995 im Paket- und Postgutversand in der EDV-Freimachung blockiert und nicht  mehr ausgewiesen. Die Abrechnung erfolgte verschlüsselt über die ausgewiesene Postabrechnungsnummer, der auch durch die EDV entsprechende Rabattvereinbarungen je nach Vorgabe  unmittelbar  zugeordnet werden konnten. Die Versendungsformen im Briefversand waren nicht davon betroffen.
Nach der Fusion mit der Karstadt AG 1999 verschwindet mehr oder weniger zeitgleich aus den Adressträgern endgültig der Name Schickedanz  und es erscheint schlicht Quelle Aktiengesellschaft und ebenso verabschiedet sich aus dem Quelleschriftzug das Logo mit der rechten Handinnenfläche im Q. Siehe folgende Belegdokumentation.

                                 

Im Jahr 2006 gab sich der Konzern erneut und letztmalig eine neue gesellschaftliche Firmenstruktur durch Umwandlung in eine GmbH - Form, wie aus den folgenden Beispielen des Jahres 2006 zu erkennen ist.

                                
Der letzte Belegabschnitt demonstriert noch einmal als Warensendung auch den entsprechend ausgedruckten Entgeldbetrag.

Damit möchte ich  das Kapitel mit den neuen Adressträgern der EDV – Freimachung bei Quelle aus den Jahren ab 1995  beenden. Bis zum Konkurs im Jahre 2009 lassen sich keine wesentlichen Detailunterschiede mehr  registrieren.
Aus der zu Anfang  geplanten und angedachten   Gliederung  steht nun das Kapitel an

QUELLE        -Tochterfirmen mit Banken, Versicherungen, Fachgeschäften, Fertighausfirma, Auslieferungslagern u. a.

Es wurden aber schon einige Aspekte davon in der bisherigen chronologischen  Firmenvorstellung und ihrer Dokumentationsmöglichkeit mit Beispielen aus der automatischen Postfreimachung abgehandelt und eingebaut, um eine verständlichere Vorstellung der Konzernentwicklung zu ermöglichen.
So wurde das Quelle- Bankwesen, die Versicherungsgruppe und die Fertighaussparte schon integriert kurz vorgestellt. Andererseits wird unter einem neu beabsichtigten Gliederungspunkt  auch der Hinweis auf die Auslieferungslager noch folgen.

Zwei Tochterunternehmen des Quellekonzerns möchte ich aber gesondert zur Vervollständigung unter dem vorgesehenen Gliederungspunkt abhandeln  und noch einmal beleuchten

FOTO QUELLE und EUROVAL

Das Thema Fotographie  und Quelle  ist eine Erfolgsstory seit 1957. Ein  kurzer historischer Rückblick sei an dieser Stelle erlaubt. Wenn auch die Erfindung der Fotographie  in Frankreich in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts zuvor ihren Ausgang genommen hatte, so war deutscher Erfindungsgeist in der weiteren Entwicklung nicht unbeteiligt und die ersten gebrauchsfähigen Farbfilme Agfacolor  stammten aus einer Fabrik 1936 in Wolfen, die zum I.G. Farben Konzern gehörte. Nach Kriegsende nutzte Kodak in den USA beschlagnahmte Dokumente aus Wolfen als Ausgangslage zur Produktion  einer neuen und verbesserten Farbfilmgeneration. Die Teilung Deutschlands bedingte die Entwicklung zweier namhafter Filmfabriken in Deutschland  mit den Werken Agfa Leverkusen und Agfa Wolfen. Nachfolgend vorgestellt die VEB Filmfabrik AGFA Wolfen mit einem Francotyp B Absenderfreistempel aus dem Jahr 1959.

                                     
Um weitere auch markenrechtliche Auseinandersetzungen mit AGFA Leverkusen zu vermeiden, firmierte sich AGFA Wolfen  namensmäßig 1964 in ORWO (Original Wolfen) um, wie dies auch der nachfolgende Absenderfreistempel aus 1967 belegt.

                                     
Damit führt  uns dieser kurze historische Ausflug  im Thema wieder zurück, denn Ende 2009 übernahm ORWO aus dem Quellekonkurs die Tochterfirma FOTOQUELLE!
1957 bot Quelle in seinem Katalog unschlagbar günstig ein Fotokomplettset mit der berühmten Quelle-Box an und eröffnete damit den Eintritt der japanischen Fotoindustrie auf den deutschen Markt.

                  
Die Abbildung stammt aus dem Bucher-Verlag mit dem Titel DIE QUELLE STORY. Die dazugehörige Bedienungsanleitung kam mit 4 (!) Seiten im DIN C6- Format aus, die noch großzügige Illustrationen aufwies!

                                                                                             
Seither war die weitere Entwicklung der Fotosparte bei Quelle von phänomenaler Dynamik geprägt. Umfasste das erste Inserat die halbe Seite 86 im Katalog von 1957, so war schon nach zwei Monaten ein Lieferengpass erreicht! Die zunächst kleine betreuende Mannschaft zog im Haus der Quelle mehrfach um, der Mitarbeiterstamm wuchs bis 1961 in der Fotoabteilung auf die Zahl 130 und erreichte einen Jahresumsatz von 30 Millionen DM. Es wurde zur verbesserten Betreuung und Organisation die „Quelle-Foto und Filmdienst GmbH“ gegründet, eigene Räumlichkeiten  wurden geschaffen und es folgte  die Investition mit 1 Millionen DM in ein Quelle-Color-Großlabor und damit die Unabhängigkeit von Auftragsfirmen im  angebotenen  Filmentwicklungsdienst.

                                 
Die Francotyp Stammkarte zeigt nicht nur im Unikat den Wechsel des Absenderfreistempels von der H. Schellhammer GmbH zur QUELLE FOTO u. FILMDIENST  GMBH im Jahr 1962 sondern auch den Wechsel zum charakteristischen und bekannteren  FOTO-QUELLE LOGO  aus dem Jahr 1964.
Einen Klischeewechsel aus dem Jahr 1966 im Absenderfreistempel demonstriert die Rückseite der Stammkarte und wirbt für das oben  angeführte Großlabor  der Foto-Quelle (vergrößert).

                                                                 
Bei weiterer Expansion konnte 1979 das „größte Fotohaus der Welt“ von Quelle  mit einem modernen und großzügigen Komplex in Nürnberg-Langwasser  in Betrieb gehen.
Es wurde auch unter dem Begriff REVUE  eine eigenständige Marke etabliert, hier vorgestellt auf einem Absenderfreistempel aus dem Jahr  1980.
                                 
                           
Neben den vorgestellten Absenderfreistempeln dokumentiert auch die EDV-Frankatur  die FOTO-QUELLE  und hier speziell den Versandbereich.
                        
Die nachfolgende Abbildung zeigt eine Nachnahmeversendung als Brief in der EDV-Frankatur durch Zentralcomputer (nicht Label) und mit anhängendem Rechnungsteil.

                                          
War im obigen Beispiel der Adressträger vorbereitet für die Nachnahmeversendung gab es auch Vordrucke für den Paketversand mit entsprechender EDV-Freimachung. Wurde in solchen Fällen dennoch der Briefversand gewählt, xte der Computerdruck den entsprechenden Bereich  der Paketnummer aus, wie es in folgender Abbildung erkenntlich ist.

                                         
Die folgenden drei EDV – Frankaturen kennzeichnen noch einmal die Schritte der fortlaufenden Entwicklung im Labelbereich bei Foto-Quelle.

                                                             
Das Label als Geb.gepr. Warensendung stammt aus dem Jahr 1983 und demonstriert auch hier im Vordruck das  1964 eingeführte Logo.

Es folgte auch hier die Weiterentwicklung zum Großlabel und nun mit integriertem Adressdruck unter Beibehaltung zunächst des bekanntem Logovordrucks. Nachfolgend linksseitig vorgestellt  aus dem Jahr 1990 mit  einer Warensendung .
  
              
Das rechts platzierte Beispiel aus dem Jahr 1996 hat im Labelvordruck die neue Inschrift mit FotoQuelle  und ersetzt damit das lange benutzte Firmenkennzeichen. Die Deutsche Bundespost war mittlerweile erkennbar privatisiert zur Deutschen Post AG, das stilisierte Posthorn war bekanntermaßen  nach rechts gerückt und im Rotton ausgefüllt. Ferner ist im Detail die schon erwähnte Maschinenkennung eingeführt.

                                                                       
                                              Detailausschnitt mit erkennbarer Bizerba- Maschinennummer BI 40176

Noch im gleichen Jahr erfolgte auch hier die schon weiter oben im Quellekapitel zuvor beschriebene Umstellung  auf den schwarzen Labelvordruck 
                                                           
Weitere wesentliche Änderungen lassen sich meines Wissens nach in der automatischen Postbearberitung bei Foto-Quelle nicht mehr registrieren. Wie oben schon erwähnt geht diese Quelle-Tochterfirma aus dem Insolvenzverfahren  Ende 2009 in die ORWO Net GmbH aus Sachsen-Anhalt über. Damit sieht es etwas hoffungsvoller für die Mitarbeiter und auch die ca. 1000 Franchise-Partner  der Foto-Quelle-Shops aus.   

                                          
                                    Bildausschnitt  einer Ansichtskarte vom Hauptmarkt in Trier mit  Foto-Quelle –Shop

Auch die QUELLE-Tochterfirma EUROVAL soll noch einmal explizit kurz vorgestellt werden. Gegründet  1963 als Spezialabteilung für Schmuck und Uhren wird das 45 jährige Jubiläum im Jahr 2008/09 auf dem Verkaufskatalog  extra herausgestellt. 

                            
Postalisch wurde EUROVAL schon mit einer EDV- Warensendung aus dem Jahr 1994 schon einmal kurz  erwähnt. S. folgendes Labelbild.                                   
                                                             
Im Versandgeschäft der Schmuck- und Uhrenabteilung war die Versicherungsfrage  ein wesentlicher Punkt. Gewichtsmäßig  war eine Paketversendung in den wenigsten Fällen sinnvoll, aber es bestand die Möglichkeit der Versendung im Einschreibverfahren bzw. als Wertbrief. Zur rationellen Postabfertigung griff hier die Quelletochter wieder auf die Bizerba- Postgebührenermittlungsanlage zurück in der MCI-P3-Ausführung, die uns wieder zum entsprechenden Label für diese nachzuweisenden und versicherten  Versendungsformen führt. Auch hier die eingedruckten R- und V – Zettel mit dem Kennbuchstaben qu und der Absenderangabe EUROVAL.    

                                                 Einschreiblabel auf kompletten Versandbrief mit Adressfolie 

                   
                                                                        R- Labeldetailausschnitt  EUROVAL 
 ´                                 
              Nachfolgend ist die entsprechende Wertbriefversendung abgebildet. Zunächst im kompletten Briefbild.

                  
                                                                   V -  Labeldetailausschnitt EUROVAL                             
                                      
Gewichtsangabe und Postabrechnungsnummer zwischen V-Zettel-Eindruck und 3geteiltem Rechteck platziert. In beiden Labelformen wird in den eingedruckten R- und V- Zetteln der Buchstabe qu  im Selbstbucherverfahren  für Quelle ausgewiesen.
Nach meinem Kenntnisstand konnte EUROVAL nicht aus der Insolvenzmasse der QUELLE im Jahr 2009 herausgetrennt  werden.


Weiteres Postalisches aus dem QUELLE – Konzern

Da die Ausarbeitung zum Quelle – Konzern  innerhalb des Themas Deutsche Postautomation  unter dem Gliederungspunkt Freimachung mit Freistempel recht breit aufgestellt wurde, bietet es sich an, zumindest  weiteres Postalisches des größten Kunden der Deutschen Post mit einigen Beispielen noch zu ergänzen, bevor chronologisch  die Fusion mit Karstadt 1999 und der Konkurs 10 Jahre später 2009  das Gesamtkapitel  QUELLE  abschließen sollen.

Eine kleine Untergliederung  in

-Absenderfreistempel mit Jubiläen, Kaufhäusern
-besondere Versendungsformen mit Infopost, Fotopost, Kursbrief
-Auslieferungslager des Versandhauses
-Portofreimarken  im Werbeeinsatz
-Postcard  als Werbung der Quelle AG
-Telefonkarten

soll zumindest inhaltlich noch einige mögliche postalische Aspekte zum Quelle- Konzern kurz vorstellen.

Absenderfreistempel

Zunächst einmal sind die Jubiläen der QUELLE  Anlass genug gewesen, dies mit entsprechenden Klischees in den Freistempelmaschinen zu würdigen. Der Quelleversand war schon seit der Gründung durch Gustav Schickedanz  stets  mit der Deutschen Post  verknüpft, so dass Quellejubiläen auch stets die Zusammenarbeit mit der Post zeitgleich beleuchteten.


                                          
                                         Absenderfreistempel 50 Jahre Quelle aus Nürnberg 1 mit Datum vom 11.11.1977  
            
                                  Das 75jährige Jubiläum im Jahr 2002 findet ebenfalls seinen entsprechenden Niederschlag  
              
                                           
                                          Auch die Post bedankt sich entsprechend bei Quelle für 75jährige Partnerschaft

                 

Auch Quelle- Kaufhäuser vor Ort können mit ihrem Absenderfreistempel  dokumentiert werden, wie das folgende Beispiel aus Mönchengladbach mit einer Francotyp- Stammkarte  aus 1965 als Unikat belegt.

                     

Auch wenn es noch zahlreiche Beispiele gibt,  möchte ich hier schon den Gliederungspunkt Absenderfreistempel begrenzen, um zum Punkt

besondere Versendungsformen  zu kommen.

Werbung war bei Quelle ein höchst wichtiger Punkt nicht nur mit Radio und Fernsehen, sondern besonders auch durch Versand von Werbematerial in Form von Massendrucksachen oder Infopost.

Das folgende Beispiel ist nicht nur Werbung von Quelle sondern auch gleichzeitig Information in der stilisierten Briefmarkennachbildung  mit dem  Hinweis auf den Sonderpreis im Handel  aus dem Jahr 2008 als besonders kundenorientierter Dienstleister.

          
Auch im Infopostbereich  soll aus Gründen der Übersicht ein Belegbeispiel aus der Fülle des Materials genügen!
Ein Kursbriefbeleg findet sich in der Masse des Postmaterials zu Quelle dennoch nicht so häufig.          
              
Der oben gezeigte Kursbrief (Ausschnitt) demonstriert aber eine wohl gängige  Postverbindungsstrecke  für eilige und wichtige Nachrichten zwischen dem Verkaufshaus Salzgitter und dem Quelle- Regionallager in Lehrte mit Datum vom 30.6.1986.

Der FOTOPOST- Beleg  als Versendungsprodukt der Deutschen Post AG  soll nachfolgend  die kleine Belegserie zu den besonderen Versendungsformen bei Quelle abschließen.

                          

Schon der Gliederungspunkt Auslieferungslager QUELLE könnte aus verschiedenen Orten mit entsprechenden  Adressträgern oder Paketkarten  eine absolut umfangreiche Abhandlung ermöglichen. Bekannt sind mir die Auslieferungslager aus Arnsberg, Aschaffenburg, Elmshorn, Frankfurt, Gross-Gerau, Haltern, Hörstel, Hof, Hoppstädten, Kernen, Lehrte, Nettetal, Oberviechtach, Remscheid,  Seßlach,  Sundern  und Werl  und auch diese Aufzählung wird wohl nicht komplett sein. Aber auch in diesem Fall soll eine kleine Auswahl genügen.

Zunächst ein Beleg vom Auslieferungslager Frankfurt mit Absenderfreistempel der Bettenfabrik der Quelle  mit Datum vom 7.12.1987 über DM 3,00 für den Päckchenversand. Interessant ist auf dem Adressträger der Computerausdruck  mit Gewicht und Portogebühr und geblocktem Paketfeld.       
                  
                          
Die nachfolgenden Paketkarten sollen auf  die Möglichkeiten im Zudruck der entsprechenden Paketeinlieferungszettel hinweisen. Zum einen gab es schon vorgedruckt den Hinweis auf das Auslieferungslager Quelle und  hier auf Aschaffenburg,  im anderen Beispiel aus Haltern wurde ein Gummihandstempel in grüner Farbe zusätzlich verwendet. 

 

Im Rahmen  des Werbeeinsatzes nutzte Quelle die Idee von Portofreimarken für die Rückantwort, wie sie auch von anderen Anwendern  wie z.B. ADAC,  Bertelsmann u.a.  her bekannt sind.  Auch hier sollen drei Beispiele genügen.
             
                      
In der Regel waren die Portofreimarken nicht lose, wie oben demonstriert beigefügt, sondern waren den Antwortumschlägen rückseitig  an der Verschlusskappe mit Perforationslinien angeheftet.
              

Aber nicht nur mit Portofreimarken wurde geworben sondern auch direkt durch ein Briefmarkengeschenk  unter Verwendung einer  Portocard. 
                                
         
Unter dem Gesichtspunkt Werbung zur Ergänzung noch etwas „Telefonisches“.

       
Mit der Abbildung von zwei Telefonkarten aus der Quellewerbung möchte ich dieses Kapitel  „Weiteres Postalisches  aus dem QUELLE - Konzern“  beenden und  überleiten zum  Abschlusskapitel

QUELLE      - Fusion mit dem Karstadt- Unternehmen
                     - Konkurs, Zerschlagung und Perspektive

Die Abhandlung zum Thema Postautomation und Quelle – Konzern geht mit den oben angeführten Kapitelüberschriften in die Endphase seiner Betrachtung.
Beide Warenhauskonzerne Quelle und Karstadt sahen sich Ende des 20.Jahrhunderts gezwungen ihre absinkenden Marktanteile zu sichern. Überlegungen zu den Einkaufsgewohnheiten ihrer Kundschaft und damit zu neuen Marktchancen führten bei Karstadt z.B. zur Bündelung des Reisegeschäfts mit der Lufthansa und zur Gründung von C & N Touristik, die hervorging aus der NUR (s. Neckermann Erwerb durch Karstadt 1977) und der Fluggesellschaft Condor. Nachfolgend wurde C & N Touristik in die Thomas Cook AG  eingegliedert und im Jahr 2006 ging Thomas Cook in den Alleinbesitz von Karstadt über und fusionierte später mit der My Travel Gesellschaft.
Stellvertretend hier einmal die Vorstellung der Thomas Cook Reisegesellschaft mit ihrem Absenderfreistempel aus dem Jahr 1991 mit Sitz in Berlin.

                         
Der Quelle – Konzern seinerseits suchte über  zahlreiche Spezialkataloge spez. für jugendliche Trendmode z.B „world of jeans“, mit dem Einstieg in den Tierfutterhandel und Profikleidung für die Berufswelt neue Käuferschichten zu gewinnen.
Angeregt durch frühere Geschäftsbeziehungen spez. aus dem Reisegeschäft und unter dem Druck der wirtschaftlichen Lage  kamen Fusionsgespräche ab 1998 zwischen den Konzernen Karstadt und Quelle zur Auslotung von gemeinschaftlichen Synergien und ihren Gestaltungsmöglichkeiten  in Gang.
Im Geschäftsjahr 1998/99  kommt es dann zur Verschmelzung mit Bildung der  KarstadtQuelle AG und ihrem Hauptgeschäftssitz in Essen. Vorstellung der Hauptverwaltung in Essen mit ihrem Absenderfreistempel aus dem Jahr 2006.

                       
Sofort versuchte die Konzernleitung nach dem Jahr 2000 auf zahlreichen Sektoren gemeinschaftliche Vorteilseffekte zu erzielen, um ihre Geschäftsgrundlagen zu verbessern.

So eröffnet Quelle 1999 sein größtes Technikzentrum im umgebauten Warenhaus auf der Fürther Freiheit und im gleichen Jahr fusionieren die technischen Kundendienste von Karstadt und Quelle und werden im Jahr 2000 neu unter der Firmenbezeichnung Profectis  geführt.  Noch im Jahr 2010, nachdem der Quellekonzern schon in Liquidation stand, finden sich noch Absenderfreistempel aus gemeinschaftlichen Firmenkonstrukten und hier ein Beispiel mit Bezeichnung KarstadtQuelle  und in diesem Fall aus dem Maklergeschäft für Versicherungen.
  
                      
Der Konzern KarstadtQuelle wird also ab dem Jahr 2000 in mannigfachen Aktionen umstrukturiert. Karstadt bildet die Kaufhaus-Premium-Group mit Alsterhaus, KaDeWe und Oberpollinger. Dies wurde bereits thematisch vorgestellt. Die Karstadt Sporthäuser werden ausgebaut und das Online-Warenhaus-Karstadt.de  etabliert. Quelle konzentriert seine Spezialversender teils unter einem neuen Dach. So firmieren die Tochterfirmen Madeleine, Peter Hahn und Atelier Goldener Schnitt  zukünftig als TriStyle Holding GmbH. Auch diese Firmenteile wurden bereits chronologisch mit ihrem Erwerb früher vorgestellt.  1999 ist auch das Jahr in dem ein Versandunternehmen in Shanghai/China aufgebaut wird und auch Estland und Kroatien werden neu in den Versandbereich einbezogen. 2001 erwirbt der Konzern eine 75% Beteiligung am französischen Spezialversender Afibel.


Im Gesamtfirmenkonglumerat tauchen aber durch die Fusion auch Namen auf, die bis dato in der Abhandlung zu kurz gekommen sind und in das KarstadtQuelle-Konstrukt integriert werden mussten. So kaufte 1988 die Karstadttochter Neckermann das Versandhaus Walz mit seinen bekannten Firmenzweigen baby-walz, die moderne Hausfrau, walz Kidzz, sunnywalz und creawalz.
            
                                  
                         
                                               Absenderfreistempel der Versandhäuser Neckermann und  Walz

     Zwei weitere Vorstellungsbeispiele  in Form von EDV- Frankaturen zum Versandhaus Walz sollen dazu genügen.

                                    

Versandhaus Walz mit einer EDV-Label-Freimachung im Päckchenversand aus dem Jahr  1986  und nachfolgend eine Massendrucksache mit EDV- Frankatur im Fensterbrief aus dem Januar  2000  und Entgeld  DM 1,36 im Prospektversand: Die moderne Hausfrau.

                             

Schon früher wurde erwähnt, dass bei Fusionen und  Übernahmen von Firmenstrukturen häufig die althergebrachten und gewohnten Namen für den Verbraucher beibehalten wurden und die eigentlichen Eigentümerverhältnisse  der Kundschaft zumindest nicht offensichtlich erscheinen. Interessant aktuell dazu eine Aussage aus einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.April 2010 mit Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe. Angesprochen auf allein 123 Unternehmen in dem Konzern ….. „wir  müssen den Kunden von Baur, SportScheck oder Manufactum ja nicht erzählen, dass die OttoGroup  dahinter steht“.

Schon aus den bisherigen Ausführungen  spürt der unbeteiligte Zuschauer und Wirtschaftslaie einen gewissen bedrohlichen Aktionismus und tatsächlich entwickelt sich die Geschäftslage  der KarstadtQuelle ab 2002 dramatisch leider aber im Sinne und in Richtung von finanziellen Schwierigkeiten.

Seit 2002 erhalten die Versandabteilungen mit den wichtigsten Teilen Quelle/Neckermann und weiteren 18 (!) Spezialversendern eine Bündelung und einen gemeinsamen Vorstandsvorsitzenden. zur Straffung von Einkauf und Logistik Der Umsatz bricht 2004 dennoch mit 9,4% fast zweistellig ein.

Im Juni 2004 wird Thomas Middelhoff Aufsichtsratschef im Gesamtkonzern und wechselt im Mai 2005 ins Amt des Vorstandchefs. Die Hauptaktionäre sind die Geschäftsbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz.
Im Jahr 2005 bleibt Karstadt im Warenhaussektor dem Gesamtwarenangebot unverständlicherweise treu, lagert aber die Feinkostabteilung im Joint Venture mit der Rewe Gruppe aus und auch hier sind die Restrukturierungen mühselig trotz neuer Namensgebung Perfetto  und einer neuen Angebotspalette.
Im gleichen Jahr 2005 trennt sich der Konzern von 74 (!) kleineren  Warenhäusern, die in der Karstadt Kompakt GmbH  zusammengefasst waren - darunter zahlreiche alte Hertiefilialen  - durch Verkauf an den britischen Finanzinvestor  Dawney, Day und Hilco Ltd.
50 SinnLeffers (s. frühere Vorstellung) Filialen  und Runners Point werden im gleichen Jahr verkauft. Speziell die drei letztgenannten Beispiele erinnern  vordringlich an das Sanierungskonzept  der Karstadt AG aus den Jahren 1929/1934.
2006 werden die verbliebenen Immobilien der Karstadt-Warenhäuser mit ihren innerstädtischen Bestlagen an Investoren veräußert, die mit bekannten Namen wie Goldmann Sachs, Deutsche Bank, Pirelli, Generali  besetzt sind. Die Immobilien werden von der Gesellschaft Highstreet innerhalb des Whitehall Fonds  zurückgemietet zu Bedingungen und Preisvorstellungen, die teils auf Unverständnis in der Öffentlichkeit stießen und Grundlage weiterer Klärungsversuche sind.
Das Jahr 2006 bezieht auch die Importstruktur zur Preisreduzierung ein und überträgt wichtige Geschäftsimporte direkt an das chinesische Firmenimperium  Li & Fung (Hongkong).
2007 gibt sich der Konzern den neuen Kunstnamen Arcandor.
Aber die Gleichsetzung neuer Name = neuer Gewinn sollte sich nicht bewahrheiten.
Auch Kapitalerhöhungen in Millionenhöhe, die durch das Bankhaus Sal. Oppenheim 2008 im Wesentlichen finanziert wurden, sollten Arcandor nicht mehr retten. 2008 wird Neckermann zu 51% an den Investor "Sun Capital" veräußert. Thomas Middelhoff tritt Februar 2009 als Vorstandschef zurück und am 9. Juni 2009 wird beim Amtsgericht in Essen der Insolvenzantrag für Arcandor gestellt. Der Antrag betrifft nicht Thomas Cook, die KarstadtQuelle Bank und einen Teil der Spezialversender. Auch weitere Konzernteile  konnten vom Insolvenzverwalter  Klaus Hubert Görg aus der Konkursmasse durch Verkauf abgetrennt werden.
So ging der Versicherungszweig  gänzlich mittlerweile an die ERGO-Gruppe, KüchenQuelle und FotoQuelle u.a .Teilbereiche erhielten neue Besitzer.

Markenrechte und Namensrechte zu QUELLE konnten  an die Otto Gruppe, Hamburg verkauft werden. Es wird zu beobachten sein, ob und wie der NAME QUELLE von dort einmal wiederbelebt wird oder in Erscheinung tritt.

                                
Das Insolvenzverfahren ist (Stand Mai 2010) noch nicht für die Karstadt AG abgeschlossen und QUELLE wurde noch im Jahr 2009 mangels Interesse, bis auf die obigen Beispiele „abgewickelt“!

Abschlussbetrachtung
Das Thema QUELLE hat sich auch für mich erstaunlicherweise erheblich ausgeweitet!
Der gebotene Überblick erhebt keinen Anspruch auf vollständige Abhandlung! Weitere Firmen im Karstadt-Quelle-Konstrukt wie Bogner Homeshopping, mirabeau, BON A`Parte, Hess Natur, Planet Sports.com  und andere wurden nicht oder nur ansatzweise vorgestellt.

Sicherlich erlaubt aber der größte deutsche Postkunde mit  über 1 Milliarde Postversendungen seit seiner Gründung eine ideale Möglichkeit auf Entwicklungen zur deutschen Postautomation einzugehen. 

                                    
Ständig zur Rationalisierung im Versand gezwungen, gab es praktisch alle Varianten der Postautomation speziell auch durch den Computereinsatz zu beobachten. Dabei ist eine Trennung der Freimachung durch Absenderfreistempel oder sog. EDV- Frankatur  meines Erachtens nicht mehr sinnvoll. Beides hat seinen Einsatz beim Versender und die neuen Freistempelmaschinen sind ebenfalls mit Elektronik ausgerüstet und werden auch schon mittels Mikroprozessoren  gesteuert.

Komplett kann man bei einem solchen Massenversender nicht werden, aber häufig sehr günstig in Krabbelkisten auf philatelistischen Veranstaltungen und im Freundeskreis fündig werden. Viele dieser Belege haben als Geschäftsbedarf ihre mehr oder weniger großen Qualitätsabstriche zu verzeichnen. Es ist eben reiner Postbedarf und kein Produkt wurde gezielt aus finanziellen Erwägungen heraus  für die Philatelie produziert. Glücklicherweise bedarf auch keiner dieser Belege einer „neuesten Prüfung mit einem Fotoattest“!
Selbstverständlich kann und soll diese Abhandlung auch als Anregung und mögliches Konzept dazu dienen und verstanden werden, eventuell seinen eigenen ausgesuchten Versender, sein  persönliches Thema oder Motiv philatelistisch zu beleuchten und zu bearbeiten.
Offen gestanden hat in meiner Familie niemand  besondere  Beziehungen  zu  QUELLE, aber wie gesagt, es war der größte deutsche Postkunde und damit einer näheren Betrachtung wert!
Aber vielleicht geht es ja über die Otto-Gruppe Hamburg mit dem Namen QUELLE noch eine kleine Fortsetzung! Ich bedanke mich für Ihr Interesse an diesem etwas langatmigen und wirtschaftlich sehr komplexen Thema.





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